Offener Brief an Daniel Hope

Offener Brief an Daniel Hope

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Lieber Daniel Hope,

Wir kennen uns nicht persönlich, aber ich habe Sie natürlich schon oft gesehen – auf der Bühne, im Fernsehen und sogar im Kino. Es ist keine Frage, dass Sie ein erfolgreicher und populärer Musikvermittler sind, ein präsenter, hochtalentierter und vielseitiger Geiger, dem es ein echtes Anliegen ist, Menschen klassische Musik nahezubringen. Ich finde das bewundernswert.

Warum ich Ihnen schreibe: Vor kurzem hat einer unserer Autoren auf diesem Blog – Arno Lücker – einen sogenannten “Shred” von Ihnen und Ludovico Einaudi veröffentlicht.
“Shreds” sind ein satirisches Video-Genre (von musikalischen Enthusiasten oft mit viel Mühe und Aufwand erstellt) das vor allem populär auf youtube ist, einem Medium auf dem Sie ja verdienterweise ob Ihrer Popularität auch sehr präsent sind.

Beim Genre des “Shreds” geht es darum, Musikvideos mit einem neuen Sound zu unterlegen, der meistens parodistischer, überzogener oder komischer Natur ist. Dabei bezieht der klassische “Shred” seinen Reiz vor allem daraus, dass der Betrachter natürlich ganz genau weiß, dass die “geshreddeten” Musiker in Wirklichkeit hervorragend spielen. Daher gibt es auch überhaupt keine Shreds von Musikern, die nicht einen bestimmten Bekanntheitsgrad erlangt haben – erst durch den spielerisch ikonoklastischen Kontext entsteht der Witz, der in vielerlei Hinsicht eher eine Hommage als eine bösartige Verarschung ist, denn schon allein die Existenz des “Shreds” erkennt an, dass es sich bei dem parodierten Musiker um eine berühmte Persönlichkeit handelt. “Shreds” sind also tatsächlich eine Form der anarchischen Volkskunst, deren Wurzeln schon bis in die Anfänge der Menschheitsgeschichte zu verfolgen sind. So findet man schon auf antiken Scherben Karikaturen von Pharaonen, römischen Imperatoren, etc., auch die Idee des Graffitti oder der witzigen Kritzelei an einer Wand ist uralt. Zum Teil kennt man die antiken Persönlichkeiten sogar überhaupt nur noch, weil sie Teil einer solchen kommentierenden Volkskultur wurden.

Moderne “Shreds” gibt es vor allem von Popstars, aber auch von den von großartigsten und berühmtesten klassischen Musikern wie Itzhak Perlman, Pierre Boulez, Glenn Gould, nicht etwa von Anfängern oder unbekannten Musikern. Eine illustre Liste von Personen also…daher ist es eigentlich sehr traurig, dass es von Ihnen bisher noch keinen Shred gibt oder gab, denn großartig und berühmt genug sind Sie ja.

Diesen Missstand wollten Arno Lücker und seine Ko-Autorin Carlotta Joachim nun ändern, und so entstand ein “Shred” eines kurzen Auftritts von Ihnen und Ludovico Einaudi, bei dem Sie beide quasi “nachvertont” wurden. Teil des “Shreds” war auch eine Neuvertonung Ihrer Eingangsrede, die in dieser Form auch auf Elemente der oben beschriebenen anarchischen Volkskunst zurückgreift, die wir zum Beispiel auch an öffentlichen Orten finden, und über die wir alle – wenn wir ganz ehrlich sind – schon Mal gelacht haben. Sicherlich auch Sie in Ihrer Jugend- und Kinderzeit, die ja bei Ihrer jugendlichen und dynamischen Natur noch nicht lange her zu sein scheint!

