Neue Musik / Musikfeature: Die Radio-Woche vom 3. bis 09. April 2017

Neue Musik und Musikfeatures in der Kalenderwoche 14. Es lässt sich nicht übersehen, in dieser Woche hat Salvatore Sciarrino Geburtstag. 70 Jahre wird er. Gleich drei Sendungen beschäftigen sich mit ihm: rbb-kultur (3.4.), BR-KLASSIK (4.4.) und Ö1 (auch am 4.4.). Da darf man gespannt sein, wie die drei Portraits ausfallen werden. Nix neues gibt es von der Suchmaschine der ARD. Nach wie schaffen es BR-KLASSIK (teilweise) und rbb-kultur (komplett) nicht, ihre Sendungen zum Thema Neue Musik zu melden.

Besondere Aufmerksamkeit verdient allerdings das Podcast Angebot des Schweizerischen Rundfunks „Musik unserer Zeit“: Circa zwei Monate lang bleiben dort die Sendungen erhalten. Etwas, wovon man in Deutschland eher nur träumen kann.

  • Alle bekannten Stream-, Web- und RSS-Adressen finden sich bei Stefan Hetzel.
  • Alle Angaben ohne Gewähr. Änderungen vorbehalten.

03.04.2017 (Montag)

21:04 | rbb-kultur
Musik der Gegenwart – MUSIK DER GEGENWART: Salvatore Sciarrino zum 70. Geburtstag

Eine schillernde, sich oft an der Grenze des Hörbaren bewegende Musik ist eines der Markenzeichen des italienischen Komponisten. Jenseits von Dogmen, Schulen und Richtungen hat er eine assoziationsreiche, sinnliche Musiksprache erschaffen, die gerade dadurch eine intensive psychologische Komponente aufweist. Sich selbst betrachtet Salvatore Sciarrino als Autodidakt: „Ich mußte ganz von vorne beginnen, mir den Umgang mit den Instrumenten mit Hilfe einer unberührten Hand und eines jungfräulichen Ohrs auf der Grundlage eines Experiments zwischen Primitivismus, Ordnung und …

23:03 bis 00:00 | SWR 2
SWR2 JetztMusik: Alvin Lucier – der Alchemist der Echos und Resonanzen
Von Theresa Beyer (Produktion: SRF 2016)

Klänge faszinieren ihn, das Erforschen physikalischer Phänomene, Instrumente und Klangerzeuger aller Art. Seine Kompositionen sind Versuchsanordnungen, und die Hörer seiner Musik werden zu Teilnehmern an einer besonderen Situation. Dieser Tage ist er zu Gast beim Avantgarde-Festival MaerzMusik in Berlin: der US-amerikanische Musikerfinder Alvin Lucier. Ein Urgestein der Klangarbeit: 2016 feierte er seinen 85. Geburtstag. Theresa Beyer widmet ihm ein Porträt, in dem er selbst, aber auch die Sängerin Joan La Barbara, der Cellist Charles Curtis und die Klangkunstexpertin Sabine Sanio zu Wort kommen.

23:08 | OE1
Zeit-Ton: Zeit-Ton Porträt. Klaus Kuchling, Domorganist in Klagenfurt.

Klaus Kuchling ist seit 1992 Domorganist am Dom in Klagenfurt. In den 25 Jahren seines künstlerischen Wirkens setzte er immer wieder zeitgenössische Akzente in seinem Wirkungsbereich. Er zeichnet verantwortlich für die Initiierung von Kompositionsaufträgen, CD-Produktionen mit außergewöhnlichen Inhalten oder auch für Konzerte unter Einbeziehung anderer Kunstformen und Medien. In den letzten Jahren ist es mehrfach zu Uraufführungen von Werken von Alfred Stingl, Peter Planyavsky, Bruno Strobl und anderen Komponisten aus dem Kärntner Raum gekommen, bei denen Musiker in unterschiedlichen Ensembles gemeinsam mit Orgel musiziert haben. Dabei kann der Domorganist aus zwei Orgeln wählen: Die 30 Jahre alte Mathis-Orgel auf der Westempore ist das Hauptinstrument, seit dem Frühjahr 2016 steht im Altarraum die neue Marienorgel der Firma Rieger. So nimmt auch die Musik für zwei Orgeln immer wieder einen hohen Stellenwert ein. Der stilistische Bogen in der zeitgenössischen Musik im Klagenfurter Dom reicht von experimentellen Werken über eher „klassische Moderne“ bis hin zu mehr oder weniger ausgeprägter Affinität zum Jazz. Angelika Benke bringt in diesem „Zeit-Ton“ einen Ausschnitt aus dem Schaffen von Klaus Kuchling, der für die zeitgenössische Musik im Klagenfurter Raum von maßgeblicher Bedeutung ist.


