Offener Brief an die Bayerische Akademie der Schönen Künste

Offener Brief an die Bayerische Akademie der Schönen Künste

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Im donnernden Nachhall des rechtskräftigen Urteils gegen unser Mitglied Siegfried Mauser stellen sich viele Fragen, die unsere Institution, der ich als Mitglied auch angehöre, betreffen. So schrieb mein Ko-Blogger Alexander Strauch einen sehr emotionalen Artikel, in dem er Konsequenzen fordert. Ich kann seine Reaktion durchaus verstehen, werde aber hier nicht in dasselbe Horn stoßen.

Diesen Donnerstag wird die Abteilung Musik unter ihrem Leiter Peter Michael Hamel zusammenkommen, es ist angekündigt, dass über dieses Urteil und dessen Folgen für die Akademie diskutiert werden wird. Ich werde zu dieser Veranstaltung kommen, wähle aber ganz bewusst die Form eines offenen Briefes, den ich hiermit im Vorfeld veröffentliche, da ich berechtigterweise aus meinen Erfahrungen in der Vergangenheit fürchten muss, dass ich das, was ich hier schreibe, nicht in Gänze vortragen darf. Dies liegt unter anderem daran, dass man mir in der letzten Zeit ganz eindeutig das Gefühl gegeben hat, zu einer Art Persona non grata der Akademie geworden zu sein. Peter Michael Hamel hat jeglichen Kontakt mit mir abgebrochen, die meisten Mitglieder der Abteilung Musik wie zum Beispiel Aribert Reimann oder Jörg Widmann kommunizieren ebenfalls nicht mehr mit mir, andere Mitglieder – wie Nikolaus Brass – forderten relativ unverhohlen meinen Ausschluss aus der Akademie. Ich kann also nicht davon ausgehen, dass mir am Donnerstag die freundlichste Stimmung entgegenschlagen wird, denn es ist klar, dass man mich als unsäglichen Nestbeschmutzer ansieht. Wenn ich sehr pessimistisch bin, steht sogar zu befürchten, dass Siegfried Mauser selber die Zusammenkunft am Donnerstag dazu nutzen könnte, sich der vollen Unterstützung „seiner“ Akademie kurz vor seinem Haftantritt aufs Neue zu versichern. Wenn das so sein sollte, werde ich es mir traurig anschauen, und das Kapitel Akademie für mich abschließen. Aber ich bin nicht ohne Hoffnung.

Die Akademie bedeutet mir sehr viel. Hier hatte ich meine ersten Auftritte in München als Musiker, hier wurde ich schon früh gefördert, hier erlebte ich als Zuschauer zahlreiche beeindruckende Veranstaltungen. Es ist nichts Schlechtes an dem Gedanken einer Akademie, solange man die gesellschaftliche Rolle einer solchen Akademie auch als Verantwortung empfindet. Diese Verantwortung habe ich immer empfunden, und hierzu gehört eben auch, interne Kritik üben zu dürfen. Der Vorgänger Mausers im Amt des Leiters der Abteilung Musik – Wilhelm Killmayer – hat dies auch stets getan und sich nicht immer Freunde gemacht, seine Amtsjahre gehören aber zu den künstlerisch ertragreichsten und aufregendsten der Akademievergangenheit. Wilhelm Killmayer war mein Lehrer, und mir immer Vorbild. Er schwieg nie, wenn es bequem war, zu schweigen.

Es ist allen bekannt, dass ich mit Siegfried Mauser gut befreundet war. Für mich stellte sich irgendwann die Frage ob man auch als Freund alles akzeptieren und gut finden muss, ob man auch Freund bleiben kann, wenn man über den Freund Dinge erfährt, die man zutiefst schockierend und nicht mehr ok findet. Ich habe diese Frage irgendwann für mich mit „nein“ beantwortet, aber der Prozess war quälend und fand auch in direkter Kommunikation mit Siegfried Mauser statt, bis zu einem Punkt, an dem ich merkte, dass er diese Kritik nicht akzeptieren wird. Dies war tatsächlich einige Zeit vor dem Öffentlichwerden der Anklagepunkte, die nun in seiner Gefängnisstrafe resultierten (und die mich dann nicht mehr überraschten).

Nun erwarte ich nicht, dass Andere meine Schlüsse bzgl. seiner Person zu 100% nachvollziehen können. Mauser ist ein authentisch geselliger und jovialer Mensch, und hat diese Eigenschaften erfolgreich genutzt. Viele seiner Freunde waren daher ob meiner Kritik an ihm schockiert. Ich habe nie erwartet oder gefordert, dass sie sich von ihm abwenden, habe allein versucht zu erklären, warum ich selber es tat, und welche Gründe es dafür gab.

Nun gibt es zweierlei Möglichkeiten, zu einem Freund zu stehen. Man kann ihm beistehen, ihm helfen, wieder auf die Füße zu kommen, man kann ihm Ratschläge erteilen. Oder man kann sich vollkommen unkritisch hinter ihn stellen, bedingungslos alles glauben, was er erzählt, seine Feinde zu den eigenen machen.

