Die Neujahrsansprache der Bundeskanzlerin für das Jahr 2014

Der Bad Blog präsentiert: Die alljährliche Neujahrsansprache unserer verehrten Bundeskanzlerin, Frau Dr. Angela Merkel:

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Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

Wie jedes Jahr wende ich mich an Sie, um Ihnen im Namen der Bundesregierung und des Kanzleramtes ein Frohes Neues Jahr 2014 zu wünschen. Genießen Sie die Feiertage im Kreise Ihrer Familien und Ihrer Lieben und seien Sie gewiss, dass wir auch im Neuen Jahr alles tun werden, um für unser aller Wohlergehen und den Fortbestand unserer Gesellschaft einzustehen, auch wenn uns dies manchmal schwer fällt und an die Grenzen des Menschenmöglichen bringt.

2013 war – wie Sie alle wissen – kein leichtes Jahr. Wir haben zwar unseren Platz als einer der reichsten und einflussreichsten Nationen der Welt behaupten können, doch zu welchem Preis dies geschah, ist noch nicht abzusehen. Die Nachwirkungen der Finanzkrise und auch des Zweiten Weltkrieges stecken uns nach wie vor in den Knochen, und da unsere Banken nach wie vor in ganz Europa Feuerlöscher spielen und marode Nationen vor dem Staatsbankrott retten müssen, sind diese weiterhin auf Ihre freundliche Unterstützung angewiesen. Der Begriff „Solidarität“ wird also auch 2014 eine große Rolle spielen: Solidarität mit unseren Banken und vor allem deren geplagten Aufsichtsräten, die unter Einsatz ihres Lebens auch im Neuen Jahr alles tun werden, um unser aller Sicherheit in Europa zu gewährleisten. Das ist kein leichter Job, aber wenn wir alle zusammenhalten, kann es uns gelingen.

Wenn wir Deutschland im Jahre 2014 betrachten, so sehen wir, welche schweren Aufgaben vor uns liegen. Nach wie vor sind wir nicht die Nummer eins der Rüstungsexporteure in der Welt, und auch der Trend zum Drittwagen oder zum Zweitdomizil hat sich noch nicht bei jeder Familie durchgesetzt. Auch machen uns die Truppenbewegungen an der Liechtensteiner Grenze große Sorgen, und es ist nicht undenkbar, dass auf unsere neue Verteidigungsministerin schwere Aufgaben zukommen, bei denen sie ihre weiblichen Tugenden beweisen wird. Oder auch nicht.

Ich möchte es Ihnen nicht vorenthalten – die kommenden Jahre werden unter dem Zeichen steter Konsolidierungsmaßnahmen stehen. Wir müssen – und das ist eine traurige Tatsache – noch radikaler und gründlicher sparen als bisher, denn ansonsten droht unserem Land der Kollaps und wir sind dem Gespött der restlichen Nationen dieses Planeten ausgesetzt. Das kann und darf nicht sein, nicht, so lange ich als Ihre Kanzlerin für die guten deutschen Tugenden des ständigen Panikmachens und Schwarzmalens einstehe.

Noch haben wir eine der geringsten Staatsverschuldungen weltweit, aber wer weiß wie lange noch? Wir müssen uns bemühen, dass wir nicht in eine gefährliche Spirale der Verschwendung und des Leichtsinns fallen. Daher ist es wichtig, dass Sie alle Verständnis dafür haben, wenn wir uns in Zukunft den Luxus von Kultur- und Bildungsausgaben nicht mehr leisten können, denn zu groß ist die Gefahr eines Totalkollapses unseres Landes, der schneller eintreten könnte, als uns allen lieb ist. Bitte haben Sie also Verständnis dafür, wenn wir wie auch schon im letzten Jahr unsere erfolgreiche Politik der Kürzungen bei Kultur und Bildung, der Orchesterabwicklungen und vor allem Theaterschließungen weiterbetreiben.

Gottseidank ist es uns gelungen, diese Maßnahmen unserem Volk als wirtschaftlich dringend notwendig zu verkaufen, was natürlich eine glatte Lüge ist. Dies ist uns durchaus bewusst. Daher bitten wir Sie herzlich um Ihre Mithilfe, den Prozess 2014 noch zu beschleunigen, damit nicht allzu viele Fragen gestellt werden. Wenn Sie alle mithelfen, wird schon die nächste Generation nicht mehr mit unwichtigen Zeitverschwendungen wie Musik-oder Kunstunterricht oder – Gott bewahre uns – einem Musik- oder Kunststudium belästigt werden. Das wird unser Land effizienter und zielorientierter machen, eine wichtige Maßnahme um in der internationalen Konkurrenz bestehen zu können. Schon jetzt sind wir stolz darauf, den Wunsch meines lieben Amtsvorgängers Helmut Kohl zunehmend erfüllen zu können, vor allem dann, wenn wir auch das letzte Theater und Opernhaus im Osten eingespart haben und endlich der Blick frei ist auf die blühenden Landschaften in der ehemaligen DDR.