Diese Neuvertonung Ihrer schönen Rede wurde übrigens wie meistens bei Shreds (z.B. bei den zahllosen neu synchronisierten “Harry Potter”-Filmen, die sich auf youtube auch großer Beliebtheit erfreuen) auf eine sehr übertriebene Weise durchgeführt, sodass eindeutig zu erkennen ist, dass es sich nicht um Sie handelt, der da über die Längen von Geschlechtsteilen spricht. Auch wurde der “Shred” selber als solcher gekennzeichnet, die Autoren offengelegt, jedem Zuschauer ist klar, dass es weder Sie noch Einaudi sind, die da spielen, da auch die Akustik der Aufnahme deutlich von Ihrer im Original brillanten und musikalisch hochüberzeugenden Wiedergabe einer faszinierenden Komposition abfällt.

Über die Qualität dieses “Shreds” möchte ich hier gar nicht sprechen, denn darüber lässt sich bekanntlich lange streiten. Daher war es mir wichtig, Ihnen die Intention eines solchen Vorhabens genau zu schildern, das sicherlich Lachen erzeugen soll, aber wie die meisten Parodien immer auch starke Elemente einer versteckten Hommage hat. In diesem Fall also einer Hommage an Sie (und Einaudi).

Die beeindruckendsten Persönlichkeiten zeichnen sich immer dadurch aus, dass sie mit Parodie und Satire sehr gelassen umgehen können. Gerade darin liegt wahre Größe. Wie oft wurde zum Beispiel ein Obama verspottet und wie oft ging er charmant und schlagfertig damit um? Bewunderte man nicht eine Halle Berry, als sie cool bei den “Golden Raspberry Awards” erschien, um mit einer witzigen Rede Ihre Trophäe für die “schlechteste schauspielerische Leistung” entgegenzunehmen? Mit dieser Souveränität stieg jeweils der Respekt vor den Genannten enorm, denn spielerischer Spott und der Umgang mit diesem sind essentieller Teil der menschlichen Kommunikation.
Und obwohl den Schauspielern der z.B. Harry Potter – Filme unflätigste Dialoge in den vielsprachigen “Neusynchronisierungen“ derselben in den Mund gelegt wurden, ist noch keiner von ihnen auf die Idee gekommen, die Urheber dieser (wirklich oft sehr witzigen) Parodien zu verklagen oder deren Verbreitung zu verhindern. Auch hat das Ansehen keines dieser Schauspieler auch nur im Geringsten unter der Parodie gelitten, ganz im Gegenteil: man könnte sogar argumentieren, dass gerade diese Parodien sehr dazu beitragen, die Filme und das Thema Harry Potter überhaupt im popkulturellen Gedächtnis zu zementieren und zu bewahren.

Ich persönlich hätte mich als Ihr großer Bewunderer und Fan sehr gefreut, wenn Sie eine ähnliche Souveränität im Umgang mit dem “Hope/Einaudi”-Shred an den Tag gelegt hätten, denn schließlich sind ja Humor und Lebendigkeit wichtiger Teil Ihrer öffentlichen Persönlichkeit. Auch hätte ich Ihnen gerne gewünscht, dass noch mehr Menschen Ihren Namen kennen und Ihrem charmanten und gelassenen Umgang mit einer solchen Parodie bewundern, denn genau dies entspräche Ihrem tollen Image als Musikvermittler – eben ein bisschen unkonventioneller und lockerer zu sein als viele Andere! Bei mir zuhause liegt zum Beispiel ein Buch mit Ihren wunderbaren und witzigen Musikeranekdoten, über die ich oft herzhaft gelacht habe. Und Humor tut Not, denn das Klischee der klassischen Musik ist ja eher das der Humorlosigkeit: da blicken ernste Komponistenbüsten von Klavieren herunter, es herrscht Drill und jedes Husten und Rascheln muss unterdrückt werden. Da hilft es doch, wenn man Mal lacht, und deswegen brauchen wir Sie so dringend, lieber Daniel Hope!

