Komponist:innen gesucht!

Komponist:in gesucht

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Trotz seines reichhaltigen Kulturlebens ist Deutschland ein Land, in dem die Idee eines privaten „Kompositionsauftrags“ viel weniger verbreitet ist als in anderen Ländern. In der E-Musik kommen Aufträge meistens von Institutionen: von Festivals, Orchestern und Kulturämtern. Die Einstiegsschwelle ist dabei hoch – einerseits gibt es durchaus gute Förderung für den Nachwuchs in Form von Stipendien und Preisen, andererseits ist es sehr schwierig, an erste „richtige“ Aufträge zu kommen, die ja eigentlich den Beruf später einmal ermöglichen sollen. Ein Orchester wird nur in seltenen Fällen einen Auftrag an Newcomer vergeben, sondern eher auf schon etablierte Namen setzen. Den kleineren Ensembles fehlen wiederum die Mittel, den Nachwuchs mit Aufträgen zu fördern – sie werden vermutlich Stiftungen wie die Ernst-von-Siemens-Stiftung (übrigens auch eine private Stiftung) anschreiben oder Anträge für die Förderung durch Kulturfonds oder andere staatliche Gelder stellen.

In der Film- oder Werbemusik kommen Aufträge vom ÖRR oder von Produktionsfirmen, aber auch hier ist es für den Nachwuchs sehr schwer, die ersten bezahlten Aufträge zu bekommen. Mühsam werden sich die meisten ein Portfolio aufbauen, das erst einmal größtenteils umsonst komponiert ist, zum Beispiel Musik für Kurzfilme von Filmhochschulstudierenden.

Im Bereich der Singer/Songwriter ist das Konzept eines „Auftrags“ noch seltener – man hofft zuerst einmal auf gute Gigs und dann vielleicht einen guten Vertrag mit einem Label, der einem eine gewisse künstlerische Freiheit ermöglicht.

Private Aufträge für alle Genres gibt es kaum. Nur ein flüchtiger Blick in die Musikgeschichte reicht aber, um festzustellen, dass private Aufträge großartigste Werke hervorgebracht haben. Was wäre ein früher „Singer/Songwriter“ wie Walther von der Vogelweide ohne private Gönner geworden? Hätte ein Schubert überleben können ohne seine Förderer, die meistens auch Freunde waren bzw. wurden? Was wäre die Welt ohne die „Goldberg-Variationen“, die nichts anderes als einen privaten Auftrag darstellen, vielleicht den Großartigsten jemals?

In Ländern mit geringerer staatlicher Kulturförderung (wie zum Beispiel den USA oder Großbritannien) sind private Kompositionsaufträge und privat finanzierte Aufführungen gang und gäbe. Wenn es in den USA keine privaten Mäzene gäbe, käme das Kulturleben komplett zum Erliegen. Interessant ist, dass gerade in Ländern, in denen viel weniger Geld für Musik zur Verfügung steht, Musikerinnen und Musiker jederzeit verstehen, dass ein Kompositionsauftrag Geld kostet, da er eine Dienstleistung darstellt. In Deutschland dagegen gehen viele davon aus, dass eine Aufführung ja schon die „Belohnung“ ist, zumindest hat man manchmal den Eindruck bei Honorarverhandlungen als Newcomer.

Schon seit einigen Jahren habe ich den Eindruck, dass es in Deutschland zunehmend Menschen gibt, die Musik privat fördern wollen. Nur wissen sie oft nicht, wie genau.

Immer wieder bekomme ich zum Beispiel in meiner Rolle als Hochschullehrer Emails von privaten Auftraggeberinnen und Auftraggebern, die junge Studierende fördern wollen. Da will zum Beispiel ein pensionierter Arzt Orchesteraufträge geben, die an seine verstorbene Frau erinnern sollen. Ein Liedkomponist sucht Studierende, die seine Lieder für großes Orchester instrumentieren können. Die Tochter eines Dichters sucht Komponistinnen und Komponisten, die dessen Werke posthum vertonen usw.

