Was bei Moosdorfs Auftritt in der Bayerischen Akademie der Schönen Künste wirklich geschah

Satiremodus aus. Oder lieber nicht ganz aus, denn bei Realsatire ist es schwierig, immer ernst zu bleiben.

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Was war los? Anlässlich Matthias Moosdorfs jüngstem Auftritt in der Bayerischen Akademie der Schönen Künste gab es eine satirisch-affirmative Aktion der „Alternativen Freunde Matthias Moosdorfs“ zu seiner „Unterstützung“, war doch von Seiten der Akademie ein ungutes Gefühl entstanden, was den Namen Moosdorf angeht. Moosdorf ist jemand, auf den die Beschreibung „Populist“ voll zutrifft (er legitimiert sich auch so selber auf seiner Facebookseite mittels eines gefälschten Shakespearezitates) und er ist jemand, der gerne hetzende und oft unseriöse Posts in diversen sozialen Netzwerken verbreitet und seine Kritiker mit Drohungen einzuschüchtern versucht (wovon inzwischen schon ganz Leipzig – und auch ich – ein Lied singen kann).

Die jüngsten Leaks des Bundesamtes für Verfassungsschutz zeigen, dass die AfD wegen verfassungsfeindlichen Aussagen zu Recht beobachtet werden sollte, und man ihren Inhalten berechtigt kritisch begegnen kann. Es wäre wichtig, dass naivere AfD-Wähler verstehen, dass sich die parteienübergreifende Ablehnung ihrer Partei keineswegs an ihrer Europa- oder Merkelkritik aufhängt (denn die ist Teil eines demokratischen Spektrums) sondern an ihrer fröhlich unbedenklichen Assoziation mit rechtsextremen Nazis, für die Holocaustleugnung oder die Ablehnung unseres Rechtsstaates quasi zum Tagesgeschäft gehören. Dies ist kein eingebildetes sondern ein reales Problem, und es ist natürlich auch eine Thematik, mit der die AfD im Moment intern für alle sichtbar kontrovers hadert.

In seiner eigenen Partei ist Moosdorf sehr umstritten – erst schlug er sich auf das Lager von Frauke Petry (von der er sich inzwischen distanziert hat), jetzt scheint er eher den Hardlinern anzugehören, wobei aber unterschiedliche Ansichten zu herrschen scheinen, wie produktiv Moosdorf eigentlich für die Sache arbeitet. Marcus Pretzell von der Blauen Partei (ehemals AfD) wirft ihm dubioses Verhalten als Berater und Erpressung vor, der Focus nennt Moosdorf gar als jemand, der Verbindungen zur „Extremen Rechte“ pflegt.

Die Bayerische Akademie hatte sichtlich Bauchschmerzen mit der Einladung Moosdorfs, und es wurde kontrovers diskutiert, ob man einen erklärten Gegner der europäischen Völkerverständigung zu einem Konzert einladen soll, in dem eben diese gefeiert wird, mit Kompositionen der engagierten Komponisten Sofia Gubaidulina und Christobal Halffter, die diesen Glauben an Europa in anrührenden Statements unter der sanft-respektvollen Befragung durch Peter Michael Hamel im Konzert zu Gehör brachten.

Als ich persönlich das erste Mal mit Moosdorf zu tun hatte, attackierte er mich erzürnt wegen des oben verlinkten Blogartikels von Arno Lücker. Als ich ihm freundlich erklärte, dass ich diesen Artikel nicht geschrieben hätte, und ihn daher auch nicht löschen könnte, bedrohte er mich per Messenger mit „strafbewehrten Unterlassungen“ und damit, sich für meine sofortige Kündigung an der Musikhochschule einzusetzen, dies alles seltsamerweise in der „wir“-Form, als sei er nicht allein, sondern Teil einer großen Gruppe. Mit diesem unnötigen drohenden Kanonenschuss machte er mich eigentlich erst richtig auf sich aufmerksam, wie man sich denken kann.

Als ich aber von der Akademie befragt wurde, ob ich gegen seinen Auftritt sei, sprach ich mich trotz dieser unangenehmen Erfahrung ausdrücklich gegen eine Nichteinladung von Moosdorf aus. Soweit also zum Vorwurf der „Zensur“.

Als Herbert von Karajan mit den Berliner Philharmonikern nach dem Krieg zum ersten Mal wieder in den USA auftrat, protestierten jüdische Demonstranten vor der Carnegie Hall angesichts der NS-Vergangenheit Karajans und des Orchestermanagers. Sie riefen auf, die Konzerte zu boykottieren, verhinderten die Konzerte aber nicht. Diese Kritik war verständlich und notwendig, und ein Mitläufer wie Karajan musste sich dieser Kritik auch stellen. Moosdorf ist sicher kein Karajan, aber auch bei ihm ist es legitim, ein leichtes Fragezeichen ob seiner Aktivitäten in den Raum zu stellen.