Aber Sie fanden es nicht zum Lachen, dass man hier ausnahmsweise Mal mit Ihnen einen Spaß treibt. Stattdessen reagierten Sie schon sehr aggressiv wenige Stunden, nachdem das Video bei uns online war. Arno Lücker bekam umgehend ein anwaltliches Schreiben mit Forderung auf Unterlassung und hoher Strafzahlung, sowie verärgerte Nachrichten seines Arbeitgebers vom Konzerthaus Berlin, mit dem Sie ja auf vielerlei Weise als weltweit erfolgreicher Musiker in dieser großen und schönen Stadt Berlin zu tun haben.

Hier ist nun anzumerken, dass Arno Lücker Ihrem Wunsch sofort Folge leistete, und das Video unverzüglich entfernte. Trotz der Popularität unseres Blogs haben es also wohl nur wenige Handvoll Menschen gesehen, denn es war nur ganz kurz in der Weihnachtszeit auf youtube freigeschaltet, also „öffentlich“. Schade eigentlich, denn wie gesagt, es ist ja eher traurig, dass es noch keine Shreds von Ihnen online gibt.

Aber damit war es Ihnen anscheinend nicht genug. Trotz seines Angebotes, sich in einem persönlichen Gespräch bei Ihnen zu entschuldigen, wurde Arno Lücker dies nicht vergönnt – stattdessen erfuhr er am Freitag den 12. Januar vom Konzerthaus, dass er dort in Zukunft nicht mehr arbeiten dürfe. Dass diese Kündigung auf Ihr Betreiben hin, Herr Hope, stattfand, ist relativ eindeutig, denn kurz vorher war eigentlich bei Gesprächen mit Lückers Arbeitgeber eine Möglichkeit der freundlichen und gütlichen Einigung in Sicht, denn auch diesem war wohl die fehlende Bösartigkeit des Shred-Unterfangens schnell klar. Aber natürlich sind Sie, Herr Hope, ein weltberühmter und angesehener Star, und daher konnten Sie Ihrem Zorn mit Ihrer großen Macht Luft machen, nämlich indem Sie die zukünftige Arbeit einen jungen Konzertdramaturgen unterbinden, der im Konzerthaus bisher eine beliebte Konzertreihe erfolgreich kuratiert hat.

Aber auch dies ist noch nicht das Ende der Geschichte – und damit komme auch quasi ich ins Spiel, denn obwohl ich mit dem Video nichts zu tun hatte, erschien es doch in einem von mir mitbegründeten Blog, der wiederum Teil der NMZ ist, einer Zeitschrift, der ich mich sehr verbunden fühle.
Teil meines Blogkonzeptes ist die Freiheit seiner Autoren. So müssen mir diese Autoren Ihre Artikel keineswegs zum Gegenlesen geben, da dies der spontanen Form eines Internetblogs entgegenlaufen würde. Und in einem Blog geht es keineswegs darum, stets geschliffene und hundertmal redigierte Artikel zu bringen, sondern gerade die schnelle Form der Reaktion auf aktuelle Themen macht seinen Reiz aus. Auch Parodie, zum Teil auch Frechheiten, sind Teil unseres Artikeloutputs, da es mein fester Glaube ist, dass sich die Gesundheit der Musikszene vor allem daran bemisst, wie viel Spaß sie verträgt.

Aber Sie verstehen trotz mehrfacher Einlenkung in diesem Fall keinen Spaß. Ich habe erfahren, dass Arno Lücker nun auf Ihren Wunsch auch im Blog aufhören soll, zu publizieren, seine Artikel sollen zensiert werden, er soll auch hier gemaßregelt werden.

Bei aller Liebe und bei aller Verehrung für Ihre Person, lieber Daniel Hope, ich frage mich, ob dies der richtige Umgang mit diesem Vorgang ist. Wir Deutschen sind ja nicht gerade bekannt für unseren subtilen Humor (deswegen sind wir so froh, dass wir Sie hier bei uns haben!), aber dafür haben wir schöne Sprichwörter, und eines davon heißt „Mit Kanonen auf Spatzen schießen“. Arno Lücker hat sich entschuldigt, mehr kann er nicht tun, aber nun soll er quasi vernichtet werden, nicht mehr publizieren, keine Arbeit mehr bekommen überall dort, wo Sie spielen oder Einfluss haben? Ist das angemessen?

