„No New Music“ oder: wie man ein Instrument tötet

In unregelmäßigen Abständen finden die sogenannten „Zithermusiktage“ statt. So auch 2011, im thüringischen Greiz, an der Grenze zu Sachsen, veranstaltet vom sächsischen und thüringischen Zitherverband.

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Die Zither ist ein wunderschönes Instrument, das es einst sogar mit dem Klavier an Popularität aufnehmen konnte, heute aber eher ein Exotendasein in der Musik führt. Dennoch haben sich gerade in der letzten Zeit immer wieder hervorragende Komponisten und Interpreten um dieses Instrument bemüht: z.B. Alexander Strauch, Leopold Hurt, Rudi Spring, Fredrik Schwenk, Graham Lack, Martin Mallaun und Georg Glasl, um nur ein paar Namen zu nennen, die im Bad Blog bekannt sein dürften. Gerade eben bei der letzten Münchener Musiktheaterbiennale spielte Georg Glasl die Zither in einer Gemeinschaftsoper der Kompositionsklasse Prof. Jan Müller-Wieland, und auch sonst entstehen in letzter Zeit erstaunlich viele Werke für und mit Zither. Allen ist klar: Wo neues Repertoire entsteht, ist noch Leben in diesem Instrument, ja es ist sogar Bedingung für das Überleben eines Instrumentes, dass beständig neue Werke dafür entstehen

Man könnte fast meinen, das Instrument erlebe eine neue Renaissance, eine neue Blütezeit. Befeuert von inspirierter und neuartiger Musik könnte die Zither schon bald wieder ein richtig „cooles“ Instrument werden, für das man gerne schreibt und das man gerne hört.

Um sicher zu gehen, dass dies auf keinen Fall geschieht, um zu gewährleisten, dass die Zither auch in der Zukunft als höchstes der Gefühle nur bei André Rieu aufspielen darf, braucht es nur einen einzigen Mann. Heinz Mader heißt der Gute, und er ist der Präsident des Deutschen Zithermusikverbandes e.V..
Dieser Heinz Mader nun hat nun für die Zithermusiktage 2011, der einzigen internationalen Bestandsaufnahme dieses Instruments in diesem Jahr, ein einzigartiges Verbot ausgesprochen, und dieses Verbot heißt: „No New Music“. Keine zeitgenössische Musik darf also erklingen, auf keinen Fall, denn damit habe man in der Vergangenheit „schlechte Erfahrungen“ gemacht. Nein, brav und volkstümlich soll die Zither bleiben, man soll das spielen, was man kennt. Klar, denn solange das Instrument Zither spießig und auf keinen Fall in irgendeiner Weise zeitgemäß ist, kann man damit den Untergang dieses Instrumentes möglichst schnell vorantreiben, da passt die biedere Website des Zithermusikbundes auch auf jede Fall ins Bild.

Wenn also die Weltelite der Zither um ihr Instrument zu feiern das schöne Greiz besucht, werden ihre Ohren auf keinen Fall mit auch nur in irgendeiner Form interessanten Klängen konfrontiert werden, wo kämen wir denn da hin? Und selbstverständlich wird auch kein einziger Zitherspieler eingeladen, der sich um zeitgenössische Werke oder gar Aufträge hierfür bemüht, denn der/die käme ja vielleicht auf die Idee, Maders Verbot zu unterwandern und vielleicht doch ein neues Stück in ein Programm einzuschmuggeln. Und dieses Stück könnte ja vielleicht sogar Spaß machen und die 80-jährigen Zuhörer aufwecken. Gott bewahre!

Wie sollen wir als Komponisten darauf reagieren? Ich schlage vor, wir schreiben ein gemeinsames Stück für 12-E-Zithern und Death-Metal-Band und führen dies kontinuierlich so lange vor Heinz Maders Schlafzimmer auf, bis er ein Einsehen hat. Oder wir nerven ihn mit Briefen, wie wahnsinnig zum Kotzen wir seine Deklarierung Neuer Zither-Musik zu „entarteter“ Musik finden.

Oder wir schreiben freundlich aber bestimmt an die zuständigen Landesverbände:

Landesverband Thüringen
Kontakt: Elke Hickethier
Max-Steenbeck-Str. 14, 07745 Jena
Tel. 03641/217122, E-Mail: ElkeHickethier@aol.com

Landesverband Sachsen
Kontakt: Tobias Duteloff
Damaschkestr. 17, 09599 Freiberg
Tel. 03731 / 696404, E-Mail: duteloff@freenet.de

Vielen Dank, sagt Euer Harry Lime, alias
Moritz Eggert

der dritte mann

PS: Dank an Graham Lack für die Info zu dieser Geschichte!

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36 Antworten

  1. Stefan sagt:

    Sollen die Musikanten des Zitherbundes halt unter sich bleiben. „No new music“ ist wohl ein Zitat? Ich finde es auf „zitherbund.de“ nicht.

  2. @Moritz,@ all,

    informativer Beitrag. Schade, ich hätte jetzt eigentlich das Gegenteil erwartet oder erhofft, wo doch Zitherspieler und Komponisten wie Leopold Hurth wie gesagt sich um das Instrument verdient gemacht haben und gezeigt haben, dass die Zither einen Platz in der zeitgenössischen Musik haben kann und dass auch vielleicht mehr Zitherspieler, auch mal Laien oder Semiprofis auf diesem INstrument auf breiterer Basis
    die Zither auch für andere Musikstile als volkstümliche Musik entdecken.

    Das scheint zu den „Zitherianern“ (mal bös gesagt) leider nicht durch gedrungen zu sein. Naja, dann bleibt halt mal wieder alles beim „Oalten“.

    Bei Leuten an zu klopfen, an denen die Zeit von der Jahrhundertwende bis heute anscheinend vorbei ging und die bestimmte Musikstile ausgrenzen wollen um das Althergebrachte und das Instrumentenklischee zu bestärken, das macht wenig Sinn. Genausowenig macht es tw. ja auch Sinn, bei der trad. katholischen Kirchengemeinden o.ä. an zu klopfen.

    Dann lieber: sich zu Hause hin setzen, genüsslich ein Käsebrot auf seiner „Schweineorgel“ zubereiten, sich dabei aber nicht den Finger abschneiden, weil man den noch zum Experimentieren an der Zither braucht…

    http://www.youtube.com/watch?v=80wqBpNRxUY

    Danach seinen Traum verwirklichen: eine Zithersinfonie für 100 Zithern, einst gespielt von Profi-Zitherspielen, Semiprofis und Laien gemeinsam, die die Neue Musik für die Zither entdecken und lieben lernen… (herrlich herum schwurbelnd, kratzend, Flageolettierend von Diskant bis Basszither —oder was es da so noch gibt ich hörte von Manfred Stahnke von der Zither, hörte sein Stück und von Leopold Hurths Aktivitäten).

    Also: ich rufe hiermit zur friedlichen Revolution innerhalb (und außerhalb) des Deutschen Zithermusikbundes e.V. auf und hoffe, auch morgen noch als engagierter Blogger trotz meiner „Volksverhetzung“ in Freiheit verbringen zu dürfen. Ich plädiere, dafür, damit kein volkstümelndes und Rieu-grinselndes „Chaos“ ausbricht, dass Querstand und Leopold Hurth dann eine friedliche Übergangsregierung bzw. Präsidentschaft des Deutschen Zithermusikbundes übernehmen. Der Mubarak des Zitherverbandes soll zurücktreten, seine Zeit ist abgelaufen.

  3. strieder sagt:

    Da bin ich fassungslos!

    Für Gegen-Strategie Nr. 1 biete ich hiermit für den Death Metal-Part kompositorisches und technisches Know-How an.

  4. querstand sagt:

    Ein Auftrittsverbot für Volksmusiker in Sendungen mit volkstümlicher Musik, das gab es ja mal als Anti-Musikantenstadl-Aktion, mag irgendwie angehen. Dass allerdings ein Verbandspräsident des Zitherbundes, der selbst Lehrer für das Instrument ist, tatsächlich ein „Neues Musik“-Verbot wagt auszusprechen, das klingt anmassend, fast denkt man analog zu den Gauen der Trachtenvereine an die Bezeichnung „-leiter“ eines solchen Orga-Abschnitts.

    Nachdem „Neue Musik“ ein sehr weiter Begriff ist, schliesst dies eigentlich selbst sanfteste, tonale Jetztmusik für das Instrument aus. Da sägt jemand am eigenen Ast seines zarten Gewächses: so langsam kommt die Zither wie das Akkordeon schon längst in der Neuen und Alten Musik an. Das Repertoire dann auf ein Minimum an Schüler- oder Oma-Literatur zu beschränken, das ist richtig pervers, ein Tunnelblick auf die unglaublichen Möglichkeiten der Klangwunders Zither! So sollte der DZB endgültig jeglichen Verweis auf Georg Glasl, Leopold Hurt, überhaupt alle etwas progressiveren Lehrer von seinen Seiten nehmen, den Besuch dieser Lehrer an Hochschulen verbieten. Wie wäre es dann, dem Innenministerium das Verbot des DZB vorzuschlagen? Das sind echte Rasereien im Wasserglas, ein Nachholen dessen, was eigentlich überall schon durch ist. Selbst Blasmusik kann da relativ modern sein, selbst in Nur-Unterhaltung.

    Ein wenig hat man den Eindruck, dass Herr Mader das wiederholt, was die Nazis mit „entartet“ titulierten: ein kleines Verbot, was ihm, dem DZB-Guru, als entartet erscheint?

    Sofort Netzwerk Neue Musik-Truppen nach Greiz entsenden…

    Gruss,
    A. Strauch – enttollert

  5. OttoERbe sagt:

    Liebe Komponisten Neuer Musik!
    Wie ich finde trifft dieser besagte Heinz Mader den Nagel doch genau auf den Kopf… habt ihr mit Eurer so genialen Musik so wenig Aufführungen, dass ihr jetzt auch noch auf ein Provinz-Zither Fest angewiesen seid?… Macht mal die Augen auf was die Profis, welche damit ihr Geld verdienen, spielen…da findet sich leider kaum bis überhaupt nicht Neue Musik… ich rede nicht von subventionierten Aufführungen! Und da sich leider keiner dafür interessiert, wird es auch weiterhin nur bei den Abokonzerten in der Mitte zweier Sinfonien zu finden sein, in der Mitte deswegen, damit die Leute nicht abhauen, denn sie wollen ja noch die zweite Sinfonie hören. Dem trägt Herr Mader einfach nur Rechnung, denn als Präsident eines derartigen Verbandes muss er ja auch das Monetäre im Auge haben.

    Jemand der nicht akzeptiert, dass andere Menschen gerne andere Musik hören und jemand der glaubt nur seine Art von Musik sei das einzig Wahre, hat a priori bei mir verloren… Gerade wir Deutschen haben schon einmal geglaubt wir seien die besseren Menschen… wo das hingeführt hat wissen wir ja… also, bitte kleinere Brötchen backen und mal etwas Toleranz walten lassen, zumindest das sollte man von angeblich intellektuellen Menschen erwarten können.

