op. 111 – Eine Analyse in 335 Teilen – Takt 17

Jeder einzelne Takt von Ludwig van Beethovens Sonate für Klavier c-Moll op. 111 aus dem Jahr 1822 wird an dieser Stelle von Bad-Blogger Arno Lücker unter die Lupe genommen. Ein Versuch, dieser Musik irgendwie „gerecht“ zu werden, was natürlich, dafür aber fröhlich, scheitern muss.

Die bisherigen Folgen:
Takt 1 Takt 2 Takt 3 Takt 4 Takt 5 Takt 6 Takt 7 Takt 8 Takt 9 Takt 10 Takt 11 Takt 12 Takt 13 Takt 14 Takt 15 Takt 16

Beethoven-op.-111-Seite-01

Beethoven-op.-111-1.-Satz-Takt-17

Der angesichts von Takt 16 getätigte Vergleich mit der angesprochenen Stelle aus dem dritten Satz von Beethovens vorhergehender Klaviersonate As-Dur op. 110 bestätigt sich also…

Vergleich von op. 110 mit op. 111 (G-Dur-Stelle)

Ein G-Dur-Akkord in genau der Position auf dem Klavier – im Verbund mit einem Crescendo. Erinnert sich Beethoven hier in seiner letzten Klaviersonate an diese eindrückliche Stelle aus der Sonate zuvor?

Die Ähnlichkeit ist auch insofern verblüffend, als dass im Zuge dieses Crescendos an beiden Stellen noch die Quinte auf den G-Dur-Quartsextakkord in Terzlage (die linke Hand des Pianisten weggedacht) gesetzt wird. Der G-Dur-Akkord baut/bäumt sich sozusagen immanent noch selbst mit auf!

Nebenbei bemerkt hat sich mit Eintritt von Takt 17 das Tempo gehörig geändert: vom konduktartigen „Maestoso“ hin zum temperamentvollen „Allegro con brio ed appassionato“. Aus den 32stel-Trillern der linken Hand sind hier 16tel-Triller geworden, doch die Schnelligkeit der Triller bleibt in etwa gleich – oder zumindest ähnlich. Was den Charakter des Taktes aber am meisten prägt, ist in der Tat das Crescendo.

Mit Takt 17 beginnt also nicht nur – jedenfalls in den allermeisten Ausgaben dieses Werkes – eine neue Seite, sondern es wird das Tor zu einer anderen Welt geöffnet, zu einer, in der möglicherweise nicht mehr das Sinnen, das Kopfzerbrechen, das Schicksalhafte des Anfangs (T. 1-5) in Kontrast zum stillen Gebet (T. 6-9) dominieren wird.

We are looking vorwärts.

Arno

Arno Lücker wurde 1979 in Braunschweig geboren. Seit 2003 lebt er in Berlin. Dort arbeitet Arno Lücker als Musiktheater- und Konzert-Dramaturg.

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