Martern aller Arten in Marzahn (6): Die Onlinepetition geht in die entscheidende Phase

Ich muss die hochspannende Berichterstattung von den Schwetzinger Festspielen und Neuköllner Schwimmbädern leider unterbrechen für einen kurzen Zwischenbericht in Sachen Marzahn…wo inzwischen die Gemüter immer höher schlagen in Sachen Rettung des Orchesters der Hans-Werner-Henze-Musikschule Marzahn-Hellersdorf.

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Inzwischen haben die zuständigen Behörden wohl zahllose Briefe von Unterstützern des Orchesters bekommen – ich selber bekam allein drei verschiedene (vorgedruckte) Antworten der zuständigen Politiker, die nicht gerade vor Aussagekraft platzten, um es euphemistisch auszudrücken. Eine behauptete, es gäbe ja gar keine Kürzungen (eine interessante Ausrede, wenn inzwischen sogar auf den offiziellen Webseiten des Bezirks Marzahn-Hellersdorf die Veränderungen angekündigt werden – alles sehr schöngeredet, man liest aber zwischen den Zeilen, wie der Hase läuft und was man unterbinden will). Eine andere Antwort wiederum sagte de facto: „Wir sind nicht zuständig“. Das Übliche also – aber vielleicht merken inzwischen einige Politiker, dass sie sich hier eventuell verheben könnten…

Die NMZ bekam derweil mit zitternder Stimme vorgebrachte anwaltliche Drohungen von einer sichtlich erbosten Musikschulleiterin („Wir sind Opfer einer inszenierten Hetzkampagne!“) – wenn man die Berichterstattung über die Sache nicht einstellen würde, gäbe es „Konsequenzen“. Für mich gibt es da nur eine Konsequenz: Darauf hinweisen, wo immer es geht! Und zwar immer wieder!
Die Hauptvorwürfe richten sich natürlich gegen den Bad Blog – dort würde man „gefakete“ Kommentare platzieren und wüst Stimmung machen. Ich würde übrigens alle Kommentare zum Bad Blog angeblich grundsätzlich selber schreiben, was mich zum größten Schizophrenen in der Geschichte der Menschheit machen würde. Und sehr viel Zeit müsste ich auch haben….

Gottseidank gibt es die Berliner Morgenpost, der inzwischen Schreiben von Hans Werner Henze selber sowie dem Intendanten der Berliner Philharmoniker, Martin Hoffmann, vorliegen und die hier die Sache zurechtrückt. .

Es gibt allerdings eine echte Hetzkampagne gegen den Dirigenten Jobst Liebrecht, in dem ziemlich perfide versucht wird, diesen zu demontieren. Tja, es gehört sich halt nicht, wenn man für 880,-EUR im Monat jahrelange Aufbauarbeit betreibt, und dann dezent darauf hinweist, dass dies für 400,-EUR im Monat nicht mehr möglich ist.

Hier folgt das, was „Bezirksstadtrat für Bildung, Kultur und Immobilien“ (sic!) Stephan Richter uns so schreibt (Immobilien und Kultur – geile Kombo!)

Zusammen mit der Leitung der Musikschule mache ich mir derzeit Sorgen über die Art der Leitung des Orchesters durch den Ihnen bekannten Orchesterleiter. Nach unserer Einschätzung hat sich die Art und Weise, wie das Jugendorchester derzeit geleitet wird von den pädagogischen Ansprüchen der Musikschule entfernt.

Aha, hier wird sich quasi kumpelhaft mit den Beschwerdebriefschreibern gegen den „Ihnen bekannten“ Orchesterleiter verbündet. Man macht sich Sorgen – tja, wir auch…

…Ein Hauptproblem in der derzeitigen Arbeit des Jugendorchesters liegt in der hohen Veranstaltungsfülle. Die Veranstaltungsfülle liegt bei ca. neun Veranstaltungen des Jugendsinfonieorchesters und ca. vier bis fünf Veranstaltungen des Nachwuchsorchesters jährlich. Das bedeutet für das Jugendsinfonieorchester bei 39 Schulwochen im Jahr eine Vorbereitungszeit von ca. 4 ½ Wochen pro Konzert.

