Ich triggere § 7 Abs. 2 der BADSK-Satzung gegen Rechtes, Identitäres, Sexualstrafrechtliches und Migrantenschreck!

Bis heute war ich ruhig. Sehr ruhig. Nun aber reicht es! Als ich erfuhr, dass das Leipziger Streichquartett in der Bayerischen Akademie der Schönen mit seinem Cellisten Matthias Moosdorf auftreten wird, befasste ich mich mit den weiteren Mitgliedern des Quartetts. Zuvor kam aus den Reihen der Akademie, als man feststellte, wen man sich da aufgehalst hatte, die Feststellung zu erfühlen, „da wird der Bad Blog, da wirst Du wieder dazu etwas schreiben.“ Im Vorfeld des Konzerttermins tat ich das nicht direkt, auch aus Respekt gegenüber Sofia Gubaidulina und Cristobal Halffter. Dafür schaute ich mir die offen einsehbaren social media Auftritte der Quartett-Mitglieder an. Das Ergebnis ist hinlänglich bekannt: bis auf den Primarius sympathisieren mutmasslich die Quartett-Mitglieder mit den Ansichten des AfD-Promis Moosdorf.

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Als der Auftritt näher rückte, entschied ich mich, mich dem Protest meines Kollegen Moritz Eggert anzuschliessen. Grund war dafür, dass trotz der lesbischen Vorstandsfrau Weidel das AfD-MdB Brandner mit der Unterschrift auch von Frau Weidel „Nürnberger Gesetze 1935“ spielen wollten, als deren Fraktion im Oktober ein Aufhebungsgesetz der Ehe für Alle in den Bundestag einbrachte, womit nach 83 Jahren wieder einmal vorzugsweise Deutschen, wie den jüdischen Mitbürgern damals, das gerade erkämpfte Institut der Eheschliessung genommen worden wäre, ohne dass ein Antrag auf Änderung des Grundgesetzes eingebracht worden wäre, um, wenn man meint, die Ehe sei zwischen Mann und Frau dort definiert, das zu heilen. Nichts da! Es ging um Provokation, um Tilgung der Gleichberechtigung, nicht gegen Ausländerinnen und Ausländer, was ja Programm jener sogenannten Alternative ist, sondern um Raub von Bürgerrechten an Deutschen. Gott sei Dank unterbanden das selbst schwärzeste Unionsangehörige.

Ich appellierte damals auf Facebook auch an die Adresse von Matthias Moosdorf wie an Frau Weidel. Herr Moosdorf tilgte die blaue Markierung seines Namens. Damit war für mich klar: wenn der in München auftritt, kann ich das nicht so einfach hinnehmen. Persönlich komme ich mir vor, und übertreibe vielleicht, als ob man mir 2033 den Rosa Winkel seitens der AfD anheften könnte. Nachdem aus der Euro-Kritikerpartei Luckes über Petrys Untergang eine in den Medien vom Höcke-Flügel in vielen Grau- und leider auch Brauntönen durchaus dominierte Ansammlung wurde, Tabus immer weiter nach rechts gebrochen, erscheint sie mir wie eine selffullfilling prophecy Ernst Noltes: grob verkürzt behauptete der während des unrühmlichen Historikerstreites, die Nazis seien peu a peu zum Holocaust gelangt, ohne das von Anfang an wirklich zu planen – man korrigiere mich. Peu a peu radikaler wurde und wird allerdings bar dieser Historikerauseinandersetzung die AfD. Heute hat sie eine lesbische Vorstandsfrau. Sollte jedoch die Spendenaffäre voll um sich greifen oder „nur“ der Ämterkampf entbrennen, wird sie von rechteren Personen ausgewechselt werden. Ja, der Prüffall AfD für den Bundesverfassungsschutz lässt das denkbar erscheinen. Und voll Drama-Queen-Gedöhns meinerseits könnte am Ende ein neuer Rosa Winkel stehen.

