Vack ju, watt? – Geman Music Council

Im mentalen Delirium

Wir wissen nicht, was die da zu sich genommen haben, aber das Präsidium des Deutschen Musikrates muss es eingenommen habenm. Beim Kampf um Aufmerksamkeit sind sie jetzt doch einen Schritt zu weit in den Schritt gegangen. Das nennt man dann Ansprache und die Menschen dort abholen, wo sie stehen, oder? „Fuck You 1Falt“ ist das Positionspapier benannt, in welchem man zahlreiche Forderungen aufstellt zu Steigerung der musikalischen Vielfalt in Deutschland. Jedenfalls kann man es sich zusammenreimen. Ja, klar, man wird sie loben, die Bad Boys des Deutschen Musikrates. Endlich schlagen sie die richtigen Töne an.

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Friede, Freude, Koks & Co

Oh wie geil! Möchte man da im Chor mit ausrufen. So machen wir es supidupi. Heissahoppsafallera. Nein, echt? Mit einem „Fick Dich“-Spruch an die Öffentlichkeit zu gehen ist in der Tat unterste Schublade und dafür würde ich mich schon gerne als spießig/bieder bezeichnen lassen. Alle anderen dürfen sich freuen. Ob sich die Angesprochenen wie Bundestag, Bundesregierung, Bundesrat und Dachvereinigungen der Kommunen und Länder das ebenso sehen, lassen wir man offen.

Da mag man sich den Forderungskatalog schon gar nicht mehr ansehen, in dem dann unter Punkt „4 Breitband für alle gefordert“ wird. Immerhin stand da nichts von bezahlbaren oder kostenlosen Zugängen. Man kann dies allenfalls als Hinweis darauf lesen, dass die Autorinnen allesamt „breit“ gewesen sein dürften. Das Papier wirkt ein bisschen so, als wäre es nach dem ausgiebigen Besuch eines Glühweinstandes entstanden.

Jeder Tag wird zum 1. April – oder nicht …

Aber verantwortlich ist das Präsidium des Deutschen Musikrates. Wer das ist? Na die da:

Prof. Martin Maria Krüger, Hochschule für Musik und Theater München – Prof. Udo Dahmen, Percussion Creativ – Hartmut Karmeier, Deutsche Orchestervereinigung – Dr. Ulrike Liedtke, Konferenz der Landesmusikräte – Jens Cording, Gesellschaft für Neue Musik – Prof. Kapt. Ernst Folz, Landesmusikrat Bremen – Prof. Dieter Gorny, Bundesverband Musikindustrie – Rüdiger Grambow, Bund Deutscher Zupfmusiker – Prof. Dr. Eckart Lange, Landesmusikrat Thüringen – Gerhard A. Meinl, Bundesverband der deutschen Musikinstrumentenhersteller – Wilhelm Mixa, Deutscher Tonkünstlerverband – Dr. Michael Pabst-Krueger, Bundesverband Musikunterricht – Moritz Puschke, Deutscher Chorverband – Prof. Ulrich Rademacher, Verband deutscher Musikschulen – Prof. Dr. Dörte Schmidt, Gesellschaft für Musikforschung – Prof. Dr. Enjott Schneider, Deutscher Komponistenverband – Peter Stieber, Landesmusikrat Rheinland-Pfalz – Prof. Dr. Hermann Wilske, Landesmusikrat Baden-Württemberg

Für die geneigten Bad Blog Leserinnen ist sicher interessant Punkt 6: „Aufstockung des Musikfonds auf 3 Mio. zur Förderung der aktuellen Musik, die nicht zum Mainstream gehört“ – das sollte man sich mal auf der Zunge zergehen und dann in die eigenen Taschen tröpfeln lassen. Ich hätte da nur in meinem Köfferchen aktuelle Musik, die nicht zum Mainstream gehört en masse. Aber wir wollen nich egoistisch sein.

Damit scheint mir, hat sich das Präsidium des Deutschen Musikrates einen Bärendienst erwiesen. Aber warum nur machen die das? Welches Beraterbüro hat denen da übel mitgespielt. Was wohl die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien dazu sagt, die ganz unten auf der Website des Deutschen Musikrates (als was eigentlich) genannt wird?

Und oberkrude ist der letzte Absatz, der hinstammelt:

Schlagworte wie Populäre Kultur, Integration, Inklusion, Neue Musik und Kulturelle Bildung lesen Sie bei uns nicht. In dem Wissen um die Potenziale unseres Landes, der viertstärksten Industrienation der Welt, mit dem Willen vieler Menschen zur Mitgestaltung einer humanen Gesellschaft, stellen wir unsere Forderungen in einen direkten Zusammenhang zur UNESCO– Konvention Kulturelle Vielfalt; sowie in dem Wissen um die Ergebnisse zahlreicher Untersuchungen, wie dem Bericht der Enquetekommission „Kultur in Deutschland“, dem Kulturbarometer, dem DMR-Grünbuch und den Bertelsmann-Studien.

… den Bertelsmann-Studien? Und der Forschungsstelle der BILD-Zeitung fehlt da noch. Und was liest man nicht als Schlagworte? Inklusion? Kulturelle Bildung? („Der Deutsche Musikrat begrüßt die klaren Worte von Bundestagspräsident Norbert Lammert zur gesellschaftlichen Bedeutung der kulturellen Bildung, die einmal mehr deutlich werden lassen, dass Deutschland im Bereich der kulturellen Bildung keine Spitzenposition einnimmt.“) Etc. Ein Rätsel!

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Chefmitarbeiter bei | Website

seit 1997 chefökonom der kritischen masse und netzbabysitter der nmz.

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