04.04.2017 (Dienstag)

00:05 bis 01:00 | Deutschlandradio Kultur
Neue Musik: „The law of the good neighbour“. Freie Assoziation als Kompositionsprinzip bei Lars Petter Hagen

Von Leonie Reineke. Der norwegische Komponist und Kurator Lars Petter Hagen bringt Erinnerung in neue Ordnungen.

00:12 bis 02:00 | Bayern 2
Concerto bavarese: Bayerische Komponisten

Chick Corea/Nicolas Economou: Duett (Chick Corea, Nicolas Economou, Klavier); Viera Janárceková: Doppelkonzert (Oliver Klenk, Klarinette; Stefanie Schumacher, Akkordeon; Quasars Ensemble); Robert Owens: „Drei Jugendgedichte“, op. 20 (Kieth Engen, Bass; Robert Owens, Klavier); Carl Mansker: Variationenen und Improvisationen über ein Thema von Mompou, op. 38 (Carl Mansker, Klavier); David Llywelyn: „Apokalypse“, Toccata (Karl Maureen, Orgel; Norbert Großmann, David Llywelyn, Klavier; Michael Lewis, Schlagzeug); Gloria Coates: Symphonie Nr. 7 (Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks: Olaf Henzold)

22:30 bis 23:00 Uhr | BR-KLASSIK
Horizonte: Abstrakte Malerei mit Tönen. Zum 70. Geburtstag des Komponisten Salvatore Sciarrino

Von Ulrich Möller-Arnsberg. Der 1947 im sizilianischen Palermo geborene Komponist Salvatore Sciarrino entwickelte im Kindesalter ein großes malerisches Talent, bevor er sich der Musik zuwandte. In seinen ersten Werken hat Sciarrino die Musik aus dem Blickwinkel eines Farbkünstlers betrachtet. So schuf er etwa Solowerke für Flöte und Violine, in denen er sich mit der spektralen Wirkung von Flageolett-Tönen beschäftigte. Mit der erfolgreichen Uraufführung seiner ersten Oper „Amor e Psiche“ 1973 in Mailand wurde Sciarrinos ganz eigene szenischen Konzeption von Bühnenstücken bekannt. In der Reihe „Horizonte“ porträtiert Ulrich Möller-Arnsberg den italienischen Komponisten, der an den Konservatorien von Mailand, Perugia und Florenz lehrte und heute im umbrischen Città di Castello lebt. Sciarrino wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, unter anderem 2006 mit dem Musikpreis Salzburg.

23:03 bis 00:00 | SWR 2
SWR2 ars acustica: Evakuation – Revisited – Hörstück von Thomas Köner
auf der Grundlage der gleichnamigen Klanginstallation für die Donaueschinger Musiktage 2016. Musik und Realisation: Thomas Köner (Produktion: SWR 2017)

Es hat mittlerweile Tradition, dass auf dem international renommiertesten Festival für Neue Musik, den vom SWR mit veranstalteten Donaueschinger Musiktagen, Klangkunstwerke in Auftrag gegeben werden. Die Grenzen zwischen Klangkunst und Hörspiel sind jedoch fließend. Materialästhetisch mögen sie vielfach auf gleichen Füßen stehen, unterliegen aber produktions- wie rezeptionsästhetisch anderen Konzepten: So ist ein Mitschnitt von Klanginstallationen für die Radio-Sendung häufig unbefriedigend. Denn die Arbeit am Klangmaterial orientiert sich in der Regel bei der Installation am Kontext (öffentlicher) Raum, Performance und bildende Kunst, während im Hörspiel als Orientierungsmaßstab gilt, Studiotechnik nur in ihrer Wirkung auf den Lautsprecher zu denken und zu nutzen.
Die Grenzen fließend zu gestalten, aber Unterschiede zu markieren, in jedem Falle aber das Medium ästhetisch ausreizen, denn das Gleiche ist nicht dasselbe – das ist der konzeptionelle Ausgangspunkt dieser Zusammenarbeit zwischen Neuer Musik und Hörspiel des SWR, die ein Klangkunstwerk aus Donaueschingen in dem Hörspielkontext transferiert, in die „Postproduction für zwei und mehr Lautsprecher“. Der DJ und Audiokünstler Thomas Köner macht mit seiner Arbeit „Evakuation“ den Anfang.

