op. 111 – Eine Analyse in 335 Teilen – Takt 33

Jeder einzelne Takt von Ludwig van Beethovens Sonate für Klavier c-Moll op. 111 aus dem Jahr 1822 wird an dieser Stelle von Bad-Blogger Arno Lücker unter die Lupe genommen. Ein Versuch, dieser Musik irgendwie „gerecht“ zu werden, was natürlich, dafür aber fröhlich, scheitern muss.

Die bisherigen Folgen:
Takt 1 Takt 2 Takt 3 Takt 4 Takt 5 Takt 6 Takt 7 Takt 8 Takt 9 Takt 10 Takt 11 Takt 12 Takt 13 Takt 14 Takt 15 Takt 16 Takt 17 Takt 18 Takt 19 Takt 20 Takt 21 Takt 22 Takt 23 Takt 24 Takt 25 Takt 26 Takt 27 Takt 28 Takt 29 Takt 30 Takt 31 Takt 32

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Beethoven-op.-111-1.-Satz-Takt-33

Angesichts von Takt 32 stellten wir bereits innere Bezüglichkeiten fest.

Alle Töne der Oberstimme von Takt 32 sind quasi schon einmal vorgekommen (siehe rote Markierungen in der Grafik unten). Auch die Art der Begleitung in der Unterstimme der rechten Hand kennen wir schon aus Takt 26 (siehe bordeauxrote Markierung). Die thematischen Oktaven (siehe grüne, orangene und violette Markierungen) greifen sogar auf unseren heutigen Takt 33 über.

Markierung in Takt 32 und 33

Aber die Töne in der Oberstimme von Takt 33 sind in der Abfolge noch nicht dagewesen. Gleichzeitig zeigt uns die e-Oktave auf der zweiten Achtel in der linken Hand eine Modulation an. Und tatsächlich geht hier Beethoven nach der Abfolge G-Dur-Dominantseptakkord (Takt 32 auf der vierten Achtel) + c-Moll-Tonika (Takt 32 auf der fünften Achtel) nun vom C-Dur-Dominantseptakkord (Takt 33 auf der zweiten Achtel) zur (vorübergehenden) f-Moll-Tonika über (Takt 33 auf der dritten Achtel).

(Warte, huch! Ein Aerodactyl! Gesehen gestern Nacht um 3 Uhr am Stuttgarter Platz am S-Bahnhof Charlottenburg, by the way.)

Ein synkopierter f-Moll-Sextakkord im unteren System kündigt dann auch tatsächlich Bedeutendes an – im bedeutungsschwangeren Zusammenwirken mit der Spielanweisung „rinforzando“ – also: „verstärkend“; im Sinne von intensivierend, bewusstmachend, verdeutlichend…

Arno

Arno Lücker wurde 1979 in Braunschweig geboren. Seit 2003 lebt er in Berlin. Dort arbeitet Arno Lücker als Musiktheater- und Konzert-Dramaturg.

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