Mit ersterem habe ich kein Problem. Wer für Mauser Festschriften verfasst oder für ihn Konzerte organisiert, muss sich sicherlich verständliche Kritik des Publikums gefallen lassen, ich wäre aber der letzte, der solche Aktivitäten verhindern wollte, und werde dies auch nie tun. Ich habe durchaus Kontakt mit engen Freunden von Mauser, die in der Lage sind, hier eine nüchterne und unaufgeregte Position einzunehmen. Ich würde von ihnen nie fordern, ihren Freund im Stich zu lassen, solange sie auch mit mir ganz normal reden können.

Die uneingeschränkte Nibelungentreue (da muss man gleich an Wagner und dann eben auch an Nike Wagner denken) finde ich dagegen sehr problematisch. Ich kann mich gut an die letzte Musiksitzung erinnern, an der Mauser und ich gemeinsam teilnahmen. Das war zu einem Zeitpunkt, an dem schon ziemlich klar war, dass die Verfahren gegen Mauser in einer Gefängnisstrafe münden könnten, was mich zu der vorsichtigen in die Runde gestellten Frage brachte, wie man es vermeiden könnte, dass hierdurch der Akademie Schaden entsteht. Ich weiß noch genau, wie aufgebracht alle reagierten, wie der damalige Akademiepräsident Michael Krüger emotional ausrief, dass die Akademie zu 99% solidarisch mit Mauser sei (mit den 1% war anscheinend ich gemeint), wie z.B. die Komponisten Tobias PM Schneid und Nikolaus Brass dem enthusiastisch beipflichteten, wie die Empörung gegen mich fast physisch zu spüren war.

Niemand war – wie ich – entsetzt, als Mauser in derselben Sitzung seinen engen Freund Hans-Jürgen von Bose für Konzerte empfahl. Bose ist ebenfalls wegen sexueller Straftaten angeklagt – Prozess unerklärlicherweise nach wie vor ausstehend – dennoch schon damals suspendiert von der Musikhochschule. Es kam keine einzige Frage, kein Wort der Vorsicht, denn auch Bose ist Akademiemitglied, jemand mit dem man dann wohl automatisch auch solidarisch ist. Im Raum befanden sich als Mitglieder ausschließlich Männer, wie es bei den Sitzungen der Abteilung Musik leider üblich ist, denn obwohl es einige (und immer noch viel zu wenige) weibliche Mitglieder gibt, haben diese anscheinend selten Lust, sich in diese kumpelhaften Männerrunden zu begeben.

Die Abteilung Musik machte diese “neunundneunzigprozentige” Solidarität mit Mauser durchgehend nach außen hin sichtbar, Akademiemitglieder wie Dieter Borchmeyer oder Michael Krüger äußerten sich eifrig in Kommentarspalten, die die Klägerinnen im Fall Mauser als “Tellerminen” diffamierten. Dass dies nach außen hin eben exakt dem schulterklopfenden und kritikresistenten Männerklüngel entsprach, wegen dem die #metoo-Bewegung überhaupt erst ins Leben gerufen wurde, wollte keiner dieser wohlfeilen Paladine Mausers hören, auch wenn der Rest der Öffentlichkeit dies exakt so wahrnahm. Hierdurch entstand Schaden für die Akademie, genauso wie von mir befürchtet.

Auch bei anderen Themen hat man das Gefühl, dass die Bayerische Akademie sich quasi in einer anderen Zeit als der Gegenwart befindet, zum Beispiel in der Diskussion der zunehmenden Radikalisierung der Rechten, die unsere Gesellschaft immer mehr herausfordert. So nahm man mir eine harmlose und vor allem friedliche satirische Aktion gegen einen dem Faschisten Björn Höcke zuarbeitenden Cellisten dermaßen übel, dass man fast den Eindruck bekam, es sei viel schlimmer, Kritik an Rechts zu üben als selber Rechts zu sein. Der rechte Populist Moosdorf wurde in Schutz genommen, ich wurde gescholten. Ist das wirklich im Einklang mit den Idealen einer Akademie, die für die Freiheit der Kunst (und damit auch der Satire) und demokratische und damit auf jeden Fall antifaschistische Werte stehen soll?

Auch jetzt, in exakt diesem Moment, wäre die Akademie gefragt. Wenige Minuten (!) nach dem rechtskräftigen Urteil gegen Mauser veröffentlichte die Musikhochschule München ein Statement, in dem man sich bei den Opfern Mausers entschuldigte. Warum gibt es keine solche Erklärung der Bayerischen Akademie der Schönen Künste? Immerhin geschahen die Taten exakt in dem Zeitraum, in dem Mauser als Leiter der Abteilung Musik ein öffentliches Amt innehatte. Gerade weil die Akademie sich so lange bedingungs- und kritiklos hinter Mauser versammelte, stets unter dem bequemen Alibi „Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig“ – auch noch lange nachdem es schon ein erstes rechtskräftiges Urteil gab übrigens – wäre jetzt der Moment für eine differenzierte Aussage, die ein Umdenken signalisiert. Jetzt zu schweigen, heißt eben nicht nur mit Mauser solidarisch zu sein, sondern auch mit seinen verurteilten Taten, und das ist für die Opfer ein einziger Hohn. Steht die Bayerische Akademie also für sexuelle Übergriffe, für Chauvinismus und Machtmissbrauch? Nach außen hin muss es durch das Schweigen so aussehen. Nach wie vor gab es keine Veranstaltung zum Thema in der Akademie, noch vor wenigen Wochen wurde Mauser schulterklopfend und mit großem Hallo in der Akademie als Mitwirkender einer internen Veranstaltung begrüßt, ja, sogar die Bundesregierung fördert gerade einen von Mauser kuratierten Schriftwechsel mit Peter Sloterdijk, einem weiteren Akademiemitglied (der Berliner Akademie), der die #metoo-Debatte gerne als Aufstand der beleidigten Frauen kleinredet. Buddies bleiben halt Buddies, so scheint es. Männer unter sich.

