op. 111 – Eine Analyse in 335 Teilen – Takt 93

Am 15. Dezember 2015 begann Arno Lücker eine Bad-Blog-Serie. Die vermutlich längste Bad-Blog-Serie aller Zeiten. Denn das Vorhaben ist, jedem einzelnen Takt von Beethovens letzter Klaviersonate c-Moll op. 111 (1822) eine eigene Analyse zuteil werden zu lassen. Die Sonate hat genau 335 Takte. Also müssen es auch 335 einzelne Analysen sein. Manchmal ist Konsequenz der einzige Ausweg.

Die bisherigen Folgen:
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In unserem heutigen Takt führt Beethoven das weiter, was er im Vortakt angefangen hat: Das Hauptthema mächtig in Oktaven erklingen lassen.

Auf der dritten Zählzeit verändert Beethoven allerdings aus pianistischen Gründen (wobei man das natürlich auch hinbekommen kann…) die Setzweise und lässt nur die erste 16tel in der rechten Hand als Oktave stehen. Der Rest dünnt aus. Nur die Schlussoktave auf Zählzeit vier wird wieder sicher in den Heimat-Humus dieses Taktes gepflockt. (Was für ein geiler Satz. Ich lasse ihn so stehen. Ohne schlechtes Gewissen!).

Auf eine Weise fühlt man sich wieder sicher. Das Thema kennen wir ja nun schon ganz gut. Fast zu gut! Die Überraschung kommt dann auf der allerletzten Achtel des Taktes. Im Piano sind die Töne f2, g2 und as3 zu spielen. Das bekommen nicht nur kleine Pianist*innen-Hände schwer hin, das klingt auch – so für sich genommen – herrlich nach Neuer Musik.

In your face, Traditionalisten!

Arno

Arno Lücker wurde 1979 in Braunschweig geboren. Seit 2003 lebt er in Berlin. Dort arbeitet Arno Lücker als Musiktheater- und Konzert-Dramaturg.

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