Abfel/Apfall (Auslautverhärtungsspiel im Titel, hat aber mit dem Text nur bedingt was zu tun).

Gestern nacht, als ich versuchte einzuschlafen, gings nicht. Also habe ich mich nochmal hingesetzt und was aufgeschrieben. Extra für Sie, Liebe Leser! Es folgt also die Transkription der unten abgebildeten Originale. Wenn Sie mögen, können Sie sich ein Bild von den Abweichungen zwischen Urtext und Transkription machen.

Werbung

///

Welcher Künstler kennt sie nicht, diese rastlosen Augenblicke vor dem Einschlafen, in denen man, hin- und hergerissen zwischen dem unbedingten Willen nach Ausdruck und dem menschlichen Bedürfnis des Schlafs, nochmal aufspringt, sich an den Schreibtisch stürzt, und noch etwas notiert? So auch eben geschehen. Es ist jetzt Montag, nein, Dienstagnacht und ich sitze hier im Kerzenschein wie weiland Bach, Beethoven, Brahms (oder hatte der schon Glühbirnen?) und kritzle dies nieder. (Hab kein Bock, nochmal den Computer anzuschmeißen). Seit einiger Zeit nun teile ich Ihnen, verehrte Leser, diesseits den Abfall meiner künstlerischen Produktion mit, sei es in Form von SMS-Notizen oder in Form von Namens-Kalauern (im Übrigen sei auch mein Name nicht davor verschont: Matze Minneapolis Möller, Mathias Mondgesicht Mildenstein – jetzt muss ich überlegen, mir fällt nichts ein, jedenfalls darf und MUSS man sich gerne über meinen Namen lustig machen, das macht mir und ihm (meinem Namen) nichts aus. Schließlich weiß ich hinter mir eine Wand voll großer Urahnen, denen er (mein Name) auch nichts anhaben konnte, z. Bsp. der Vater der dänischen Verfassung, mein Urgroßvater, oder so). Gerade eben dachte ich über Stimme nach. Ach, halt, ich wollte ja noch über Abfall schreiben. Jedenfalls Abfall ist nicht schlimm, im Gegenteil. Beifall ist Abfall, das schrieb ich ja bereits, ich finde auch das Wort sehr schön, Ab-fall, das fällt halt ab. Jedenfalls die Stimme. Instrumente sind Prothesen, oder? nicht? Hab noch nie was von H. Oehring gehört, doch, ein Stück, aber das war ohne Gebärden-Dingsda. Schade. Aber Instrumente sind Prothesen und Stimmen natürgemäß nicht. Was machen dann also die Instrumente in der Musik? Ich glaube ja, Instrumente wurden von komischen Komponisten erfunden, denen nichts mehr einfiel, mit der Stimme. Mein Problem gerade ist aber genau umgekehrt: mir fällt nichts für die Instrumente ein. Da schreib ich schon mal schnell lieber vor dem /während des Schlafengehen/s einen Artikel für den Bad Blog und zwar „in Hand“. („in Hand“ – vielleicht auch ein lustiger Titel für irgendjemanden? Geht auch auf Englisch!) Das ist jetzt schon so öffentliches Tagebuch, aber was solls. (Tagebuch in Echtzeit). Ich denke übrigens nicht, dass es die nächsten Monate besser wird, denn jetzt sind Ferien. Seien Sie also gespannt auf weitere Echtzeittagebucheinträge von mir. Keine Ahnung, wie das mit den Instrumenten wird. Bin jetzt sogar schon zu dem Schluss gekommen, dass Instrumente (wie) Tiere sind, vielleicht ist das ein guter Anfang. Bis bald und gute Nacht aus Frankfurt.

Mathias M. M., Montag/Dienstagnacht, (Datum vergessen!!! Jedenfalls diese Woche) bei Kerzenschein verfasst!

Das digitale Faksimile des Originals. (Seite 1)

Das digitale Faksimile des Originals (Seite 1).

Das digitale Faksimile des Originals (Seite 2). Ober noch Teile eines Textes von mathias spahlinger, auf deren Rückseite ich den Text verfasste.

Das digitale Faksimile des Originals (Seite 2). Oben sind noch Auszüge eines Textes von mathias spahlinger zu erkennen. (Ich schrieb auf der Rückseite einer Einführung von ihm).

3 Antworten

  1. olehuebner sagt:

    boah. geil. kennst du die manuskripte von mahlers 10.? fast genauso geil. danke übrigens für die grüße via m.s. ich grüßte zurück via m.s.
    und jetzt, wie das immer so ist bei mir beim analysieren und kommentieren von litarischen werken aus dem bad blog of musick, nach dem formellen zum inhaltlichen: danke! endlich sagt mal jemand, dass instrumente irgendwie komisch sind! mir ist auch in letzter zeit immer wieder aufgefallen, dass instrumente irgendwie voll mega-abstrakt sind! romantisch gesehen, scheint ja z.b. die geige immer voll die volle dröhnung natur zu sein, aber eigentlich … wer denkt sich denn bitte sowas aus? so n holzkasten mit vier saiten. ich frage mich auch schon seit monaten, warum man zum spielen der geige die linke hand so verdrehen muss und nicht einfach von der anderen seite, d.h. von oben, greift. ein freund ließ es mich letztes wochenende selbst auf seiner gaglianogeige ausprobieren, ich habe eingesehen, dass man die 37. lage nicht mehr ohne handverdrehen hinkriegt. dafür mit sehnenscheidenentzündung. aber so insgesamt erscheint ja das ganze orchesterinstrumentarium immer so gegeben. ist es ja gar nicht. irgendwie ist es auch komisch, dass man heute noch stücke für geige schreibt. unterhielt mich gerade heute erst wieder mit m.s. über diese museale kultur, den kulturellen musealismus, whatever, der sich in schallisolierten konzertsälen mit sektgläschen und konzerthausmusik äußert. ist nicht das fürgeigeschreiben auch so ein museales relikt? viel zeitgemäßer wäre doch melodica, flexaton, drumset, betonwand, plastikfantaflasche und eben – stimme. oder? und selbst wenn man jetzt einen geiger mitten auf eine zugemüllte hannoveraner straße stellt, etwas museal ist es immer. oder … bin ich jetzt einfach nur so voll von geigen genervt? (ich musste letztens mit sieben oder acht geigern in einer bar sitzen. nur ein schlagzeuger war noch dabei, dem konnte ich dann die ganze zeit erzählen wie schrecklich es für mich ist, mit sieben oder acht geigern in einer bar zu sitzen. fühlte mich isoliert) und um es klarzustellen, ich habe doch gar nix gegen geigen. aber diese frage, wer sich so komische kästen ausdenkt, teile ich durch aus mit herrn, dings, matze minneapolis mahlerszehnte. gute nacht.

  2. olehuebner sagt:

    höre jetzt übrigens scelsis 4. streichquartett. ganz großes werk. könnte man mal ne chortranskription von machen.

  3. Teleskop sagt:

    [sarcasm tag] Beim Lesen kommt mir eher der Gedanke „Endzeit“ statt „Echtzeit“. [/sarcasm tag]