23:08 | OE1
Zeit-Ton: Leise und insistierend. Zum 70. Geburtstag von Salvatore Sciarrino

Gestaltung: Reinhard Kager. Zarte, feinst ausbalancierte Vokallinien sind zweifellos die Spezialität des sizilianischen Komponisten Salvatore Sciarrino. Mit seinem in der Madrigalistik des Frühbarock wurzelnden Vokalstil hat Sciarrino eine unverwechselbar eigene Musiksprache entwickelt, die auch für das Opernschaffen des 1947 in Palermo geborenen Künstlers prägend ist: Meist auf wenigen Tönen insistierende, nahezu rezitativische Linien, die sich nach variantenreichen Wiederholungen in Verzierungen oder Intervallrepetitionen auflösen. Nicht nur als Schöpfer bahnbrechender Musiktheater, wie „Luci mie traditrici“, „Macbeth“ oder „Da gelo a gelo“, sondern auch als Komponist von wichtigen Kammermusikwerken und Klavierstücken erwarb sich Sciarrino, dessen siebzigstem Geburtstag dieses „Zeit Ton“-Porträt gewidmet ist, große Verdienste.


05.04.2017 (Mittwoch)

00:12 bis 02:00 | Bayern 2
Concerto bavarese: Fränkische Komponisten

Andreas Dohmen: „Latah“ (IEMA-Ensemble 2015/16: Pablo Druker); Walter Zimmermann: 15 Zwiefache, transzendiert für Gitarre (Ensemble Saitenwirbel); Gerald Eckert: „An den Rändern des Maßes“ (Ensemble Reflexion K: Gerald Eckert); Werner Heider: „Initialen“, Etüde (Dorian Keilhack, Klavier); Klaus Ospald: „Così, dell’uomo ignara …“ (Collegium Novum Zürich: Peter Hirsch); Volker Blumenthaler: „Canto“ (Siegmund von Hausegger, Violoncello); Wilfried Jentzsch: „Paysages SM“ (Tatsuo Inada, Tuba; Wilfried Jentzsch, Tonband)

20:00 Uhr, Radio SRF 2 Kultur
Once around the world. Mike Svoboda und die musikalischen Reisen

Ein Dialog zwischen dem Dirigenten und seinem Urgrossvater, der alte Postkarten und Schellack-Aufnahmen auf seinen musikalischen Forschungsreisen rund um den Globus gesammelt hat: Pro Reisestation eine Einspielung – deren Klang greift das Orchester auf, verwandelt und kommentiert – und reicht ihn dann weiter in die Klangwelt der nächsten Reisestation zu. Das neueste Projekt des Komponisten, Posaunisten und Klangerfinders Mike Svoboda. Und Einsichten in sein reiches musikalisches Leben.

21:04 | rbb-kultur
Musik der Gegenwart – Neue Musik aktuell. CDs und Veranstaltungen. Am Mikrofon: Andreas Göbel.

  • Nikolaus Brass: Streichtrios. TrioCoriolis. NEOS 11512
  • George Lewis: Creative Construction Set. Splitter Orchester. mikroton cd 50
  • Borowski, Holz, Keller: Klangrede. Zafraan Ensemble. Titus Engel. bastille musique CD 4
  • Gabriel Iranyi: Wie man zum Stein spricht. Sabine Akiko Ahrendt, Violine. Dominik Susteck, Orgel. kreuzberg records kr 10123
  • Tigran Mansurian: Requiem. RIAS Kammerchor. Münchener Kammerorchester. Alexander Liebreich. ECM New Series 2508
  • GrauSchumacher Piano Duo, Deutsches Symphonie-Orchester Berlin, Brad Lubman: Concerti III. Werke von Francis Poulenc, Colin McPhee und John Adams. NEOS 21703
  • Lorelei Dowling, Fagott: I Was Like WOW. Neue Musik für Fagott. TYXart TXA16081
  • Michael Barenboim, Violine: Werke von Béla Bartók, Pierre Boulez u. a. Accentus Music ACC 30405
  • Musica Viva 26: Werke von Salvatore Sciarrino. Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks. Tamara Stefanovich, Klavier. Carolin Widmann, Violine. Susanna Mälkki, Jonathan Nott. NEOS 11626