Die Musikhochschule München war – im Gegensatz zur Akademie – mittlerweile in der Lage, aufgrund der Kritik von außen einen sicherlich mühevollen aber eben notwendigen und heilenden Prozess anzustoßen, der schon jetzt sichtbare Früchte trägt. Ein solches Umdenken begrüße und unterstütze ich.

Ein solcher Prozess wäre auch in der Bayerischen Akademie der Schönen Künste (auf deren Webseiten man nach wie vor irgendein Statement zum Thema schmerzlich vermisst) möglich, aber man muss ihn natürlich auch wollen. Ich weiß, dass ich nicht der Einzige bin, der Kritik übt, ich kenne einige weitere Mitglieder anderer Abteilungen, die sich zunehmend nicht mit dem Außenbild der Akademie identifizieren können, die Erneuerung und mehr Offenheit fordern, die sich auch mehr Einmischung und dezidierte Positionierung der Akademie bei aktuellen Themen wünschen. Bisher wurden sie ignoriert, warum ist das so?

Das Ziel dieses Briefes ist es nicht, sich in irgendeiner Form über die Akademie lustig zu machen oder mich über sie zu stellen. Ich bin nicht solidarisch mit Mauser, aber ich wäre 100% solidarisch mit einer Akademie, die sich erfolgreich den Herausforderungen unserer Zeit stellt und in der Lage ist, produktiv auf Kritik zu reagieren, anstatt sie abzukanzeln. Man wird mir sicherlich vorwerfen, diese Kritik hier öffentlich zu üben, aber ich habe sie vorher intern geübt, auch direkt gegenüber Mauser, und sie wurde stets ignoriert. Also habe ich keine andere Wahl.

Ich will mich nicht profilieren, will über niemanden richten (das tun die Gerichte), suche keinen Konflikt. Dass all dies mir aber ständig aus der Defensive der Akademie heraus unterstellt wurde, lässt tief blicken. Die Botschaft ist momentan “wir ändern uns nicht” und “wer den Mund aufmacht, ist nicht willkommen” und leider auch “sexuelle Übergriffe sind keine Verbrechen“.

Ich reiche jedem die Hand, der dies nicht mehr so stehen lassen will. Ich fordere keine Rücktritte und keine Bestrafungen, fordere auch keine Entschuldigung außer einer Entschuldigung bei den Opfern, die ebenso unter den herablassenden Kommentaren von Akademiemitgliedern leiden mussten, wie durch die Übergriffe von Mauser. Ich wünsche mir einen echten Neuanfang der Akademie in Richtung einer neuen Öffnung, Selbstkritik und Einsicht. Mehr Frauen als Abteilungsleiterinnen und sich vokal beteiligende Mitglieder wären auch nicht das Schlechteste. Fehler sind verzeihlich, wenn man aus ihnen lernt.

Mit dieser Hoffnung gehe ich die Sitzung am Donnerstag. Möge sie nicht enttäuscht werden.

Euer
Moritz Eggert

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17 Antworten

  1. Harald Muenz sagt:

    Lieber Moritz Eggert,

    wir kennen uns persönlich nur flüchtig, dennoch verfolge ich aus der Ferne die Diskussionen im Zusammenhang mit den sexuellen Übergriffen in München mit großer Aufmerksamkeit. Dahinter spüre ich Ausläufer einer weit verbreiteten und tief sitzenden, autoritären Macho(un)kultur, die für mich in einer modernen und aufgeklärten Demokratie und einem Rechtsstaat nichts, aber auch rein gar nichts mehr zu suchen hat.

    Es wurde höchste Zeit, dass diese Verbrechen unmißverständlich benannt werden und ins öffentliche Bewusstsein gelangen — gerade auch innerhalb der (Neue-)Musikszene, die so gern auf höhere Weihen und hehre Werte rekurriert und sich als moralisch überlegene Instanz geriert. Mit ihrem frauenfeindlichen Macho-Verhalten haben sich nun einige ausgewiesene Protagonisten von ganz allein diskreditiert. Es wäre auch ausgesprochen schwer zu glauben, dass es „so etwas“ nur in München geben soll. Ihr Verweis auf #metoo ist deshalb mehr als angebracht.

    Als Außenstehender empfinde ich Ihre Stellungnahme in Ihrem offenen Brief als die einzig natürliche und zugleich einzig akzeptable Reaktion auf solche ungeheuerlichen und ja wohl rechtskräftig festgestellten Straftaten. Wenn, wie Sie schreiben, die Bayerische Akademie der Schönen Künste nun den Spieß umdrehen, und Sie als „Nestbeschmutzer“ darstellen möchte, so frage ich mich, welches Rechtsverständnis bzw. Unrechtsbewusstsein die Betreffenden haben. Persönliche menschliche Enttäuschungen sind angesichts der menschenverachtenden Taten verständlich, aber sie rechtfertigen nie und nimmer Vertuschungsstrategien einer Institution. Das wäre nicht nur unwürdig, die Öffentlichkeit gewänne auch den Eindruck, man würde sich mit Tätern gemein und damit letztendlich zu Mittätern machen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass eine derartige Haltung mit den Idealen des eigenen Hauses auch nur im Entferntesten vereinbar wäre. Spätestens heutzutage hätte sich eine solche männerbündlerische „Akademie“ selbst erledigt.