Ich frage mich ob Ihnen bewusst ist, dass diese Methodik gerade bei unserer problematischen Geschichte Erinnerungen weckt an Zeiten, in denen freie Meinungsäußerungen sehr unerbittlich verfolgt wurden, und in denen Satire und Humor scharfen Kontrollen unterworfen waren. Ich bin ehrlich gesagt sehr froh, dass unser Grundgesetz nun auch ein Recht auf freie Meinungsäußerung und auch Satire vorsieht. Ich bin auch sehr froh, dass man in diesem Land Karikaturen von z.B. Kanzlerin Merkel machen darf, ohne dass man dafür verhaftet oder ermordet wird, und ich finde es auch toll, dass unsere Kanzlerin diesen Spott stets souverän erträgt, denn sie weiß, dass es meistens besser ist, gar nicht darauf zu reagieren, auch nicht auf Unanständigkeiten oder Übertriebenes.

Was ich Ihnen also sagen will, lieber Herr Hope: wollen Sie sich nicht vielleicht doch noch einmal überlegen ob Sie nach Ihrer sicherlich verständlichen ersten Beleidigung über das Video den beiden Schöpfern die Chance zu einer persönlichen Begegnung (und damit verbundenen Entschuldigung) geben könnten, anstatt sie so hartnäckig anzugehen? Müssen Anwälte bemüht werden für etwas, das man eigentlich bei einem Bier und einem netten Gespräch klären könnte?

Gerade weil ich Sie so schätze und bewundere mache ich mir Sorgen, dass die momentan vorherrschende Härte Ihrerseits so gar nicht Ihrem rundum positiven Image entspricht, wo es doch gerade die Beispiele von Obama und Halle Berry eindeutig zeigen, dass derjenige am besten (und klügsten) lacht, der MITlacht?

Fassen Sie sich ein Herz und begegnen Sie dieser Angelegenheit nicht mit einem zornigen, sondern mit einem zwinkernden Auge. Denn darüber würde ich mich von Herzen freuen,

Ganz herzlich,

Ihr

Moritz Eggert

Paganini kennt man auch wegen seiner Karikaturen, die genauso zu seinem Ruhm beigetragen haben wie sein Spiel

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Moritz Eggert

Komponist

20 Antworten

  1. Arno aus Konzerthaus kündigen, das ist mal so richtig nur Eines: Fertigmachen! Zensur bis ins letzte Komma zu verlangen, das kann nur sein: seltsames Rechtsverständnis! Den Ärger über den Shred kann man verstehen und damit und dessen unmittelbaren Folgen hätte man es belassen können, wenn überhaupt nötig, da das Ding ja aus dem Netz verschwand. Umwegrache ist halt das, was einen zum wichtigen Künstler macht? Da sollten sich ZKO und Frauenkirche überlegen, ob man so jemand als Sympathieträger dulden kann oder man sich im Konfliktfalle schon mal auf ähnliche Knebelungen freuen darf. Aber nein, wir wollen neutral sein. Denn künstlerischer Absolutismus ist ja super, solange man allerdings nur den/die richtigen Ton/Töne trifft.

  2. Tja, was fällt mir denn da zum Thema Konzerthaus Berlin ein? Dort hat mein Freund, der Komponist Christian Jost, Schumanns „Dichterliebe“ neu komponieren und „uraufführen“ dürfen – und Robert Schumann hat’s ihm nicht verboten! So was auch. Das einzige, was ich an dem pointiert und klug geschriebenen Artikel von Moritz Eggert nicht verstehe: ist dieser Daniel Hope denn wirklich ein so berühmter Künstler? Klar, über Geschmack lässt sich streiten, doch formulieren wir’s mal so: Herr Hope wollte nicht „geschredded“ werden – OK, das Video ist weg. Aber dass auch Arno Lücker nun vom Konzerthaus gefeuert wurde, erinnert mich an die dunklen Tage Deutschlands, als der Begriff der „entarteten Kunst“ erfunden wurde!