    Noch weiterhin fröhliches Komponieren…:-)

  6. Leopold sagt:

    [auf Wunsch des Autoren gelöscht]

  7. Beteilige mich gern an der geplanten Gemeinschaftskomposition! :-) Schon meine Grossmutter sagte immer, „Bei Zither und Dess Mettl, do geht ma s`Heazal auf!“ ….

  8. Leopold sagt:

    Herr Mader hatte sich gestern in einer email an Alexander und andere dahingehend geäußert, dass es sich bei dem beschriebenen Sachverhalt wohl um ein großes Missverständnis handeln würde. Deswegen habe ich auch Moritz gebeten, meinen gestrigen Kommentar herauszunehmen, solange die Sache nicht geklärt ist.
    Herr Mader sollte am besten auch eimal in diesem Blog seine Sicht der Dinge darstellen.

  9. strieder sagt:

    Computer sind manchmal rätselhaft, da postet jemand etwas in einem Blog, und die Sätze und Wörter sind plötzlich völlig verdreht und ergeben keinerlei Sinn. Zumindest hoffe ich das ist der Fall bei dem Kommentar von OttoERbe …

  10. demmrink sagt:

    @strieder
    Naja – der Artikel betreibt ja (berechtigte) Polemik und daher ist die Polemik eines OttoERbe nun so sinnlos auch nicht: Was ist schon „Neue Musik“?
    Es ist, wie gesagt, völlig in Ordnung, sich über das „Traditionsbewusstsein“ des Verbandspräsidenten lustig zu machen und dabei nicht den Anspruch zu erheben, ein differenziertes Bild der aktuellen Position des Zithermusikverbandes darzustellen. Genau so in Ordnung ist es, eine verkürzte Sichtweise auf die Rolle der „Neuen Musik“ im Konzertbetrieb darzulegen. Wenn OttoERbe allerdings schreibt,

    Jemand der nicht akzeptiert, dass andere Menschen gerne andere Musik hören und jemand der glaubt nur seine Art von Musik sei das einzig Wahre, hat a priori bei mir verloren…

    , hat er den Beitrag schlecht gelesen, denn das steht nirgendwo – und natürlich ist es die Aufgabe eines Verbandspräsidenten für die gesamte Breite eines Instruments einzutreten … Kritik also durchaus angebracht …

  11. querstand sagt:

    Ich denke, solange Graham Lack hier nicht direkt auftritt, muss auch Herr Mader sich nicht öffentlich äussern. Die Entrüstung auf Komponistenseite ist tatsächlich ein wenig hochgeschaukelt.

    Allerdings: der konservative Teil der Zitherszene war z.T. bisher auch nicht zimperlich. So wecken potentielle Verbotsgerüchte Ängste, dass die mühsam geschriebenen Werke für dieses Instrument vollkommen vergeblich zustande kamen.

    Ausserdem: potentielle Verbote erinnern immer wieder an die dunklen 30er Jahre in Deutschland. Dass ist zwar heftig, das sollte man aber niemals ausser Acht lassen. Dies bedeutet zwar nicht, dass jetzt ein Neue-Zither-Musikfestival in Greiz stattfinden soll. Ein Zitherverband hat aber die Pflicht, sonst ist er nur ein Partikularverein, alle Facetten seines Metiers zu zeigen. Finanzen, die sowieso schmal sind, werden da keine wirklich grosse Rolle spielen. Sie sind heute dasselbe Totschlagargument wie Bezüge in die Zeit vor 1945. Ich denke da ziemlich dummblöd betroffenheitsdeutsch, ja Euer rosaroter Nörgler.

    Es muss also beiderseits, zwischen Komponisten wie Zitherverband ein klarerer Diskurs stattfinden. Das Problem ist nur, dass diese Feststellung gerade eben dann wieder von konservativen Menschen als Schuldeingeständnis der Gralsstürmer angesehen wird. Die Zitherszene MUSS einfach offener werden, radikal, und nicht schon wieder im Abwehrreflex. Man sieht ja am Ganzen hier, wo diese Abwehrreflexe hinführen können. Ihr fühlt Euch durch leiseste Aktionen unsererseits gereizt, Ihr reizt uns aber inzwischen genauso, da kommt der leiseste Muckser, sogar grundehrliche Unlust auf Neue Musik eben wie ein „Verbot“ daher, was dann Komponisten wieder in den falschen Hals bekommen.

    Wie gesagt, anlässlich des Dritten-Mann-Projekts Glasls war die Zitherpresse auch nicht gerade hypersensibel, im Gegenteil. Manchmal kommen einem die Ereignisse von damals parallel zu 9/11 wie ein 9/11 der Neuen Musik und Zithermusik vor, eine Aufspaltung, die in jedem Moment wieder aufreissen kann, die selbst damals nicht direkt Betroffene wie Graham Lack zum Überkochen bringt. Erstaunlicherweise reagieren dann beide Seiten immer wieder mit dem Schneckenhauseffekt, wie jetzt auch. So also nehm‘ ich’s mal wieder auf mich und bleibe Euer rosaroter Nörgler, einer muss es ja sein.

    Bleibt Euch nur die Rolle, unendlich Grossmut und Weisheit zu zeigen, wie der Schatz ausstrahlt, den Ihr, die vermeintlich „Konservativen“, zu hüten meint. Ich mach’s Euch nicht leicht, mir habt Ihr es aber bisher auch schwer gemacht, im direkten wie übertragenen Sinne. Also jetzt ein Schlussstrich und endlich mal eine andere Avantgarde der Kommunikation und seitens der Zitherer einen unglaublichen Stolz auf die gralsstürmenden Repertoireerweiterer und unsereins ein Riesenstolz auf das bisherige Repertoire, zusammen stolz auf dieses immer noch im Wandel begriffene Instrument.

    Wenn ich allerdings an die alten Reaktionsmuster denke: Strauch von allen Zitherfestivals ausgeschlossen, meine Zithermusik auf dem Scheiterhaufen des Vergessens? Also zeigt mal das Gegenteil, wir können nur geben und/oder schreien, Ihr habt’s in der Hand, die Entwicklung wie unsere Musik als Geschenk an Euch!

    So, das war jetzt Riesenpathos. Manchmal braucht’s diesen aber, zum Streit, zur Versöhnung – das geht aber nur ohne Schneckenhauseffekt…

    Gruss,
    A. Strauch

  12. eggy sagt:

    @alle: die wahren Hintergründe dieser Geschichte werden im Moment ergründet, solange gilt anstandshalber: im Zweifel für den „Angeklagten“ (Heinz Mader), der sich hier vielleicht bald äußern wird.

    Moritz Eggert

  13. …also: hier gehts ja wohl nicht mehr um den Herrn Mader, der vermutlich ungerechtfertigter Weise durch den Kakao gezogen wurde, sondern gleich um die GANZE WELT (nämlich die niedliche kleine Zither-Welt)!

    Seit das Instrument von findigen Instrumentenbauern und (meist) verkleideten Steirern im 19. Jht. mit dem Alpenmythos infiziert wurde, ist die Zither Inbegriff des biederen Idylls. Bis vor einigen Jahren Zitherspieler und Komponisten bemerkten, was für ein treffliches und völlig unerforschtes Klang-Spielzeug dieses skurrile Ding doch ist….

    …seither wird geschabt, geschlagen und gekratzt, daneben natürlich barocke Lautenmusik, Gitarrenmusik, Impro und gottseidank auch Volksmusik, Salonmusik, Tanzmusik und 1000 andere Sachen. Es lebe die Vielfalt!

    …alles schön und gut, nur dass viele Laien-Zitherer jetzt um ihr Biotop fürchten, und dass diese Neophyten die ganzen schönen Alpenblumen überwuchern. Dann lieber schon im kleinen Kreise weiterwurschteln und ja nix reinlassen. Das ist jetzt kein Vorwurf gegenüber dem Heinz Mader (den ich sogar für relativ meinungs-offen halte!), sondern gegenüber der offiziellen Zitherei in Gestalt des DZB.
    Nämlich, dass hier wunderbare, nie gehörte Klänge, unerwartete Musiken, verstörende, süchtig machende… samt der dazugehörigen Musiker negiert und vorn außen gehalten werden! Wohl aus Angst mancher Funktionäre vor Neuem? oder um den eigenen Status zu wahren?

    also genug gemotzt, hier mein Vorschlag:
    nachdem Herr Eggert nun doch nicht für Bayreuth den Ring des Nibelungen neu komponiert, erklärt er sich bereit, die Neue-Musik-Schiene der Zithermusiktage zu kuratieren, bei denen u. a. Zitherstücke von Helmut Lachenmann, Olga Neuwirth und Rebecca Saunders uraufgeführt werden. ARTE und der Deutschlandfunk übertragen die Konzerte live, die NMZ berichtet in einem Sonderteil…. (nur so als Vision….)

  14. @ querstand, and all,

    Die Zitherszene MUSS einfach offener werden, radikal, und nicht schon wieder im Abwehrreflex.

    Das ist ein frommer Wunsch. Aber die MÜSSEN gar nichts.
    (Ein klein wenig kann ich die gemäßigten Retourkutschen hier verstehen). Denn: werden WIR offener? Genausowenig aber muss man alles „tolerieren“ bzw. jemandem es abkaufen, wenn er das Wort „Toleranz“ in den Mund nimmt, und zugleich über die andere Seite schreibt:

    Neue Musik… ich rede nicht von subventionierten Aufführungen! Und da sich leider keiner dafür interessiert, wird es auch weiterhin nur bei den Abokonzerten in der Mitte zweier Sinfonien zu finden sein, in der Mitte deswegen, damit die Leute nicht abhauen, denn sie wollen ja noch die zweite Sinfonie hören. Dem trägt Herr Mader einfach nur Rechnung, denn als Präsident eines derartigen Verbandes muss er ja auch das Monetäre im Auge haben.

    Und @ „Monetäres“ (von wegen altes Totschlagargument: bloß nichts Modernes, sonst stimmt die Kasse/Publikum nicht): als wenn des sich bei Konzerten mit Zithermusik um kommerzielle Massenveranstaltungen handeln würde.
    Nun gut, das trifft vielleicht zu, wenn die Zither mal beim Musikantenstadl dabei ist. Aber davon reden wir hier ja wohl nicht und auch nicht von letzterem Niveau.

    @ KLischees versus Experimentieren/neue Sichtweise/Klänge
    Da bekommt man geradezu Lust, mal ein avandgardistisches Stück zu komponieren für einen Zither-Profi, der in Lederhose spielt. Mal Volksliedthemen oder Fragmente davon herrlich durch den Hechsler drehen. Dazwischen Geräusche-Orgien. Die unversöhnlichen Positionen und -stile BEIDE parodieren, das wär´s mal.