    Da sich Augiasställe erfahrungsgemäß nicht von selber ausmisten, wünsche ich Ihnen und Alexander Strauch weiterhin so viel entschiedene Klarheit und Kraft.

    Ihr
    Harald Muenz

  2. Mathis Nitschke sagt:

    durchaus passend dazu:
    https://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/peter-handke-und-der-nobelpreis-perfide-muelltrennung-a-1291617.html

    „Es stellt sich weniger die Frage, ob man die Kunst vom Künstler trennen kann als die Frage, wer das kann. Denn einige können das ja offenbar ganz wunderbar. Der Reflex, auf der Trennung von Kunst und Künstler zu bestehen, ist umso stärker, je umfassender die eigene Bewunderung für den Künstler bisher war, und der Versuch, die Enttäuschung abzuwehren, umso vehementer, je stärker das eigene Selbstbild ins Wanken geraten könnte, wenn man sich eingesteht, wen man da verehrt (hat).“

  3. Danke für diese Kommentare (den Artikel im Spiegel finde ich auch sehr gut formuliert) – es ist vollkommen richtig, dass dies nicht spezifisch ein Problem nur der Bayerischen Akademie der Schönen Künste ist. Aber ich bin ja gottseidank nicht der einzige, der dies anspricht, und je vokaler ein Wunsch nach Erneuerung von möglichst vielen Menschen konstruktiv formuliert wird, desto mehr besteht Hoffnung, dass sich doch etwas ändert. Diese Diskussionen sind immer deswegen quälend, weil diejenigen, deren Handeln kritisch betrachtet wird, sich ganz elementar und grundsätzlich in Frage gestellt fühlen, und das ist mit großen Ängsten verbunden. Daher auch oft das Mauern und Klüngeln – man fühlt sich unter „Beschuss“ und hält zusammen. Die Kollegen in der Akademie sind ja alles keine dummen sondern eher sehr kluge Menschen, aber die Solidarität gegen drohende Veränderung ist manchmal stärker als die Vernunft, und das resultiert dann in einer Form von Betriebsblindheit, die in Ausgrenzung umschlagen kann.

  4. k. sagt:

    Manche Menschen sind offenbar auf dem Stand von „Der Campus“ ( https://www.spiegel.de/kultur/kino/filmkritik-der-campus-es-kracht-in-der-alma-mater-a-30092.html , https://youtu.be/ZKVKpr_UJQE ) stecken geblieben.

    Ich hatte mich seinerzeit gefragt, warum die SZ diese Leserbriefe in dieser Form überhaupt abgedruckt hat. Auch wenn man bedenkt, dass das 2016 war, also mitten in der Debatte um die Sexualstrafrechtsreform und noch vor #metoo, und dass die in den Leserbriefen vertretenen Standpunkte damals durchaus als vernünftig-anständig galten.

    Wenigstens hat die Justiz ihre Arbeit gemacht. Dass dies von manchen Menschen als #metoo Zeitgeist negativ empfunden wird, ist zwar verständlich, insbesondere wenn man es anders gewohnt war, aber heute sollte man weiter sein.

