Peter Hübner, eine deutsche Komponistenkarriere

Peter Hübner

Peter Hübner

Ich weiß gar nicht mehr, wann ich zum ersten Mal auf den Namen „Peter Hübner“ stieß. Ich glaube, es war beim Bummel auf Münchens liebstem Multikultifestival „Tollwood“, wo ich in einer gebrauchten Bücherkiste einen gigantischen Hochglanzkatalog mit endlosen Auflistungen von Kompositionen und CDs fand, alle von ein und derselben Person: Peter Hübner. Ein Komponist, von dem ich noch nie gehört hatte. Und der sich in dieser (natürlich selber von ihm produzierten) Katalog, als den größten lebenden Komponisten Deutschlands, ja der Welt bezeichnete.

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You see, I don’t “make” music as such, but rather the music grows in me, it is there in a natural way and matures, and I only have to activate a kind of mental switch, and then I see the score of what sounds in me in front of my mind’s eye. Then all that is left to do, is write it down.

There is no effort, no inner struggle, no emotional wrestling – it is all very simple and natural.

JOURNALIST: And how do you explain your talent?

PETER HÜBNER: Others may seek explanations, I just take it as it is. Why should I look for explanations?

Wer ist dieser Peter Hübner? Wer ist dieser Mensch, der sich auf seiner Homepage grundsätzlich auf (schlechtem) Englisch äußert, und die abstrusesten Verschwörungstheorien formuliert, die bisher angeblich seine Anerkennung in Deutschland verhindert haben? Der ein Musikstudium und einen Abschluss an der Hochschule in Köln vorgibt (den es nie gab), und der jedem mit Prozessen droht, der das Gegenteil behauptet (also wahrscheinlich auch jetzt mir)? Der eine schon Jahrzehnte andauernde Fehde gegen den Deutschen Musikrat (lange vor allem gegen seinen „Erzfeind“, den armen Müller-Heuser) vorantreibt, und die Abschaffung sämtlicher Deutscher Musikinstitutionen fordert?

Dies kann man über ihn herausfinden, wenn man ein bißchen recherchiert:

– Peter Hübner hat eine Profilneurose von der Größe der Antarktis. Wer seine Homepage nur flüchtig besucht, wird verstehen was ich meine. Endlose Artikel, in denen er sich – nur schlecht verhüllt – selber interviewt (er nennt sein Gegenüber dann der Einfachheit halber nur „Journalist“, siehe oben). Eine Biografie, in der er sich als der Gründer von buchstäblich hunderten von Universitäten, Opernhäusern, wissenschaftlicher Institute etc. darstellt (von denen schnell klar wird, dass sie reine Phantasieprodukte sind). Ein Lebensweg, der dem eines Heiligen gleichkommt und die allein der Aufgabe eine bessere Welt zu schaffen verpflichtet zu sein scheint.

– Er ist ein Aufschneider und Lügner vor dem Herrn. So will er zum Beispiel allein in den Jahren 1989-1999 so viele Werke komponiert und aufgenommen haben, dass sie folgende CD’s füllen:

182 CDs mit „Hymnen“, 22 CDs mit „Symphonien“, 60 CDs mit „Orchesterstücken“, 15 CDs mit Solokonzerten, 29 CDs mit „Archaic“ (was auch immer das ist), 16 CDs mit „Orgelwerken“ und 10 CDs mit -man höre und staune – „Avantgarde“ (über die er anderswo endlos wettert, wie auch natürlich gegen dissonante, moderne, komplexe, simple oder zu homophone Musik, also gegen die gesamte Musik des 20. Jahrhunderts – seine eigene Musik ist natürlich die Ausnahme).
Wenn man die Spielzeit dieser CDs mit durchschnittlich 70 Minuten anrechnet, kommt man auf 22.750 Minuten Musik. Geteilt durch 120 Monate ergibt dies also einen durchschnittlichen Output von 189,6 Minuten pro Arbeitsmonat – und nebenbei mussten natürlich noch Universitäten gegründet und gigantische Projekte durchgeführt und natürlich auch noch all diese CDs aufgenommen werden. Eine im wahrsten Sinne des Wortes übermenschliche Leistung!
Klaus Kinski behauptete mal in den 70er Jahren, er würde 80 mal am Tag Sex haben (im Durchschnitt). Das war tatsächlich glaubwürdiger im Vergleich!