Dem habe ich mich entgegen zu stellen. Das tat ich am 31.1.19. Ich hielt satirische Schilder hoch und geriet in das Doku-Video Eggerts, wo mir ein Chinese versuchte beizubringen, Bayerische Akademie der Schönen Künste in seiner Landessprache auszudrücken – was mir misslang. Nun habe ich just das Video nochmals angesehen und feststellen müssen, dass ein Teil der Audios nun stumm sind, besonders im Saal der Akademie. Warum das sein musste – wer weiß. Es interessiert mich nicht! Was mich aber interessiert: zur Einleitung des Konzerts wurde gesagt, man sei offener als vergleichbare Akademien in Ungarn oder Österreich. Was aber hier geschah, ist genauso wie im 19. Jahrhundert das Weglassen von Textpassagen z.B. durch staatlichen Eingriff bei der Uraufführung von Verdis Maskenball, wenn man das Video als Performance betrachtet, worüber sich trefflich streiten lässt, wie es die illiberalen Straches und Orbans heutzutage mutmasslich gerne hätten. Jedenfalls nimmt man den Jüngeren die Strahlkraft eines authentischen Film- und Tondokuments zur Potenz der so alten und doch so moralisch aufrechten Komponistin Sofia Gubaidulina und des Komponisten Cristobal Halffter. Vielleicht wegen Datenschutz? Ja, da mag die Akademie im Recht sein. Nur ent-dokumentiert sie sich damit auch ein wenig selbst. Dass man auf Weglassen von Äußerungen von Mitarbeitern der Akademie beharren könnte, das kann ich verstehen, nimmt aber der Dokumentation des Kunstwerks oder gar dem Kunstwerk auch was von seiner Direktheit – aber ich wiederhole: ich könnte das verstehen.

Weiß die Akademie nicht, dass sie damit Moosdorf und seinen AfD-Umtrieben Vorschub leistet? Wem man da den roten Teppich ausrollte, ist klar: Just teilte Moosdorf ein Posting von Felix Baumgartner, wo dieser, ganz im IS- und Taliban-Ton, einen Mörder mit türkischer Staatsbürgerschaft, aktuell Asylbewerber in Österreich, in die Türkei „zurückprügeln“ will. Ob das eins zu eins Moosdorfs Ansicht ist, sei dahingestellt. Aber warum so etwas Radikales teilen? Kann es sein, dass eine Kunst-Körperschaft des Freistaats bewusst oder unbewusst Körperstrafen, wie es die AfD an der Scharia „kritisiert“, um insgesamt gegen Muslime zu hetzen, wieder eingeführt haben will, als sie Moosdorf in ihren Hallen wirken ließ? Statt sich nicht nur nebulös klar und deutlich von dem Verbreiter und Teiler solcher mittelalterlicher Sitten zu trennen, schnibbelt man an zentraler Stelle das Audio in der Doku eines Protests weg, wo auch junge Nicht-EU-Bürger protestierten, die, so sie Verbrechen begingen, von der AfD am liebsten abgeschoben würden, ja, allein wegen dieses Protests?

Moosdorf & Baumgartner

Aber mich wundert gar nichts mehr! Wer Spiegel liest, weiß um die Vorwürfe gegen meinen Ex-Prof von Bose, bei dem man z.B. laut Presse bei einer Hausdurchsuchung eine Gaspistole fand (s. Daily Mail: „When police raided his house, they found a gun, similar to the one pictured here, cocaine and a 21-year-old student in the cellar who had a timetable outlining when she would be required to have sex with the man – and other men – and when she could go to college“). Lustigerweise verteidigte jener Herr mutmasslich im Juni 2018 auf einem rechten Blog den Herrn Rönsch, der just wegen illegalen Handels mit Schreckschusspistolen von Ungarn an unsere Bundesrepublik ausgeliefert wurde und für den Vertrieb dieser angeblich harmlosen Waffen auf seiner Seite Migrantenschreck zu einer Haftstrafe verurteilt worden ist – er ist auf freien Fuß, da er in die nächste Instanz möchte. Um sich vorzustellen, was für gefährliches Gerät er verkaufte, hier aus der BZ:“In Deutschland sind Waffen mit mehr als 7,5 Joule Mündungsenergie verboten. Seine Modelle bringen es auf 80 bis 120 Joule – das bis zu 16-fache des Erlauben!“ So jemand wird von einem bayerischen Beamten verehrt, der an der Musikhochschule suspendiert ist und dennoch an das Mäßigungs- und Staatstreuegebot des Beamtenrechts gebunden ist? Entspricht das dem Geist der Akademie?