21:19 bis 22:00 | NDR Kultur
neue musik: Präzision und Leidenschaft – der Schlagzeuger Alexej Gerassimez

Von Margarete Zander. Er gehört zum Kreis der handverlesenen Musiker, die im Projekt von Sasha Waltz Anfang Januar im Foyer der Elbphilharmonie dabei sein durften. Der 1987 in Essen geborene Percussionist fasziniert durch fließende Übergänge von der Improvisation zum komponierten Werk. Bei den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern wird der einstige Sadlo-Schüler im Sommer einen Film des NDR mit spektakulären Luftaufnahmen musikalisch begleiten. Ein bisschen darüber wird er schon verraten.

23:03 bis 00:00 | SWR 2
SWR2 JetztMusik: SWR JetztMusik in Freiburg. Experimentalstudio des SWR Freiburg
(Konzert vom 12. März 2017 im Schlossbergsaal, Freiburg)

Ensemble Experimental: Séverine Ballon (Violoncello). Leitung: Peter Tilling. Mauro Lanza: „La bataille de Caresme et de Charnage“ für Violoncello und Tonband (2012). Steingrimur Rohloff: „Magic Number“ für Violoncello und Elektronik (UA). Franck Bedrossian: „The Spider as an Artist“ für Violoncello solo. Jonathan Harvey: „Three sketches“ für Violoncello solo (1989). Klaus Ospald: „Quintett von den entlegenen Feldern“ für Klarinette, Klavier, Violine, Viola, Violoncello und Live-Elektronik (2014).
Für wen wird eigentlich komponiert? In erster Linie vielleicht doch für Musiker. Und gerade solistische Werke müssen den Interpreten fast schon wie ein exakt geformtes Kleid an den Leib angepasst werden. Solche „Leibstücke“ bilden das Kernrepertoire der Cellistin Séverine Ballon, die sich als herausragende Interpretin der Neuen Musik einen Namen gemacht hat. Die Werke von Mauro Lanza, Steingrimur Rohloff und Franck Bedrossian wurden maßgeschneidert für sie komponiert. Ergänzt wird das Maßgeschneiderte durch einen Klassiker von Jonathan Harvey. Mit dem Ensemble Experimental und dem Experimentalstudio des SWR Freiburg kann Séverine Ballon aber in diesem Programm auch als Teamplayer erlebt werden. Und das Zusammenspiel von Mensch und Technik in diesen Werken schließt zur offenen Frage: Für wen wird eigentlich komponiert?

23:08 | OE1
Zeit-Ton: Neue Musik vor fünfzig Jahren. Vier exemplarische Kompositionen aus dem Jahr 1967. Gestaltung: Reinhard Kager

Die vier Kompositionen könnten kaum unterschiedlicher sein, aber sie haben eines gemeinsam: Sie sind alle vor fünfzig Jahren, also 1967, entstanden. György Ligetis Klangflächenkomposition „Lontano“ zählt mittlerweile zu den Klassikern der Nachkriegsmoderne. Am ähnlichsten ist „Lontano“ noch das Orchesterstück „Echoes of Time and the River (Echoes II)“ von dem Amerikaner George Crumb, der nicht nur die traditionelle Orchesteraufstellung aufbricht, sondern die Musiker/innen auch geheimnisvoll wispern und kammermusikalisch luzid spielen lässt. Pierre Henrys „Messe pour le temps présent“ erschließt hingegen völlig andere Klangwelten: Eine gemeinsam mit Michel Colombier konzipierte Tanzsuite für das Béjart-Ballett, in die der französische Meister der „Musique concrète“ auch Elemente des damaligen Psychedelic Rock integriert. Fast nostalgisch muten dagegen die Sieben Romanzen nach Alexander Blok, op. 127, von Dimitri Schostakowitsch an. Melancholische Lieder für Sopran, Violine, Violoncello und Klavier, die durch ihre Kargheit und Klarheit beeindrucken und so gar nicht zum erwarteten Pomp anlässlich des 50. Jahrestages der Oktoberrevolution passten. Die Musikviertelstunde des Radiokollegs in dieser Woche (Mo bis Do jeweils um 09:45 Uhr) fortspinnend, sind längere Ausschnitte aus den genannten Werken in dieser „Zeit Ton“-Sendung zu hören. Eine Sendung im Rahmen des Schwerpunkts „Baujahr 67 – Zeitreisen mit Ö1“.