  15. In den letzten zwei Tagen erreichten mich von Komponisten und Zitherspielern Hinweise per e-Mail auf das hier beschriebene „Verbot neuer Musik“ bei den diesjährigen Zithermusiktagen in Greiz. Erst einmal Vielen Dank dafür! Als Mitglied des Bundesmusikausschusses des DZB und damit als einer der Planer der Zithermusiktage (ZMT) möchte ich mich gerne kurz äußern.
    Zuerst möchte ich aber anmerken, dass sämtliche Zuschriften, den Landesverband Thüringen betreffend, an mich (DZB LV Thüringen, Steffen Hempel, info@zither-greiz.de, Tel.: 03661/4428650) gehen und nicht an Elke Hickethier (Siehe Eröffnungsbeitrag von Moritz Eggert)! Besten Dank!

    Ein Verbot von Neuer Musik bei den ZMT 2011 hat es nie gegeben und wird es auch nie geben! Dem DZB liegt es überhaupt fern eine solche Festlegung zu treffen. Es wurde im Verlauf der Planungen nur beschlossen, dass es bei dem ZMT 2011 kein Konzert geben soll bei dem ausschließlich Neue Musik gespielt wird. Somit ist aber nicht ausgeschlossen, dass Stücke aus dem Bereich vorkommen können.

    Ich finde es sehr schade, dass diese Diskussion zu dem Verbot überhaupt begonnen hat. Unmittelbar nach dem angeblich ausgesprochenen Verbot von Heinz Mader an Graham Lacke erhielt ich selbst einen Anruf von Herrn Lack. In diesem Telefonat versuchte ich zu erklären, dass ein solches Verbot nicht bestehen würde. Im Gegenteil, es kam die Diskussion über eine Auftragskomposition zu den ZMT 2011 auf. Die Möglichkeiten dazu werden aktuell im Bundesmusikausschuss diskutiert.

    Um aber vom eigentlichen Thema nicht abzuweichen möchte ich einen kleinen aktuellen Einblick in die Planung der ZMT 2011 geben und zeigen, dass Neue Musik ein Bestandteil des Gesamtprogrammes ist.

    Bei den diesjährigen ZMT werden weniger Konzerte stattfinden als es in den letzten Jahren der Fall war. So wird es, neben der Ausstellung, einem noch geplanten Gottesdienst und einer Anzahl von Workshops, nur vier Konzerte geben. Außerdem wurde bei zwei Konzerten thematische die Vorgabe gesetzt, Werke und Komponisten aus der Region vorzustellen um somit einen Einblick in die Zithermusik in Thüringen und Sachsen zu geben. Dies bedeutet aber nicht, dass hier nur Erzgebirgische Volksmusik oder Herbert Roths Rennsteigmelodien zu hören sein werden! Auch andere Stilepochen und Werke von nicht regionalbezogenen Komponisten können und werden präsentiert!
    Bei den Workshops, welche diesmal vor allem Kinder und Jugendliche anlocken sollen, werden vor allem Stilelemente der Neuen Musik eingesetzt und nicht das Zitherklischee bedient. Ebenso sind im Vorfeld der ZMT Aktionen an Schulen und Kindereinrichtungen im Greizer Umland vorgesehen, bei denen ebenfalls das Zitherklischee nicht bedient werden soll.
    Genauere Angaben zum Programm möchte ich nicht geben, da die Planungen noch laufen. Gerade deshalb wurden bisher auch noch nicht alle Zitherspieler angeschrieben und nach ihrer Mitwirkung gefragt. Man sollte dabei aber auch bedenken, dass nicht alle Zitherspieler, die es gibt, mitwirken können und dass vor allem den Ensembles und Zitherspielern vor Ort die Gelegenheit zur Mitwirkung gegeben werden soll.

    Zum Schluss noch eine Bemerkung an Moritz Eggert, die ich natürlich nicht als Beleidigung sondern als Anmerkung bzw. Gegenvorschlag anbringen möchte, ich mir aber auch ehrlich gesagt nicht verkneifen kann: Ich denke, über das angebliche Verbot von Neuer Musik sollte man fachlich diskutieren können und solche Vorschläge zum nerven von Heinz Mader, wie Sie ihn anbringen gegen Ende ihres ersten Beitrages, lassen. So etwas, und davon gehe ich aus, mag von Ihnen als Scherz angebracht worden sein, aber dann sollten Sie sich auf eine Gegenveranstaltung gefasst machen: Herbert Roths Rennsteiglied mit allen Strophen und das bis sie aufgeben! Oder die Fans von Herbert Roth nerven mit großen Plakaten vor Ihrer Wohnung.

    Viele Grüße!
    Steffen Hempel

  16. @Steffen Hempel: touché! und danke für die Info!
    Selbstverständlich sollte man das sachlich diskutieren, dazu sind wir ja da. Dass es aber hier irgendwie Kommunikationsschwierigkeiten zwischen verschiedenen Positionen des Zitherspiels und dem Verband zu geben scheint, zeigt sich aber aus den vielen, vielen Kommentaren, die bei mir eingegangen sind. Wäre das alles vollkommen wahrheitsfern, hätte es nicht so eine Erregung gegeben.
    Heinz Mader äußerte sich weder auf eine direkte Anfrage zum Planungsstand sowie auf das Angebot, die Dinge richtig zu stellen, was ich etwas seltsam fand, denn die geplante Aufführung von zeitgenössischen Werken würde ja sofort jeder Kritik den Wind aus den Segeln nehmen. Auch Sie bleiben hier in Ihren Beschreibungen noch sehr vage („Stilelemente der Neuen Musik“), was vielleicht dem frühen Planungsstand geschuldet ist.
    Seltsam, dass hier überhaupt darüber geredet werden muss – bei „Schlagzeug-Musiktagen“ zum Beispiel wäre es vollkommen selbstverständlich, dass neues Repertoire gespielt wird, aber natürlich ist die Zither historisch anders gesetzt.
    Mein Angebot ist: Wenn der Planungsstand der Zithertage so weit ist, dass Programme veröffentlicht werden können, werden wir das gerne hier vorstellen. Und setzen Sie sich doch einfach mal mit den verschiedenen Komponisten zusammen – vielleicht kann man ja schöne Ideen gerade für die Jugendarbeit gewinnen, gute Stücke scheint es ja viele zu geben. Und dass Sie kein Konzert allein mit Neuer Musik machen wollen, finde ich persönlich nicht schlimm – gerade in der direkten Konfrontation von neuen Stücken mit traditionellerem Repertoire kann ja ein spannendes Programm entstehen!

    Moritz Eggert

  17. querstand sagt:

    @ mader&all: also, bevor es hier überkocht: Herr Mader, ich entschuldige mich hiermit für den 3.Reich-Vergleich. Wie allerdings die Sache allgemein hier rüberkam, aus Entscheidungen, auf einem deutschlandweiten Treffen nur lokale Neue Musik zu spielen, falls überhaupt, daraus ein Verbotsgerücht wurde, die unseligen Reaktionen auf das Dritte-Mann-Konzert 2001, drängte sich mir die Erinnerung, so totschlagargumentierend es sein mag, an die düsteren Jahre hierzulande auf. Bessere Kommunikation allseits vonnöten, radikal aber auch beim DZB! Ich verlange kein Neues-Musik-Zitherfestival in Greiz, mag da so viel eigene wie bearbeitete Zithermusik erklingen wie will, die ja durchaus auch mit Anlass für meine Entscheidung für die Zither gewesen sein mag. Aber ein Treffen mit landesweiter Bedeutung muss mehr zeigen, als nur die Musik des Austragungsortes, breite Gelegenheit Laien wie Profis und Studenten geben, sich zu zeigen. Ich fordere also seitens des DZB die Schneckenhaus- oder Abwehrreflexpolitik einzustellen, genauso allerdings auch die Rückzugsmentalität im Komponistenkreise, wenn es dann doch schwierig wird, Unklarheit herrscht. Vielleicht ergibt sich aus diesen Wogen ja doch eine hoffnungsvollere Zukunft als jetzt von mir rein persönlich mit Blick nach gestern wahrgenommen.

    A. Strauch

  18. Leopold sagt:

    Vielen Dank an Steffen für die ausführliche und erhellende Reaktion.

    Die vorgebrachten Vorwürfe haben auch bei mir zunächst verständnisloses Kopfschütteln und eine nicht zu leugnende Wut ausgelöst, wurde ich doch an eigene schlechte, Jahre zurückliegende Erfahrungen in Bezug auf Neuer Musik bei den Zithermusiktagen erinnert. Der von „querstand“ Alexander Strauch angesprochene Fall beim Münchner Festival „Zither 4“ (s.o.), besonders der darauf Bezug nehmende Leserbrief im „Saitenspiel“ (dem Vereinsorgan des DZB), in welchem Georg Glasls Engagement für die Neue Musik (gespielt von Schülern und Studenten) übel diffamiert wurde, war ein erschreckender Tiefpunkt. Ein anderer Leserbrief jüngeren Datums, der sich wieder einmal gegen Glasls Arbeit und der seiner Studenten richtete, ließ diese alten Schreckgespenster bei mir kurz wieder auferstehen. So gesehen sind gewisse schmerzhafte Vorurteile, die manche Musiker und Komponisten hier mit sich herumtragen nicht unbegründet.

    Nun ist mir Herr Mader bei den letzten Zitherfestivals, die Georg Glasl in München veranstaltet hatte, stets als interessierter und kommunikativer Besucher aufgefallen, und, nebenbei bemerkt, Steffen Hempel hat Zither bei Glasl studiert, also direkt an einer vornehmen Quelle für Neue Musik. Somit ist eigentlich zu erwarten, dass Zeitgenössisches mit Selbstverständlichkeit auch bei den Zithermusiktagen vertreten sein wird. Ich bin gespannt, wie das genaue Programm am Ende aussieht.

    Noch ein paar Worte zu der geforderten „Radikalisierung“:
    man darf bei aller Forderung nach Innovationen nicht vergessen, dass der DZB auch ein Dachverband für die vielen Laienmusiziergruppen ist, die einfach großen Spaß an nostalgisch unterhaltender Zithermusik haben, gerade wenn sie sich einmal pro Woche in einem Vereinslokal oder alle paar Jahre bei den Zithermusiktagen treffen. Hier „radikale“ Tendenzen durchsetzen zu wollen ist zugegebenermaßen ein aufwendiges Stück Musikvermittlung. Zu hoffen ist, dass der gesamte „Bundesmusikausschuss“ nicht davor einknickt und sich traut, als produktive Maßnahme professionelle und beispielgebende „Neueste“-Musik-Projekte einzuladen.

    Denn eine junge und wachsende Zitherspieler-Szene, einsehbar u.a. in der Klasse von Georg Glasl an der Münchner Musikhochschule, weist eine ästhetische Innovationsfreudigkeit und Progressivität auf, von der andere Grüppchen nur Träumen können. Während in den Klassenkonzerten der Klavier- und Streicherabteilungen das altbekannte Repertoire wiedergekäut wird, erlebt man bei den Zither-Studenten am laufenden Band Neueste Musik und konzeptionell durchdachte Projekte, und das auch noch in gewagten, Hörgang-durchpustenden Kombinationen mit traditioneller Volksmusik und Alter Musik. Mehr „Punk“ geht in dieser Hinsicht kaum.
    Auch mich hat diese Schule geprägt. Und das, sehr geehrter „OttoERbe“, hat unter anderem dazu geführt, dass ich neben dem Komponieren mein Dasein zu einem großen Teil mit (Ur)Aufführungen zeitgenössischer Musik bestreite. Und – sie werden es kaum glauben – es gibt tatsächlich Leute, die das hören möchten!