??? Rechnen wir doch mal nach: Angeblich braucht es 4 1/2 Wochen Vorbereitung für jedes Konzert, das machte bei 9 plus „vier bis fünf“ Veranstaltungen 13,5 mal viereinhalb Wochen also 60,75 Schulwochen. Donnerwetter! Das sind mehr Schulwochen, als das Jahr überhaupt besitzt! Fazit: Herr Richter kann nicht rechnen…

…Für die Vorbereitung dieser oft sehr umfangreichen Konzerte mit einem hohen Maß an musikalischem Anspruch ist die reguläre wöchentliche Probenzeit von 1x 135 Minuten Orchesterprobe und 45-90 Minuten Registerprobe nicht ausreichend. Der organisatorische Aufwand (ca. 25 Stunden à 45 Minuten wöchentlich), der durch die internen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Musikschule neben den eigentlichen Aufgaben der Organisation von Unterrichtsarbeit für 2.500 Schülerinnen und Schüler nicht bewältigt werden kann und deshalb extern beauftragt wurde ist unangemessen.

Was genau ist hier ausreichend, was nicht? 135 Minuten wöchentliche Probe plus 45-90 Minuten Registerprobe klingt ja nun nicht wirklich wie Schinderei von Unschuldigen, vor allem, da es sich ja um durchgehend freiwilligen Unterricht handelt, zu dem niemand gezwungen wird.. Die „25 Stunden a 45 Minuten wöchentlich“ die die angeblich so mit der „zu anspruchsvollen“ Musik überforderten Mitarbeiter irgendwie zusätzlich bewältigen müssen, sollen erst einmal monströs klingen… leider bleibt diese Angabe aber vollkommen diffus, da man überhaupt nicht weiß, wie viele Mitarbeiter damit eigentlich gemeint sind, und was jeder von ihnen denn nun zu bewältigen hat. Das ist ungefähr so nebulös wie wenn man beim Kuchenbacken von 25 Löffeln mit je 45 Gramm Zucker spricht, und gar nicht sagt, wie viele Kuchen damit eigentlich gebacken werden. Sind es zwei? Hundert? Man weiß es nicht….

…Um den repräsentativen Anforderungen dennoch zu entsprechen, werden jährlich ca. zehn zusätzliche Probentermine und ein zweitägiges Probenlager anberaumt.

Mit den „repräsentativen Anforderungen“ sind natürlich die bösen „zu experimentellen“ Stücke gemeint. 10 zusätzliche Probentermine pro Jahr und ein zweitägiges Probenwochenende – hm, ich wette die Kinder würden sogar noch gerne mehr proben, denn selbst mit all diesen zusätzlichen Proben liegen sie noch immer weit unter dem durchschnittlichen Fernsehkonsum eines Marzahner Kindes, das nicht in die Musikschule geht…

Dieses zusätzliche Probenangebot wird jedoch nur von einem Teil der Schüler wahrgenommen. Da es sich bei dieser Probenarbeit zwar um ein qualitativ notwendiges, jedoch (bis auf die Schülerinnen und Schülern der Studienvorbereitung) um ein freiwilliges Freizeitangebot handelt, treffen viele gerade ältere Schülerinnen und Schüler in der Abiturphase die Entscheidung, diese Proben nicht wahrzunehmen. Aus dem gleichen Grunde sind auch Registerproben (Proben einzelner Stimmgruppen (z. B. nur 1. Violinen, nur Violoncelli, nur Holzbläser) oft nur sehr ausgedünnt besucht.

Naja, Sie haben sicherlich auch mal ihre Blockflötenstunde geschwänzt, Herr Richter. Wenn Sie je welche hatten. Das ist aber kein Grund, so ein Unternehmen in Frage zu stellen – da könnte man gleich das Bayerische Staatsorchester dicht machen, nur weil mal ein Orchestermusiker eine Aushilfe bestellt.

Diese umfangreiche Probenvorbereitung entspricht der Struktur und dem schnellen Reaktionsvermögen auf ein kurzzeitig wechselndes Repertoire eines Profiorchesters mit Berufsmusikern. Diese Form scheint aus musikpädagogischer Sicht übertrieben, da Schülerinnen und Schüler in diesem Orchester sehr verschieden ausgebildete Fähigkeiten besitzen, ein intensives, langfristiges Üben verhindert wird um einem Anspruch zu genügen, der nicht dem „wahren“ Leistungsstand dieses Musikschulorchesters (aus Schülerinnen und Schülern) entspricht.

