op. 111 – Eine Analyse in 335 Teilen – Takt 21

Jeder einzelne Takt von Ludwig van Beethovens Sonate für Klavier c-Moll op. 111 aus dem Jahr 1822 wird an dieser Stelle von Bad-Blogger Arno Lücker unter die Lupe genommen. Ein Versuch, dieser Musik irgendwie „gerecht“ zu werden, was natürlich, dafür aber fröhlich, scheitern muss.

Die bisherigen Folgen:
Takt 1 Takt 2 Takt 3 Takt 4 Takt 5 Takt 6 Takt 7 Takt 8 Takt 9 Takt 10 Takt 11 Takt 12 Takt 13 Takt 14 Takt 15 Takt 16 Takt 17 Takt 18 Takt 19 Takt 20

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Beethoven-op.-111-1.-Satz-Takt-21

Doch, er wird! Die ersten drei Töne des Vortaktes werden in unserem heutigen Takt wiederholt. Eine klare Ansage: Das ist das Hauptthema!

Dieses Mal geht es jedoch am Ende des Taktes anders weiter. Vom Sforzato-h hoch zum as. Eine verminderte Septime. Also exakt das Intervall, mit dem die ganze Sonate losgegangen ist. Das ist kein Zufall. Das ist ein Rückbezug – beziehungsweise der Sonatenanfang eine Vorausschau auf eben jenen Takt 21, in dem sich das Hauptthema des ersten Satzes entwickelt… Ganz fertig ist das natürlich noch nicht. Da muss noch mehr kommen.

Was aber bleibt, das ist dieser erneute Hammerschlag in den Nacken des Hörers: das h mit Sforzato auf der „drei“. Das wirkt besonders eindrücklich, weil Beethoven wohl ganz bewusst die „zwei“ und „drei“ des vorletzten Taktes (19) freigelassen hatte. Daher haut das erste Sforzato-h in Takt 20 besonders schön rein. Dieses Mal fehlt allerdings die Fermate, denn jetzt scheint es rascher weitergehen zu müssen…

Das auskomponierte Stagnieren der ersten Seite ist offenbar endgültig vorbei.

Arno

Arno Lücker wurde 1979 in Braunschweig geboren. Seit 2003 lebt er in Berlin. Dort arbeitet Arno Lücker als Musiktheater- und Konzert-Dramaturg.

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