  3. Gebt mal bei google ein „Bilder Wagner Karikaturen“.
    Man sagt, Wagner hätte selbst am meisten darüber gelacht…

  4. Stöcker sagt:

    auf der wahrscheinlich stylishsten Web-Site der gesamten Musikgeschichte gefunden:
    facebook: „Daniel Hope, der Weltklasse-Geiger und Musikvermittler, war bei unserem Mercator Salon „Von der Kraft der Musik“ zu Gast. In einem inspirierenden Gespräch warb er für interkulturellen Austausch und Weltoffenheit“.
    Große Worte eines offensichtlichen Kleingeistes. Hoffentlich bekomme ich jetzt nicht weltweit Stadion- äh Konzerthausverbot.

  5. Konzerthaus Berlin sagt:

    Lieber Moritz Eggert,

    anbei die Stellungnahme des Intendanten Sebastian Nordmann: „Es ist der Eindruck entstanden, wir hätten Arno Lücker am Konzerthaus gekündigt. Dies ist nicht der Fall. Arno Lücker moderiert als freier Mitarbeiter fünfmal in der Saison die Reihe „2x hören“ am Konzerthaus Berlin. Ich habe lediglich entschieden, ihn für die kommende Saison nicht erneut als Moderator zu engagieren. Es geht mir dabei nicht um den „Shred“ als solchen, sondern um den eingesprochenen Text mit sexuellen Ausdrücken, die ich als beleidigend und respektlos empfinde. Diese Art von „Humor“ ist nicht mit den Aufgaben eines Moderators vereinbar, der zugleich Gastgeber am Konzerthaus ist.“

    Viele Grüße aus dem Konzerthaus

    • Liebes Konzerthaus Berlin, richtig nachvollziehbar ist Ihre Erklärung nicht. Wie gesagt, das Video haben nur wenige Menschen online sehen können. Es sei Ihnen unbenommen, die enthaltene Rede, die aber kaum jemand bekannt ist, auch mir z.B. nicht, so zu empfinden wie Sie es tun. Nur sind Sie ja nicht der Adressat der Rede, sondern Herr Hope. Dieser aber nicht in seiner Eigenschaft als Gast Ihres Hauses oder für sein Engagement an Ihrem Hause. Ich finde auch keine öffentliche Präambel oder Selbstverpflichtung Ihres Hauses, gegen die Herr Lücker verstossen hat, ausser gegen Ihren persönlichen Geschmack. Ihre Entscheidung wirkt nicht objektiv, sondern sehr subjektiv, als ob Sie mehr privat als neutral öffentlich die Situation beurteilen würden, da Ihnen Herr Hope näher als Herr Lücker stünde. Das kann ja nicht ernsthaft als Grundlage für diese Entscheidung einer öffentlich-rechtlichen Institution ausreichen.

