… „ /… geahNte Stille (…)“ … (Fragment)

1. Einblick in die künstlerische Produktion

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Heute habe ich das holzfällerlied rekonstruiert. (Heute ist Christi Himmelfahrt). Ich bin halb zehn aufgestanden, wurde von meiner Nachbarin geweckt, die Klarinette spielt. Ich kann ihre Übungen mittlerweile mitsingen und tue das manchmal auch, zum Beispiel beim Kochen. Beim Schreiben hat sie dann aber glücklicherweise nicht mehr gespielt, sonst kann ich mich nämlich nicht konzentrieren. Und tut uns alles Guts. Dann rekonstruierte ich das Holzfällerlied, das mir verloren gegangen war. Glücklicherweise hatte ich noch eine Skizze. Ich schrieb dann ein neues Intermezzo, dessen Wirkung ich noch nicht abschätzen kann. Ich weiß auch nicht, ob es mir gefällt. Komisch, dass man wirklich Sachen schreiben kann, die einem nicht gefallen, und ich glaube sogar, dass es gar nicht darum geht, Dinge zu schreiben, die einem selber gefallen. Das wäre ja blöd.1 In die alte Wunderstadt herein. Ich glaube allerdings auch nicht, dass man Dinge schreiben muss, die einem NICHT gefallen. Das wäre ja noch blöder. Cantiam nimfe e pastori: Viva la bella Dori.2

2. 4 Bio-Croissants zum Aufbacken oder: „Wir backen einen Kuchen und es stellt sich heraus, dass der Zucker nicht Zucker war, sondern Salz.“ (J.C.)

Neulich traf ich mich mit L. und wir besprachen ein paar wichtige Dinge. Unter anderem zitierte er T., der den Begriff des Nihilismus-Kitschs geprägt habe. Ich kann nur unterstreichen: Kein Nihilismus-Kitsch! Die Nihilismus-Kitscher gehören verboten! Was wollen die mit der Kunst?!

3. Ich war in Leipzig und habe einen Spaziergang gemacht, und den Spaziergang habe ich aufgenommen.

Auf der Mainpromenade in Sachsenhausen ist manchmal Flohmarkt. Wenn die Händler abgereist sind, liegen Fetzen östlicher Sprachen da rum. Das ist fast so, wie ein Stück von Rihm: broken tonality. Oder so. Jedenfalls voll schön.

4. Abrechnung

Wir müssen noch abrechnen. Ham wir letztes Mal auch schon vergessen, ich schulde dir glaub ich noch was. Aber: Wer schuldet hier eigentlich wem was? Oder geht es überhaupt um SCHULD? Jedenfalls heißt der Blog: BAD Blog. Obwohl ich eigentlich ein ganz Lieber sei, wie mir oft, gerne auch von Fremden, unterstellt wird. Oder bin ich eigentlich doch BÖSE? I’m bad. (Wie Michael J. sang). Jedenfalls bin ich nicht böse AUF jemanden. Höchstens MIT jemandem. Aber auch nicht mit allen, und wenn, dann nur mit Teilen von ihnen, also Teilen ihrer Persönlichkeiten. Aber das muss man nicht verstehen, sowieso geht’s nicht um verstehen, und wenn man verstehen will, dann versteht man ja sowieso nur das, was man verstehen will.

1 Diese Flapsigkeiten werden mir mittlerweile schon vorgehalten, so wie neulich vom Pressemenschen der Frankfurter Oper (ich hatte meine erste Pressekarte erhalten, für den Blog): Ein bisschen flapsig ist ihr Stil ja, aber das liegt wohl am Blog. Ich habe geantwortet: Ja, das liegt es wohl. Die FAZ ist es jedenfalls nicht. Er darauf: Nein, die ist es ganz bestimmt nicht. Mit besten Grüßen etc. Komischer Wechsel, ich weiß auch überhaupt nicht, was er mir damit sagen wollte. Wollte er mich wirklich belehren, von wegen, wenn ich von denen schon eine Freikarte kriege, dann muss ich auch einen „ordentlichen“ Stil haben? Das wäre ja ganz und gar komisch. Er hätte ja auch vorher einen Stil-Check machen können. Vielleicht wollte er auch nur eine lustige Bemerkung machen. Oder K., der mir oft den „Møllerschen Humor“ vorwirft. Ich weiß aber gar nicht, ob es den überhaupt gibt. Und genau darauf will ich hinaus: dass diese Flapsigkeiten natürlich kalkuliert sind, so sind, dass ich sie selbst schon hasse, ich lache, während ich das schreibe, sie sind geplant, eiskalt und knallhart, eingestreut wie Kümmel im Käse.- Ja, wie Kümmel im Käse.
Ach so, und der Kümmel wird ja nur untergemischt, also wo die einzelnen Körner landen, ist dann auch wieder zufällig.

2 Die Rekonstruktion des Holzfällerlieds wurde dann am 8. 6. 2011 mit mäßigem Erfolg vom Komponisten höchstselbst uraufgeführt. Das besagte Intermezzo wurde dabei durch ein anderes ersetzt.

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Eine Antwort

  1. olehuebner sagt:

    plädiere für weniger flapsigkeit im blog. mehr seriosität. auch rihm (nebst anderen, vielleicht noch besseren beispielen, wie etwa, öööhm, hindemith? ach, hindemith ist trotzdem cool, rihm ja auch!) fand ja die flapsigkeit, die neuer musik ja überhaupt inne ist – so man gerne ins konzert mit schumann und brahms geht, weil man gerne seriös wirken möchte – irgendwann doof und schrieb wieder für den richtig anständigen seriösen lachsbrötchenfre- …. ääh, konzertbesucher. (scheiße, war das jetzt flapsig von mir?) jedenfalls, was wollte ich jetzt eigentlich sagen, ach ja, bitte mehr ernsthaftigkeit. mehr kümmel, weniger chilli, mehr pärt, weniger dingsns hier, na, møller. wäre doch was, endlich mal wieder etwas steifheit im musikbetrieb, endlich wieder ein hauch bismark(-hering). (boah, musik und essen, wenn das mal keine kombi ist (ich hab gestern „das lied von der erde“ gehört: „die laaaaahaauuute schlaaaagen und die gläääääääser leeeheeeereen – das sind die diiiiiinge, die zusammenpaaaaaaassen“, eigentlich ein revolutionärer text für die damalige zeit, nicht? heute wäre das übrigens nicht mehr revolutionär.)) naja, muss aber auch nicht. ich fänds schön, wenn mehr leute bad bløg lesen, hier ist nämlich der musikjournalismus viel stilpluralistischer als in der faz. is halt so.