– Peter Hübner hat eine Agenda, und die besteht in einer Kampfansage an die Deutsche Musikszene. Seiner Ansicht nach fördert diese das Mittelmaß in gefährlicher Weise, wie er in dem seltsam betitelten Artikel „The Scaffolding Scene of the German Music World“ beschreibt („Die Baugerüstszene“? Was meint er damit?):

For this reason, it seems to me to be sensible in the interest of music to close down all state-owned musical institutions, or to open them up to the regular market – where only the efficient survive without any governmental regulations.

Etwas später lässt er sich auf eine Weise über Mittelmäßgkeit und Musikwettbewerbe aus, die an manchen Blogkommentar erinnert, aber von völlig anderer Seite kommt.

And all that mediocrity which, with the help of public financial means, has so far taken the liberty to publicly set the tone as a kind of dictatorship of mediocrity, can fall back into artistic insignificance, from where it crawled up into public musical life through governmental influence and political connections.

How much arrogance underlies the system, where the mediocre talent claims to want or to be able to support the more than averagely gifted?

National institutions and the people employed there, who claim to support the musically gifted, can at best make mediocre talents dependent under the pretence of dubious appreciation.

This is also the case for the committees and boards at music competitions.

They all produce only the ideal of their own mediocrity – even if they now and again include a recognised artist for a good fee as an alibi.

Je tiefer man in das „Universum“ Hübner eintaucht, desto unheimlicher wird einem der Mann. Er betreibt nicht nur eine sondern gleich mehrere Webseiten, in denen er sich jeweils anders darstellt, je nach anzusprechendem Publikum. Der Verlag „Aar-Edition“ ist natürlich er selber, ebenso eine mysteriöse Briefkastenfirma mit Sitz in New York. Auf einer „Resonance“-Therapie-Seite verkauft er CDs mit „heilender“ Musik, die angeblich gegen alle Krankheiten helfen kann, für gutes Geld natürlich. Er ist außerdem Gründer (und wahrscheinlich einziges Mitglied) der World Music Foundation und einer Art alternativem Deutschen Musikrat. Er war involviert in der Maharishi-Yogi Foundation und der „Transzendentalen Meditation“, was ihm negative Artikel auf vielen Anti-Sektenseiten bescherte. Tatsache ist: der Mann kann irgendwie von seinen Machenschaften leben, und es würde mich ehrlich gesagt nicht wundern, wenn er sich auch über die GEMA Summen erschwindelt.

Ein besonders skurriler Moment kam, als er die „Spiegel“-Redaktion im Alleingang stürmte, um eine Berichterstattung über den „größten Deutschen Komponisten“ zu fordern. Als der „Spiegel“ hämisch darüber berichtete, drohte er – wohl erfolglos – mit Prozessen. Auch dieses Ereignis stellt er genüsslich auf seiner Homepage zu seinen Gunsten dar, als „die klassische Spiegelaffäre“.
Interessant wird es auch, wenn man sich die vielen Tonbeispiele seiner CDs auf der Website anschaut (die gibt es tatsächlich). Auch ein Laie kann zum Beispiel bei den „Orchesterwerken“ feststellen, dass es sich immer um exakt das gleiche MIDI-File handelt, das allen „Kompositionen“ zu Grunde liegt, nur die Sounds sind vertauscht. Natürlich gibt Hübner immer vor, echte Orchester hätten das alles eingespielt, was natürlich Quatsch ist, es war höchstwahrscheinlich einfach nur eine Sound-Blaster-Karte und Samples billigster Provinienz.

Irgendwann interessierte mich, ob Hübner einfach nur eine Art harmloser Irrer ist, oder ob er tatsächlich ein gefährlicher Betrüger ist. Ich schickte ihm ein offizielles Schreiben in dem ich ihn bat, mir gegen viel Geld die Noten eines bestimmten Klavierwerkes zukommen zu lassen, ich wollte es in einem großen Festival aufführen. Ich wollte sehen, ob er so weit gehen würde, Noten von einem Stück herzustellen, von dem es augenscheinlich nur ein mieses MIDI-File gab. Es kam nie eine Antwort.

