Notation bleibt – Selbstprompting, Enttäuschung, und dann doch etwas Neues

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Ja, ich wollte doch auch einmal Musik von mir mit sich selbst prompten. Also habe ich mich mit KI, mit was sonst, millimeterweise in die Installation von Open Source Software gewagt und als Maschine externe Speicher- und Installationstools eingerichtet und benutzt. Urheberrechtlich ganz brav habe ich dann kleine musikelektronische Stücke und Audioaufnahmen von instrumentalen und gesanglichen Live-Aufführungen meiner Musik hochgeladen.

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Im nächsten Schritt überlegte ich, was denn zuerst neu zu matchen sei. So habe ich ziemlich ähnliche Stücke im Charakter ausgesucht. Nach einigen Hin und Her kam dann etwas raus, was man als ersten Eindruck beschreiben könnte. Mancher wäre begeistert gewesen. Ich dagegen nicht. Es machte keinen ästhetischen Sinn für mich.

So entschied ich mich, sehr kontrastierende Stücke zu matchen. Denn frei nach der Erfahrung, dass KI gerne immer neues Material als Input benötigt, um interessant zu bleiben, so sollte der Kontrast inenrhalb meiner Musik dazu beitragen. Also fröhlich ans Werk. Aber auch hier war ich eigentlich nicht so begeistert. Es klang schon in einzelnen Momenten spannend. Doch entstand eher eine musikelektronische Etüde als ein mich nachhaltig inspirierendes Etwas.

Nun kam mir der Gedanke: ich frage mal brav bei Freunden nach, ob ich deren Material mal vereinzelt einbauen könnte. Es stimmte allerdings fast keiner zu. Immerhin einer. So, damit ging ich wie zuletzt ans Werk und matchte ihn mit mir. Jetzt müßte doch ein wunderbares Klang-Baby herauskommen, mit absolut eigener wie ganz fremder Musik-DNA. Und parbleu, wir beide schreiben wirklich sehr unterschiedliche Musik. Aber eben Neue Musik. Das Ergebnis? Ja, etwas besser. Aber auch etwas mehr noch Etüde für meine Ohren als zuvor. Hier und da interessanter als zuvor.

Etüden statt Werke: Werkzeuge, Grenzen, alte Verfahren

Also, juhu, ein kleiner Lernerfolg. Nur, was kann man damit jetzt machen? Bei Musikelektronik bin ich eher für klare Zuspielungen oder Verfremdung v.a. von Live-Elektronik. Das nostalgische Verrauschen von eigenen Aufnahmen oder der exzessive Einsatz von historischen Klangarchiven zu postmodern nach hinten in die Vergangeheit sülze, weinen oder lachen – irgendwie viel zu oft gehört, zu oft auch vor 20, 15, 10 Jahren selbst benutzt.

Eine Option wäre, sich hinsetzen und das ganze Abhören und dann quasi „Instrumentieren“. Jessas, viel zu viel unkreative Arbeit. Früher spielte man v.a. mit Midi-Stiften rum und erhielt dann gruselig verzerrtes Zeugs, das man dann verlangsamen oder beschleunigen konnte, Tonmaterial einfach herauskopieren und neu gestalten sowie transformieren. Hier stehe ich vor einer komplexen Audiokonserve, die aber eigentllich dann doch nur Dank der elektronischen KI-Verzerrungen interesasnt ist. Doch meilenweit entfernt von einem Werk, dass sich hörend lohnen würde transkribiert zu werden.

Man kennt auch Musik-KI-Tools, die Midi ausspucken. Das ist nett für das Arbeiten mit repetitiven Standards. Doch vollkommen untauglich für meine Neue-Musik-Ansätze. Wie vermisse ich da den alten Scoreexrtactor mit dem Midi-Stift, wo man das Oszillogramm intuitiv markierte oder auch jedes andere Bild. Das waren dann die besagten Midi-Ergebnisse, an denen ich rumschraubte und verändern konnte.