Der „wahre“ Leistungsstand ist das, wie Herr Richter das Orchester gerne hätte: normal und unauffällig, und am besten auch nicht aufmuckend. Großartig die Behauptung, man würde von zu viel Üben vom Üben abgehalten. Neue Ausrede beim Klavierlehrer: „Lieber Herr Lehrer, ich musste soviel Üben, dass ich gar nicht mehr zum Üben kam“ – funktioniert garantiert immer….oder nie!

Die Mittel für die Finanzierung dieser Unterrichtsstunden, die in der Regel ohne Einnahmen sind, sind beträchtlich.

Richtig, deswegen hat das Orchester auch alles zusätzliche Geld selber bei diversesten Kulturstiftungen beantragt und aufgetrieben, um z.B. Kompositionsaufträge und zusätzliche Kosten zu finanzieren. Von der Kaffeekasse des Lehrerzimmers der Musikschule wurde also nichts entwendet.

Praktiken des Orchesterleiters, bereits in der Planung zusätzliche Aushilfen ausschließlich für den Konzerttermin, in der Regel 4-10 Berufsmusiker oder Lehrkräfte der Musikschule für eine „angemessene“ Qualitätssicherung zu verpflichten sind ebenfalls sehr kostenintensiv, wenig „lehrreich“, da für eine qualifizierte Probenarbeit das gesamte Orchester auch im Vorfeld miteinander proben muss und nicht erst zum Aufführungstermin erstmalig zusammentreffen kann.
Arrangements werden von vornherein bereits mit der Option des Einsatzes von Berufsmusikern durch den Orchesterleiter angelegt.

Ach, es wäre ja auch wirklich schlimm, wenn beim Training der Unterligamannschaft Pumpelhausen plötzlich mal überraschend „Arien“ Arjen Robben vorbeischaute und den Jungs ein paar Tricks zeigen würde. Die würden natürlich ganz sicher unter sich bleiben wollen und keine Tipps von Profis wollen….
BULLSHIT!!!!!
Dass Profimusiker sich in ein Jugendorchester setzen und in ihrer Freizeit (so ist es nämlich in Wirklichkeit) mit diesem gerne zusammen proben und auftreten macht diese Proben gerade erst für Kinder und Jugendliche attraktiv. Und es ist eine Auszeichnung für ein Jugendorchester!
Wieder einmal konstruiert Herr Richter die unsägliche Mär von den angeblich dummen und ungebildeten Marzahner Kindern, die man lieber nicht mit „zu guten“ Musikern zusammenbringen sollte – sie könnten ja eventuell etwas lernen (und die Profis von ihnen, siehe mein Leitartikel für die aktuelle NMZ).

Die hier erfolgte Umsetzung dieser musikalisch-pädagogischen Aufgabe, Kinder und Jugendliche zum gemeinschaftlichen Musizieren anzuleiten, scheint aus Sicht der Musikschule verfehlt.

Wieder einmal kratzt sich der Leser am Kopf – also: da gibt dieses Orchester viele Konzerte, macht gemeinsame Reisen, stemmt tolle Projekte, und verfehlt damit die „musikalisch-pädagogische Aufgabe… „zum gemeinschaftlichen Musizieren anzuleiten“????? Ja, was denn nun? Musizieren die denn nicht zusammen? Und zwar sehr viel? Und gerne? Und erfolgreich? Was wollen sie denn nun, Herr Richter? Das ist so als ob Jürgen Klopp vor seine Mannschaft tritt und sagt: „Ich habe versagt: Ihr seid Meister geworden“.

Eine Zusammenarbeit mit Profis kann sicherlich gelegentliche Motivation sein (siehe auch Projekte zwischen Sinfonieorchestern, Profichören und Allgemeinbildenden Schulen) jedoch nicht zum Dauerzustand werden.
Auch kann die Finanzierung dieser Einsätze, die ja nur am Tage des Konzertes stattfinden, nicht jedoch in der Probenarbeit davor, nicht Aufgabe der Musikschularbeit sein, zumal die Honorare für diese Veranstaltungsunterstützung ohne belegbare Menge für das Unterrichtsprodukt (Hauptprodukt in der Kosten-Leistungs-Rechnung) bleiben.