Bis heute weiß ich daher nicht, um was genau bei Hübner es sich eigentlich handelt, aber auf eine kranke Art ist er faszinierend. Ich merke, dass ich immer wieder in regelmäßigen Abständen seine immer wieder erweiterte Homepage besuche, um seine neuesten wahnwitzigen Behauptungen zu lesen.

Bitte macht es mir nicht nach.

Moritz Eggert

Peter Hübner als junger Karlheinz Stockhausen

Peter Hübner als junger Karlheinz Stockhausen

23 Antworten

  1. strieder sagt:

    Juchu, auf einen Artikel von Dir über ihn habe ich seit der Ankündigung begierig gewartet – und nun ist er da! ^_^

    Hier noch zwei Schmankerl von zwei seiner vielen Seiten:

    Weltberühmte Komponisten wie Bernd Alois Zimmermann und Musiktheoretiker wie Herbert Eimert (unter anderem auch Vater der Elektronischen Musik), Musikakademien und Musikhochschulen standen diesem Phänomen eines fertig ausgebildeten Tonschöpfers ohne irgendein Studium völlig fassungslos gegenüber, und so wurde er zur Zeit seiner Immatrikulation an der Musikhochschule in Köln als die ganz große Ausnahme von allem Unterricht befreit.

    [H*bner:]Und ich war gar nicht verwundert, als mir ein Berliner Medizinprofessor von Studien berichtete, die aufzeigen, daß Musiker, die häufig solche atonale Musik spielen, sehr viel kränker sind, als ihre Kollegen, welche sich weitgehend der harmonischen Musik widmen.

    JOURNALIST: Sie werden krank an der unnatürlich strukturierten Musik.

    Journalist Doppelpunkt LOL

  2. querstand sagt:

    Wahrlich ein „Alleinunterhalter“ – so wirkt auch seine Musik, speziell die immergleichen, mit anderen Midi-Instrumenten versehenen Swing-Jingles. Das meiste Ah und Oh zu seiner Musik vernimmt man in seinen Chor- und Vokalsolosamples. Denkt man an all die Universitäten, welche er begründet haben will, müsste man doch zuhauf Absolventen dieser kennen. Zuletzt denkt man, dass „Hübner“ die eingedeutschte Form von „Hybris“ sein könnte. Zu allerletzt: wenn er dann mal vom Sirius herab sämtliche Unis, Opern und Rundfunkanstalten geschlossen haben wird, hoffentlich lässt er noch ein paar Privatpsychatrien für seine Midi- oder welches-Dateiformat-auch-immer-Opfer. Wirklich zuletzt: Warum müssen Menschen wie dieser mit ihrem Simplifizierungen jede Form von Obertonforschung desavouieren?

  3. Dennis Kuhn sagt:

    Der Mann ist einfach nur:

    !K:R:A:N:K!

  4. @ Moritz, @ all,

    zu diesem Menschen fällt mir nichts mehr ein. Dachte zuerst „Geschäftsmodeller“; aber das trifft nicht zu. Die sind gewievter. Fällt mir also nur noch ein, dass
    es sich nicht lohnt, seine Zeit damit zu vergeuden, die zahlreichen Websites zu besuchen bzw. dem Beachtung zu schenken. Also, Moritz, keine Angst, ich mach es Dir nicht nach … ;-)

    Interessanter wäre aber mal was anderes: das Thema „Scharlatanerie in Zeiten der Computermedien etc. pepe“ hier auf greifbarerem Niveau/Ebene zu diskutieren und in Beispielen zu benennen etc.
    Man findet z.B. bei Max Nyffeler auf seiner Website
    eine Herz erfrischende „Beckmesser“-Kolumne über
    gewisse „Neofuturisten“.

    Viel Spaß beim Lesen. Mir spricht die Kolumne aus der Seele. Bravo, Herr Nyffeler!!!