06.04.2017 (Donnerstag)

00:05 bis 01:00 | Deutschlandradio Kultur
Neue Musik: MaerzMusik. Festival für Zeitfragen. Radialsystem V, Berlin
Aufzeichnung vom 20.03.2017

Memory Space: Chennai – Berlin (1/3) . Claude Vivier: „Learning“ für vier Violinen, Schlagzeug und Zuspielband (1976). Giacinto Scelsi: „Manto“ für eine singende Viola-Spielerin (1957). Karnatische Musik für Bambusflöte und Mridangam. Shantala Subramanyam, Bambusflöten, Anantha Krishnan, Mridangam/Tabla, Ensemble KNM Berlin

00:12 bis 02:00 | Bayern 2
Concerto bavarese: Bayerische Komponisten

Paul Vincent Gunia: „Changes on a summerday“; „Discussions“ (Sonnleitner Streichquartett); Karl Amadeus Hartmann: Konzert (Tatjana Masurenko, Viola; Frank-Immo Zichner, Klavier; Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin: Marek Janowski); Enjott Schneider: Vier Gedichte nach Hermann Hesse (Peter Ullrich, Bariton; Dorothea Hoffmann, Klavier; Günter Andrich, Marimbaphon); Bertold Hummel: Konzert, op. 70 (Peter Sadlo, Schlagzeug; Bamberger Symphoniker: Wolfgang Rögner); Josef Anton Riedl: „Paper Music“ (Michael Lenz, Michael Hirsch, Performer; Zoro Babel, Klangregie); Wolfgang Jacobi: Divertissement (Ivana Dvoráková, Akkordeon)

20:04 bis 22:30 | SR2 KulturRadio
Mouvement: Wiederentdeckt: das Mixtur-Trautonium

Gespräch mit Peter Pichler. Kompositionen von Harald Genzmer und Paul Hindemith u.a.

21:30 bis 22:30 | hr2-kultur
Neue Musik: In achtzig Jahren um die Welt – Der Komponist Thomas Kessler
Porträtiert von Michael Hoeldke

Die ästhetischen Einflüsse des 1937 in Zürich geborenen Komponisten Thomas Kessler könnten unterschiedlicher kaum sein: Ernst Pepping, Tangerine Dream und Morton Feldman sowie – in den letzten Jahren – Poetry Slam. 1965 gründete er ein eigenes elektronisches Studio und realisierte dort sogleich einen Tonband-„Countdown für Orpheus“. Gleichwohl kümmerte er sich neben etlichen arrivierten Lautsprecher-Kompositionen auch um die Genres der Kammer- und Orchestermusik und setzte hier ebenfalls „utopische“ Impulse. Drei seiner Werke taufte er auf den Namen „Utopia“, weil er sich anfangs nicht vorstellen konnte, dass er sie je realisieren würde und dass sie je aufgeführt werden würden. Das ist dem stetig reisenden Thomas Kessler, der in Kanada, Deutschland, Frankreich und in der Schweiz wohnt, geglückt. Michael Hoeldke porträtiert den Komponisten. http://www.hr-online.de/website/radio/

22:30 bis 23:00 Uhr | BR-KLASSIK
Horizonte: die Sendereihe für Neue Musik auf BR-KLASSIK

Ataç Sezer: „time loop“; Michael Emanuel Bauer: „Superflat“; Norbert R. Stammberger: „re-recording no. 20.160618.210433“; Gloria Coates: „Fleeing“; Alexander Strauch: „Komma-Sequenz“ (MGNM Festivalensemble: Peter Hirsch); Volker Nickel: Vier japanische Miniaturen (Claire Sirjacobs, Oboe; Oliver Kenk, Klarinette; Sachiko Hara, Klavier); Peter Ruzicka: „Stille“ (Yves Savary, Violoncello)


07.04.2017 (Freitag)

00:05 bis 01:00 | Deutschlandradio Kultur
Klangkunst: Mycelium. Von Antye Greie-Ripatti (AGF)
Produktion: Deutschlandradio Kultur 2016. Länge: ca. 50′. (Ursendung)