    Aber sollte man Euch einmal trotzdem nicht mehr zuhören wollen, liebe Streichquartett- und Pierrot-Lunaire-Besetzungs-Compositeure, dann werdet doch wieder mal radikal und schreibt für Zither!

    Leopold Hurt

  19. Stefan sagt:

    Ein befriedender Vorschlag zur Güte:

  20. querstand sagt:

    och, ein wenig aufregung bleibe… es geht auch ohne karas oder lederhose (tsts erik – kontaktiere doch mal das duisburger zitherorchester, ganz im ernst!). zither kann so unendlich mehr!!!!!!

    hier wunderbare cds von martin mallaun:
    http://www.martinmallaun.com/cd

    hier leopold hurt in zwei stücken von mir:

    http://www.youtube.com/watch?v=iCzukTulqLo und hier in

  21. Gertrud sagt:

    Als „Aktive“ im DZB habe ich diesen Blog hier in den letzten Tagen und Stunden sehr interessiert beobachtet. Nun, ich schwankte, ob ich mich überhaupt getrauen darf, mich zu Wort zu melden – handelt es sich bis jetzt doch nur um einen rein „männlichen“ Blog.
    Vielleicht ist hierin ein Phänomen des diskutierten Problems zu finden: in diesem Blog wurde lautstark, öfters erst gebrüllt und anschließend nachgedacht. Und jetzt – die Erwartungen an den DZB sind hoch, höher denn je! Deutlicher gesagt: der Druck ist massiv: „Wir geben Euch noch einmal die Chance. Aber wehe, wehe ihr erfüllt nicht unsere Vorstellungen, dann hatte ‚er‘ ja doch recht gehabt!“
    Wie soll sich der DZB nun in Greiz verhalten? Krampfhaft in jedes Programm eine Nummer mit Neuer Musik einpassen?! Oder doch ein ganzes Konzert mit Neuer Musik aus dem Boden stampfen?
    Zurück zum oben angesprochenen „Phänomen“: Wo sind hier die Frauen? Wo sind die Zitherspielerinnen in der Neuen Musik? Gibt es wirklich nur die Handvoll männlicher Interpreten für Neue Musik auf der Zither, die hier im Blog gebetsmühlenartig gelobt werden?
    Oder packen die Frauen einfach nur an und lassen sich nicht jeden kleinsten Erfolg öffentlich bestätigen?! Gehen Frauen Umwälzungen, Neuerungen, Veränderungen sanfter an und haben dabei „auch, wenn auch langsamer“ Erfolg?!

    Ich bin im April 2011 zu einem Zither-Solokonzert nach Tel Aviv/Israel beim Felicja Blumental International Music Festival eingeladen. Der Veranstalter wünschte im Programm Bearbeitungen für Alte Musik und – wie könnte es anders sein – den Dritten Mann. Ich konnte ihn überzeugen, auch Kompositionen mit Neuer Musik, entstanden in den letzten 15 Jahren, in mein Konzertprogramm mit aufzunehmen und bin stolz, diese Programmerweiterung „sanft“ durchgesetzt zu haben. Eine internationale Werbung für die Neue Musik auf der Zither – ganz leise! – überzeugen möchte ich mit gut gespielten, guten Kompositionen.
    Die Neue-Musik-Reihe im DZB von 2007 bis 2010 – verdammt viel Arbeit – alles ehrenamtlich, ohne lautes Murren oder Brüllen organisiert – durchgeführt von einer Frau, die hinter der Sache „Neue Musik“ steht, aber mit einem riesengroßen Nachteil: vor lauter administrativer Arbeit wird man als Künstlerin, als Zitherspielerin nicht wahrgenommen, übergangen und vergessen. Eine Seminarreihe, ein offenes Angebot des DZB für den gemeinen Zitherspieler ohne Altersbeschränkung nur mit Neuer Musik und hochkarätigen Dozenten, das wird kaum anderswo angeboten.

    Beispiele könnte ich hier noch viele anführen – jedoch was hat das mit Greiz zu tun?!
    Die sanfte Revolution ist manchmal die bessere Lösung! Natürlich nicht immer – aber wer von den Bloggern hier weiß wirklich, wo genau Greiz liegt, welche Menschen hier wohnen, mit welchen Gegebenheiten man bei Veranstaltungen in diesem Teil Deutschlands konfrontiert wird, etc. Die Idee mit einer Uraufführung Orgel-Zither hatte ich geboren, als Steffen Hempel erwähnte, dass der Kantor der Dresdner Frauenkirche Matthias Grünert aus Greiz gebürtig ist und von der Bevölkerung sehr akzeptiert wird. Ich hatte deshalb bereits im Sommer 2010 Kontakt zu renommierten Komponisten aufgenommen und gute Resonanz erhalten. Schade, dass die „leise“ Aktion aus den bereits bekannten Gründen nicht verwirklicht werden kann. Diese Aktion mit Neuer Musik hätte in die Region gepasst und wäre von der Bevölkerung angenommen worden! Und daran weitere Schnittstellen zur Neuen Musik aufbauen und anknüpfen …

    Ist man aber nun bei einer „Internationalen Veranstaltung“, die rein ehrenamtlich gestemmt wird, wirklich verpflichtet, alle Facetten der Zither auf Biegen und Brechen zu präsentieren? Und selbst, wenn in Greiz keine Neue Musik gespielt werden würde, gibt es nicht inzwischen andere hochkarätige Zither-Großveranstaltungen in deren Rahmen die Neue Musik einen beachtlichen Platz hat?!

    Ich empfehle dem DZB weiterhin den sanften, „weiblichen“ Weg zu gehen (vielen Dank an Heinz Mader, der bei seiner Antwort in diesem Blog bereits diesen Weg gewählt hat!).
    Sollte nun in Greiz aufgrund der dortigen besonderen Bedingungen die Neue Musik etwas unterrepräsentiert sein, ich werde jedenfalls weiterhin Neue Musik spielen, werde weiterhin meine Schüler an die Neue Musik heranführen – nicht ausschließlich, aber behutsam und mit Freude – ohne mich einem Druck beugen zu müssen.

    Und ich freue mich auch in Zukunft auf viele gute, neue Kompositionen für die Zither

    Gertrud Huber
    http://www.gertrud-huber.com

  22. @Liebe Frau Huber, @ All,

    zunächst mal denke ich nicht, dass dieser Blog nur eine maskuline Institution ist. Vielleicht lesen Frauen hier nur mehr still mit und melden sich halt nicht zu Wort. Sehr begrüßenswert finde ich Ihr Engagement für zeitgenössische Musik und auch nicht verkehrt, sozusagen die zeitgenössische Musik quasi in Programme „hinein zu schmuggeln“, um also Leuten, denen das neu ist, wohldosiert da heran zu führen.

    Aber ich finde, wenn Sie so für zeitgenössische Musik engagiert sind wie Sie sagen, wenn Sie so viel organisieren, dass darunter schon teilweise Ihre eigenen Auftritte leiden (?): auf Ihrer eigenen Website findet man
    leider weder Repertoirelisten, die weitere Genres/Stile (außer Salonmusik u.a. gehobene Unterhaltungsmusik) kennzeichnen noch (leider) konkrete Hinweise auf Werke Neuer Musik die Sie aufgegührt haben noch bzgl. Konzerten, die Sie mit dieser Musikrichtung gegeben haben oder in nächster Zeit geben.

    Nur als quasi „Ergänzung“ kommt da mal das Wort „zeitgenössische Musik“ vor. Da ist alles auf die wohl für die Zither- und Salonmusik und deren Stammklientel von Ihrer privaten PR her abgestimmt. Zugleich aber schreiben Sie hier, es müssten sich mehr Zitherspieler/ und -spielerINNEN trauen, sich für die Neue Musik einzusetzen. Und ein wenig hinter vorgehaltener Hand moquieren Sie sich über die vermeitlich männlichen „Platzhirsche“, die öffentlich das Engagement für Neue Musik anscheinend als ihre Domäne betrachten würden. Es würden angeblich viele, gerade Frauen, dies „im Stillen“ tun…

    Ja warum eigentlich? Und wo liegt die Ursache?
    Da passt für mich etwas nicht zusammen und es passt auch zu dem Gesamtbild, wie sich bisher (vage) der Zithermusikverband bisher verhält: einerseits das schnelle „Neue Musikverbot“-Dementi der Verbandsfunktionäre, die Info über eine Auftragskomposition und dass es nur überlegt werde, IN WELCHER FORM die Neue Musik mehr Beachtung fände…
    Aber man darf gespannt sein und skeptisch bleiben was kommt und wie modern das dann unter diesen Vorzeichen ist…

    Und vielleicht liegt gerade DA das Problem, wie Sie (wie sicher viele andere Zitherspieler auch, die von Auftritten und vom Unterrichten leben): Sie würden sich vermutlich das volkstümliche Publikum, quasi Ihre (nicht böse gemeint!) „Stammkundschaft“ vergraulen, wenn Sie offen zugäben/zeigten, was Sie an Neuer Musik aufgeführt haben und wo. Oder Sie könnten eine vage Angst eben davor haben, denn sonst würden Sie ja wohl diese Dinge auch nennen.

    Und genau da liegt ein Problem. Die Zithermusik LEBT anscheinend immer noch zu sehr von ihren alten Klischees (der „Gefühlsmusik“, „Bauernromantik“, der „Advents-“ oder -“ Kaminheimeligkeit“ etc.). Es ist einfach in den Köpfen der Leute drin. Die Leute haben das Hörklischee aus der Tradition im Kopf, aber es wird auch weiter bedient und somit weiter gefestigt. Und jemand AUS DER Zitherszene bzw. möglichst VIELE LEUTE aus der Szene könnten dieses Klischee bzw. festgefahrene Hörgewohnheiten viel besser bekämpfen als wir „Neue Musik-„Komponisten bzw. Leute von Außen sozusagen…

    Wo nämlich dann die Leute aus dem Volk bzw. Zitherklientel vermutlich sagen werden (wenn nur wir den Mund aufmachen): Aha, die „Verschrobenen“ wollen nur mehr „beachtet“ werden, wieso bleiben sie nicht auf ihren „Spezialistenfestivals“ in Donaueschingen etc. …?

    Und apropos Mut: nur wenn man – ob als Frau oder Mann – öffentlich und im Privatbereich offen zu dem steht was man macht, dann kann man auch etwas bewirken und (auch wenn es lange dauert und den langen Atem erfordert) etwas an dem Klischee und an fest gefahrenen (Hör-)erwartungshaltungen verändern. In diesem Sinne: zeigen Sie doch auch auf Ihrer Website etc. bitte mehr, wie Sie sich für Neue Musik einsetzen.