    In diesem Sinne, allen einen schönen Tag,
    frohes Schaffen und lieber die wesentlicheren Dinge
    angehen/kritisieren, die im Argen liegen …

  5. querstand sagt:

    @ erik, nyffeler: Eine sehr geschliffene Kritik! Ich denke, dass meine Antwort hierzu allerdings zum Kritiker-Umgang gehören sollte. Also bin ich ganz „taktlos“, im wahrsten Sinne des Wortes. Denn ich verpasste „taktlos 150“. Ganz „homo medicus“ – wohl falsch, aber nicht ganz falsch – , ich also ganz „Medienmensch“, vor dem Rechner hängend bis der Arzt kommt (so wohl eher „homo medici“), werde ich „taktlos 150“ als Podcast nachhören müssen. Ein banales Beispiel dafür, was heutige Medien an Vereinfachung und Entscheidungsfreiheit im Nutzen bieten können. Für den einen können sie noch vielmehr, siehe die einen Autoren von „Musik, Ästhetik, Digitalisierung“, für den anderen der drei immerhin so manches, aber mit gebührender Skepsis betrachtet.

    Eine andere Seite: Herr Nyffeler gefiel nicht, so glaube ich, die Zuschreibung „Macht der Worte“, die ich dem Kritiker zugestand, die Verantwortung dabei, der er sich bewusst sein muss, so wenig seine Schriften auch das künstlerische wie übrige soziale Leben jenseits seiner Sezierung, der geistig-schriftlichen, verändern mag. Dem Kritisierten kann so manche wohlgeformte Kritik, gerade die besonders kurzen in Lokalteilen, erstmal ziemlich zusetzen, wie eine Autopsie am Lebenden. Den Umgang damit lernt man allerdings auch ziemlich schnell, sieht die Meta-Würze der Spalten-Zwangskürze, das Infotainment, usf, ja, können besonders scharfe Kritiken wunderbar sedieren.

    So hat Dich, Erik, nun durchaus die Macht der Worte, für Dich wohl die „richtigen“ Worte, von Ihnen, Herr Nyffeler, erfasst. Allerdings gefährlich bei dem Ganzen sind der Dinge zwei: Du springst ausgerechnet bei einem Kommentar zu Paul Hübner auf den Zug der vermeintlichen „Scharlatanerie“, Herr Nyffeler befürchtet für die leicht linksgerichteten „habermas- bis luhmanngestählten“ Faschismusgefahr. Liebe Leute, stürmt’s da nicht gewaltig im Wasserglas?

    Ich gestehe, dass Buch Lehmann-Kreidler-Mahnkpfs mir zu Weihnachten bestellt zu haben. Jetzt liegt es im Job zwischen „Münchner Mietobergrenzen“ und „Hier können Sie kostenlos essen“-Wegweisern. Klingt ziemlich pathetisch, was? Ist es ja auch. Das ist doch fast schon „Kommutarismus“, die moderne, puritanisch-kapitalistische Version der katholischen Sozialethik. Bleibe ich bei Kreidler, suche ich den Streit! Und zwar natürlich, wie auf Knopfdruck mit Dir Erik UND auch mit Kreidler selbst. Irgendwo war ich hier mal beim „Pathos“. Johannes Kreidler selbst sagt dazu, ein wenig aus dem Zusammenhang gerissen, in Bezug auf irgendeine Pop-Sache:“Da ich Pathos überhaupt nicht ausstehen kann (..)“. Das ist eine klare Ansage, damit ist natürlich wohl hauptsächlich als solcher ziemlich schnell zu identifizierender Lieschen-Müller-Pathos gemeint, also Aussagen, Ausdrucksformen pathetischer Art von Künstlern jeglicher Art, die auf eine Art von Bedeutungs- oder gar Tränendrüse drücken.

