op. 111 – Eine Analyse in 335 Teilen – Takt 16

Jeder einzelne Takt von Ludwig van Beethovens Sonate für Klavier c-Moll op. 111 aus dem Jahr 1822 wird an dieser Stelle von Bad-Blogger Arno Lücker unter die Lupe genommen. Ein Versuch, dieser Musik irgendwie „gerecht“ zu werden, was natürlich, dafür aber fröhlich, scheitern muss.

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Beethoven op. 111 - 1. Satz - Takt 16

Jetzt hat sich der van Beethoven also da unten so G-Dur-mäßig ziemlich festgesetzt. Die Tonwiederholungen des Vortaktes brechen ab. Der G-Dur-Akkord in der rechten Hand wird noch einmal länger – nämlich eine ganze Note lang.

Ein ausnotierter 32stel-Triller auf den Tönen G1 und As1 im Bass. Tatsächlich ohne Pedal! Was nicht leicht im jetzt vorgeschriebenen Pianissimo zu realisieren ist! Machen wir doch (wie schon in Takt 4 und Takt 13) noch einmal einen kleinen Interpretationsvergleich…

Artur Schnabel (1932) scheint mir den Triller ins Pedal zu nehmen. So auch mein geliebter Solomon Cutner (1951), der unseren Takt 16 herrlich leise spielt – und dadurch unso umheimlicher umso unheimlicher.

Friedrich Gulda (1953) nimmt tatsächlich wenig bis gar kein Pedal. Der Triller zeichnet sich dadurch ganz klar im Bass ab. Wollte Beethoven diese Hölzernheit? Vielleicht.

Wilhelm Backhaus (1953) tritt wiederum fest ins Pedal, ebenso Edwin Fischer (1954), der außerdem ein von van Beethoven hier nicht vorgeschriebenes Crescendo spielt.

Sviatoslav Richter (1961) verwendet ebenfalls recht viel Pedal, dafür klingt das Ganze bei ihm angenehm sonor und kernig.

Elly Ney (1968), Grigory Sokolov (1988) und Arturo Benedetti Michelangeli (1990) spielen alle recht ähnlich und mit starkem Pedal-Einsatz – Daniil Trifonov (2014) lässt die Töne im Pedal sogar total verschwimmen.

Mein Favorit für Takt 16 also, relativ deutlich: Friedrich Gulda.

Arno Lücker wurde 1979 in Braunschweig geboren. Seit 2003 lebt er in Berlin. Dort arbeitet er als Moderator und Dramaturg. Er ist Künstlerischer Leiter der Astronomie-Musik-Reihe "Himmlische Partituren" im Zeiss-Großplanetarium Berlin, arbeitete für das Konzerthaus Berlin, das Brucknerhaus Linz und viele andere, schreibt Programmtexte für zahlreiche Orchester (Wiener Philharmoniker, New York Philharmonic), macht Konzerteinführungen in der Elbphilharmonie Hamburg, der Kölner Philharmonie und anderswo. Außerdem ist er Bad-Blog-Autor der ersten Stunde und arbeitet als Kurator für die Musikstreaming-App IDAGIO.