op. 111 – Eine Analyse in 335 Teilen – Takt 84

Am 15. Dezember 2015 begann Arno Lücker eine Bad-Blog-Serie. Die vermutlich längste Bad-Blog-Serie aller Zeiten. Denn das Vorhaben ist, jedem einzelnen Takt von Beethovens letzter Klaviersonate c-Moll op. 111 (1822) eine eigene Analyse zuteil werden zu lassen. Die Sonate hat genau 335 Takte. Also müssen es auch 335 einzelne Analysen sein. Manchmal ist Konsequenz der einzige Ausweg.

Die bisherigen Folgen:
Takt 1 Takt 2 Takt 3 Takt 4 Takt 5 Takt 6 Takt 7 Takt 8 Takt 9 Takt 10 Takt 11 Takt 12 Takt 13 Takt 14 Takt 15 Takt 16 Takt 17 Takt 18 Takt 19 Takt 20 Takt 21 Takt 22 Takt 23 Takt 24 Takt 25 Takt 26 Takt 27 Takt 28 Takt 29 Takt 30 Takt 31 Takt 32 Takt 33 Takt 34 Takt 35 Takt 36 Takt 37 Takt 38 Takt 39 Takt 40 Takt 41 Takt 42 Takt 43 Takt 44 Takt 45 Takt 46 Takt 47 Takt 48 Takt 49 Takt 50 Takt 51 Takt 52 Takt 53 Takt 54 Takt 55 Takt 56 Takt 57 Takt 58 Takt 59 Takt 60 Takt 61 Takt 62 Takt 63 Takt 64 Takt 65 Takt 66 Takt 67 Takt 68 Takt 69 Takt 70 Takt 71 Takt 72 Takt 73 Takt 74 Takt 75 Takt 76 Takt 77 Takt 78 Takt 79 Takt 80 Takt 81 Takt 82 Takt 83

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So Freunde, Vorsicht, Eigenwerbung! Am nächsten Donnerstag, den 23. Februar präsentiere ich euch live das Universum der 32 Klaviersonaten Beethovens. Und zwar um 20.00 Uhr im Zeiss-Großplanetarium in Berlin (Prenzlauer Berg), dem modernsten Planetarium Europas – mit der größten Projektionsfläche Europas. (Ein paar Tickets gibt es noch.)

Hinrich Alpers, Beethoven-Wettbewerbsgewinner von 2009, spielt zwei Sonaten – aber er könnte alle spielen (und hat das auch schon innerhalb von wenigen Tagen am Stück getan, siehe hier). Und deshalb stellen wir euch alle Sonaten kurz vor!

Wir tauchen sozusagen ein in das Universum der Klaviersonaten Beethovens – und reisen dazwischen beispielsweise zu einem 625 Kilometer großen Krater auf dem Merkur Namens „Beethoven“.

Die 32 Klaviersonaten Beethovens werden wir in 360-Grad-Ansicht erleben. Eine Haydn-Arbeit sag‘ ich euch!

Aber falls ihr nicht live dabei sein könnt: Ich habe euch etwas für den Heimbedarf gebastelt. Und zwar den großen „Der große Beethoven-Klaviersonaten-360-Grad-Ring zum Ausschneiden“!

Hier könnt ihr das Teil downloaden – und euch umhängen. Wo und wann immer ihr wollt!

Natürlich wird es auch um die letzte Sonate op. 111 gehen. Aber nur ganz kurz…

An dieser Stelle aber jetzt weiter mit Takt 84…

Schon in der letzten Folge hatten wir gemutmaßt, dass der kurze Fugen-Teil hier zu Beginn der Sonatendurchführung offenbar endet. Unser heutiger Takt bestätigt das. Zwar liegt eine ganz klare Zweistimmigkeit vor, die theoretisch als polyphon aufgelockerter Zwischenspielteil einer Fuge möglich wäre, doch strebt das Gesamtfüge in den Händen des Pianisten auf eine Weise auseinander, die signalisiert: hier geht es nicht mehr um eine Rückbesinnung auf Bach oder sonst irgend’nem geilen Hengst, sondern um die Fortschreibung einer drängenden Durchführungsentwicklung.

Das mittels des Vortakts deutlich anvisierte f-Moll wird in unserem heutigen Takt nur auf der ersten Achtel bestätigt. Danach folgt – weiter alles im Rahmen einer toccatenartigen Anmutung – der Gang zu c-Moll, mit anschließender Rückversicherung durch G7 (zweite Zählzeit).

Der modulative Charakter wird dann in der zweiten Takthälfte – die rechte Hand löst sich jetzt hinaufstrebend aus der Verharrung im Baritonregister des Klaviers – noch weiter getrieben; funktionsharmonisch interpretiert wären die einzelnen Harmonien ab der dritten Zählzeit dann wie folgt zu benennen: G-Dur-Sextakkord (erste Hälfte der dritten Zählzeit; freilich aus einer vertikal gedachten Anordnung des eigentlich horizontal erklingenden Tonvorrats hervorgehend), C7-Sekundakkord (zweite Hälfte der dritten Zählzeit), F-Dur-Sextakkord (erste Hälfte der vierten Zählzeit) – und schließlich unser beliebter und anlässlich von Takt 11 ausführlicher beschriebener Dominantseptnonakkord mit tiefalterierter Quinte und ohne Grundton.

Na, mal sehen, ob es im nächsten Takt dann so modulativ, virtuos aufbegehrend weitergeht…

Arno

Arno Lücker wurde 1979 in Braunschweig geboren. Seit 2003 lebt er in Berlin. Dort arbeitet Arno Lücker als Musiktheater- und Konzert-Dramaturg.

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