  5. Max Nyffeler sagt:

    Lieber Moritz, ich fürchte, Du irrst in einem wichtigen Punkt. Du warst kein Freund von Mauser. Von einem Freund kann man sich nicht einfach seufzend in der Öffentlichkeit verbschieden, wenn er sich in die Patsche manövriert hat. Man kann sich auf Facebook defrienden, aber nicht im Leben. Lies wieder mal Schillers Bürgschaft, da steht alles drin. Es erwartet von Dir niemand irgendwelche Heldentaten zugunsten von Sigi Mauser, aber als Freund wäre es besser gewesen, einfach in Trauer zu schweigen. Und auf jemanden, der am Boden liegt, tritt man nicht noch ein. So erweckst Du den Eindruck, dass es Dir weniger um Mauser geht als um Dich selbst. Man kann verstehen, dass es Dir jetzt peinlich ist, mit ihm „befreundet“ gewesen zu sein. Aber das solltest Du mit Dir selbst ausmachen und nicht an die große Glocke hängen.
    Etwas anderes ist die Akademie, die Du hier als deren Mitglied frontal angreifst. So etwas nennt sich bekanntlich Illoyalität und ist ein No go, außer man hat eine Agenda. Deine legst Du im Sinn Deines Transparenzanspruchs offen: Du möchtest die Verantwortlichen weg haben und stellst Dich zur Verfügung. Das ist keineswegs illegitim, so gehen Machtkämpfe, und mit den SM im Rücken hast Du keine schlechten Aussichten. Im Licht Deines Freundschaftsbegriffs gilt aber dann doch: Trau, schau wem. Mit der Moral ist es so eine Sache, sie schlägt immer zurück.
    Die Akademie hat sich, in Verkennung der Gewalt der öffentlichen Meinung, zweifellos unklug verhalten, aber von ihr nun eine öffentliche Distanzierung von Mauser zu verlangen, geht daneben. Die Delikte sind nicht in ihren Räumen geschehen, sondern in denen der Musikhochschule. Eine andere Sache sind Eure internen Streitereien um Mauser, die Du hier öffentlich machst. Wer was dabei gesagt hat, dürfte nur glaubhaft nachzuweisen sein, wenn es eine Aufzeichnung gibt. Wenn nicht, dann ist es umso unersprießlicher für beide Seiten, denn so kommt es zum Krieg der Aussagen und Meinungen in den Medien. Doch das beziehst Du offensichtlich in Deine Rechnung mit ein. Nicht schlecht! Doch ich wünsche Dir, dass Du weniger beschädigt aus der Affäre herauskommst als die Akademie.
    Ach so, es ging ja eigentlich um Mauser als Täter und nicht als Joker. Besser als hoffnungslose Solidarisierungsversuche seitens der Akademie wäre wohl die Strategie gewesen, wie sie in der großen Politik praktiziert wird und erfahrungsgemäß recht gut funktioniert: Wenn sich einer in einen Fettnapf gesetzt hat, wird er für ein paar Jahre konsequent aus dem Verkehr gezogen, während deren er in sich gehen kann. Dann kann er es wieder versuchen. Dem einen gelingt es besser, dem anderen weniger. Das Prinzip Guttenberg (Doktor), das Prinzip Özdemir (Flugreisen), das Prinzip Hoeneß (Börse) usw. Aber kein Prinzip Taliban mit Kopf ab, wie das einige (nicht Du) am liebsten hätten. In einer zivilisierten Gesellschaft sollte jeder eine zweite Chance haben. Auch Mauser, falls er überhaupt wieder auf die Beine kommt. Aber jetzt sollte man ihn endlich in seine Auszeit gehen lassen und die Scherben zusammenräumen.

  6. I can imagine a cartoon. Mauser is standing in his striped prison garb and being handed his Urteil while someone from the Academy (no names mentioned) is handing him a Festschrift. I’ve lived in Germany for 40 years. The first 13 were in Munich where my wife suffered egregious gender discrimination in the Munich Phil. During these years, I’ve observed the Academy. Their actions concerning Mauser, and your description of what has gone one there, come as no surprise at all.

  7. Sehr geehrter Herr Nyffeler, Sie liegen falsch. Die Akademie ist keine Künstlergenossenschaft. Sie ist eine staatliche Einrichtung zu Fragen und Förderung der Kunst im Sinne des Allgemeinwohls wie Kontakt zwischen Gesellschaft und Kunst zu fördern, als vom bayerischen Volke errichtete oberste Pflegestelle auch die Würde der Kunst zu wahren und entwickeln. Sie beschäftigt Beamte des Freistaates. Sie ist zudem dadurch der öffentlich-rechtlichen Ordnung unterworfen wie jede staatliche Einrichtung, s. Art. 20 Abs. 3. Als solche hat sie eine Satzung, die ganz klar festlegt, dass man jemand wegen groben Verfehlungen ausschließen kann. Im Gegensatz zu einer privatrechtlich organisierten Genossenschaft ist sie hier in ihrem Ermessen an höheres Recht gebunden. Dazu gehört auch ein Urteil nach § 177 StGB, das Herrn Mauser leider nach Informationen der Staatsanwaltschaft in Zusammenzug mit den 9 Monaten aus dem ersten Prozess zu wohl mehr als 3 Jahren ins Gefängnis bringt. Ob das eine grobe Verfehlung ist, könnte somit ausser Zweifel stehen. Nachdem andere Stellen wie die Musikhochschule ihn suspendierten, er dort seine Beamtenrechte mit mehr als 1 Jahr Haftstrafe verliert, ihn andere öffentlich geförderte wie öffentliche Institutionen aus Kuratorien ausschließen mussten und Analogie zum Handeln der Musikhochschule besteht, die der gleichen Rechtsaufsicht, dem Kunstministerium, untersteht, wird der Akademie kaum was anderes oder nicht groß anderes als Ausschluss oder Suspendierung der Mitgliedschaft bleiben. Da kann sie nicht nach Freundschaft, da muss sie nach der Rechtssituation handeln. Freundschaft ist das eine, Rechtsordnung das andere. Moritz versuchte ja Unbill abzuhalten. Als er das versuchte, remonstrierte er wie es jeder in einer staatlichen Stelle tun muss, um an Neutralität und Rücksichtspflichten von Amtsträgern zu erinnern, wie Direktionen und Präsidium der Akademie es sind, mögen sie das auch nur ehrenamtlich tätig sein. Da besteht Aufklärungsbedarf. Und wenn Amtsträger dem Verletzen von Amtspflichten applaudieren, dann haben sie ihren Auftrag durchaus fahrlässig, vielleicht sogar grob fahrlässig verletzt. Und ja, es gibt dazu wohl Protokolle. Ich zitiere: „Zur Angelegenheit „Siegfried Mauser“ merkt Herr Krüger an, dass er persönlich, als einfaches Akademiemitglied, die Freude einiger anderer über die Verurteilung S. Mausers keinesfalls teilt. UNTER DEM BEIFALL ALLER ANWESENDEN spricht er VOM ZIEL DER AKADEMIE, Freunden auch in schwierigen Situationen beizustehen, v.a. wenn sie, wie im Fall Mauser, noch nicht rechtskräftig verurteilt sind.“ Dieses Ziel steht NICHT in der Satzung. Wenn dort amtierende Direktionsmitglieder anwesend waren, taten sie nichts, um das dort zu differenzieren oder verhindern und haben wohl Amtspflichten verletzt. Das zählt, der Rest ist Privatrecht alias Freundschaft.