Als AfD-Mitglied stellt er sich stets als „Cellist des weltberühmten Leipziger Streichquartettes“ vor, oder nimmt zu Kulturfragen Stellung, gefragt oder ungefragt, vermischt also eigenständig seinen Beruf offensiv mit der Politik. Gerne inszeniert er sich auch als Ausgestoßener des Kulturbetriebes, wobei recht klar ist, dass er die zunehmende Ächtung seiner Person in Kunstzirkeln gerne auch selber randalierend provoziert und sich pathetisch in der Rolle des angeblich „ausgegrenzten“ Außenseiters inszeniert, eine self-fulfilling prophecy sozusagen. Gerade über diesen selbstinzenierten Vorwurf der „Zensur“ seinerseits wollten wir uns aber lustig machen, nicht etwa über seine politischen Einstellungen, wie er es missverstand.

Wie konnte dieses Fragezeichen zu Moosdorfs Scheinmärtyrertum aussehen? Mir war sofort klar, dass es falsch wäre, das Konzert in irgendeiner Weise zu stören. Applaus und Affirmation können aber ein Konzert nie kaputt machen, ebensowenig wie ein vorher verteilter Zettel (siehe unten), mit dem ich ironisch auf das Dilemma der Akademie der Schönen Künste aufmerksam machen wollte, es begründete und damit zur Diskussion stellte, ohne es im Namen der Akademie zu tun. Des weiteren bereiteten wir ein Geschenk für Moosdorf vor (siehe Video), das wir ihm aber leider nicht persönlich überreichen konnten, da man uns nicht zu ihm ließ. Jederzeit hätte ich nämlich mit Moosdorf persönlich gesprochen, das war sogar das Ziel der Aktion: die Initiierung eines Dialogs. Die vielen Akademiebesucher die uns nach dem Konzert ansprachen und die vielen interessanten Diskussionen die sich daraus ergaben, gaben uns hier Recht.
And that’s it.

Keine „Zensur“, auch keine „Denunziation“ (wer so offensiv wie Moosdorf mit seinen Ansichten im öffentlichen Raum unterwegs ist, kann überhaupt nicht „denunziert“ werden, da er es schon selber tut). Es gab auch keinerlei Angriffe gegen Moosdorf, keine Buhrufe, keine Störung seines Vortrages. Auch wenn Moosdorf sich bemüht, den Vorfall vor seinen Facebook-Clacqueuren als so schlimm wie möglich darzustellen, und so ziemlich alles gegen mich aufzufahren, was man da so rhetorisch auffahren kann, war die Aktion letztlich milde und friedlich. Tatsächlich fiel kein einziges schlechtes Wort über Moosdorf, allein die Flugblatt-Feststellung, dass es „vielleicht“ sympathischere Musiker gäbe, könnte man allenfalls als milde kritisch ansehen. Ansonsten affirmierten wir allein seine eigene Behauptungen und seine eigene Selbstdarstellung.

In seiner Beschreibung ist aber quasi durch uns das Ende des Abendlandes eingeläutet worden, es sind angeblich zahlreiche „geckenhaften Jünglinge“ in meinen Diensten, die angeblich „Applaus von rechts“ brüllten (stimmt nicht, siehe Video, aber ich bin natürlich sicher, dass Moosdorf gerne mehr „Applaus von Rechts“ hätte), es gibt natürlich beleidigte verdammende Urteile über mich als Musiker (ich bin angeblich „frustriert“ und „neidisch“), Anne Frank hätte ich auch verraten, wenn ich es denn gekonnt hätte, und als Stasi und Gestapo in Personalunion würde ich ohnehin nichts anderes durchsetzen, als „linken Meinungsfaschismus“.
Nun denn, wer auf sowas kommt, der denkt auch in solchen Bahnen.
Am schlimmsten aber fand er wohl, dass ich seine Frau durch ein Missverständnis meinerseits für eine Jüdin hielt, anscheinend eine ganz schlimme Vorstellung in bestimmten Kreisen.

Wir dagegen: Moosdorfs Arbeit als Musiker blieb vollkommen unangetastet und wurde auch nicht gestört, alleine fröhliches Jubeln zu seiner Person gab es, sonst nichts.

Wesentlich ominöser sind die von Moosdorf lancierten Hassartikel, die u.a. auf so gruseligen Neonaziseiten wie „Netz Germanica Imperii“ verbreitet werden, wie folgender Screenshot beweist. Hier wird Spiegelrhetorik quasi zur unabsichtlichen Selbstanklage – wer ständig mit Nazivergleichen (wie Moosdorf) argumentiert, aber die Nähe von Nazis nicht scheut, ist nicht so wirklich glaubwürdig. Wenn Moosdorf sich hier in seiner „Verteidigung“ als naiven und unschuldigen Europakritiker geben will, warum assoziiert er sich mit Seiten, die Deutschland in den Grenzen vor dem 2. Weltkrieg zeigen?

Wie auch immer – das Thema ist durch. Wir werden ganz gewiss so bald nicht wieder über Moosdorf berichten, dann bekäme er viel zu viel Aufmerksamkeit. Aber als Beispiel für die seltsamen Abgründe unseres Musikbetriebes kann er dienen. Alexander Strauch meinte es aufrichtig, als er ihm riet, doch vielleicht einfach wieder mehr Cello zu spielen. Aber ich fürchte, Moosdorf wird nicht auf ihn hören.

Hier die Video- Doku vom Konzert:

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