Bose und Rönsch

Aber mit der Nicht-Wahrnehmung von letztinstanzlichen Urteilen kennt sich z.B. der Alterspräsident der Bayerischen Akademie der Schönen Künste Dieter Borchmeyer bestens aus. Er wollte mit großer Pompadour den immerhin wegen sexueller Nötigung verurteilten Dr. Mauser in seiner Heidelberger Gesprächsreihe wieder groß rauskommen lassen. Würde Dr. Mauser seine Schuld eingestehen oder einfach gar nichts dazu sagen, hätte man sich vielleicht über das Revival gefreut. Aber es wurde zu einer Trotz-Burg gegen den Zeitgeist, gegen die deutsche Justiz, gegen die Münchener Musikhochschule, die sich dann den Anwürfen von Nike Wagner in der Sache endlich entgegenstellte. Leider kennt sich auch der aktuelle Akademie Präsident Krüger mit der Justiz gut aus – nach seinem Pro-Mauser Anti-Opfer Leserbrief musste er immerhin seinen Platz im Hochschulrat der Musikhochschule München verlassen.

Ja, wie zum Hohn, erschien übrigens auch für alle gut sichtbar Dr. Mauser zum Konzert für Gubaidulina und Halffter, indem er zu diesen kurz vor Konzertbeginn in der nun vollen Akademie zu den beiden ging und sie eben für alle gut sichtbar begrüsste. Sein gutes Recht! Aber statt gegen Rosa Winkel 2033 zu kämpfen, lässt die Akademie dies zu, wie sie eine Doku des Protests gegen die AfD-Umtriebe Moosdorfs vielleicht um das Audio an an einer Stelle, wo sich beide KomponistInnen des Abends sehr öffentlich und moralisch hochstehend äußerten, im Ton beschneiden ließ. Oder überhaupt sich diesen umstrittenen Auftritt ans Bein schraubt.

Moosdorf hat in seinen Zorn über den Protest sogar den Text des Identitären Till-Lucas Wessels im Blog der Sezession geteilt. Da fragt man sich: ist das der Akademie auch lieber als der satirische, nur per Applaus stattfindende Protest gegen den AfD-Cellisten? Die AfD als Prüffall des Verfassungsschutzes, die Identitären als konkret überwachte Bewegung: ist das der Akademie wichtiger als unser Protest?

Moosdorf und Identitäres

Fassen wir zusammen: man gibt einem AfD-ler den Vorrang, man lädt ihn überhaupt ein, obwohl er prominent gegen den Migrationspakt Wind machte, jetzt Prügelstrafen-Baumgartner und Identitären-Wessels teilt. Die Leiter und Alt-Leiter verteidigen einen verurteilten Sexualstraftäter und Vieles dergleichen mehr seit Jahren in social media. Ein Verteidiger des verurteilten Migrantenschreck-Portal-Betreibers wird geduldet. Es ist höchste Zeit, den § 7 Abs. 2 der Akademie-Satzung zu triggern: „Ein Mitglied kann wegen grober Verfehlungen oder bei fortgesetzten Zuwiderhandlungen gegen den Geist der Vereinigung auf Antrag der zuständigen Abteilung mit Dreiviertelmehrheit der Stimmen der ordentlichen Mitglieder der Akademie ausgeschlossen werden.“

§ 7 Abs. 2 der BADSK-Satzung

Ich nehme an, am liebsten würde man seine Kritiker rauswerfen. Aber was ist mit den Verteidigern von AfD-lern, von Identitären, von Sexualstraftätern und von Verteidigern von Migrantenschreck-Waffenhändlern? Derweil die staatliche Musikhochschule endlich aufräumt, ist in der Akademie zwar potentiell die Sympathie für Prügelstrafen denkbar, aber wie die Abendzeitung feststellte, das Internet noch nicht erfunden, hart kehrende Besen der Eisenzeit genauso unbekannt.

Ich wollte netter sein. Aber wie gesagt: irgendwann ist das Mass voll! Oh, Herkules, reinige den Stall des Augias!