  8. Noch was – als Mauser wegen seines Amtsmissbrauchs an der Musikhochschule verurteilt wurde, war er Direktionsmitglied der BADSK. Das Handeln an der Musikhochschule, mit schwerer Strafe belangt, dürfte sehr wohl auch nicht im Geiste der Akademie sein: der Würde der Kunst u. des daraus resultierenden Amtes widersprach dies. Der Förderung der Kunst damals wie heute in den nun akuten Folgen diente das auch nicht. Und er war hier auch eigentlich qua Institution und Amt an die Rechtsordnung gebunden wie an der von gleichen Behörde beaufsichtigten Hochschule. Das Amt übt er nicht mehr aus, aber damit hat er gegen den Geist der Akademie gemäß Satzung verstossen: grobe Verfehlung & gegen den Geist der Institution, so liegen sogar zwei Gründe vor, die einen Ausschluss begründen würden. Zudem führte er bei Betonung des Freundschaftlichen, um die Leute von seiner nun Unschuld zu überzeugen, die nun doch Schuld ist, seine Freunde gewaltig an der Nase rum! Er war da wohl diesen unehrlich gegenüber und damit illoyal, verletzte Freundschaften: nicht Moritz belastete Freundschaften, Mauser tat dies.

  9. k. sagt:

    Zum Kommentar von Herrn Nyffeler:

    m.E. geht es in der ersten Linie um was anderes. Bei Mauser waren die betroffenen Frauen etwas älter und bereits länger im Beruf, teilweise waren sie sogar selber Professorinnen. In vielen Fällen sexueller Gewalt betrifft es aber jüngere Menschen, noch in Ausbildung oder Berufsanfänger. Es ist eine Sache, wenn EIN Vorgesetzter, Lehrer, Regisseur usw. übergriffig wird – die Welt besteht nicht nur aus Engeln. Wenn man als Opfer aber das Gefühl bekommt, dass alle anderen im Umfeld auch zum Übergriffigen steht, dann verzweifelt man, weil man die ganze Welt dann als böse erlebt. Nicht ohne Grund geben viele Opfer den Berufswunsch Musiker dann auf, aus Enttäuschung, weil sie sich mit der Musikwelt nicht mehr identifizieren können. Für die Tat ist nur der Täter verantwortlich, aber wie das Opfer die Tat erlebt und verarbeitet, hängt auch von den Reaktionen des Umfeldes ab.

    Nun mag man sich auf den Standpunkt stellen, dass solange jemand nicht verurteilt ist, er unschuldig ist. Das rechtfertigt aber nicht, dass man die andere Seite – die anzeigende, mutmaßliche Geschädigte – in Dreck zu ziehen. Es rechtfertig erst recht nicht, bei den mutmaßlichen Geschädigten die Unschuldsvermutung aufzugeben und öffentlich eine Straftat zu unterstellen (falsche Verdächtigung ist eine Straftat).

    Man kann auch den Herren Krüger, Enzensberger, Borchmeyer zugutehalten, dass sie die typischen Vergewaltigungsmythen wiedergeben. Das ist ein weit verbreitetes Phänomen, gerade in der Vor-#metoo-Zeit, dass Opfern, die nach einem sexuellen Übergriff Anzeige erstattet haben, unterstellt wurden, dass sie aus Enttäuschung über eine Zurückweisung eine Vergewaltigung erfunden hätten, dass sie aus einer Liebesnacht eine Vergewaltigung erfunden hätten, dass sie aus einem schlechten Sex eine Vergewaltigung erfunden hätten, dass sie eine Vergewaltigung erfunden hätten, um ihren Loser-Lebenslauf zu erklären.

    Gerade solche öffentliche Verhöhnung (die nicht nur vom Verteidiger im Gerichtssaal zur juristischen Verteidigung des Angeklagten vorgebracht werden) schreckt die Opfer von einer Anzeige ab.

    Im Falle Mauser kann man ohnehin von einer Dynamik sprechen, dass mehrere Geschädigte zeitnah angezeigt oder vernommen werden könnten und dass die Aussagen gebündelt gewertet werden konnten. Wenn die Anzeigen einzeln gemacht worden wären, wären sie vermutlich im Sande verlaufen, wie so oft bei Sexualdelikten, und dann stünden die Geschädigten ganz dumm da.

    Deswegen bin ich auch mit dem Interview des VAN Magazins mit Prof. Redmann nicht glücklich. Auch wenn ich sehe, wie sehr er sich bemüht hat und diese Mühe wertschätze.

    Einerseits spricht er davon, dass er vor der Verurteilung an Unschuldsvermutung und Fürsorgepflicht halten musste. Nach dem Urteil hätte sich die Hochschule hätte sich bei den „betroffenen Frauen“ entschuldigt. Wer sind hier genau die betroffenen Frauen? Nur die zwei Frauen, bei denen Mauser verurteilt worden ist? Oder auch die anderen, ohne deren Aussagen es vielleicht nicht zur Verurteilungen in den zwei Fällen gereicht hätte?