    Witzig in dem Zusammenhang ist nun der Pathos, der einem bei Johannes‘ Auftritten entgegenspringt, wie er bei „Zukunftsmusik“ das Robotergemetzel moderierte, wie er bei einer Aufführung von „Fremdarbeit“ auf Jörg Widmann zu sprechen kommt und dessen Dubaiwalzer (oder so ähmlich) kritisiert – für ihn eine Art „kolonialer Obszönität“, wie sie mit „Into“ des Ensemble Moderns und seiner Sponsoren in Erscheinung tritt, wenn der Komponist, egal welcher und wo, v.a. in den wirklich neo-futuristischen Erscheinungen jener Neo-Cities wie Dubai oder Shanghai, nur diese öffentliche Welt derer Oberfläche und das Hotel und nicht die indischen Gastarbeiter wahrnimmt, oder er in trashiger, fast schon öder Weise rein numerisch nach Gametönen (schreckliches Wort) „Tristan“ hinmetzeln lässt. Da schwingt eine Menge Pathos mit, da vibriert die soziale Seele der MacBook-Generation. Zugegeben: diese Ausdrucksdichte ergibt sich v.a. aus den Kontexten, nicht aus der reinen Musik. Allerdings ist ja seine Musik in sich auch kontextuell gedacht, hört man die Kürze der Samples seines 70000-Gema-Sprengungs-Stückes, ist das „Kontextuelle“ als eine Art „Klangfurz“ natürlich an den Rand der „Verarschung“ gepresst. Dennoch ist da eine gewisse Leidenschaft zu spüren, so zirkushaft, medienkompatibel da Vieles ist, eben irgendwas tatsächlich dabei in seiner Absurdität „verarscht“ wird.

    Das ist keine Scharlatanerie oder reine Hübner-Esoterik oder gar Futuristen-Faschismus. Natürlich schrammt Kreidler an diesen Zuschreibungen nur knapp vorbei, wie seine merkwürdig un-auktoriale bis hyperserielle Kunst auch nicht daran denken lassen mag, wenn sie „bauchig“, „irrational“ oder einfach nur pathetisch wird. Zugegebenermassen fragt man sich dazu andererseits wieder, warum diese Kunst so gnadenlos philosophisch-referentiell abgesichert sein muss, dem Pathos der reinen Erscheinung dieser Kunst schräg, nur durch Wortassoziationen verbunden, fremd gegenübersteht. Da kann man reine Esoterik vermuten, gerade wenn für einen Leser die Begriffe durcheinandergeschleudert werden, wenn das geschriebene Wort und die Erscheinung der Kunst als Ganzes nicht immer zusammengehen mögen. Dabei hat Herr Nyffeler dann zurecht Angst vor der Macht der Worte eines Anderen, kann man volksverführerische Qualitäten lauern sehen.

    Gott sei Dank ist dies bisher nicht eingetreten, weder bei Herrn Hübner noch bei Kreidler&Co. Bei Herrn Hübner schläfert im schlimmsten Fall die Musik einfach nur ein, bei Johannes kann man sich ab und zu getrost auf die Filme oder Aufführungen verlassen. Die Worte beider sind eigentlich das Unwichtigste an ihrer Kunst (K.) bzw. „Kunst“ (H.). Sie sind zwar das wichtigste Akzidentielle, aber nicht das Stellvertreter für das Substrat derer Musik. Beide mögen das Verändern oder gar Auflösen bisheriger Kuschelzoos der staatlichen bzw, öffentlichen Musikszenen verlangen, massiv das Internet nutzen. Lässt man das aber Alles weg, bleibt bei der Musik, muss man leider auch dieses Buch zwischen Mietobergrenzen und Hungervermeidung vergessen. Wie diese Flyer sorgt so ein Buch auch nur für Umschreibungen, Einfassungen. Das Brot selbst, die Wohnung oder die Musik, die das tägliche Brot und die Wohnung sein mag, spricht dann für sich selbst.

    So betrachtet ist es immer wieder witzig, wie sich die Menschen auf die Worte des Gegners stürzen oder Worte über diesen Gegner, bevor sie der eigentlichen Gegnerschaft gegenübertreten, diese benennen, ohne Esoterik, Mystifizierung oder Simplifizierung zu betreiben. Leider hast Du Johannes Dich Erik mit einem Fluch hier belegt, der nun ungesühnt zwischen Euch schwingt und Euch zum Schweigen hier oder ergreifen jeder Widerpartchance führte. Es wäre schön, ein Foto, Töne oder Worte einer gewissen Kollegialität zwischen Euch beiden hier wieder zu finden… Aber wie ist es so schön: abwarten und Tee trinken. So mancher Kommentierer hier schmeisst das Therapeutische hier immer wieder ein um zu verletzen. Dabei ist es so einfach: die Zeit heilt alle Wunden, so eben auch die Zeitkunst, uns als „Musik“ bekannt. Das mag manchem zu feierlich sein für diesen „Badblog“, aber warum nicht auch mal „healing hands for all“. Na, ich gestehe, Matt Damons Händegreifen in „Hereafter“ ist wohl an meiner Sentimentalität Schuld. Über allem die Musik, unter uns die Zeit, in unserern Köpfen der Kontext. So funktioniert das „medicus“ in Hübners doch, hier speziell für uns? Was doch Alles möglich sein kann…