Bei diesen Worten entstehen vor dem inneren Auge Bilder aus Alan Parkers „The Wall“ – gleichgeschaltete Kinder die in graue Lernfabriken marschieren um dort das „Unterrichtsprodukt“ („Hauptprodukt in der Kosten-Leistungs-Rechnung“) zu erfüllen.
…na dann gute Nacht…

the wall

Die vom Orchesterleiter in zahlreichen Formulierungen erwähnte Expansion und die damit aus seiner Sicht notwendig gewordene, über das bisherige Maß hinausgehende, gewünschte Finanzierung entbehrt nachweislich jeglicher Grundlage.

Hier schlägt’s dem Fass den Boden aus: Der Widerstand des Orchesters und seiner Organisatoren gegen die Kürzungen wird umgedeutet in „Expansion“. Hier muss man sich nochmal vergegenwärtigen: Hier bitten Menschen höflich darum, dass ein klägliches Honorar von 880,-EUR nicht auf 400,-EUR gekürzt wird, und es werden ihnen gleich Expansionsgelüste unterstellt. Eine solche verdrehte Logik würde sich noch nicht mal ein Sweatshopbesitzer in Bangladesh gegenüber seinen „Mitarbeitern“ leisten…die würden ihn nämlich lynchen.

Vor diesem Hintergrund wird es notwendig, die zukünftige Arbeit des Jugendsinfonieorchesters so zu gestalten, dass die Schülerinnen und Schüler wieder genügend Zeit haben, Musikstücke für gemeinsame Konzerte in angemessenem Lerntempo einzustudieren. Nur so kann die angestrebte hohe Qualität des öffentlichen Auftritts aus den Reihen des Orchesters selbst erreicht werden.

Naja, diese Qualität wurde ja anscheinend bisher noch nicht erreicht – nur Echo-Klassik-Preis, internationale Einladungen und Auftritte….pfffh, da pfeift der Marzahner Bezirkstadtrat anscheinend drauf – erst wenn die Kinder wieder ins heilige Glied des Mittelmaßes zurückrücken, gefallen sie dem Herrn Richter….

Dieses Ziel wird durch eine Reduktion der Veranstaltungsfülle erreicht, die den bisher vorherrschenden Zeitdruck nimmt.
Daneben müssen Stücke so bearbeitet werden, dass sie von den tatsächlich vorhandenen Schülerinnen und Schülern unserer Musikschule gespielt werden können. Ein Engagieren von Profimusikern, die zudem das Leistungsbild des Orchesters verzerren, ist dann entbehrlich.

Und immer wieder dreht es einem den Magen um, wenn Marzahner Bezirkstadträte bestimmen wollen, was „tatsächlich gespielt werden kann“ und dem „Leistungsbild“ (kotz und nochmals kotz) entspricht. Man ist nicht dumm, man wird dumm gemacht und als dumm beschrieben.
Von Ihnen, Herr Richter.

Mit einer Reduktion der Veranstaltungsfülle entfällt der zusätzlich notwendige Probenunterricht, wodurch Honorare, die bisher hierfür eingesetzt werden sollten, für die Unterrichtung anderer Musikschüler z.B. im Rahmen der musikalischen Frühförderung eingesetzt werden können. Hierdurch kann eine Steigerung der Schülerzahlen erreicht werden, die am Ende die notwendige breite Basis schafft, aus der die zukünftigen Schülerinnen und Schüler des Nachwuchsorchesters und des Jugendsinfonieorchesters gewonnen werden können.

