op. 111 – Eine Analyse in 335 Teilen – Takt 34

Jeder einzelne Takt von Ludwig van Beethovens Sonate für Klavier c-Moll op. 111 aus dem Jahr 1822 wird an dieser Stelle von Bad-Blogger Arno Lücker unter die Lupe genommen. Ein Versuch, dieser Musik irgendwie „gerecht“ zu werden, was natürlich, dafür aber fröhlich, scheitern muss.

Die bisherigen Folgen:
Takt 1 Takt 2 Takt 3 Takt 4 Takt 5 Takt 6 Takt 7 Takt 8 Takt 9 Takt 10 Takt 11 Takt 12 Takt 13 Takt 14 Takt 15 Takt 16 Takt 17 Takt 18 Takt 19 Takt 20 Takt 21 Takt 22 Takt 23 Takt 24 Takt 25 Takt 26 Takt 27 Takt 28 Takt 29 Takt 30 Takt 31 Takt 32 Takt 33

Beethoven-op.-111-Seite-01

Beethoven-op.-111-1.-Satz-Takt-34

Ja, auf diesen Takt lief so Einiges in der letzten Zeit zu. Eine kleine, stille Kulmination.

Das im vorigen Takt eingeleitete f-Moll wird hier nur bedingt bestätigt, nämlich nur vorübergehend mit einem Sixte-ajoutée-Vorhalt auf der ersten Achtel, zu der Quinte des f-Moll-Sextakkords hinsteuernd. Dann folgt – das Ganze ist laut Spielanweisung ausdrucksvoll und noch irgendwie zu spielen, nämlich: „poco riten…“? Tja, das können können wir noch nicht erkennen, denn wir arbeiten uns ja wirklich Takt für Takt vor. Ein verminderter Septakkord wird anschließend mittels Sekundüberführung in der Mittel- und Unterstimme kurzfristig (nämlich auf Zählzeit drei) zu einem c-Moll-Quartsextakkord, um sich anschließend – quasi entmännlicht, geschunden, bespuckt (okay, ich übertreibe!) – erneut in Form eines verminderten Septakkordes wiederzufinden.

Eine bedeutende Stelle, weil hier erstmals auf der zweiten Seite eine wirkliche, ruhige Viertelwert-Akkordfolge auftaucht.

Außerdem ein stimmungsmäßiger Kontrapunkt gegen die harschen 16tel-Dramen der vorigen Takte.

Arno

Arno Lücker wurde 1979 in Braunschweig geboren. Seit 2003 lebt er in Berlin. Dort arbeitet Arno Lücker als Musiktheater- und Konzert-Dramaturg.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.