Ein besonderes Sorgenthema des letzten Jahres war natürlich die Auswirkung der Gebührenreform für Rundfunk und Fernsehen. Da der nun erwirtschaftete Überschuss von nur einer Milliarde Euro leider deutlich unter den Erwartungen zurückblieb – 100 Milliarden wären notwendig gewesen um die Inflation aufzufangen – habe ich Ihnen die traurige Mitteilung zu machen, dass gerade im Bereich des öffentlich-rechtlichen  Rundfunks und Fernsehens weiterhin schwere Kürzungen von uns allen zu verkraften sind. Haben Sie Mitleid mit unseren armen Rundfunkintendanten, allen voran Herrn Boudgoust vom SWR, die darunter leiden müssen, unpopuläre und vor allem sinnlose Maßnahmen als irgendwie sinnvoll zu verkaufen. Das ist ein harter Job, und wir müssen ihnen Respekt und Mitleid zollen.

Selbstverständlich werden wir alles tun, um den Ihnen lieb gewonnenen endlosen Strom von hohlen Casting-Shows, Kochsendungen mit Prominenten und Sendungen über die beliebtesten Sommerhits der 80er Jahre weiterhin zu gewährleisten. Hierzu kann ich Ihnen die erfreuliche Mitteilung machen, dass wir unser deutschlandweites Netz von Popakademien für hoffnungsvolle One-Hit-Wonder-Kandidaten gerade in Baden-Württemberg entscheidend ausbauen konnten, natürlich auf Kosten der immer sinnloser gewordenen klassischen Musikhochschulen.

Wie schon erwähnt: 2013 war hart, aber 2014 wird noch härter werden. Wir werden alle unter den Konsolidierungsmaßnahmen leiden müssen und uns das Brot vom Munde absparen. Schon morgen kann auch Ihr Job Opfer einer dringend notwendigen Kürzung sein, gerade wenn Sie im Kulturbereich arbeiten. Nur so können wir unser Land vor dem drohenden Ruin bewahren. Es ist 5 vor 12, doch mit vereinten Kräften können wir es schaffen, liebe Bundesbürger. Wenn wir uns alle, wirklich alle bei den Händen nehmen und beständig im Geiste die Gesetze von Investition und Profit immer wieder aufsagen, gibt es die leise Hoffnung, dass  vielleicht schon in wenigen Jahrzehnten die kleine, klitzekleine Chance besteht, dass wir uns wieder den Luxus von genügend Kindergartenplätzen oder einer flächendeckenden und schichtenübergreifenden Bildung leisten können. Lassen Sie uns zusammenhalten und gemeinsam diesen Traum träumen.

Oder auch nicht.

In diesem Sinne: ein frohes 2014!

Ihre

Bundeskanzlerin

Angela Merkel

(aufgezeichnet von Moritz Eggert)

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1 Antwort

  1. Kleine Fortsetzung bzw. Einschub vor dem Ende der Rede ;-) : „Und besonders, liebe Engagierte MitMENSCHEN und Mit-Komponisten und Mitmusiker aller freien Musikszenen: Diejenigen unter Ihnen, die sich vor allem im Bereich der sogenannten NEUEN MUSIK engagiert haben – auch in den reicheren Kommunen – die müssen ab 2014 ganz tapfer sein. Es geht auf Grund der gesetzlich verankerten Schuldenbremse einfach nicht mehr so weiter, dass wir Sie so wie noch z.B. in den 70er bis 90er-Jahren fördern können. Auch die wohlhabenden Städte und Länder, wie z.B. BW. werden nämlich nun ihren Obulus an den Bund und in andere Finanzierungsbereiche aus den Kultur- und Bildungstöpfen heraus leisten müssen. So leid mir das als auch SIE liebende Landesmutter tut.

    Gefragt ist nun, liebe freie Kunstschaffende in den Metropolen, Ihr EHRENAMTLICHES, bürgerliches Engagement. Auch wenn es für Sie vielleicht in den nächsten 50 Jahren frustrierend sein mag und sie ihren Zeitaufwand für die Kultur nicht mehr, wie bisher, entlohnt bekommen: Halten Sie unbedingt an Ihrer Leidenschaft für das Haus-Komponieren und Hausmusizieren fest! Denn nur so bringen Sie unser Land kulturell weiter voran. Es darf nicht still stehen. Ich würde Ihnen gerne eine frohere Kunde für die nächsten Jahre geben, aber die Euro-Konsolidierung und Banken-Stabilisierungen haben in den nächsten 50 Jahren absolute Priorität. Ich wünsche Ihnen allen dennoch bei allen Ihren kreativen Vorhaben viel Erfolg und das nötige Durchhaltevermögen. Denn Sie sind TEIL dessen, was wir in Deutschland und Europa kulturell erreicht haben. Wir bleiben IMPORT- und Exportweltmeister in Sachen Kulturförderung, nur eben auf relational viel niedrigerem Niveau als das noch vordem möglich war.

    Für Ihren Idealismus, ihr unermüdliches Engagement und Hoffen auf wieder bessere Zeiten gilt Ihnen mein warmer Händedruck und Handkuss. Gottes Segen [den sie sehr brauchen werden – im Mundwinkel erkennbar: hintergründiges Schmunzeln] – wünscht Euch allen – Gell? wir können ja Du sagen, ich liebe und kenne Euch Künstler alle – Eure „Angie“.