Ich nehme solche Anfragen sehr ernst und investiere viel Zeit, diese Stücke auch im Unterricht zu betreuen. Es ist mir wichtig, dass die Studierenden faire erste Honorare bekommen, es ist mir aber auch genauso wichtig, dass die Auftraggeber zufrieden sind. Eine speziell erstellte Komposition für einen Anlass ist immer etwas Besonderes, etwas aus der Konserve ist es nicht. Man leistet sich Livemusiker bei festlichen Anlässen, warum nicht auch Kompositionen? Eine Komposition hat einen bleibenden Wert – sie ist speziell auf einen bestimmten Anlass zugeschnitten, quasi maßgeschneidert, es gibt eine enge Bindung zwischen Auftraggebern und Auftragserfüllenden und es stellt eine Kulturförderung dar, deren Resultat man direkt erleben kann. Was gibt es Schöneres?

Aufgrund dieser Erfahrungen entstand die Idee einer modernen „Kompositionsbörse“. Warum nicht eine maßgeschneiderte Anlaufstelle für maßgeschneiderte Kompositionen erstellen? Eine verlässliche und vertrauenswürdige, nichtkommerzielle Schnittstelle zwischen Auftraggeber:innen und Auftragnehmer:innen`?

Was ist zum Beispiel, wenn Familie X sich einen Song für die Hochzeit ihrer Tochter wünscht? Oder eine junge Filmregisseurin ihren ersten Kurzfilm vertont wissen will? Oder sich ein Verein zum Jubiläum ein repräsentatives Chorwerk bestellen möchte?

Bisher mussten solche Auftraggeber auf persönliche Empfehlungen bauen oder sich an Institutionen und Akademien wenden. Aber warum nicht direkt schauen, ob man jemanden finden kann?

Genau dies will die neue „Kompositionsbörse“ des Deutschen Komponist:innenverbandes, die – und hierfür muss man in Deutschland dankbar sein, denn die öffentliche Förderung hat natürlich viel Gutes – von der Initiative Musik und der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien ermöglicht wurde.

Diese Kompositionsbörse wurde in unermüdlicher und liebevoller Arbeit von vielen fleißigen Mitwirkenden unter der Leitung unserer AG Generation Zukunft erstellt und ist nun seit kurzem online, zu finden hier: http://boerse.komponist-innenverband.de/

Hier werden Auftraggeber und Komponierende durch ein einfaches Menüsystem mit Fragen und Antworten miteinander „verkuppelt“. Interessenten bekommen eine Auswahl von Komponierenden für ihr „Projekt“ und können Klangbeispiele anhören. Der DKV mischt sich in die Vertragsverhandlungen nicht ein und profitiert davon auch nicht, das Ganze soll ein Service für unsere Mitglieder sein. Umgekehrt haben Auftraggeber mit dem DKV eine „offizielle“ Anlaufstelle, die seriöse Auftragnehmer vermittelt. Dies können wir, weil wir als Berufsverband alle Komponierenden, die in Deutschland arbeiten, repräsentieren, auch diejenigen, die (vielleicht leider noch) nicht unsere Mitglieder sind.

Zu wünschen wäre, dass das Ganze nicht nur dem Nachwuchs, sondern auch schon routinierten Komponierenden zugutekommen wird. Und natürlich will die Börse auftraggebenden Institutionen nicht Konkurrenz machen – stattdessen will sie eine Erweiterung der bisherigen Möglichkeiten darstellen.

Schon wurden erste Aufträge nach dem Start vermittelt, jetzt geht es vor allem darum, dass Projekt bei den Menschen bekannt zu machen, die schon immer mal einen Kompositionsauftrag vergeben wollten. Und das sind hoffentlich mehr, als wir ahnen!

Es wäre daher schön, wenn die Idee sich verbreitet und möglichst viele davon erfahren. Wer weiß, was für Werke da noch entstehen werden, so ganz direkt, von Mensch zu Mensch…

Moritz Eggert

 

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