    Und wenn man schon bei der Prävention auch die kleineren, nicht-strafbaren Grenzüberschreitungen anspricht, kann man da die Vorgehensweise nicht vom Strafrecht abhängig machen.

    Noch unlogischer wäre es, wenn man bei nur bei gravierenden Fällen, bei denen man jedenfalls eine Straftat vermuten muss, auf Unschuldsvermutung pocht – nach dem Motto, je gravierender der Vorfall, desto schwieriger wird es, die Tat anzuprangern.

  10. Max Nyffeler sagt:

    Lieber Herr Strauch, zur Frage der Mitgliedschaft von Herrn Mauser in der Akademie kann ich mich nicht äußern, da ich ihr nicht angehöre und nicht mitentscheiden kann. Aber Sie haben wohl Recht, da liegt für die Akademie demnächst eine schwierige Entscheidung an. Was das Stichwort Freundschaft angeht, bitte ich Sie, mich nicht falsch zu verstehen: Es geht mir nicht um irgendwelche Freundschaftsbeziehungen innerhalb der Akademie; ich kenne die Verhältnisse nicht und es geht mich letztlich auch nichts an. Es ging mir bei diesem Stichwort um Moritz Eggerts öffentlich vorgetragenen und moralisch unterlegten, aber letztlich unglaubwürdigen Freundschaftsbegriff, der meiner Meinung nach die ganze Argumentation unterminiert. Da hat er sich wohl vertan. Und wenn jemand als Mitglied einer Institution Interna nach außen trägt in der Absicht, diese Institution öffentlich zu kritisieren, so ist das leider ein klassischer Fall von Illoyalität, unbesehen des Inhalts der Indiskretion. (Warum ist er eigentlich nicht als Whistleblower zum Kultusminister gegangen?) Wenn das normal werden sollte, würde ein ganzes System zusammenbrechen, und das wollen wir ja wirklich nicht. Institutionen leben, vom Gesangsverein über die Zeitungsredaktion bis zur Regierung, von einem Mindestmaß an gegenseitigem Vertrauen aller Beteiligten. Fehlt dieses, dann wird es allerdings fatal.

    • k. sagt:

      Lieber Herr Nyffeler,

      Sie schreiben: „Wenn das normal werden sollte, würde ein ganzes System zusammenbrechen,“

      Es geht hier aber nicht um einen Normalzustand sondern um einen Notzustand. Sexualverbrechen ist hoffentlich nicht Normalzustand.

      Was Herrn Mauser angeht: einzelne Mitglieder mögen das Urteil persönlich ungerecht oder falsch finden. Da es aber nun mal diese Urteile gibt, ist das Ganze auch keine reine Ansichtssache oder eine Moralfrage. Eigentlich hat die Akademie keine andere Wahl als ihn auszuschließen. Freundschaft hin oder her. Sonst macht sich die Akademie als Institution völlig unglaubwürdig. (Bei dieser Strafhöhe würde bei einem Ausländer sogar juristisch geprüft werden, ob er aus Deutschland ausgewiesen bzw. abgeschoben wird!)

      Wenn Herr Mauser sich um den Ruf der Akademie und um Frieden innerhalb der Akademie sorgt, würde er sich von sich aus zurücktreten. Das wäre auch der schlauste Weg für ihn selbst (Domingo z.B. hat sein Krisenmanagement viel besser betrieben). Aber so wie es momentan aussieht, wird es krachen, hoffentlich entsteht dann was Zeitgemäßeres.

  11. Heifetz63 sagt:

    Herr Nyfeller betont in seinen Beiträgen, dass sich Moritz Eggert illoyal verhalte. Loyalität zu Werten wie Gesetzen, Freundschaftsbeziehungen, Grundsätzen, Institutionen, das wird niemand bezweifeln, stellt ein hohes Gut dar. Doch ändert sich die „Geschäftsgrundlage“, um es einmal trocken zu formulieren, dann ändern sich die „Geschäftsbeziehungen“. Verhalte ich mich lieber einer Person oder Institution gegenüber loyal, wenn die plötzlich verhaltensauffällig anderen Idealen huldigt? Sich von Grundlagen entfernt, die ausschlaggebend gewesen sind, warum ich mich mit dieser Person befreundet habe, warum ich dieser Akademie beigetreten bin? Oder bin ich einem (Rechts-)Grundsatz gegenüber loyal, der besagt, dass man Menschen keine Gewalt antun darf. Dass man Frauen nicht vergewaltigt. Dass man seine Stellung nicht benutzt, um jemanden zu manipulieren. Es ist nicht zu erkennen, dass Moritz Eggert illoyal ist. In seinem Beitrag hat er offen alle wichtigen Punkte benannt, ohne zu werten oder zu verdammen oder persönlich zu werden. Er hat sich in keine „Aber bei dieser Lebensleistung muss man doch…“-Formulierung geflüchtet. Er hat nicht gesagt: Siegfried Mauser muss aus den Musikgeschichtsbüchern getilgt werden. Es ist erstaunlich in diesen Zeiten, dass es immer noch weiche Faktoren zu geben scheint, die einen Täter exkulpieren. Dazu zählen: Zugehörigkeit, Freundschaft („Er ist doch so ein netter Kerl.“), Kompetenz („Was er für die neue Musik geleistet hat…“) und vieles mehr. Die ganze Debatte zentriert sich auf den Täter. Moritz Eggert hat nichts anderes getan, als einmal die Perspektive auf die Opfer zu weiten.