    Gruss,
    Alexander Strauch

  6. @ Alexander,

    Du springst ausgerechnet bei einem Kommentar zu Paul Hübner auf den Zug der vermeintlichen “Scharlatanerie”, Herr Nyffeler befürchtet für die leicht linksgerichteten “habermas- bis luhmanngestählten” Faschismusgefahr. Liebe Leute, stürmt’s da nicht gewaltig im Wasserglas?

    Einspruch, Euer Ehren! bzw. Herr „Schlichter“ ;-)
    Ich wollte nur cum grano salis darauf hinweisen, dass es wichtigere Dinge zu kritisieren gibt als gerade diesen Herrn Hübner, den Moritz rein bloggte. In DIESEM Kontext vor allem meinte ich meinen obigen Beitrag.
    Dass man Kreidler und Co. und Digitalisierungs-Fans nicht ganz mit dem Beispiel in einen Topf werfen kann, ist mir klar und wollte ich ja auch gar nicht.

    Aber bei meiner Kritik an letzterer m.E. zu naiven(einfachen), durch nichts begründeten Sicht auf unsere heutigen Möglichkeiten der Technisierung bzgl. einer „besseren MusiK“ oder „neuen Ästhetik“ oder mehr Dekokratisierungen oder Ent-Institutionalisierungen o.ä. mithin einer „Schöne neue Welt“, dabei bleibe ich.

    Es kommt auf HALTUNGEN primär an! Das Medium, Möglichkeiten der Technik das Wort, die Kritik werden über-bewertet. Und Publikumsverarschungen oder Zynismen sind nicht mein Ding. Was mich an Kreidler stört: er kritisiert andere, setzt sich aufs hohe Roß und setzt in seinen Stücken „pseudo“-provokant (wie Fremdarbeit: Komponierenlassen für Dumpinghonorar) Dinge ein, die er eigentlich selbst hasst.

    Ich glaube auch, dass solche eigenartige Attitude nichts mit einer positiven Macbook- oder Facebook-Generation gemein hat und jenem neuen Geist, der vielleicht zwischen den Bits und Bites in so manch anderen Blogs, Twitter,
    Internetkommunikation etc. hoffen lässt…
    Die sog. „Facebook“-Revolution in Ägypten z.B. allein schon spricht da eine andere, eine ehrlichere Sprache.

    Und: Na, Du sagst; die Zeit heilt alle Badblog Biss-Wunden, das will ich auch hoffen.
    Aber – Alexander – :

    Ob es dagegen mal zum Milchkaffee mit Johannes Kreidler kommt, das wage ich im Moment zu bezweifeln. BZw lass doch einfach auch mal die schweigenden Kampfhähne ihr Ding machen. Vielleicht ist auch Streit produktiv.

    Nicht umsonst gibt es ja auch Worte wie StreitKULTUR

    viele Grüße,
    Erik

  7. olehuebner sagt:

    wahnsinn, unglaublich was es für leute gibt, die auch noch den gleichen nachnamen haben wie ich! dazu ein paar gedanken: der mann erinnert mich nämlich unmittelbar an den vor mittlerweile fast vier jahren leider von uns gegangenen herrn stockhausen, ein vergleich drängt sich gerade zu auf! vergleicht man peters homepage mit http://www.stockhausen.org, sind einfach schon vom erscheinungsbild her jede menge parallelen festzustellen, damit nicht genug – „peter-hübner-edition“ und „stockhausen-edition“, ayurvedische peter-hübner-musik und einige meditativ beeinflusste stockhausen-werke (z.b. „aus den sieben tagen“) erscheinen hier für mich als gegenpole und es würde mich nicht wundern, wenn herr hübner selbst entweder größten neid oder größten hass für stockhausen empfindet. anders wäre es doch nicht zu erklären? diese karriere, wie peter hübner sie darstellt, ist doch das großartigste plagiat der stockhausen-karriere und toppt diese sogar noch um ein paar symphonien und archaics. es soll zeigen: der größte „harmonische komponist“ aller zeiten ist noch besser als der größte „unharmonische komponist“ (aaaargh, dieser begriff tut eigentlich schon physisch weh) aller zeiten. eigentlich finde ich, dass man das ganze, was sich peter hübner aufgebaut hat, als riesiges gesamtkunstwerk betrachten kann, da zählt ja einiges zu – ein ständig sich erweiterndes „selbstportrait“, eine immer weiter aufsteigende karriere und das ganze absolut zielgerichtet und vor allem, das muss man ihm lassen, großartig und lückenlos (sofern man nicht nach belegen fragt) konstruiert. auch hier die parallele zu stockhausen, der ja immer die gattung „gesamtkunstwerk“ anstrebte – man denke nur an den „licht“-zyklus, ja eigentlich, man denke nur an sein ganzes leben und den sirius-komplex …: peter hübner, das krasse gegenexperiment zu karlheinz stockhausen? wie seht ihr das?