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2 Antworten

  1. Laura Oetzel sagt:

    Lieber Alexander,
    Danke, dass Du über alle diese Missstände so kontinuierlich berichtest – oft erfahre zuerst ich durch Deine Beiträge, was für eine neue Posse wieder in München ausgeheckt wurde.
    Ich finde es allerdings manchmal schwer zu verstehen, worauf Du eigentlich hinaus willst. Vielleicht könntest Du noch öfter erst die Ereignisse, über die Du Dich ärgerst, kurz beschreiben, damit man als Leser mitkommt?
    Auf jeden Fall Danke für Deine Blogbeiträge!
    Viele Grüße
    Laura

  2. Liebe Laura, ich denke, ich gebe meine Motivation preis, wieso ich Schilder hochhalten musste. Ich hatte eigentlich nicht vor, überhaupt über das Konzert in dessen Vorfeld zu schreiben, man schrieb mir auch „hoffentlich bist Du beim medialen Sturm nicht dabei“. Das hatte den generellen social-media Artikel über Mitglieder des Quartetts zur Folge, um doch dagegen gehalten zu haben. Nach dem Konzert brach zwar keine Begeisterung über diese Aktion seitens der Akademie aus, Arzberger als erster Geiger des in Mitleidenschaft gezogenen Quartetts um Moosdorf fand sie immerhin ganz o.k. Moritz hat dann seine beiden Videos produziert, ich schrieb Anmerkungen zum Konzert. Damit wäre es erledigt gewesen. Dann verlangte die Akademie die komplette Löschung des zweiten Videos. Wobei komplette Löschung absurd ist. So kam es wohl zur Tilgung mancher Audiospur. In Bezug auf Mitarbeiter des Akademie kann ich das sehr gut verstehen, auch wenn ich mich grds. dagegen in Opposition setze. In Bezug auf die öffentlichen Äußerungen und Reden verstehe ich es absolut nicht. Wobei ich den Datenschutz verstehe, womit die Akademie Recht hat, da überall prangt „Aufnahmen nicht gestattet“. Und da gab es in einer der Reden den Hinweis auf Akademien in von illiberalen Parteien regierten EU-Ländern wie Ungarn und Österreich, dass man selbst ein offenes Forum sei. Nun, die Offenheit ist nun dahin, jenseits des Datenschutzes. Was aber nicht dahin ist: man redet von geeigneter Form der Auseinandersetzung mit dem politischen Gegner. Aber man lädt ihn ein! Der ehemalige Leiter der Musikabteilung Dr. Mauser wurde verurteilt. Aber man setzt sich brachial als Alterspräsident und damals in den Leserbriefen als Präsident für ihn ein. Man lässt ihn bei vollem Saal zu Gubaidulina und Halffter vorpreschen, damit jeder sieht, wie ER die Honoratioren begrüsst. Man lässt ihn zwar momentan nicht in der Akademie auftreten, man lässt ihn sonst frei gewähren, bar jeden Gefühls, dass das eben nicht jede/r gutheisst. Man führt einen Herren in seinen Reihen, der offen für einen nun verurteilten, damals untergetauchten rechtsradikalen Straftäter Partei ergreift. Habe ich ja Alles schon geschrieben. Nun, man wettert gegen das Video, man hat das Gefühl, die wollen nun Eggert loswerden. Statt dass sie ihre Straftäter in ihren Reihen und Straftäter unterstützende Mitglieder zu angemessenen Verhalten und Zurückhaltung auffordern, z.B. wie die letzten Institutionen, die Mauser in Kuratorien als „Amt ruhend“ führen – bis auf die Henze-Stiftung, eben Mitgliedschaft ruhend einfordern oder was auch immer. Da muss man Freiheitsrechte auch dieser abwägen. Aber auch auf den Ruf des eigenen Hauses muss man achten. Ich denke, dass, wenn man Moritz einen Vorwurf macht, man aber eben auch Borchmeyer, Krüger, Mauser und Bose Vorwürfe machen muss – denn mit Featuren von Straftätern: ist das im Sinne des Geistes der Akademie? Auffallend zudem: an den Hebeln sind nun Alt68er, die immer klagen, dass sich die Jungen nichts mehr trauen. Nun traut man sich was, schreit auf ob der Versäumnisse der Akademie, die diese sich nicht eingesteht, nun mit dem Finger auf die Protestierer zeigt. Statt nach der geeigneten Form zu suchen, sich offen ehrlich zu machen. Vielleicht hilft hier nochmals Arzberger, um down zu coolen: „Ich war dabei und habe die Aktion von Moritz Eggert&Kollegen miterlebt. Aus meiner Sicht humorvoll und durchaus tolerabel.“

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