    Verlassen Sie etwas den „sanften weiblichen Weg“ – wie Sie sagen. Folgen Sie uns Männern, die wir die Revolution wollen! ;-)

    Und wenn Sie Lust haben, schreiben Sie doch einige Komponisten hier aus dem Badblog mal an; vielleicht finden Sie hier die guten Komponisten, mit denen Sie gerne zusammen arbeiten und vielleicht ensteht ja hier durch den Diskurs wieder Neues. Was ich damit sagen will:
    die Szene braucht gerade das offene Engagement für Neue Musik von Frauen wie Ihnen.

    Beste Grüße
    Erik Janson

  23. @querstand,

    vielen Dank für die Tipps.

  24. querstand sagt:

    Sehr geehrter Frau Huber, bester Erik!

    Kolleginnen sind im Blog bisher kaum oder gar nicht zu Wort gekommen. Einige Frauen trugen seit Bestehen allerdings sehr wohl ihre Standpunkte vor, leider mussten oft Frauennamen für anoynme Kommentare herhalten. Das liegt nicht so sehr unbedingt am Blog selbst, auch wenn es hier schon ab und an maskulin platzhirschhaft, wortkeulenschnell von Verbalaustausch bis Wortklatsche zur Sache geht, was auch den Reiz und guten wie schlechten Ruf des Blogs ausmacht. Na ja! Ich bemühe mich an manchen Tagen immerhin bei der x-ten Erwähnung des Wortes „Komponist“ auch mal um die Schreibart „KomponistIn“ oder spreche öde-neutral von „Komponierenden“. Allgemein ist es doch v.a. ein noch immer Bestehendes Faktum, dass Frauen als Dirigentin oder Komponistin eher selten sind. Als Sängerinnen und Musikerinnen sind sie inzwischen nicht mehr ganz so unterrepräsentiert, im mittleren Management wie besonder im PR-Bereich dürfte man auch mehr Weiblichkeit als bei den Autoren vermuten.

    Frau Huber, wie das obere auch nach Ihrem Geschmack eher nicht ist oder ein wenig akzeptabel: Recht haben Sie bei der „Brüllerei“! Allerdings muss ich leider konstatieren, dass ich in meinem Jobleben von Frauen manchesmal ohne vorherige wetterklärende Brüllerei angeschossen worden bin. Also gönnen Sie uns doch das Brülläffische ein wenig… Wie hier „gebrüllt“ worden ist, war aber tatsächlich mehr als bedenklich. Allerdings hat man als Kommentierer hier auch mehr Narrenfreiheit denn als Blogger: ich gehe davon aus, mich zu 100% auf deren Recherche bzw. Glaubhaftigkeit verlassen zu können. Im speziellen Fall ja besonders, da Herr Graham Lack nicht nur Herrn Eggert kontaktierte, sondern mich bspw. auch dezidiert auf Moritz‘ Blogging hierzu hinwies, selbst österreichische Neue-Musik-Landesveranstalter wohl von Herrn Lack kontaktiert worden sein sollen, er also seiner Sache sehr sicher und bewusst sein muss. Also Kontaktaufnahme zu allen Seiten, wo irgendwie „Zither“ draufsteht.

    Hätte in jenem Sinne das vermeintliche Neue-Musik-Verbot nicht seitens des DZB Widerspruch gefunden, hätte man sich tatsächlich in dunklen Zeiten gefühlt. Hätte ich oder haben auch noch andere Personen an die von Moritz angegebenen Kontakte gemailt, hätte die DZB-Aufklärung vielleicht auch noch viel länger gedauert. Spannend war dabei wiederum, wie meine Mail und meine erste Antwort auf Herrn Mader wiederum innerhalb einfacherer Mitglieder des Süd-West DZB kursierten bzw. diese Mitglieder nicht klar ihre Funktion in der eigenen Mail an mich offenlegten, so ehrlich und gut formuliert diese Mails gewesen sein mögen. Ich hoffe nur, dass es jetzt gut ist!

    Liebe DZB-Mitglieder, bitte versucht auch die Position eines Komponisten zu verstehen, der einiges für Euer Instrument geschrieben hat, der diverse unrühmliche Dinge mitbekam. Es sei dazu nun das Kriegsbeil begraben! Die mögliche Wirklichkeit eines ausformulierten Verbots, die erstmal anzunehmende Glaubwürdigkeit dessen (s.o.!!) haben mich zutiefst getroffen. Also jetzt nicht nur ggf. hohe Freude über das Zurückrudern meinerseits, auch ein wenig Verständnis für den vermeintlich „Hörner aufgesetzten“. Das vermisse ich hier tatsächlich ein wenig. Mag Euer Rufwiederherstellungsaufwand gerade immens sein, unternehmt Alles, dass es erst gar nicht wieder zu solchen Verkrampfungen kommen mag. Entscheidungen für Komponisten und/oder Stücke sind oft nicht immer ganz ohne Vorliebe zu fällen, aber z.B. der schon mal angeführte „Call for Scores“ könnte da auch helfen. Denn auch die immergleichen Zitherkomponisten, die es sich leisten können für wenig oder nichts Stücke für das Instrument zu schreiben, sind natürlich auch nicht immer die Namhaftesten und schleppen ein grosses Bündel Frustpotential gegenüber den angeblich „angekommenen“ im Gepäck, oder sind selbst eher als Verbandsberater oder Akademiker angekommen denn auf den grossen künstlerischen Foren. Davon kann ich selbst ein Lied singen. Dies bedeutet aber nicht, dass dies keine ernstzunehmenden KollegInnen sind! Es besteht allerdings die Gefahr, dass zitherische auf kompositorische Do-It-Yourself-Menschen stossen und dabei die Unerfahrenheit im Marketing oder Veranstaltungsmachen beiderseitig unangenehm kollidieren. Was aber genau so wenig heisst, dass z.B. für keine oder lächerliche Eurobeträge organisierende und keine bis marktüblich mehr als geringe Preise dabei konzertierende Festivalmacher wie z.B. Moritz Eggert oder Georg Glasl ihre Arbeit darin schlecht machen würden – im Gegenteil! So erdulden Sie Frau Huber dassalbe Schicksal mit diesen zwei Riesen unser kleinen Metiers…

    Greiz kenne ich tatsächlich noch nicht, dafür kenne ich andere Orte in Sachsen und Thüringen. Aber das ist nicht der Massstab! Niemand kritisiert „den Osten“ und dessen kleine Geldmittel für ein Zitherfestival. Was allerdings auffällt: die Vorankündigung bspw. des Greizer Zithertreffens liest sich wie jede beliebige Einleitung eines örtlichen Tourismusportals. Da denkt man sofort an ausschließlich leichte Klassikprogramme bis hauptsächlich U-Musik, so ernst die auch sein mag. Natürlich muss und will ein hauptsächlich aus Laien bestehender Verband wie der DZB v.a. diese Mitglieder dorthin locken. Geht dies aber nur über allgemein touristische Reize? Hätte man nicht schon allgemein auf die geplanten Projekte verweisen können? Ein wenig mehr Inhalt wäre doch wünschenswert. Im Gegenteil: selbst wenn Projekte dann nicht klappen, ist es doch ein Hinweis auf die Arbeit und die Ideen von so Engagierten wie Ihnen und Herrn Hempel.

    Man könnte dabei jetzt wieder die Angst vermuten, dass Konkreteres, auf Neues Verweisendes die breite Verbandsmasse abschreckt. Sie schreiben von Frauenpower und Stille. Das leise Vorgehen mag hilfreich sein, wenn sich Widerstände kurzfristig nicht beseitigen lassen, man sich allerdings ohne eigene Perspektive aber sonst schnell zurückziehen würde und die angefangene Mühe auf Reform nicht zu Ende bringen könnte, und so doch einen kleinen, bescheidenen, aber ggf. auch doch unsichtbar bleibenden für sich verbuchen kann. Sie klagen ja selbst über ausbleibende Anerkennung auf dem Gebiet. Jetzt kritisierte sogar Erik Janson Sie dafür. Da könnte man de facto schnell Lust bekommen den Bettel hinzuwerfen, wenn nun die Komponistenfront losballert! So kann man Ihnen Ihre Homepage nicht zum Vorwurf machen. Es spricht allerdings schon wieder Bände, wenn ausgerechnet „nur“ der „G’schichten-aus-dem-Wiener-Wald-Walzer“ und der „Dritte Mann“ Sie weltbekannt werden liessen.

    Es fehlt der Zither einfach ein richtig klassisch zu nennendes oder werdendes Repertoire, abgesehen von den kleinen Perlen der leichten Muse! Warum aber verkeilen sich die Menschen ausgerechnet in diesem bescheidenen Repertoire? Um Wagner z.B. machen viele Zither-Laien einen Riesenbogen, pflegen aber dafür Werke, die auch nicht von so ganz unbelasteten Autoren stammen. Ich würde lieber eine Wagner-Paraphrase hören, wie man sie aus antiquarischen Noten kennt. Wobei da natürlich der Widerspruch zwischen Riesenorchester und leiser Zither sofort ins Auge springt. Aber als „Klavier des kleinen Mannes“ ist dann solch eine Paraphrase für Zither wieder verständlich. So stürzen sich die Zither-Profis zu Recht in die Alte Musik, wo der Musiker von Grund auf einen grossen interpretatorischen Freiraum hat in Continuo-Aussetzen wie Auszierung – so genau belegt das sein mag. Und sie setzen sich auf alle Fälle für die gemässigtere Moderne ein, und als zartes Pflänzchen auch für Avantgardistischeres.

    Also liebe Laien des DZB! Eure Profis sind da bereits auf Pfaden, tun es tatsächlich, wo Ihr in Teilen immer noch das Neue fürchtet wie der Teufel das Weihwasser. So macht doch endlich in Massen wenigstens deren Schritte mit. Denn die bisherige Literatur wandert ja nicht in den Orkus, es werden da immer wieder neue Entdeckungen gemacht wie in der alten Musik, ich denke da durch Glasl „infiziert“ z.B. an Dondl. Und die heute neu komponierten Stücke sind doch immer eine schöne Bereicherung und Klangerweiterung, da wird sich genauso Einiges halten und Vieles wieder verschwinden. Aber sind denn jene Profis nur Vollstrecker Eures Geschmacks? Könnt Ihr nicht viel mehr Ihnen Vertrauen? Sie machen doch jetzt sowieso schon die eigentliche Verbandsarbeit. Ich spreche damit garantiert jetzt nicht über alle Laien, viele sind den Schritt schon gegangen. Manche stecken aber noch in Vorstellungen, die einfach unrealistisch sind. Da ist selbst nicht-gespielte Neue Musik realer.

    So zeigt sich aus allen Äusserungen, moi inclus, wie Zither- und lebende Komponistenwelt noch aufeinander zugehen müssen. Ich halte es dabei auch für absolut richtig, dass wir möglichst ehrlich miteinander umgehen – da zeigten BEIDE Seiten immer wieder Defizite, potenzieren sich kleine Unentschlossenheiten plötzlich in maskulines Gebrüll.