Einer der Gründe für die Kürzungen des Orchesters – das verschweigt uns Herr Richter dezent – ist die durch die erfolgreiche pädagogische Arbeit in Marzahn (und zwar nicht nur durch das Orchester, sondern des ganzen Musikschulteams, das soll hier hervorgehoben werden) stark gestiegene Schülerzahl der vormals kleinsten Berliner Musikschule (von 2009 bis 2011 verdreifachte sich die Schülerzahl, siehe Berliner Morgenpost-Artikel), die immer schwieriger mit dem Musikschuletat zu wuppen ist. Das Orchester ist also in gewisser Weise Opfer seines eigenen Erfolges. Dennoch: Gerade Marzahn braucht eine große Musikschule – dass der Andrang so groß ist, ist ein Zeichen für die bisher gute Arbeit, nicht ein Signal dafür, alles den Bach runtergehen zu lassen. Und ein Zeichen dafür, dass sich musikpädagogische Arbeit gerade dort lohnt, wo diese normalerweise nicht hinkommt. Dass man jetzt mit der Reduzierung des Orchesters angeblich die Schülerzahlen noch weiter steigern will, ist schlicht und einfach quatsch, denn gerade das wollen die Verantwortlichen natürlich nicht. Sie wollen nur möglichst wenig Ärger mit einer überschaubaren, „normalen“ Anzahl von Schülern. Je mehr man die Sache bedenkt: Es ist schlicht und einfach Bequemlichkeit und Faulheit, der das Orchester geopfert werden soll.

Im Ergebnis umfasst die Freisetzung nicht benötigter Honorarmittel für zusätzliche Probentätigkeiten in diesem Jahr lediglich ein Viertel der bisherigen Finanzplanung für das Jugendsinfonieorchester.

Im Sinne der Außendarstellung des Musikschule und des Bezirks, muss ein Zustand angestrebt werden, bei dem ein Konzert des Jugendsinfonieorchesters ausschließlich durch Schülerinnen und Schülern der Musikschule gegeben wird und eine Beteiligung von musikschulfremden Dritten – wie z.B. Profimusikern – entbehrlich wird. Nur dann, gibt ein Auftritt des Orchesters auch den hohen Ausbildungsstand unserer Musikschülerinnen und Schüler wieder.

Heißt übersetzt: Nicht-Marzahner raus aus Marzahn. Wir wollen hier keine „Kultur“, keinen Anspruch. Wir wollen nicht, dass ihr über uns sprecht, in unsere Konzerte kommt, mit uns gemeinsam musiziert. Wir wollen keinen Erfolg, wir wollen keine Aufmerksamkeit. Denn das ist zu anstrengend. „Wir sind daheim und so soll es sein“.
Und hier endet Herrn Richters Schreiben.


Man kann hier nur noch einmal betonen, dass die angeblich von der Hochkultur so ausgenutzten „Kinder von Marzahn“ die Sache schon längst selber in die Hand genommen haben, und den Bezirkspolitikern zeigen, was eine Harke ist.
Die Onlinepetition des Orchesters geht jetzt in die entscheidende Phase: knapp 1200 Unterschriften sind schon gesammelt, bis zum 12.5. (Petitionsende) sollen es noch viel mehr werden.

Zeigt es den Betonköpfen der Bezirkspolitik und geht – falls ihr es noch nicht getan habt – auf die Seite der Petition und unterschreibt diese.
Gleich Jetzt!
Vielen Dank!

Moritz Eggert

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3 Antworten

  1. @ Moritz, @ all,

    ein sehr aufschlussreicher Zwischenbericht, der einem so richtig vor Augen führt, wie pragmatistisch und wenig Kultur liebend in der regionalen Kulturpolitik zuweilen anscheinend gedacht wird.

    Und – auf die Gefahr hin, dass z.B. ich für einen „gefakten“ Blogger gehalten werde oder für einen aus Düsseldorf bloggenden Moritz Eggert, der sich mal für ein paar Sekunden Tippen aus München in meine Wohnung „beamt“: Anm an die Redaktion: Ihr könnt meine IP-Adresse und alles gerne raus geben und mich auch der „Stravverfolgung“ wegen angeblicher „Hetzjagd“ gegen die Verantwortlichen und/oder Verteidiger der drohenden Streichung bzw. des de facto Kaputtsparens der jetzigen Orchesterarbeit in Marzahn aussetzen).

    Nun, wenn jemand eine erfolgreiche Petition und die Meinungen und Empörung offenbar bereits vieler anderer Kulturschaffender nicht wahrhaben möchte, dann MUSS – aus seiner Warte – er vielleicht zu solchen Mitteln greifen.

