Die 24 Tonarten und ihre bekanntesten Werke – Folge 14: fis-Moll

Für den Streaming-Anbieter IDAGIO kuratiere ich seit Jahren Playlisten. Nun hatte ich die Idee, wie man – natürlich auf recht einfache, populäre, aber irgendwie lustige Weise – Johann Sebastian Bachs beiden Bänden des „Wohltemperierten Claviers“ „nacheifern“ könnte. Nämlich mit einer Playlist, die das jeweils bekannteste Stück jeder einzelnen Tonart abbildet. Also im Quintenzirkel „vorne“ angefangen von C-Dur bis nach „hinten“ (h-Moll). „Bekanntheit“ ist natürlich kein wirklich wissenschaftlicher Begriff. Mit „Bekanntheit“ meine ich – in Bezug auf Werke klassischer Musik – mehr ein „Gefühl“. Ist zum Beispiel ein Stück in einem Film einer/eines berühmten Regisseurin/Regisseurs sehr prominent verwendet worden, dann rückt dieses Werk jeweils natürlich gefühlt „nach oben“ im Ranking. Den ersten Satz von Beethovens Fünfter beispielsweise habe ich schon in Filmen iranischer Regisseur:innen verarbeitet gesehen/gehört (besonders eindrücklich in dem Film „Die Stille“ von Mohsen Makhmalbaf aus dem Jahr 1998). „Welthaftigkeit“ geht also als Überlegung hinsichtlich der „wirklichen“ („globalen“) Bekanntheit mit in die jeweilige Entscheidung ein. Meine Artikel-Serie zu den Tonarten ist insbesondere eine Einladung zum Mitdiskutieren! (Jeder „endgültigen“ Entscheidung füge ich einen Link und eine entsprechende Interpretation des jeweiligen Tonarten-Stückes bei. Auch hierbei darf in den Kommentaren gerne – freundlich – interveniert werden.)

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Die bisherigen Folgen: C-Dur, c-Moll, Des-Dur, cis-Moll, D-Dur, d-Moll, Es-Dur, es-Moll, E-Dur, e-Moll, F-Dur, f-Moll, Ges-Dur.

Fis-Moll erstrahlt negativ in einem giftigen Grün des Todes! Viele virtuose Klavierstücke von längst vergessenen Komponist:innen des 19. Jahrhunderts tönen in fis-Moll. Eine Tonart, die – wie cis-Moll – zur Virtuosität antreibt, die zahnräderartige Elfenbeingebilde auf 88 Tasten hervorgebracht hat. Beim näheren Hindenken war die Wahl zum bekanntesten Stück in fis-Moll aber so easy wie politische Wahlen in diktatorischen Staaten dieses, unseres Planeten…

Das für Arno Lücker bekannteste Werk in fis-Moll:
Johannes Brahms (1833-1897)
Ungarische Tänze WoO 1 (1873)
Nr. 5: fis-Moll. Allegro
Alfons Kontarsky (Klavier) / Aloys Kontarsky (Klavier)

Andere über fis-Moll…

FIS.MOLL. […] ob er gleich zu einer grossen Betrübniß leitet / ist dieselbe doch mehr languissant und verliebt als lethal; es hat sonst dieser Tohn etwas Abandonirtes / Singulieres und Misanthropisches an sich. […]

(Johann Mattheson: Das neu-eröffnete Orchestre, Hamburg 1713, S. 251)

Fis moll. Ein finsterer Ton; er zerrt an der Leidenschaft, wie der bissige Hund am Gewande. Groll und Mißvergnügen ist seine Sprache. Es scheint ihm ordentlich in seiner Lage nicht wohl zu seyn; daher schmachtet er immer nach der Ruhe von A dur, oder nach der triumphierenden Seligkeit von D dur hin.

(Christian Friedrich Daniel Schubart: Ideen zu einer Ästhetik der Tonkunst, Wien 1806, S. 379)

Fis oder Ges moll wurde mit Recht ein ernster finstrer Ton genannt, in welchem der tobende Schmerz, die herbe Unlust, der Mismuth, bitterer Ernst und auch der Groll spricht. Er läßt nach Auflösung der Pein verlangen, die entweder im ruhigen A dur oder im kräftigen D dur erreicht wird. Man vergleiche den Eintritt des Fis moll in Don Juans Lied Del vieni a la fenestra. Was in dieser Tonart geschaffen werden kann, hat Dussek in seiner Elégie harmonique auf den Tod des Prinzen Ludwig Ferdinand von Preußen gezeigt. Wehmut verschmilzt da mit dem bittersten Schmerz und die Klage wird zur heftigsten der Sehnsucht Lust machenden Seelenerschütterung, bis sie ermattet niedersinkt und mit dem letzten Hauche noch stöhnt. Ries hat in seiner Macht des Glaubens der Alt-Arie im zweiten Theil Nr. 14 die Tonart fis moll gegeben, und verkennen würden wir den Charakter gänzlich, wenn wir das Aufgeregte in dem Gemüth, welches hier die Rechen mit dem nachdrücklichsten Ernste vor Frevel nochmals warnt, übersähen.

(Ferdinand Gotthelf Hand: Aesthetik der Tonkunst, Erster Theil, Leipzig 1837, S. 222 f.)

Arno Lücker wurde in Braunschweig geboren, studierte in Hannover, Freiburg - und Berlin, wo er seit 2003 lebt und als Moderator, Dramaturg, Konzertveranstalter, Pianist, Komponist und Musik-Satiriker arbeitet. Seit 2004 erscheinen regelmäßig Beiträge von ihm in der TITANIC. Arno Lücker ist Bad-Blog-Autor der ersten Stunde, Fan von Hannover 96, Hertha BSC und den Toronto Blue Jays (Baseball).

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