op. 111 – Eine Analyse in 335 Teilen – Takt 32

Jeder einzelne Takt von Ludwig van Beethovens Sonate für Klavier c-Moll op. 111 aus dem Jahr 1822 wird an dieser Stelle von Bad-Blogger Arno Lücker unter die Lupe genommen. Ein Versuch, dieser Musik irgendwie „gerecht“ zu werden, was natürlich, dafür aber fröhlich, scheitern muss.

Die bisherigen Folgen:
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Beethoven-op.-111-1.-Satz-Takt-32

Das ist ja jetzt mal wieder raffiniert!

Wir sind inzwischen bei so etwas wie der Fortführung, der Weiterentwicklung des Hauptthemas angekommen. Die thematischen Töne erklingen jetzt oben in den Höhen des Klaviers. Die harmonische Einbettung erfolgt in der „Mittelstimme“ (die ich mal besser in Anführungsstrichen setze, denn diese „Mittelstimme“ ist jetzt natürlich auch ganz schön weit oben angesiedelt…) und – im Gegenwicht dazu – mittels des oktavierten Bassgangs. Im Bass verwendet Beethoven zwei Töne der melodischen c-Moll-Tonleiter (a und h) – und der Ton h findet sich dann auch prompt auf der letzten 16tel der rechten Hand.

Was ist jetzt so raffiniert daran?

Nun, Beethoven hatte den Hauptthemenkomplex ja in Takt 19 zunächst einmal einstimmig begonnen. Ab den Takten 23 und 24 war das Ganze dann ziemlich in Fahrt gekommen; wir stellten dabei sogar ein paar „barocke Implikationen“ fest…

Und raffiniert an Takt 32 ist nun, dass hier Beides zusammenkommt: also einstimmige Melodielinie (oberste Stimme) und „barocke“ 16tel-Ketten, bei denen ein Ton (hier ist es, fast jedes Mal alleinstehend, das g in der Unterstimme der rechten Hand) immer wieder angesteuert wird, während sich die anderen Töne ändern.

Unser heutiger Takt ist also nicht nur im Sinne der „Weiterführung des Hauptthemas“ zu verstehen, sondern gleichsam als Zusammenfassung des Geschehenen…

Arno

Arno Lücker wurde 1979 in Braunschweig geboren. Seit 2003 lebt er in Berlin. Dort arbeitet Arno Lücker als Musiktheater- und Konzert-Dramaturg.

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