    Es ginge aber auch ANDERS…lieber Herr Richter!
    Nachdenken, Dialog mit den Betroffenen, die Leute, die Jugendlichen selbst wirklich ernst nehmen und nochmal die Maßnahmen überdenken!
    Die Hoffnung stirbt zuletzt (einer meiner hier beliebtesten Sätze).

    Moritz, Du hast es gut auf den Punkt gebracht. Mir scheint, da passt es anscheinend einigen Leuten nicht, dass da ein Orchesterleiter und ein Orchester wirklich ERFOLG haben (bzw. HATTEN, wenn der jetzige „Kurs“ durch geht) und dass da echte MOTIVATION bei den Jugendlichen da ist, auf hohem Niveau zu proben und dabei trotzdem möglichst viel auch zu konzertieren (was sich keinesfalls ausschließt). Dann genau kommt man mit solchen Scheinargumenten und Selbstwidersprüchen wie z.B. Herr Richter. Das ist schon mehr als traurig. Einem muss bei so wenig Verständnis für die Förderung und das Engagement in anspruchsvollerer Kultur(-arbeit)schon Angst und bange um unsere kulturelle Zukunft werden. In welchem Land leben wir hier eigentlich? Wo man sich sonst überall drüber freuen würde, das wird anscheinend hier mit Füßen getreten. Oder sonst liefern Sie bitte den Gegenbeweis.

    Und es ist schon ein starkes Stück – richtig – da wird die Bitte um das ÜBerdenken bzw. Rückgängig-Machen einer massiven KÜRZUNG einfach mal uminterpretiert in Expansionsgelüste – unfassbar. Da fehlen einem die Worte.

    Und da wird es allen Ernstes als kontraproduktiv uminterpretiert, wenn Profimusiker mit den Musikschülern zusammen arbeiten (also ihnen Spieltipps geben, Übetipps etc., was für Jugendliche unbezahlbar ist und was ihnen der „normale“ Lehrer/Musikschul- oder Schulunterricht kaum in der Form bieten kann). Völlig absurd!!!!

    Ich selbst habe als Komponist und Musiker schon in einem Orchester mit gespielt und dafür komponiert, wo Studierende und Schüler tw. mit Profis gemeinsam spielten. Das ist nur für beide Seiten motivierend, kann ich nur sagen.

    Und: wo ein jeder weiß, dass das „gemeinsame Lernen“ (der Laie/angehende Musiker lernt vom Profi, aber auch umgekehrt) beide Seiten beflügelt, und wo man sich doch in Sachen Einheits- und Ganztagsschule etc. von Seiten der Politik, wenn man dafür argumentiert, doch so gerne auf das „gemeinsame Lernen“ (jüngere lernen von älteren, Stärkere von Schwächeren) beruft. Da soll es – wenn eben dies dann ernsthaft und lebendig praktiziert wird – auf einmal – in einem Jugendorchester wie Marzahn NICHT mehr gelten oder plötzlich falsch sein? Da wird dem Orchester(-leiter)? offenbar unterstellt, es würden nur deswegen Profimusiker mit dazu geholt, um das Niveau künstlich oben zu erhalten? Was hätte das Orchester davon? Und – ja – bestimmt hätte man dann auch schon solche Auszeichnungen geholt. Denn es ist klar, weil ja – außer der regionalen Kulturpolitik vor Ort – sonst keiner was von „wahrer“ Orchesterarbeit… versteht.

    Ja, es scheint wirklich so zu sein, wie man´s befürchtete: alles soll nur ja durchnittlich bleiben: Jugendarbeit und KULTUR? Ja, aber bitte nur ein „bisschen“, alles nur in kontrollierbarem Mittelmaß und in der „Breite“ – wie man so schön sagt. Und wenn das den Fernsehkonsum, das Computergedaddel und sonstige Freizeitaktivitäten oder auch die Ganztagsschul-Nachmittagsverwahrung der anderweitig motivierten Kinder und Jugendlichen zu sehr gefährdet (oder diese – zum Glück – vom ersteren abhält), dann bitte, solche Orchesterarbeit als „unverhältnismäßig“ brandmarken und auf ein genormtes Durchnittsmaß wieder herunterfahren.