    Da fällt mir zu Greiz noch ein: schaut man auf die Seiten der Kirchenmusik der Stadtkirche, könnte doch auf einige andere Kirchen ausgewichen werden, so viel Abstriche man ggf. von den anderen Orgeln machen muss. Aber wäre da nicht die Kirche Pohlitz oder das Bonhöffer-Haus. Im Letzteren findet ja tatsächlich aus Ausweichquartier eine Orgelreihe statt. Der kleinere Rahmen könnte sogar der Zither besseren Raum als eine evtl. zu grosse Kirche verleihen, wobei ich ja die Säle nicht kenne. So ganz ungeeignet können die Übergangsräume aber auch nicht sein, so dass doch ein Kompositionsauftrag möglich gewesen wäre. Sollte dazu gefühlt die Zeit zu knapp sein, dann wagt doch jenen „Call for Scores“! Moritz Eggert könnte hier dafür werben, der Komponistenverband mit einem Mailing an seine fast 1000 oder mehr Mitglieder, so dass selbst in wenigen Wochen noch ein Ergebnis zu erzielen wäre.

    Alles Gute und in Spannung,

    Euer Alexander Strauch

    P.S.: erst infolge der jetzt nötigen Blicke auf die DZB-Webpräsenz fand ich den Hinweis auf den Klangspuren Tirol Zitherblog. Dafür Dankeschön! Super wäre aber auch gewesen, wenn ausser dem „citherplayer“, der interessante Hinweise und Kommentare lieferte, die kleine aber doch sehr aktive Zitherszene mehr kommentiert hätte. Man merkte den Anstieg der Zugriffe, als Frau Dr. Bloderer und ich ein wenig kontroverser aufeinander eingingen. Aber liebe Leute: seid doch einfach mal mutiger, natürlich im Rahmen, den ich hier ganz oben doch arg sprengte, aber traut Euch mehr! Ihr habt so tolle Instrumente, so hervorragende Solisten, so viel Engagement. Nutzt doch einfach gleich das Forum hier, wo Ihr damit nun so übergrell ans Licht getrieben worden seid…

  25. Gertrud sagt:

    Lieber Herr Janson, lieber Herr Strauch, an Alle,
    mein Beitrag und auch meine Website wurde gelesen, beachtenswert kommentiert – vielen Dank! und ich werde mir einige Anregungen zu Herzen nehmen. Aus Zeitgründen möchte ich nur auf zwei Punkte antworten (die Zeit, die liebe Zeit ist es schlichtweg, warum ich den Klangspuren-Blog, den ich in der „heißen“ Phase verfolgt habe, nicht aktiv kommentierte – klingt nach Ausrede, ist aber dennoch so):
    In der Tat wird ganz richtig angesprochen, dass ich in meiner Website mein musikalisches Schaffen nur einseitig darstelle – die Seite, mit der ich zur Zeit überwiegend die Brötchen verdiene. Die Internetpräsenz werde ich überdenken! Aber halt: Nicht, dass ein neues Missverständnis entsteht. Könnte ich meine Brötchen alleine mit der Performance von Neuer Musik bestreiten, würde ich die Volksmusik dennoch nicht lassen, sie dient nicht nur dem Broterwerb – ich „bin“ begeisterte Volksmusikantin!
    Wie geht das nun zusammen: begeisterte Volksmusikantin – will Neue Musik spielen? Das eine schließt das andere nicht aus. Nur beim „einen“ drängt sich mir die Frage auf, ob wir über das Gleiche sprechen: „Volksmusik, Bauernromantik, Advents- und Kaminheimeligkeit, volkstümliches Publikum, Dondl-Infizierung, …“. Läßt uns hier die deutsche Sprache wieder einmal mit eindeutigen Kategorien im Stich? Sind diese Schattierungen der Volksmusik miteinander verwandt, wenn ja wie nah, oder nur befreundet, zufällige Kollegen oder Namensvettern (nach Bruno Nettl, The study of ethnomusicology 2005).
    Diese Volksmusikproblematik mit dem langen Zopf – und trotzdem immer wieder Auslöser für viele Missverständnisse – braucht auch weiterhin Diskussion. Ich würde vorschlagen, lieber Herr Janson, lieber Herr Strauch, setzen wir uns doch einmal zusammen, ich bringe meine emische Sichtweise ein und Sie ergänzen aus dem Standpunkt als etische Betrachter. Bestimmt eine Bereicherung für alle Seiten!
    Und vielleicht haben Sie dann sogar Lust auf eine Zitherkomposition mit „Volksmusikelementen“. Ihre Kollegen haben da bereits wunderbar vorgelegt, ich denke spontan an „Hofanger“ von Fredrik Schwenk oder der „Erratische Block“ von Leopold Hurt mit den Schellackplatten-Zuspielungen alter Volksliedaufnahmen aus dem Innviertel und dann noch eine andere Art, die Zither einzubinden: „Aus der Heimat“ von Saam Schlamminger.
    Ich glaube, auch in der alpenländischen Volksmusik ist – wie in allen anderen „Volksmusiken“ der Welt – eine Mystik eingebunden und gestehe, es kostet sehr viel Mühe und tiefes Eindringen in die so oft misshandelte und missbrauchte alpenländische Musik, um dieses zugeschüttete Element zu entdecken. Jedoch dann diese mystischen Volksmusikelemente eingebunden in Neuer Musik … Sie sehen, ich beginne zu schwelgen und zu träumen.

    Und dennoch respektiere ich, wenn uns nicht alle Zitherspieler und Zitherspielerinnen mit ihren Instrumenten in diese Bereiche folgen wollen oder können, denen das Zitherspiel, wie auch immer gelagert, einfach Spaß und Freude bereitet.
    Es grüßt herzlich
    Gertrud Huber

  26. querstand sagt:

    Liebe Frau Huber,

    mit Volksmusik habe ich ja dezidiert kein Problem, im Gegenteil. Das letzte Stück für 3 E-Zithern, 3 Bläser und 2 Rührtrommeln ist eine Art Mixtur eigener Ländlerfragmente. Ich konnte mir dabei allerdings auch keine Schärfe ersparen so wurde es gegen Ende mal wieder wüst.

    Im bescheidenen Rahmen als Chorleiter stolperte ich neben erlebten Volksmusikabenden über bairische wie steirische Volksmusik. Sie lebe hoch!

    Vor oder gerade während meinem Bass-Zither-Monster „Anhörung“ schrieb ich eine Art palimpsestische Paraphrase über „Dist Du ned bei mir“, was unter den damaligen FFM-Kollegen sehr gespaltene Auffassungen generierte, sich mein Lehrer dafür genierte, der Dirigent seine Freude hatte. Aus langsamen 3/4-Lied wurde ein Geschwind-Scelsi.

    Nun bin ich kein ausgewiesener Volksmusiküberflieger. Dennoch sehe ich gerade in ihr das Rebellische, was ich in meine neue, eigene Musik ziehen möchte. Das macht mich nicht so sehr empfindsam als stur, bockig, laut. Alles Kennzeichen auch der Neuen Musik. Das macht mich zum Forderer, das lässt mich auch mal über das Ziel hinaus schiessen, ich ziehe Fettnäpfchen gerade magisch an.

    Dass Sie meine Sachen nicht kennen, ist nicht tragisch. Freddy Schwenks Porträt durfte ich zB auf Zither x vor ca. 3 Jahren moderieren, beim Erratischen Block war ich Zeuge der UA. Also verstehen Sie mich, wenn ich weiter den DZB und die Zitherei durchschüttle! Der Mut ist bei Euch schon da. Nur noch mehr Traute, das wär was.

    Und so beschwichtigend auch Leopold in Richtung Laien sprach: fordern, forder, fordern, fordern – dann hat man sie ein wenig gefördert. Ich bin da einfach etwas unorthodox, aber so muss ein Komponist sein. Selbst als Erwachsenendozent quäle ich Chor und Orchester – denen macht’s Spass! Meine Musik wird durch Populäres offener, unversehens singt mein notenscheuer Webernklänge im entspr. szenischen Zusammenhang. Einfach mehr kreatives Chaos – das könnte gerade auch Greiz und/oder Folgeveranstaltungen helfen.

    Bzgl. Ihrer Homepage: ich kritisiere nicht keinenfalls Ihre Erfolge mit dem 3. Mann und Strauss. Ich finde es aber schade, dass man als Zithermensch eigentl. nur mit diesen beiden Stücken gefragt ist, dass neben dem wahren, gesunden Traditionalismus gerade der „Durchgeknallten“ so ein anderer kleinlicher, ängstlicher und sehr lauter Traditionalismus letztlich zum Zementieren dieses schmalen Repertoires beiträgt und tatsächlich ernste Komponisten in saudummen Klischees bestätigt. Selbst die hiesigen Mitblogger muss man härtest in Richtung der Zither als ernstzunehmendes Instrument stossen, denken diese doch auch zuerst nur an die o.g. beiden Stücke…

    Bis bald einmal,

    Ihr Alexander Strauch

  27. Liebe Frau Huber, lieber Alexander,

    vielen Dank für Ihre ehrliche Antwort oben. Daraus folgt für mich, dass nicht nur die Zithermusikszene MEHR solcher engagierter Frauen wie Männer braucht wie Sie sondern unsere gesamte Musikszene.

    Für mich ebenso muss sich engagierte Volksmusik, gehobene Unterhaltungsmusik (wie auch immer man das definiert) und das Engagement für Neue Musik keineswegs ausschließen, im Gegenteil. Ich stelle es mir als Herz erfrischende Grenzüberschreitung vor, bzw. auf diesem Feld ist noch nicht sehr viel geschehen und noch einiges möglich und zu erkunden.

    Was mein Komponieren betrifft, so bin ich nicht nur Experimentator mit noch ungefundenem/ unerfundenem Material sondern suche daneben mehr und mehr nach Elementen des Rhythmischen, nach einer Art STILzitaten
    aus anderen Musikgenres (aber so dass ich es auf meine Art umarbeite…). Z.B. in meinem Werk BISS IV (für E.-git und Schlz.) da kommen Klangidiome verschiedenster Gitarristen-Stile vor. In anderen Werken habe ich mich mit indischen Ragas auseinander gesetzt etc. Traf auch in Darmstadt 2010 einen Alphornspieler (Paul Hübner) und ließ mir von ihm die phantastischen Möglichkeiten auf dem Alphorn zeigen.

    @ Alexander:/ Bayerische/Steirische Volksliaderl…:
    Natürlich ist das für mich so eine Sache: ein wenig als Rheinischer Lokalpatriot, der ich mich ja hier schon diverse male „geoutet“ habe, liebe ich natürlich auch die hiesige, auch Rheinisch-Platt-Musik tw. und werde ich mich sicher erst an das Bayerische und Steirische gewöhnen müssen…. (zumindest wenn es um Neues mit Textvertonung/Vokalelementen ginge). Aber der Klang gefällt mir.

    Also, der Anknüpfungspunkte und Ideen gibt es viele…
    Auf zur stillen Revolution.

