op. 111 – Eine Analyse in 335 Teilen – Takt 22

Jeder einzelne Takt von Ludwig van Beethovens Sonate für Klavier c-Moll op. 111 aus dem Jahr 1822 wird an dieser Stelle von Bad-Blogger Arno Lücker unter die Lupe genommen. Ein Versuch, dieser Musik irgendwie „gerecht“ zu werden, was natürlich, dafür aber fröhlich, scheitern muss.

Die bisherigen Folgen:
Takt 1 Takt 2 Takt 3 Takt 4 Takt 5 Takt 6 Takt 7 Takt 8 Takt 9 Takt 10 Takt 11 Takt 12 Takt 13 Takt 14 Takt 15 Takt 16 Takt 17 Takt 18 Takt 19 Takt 20 Takt 21

Beethoven-op.-111-Seite-01

Beethoven-op.-111-1.-Satz-Takt-22

Nach dem Rückbezug ganz auf den Anfang der Sonate in der zweiten Hälfte des Takts 21 (es ist das gleiche Intervall, nämlich eine verminderte Septime) geht es heute, in Takt 22, weiter mit der „Ausformulierung“ des Hauptthemas des ersten Satzes.

In das bisher von diesen krassen 16tel-Triolen-Schleifern dominierte Thema kommt fast so etwas wie „Melodie“ rein… Na ja, eigentlich nicht. Aber hier ist eine Linie zu erkennen! Die froschigen Forschheiten davor… Abrisse, Ohrfeigen, Nadelstiche ins Hörfleisch… Jetzt eine c-Moll-Linie ab dem Ton g abwärts; in Achteln, weiterhin in Unisono-Oktaven im Bass des Klaviers, Staccato, im Grunde noch Fortissimo zu spielen das Ganze… Dann eine kleine „Schleife“… Vom Ton d geht es kurz wieder aufwärts… Nach dem d kommt also nicht „folgerichtig“ („folgerichtig“ heißt in der Musik häufig: „langweilig“) das c. Viel eher wird das c zwar angesteuert, aber „verzögert“… Dazwischen erklingen halt die Töne es – f – es – und d. In 16teln; das Ganze wird gleichsam rhythmisch angereichert. Von dem c auf der vierten Zählzeit geht es wieder aufwärts. Aber dieses Mal nicht – wie im Takt zuvor – in Form einer verminderten Septime. Nein, wir sind hier ganz c-Mollig und erleben einen einfachen kleine-Sext-Sprung vom c auf das höher gelegene as.

Außerdem steht da am Ende des Taktes noch „me…“ und „po…“. Mehr können wir nicht erkennen! Schließlich analysieren wir wirklich nur jeden einzelnen Takt – und haben kein Möglichkeit eines Blickes auf das, was noch kommen mag… „Me…“ und „po…“ also. Hat das möglicherweise etwas mit „Anal-yse“ zu tun? Oder ist das gar ein Vorgriff (natürlich mit dünnem medizinischen Plastikhandschuh!) auf Mendelssohns berühmt-berüchtigte Hämorrhoiden-Ouvertüre?

Mal sehen, ob der nächste Takt dann Licht ins „Dunkel“ bringen kann.

Arno

Arno Lücker wurde 1979 in Braunschweig geboren. Seit 2003 lebt er in Berlin. Dort arbeitet Arno Lücker als Musiktheater- und Konzert-Dramaturg.

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