    • Es spricht ja schon Bände, dass Herr Nordmann das Wort Humor in Anführungsstriche setzt, nur weil es seinen Sinn für Humor nicht trifft. Vielleicht sollte Herr Nordmann mal eine Ausgabe der Titanic oder von Charlie Hebdo lesen, dann fiele er vermultich in Ohnmacht. Humor ist immer respektlos, im besten Sinne, Humor überschreitet immer Grenzen – ich darf das sagen, ich verdiene seit über 20 Jahren mit Komik mein Geld. Ohne den Zuschauer zu überraschen, indem man irgendeine Grenze überschreitet – sei es die der Logik – bringt man ihn nicht zum Lachen. Aber so wie ich es verstehe, hat Herr Lücker ja nicht in seinen Moderationen sexuelle Ausdrücke verwendet, die das Publikum verschrecken könnten, sondern er hat einen auf Komik zielenden Shred produziert. Jemanden zu feuern, weil einem diese Komik persönlich nicht gefällt, während man gar nicht sein eigenes Geld verwaltet, sondern das des Steuerzahlers, und zwar in einem Staat, der die Kunstfreiheit garantiert, zeigt, dass Herr Nordmann die Kunstfreiheit nicht verstanden hat und für sein Amt ungeeignet ist. Gefeuert werden sollte nicht Arno Lücker, sondern Sebastian Nordmann – wie es aussieht, ein humorloser, opportunistischer, obrigkeitshöriger (skurrilerweise ist die Obrigkeit hier der mittelmäßige Geiger Daniel Hope und seine PR-Maschine) und anti-freiheitlicher Mini-Despot. So jemanden möchte ich jedenfalls nicht aus meinem auf dem freien Markt selbst verdienten Geld alimentieren.

  6. Peter Brell sagt:

    Schade, lieber Herr Eggert, dass Sie den Lesern Ihres Offenen Briefes die Tatsache vorenthalten haben, dass der eingesprochene Shred-Text sexuelle Ausdrücke enthält, die Herr Nordmann und eventuell auch Herr Hope „als beleidigend und respektlos“ empfunden haben.
    Da erscheint die Sache in einem ganz anderen Licht, und wenn man liest, dass entrüstete Kommentatoren auf Ihrer FB-Seite Herrn Hope in die Nähe von Donald Trump rücken, frage ich mich, wer die Situation eskalieren lässt…

  7. @Konzerthaus Berlin
    Danke – ich hatte ja schon auf Twitter geschrieben:
    auch ein freier Mitarbeiter kann „gekündigt“ werden – in diesem Fall geht es um eine Konzertreihe, die schon bis 2020 konzipiert ist, diese kann also nicht mehr von Herrn Lücker durchgeführt werden (obwohl diese Konzertreihe nach allem was ich höre sehr erfolgreich ist).
    Auch stellt sich noch eine dringendere Frage: Wieso kann Herr Hope als externer Künstler einen solchen Einfluss auf die Mitarbeiterpolitik eines öffentlich geförderten Hauses nehmen? Und auf freie journalistische Berichterstattung? Nach der Entschuldigung von Lücker schien es ja Hoffnung zu geben und Herr Nordmann schien ebenfalls hoffnungsvoll, dass man das bereinigen könte, dann plötzlich gab es einen Tag später eine Kehrtwendung und Lücker erfuhr, dass er nicht mehr engagiert werden würde. Nach außen hin bleibt hier nur der Schluss, dass dies auf Druck Hopes geschah. Umso mehr hoffe ich, dass dieser jetzt ein Einlenken hat und die Sache gut ausgeht, darum bemühe ich mich gerne. Vielleicht alle einmal an einen Tisch? Das würde doch nicht schaden!

  8. @Peter Brell: Das ist falsch, denn in obigem Text erwähne ich die sexuelle Thematik explizit und gehe auch inhaltlich ausführlich darauf ein. Die exakten Worte von Herrn Lücker zu wiederholen habe ich natürlich vermieden, denn das würde ja Herrn Hope erneut beleidigen, und das soll ja auf keinen Fall sein, wenn die Sache – wie wir alle hoffen – gut ausgehen sollte. Herr Lücker hat sich für diese Worte übrigens auch entschuldigt, und das auch sofort und umgehend.