    Mir schwillt der Kamm. Moritz, ich muss aufhören.

    Buona notte, und weiterhin meine VOLLE Solidarität für das JSO der Henze-Musikschule in Marzahn-Hellersdorf
    und die Hoffnung weiterhin, dass es überlebt.

    Erik Janson, Düsseldorf

    P.S.: Achja, ich habe ja auch eine Email damals an die Adresse geschrieben und mir wurde auch der Eingang bestätigt und die Weiterleitung. Aber – Moritz – der Protest wird ja angeblich hier „gefakt“ und „manipuliert“…

  2. querstand sagt:

    LACHENMANN UNTERSCHRIEB PETITION!! Henze schrieb Brief, den die Morgenpost zitiert.
    1.)Viele weitere KollegInnen gaben schon ihre Online-Stimme. Wo ist aber der hehre Rest? Wo sind Rihm, Pintscher, Mahnkopff, Poppe, HK Gruber, Heiner Goebbels, Furrer, etc.? Jüngere KollegInnen – wo sind Eure Stimmen?!? Ganz einfach: es wurde zu lange gestrichen, fusioniert, ehrenamtliches Engagement in Bildung/Kultur ausgenutzt! Hier sollte der Wendepunkt sein, nicht in Donaudarmeschingenstadtschwetzingenmärzmusikadevantgarde, nein – hier in Marzahn!! Es sind immerhin Protagonisten derselben Parteien wie im Berliner Senat. Was die im Kleinen durchkriegen, versuchen auch bald die Großen im Roten Rathaus – heißt ja wirklich so. Wo sind die Stimmen der Grünen Politiker, wie z.B. Agnes Krumwiede, Claudia Roth, wo die Stimmen der Union, der FDP Kultur- und Bildungspolitiker?

    2.) Ich erhielt ebenfalls den gleichen Wortlaut von Hr. Richter heute zugestellt! Hr. Richter, die Deputate der Orchesterdozenten mehr als zu halbieren, das mag keine Kürzung des Gesamtetats sein! Dies ist aber via Umverteilung sehr wohl eine Kürzung des Orchesterbudgets! Selbst wenn das neue Konzept tragen würde, alle Musikschüler in einem einzigen Orchester zu haben, ohne Leistungsunterschiede, wird das dann angebotene Honorar zu gering sein, die Programmeinschnürung seitens der Schule wie Politik zu hoch, die max. drei Aufführungen zu wenig. So wie es geplant ist, wird das Orchester ein Weihnachts-, Osterhasen- und Sommerfestorchester. Und mit den sehr Fortgeschrittenen wie Greenhorns in einem Topf sind ggf. sogar zwei Konzerte zu viel! Den Anfängern können sie selbst keine Haydnsinfonie zumuten, den älteren nicht mal Schubertouvertüren, L’Arlesienne, Beethoven anbieten! Das Orchester wird einfach zerrissen und zerstampft. Statt die jetzigen Strukturen zu fördern, wie eben das Nachwuchsorchester, warum nicht noch ein neues Anfängerensemble? Das würde das Angebot attraktiver machen denn je: jede Leistungsstufe hat dann ihr Feld… Aber darum geht es nicht! Es geht um Rausekelung des uns „bekannten Orchesterleiters“, es geht um Musik-Zensur, es geht schlichtweg um Macht, Geldsparen statt massive Versuche zu investieren, ggf. auch mit Drittmitteln – es ist dies wohl nicht im Ansatz versucht worden. Dazu: die Arbeit mit den Profis sollt eher ausgebaut werden! Es gibt nichts schöneres für junge Musizierende, wenn der Primarius des RSO oder der Philharmoniker lobt, befeuert und mitspielt. Zudem: die mir bekannten Arrangements sind sehr wohl durch gute Laien machbar, nicht auf Profis ausgelegt. Oder hat Hindemith den Plöner Musiktag, hat Henze den Pollicino, haben Jan Müller-Wieland, Benjamin Schweitzer, Moritz Eggert, selbst ich nicht jeder sein Werk extra für Heranwachsende geschrieben?!? Das zu beurteilen entzieht sich IHRER Kompetenz, das ist allein UNSERE. Anscheinend ist die Neue Musik dieser und noch weiterer KollegInnen v.a. ein Ärgernis für die Erwachsenen. In der Indirektheit des gesamten Vorgehens, der Lobshymnen der Leiterin noch im Herbst bis zu diesen ellenlangen Demontagen in Kasbladl und PR (übrigens derselbe Text…) übertreffen die Marzahner Politik und Musikschulleitung selbst all die Wiener Intrigenstadl… Wenn Sie tatsächlich so hervorragende Schülerzuwächse hatten, dann sollten Sie nicht dritteln und auf ein kanaanitisches Hochzeitswasserwunder warten. Sie müssen schlicht mehr ausbauen, auf allen Ebenen! Sonst fliegt Ihnen die gesamte Musikplanung um die Ohren, wie jetzt schon!! Warum wurden denn bisher die zarten Bande zu Philharmonikern, Lions Club, Hochschulen und RSO nicht verstärkt? Oder hat Marzahn immer noch Angst, sich mit den grossen, globalen Akteuren nicht auf Augenhöhe sprechen zu können? Mit dieser Vogel-Strauss-Mentalität leider nicht. Dabei wäre Ihr JSO ein so schönes Beispiel für ein echtes Rhythm it, wo Kinder nicht nur gecastet/gefördert werden, neine – ihre Kinder wollen es selbst. Wie gesagt: da rufen die Kleinsten „Wir sind das Volk“, die Provinzgrössten haben nicht den Mumm dies wirklich zu hören, zu fördern… Wenn alle diese kleinen und noch viel mehr Ideen nichts fruchten? Ja, warum schmeissen Sie eigentlich die Orchesterdozenten nicht simplement raus? Oder müsste man dann den Henze-Namen der Schule auch entsorgen. Wie schon x-mal: was für ein Wandel von dem youtube-Video zu den jetzigen Demontagen… Wenn Sie alle mal den richtigen Mumm an der richtigen Stelle zeigen würden. So aber ist das JSO wirklich ein Lebensprofi und die gesamte Führung Marzahns Lebenslaien!!