  8. eggy sagt:

    @olehuebner: Ich sehe durchaus auch die Parallelen zu Stockhausen in einem gewissen Messianismus und der perfekten Konstruktion einer eigenen Wirklichkeit, in der man selber quasi das Zentrum eines eigenen und selbstgeschaffenen musikalischen Universums ist. Nur kam bei Stockhausen zumindest gelegentlich so etwas wie Kunst dabei raus, bei P. Hübner ist ja selbst das musikalische Ergebnis nur virtuell und gar nicht vorhanden. Stockhausen war ein harter und fleissiger Arbeiter – leicht hat er es sich nicht gemacht, und auch das Bluffen war nicht seine Natur.
    Übrigens kenne ich ansonsten nur nette Hübners, Peter Hübner ist da wirklich das schwarze Schaf des Namens :-)

    Moritz Eggert

  9. florian sagt:

    Zu geil!!! Ich war gerade am Recherchiern über den Begriff Entspannungsmusik für meinen Blog und den Shop für meine eigene Entspannungsmusik. Dabei stieß ich auf digipharm und Peter Hübner, seine riesige Produktion, unmengen an CDs… und naja, dass es viel Entspannungsmusik gibt, die scheiße klingt und billig produziert ist, daran hatte ich mich schon gewöhnt, aber… Peter Hübner ist eine unglaubliche Parodie der New-Age-Esotherik-Entspannungsmusik-Szene, könnte ein Theaterstück werden. Deinen Artikel habe ich gerade mit offenem Mund meiner Freundin vorgelesen und ich bin immer noch Fassungslos ob der Skurilität.

  10. olehuebner sagt:

    hübner peter und hübner ole entstammen offensichtlich grundlegend unterschiedlichen musikalischen sozialisierungen: als ich in der 2. oder 3. klasse war, sollten die schüler für irgendein komisches projekt „meditationsmusik“ (ok, auch einiges von stockhausen ist meditationsmusik, aber gemeint war hier eher so peter-hübner-style) mitbringen. hübner ole fragte seine mutter allerdings nicht nach „meditationsmusik“, sondern nach „passionsmusik“. hätte peter nicht passieren können.

  11. Sergej sagt:

    Heute habe ich ein Stück von Peter Hübner im Archiv des Studios für Elektronische Musik an der HfMT Köln gesehen… „Kausalität“ – Dauer 10´10´

  12. Dennis Kuhn sagt:

    Huch, jetzt erhalte ich sogar Mails von ihm, bzw. von einer Doris Waldeck. Den angesprochenen Brief habe ich sehr wahrscheinlich weggeschmissen.
    Hat jemand von euch ebenfalls das Vergnügen?

    Sehr geehrter Herr Professor Kuhn‚

    am 25.11.2016 sandten wir Ihnen einen Brief des Klassischen Komponisten und Musikwissenschaftlers Peter Hübner, in welchem er Ihnen den Sinn und Zweck seines Beethoven Projektes und der von Beethoven verlangten Offenbarung in der Musik erläuterte sowie Ihnen die Möglichkeit Ihrer Mitwirkung in der Sache nahelegte.

    Da wir bis heute von Ihnen noch nichts in der Sache gehört haben, möchten wir anfragen, ob Sie das Schreiben erreicht hat.