Das Fadengeflecht der Pilze als Metapher für Vernetzung von Aktivist*innen in Politik und Kunst. Sie wachsen im Verborgenen und bilden dennoch die größten Lebewesen der Welt: Mycelien, die unterirdischen Fadengeflechte der Pilze. Darin sieht die Klangkünstlerin Antye Greie-Ripatti eine Metapher für politischen Aktivismus im Zeitalter des Internet. Auch hier vernetzen sich im Untergrund kleine Zellen, um Großes zu bewirken. Für ihre Radiokomposition ‚Mycelium‘ sonifiziert Greie-Ripatti deshalb die Lebensfunktionen der Waldgewächse und kontrapunktiert sie mit Stimmen von Aktivistinnen und Aktivisten aus der ganzen Welt. So entsteht ein vielsprachiges Klanggeflecht, das eine leise, aber nachhaltige Utopie transportiert: Gemeinsam sind wir stark. Antye Greie-Ripatti (AGF), geboren 1969 in Ostdeutschland, lebt als Klangkünstlerin, Vokalistin, Produzentin und Musik-Aktivistin in Hailuoto/Finnland.

00:12 bis 02:00 | Bayern 2
Concerto bavarese: Fränkische Komponisten

Christoph Wünsch: Konzert (Lutz Koppetsch, Saxophon; Tiroler Kammerorchester INNstrumenti: Gerhard Sammer); Lorenz Schmidt: „Zungri“ & Martina Müller-Wagner, Gedichte zu Raum und Zeit (Ingo Pfeiffer, Sprecher; Jörg Wiedersich, Flöte; Lorenz Schmidt, Gitarre); Stefan Hippe: Nachtmusik Nr. 1 (Kolja Lessing, Violine; Nürnberger Akkordeonorchester: Stefan Hippe); Hubert Hoche: „too short for“ (Carin Levine, Flöte; Diana Drechsler, Violine); Eberhard Klemmstein: Quintett (Holger Grohs, Alexander Klemmstein, Violine; Eberhard Klemmstein, Viola; Tilmann Stiehler, Violoncello; Oda Schmidt, Klavier); Uwe Strübing: Magnificat, op. 31 (Wolfgang Wünsch, Orgel; musica-viva-chor bamberg: Fritz Braun)

19:05 bis 20:00 | BR-KLASSIK (Wiederholung am Samstag, 14.05 Uhr)
Das Musik-Feature: „Everyone has a beautiful voice“. Die Sängerin und Stimmforscherin Jo Estill

Von Nicole Baumann. Josephine Antoinette (genannt ‚Jo‘) Estill war die erste Sängerin, die es ganz genau wissen wollte. Sie ließ sich mit einem Endoskop beim Singen auf die Stimmbänder gucken. Forschte, analysierte und entwickelte ein Modell. Einen Werkzeugkasten für den Gebrauch der Stimme: sprechen, hauchen, schluchzen, tönen, quäken und rufen. Es klingt so simpel. Doch dem Singenden eröffnen sich damit neue Türen: zu Operntönen, verhauchten Popklängen, zur eigenen Rockröhre und zur besseren Sprechstimme. Als Pädagogin machte sich Jo Estill schon in den 80er Jahren in der New Yorker Theaterszene einen Namen. Einige Sänger und Schauspieler hatten von Natur aus den richtigen Klang für die Pop- und Rockmusik dieser Tage. Der Rest fragte sich: Wie machen die das? Wo der klassische Gesangslehrer keinen Rat wusste, hatte Jo Estill Antworten. 1991 – im Alter von 70 Jahren – gründete die Amerikanerin mit italienischen Wurzeln ihre eigene Firma. Im Rahmen des „Estill Voice Training“ werden ihre Erkenntnisse weitergegeben und Lehrer nach strengen Vorgaben ausgebildet. Erst jetzt sickert das Wissen um die Forschung Jo Estills in Deutschland durch. In Workshops erhalten auch die Studenten der Abteilung Musical an der Bayerischen Theaterakademie erste Einblicke. Doch nicht nur die angehenden Profis sollten sich angesprochen fühlen. Jo Estills genauer Blick auf die Stimmbänder bietet für jeden, der sich sprechend oder singend mitteilen will, neue Erkenntnisse.

