op. 111 – Eine Analyse in 335 Teilen – Takt 62

Jeder einzelne Takt von Ludwig van Beethovens Sonate für Klavier c-Moll op. 111 aus dem Jahr 1822 wird an dieser Stelle von Bad-Blogger Arno Lücker unter die Lupe genommen. Ein Versuch, dieser Musik irgendwie „gerecht“ zu werden, was natürlich, dafür aber fröhlich, scheitern muss.

Die bisherigen Folgen:
Takt 1 Takt 2 Takt 3 Takt 4 Takt 5 Takt 6 Takt 7 Takt 8 Takt 9 Takt 10 Takt 11 Takt 12 Takt 13 Takt 14 Takt 15 Takt 16 Takt 17 Takt 18 Takt 19 Takt 20 Takt 21 Takt 22 Takt 23 Takt 24 Takt 25 Takt 26 Takt 27 Takt 28 Takt 29 Takt 30 Takt 31 Takt 32 Takt 33 Takt 34 Takt 35 Takt 36 Takt 37 Takt 38 Takt 39 Takt 40 Takt 41 Takt 42 Takt 43 Takt 44 Takt 45 Takt 46 Takt 47 Takt 48 Takt 49 Takt 50 Takt 51 Takt 52 Takt 53 Takt 54 Takt 55 Takt 56 Takt 57 Takt 58 Takt 59 Takt 60 Takt 61

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Die 16tel-Bewegung, die wir schon von einigen Takten zuvor in der Machart kennen, erscheint in Takt 62 nun dauerhaft durchlöchert, schließlich „fehlt“ jeweils die erste Note der beiden – je sieben Töne aufweisenden – 16tel-Gruppen. Einerseits entsteht durch diese Ausdifferenzierung der schnellen Begleitung mehr Drama (bitte „Drama“ englisch aussprechen). Die 16tel-Bewegung wird nicht mehr als selbstverständlich hingestellt, außerdem entsteht mittels der Auslassung der ersten 16tel ein Eindruck der Atemlosigkeit.

Diese Durchbrechung hat zudem ganz praktische Gründe, denn durch die Auslassung treten die in Stein gemeißelten thematischen Töne in der Oberstimme der rechten Hand deutlicher hervor. Dort – in der Oberstimme – erfolgt eine Wiederaufnahme der Takte 58 und 59, will heißen: es sind sogar bis zu diesem Zeitpunkt die gleichen dem variierten Hauptthema entnommenen Töne, die hier erklingen. Dabei versetzt Beethoven den Einsatz dieser Töne um zwei Viertel. Fanden wir die jeweiligen variierten Thementöne (As – c – G, entlehnt dem thematischen Ton-Dreigestirn c – es – H) noch rhythmisch „ordentlich“ auf der ersten, zweiten und dritten Zählzeit der Takte 58 und 59 vor, so taucht das Ganze nun auf „drei“, „vier“ und „eins“ auf.

Dazu natürlich wieder klopfende Begleitklänge der rechten Hand. Alles im Dienste der Dramatik!

Und in der Oberstimme dann wieder die schon aus den Takten 58 zu 59 bekannte Rückung von g2 nach ges2 – mit drauffolgendem as2.

Arno

Arno Lücker wurde 1979 in Braunschweig geboren. Seit 2003 lebt er in Berlin. Dort arbeitet Arno Lücker als Musiktheater- und Konzert-Dramaturg.

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