  9. Dr. PETER, Wolf-Dieter sagt:

    lieber ME,
    erstmal kleinkariertes:
    ihre zeile „teil meines blogkonzeptes….“: das „Ihre“ gehört kleingeschrieben.
    in ihrer blogantwort: ich kenne nur „ein einsehen haben“ nicht „einlenken“… aber fürleichd…
    also: teitsche sprak schwäre sprak…
    hauptthema: was für ein quark! wahrscheinlich also sexuelels zeug so unter niveau, dass ärgerverständlich – und jetzt ist der weltstar weiter und wird sich einen dreck scheren.
    bleibt nur: diesen langhaar-bald-nigel-kennedy-kotzbrocken halt nicht mehr anhören, keine cd kaufen, nicht ins konzert gehen – und die kreisch-mädels, die ihn „so geil“ finden, halt auch nicht mehr…
    meinte nicht karl valentin „gar ned ignorieren“? und grenzt nicht auch viel der blogerei an „nicht die tinte halten können“ und bräuchte eigentlich nicht zu entstehen, wenn nicht viele dieser typen halt auch „wichtig“ sein wollen samt „ihrer meinung“… jaja, andy warhol hatte mit dem „everybody will be important for 15 minutes“ – und si kommt unser täglicher müll über uns…
    wdp

  10. Grabenassel sagt:

    Leider erfährt man ja nicht, um welches Stück es sich bei der „brillanten und musikalisch hochüberzeugenden Wiedergabe einer faszinierenden Komposition“ (Zitat ME) handelt. Ich befürchte: https://www.youtube.com/watch?v=54LgLNpW3KE
    Wenn ja, dann wundert mich nichts, ist doch diese Perle der Musik von Meister Hope gerade aus künstlerischen Gründen erneut für die DGG eingespielt worden: https://www.youtube.com/watch?v=3Y-hA-66ghs
    Da passt ein respektloser Shred natürlich nicht ins Marketing-Konzept.

  11. Anni Buggarov sagt:

    Ihr lieben Kulturfreunde, lieber Dr. Dr.Peter,
    Über Geschmack lässt sich ja Gott sei Dank streiten. Kauft Euch doch einfach eine andere CD und lauft mal um den „Blog“…einen anderen als diesen! Vielleicht auch mal, ein Tipp fürs neue Jahr, ein Blick in den Spiegel und etwas Zeit mit sich selbst verbringen ;)

  12. Wendelin sagt:

    Mittlerweile hat Daniel Hope mit der NY Times gesprochen und kundgetan, dass er Sebastian Nordmann zwar auf den Shred aufmerksam gemacht, aber nicht zu der Entscheidung beigetragen habe, dass das Konzerthaus sich von Arno getrennt hat:
    https://nytimes.com/2018/01/19/arts/music/daniel-hope-violin-deutsche-grammophon-shredding.html?referer=https://t.co/mZKQYJoYoe%3Famp%3D1
    Außerdem scheint er seine Anwälte zurückgepfiffen zu haben.

  13. Nice, Daniel Hope and the dramturge, blogger Arno Lücker and his helping hand Carlotta Joachim are celebrating reconciliation, yesterday evening at Philharmonie Essen. Now the way should be open for an annulment of the dismissal for Mr. Lücker through the Konzerthaus Berlin and his artistic director Mr. Nordmann for whom the eschewal of contact between Hope and Lücker was allegedly important for his decision. Now they are friendly in contact, peace reigns, dear Konzerthaus, please let prevail clemency!

    https://www.facebook.com/photo.php?fbid=10155246197147717&set=a.10150263713102717.329274.632582716&type=3&theater

  1. 15. Januar 2018

    […] Hier gehts zu Eggerts offenem Brief im Bad Blog der nmz. […]

  2. 17. Januar 2018

    […] His supporters are linking his dismissal to the Hope incident. A German music blogger, Manuel Brug, has taken up the cudgels with an open letter to Hope. […]

  3. 26. Januar 2018

    […] Lücker schreibt, zur gleichen Maßnahme zu bewegen. Die vollständige Geschichte kann man u.a. im Bad Blog of Musick und auch im Blog hundert11 (in mehreren Artikeln und mit zahlreichen Links zu weiteren Quellen) […]

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