21:05 bis 22:30 | Bayern 2
hör!spiel!art.mix: Eran Schaerf: Ich hatte das Radio an

Mit Tim Heller; Komposition: Normal Love / Pauline Boudry, Ben Kaan; Regie: Eran Schaerf; BR 2016; Ursendung. Leuchtkugeln aus Blut. Ein Thomas Harlan-Porträt. Von Michael Farin. BR 2001.
In einem Interview, das vom TIME Magazin zitiert wurde, widersprach Marilyn Monroe Berichten, denen zufolge sie auf Kalenderfotos nichts anhatte und sagte: Ich hatte das Radio an. Wenn man erwägt, dass der englische Begriff „coverage“ sowohl Berichterstattung als auch Deckvermögen bedeutet, sagte Monroe: ich hatte Berichterstattung, also war ich gekleidet. Berichterstattung wird dabei als ein Format evident, das im ohnehin nicht-visuellen Medium Radio nicht nur zeigen, sondern auch verdecken kann. Die Frage „Wer hat was wann wo wie und warum getan?“ zählt nach wie vor zur Kerninformation jeder Nachrichtenmeldung. In der Transparenzgesellschaft entzieht sich jedoch das „Wer“ dieser Frage seiner Identifizierung. Bei Demonstrationen sorgt der Einsatz von Masken für Anonymität und bringt den Erkennungsdienst des Staatsapparats zum Leerlaufen. Neu ist das nicht. Bekanntlich pflegte Pythagoras seine Vorträge hinter einem Vorhang zu halten. Das wäre im Radio nicht nötig gewesen, doch unter politischen oder fiktionalen Bedingungen genügt die Unsichtbarkeit des Sprechers nicht immer. Bertolt Brecht benannte sein Hörbild Der Lindberghflug um in Der Ozeanflug, als Lindbergh sich als Sympathisant der Nazis herausstellte. Mauricio Kagel wollte in Der Tribun keinen bestimmten Politiker wiedergeben, weil „der Hinweis auf einen bestimmten Diktator die Realität der Fiktion nur schwächen würde.“ Für Nachrichten taugen Anonymisierungsstrategien wenig. Sie entziehen sich der redaktionellen Arbeit an jeder Nachricht, die das „Wer“ zu enthüllen trachtet, und werden deshalb in die Geschichtsbücher geschickt. Dabei ist das Nachrichtenwesen durch die Synchronisierung von Ereignissen und ihrer Bekanntmachung in sozialen Medien ohnehin post-redaktionell geworden. Das Hörspiel Ich hatte das Radio an ist ein Mitschnitt aus einem zukünftigen, post-redaktionellen Radiosender. Die Rolle der Nachrichtenredaktion übernimmt dabei ein Software-Programm, das Nachrichten aus einem Nachrichtenpool zusammenstellt. Wie Google weiß das Programm, wofür sich der Hörer interessiert, und stellt – je nach Ortung des Hörers – die Nachrichten zusammen, die für den betreffenden Empfangsradius des Hörers aktuell sein sollen. Das Prinzip ist also nicht: „ein Brand nebenan ist interessanter als ein Krieg weit weg“, sondern: Schlagwörter, Tags und Links. „Kritiker des programmierten Nachrichtenpools“, heißt es in dem Hörspiel, „unterstellen dem Sender eine zeitübergreifende thematische Zusammenstellung von Meldungen, die historische Ereignisse unterschiedlichster Epochen zufallsautomatisch ins Verhältnis zueinander setzt.“ Ja, die Vergangenheit meldet sich wieder und auch Mauricio Kagel, der Gegenwart zur Zufallskultur erklärte.
Eran Schaerf, geb. 1962 in Tel Aviv, Künstler, Hörspielmacher. BR-Hörspiele u.a. „Die Stimme des Hörers“ (2002, Hörspiel des Jahres), „Sie hörten Nachrichten“ (2005), „Nichts wie Jetzt“ (2009), „Die ungeladene Zeugin“ (2011). „1001 Wirklichkeit. Fortsetzungen eines unabgeschlossenen Romans“ (2014).

22:00 bis 22:30 | Deutschlandradio Kultur
Einstand: Zwischen Mitmachboom und Pflichtprogramm. Musikvermittlung in der Elbphilharmonie Hamburg

Von Dagmar Penzlin. Die Elbphilharmonie Hamburg soll mehr als ein architektonisch spektakuläres Konzerthaus sein. Der Auftrag an die Verantwortlichen ist klar, Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz hat ihn formuliert: „Jedes Hamburger Kind soll während seiner Schulzeit einmal die Elbphilharmonie besuchen.“ Entsprechend bietet die Abteilung Musikvermittlung rund 1500 Veranstaltungen pro Saison an. Dafür stehen mehrere Kai-Studios für Proben und Workshops im Sockel der neuen Philharmonie bereit – alle sehr weiß, modern und schallgedämpft! Neben vielen Angeboten für Schulen und Kindertagesstätten gibt es Mitmachprojekte und -ensembles: Ein Familienorchester, ein Publikumsorchester und ein Kreativorchester für alle, die kein Instrument spielen, werden regelmäßig proben. Das große Ziel: ein Auftritt in der Elbphilharmonie.

