op. 111 – Eine Analyse in 335 Teilen – Takt 31

Jeder einzelne Takt von Ludwig van Beethovens Sonate für Klavier c-Moll op. 111 aus dem Jahr 1822 wird an dieser Stelle von Bad-Blogger Arno Lücker unter die Lupe genommen. Ein Versuch, dieser Musik irgendwie „gerecht“ zu werden, was natürlich, dafür aber fröhlich, scheitern muss.

Die bisherigen Folgen:
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Beethoven op. 111 - 1. Satz - Takt 31

„Mensch, wie siehst du denn aus?“ – So fragt die Mama als der kleine Justin (9) völlig verzottelt nach Hause kommt…

So beginnt nicht nur eine potentielle, sehr schlechte Kurzgeschichte, die aus guten Gründen ungeschrieben bleiben wird, sondern so sieht auch unser heutiger Takt aus.

Takt 31: Als hätte sich zu Beginn des Tags jemand fein gemacht. So richtig mit Anzug (gerade aus der Reinigung gekommen; auf einem dieser wahrscheinlich von Kinderhänden gebogenen Drahtbügel, aus denen sich Riesen gar prima Zahnstocher machen könnten, würden diese denn von denselbigen aufklamüsert werden) und gebügeltem Hemd. Dann jedoch: ein heftiger Platzregen, in Hagel übergehend… Und am Ende des Tages kommt dieser einst so fein Gewandete eben entsprechend zerzauselt nach Hause. Und hoffen wir für ihn, dass er eine liebende Partnerin oder einen liebenden Partner hat, die oder der ihn mit einem frisch gewaschenen und fluffig weichgespülten weißen Handtuch gar freudvoll und tröstend empfängt!

Zur Musik.

Wieder natürlich ein Rückbezug auf Takt 22, schließlich erklingen in der Oberstimme die Töne g – f – es und d. Die gehören ja zum Hauptthema. Muss also sein, führt kein Weg dran vorbei.

Das Ganz ist wieder akkordisch unterfüttert. Alles bewegt sich im harmonischen Dominante-Tonika-Rahmen.

Diese Mal steht die thematische 16tel-Gruppe der dritten Zählzeit nicht alleine im Raum, wie noch zuvor. Auch hier gibt es jetzt eine akkordische c-Moll-Einbettung.

Doch dann folgt – und das sieht allein grafisch so geil aus – in beiden Händen ein Sprung. Die rechte Hand muss rauf zum thematischen as-Auftakt, wobei dieser jetzt mit einer offenbar figurativ gemeinten zweiten Stimme in derselben Hand angereichert wird.

Die linke Hand dagegen springt zur tiefen g-Oktave.

Nicht vergessen dürfen wir, dass es zuvor wieder ein „poco ritenente“ gegeben hat – und folglich am Ende unseres heutigen Taktes wieder ein „a tempo“.

Na, dann mal los!

Arno

Arno Lücker wurde 1979 in Braunschweig geboren. Seit 2003 lebt er in Berlin. Dort arbeitet Arno Lücker als Musiktheater- und Konzert-Dramaturg.

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