    Schönen Tag, Grüße aus Düsseldorf,
    E.Janson

  28. curritax sagt:

    Schade, Schade, daß es so enden mußte. Herr Mader ist gegangen. Und was haben wir davon? Nichts. Er hat doch uns aller Interessen vertreten. Warum nur dieser Krieg zwischen E- und U-Musik? Oder glaubt hier wirklich einer, ein 80jähriger Opa würde lieber Herrn Glasl hören als z.B. Herrn Karas? Und wir? Ich habe noch ca. 30 Jahre vor mir, dann bin ich ca. 80 und finde schon jetzt nichts Weltbewegendes an der Musik des Herrn Glasl. Sorry, da mag er einen Uni-Abschluss haben, sogar Prof. sein, Herr K. hat vermutlich nicht einmal Noten-Lesen gelernt. Na und? Nicht Herr G. hat die Zither weltberühmt gemacht, sondern Herr K. Vielleicht sollte man der „alten“ Musik mit mehr Respekt und Liebe begegnen, statt so tu tun, als müßte man ein Instrument bekämpfen.

  29. curritax sagt:

    MfG
    S. Walther

  30. querstand sagt:

    @ curritax:
    Sicherlich hat Karas enorm für das Instrument Zither getan. Jedenfalls geniesst sein eines Stück Weltruhm. Dafür erfährt er Achtung und Verehrung von allen Seiten.

    Warum aber selbstreduzieren Sie eigentlich Zithermusik so vehement nur auf Karas? Es ist schwer Karas und Glasl direkt zu vergleichen, da jeder auf sehr unterschiedlichen Ebenen unterwegs ist bzw. war. Zither ist eben nicht nur die eine sondern auch immer eine andere Zither, ja auch im Rückblick findet man verschiedenste Ausprägungen, sei es Varianten oder nur Nuancen der europäischen oder eben auch die weitergehenden Phänomene auf anderen Kontinenten. Dies nur als Argument für die unglaublichen Facetten dieses eines Instrumentenbegriffs.

    So hat Karas seine Verdienste für die Facetten der Wiener Zither, so hat Glasl seine Verdienste für die Zither in der Neuen Musik, die Belebung der Zither als Barockinstrument. Übrigens: die Bezeichnung Karas‘ Musik als „alte“ Musik ist terminologisch verwirrend. Als „alte Musik“ bezeichnet man Musik des Mittelalters bis zur Frühromantik, all jene Epochen, die man heute mit Mitteln der historischen Aufführungspraxis musiziert. Karas Instrument mag nun die klassische Zither im Sinne der geläufigen Konzertzither sein. Allerdings spielt doch seine Musik zu einem Film, der allein auf medizinischer Ebene die aktuelle Neuzeit bedeutet, die Welt unmittelbar vor dem digitalen Umbruch.

    Wenn Sie den Blog hier aufmerksam verfolgten, würden Sie feststellen, dass die Grenzen zwischen U und E irgendwie fliessend, aufhebend sind – am ehesten bestehen im Sinne der Herkunft eines Musikers, wie er sozialisierst worden ist, oder besonders in Bezug auf die GEMA-Richtlinien der Abrechnung von musikalischen Urheberrechten. Sonst ist hier eher selten „Feindschaft“ auszumachen. Natürlich auch hier im aktuellen Thread auf das E und U der Zithermusik. Ja, selbst die „modernsten“ der Neuen-Musik-Kollegen, welche für dieses Instrument schreiben, geraten durch dieses allerspätestens in kreative Berührung zur „U-Sparte“. Nicht da die Zither U ist, nein natürlich wegen der Literatur. So kreist man um sie, entweder bewusst sich entfernend oder annähernd – das macht halt so als Künstler. Das muss nicht allen gefallen. Verdient aber auch seinen Respekt.

    Um bei K. und G. zu bleiben: Glasl pflegt ja durchaus auf seinen Festivals „Neue“, „Alte“ wie traditionelle Musik der Zither, in allen Facetten, zumindest fast Allen. Das spannende an den Greizer-DZB-Vorgängen ist nun, dass es die Neue Musik hier diesmal besonders schwer hat. Den Respekt der „konservativeren“ DZB-Fraktion schien sie anfänglich nicht gerade zu bekommen. Auch wenn sich da jetzt die Wogen glätteten, wohl auch organisatorische Probleme das Zither-Orgel-Konzert mit Neuer Musik erschwerten (Was ist eigentlich mit all den Vorschlägen geworden, die ich zu Orgelalternativen in und um Greiz machte ?!?), reagiert jene Fraktion hier doch immer wieder übertrieben. Da mag man als Neuer-Musik-Mensch noch so oft generell für die Musik der Zither als Ganzes bekunden, selbst wird man von der konservativen Seite immer wieder in den Orkus gewünscht!!

    Und was nun? Herr Mader ist wohl zurückgetreten. Das hätte er nicht unbedingt tun müssen. Natürlich ging es hier hart, vielleicht auch erstmal zu sehr einseitig, uninformiert zur Sache. Ein Aufeinanderzugehen von Neuer Musik und DZB scheint aber seitens des DZB, wenn ich Sie als Mitglied dessen sehen soll, curitaxx, auszubleiben. Keiner erwartet hier jetzt den totalen Überschwang. Aber statt ins Gespräch kommen ist wohl weiter Gegensatz aufbauen seitens des DZB angesagt, tja, stosse ich natürlich auch wieder ins alte Bockshorn mit meinen Gegenargumenten.

    Es geht hier nicht um Sieger und Kapitulation. Es geht hier um ein näherkommen. Z.B. vermisse ich hier bis heute auch die weitere Information über bestehende, neue Stücke, wie sie hier auch schon einige Zithersolistinnen vorschlugen. Etwas erschreckend fand ich da, dass die entspr. Sachwalterin für Neue Musik des DZB hier zwar Hurt zurecht als Vorbild anbot, aber von weiterer Literatur für die Zither noch kaum etwas wusste, ich mir quasi als Neuling vorkommen musste – immerhin setzte ich bisher Zithern aller Arten ins bis zu 20 meiner Werke ein…

    Ich vermisse also nach wie vor einen wachen, respektierenden und respektablen Dialog. Aber wir vergraben uns hier wohl Alle lieber in Schuldzuweisungen, ich bin davon ja auch nicht ganz frei. Wenn die DZB-Seite wenigstens sich mal dessen auch auf ihrer Ebene bewusst würde!! Aber Offenheit, Selbstreflexion, wie sie hier als Angebot dasteht, wird nicht als offene Hand, sondern mit Jubelgeheul als Einknicken aufgenommen. Also, wo bleibt die offene Hand des DZB’s und seiner Mitglieder? Was ist nun mit der Neuen Musik und der gesamten Tradition zumindest auf kommenden Veranstaltungen, was ist mit den Orgelproblemen? Ich warte auf gerade, gute Antworten. Und wer sind Sie, Herr Walther?

    Gruss, Alexander Strauch

  31. querstand sagt:

    Seite der Greizer-Zithertage:
    http://www.zither-greiz.de/hs_zmt2011.htm. Es gibt am 22.10. das 19 Uhr Festkonzert „Komponisten und Kompositionen (aus) Thüringen und Sachsen“. Gibt es dazu nähere Infos?

    Und wie ich sehen scheint am Sonntag doch ein Orgel-Zither-Gottesdienst zu klappen. Ist dies das Neue-Zithermusik Orgel-Zither-Konzert? Oder konnte man doch keine Lösung finden?

    Interessant finde ich die Vorstellung der E-Zither. Gibt es da schon Infos über die Musikbeispiele? Selbst hatte ich ja zuletzt ein Stück für 3 E-Zithern, 6 Bläser und 2 Rührtrommeln letztes Jahr im Frühjahr komponiert, in bewusster Reibung an alpenländischen Material.

    Gruss,
    Alexander Strauch

  32. Dieser Artikel erweist sich als einer der langlebigsten des ganzen Blogs – vielleicht sollten wir nur noch über Zithern reden?
    Und danke für Deine treffliche Antwort, Alexander, ich hätte es nicht besser sagen können!

  33. otelwoti sagt:

    Ein paar Worte zur Klarstellung:
    – Für die persönliche Diffamierung und den Rücktritt Heinz Maders tragen Herr Lack, Herr Eggert und Herr Strauch die Hauptverantwortung. Die Verbreitung, unkritische Veröffentlichung von Unwahrheiten und der nachfolgende Nazivergleich sind eigentlich nicht entschuldbar und auch eine halbseidene Entschuldigung im nächsten Blogbeitrag schafft hier klarerweise keine Abhilfe. Als Schulkollege von Herrn Strauch hätte ich mir mehr Reflexion erwartet, schade drum. Vielleicht zeigt er als humanistisch gebildeter Ex-KGPler menschliche Größe und entschuldigt sich persönlich bei Herrn Mader? Es wäre überfällig.
    – Der Inhalt des Artikels „No new music“ ist sachlich falsch und ein Produkt freier Interpretation (von Herrn Lack oder Herrn Eggert spielt dabei keine Rolle). Inhaltlich entscheidend ist hier der vierte Absatz, der auf die unwahre Aussage Herrn Lacks Bezug nimmt, es gäbe ein Verbot neuer Musik in Greiz, der Rest hat das Niveau von Waldorf und Statler.
    – Graham Lack und Sabine Frank haben nun schon zweimal dem DZB und seinen Landesverbänden einen „Bärendienst“ erwiesen. Frau Frank nahm ein Ehrenamt an und führte dies zum Schaden aller Mitglieder nicht aus und Herrn Lack ging es allem Anschein nach von Anfang an nur um die persönliche und öffentlichkeitswirksame Verunglimpfung von Herrn Mader. Dank Herrn Eggerts Scheuklappen ist dies auch gelungen, die nur durch einen Link zu erreichende Stellungnahme Herrn Maders entbehrt jeglicher Fairness und sagt eigentlich alles. Glücklicherweise hat der Blog vorsichtig ausgedrückt nur eine geringe Reichweite. Es wäre zu wünschen, daß die verbliebenen DZB-Verantwortlichen, die die Scherben nun aufsammeln dürfen, daraus gelernt haben. Ich wünsche weiterhin gute Zusammenarbeit!
    – Ich rate den Beteiligten einfach HINZUFAHREN, und zwar zu den ZMT nach Greiz. Das Gespräch zu suchen und sich von der Veranstaltung, die man so vollmundig kritisiert hat selbst ein Bild zu machen, gebietet eigentlich der gesunde Menschenverstand. Ich gehe aber davon aus, daß keiner der genannten Herren sich auf den Weg machen wird. Ich hoffe, Sie lernen zumindest aus Ihren Fehlern! Mehr ist Ihnen leider nicht zu wünschen.