Und entscheidend dabei war, dass Audioanalyse ein Ergebnis lieferte, das ich aber wie auch mit anderen Programmen wie Audiosculpt direkt oder eben mit dem zeichnerischen Zwischenschritt, den ich noch viel lustiger und kreativer als all die IRCAM-Tools fand, da es eben auch sehr simpel war und mir auch „Fehler“ erlaubte, die es dann manchmal erst Recht unteressant machten. Ich durfte also mit einem abstrakten Ergebnis auf einer sehr niedrigen Ebene zeichnend kreativ verfahren, um aus diesen Midi-Ergebnissen wiederum durch niederschwellige Midibearbeitung und später vor allem notierende Weiterverarbeitung ganz woanders hin zu kommen.

Kurzum, ich arbeite manchmal noch mit diesen Steinzeit-Tools. Klanglich kann mich KI schon auch mal übverzeugen. Doch zur Gewinnung komplexer Neuer-Musik-Strukturen, da ist mir Notation lieber als dann das Zeug per Midi zu erhalten, wo ganz viele Details des KI-Mix-Klanges fehlen oder das gar herauszuhören. Ein Kollege löste das, indem er damals ohne KI seine Soundfiles in die Hand drückte und sagte, „an der Stelle der Partitur mach etwas mit Deinem Instrument und Deiner Elektronik oder Zusatzintrumenten und Verfremdungen der Instrumente, was Du willst, aber es soll ganz nah an dem Soundfile sein.“ Ergebnis: wehe, es kommen andere Musiker ins Spiel – ultra komplex.

Einfluss statt Ersatz

So fand der Ausflug sein Ende. Notation ist schön und wichtig. So muss es bleiben. Auf ewig. Na ja, Worte eines nicht mehr U30-Menschen. Und gab es Folgen? Ja! Jetzt zuletzt überblendete ich Materialien ein wenig wie ich es mit dem KI-Versich erlebt hatte. Allerdings steckt da am Ende aber auch einige Erfahrung mit Musikelektronik an sich drinnen, die mich seit dem Studium begleitet, natürlich ganz anders, als es Leute beschäftigt, die andauernd damit arbeiten, vor denen ich großen Respekt habe.

Ich denke, dass die Musikwelt nun von KI-Musik oder mit KI-Stützung komponierter Musik förmlich geflutet wird. Das zu verfolgen und damit immer mal wieder Erfahrungswerte für sich zu suchen, wird auch für mich wichtig bleiben. Dennoch wurde ich eigentlich noch mehr in meinem Schreiben, wie ich es bisher pflegte, bestärkt, als dass ich nun so krass begeistert von der Sache wäre. KI-Musik nutzt man ja gerne, um in einem hochkomplexen Konetxt eine Art ZDF-Fernsehgarten-Hammer reinzuwerfen, aber eben noch drastisch unterkomplexer als diese Sonntagssendung, die ja oft sogar mich ein wenig aufheitert, auch wenn ich sonntags lieber Hardcore-Mittags-Mahler als Pop-Montagsmaler konsumiere.

Aber auch hier gilt: schreibe es lieber selbst und lache über Dich selbst, wenn Du extrem daneben liegst und haushoch die Professionalität von Pop-Produktionen verfehlst. Es geht ja eher um ein Symbol als um Perfektion, die natürlich auch dabei wünschenswert wäre. Mit Salonmusik gelänge mir das besser. Man macht eben das, woher man kommt. Und mit KI-Musik wird man nicht so einfach in eine andere Roille schlüpfen. Denn auch das ist harte Arbeit. Daher auch Wertschätzung an die Kollegenschaft, die damit operiert. Aber für mich gilt: ich lasse mich gerne beeinflussen, vielleicht mache ich mal doch den Sprung dorthin.

Auch hinterläßt die Auseinanderstzung Spuren in meinem Klang. Man kann vielleicht sagen: welche Musik auch immer, heute eben mit KI produzierte Musik, sie hinterläßt ihre Spuren in anderer Musik ihrer Tage. Wie Maurice Ravel nie ein Jazzer wurde, aber Jazz absolut stilbildend in seinen Klassizismus hineinfloss.

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