Wenn Komponisten Hass komponieren

Gestern fiel mir die Kenntnis eines Klavierwerkes zu, das sich „Die tödlichen Fehler der westlichen Zivilisation“ von M.M. nennt. Oder vielleicht nur nennen will und noch gar nicht existiert? Das wäre inständig zu hoffen. Denn es ist nichts Anderes als angewandte Islamophobie. Die letzten Tage las man, wie z.B. Seyran Ates um ihr Leben fürchten muss, da sich der Hass orthodoxer Glaubensströmungen auf sie ergiesst, die ihre liberale Moschee für den Untergang des Morgenlandes halten.

Die tödlichen Fehler der westlichen Zivilisation op. 57 von M.M.

Aber man las auch, wie die Identitäre Bewegung ein Schiff anmieten will, um ertrinkende Flüchtlinge vor der libyschen Küste zu retten und ins noch immer für Flüchtlinge extrem unsichere Libyen gegen ihren Willen zurückzuschiffen, mutmasslich auch Menschen islamischen Glaubens, also in grosso modo Flüchtlingshass, in Teilen Islamophobie, Flucht vor was auch immer Untergang des Abendlandes.

Dass aber gerade mit diesem Angstschüren aus West und Ost die mutigen universalen Werte des Humanismus, z.B. wie der Mitmenschlichkeit, auch ein Wert der östlichen Welt, im Mittelmeer oder im Satelliten-TV versenkt werden, darauf kommt man nicht. Aber was soll es. Ehrlich gesagt, wenn ich solch einen Titel lese, kann man jedem Veranstalter nur empfehlen, die Hirnwindungen und Empathie einzuschalten und diese Musik zu ignorieren. Möge der Autor sie im stillen Kämmerlein spielen. Oder eben bestenfalls noch nicht einmal komponiert haben.

Sollte man es dennoch aufführen, sofern man sich die horrenden Honorare von weit über 1000 Euro für diesen Komponist-Pianist leisten kann, möge man alle Ausgaben und Tantiemen für dieses Werk dem UNCHR oder dem IRK spenden, zumindest sollte dies für Nummer 1 und 5 dieses op. 57 gelten. Und der Name des Komponisten? Nun, den vergessen wir lieber gleich sofort und lassen ihn hier ungenannt. Bzw. irgendein Netz-Troll wird hier schon wütend in den Kommentarspalten aufschlagen. Ich empfehle ihm, Yoga zu üben oder die Sonne zu geniessen. Das ist wertvoller, als sich über meinen Text aufzuregen.

Die tödlichen Fehler der westlichen Zivilisation op. 57
1 Die Verbannung des Hasses aus der Liste zulässiger Gefühle
2 Die Impotenz, einen Feind als solchen zu erkennen und zu behandeln
3 Der Unwille, zwischen dazugehörend und aussen vor zu unterscheiden
4 Die unvollendet verworfene Säkularisierung
5 Das Zulassen und Fördern der Islamisierung
6 Die Selbstzerstörung der kulturellen Identität in Musik und Architektur*
7 Die neue Unterordnung des Individuums unter ideologische Kollektive**
8 Die missglückte Versöhnung von freier Liebe und Zivilisationserhalt
9 Die Aufgabe von Freiheit zugunsten multikulturalistischer Ideale
10 Die Geringschätzung jahrhundertelanger Errungenschaften

Alexander Strauch.
Alexander Strauch
Komponist |

Komponist

6 Antworten

  1. Das schrieb ich dem Herren, der mir das obige Programm anbot:

    „Ich finde es spannend, dass uns die selben Dinge umtreiben. Ich habe auch gerade ein neues Stück geschrieben, für Klavier Solo, aus lauter Verzweiflung über bestimmte Tendenzen in unserer Gesellschaft – vielleicht haben Sie auch Lust, es in Ihrem Programm zu spielen?

    Die tödlichen Fehler der rechten Deppen op. 576 b)

    Das Stück hat nur 11 Sätze, jeder davon 20 Minuten lang:

    I Das Zulassen des Hasses, auch wenn dieser unbegründet ist
    2 Die Impotenz, der Welt ohne Angst und Paranoia zu begegnen
    3 Der Unwille, die Menschen nicht in Stereotypen und dumpfe Klischees einzuteilen
    4 Die unvollendet und zu früh aufgegebene eigene Neugier auf andere Dinge als den eigenen Gedankensumpf
    5 Das Zulassen und Fördern von diffusen Untergangsängsten und Verschwörungstheorien
    6 Das Missverständnis von kultureller Identität in Musik und Architektur als etwas vom Rest der Welt Abgetrenntes
    7 Die neue Unterordnung des Individuums unter ideologische Wahnkollektive, die sich gegenseitig in ihrer engen Weltsicht bestätigen
    8 Die leider geglückte Aufgabe von grundsätzlichem menschlichen Anstand gegenüber Menschen, die in Not geraten sind
    9 Die Aufgabe von Freiheit zugunsten ausgrenzender Hassideologien
    10 Die Geringschätzung jahrhundertelanger Errungenschaften wie zum Beispiel der Fähigkeit, seinen eigenen Scheißdreck auch Mal kritisch zu reflektieren oder die eigene Wichtigkeit nicht zu überschätzen
    11 Der Irrglaube man würde von irgendwelchen ominösen Mächten „zensiert“, obwohl es einfach nur an der eigenen Verpeiltheit liegt, dass man ignoriert wird

    Meine einzige und sicherlich nicht unverschämte Bitte: 6000,-EUR und Personenschutz rund um die Uhr, denn das kann ja nie schaden bei all den Idioten, die so unterwegs sind!

    Herzlich,
    Ihr
    Moritz Eggert“

  2. Tja, da will jemand dringend in schwarz/weiß denken. Nur ist die Welt nicht in diesen zwei Farben sondern eben ziemlich bunt. Finde ich auch viel spannender als öde Schubladen, die nur dazu dienen eine hirnlose Ordnung zu schaffen die mit der Realität nichts zu tun hat. Und, wo hier der Humanismus zitiert wurde, möchte ich an dieser Stelle ebenso die christliche Botschaft der Liebe und Nächstenliebe zitieren. DAS ist etwas, was es sich zu komponieren lohnt! DAS ist etwas, was sich zu verbreiten lohnt. Ich will das op. 57 mal transformieren:

    1 Hass ist schlimm, kann man aber mit umgehen, wenn man erwachsen ist
    2 Liebe Deine Feinde
    3 Welt, verbinde Dich. Die Menschheit ist ein sehr buntes und interessantes Volk.
    4 Säkularisierung ist wichtig aber nicht einfach
    5 Den Islam kann man gebrauchen oder missbrauchen, lasst uns das Gebrauchen fördern
    6 Kulturelle Vielfalt statt rückwärtsgerichtete kulturelle Einfalt
    7 Die Freiheit der Demokratie
    8 Zivlisation beruht unter anderem auf Liebe
    9 Multikulturell zu sein heisst frei zu sein
    10 Die Weiterentwicklung von Kultur und Gesellschaft zugunsten eines besseren Lebens

    Musikalisch-mutidimensionale Grüße!

  3. TOBIAS RÜGER sagt:

    Wo kann man das indizierte Werk denn hören?

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