  34. Leopold sagt:

    @curritax (S.Walther)

    Anton Karas hatte die historische Chance genutzt, durch seine Musik ein epochales Ereignis der Filmgeschichte mitzuprägen. Das war zweifelsohne ein besonderer Glücksfall für ein Instrument, das schon zu jener Zeit im Begriff war, ein Nischendasein zu fristen. Sich aber auf diesen Chart-Erfolg der Nachkriegszeit auszuruhen, wie Sie, Herr Walther, es propagieren, wird sich auch in weiterer Zukunft als fatal herausstellen. In diesem Sinn ist es zwar sehr rührig, wie Sie sich um die musikalischen Vorlieben von „80jährigen Opas“ (so Ihre Worte) kümmern, aber bedenken Sie dabei auch die Bedürfnisse des für das Überleben der Zither dringend notwendigen Nachwuchses? Abgesehen davon, dass ich auch viele ältere Menschen (auch „80jährige Opas“) kenne, die sich sehr wohl für Neue Musik interessieren, wird eine Versammlung von Senioren, die am liebsten nur einem 40er-Jahre-Schlager lauschen möchte, junge Leute heute kaum davon überzeugen, ein im Grunde so vielseitiges Instrument wie die Zither zu erlernen.

    Ihr polemischer Seitenhieb auf Musiker mit „Uni-Abschluss“ ist somit in vielerlei Hinsicht kurzsichtig. Er ist vor allem ein Schlag in die Gesichter der vielen jungen Menschen, die sich trotz der unsicheren finanziellen Aussichten eines Musikerdaseins dafür entschieden haben, über ein anspruchsvolles Studium ihr künstlerisches Leben diesem Instrument und der gesamten dafür entstandenen Literatur zu widmen.
    Übrigens, zu Ihrer Information: Anton Karas konnte sehr wohl Noten lesen, außerdem hatte er von 1924-1928 an der Wiener Musikakademie studiert.

    Um das Überleben des Instruments zu gewährleisten, müssen alle Möglichkeiten wahrgenommen werden, die Zither im Konzert- und Festivalbetrieb zu etablieren. Dafür baucht man ohne Zweifel gut geschulte und musikalisch kritisch denkende Profis. Durch den kulturpolitischen Einsatz des DZB konnten junge Zitherspieler glücklicherweise schon vor einigen Jahrzehnten bei „Jugend musiziert“ teilnehmen. In jener Zeit war das eine günstige Chance, das Instrument vor dem Aussterben zu bewahren und wieder für breiteres Publikum attraktiv zu machen. Eine Vorraussetzung war aber schon damals, dass zukünftig mehr Literatur für das Instrument geschaffen wird, und dass der Nachwuchs im Musikunterricht an ein professionelles Niveau herangeführt wird. Entscheidend ist hier also Qualität und künstlerische Reife. Dazu braucht man verständlicherweise professionelle Lehrkräfte, die sich mit Musik über ein allgemeines Laien-Niveau hinaus zu beschäftigen wissen, sowie Komponisten von überregionalem Format.

    Und genau hier liegt die „weltbewegende“ Leistung (um Ihren Ausdruck zu verwenden) von Georg Glasl. Er bildet junge Lehrer und Solisten auf allerhöchstem Niveau aus, erweitert die Literatur in alle Epochen hinein, und vor allem hatte er von Anfang an ein großes ästhetisches Gespür dafür, aktuell wirkende Komponisten für das Instrument zu gewinnen. Diese Arbeit ist mitunter nervenaufreibend und zum großen Teil selbstlos, eine Herabwürdigung erweist sich also als höchst unangebracht. Denn nicht zuletzt profitieren auch Laien-Zitherspieler enorm von dieser kleinen, sich mühevoll einsetzenden Gruppe anerkannter Profis, die neue Literatur heranschaffen, und sich erfolgreich um Auftrittsmöglichkeiten sowie um die Erschließung neuer Hörerschichten kümmern.

    Die Vielfalt in den Werken zeitgenössischer Komponisten ist in diesem Zusammenhang äußerst wertvoll, denn gerade dadurch kann bewiesen werden, dass die Zither eine zeitgemäße Daseinsberechtigung jenseits aller Klischees hat, die sich sonst durch eine einseitige Ausrichtung des Repertoires weiter in die Köpfe des Publikums einbrennen würden (und ich denke dabei an das gesamte musikinteressierte Publikum in unserem Kulturleben, nicht nur an Zither-Vereinsmitglieder). Diese Komponisten, die sich somit mittelbar für den Erhalt eines Instruments einsetzen, sollten von einem Verband wie dem DZB gefördert und honoriert werden, und eine Aufführung bei den Zithermusiktagen (als ein Programmpunkt unter vielen) wäre hierfür doch eine hervorragende Gelegenheit. Der für das Instrument ungemein produktive Alexander Strauch ist nur ein Beispiel dafür. Oder kennen Sie etwa schon die Kompositionen für Zither von Sandeep Bhagwati, Georg Friedrich Haas, Franz Hautzinger, Wilfried Hiller, Martin Jaggi, Manuela Kerer, Peter Kiesewetter, Andrej Koroliov, Johannes Kreidler, Bernhard Lang, Volker Nickel, Helga Pogatschar, Johannes Schachtner, Dieter Schnebel, Fredrik Schwenk, Hannes Seidl, Manfred Stahnke, Gerhard E. Winkler, Christian Wolff, Walter Zimmermann,… um nur einige der letzten Jahre zu nennen?

    Übrigens: ein „Krieg“ zwischen E- und U-Musik existiert in diesem Zusammenhang nicht. Zu ihrer Information sei gesagt, dass beispielsweise das Studium in München Alte Musik, traditionelle Volksmusik, historische Zitherliteratur, U-Musikalisches und Zeitgenössische Musik gleichermaßen im Unterricht integriert, sofern die Stücke einem gewissen musikalischen Anspruch genügen. Selbstverständlich werden je nach Bedürfnis des Studenten Schwerpunkte gesetzt oder Defizite aufgeholt, aber von „bekämpfen“ kann hier keine Rede sein. Auch zum Thema Anton Karas ist zu bemerken, dass Georg Glasl einmal einen bedeutenden Festival-Schwerpunkt zu dem Phänomen „Der dritte Mann“ gesetzt hatte. Eine solche intensive Auseinandersetzung mit dieser Musik habe ich in der Vereins-Zitherszene bisher nicht erlebt. Sie sehen, an Vielfalt und Wertschätzung, oder „Respekt und Liebe“, wie Sie sich ausgedrückt haben, mangelt es seitens der Musiker mit „Uni-Abschluss“ wohl kaum.
    Dass sich dann einige wenige (und ich spreche hier ja wirklich nur über „wenige“) Zitherspieler im Laufe ihres Lebens auf bestimmte Bereiche, wie z.B. zeitgenössische oder Alte Musik spezialisieren, ist für die kulturelle Identität des Instruments notwendig und im häufigsten Falle ein Ausdruck eines großen persönlichen Enthusiasmus. So etwas zu verunglimpfen, wie ich es in der Vergangenheit aus konservativen Zither-Kreisen heraus erlebt habe, ist, gelinde gesagt, peinlich und für die gesellschaftliche Stellung des Instruments kontraproduktiv.

    Zu viele Fragen bleiben weiterhin offen.
    Warum wurden beispielsweise keine Zither-Studenten, keine international tätigen Zither-Solisten und Komponisten zu den Zithermusiktagen eingeladen? So groß ist die kleine Zither-Welt nun leider nicht, als dass man sich einen solchen Verzicht leisten könnte.
    Wie sollen sich interessierte Laien von der technischen und künstlerischen Qualität der aktuellen Szene überzeugen können, wenn seitens der Zithermusiktage dafür kein Podium geboten wird? Allein dadurch entsteht eine Vielzahl von Ressentiments.

    Wie Sie, Herr Walther, habe auch ich Herrn Mader als jemanden erlebt, der mit großem Interesse neue Entwicklungen verfolgt hat. Nur sollten jetzt von den neuen Vorständen des DZB Taten folgen. Ich hoffe, dass der Verband die hier entstandene, kritische Öffentlichkeit für seine Zwecke zu nutzen weiß. Es gäbe doch vieles, mit dem man sich öffentlich schmücken könnte.
    Vor einiger Zeit wurde hier beispielsweise von Gertrud Huber die geringe Beachtung von Frauen in der Neuen Zitherszene bemängelt. Jedoch waren allein im letzten Internationalen Wettbewerb für Zither in München (2010) drei von vier Preisträgern Frauen (übrigens alle aus Slowenien stammend)! Die Zithermusiktage wären auch hier eine prima Gelegenheit (gewesen), diese jungen, künstlerisch starken Musikerinnen zu präsentieren. Leider wurden auch sie nicht eingeladen.

    Viele Grüße,
    Leopold Hurt

  35. @otelwoti:
    Ach, die Zitherwelt ist schon lustig – von der einen Seite bekommt man Lob und den Kommentar „genauso ist es“ zu diesem Artikel, die anderen (wesentlich weniger) verdammen einen und geben einem die Schuld am Zusammenbruch des römischen Imperiums und den beiden Weltkriegen.
    Tatsache ist: Mit Herrn Mader kommunizierte ich ausführlich und bot ihm an, seine Seite der Dinge unzensiert darzustellen. Genau das geschah dann auch (einfach dem Link oben folgen, „Zithermusiktage, die Zweite“). Beide Seiten kamen also gleichermaßen zu Wort.

    Seinen Rücktritt mir jetzt als Ziel einer von mir initiierten Hetzkampagnae darzustellen ist nicht nur billig und erbärmlich sondern faktisch einfach falsch.

    Mir sind ehrlich gesagt die Machtverhältnisse in der Zitherwelt ziemlich schnuppe, ich freue mich nur über gute Neue Zithermusik und gute Zitherspieler. Wenn Herr Lack hier bewusst Fehlinformationen ausgestreut hat, so muss er das mit sich ausmachen, ich habe auf jeden Fall keine Lust, hier Gedankenpolizei zu spielen und ihm das zu unterstellen.
    Die vielen, vielen ermunternden Zuschriften aufgrund dieser Artikel zeigen mir eher, dass hier doch irgendetwas nicht ganz so rund lief wie Sie, Herr Otelwoti oder wie auch immer, es gerne darstellen würden.

    Moritz Eggert

  36. querstand sagt:

    @ otelwoti: es ist Alles gesagt, Hin und Her, Klarstellungen, etc. Was der DZB intern austrägt, das weiß nur er selbst. Statt in Kommunikation zu treten, erreichen hier weiterhin anoyme Beiträge, wie Ihrerselbst, wie jener curritaxens, wer auch immer S. Walther sei. Es wurde die Klamottenkiste Karas vs Glasl eröffnet, es tauchen hier jetzt Vorwürfe gegen eine Fr. Frank auf. Was sagt eigentl. der DZB selbst dazu?! Forderungen über Forderungen nach was auch immer. Ich bleibe bei meinem Statement: gerne mehr Offenheit beiderseits, mehr Vorsicht in Zukunft. Eine Entschuldigung, mit Einschränkungen, erfolgte hier ja, bitte einfach mal oben lesen. Ansonsten wenn Kommunikation, dann normale, offene, keine anonyme. Und Alles weitere ist gesagt. Wo bleiben die Antworten darauf?

    Alexander Strauch