08.04.2017 (Samstag)

10:05 | Ö1
Klassik-Treffpunkt: Live aus dem RadioCafe in Wien.

Gast: Aribert Reimann. Präsentation: Otto Brusatti

14:05 bis 15:00 | BR-KLASSIK (Wiederholung vom Freitag, 19.05 Uhr)
Das Musik-Feature: „Everyone has a beautiful voice“. Die Stimmforscherin Jo Estill und ihre Erkenntnisse

22:05 bis 22:50 | Deutschlandfunk
Atelier neuer Musik: Was Musik in der Gesellschaft vermag … Politische Ökologie und musikalische Achtsamkeit im Werk Christian Wolffs. Von Gisela Nauck

Den als Sohn deutscher Eltern in Nizza geborenen und in Amerika aufgewachsenen Christian Wolff beschäftigt zeitlebens die gesellschaftliche Verortung von Musik. Sehr klar hat er dabei die Unterschiede zwischen sozialen und musikalischen Fragen erkannt – ebenso war ihm immer bewusst, wie sehr beide miteinander verknüpft sind. Weggefährte Frederic Rzewski hat Wolffs Kompositionen 1997 als eine Musik wie von einem anderen Stern bezeichnet, zugleich aber als eine mit Wirklichkeitssinn. Eine, die in ihrer scheinbaren Regellosigkeit die Unberechenbarkeit des Lebens enthüllt. 20 Jahre später, angesichts heute kenntlicher Bedrohungen der Erde durch den Menschen, wird deutlich: Christian Wolffs Musik birgt noch etwas anderes. Sie modelliert Prozesse und fordert von Interpreten wie Hörern musikalische Verhaltensweisen heraus, die im Sinne einer neuen Kultur der Achtsamkeit liegen. Die Sendung zeigt am Beispiel Wolff auf, was nun eine experimentelle Musik der Achtsamkeit auszeichnet und was diese vermag.

23:00 bis 00:00 | hr2-kultur
The Artist’s Corner: Darmstadt Pianists. Am Mikrofon: Stefan Fricke

Einspielungen von Pianisten wie Eduard Steuermann, David Tudor, Aloys Kontarsky, Yvar Mikashoff, Nicolas Hodges. Das Archiv der eigenen Aktivitäten ist riesig. Kein anderes Archiv weltweit dokumentiert derart geschlossen die musikalische Avantgarde seit dem Zweiten Weltkrieg wie das Internationale Musikinstitut Darmstadt (IMD) mit seinen unzähligen Dokumenten zu den eigenen Ferienkursen für Neue Musik. 1946 durch Wolfgang Steinecke gegründet, wurden die Kurse schnell zum weltweiten Treffpunkt der jungen Komponisten-Generation und der Schar von Interpreten und Musikologen, die sich für aktuellste Musik und die Reflexion darüber interessierten. Bis heute halten sich diese Neugierde, Lust und Notwendigkeit. Und die Ferienkurse, die seit 1970 biennal stattfinden, wachsen von Ausgabe zu Ausgabe. Gut 500 Teilnehmer aus über 40 Ländern besuchten die Ferienkurse 2016; ein Rekord. Abgesehen von solchen für die Neue Musik beeindrucke Zahlen hat das IMD sein Archiv geöffnet. Erste Resultate sind diverse veröffentlichte CD-Boxen mit teils völlig unbekannten Audio-Materialen. In hr2-kultur werden sie an vier „The Artist’s Corner“-Terminen vorgestellt. http://www.hr-online.de/website/radio/


09.04.2017 (Sonntag)

23:04 bis 00:05 | WDR 3
WDR 3 Studio Neue Musik: 15 Arten, die Zeit zu beschreiben. Mit Bernd Künzig

Philippe Manoury: Le temps, mode d’emploi für 2 Klaviere und Live-Elektronik; Grau/Schumacher PianoDuo; Experimentalstudio des SWR, Klangregie: José Miguel Fernandez bis 00:05 Uhr http://www1.wdr.de/radio/wdr3/programm/sendungen/wdr3-studio-neue-musik/index.html

Martin Hufner
Chefmitarbeiter bei |

seit 1997 chefökonom der kritischen masse und netzbabysitter der nmz.

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