    A. Strauch himself

  3. @ querstand, @ all,

    Alexander, ich gehe mit Dir d´accord. Guter Beitrag! Und ich frage mich auch: Wo ist die Stimme vieler anderer junger bzw. gerade (oder auch länger) arrivierter Komponisten in der Sache? Wenn es denn so ist, dass die von Dir genannten noch nicht sich in der Sache zu Wort meldeten oder an der Petition teilnahmen (?) Wär schon traurig, wenn es so bliebe.

    Irgendwann muss es doch mal anfangen, müssen mal Zeichen gesetzt werden, muss endlich ein entscheidender und nach Außen hin SPÜRBARER solidarischer Ruck durch unsere Szene gehen (bitte, mein Appell: nicht immer nur denken: hauptsache ICH bin versorgt bzw. MICH betrifft es – noch – nicht…also schweige ich lieber…). Nur bei einer Sache wäre ich etwas vorsichtig: zu denken, dass derlei Streichungen nur ein rotes oder grünes Phänomen seien oder in irgendwelchen „roten Rathäusern“ möglich seien.

    Gut: in konservativ bzw. schwarzgelb o.ä. regierten Bundesländern, wie Baden-Württemberg, Bayern etc., da wurde – bisher – auf Hochkultur bzw. deren Förderung und auch derlei „Nischen“ etc. noch mehr Wert gelegt, hat man den Eindruck. Da wurde nicht nur mit „Breite“ oder Einheits-Grundversorgung geliebäugt. Aber ich fürchte, dieses Denken bzw. das Rest-Verständnis für anspruchsvollere Kultur und Kulturarbeit etc. wird in allen Kreisen, durch alle Parteien hindurch immer schwächer; alles wird immer pragmatischer, das Denken tendiert zur Gleichgültigkeit. Wenn wir nicht wachsam bleiben und jetzt nichts tun, dann werden sich auch noch die Kulturpolitiker bzw. Kreise von uns abwenden, die bisher unterstützt haben.

    Also: wer schweigt stimmt zu, liebe Freunde.