    Mit freundlichen Grüßen

    Doris Waldeck
    PH-Office
    International
    Philharmony Foundation

    • Irgendeine Pianistin sagt:

      Das genaue Mail habe ich heute auch bekommen!

    • Sebastian sagt:

      …hab das E-Mail im gleichen Wortlaut ebenfalls bekommen und habe mich dann an die erste Nachricht wieder erinnert:
      Ein Konglomerat absurd zusammengewürfelter Beethoven-Zitate (habe keine Zeit darauf verschwendet, die Herkunft nachzuprüfen), aber sehr amüsant zu lesen. Man könnte es für kritische Analysen an Studierende weitergeben…

    • Andreas sagt:

      Ja, eine Mail ging vor einer Weile an alle möglichen Hochschulen – ich habe sie vom Sekretariat mit einer skeptischen Anmerkung versehen weitergeleitet bekommen und nach groben Überfliegen wieder gelöscht… Jetzt liegt o.g. Nachfrage in meinem Postkorb!

    • Ariane Couture sagt:

      Das email habe ich auch in English bekommen. Ich fande es komisch und bin glücklig ihren Kommentare zu lesen. Ich wohne in Kanada wo ich habe lange für ein Forschungzentrum in Musikwissenschaft (Observatoire interdisciplinaire de recherche et de création en musique) gearbeitet.

      Dear Mrs. Couture!

      On 03.12.2016 we sent you a letter of the classical composer and musicologist Peter Hübner in which he explained the meaning and purpose of his Beethoven Project and of the revelation in music demanded by Beethoven as well as his suggestion to you to possibly participate in the project.

      Since we have not heard from you until now, we would like to kindly ask you again whether the letter has reached you.

      Looking forward to hearing from you.
      With kind regards,

      Doris Waldeck
      PH-Office
      International Philharmony Foundation

  13. Hallo Dennis Kuhn,

    den Brief habe ich auch bekommen.

    Irre!

    Es gab da mal einen Moondog, der war auch ein wenig merkwürdig, hat aber im Gegensatz zu Hübner ganz nette Musik gemacht.

    Stefan Berker

  14. stimme sagt:

    Diesen Brief bekam ich auch am 5. 1. Kann mich an keinen vorangegangenen Brief vom November erinnern. Weil dieser Brief so komisch formuliert war, habe ich Peter Hübner gegoogelt und bin auf diesen Blog gestoßen. Danke für all die Kommentare, ich werde sicher nicht darauf antworten.

  15. Moritz Eggert sagt:

    Moondog mit Peter Hübner zu vergleichen ist wie Beethoven mit Justin Bieber zu vergleichen. Obwohl – Justin Bieber ist wenigstens nur Justin Bieber, Hübner dagegen ist ein nicht ungefährlicher profilneurotischer Wahnsinniger mit Sektenanwandlungen….
    Erstaunlich, dass er nach wie vor aktiv ist!

  16. Musiklehrer sagt:

    Heute ein herrliches Follow-Up Email, nachdem ich die vorangegangenen ignoriert habe:

    „Grundsatzfrage

    Sehr geehrter Herr Prof. xxxx

    wollen Sie‚ dass Ihre Kolleginnen und Kollegen und die Ihnen anvertrauten Studentinnen und Studenten gesund sind?

    Mit freundlichen Grüßen

    Francis Baker Helen Smith
    Ethics Committee
    International Philharmony Foundation“

    • Dennis Kuhn sagt:

      Diese Mail haben sehr wahrscheinlich alle Angehörigen unserer Musikhochschule erhalten. Es werden systematisch alle öffentliche Mailadressen mit diesem Hübner-Mist bespamt.

  17. HfMK sagt:

    Er ist nicht nur wieder aktiv, sondern droht mit körperlichen Folgen sollte man seinen schwachsinnigen Briefen keine Beachtung leisten.
    Die Unterschrift lautet:             
       ­Ethics Committee­
    International Philhar­mony Foundation
    Wäre nicht ein Gang zur Polizei angebracht?

  18. Sehr gut, wenn diese Fallbeispiele hier gepostet werden, vielen Dank! Diese werden hoffentlich bei Internetrecherche über Hübner hier gefunden…