  12. Harald Muenz sagt:

    Ich komme gerade aus Donaueschingen zurück, wo das Thema auch diskutiert wurde. Dort fand ich es höchst bemerkenswert, daß manche Leute bereits an die „Resozialisierung“ des Täters denken, obwohl dieser seine dreijährige Strafe noch gar nicht angetreten hat, andererseits kaum eineR über die Opfer spricht, die es zumeist lebenslänglich nicht schaffen, diese Taten zu verarbeiten.
    Wie Alexander Strauch glaube ich daher nicht, daß das der angemessene Fokus ist. Ich finde es besonders wichtig, daß „angesehene“ Institutionen und „ehrwürdige“ Vereine klar Stellung beziehen, ganz ohne Häme, ohne Nachtreten und durchaus über den konkreten Fall – der sicherlich kein Einzelfall ist – hinausdenkend: es ist wichtig Opfern die Sicherheit zu geben, daß in diesen Institutionen in erster Linie sie und nicht die Täter beschützt werden. Das sollte die conditio sine qua non sein. Solange es diesen Fokus nicht gibt, besteht die Gefahr, daß sich Betroffene nicht trauen, Mißbrauch als solchen auch öffentlich zu benennen. Und der kommt, wie wir im Jahre 2019 alle wissen sollten, selbst in den besten Familien vor.

    • Hallo Harald, ich denke, das Musikleben, so wie es mit M. und dieser mit diesem vernetzt war, gibt Anlass für einen Ethik-Codex besonders für wichtige, institutionell tätige Personen des Musiklebens: Beschränkung der gleichzeitigen Ämter in wichtige Gremien auf 5-10 – oft ist man doch in Vielen als Wichtiger, aber nicht in bald 20 – , Rotationen, etc. Tatsächlich ist Frau Fassbaender mutiger als viele unserer Funktionsträger*innen, relativieren sich manche zu Tode bzw. finden alles zwar schrecklich, aber sehen keinen Anlass für Erneuerung. Oder nur gaaaanz laaaaaangsaaaaaam. S. auch meinen Abschlussbeitrag zu domt19 mit Frauen, diesem Thema hier, Fragen nach Inhalten, unser jetziger historischer Stand, Produktionsbedingungen: es müsste sich auch die Neue Musik vielfältig erneuern, öffnen, ihre Klischees erkennen und benennen bzw. nicht auf dem Material allen rumhacken, wenn ein Stück doch konsequent, etc… Da hängt einiges konkret oder eher virtuell zusammen. Es ist Zeit für viele Fragen und mutige Antworten! https://blogs.nmz.de/badblog/2019/10/21/donaueschinger-musiktage-2019-nr-4-letzter-tag-mauser-auch-hier-thema-produktion-komponistinnen-ii/

      • Noch was: wo M. KEIN Amt je inne hatte, würde ich doch für Vorsicht mit harten Massnahmen etc. plädieren. Positionierungen jedenfalls unbedingt. Und dann natürlich, ob es z.B. auch Opfer ähnlicher Sachlagen gibt, die da vllt. härtere Massnahmen erwarten. Denn der Respekt vor den Opfern ist nun das Wichtigste: alle reden von M., keiner von der durchaus auch schwierigen und repressiven Situation für die Opfer oder eben auch andere Opfer. Das wäre der Massstab. Ansonsten das, was opportun und wichtig erscheint, z.B. Listen bereinigen. Erhebt sich aber nur eine Stimme, die ähnliches wie die Opfer M.s durchmachte, dann ist das Opfer die Persönlichkeit, der man zuhören muss. Angeblich sprachen ja schon Einige ähnlich – d.h., man müsste noch viel mehr aufklären, M. ist zwar umfassend, aber mutmasslich nicht der einzige Problemfall des deutschen Musiklebens, der hiesigen Neuen Musik.

  13. Björn Heile sagt:

    Solidarität mit den Opfern, und mit Moritz Eggert, nicht mit Siegfried Mauser.

  14. Prof. Markus Hofmann sagt:

    Ich kenne Prof. Mauser noch als Lehrer für Musikgeschichte und ich besuchte seine Seminare und Vorlesungen sehr gerne. Seine Vorlesungen waren legendär. Unvergesslich sind die Beiträge über die Sonatenform mit konzertreifen Beispielen am Klavier. Mauser verstand es in seinen Vorlesungen mit Einwürfen aus Philosophie, Architektur und Kunstgeschichte, die Musikgeschichte erlebbar zu machen.
    Im Mozarteum wurde viel geredet über Übergriffe, sexuelle Anzüglichkeiten etc. Doch meist betraf es die Lehrerenden zu den Studierenden. Mauser war in dieser Zeit vollkommen unauffällig.
    Was da in München gelaufen ist, kann ich nicht beurteilen. Das haben die Gerichte zu entscheiden.
    Nach Verbüßung einer Strafe soll dann aber auch Schluss sein. Ich hoffe, dass Mauser mit seiner Exzellenz dann wieder zur Verfügung steht. Widerlich finde ich die Querschüsse aus der zweiten Reihe, die sich eine Verbesserung ihrer Position erhofft.

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