op. 111 – Eine Analyse in 335 Teilen – Takt 28

Jeder einzelne Takt von Ludwig van Beethovens Sonate für Klavier c-Moll op. 111 aus dem Jahr 1822 wird an dieser Stelle von Bad-Blogger Arno Lücker unter die Lupe genommen. Ein Versuch, dieser Musik irgendwie „gerecht“ zu werden, was natürlich, dafür aber fröhlich, scheitern muss.

Die bisherigen Folgen:
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Beethoven-op.-111-1.-Satz-Takt-28

Nach dem kräftig aufwärtsstrebenden Takt 28 musste es ja irgendwann soweit kommen, dass es wieder abwärts geht! Ein letztes Sforzato auf der ersten Note – von da aus dann ein Decrescendo-„Storchenschnabel“ über den ganzen Takt. In der Höhe, bei der Raserei, in dieser ganzen Hitzigkeit wirklich leiser werden? Geht das (gut)?

Wie schon in den Takten 4, 13 und 16 folgt ein kurzer diesbezüglicher Interpretationsvergleich.

Evgeny Kissin (2013) interpretiert das Decrescendo von Takt 28 ganz hübsch, aber für mich etwas zu kontrolliert, zu diktiert. Sehr ähnlich auch Daniil Trifonov (2014). Schockt mich gar nicht diese Art von Decrescendo. Aber immer schön Faxen am Klavier machen, ne?

Schön trocken, aber halt auch kein wirklich geiles Decrescendo bei András Schiff (2007); etwas mehr ins Piano geht dafür Arturo Benedetti Michelangeli (1990).

Für meinen persönlichen Geschmack spielt Grigory Sokolov (1988) Takt 28 mit Abstand am differenziertesten, am spannendsten…

Bitte anhören, okay?

Arno

Arno Lücker wurde 1979 in Braunschweig geboren. Seit 2003 lebt er in Berlin. Dort arbeitet Arno Lücker als Musiktheater- und Konzert-Dramaturg.

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