Autor: Moritz Eggert

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Igor und die Kugelgestalt der Zeit

Überhaupt hat man bei detailliertem Hören bei „Pulcinella“ zunehmend das Gefühl, dass hier – quasi fast ein halbes Jahrhundert zu früh – die radikale Idee von einem umfassenden und vor allem unverkrampft spielerischen „Zusammenklingen“ extrem heterogener musikalischer Stile und Sprachen realisiert wurde, wie sie eigentlich erst später wieder vom großen Bernd Alois Zimmermann als Idee von der „Kugelgestalt der Zeit“ gedacht wurde.

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Alt vs. Neu Teil 2: Das Restaurantgleichnis

Wie wir sehen: es geht also nicht um gut gegen schlecht, auch nicht um alt gegen neu, sondern allein um gesunde Vielfalt, wider den Inzest des Klassikeinheitsbreis, in den Küchen wie in den Konzertsälen. Wer die Vielfalt der Musik aber dauerhaft einschränkt, das andere oder neue beharrlich ausblendet, handelt genauso wie jemand der behauptet, dass es nicht sinnvoll wäre, ein anderes als ein gutbürgerliches Restaurant aufzusuchen, da ja dort einmal 99% der Menschen gegessen haben (weil sie nichts anderes kannten).

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Old vs. new – oder der Friedhof der Kuschelklassik

Ich stelle mir das so vor: die Anhänger der „großen Alten“ stehen auf verlassenen Friedhöfen herum (zum Beispiel unsere klassischen Konzertsäle) und halten Zwiesprache mit den Grüften der Genies. Die Genies aber sind schon lange tot, und können nie antworten, da sie ihre Antworten schon gegeben haben. Zwischen den Grabsteinen huschen grell geschminkte, widerliche Leichenfresser herum, die die schon abgenagten Knochen der Genies immer wieder neu einkleiden, so dass sie fast lebendig scheinen. Aber nur fast. Diese fiesen Ghouls heißen zum Beispiel David Garrett oder André Rieu, und ihr debiles ewiges Grinsen verschwindet nie, wie das der Cheshire-Katze.

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Der Herr Publikumsgeschmack (ein Interview)

Ich will wieder lachen, wieder weinen, verzweifelt sein, mir die Haare raufen. Ich will Gras unter meinen Füßen spüren. Ich will in schrillen Klängen baden. Ich will mein eigenes Ding. Ich will nichts Vorgefertigtes mehr bekommen. Ich will hinauslaufen, in die Wildnis, Erfahrungen machen. Wenn man genauer darüber nachdenkt, dann gibt es doch jemanden wie mich überhaupt nicht.

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Opernhäuser – die schwarze Liste der ewig Gestrigen (Teil II)

Noch ernüchternder aber ist nicht der Blick auf allein die Premieren, sondern auf den tatsächlichen Spielplan des ganzen Jahres, nicht nur die Premieren sondern auch die Wiederholungen schon aufgeführter Inszenierungen. Da stellt man schnell fest, dass die 45673te Aufführung von „Carmen“ in der alten Inszenierung von 1951 im Jahr 70 Mal gespielt wird, die neue Oper von X.Y. Pendegratzki-Mrnza aber eben nur 6 Mal. Aber über die liest man wenigstens im Feuilleton, über die zahlreichen Kinderstücke dagegen gar nichts.

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Opernhäuser – die schwarze Liste der ewig Gestrigen (Teil I)

Der Spielbetrieb des heutigen Opernbetriebes ist also extrem besorgniserregend in seinem immer stärker werdenden Anachronismus. Jede Inszenierung muss entweder eine „radikale Neudeutung“ eines schon tausend Mal durchgekauten Stoffes sein, oder es geht bei der neuen Uraufführung von XY gleich um die Neuerfindung des gesamten Genres

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Butter bei die Fische: Ratschläge für die Verhandlung von Auftragshonoraren.

Honorarverhandlungen sind nicht Jedermanns Sache. Das Selbstwertgefühl von Komponisten ist durch jahrelang eingetrichtertes Minderwertigkeitsgefühl und fehlendes Selbstbewusstsein bzgl. des öffentlichen Wertes der eigenen Musik meist angeknackst, und sie gehen in Verhandlungen wie kleine eingeschüchterte Pudel. Ja, es gibt sogar Komponisten, die dafür zahlen würden, dass ihre Werke aufgeführt werden.

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Der Wert der Musik. Gedanken zu Auftragshonoraren.

Mir ist natürlich klar, dass man nicht als junger aufstrebender Komponist an einem kleineren Haus mit strengen Budgetvorgaben ein gigantisches Honorar verlangen kann, und natürlich spielt die eigene Lust auf ein Projekt eine große Rolle bei den Honorarverhandlungen. Aber man muss sich dann auch klar machen, dass es sich hier nur noch um ein „symbolisches“ Honorar handelt, wogegen jeder einzelne weitere Mitarbeiter an dem Theater bis hin zu den Pförtnern, Nachtwächtern und Putzkräften sehr wohl reelle Honorare erhält.

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To Rihm or not to Rihm. Seltsames Versäumnis bei ARTE.

Ebenso wie die Band „Rihm“, von der es eben diese megageile Hans Henny Jahnn-Vertonung gibt, die ihr, liebe ARTE-Verwantwortlichen, lieber der Welt vorenthalten wollt, denn die könnte ja vielleicht irgendwie verstört werden und womöglich den ganzen Elbphilharmonie-Hype nicht mehr so gut finden.