Macht irgendwas! (Die Betonung liegt auf „irgendwas“.)

Die Wichtigkeit der Betonung (siehe die Überschrift dieses unnötigen Artikels) liegt darin, dass man bei Betonung des Wortes „Macht“ an irgendetwas Aktionistisches, Appellartiges denken könnte (etwa: „Macht irgendetwas gegen die Klimakrise!“, wobei das ein sehr wichtiges Unterfangen ist). Nein, es geht darum, dass man manchmal (ja, viel häufiger!) einfach „irgendwas“ machen sollte. Also: mit Themen.

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Wohin ich will? Ich will so in Richtung „Sinnlosigkeit“, die aber fokussierter denn je! Das ist ganz typische dramaturgische Arbeit: „Was mache ich zum Thema xy?“ – „Wir haben nächste Saison einen Brahms-Schwerpunkt an unserem Konzerthaus!“ – „Ja, gut, dann machen wir ein Brahms-Symposium, zu dem wir die wichtigsten Forscherinnen und Forscher in Sachen Brahms einladen.“ – „Ja, nö! Bekommt doch mal lieber heraus, was Brahms gerne gegessen hat! (Da gibt es nämlich Quellen zu.) Dann servieren wir in den Pausen der Brahms-Konzerte genau das – natürlich mit historischem Verweis.“

Ich habe früher in meiner damaligen WG ab und zu Partys veranstaltet. Eine Party drehte sich um das Thema „h-Moll“. Einfach, weil wir keine themenlose Party machen wollten. Wir waren jung, wir waren kreativ. Auf der Toilette lief während der Party eine Playlist – die Technik hatten wir subtil im Wäschekorb versteckt – ausschließlich mit Werken in h-Moll. Eine Telemann-Suite, der erste Satz von Schuberts „Unvollendeter“ und so weiter.

In dem einen Zimmer hatte mein damaliger Mitbewohner ein Keyboard programmiert, dass bei Drücken einer Taste ausschließlich jeweils h-Moll-Konstellationen von sich gab. Eine Pianistin spielte auf unserem Bechstein-Flügel die h-Moll-Sonate von Franz Liszt. Alle hörten gebannt und gerührt zu. Teilweise lagen die Gäste mit einer Flasche Bier lauschend unter dem Instrument. Ein tolles Erlebnis.

Es macht einfach Spaß, verquere Themen in sein Leben, in sein Alltag zu lassen. Je detailreicher das Thema ausgewählt wurde, desto besser. Wir setzen ein Thema – und dann gehen wir da ganz kleinteilig ran. Keine bildungsgesättigten „Querverweise“, sondern ein Spiel von und mit Möglichkeiten. Nun ja. Dies als kleiner Ratschlag, wie man seinen Alltag ab und zu doch noch viel spaßiger gestalten könnte. Auf Wiedersehen.

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Arno Lücker wuchs in der Nähe von Hannover auf, studierte Musikwissenschaft und Philosophie in Hannover, Freiburg - und Berlin, wo er seit 2003 lebt. Er arbeitet als Autor (2020 erschien sein Buch »op. 111 – Beethovens letzte Klaviersonate Takt für Takt«, 2023 sein Buch »250 Komponistinnen«), Moderator, Dramaturg, Pianist, Komponist und Musik-Satiriker. Seit 2004 erscheinen regelmäßig Beiträge von ihm in der TITANIC. Arno Lücker ist Bad-Blog-Autor der ersten Stunde, Fan von Hannover 96 und den Toronto Blue Jays.

Eine Antwort

  1. Jörg Marwitz sagt:

    Und was hat Brahms nun gerne gegessen?

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