Rechtspopulismus und klassische Musik III – Matthias Moosdorf (Leipziger Streichquartett)

Wie vor einer Woche schon erwähnt: Bereits 2016 hatte ich über die rechtspopulistischen Facebook-Postings von Matthias Moosdorf, Cellist im Leipziger Streichquartett, geschrieben. Damals noch, ohne den Betreffenden beim Namen zu nennen.

Angesichts der Beharrlichkeit selektiv flüchtlingsfeindlicher Stimmungsmache auf seinem (bis neulich öffentlich einsehbaren) Facebook-Profil und trotz der Drohungen, die Moosdorf uns bereits via Facebook-Mail zukommen ließ, habe ich mich dazu entschlossen, über Moosdorf zu berichten.

Eine Hetzjagd? Nein. Aber ein klares Bekenntnis zu einem „Nein!“ in Sachen Rechtspopulismus. Eine Kampagne, damit das Leipziger Streichquartett weniger Auftritte bekommt? Nein. Aber wer bewusst die Öffentlichkeit sucht, wie es Moosdorf mit seinen rechtspopulistischen Verlautbarungen tut, der sollte damit rechnen, dass er in der Szene, in der er sich beruflich bewegt, auch entsprechend auffällt. Denn die klassische Musik ist – Gott sei Dank – eher ein Hort nichtpolitischen Denkens; zumindest – in weiten Teilen – ein Hort der Toleranz, eine Plattform des Miteinanders verschiedener, sich kreativ inspirierender Kulturen, Menschen, Buntheiten…

Ich selber werde das Leipziger Streichquartett nicht mehr in die von mir kuratierten Konzertreihen einladen. Ich möchte einfach mit einzelnen Künstlern, die die „Alternative für Deutschland“ (AfD) fördern, nichts zu tun haben. Denn meiner Meinung handelt es sich bei der AfD um eine rechtsnationale, fremdenfeindliche und homophobe Partei.

Moosdorf schreibt beispielsweise für „Der blaue Kanal“, den Blog der AfD-Bundesvorsitzenden Frauke Petry.

Es folgt eine Reihe von Moosdorfschen Facebook-Postings der letzten Wochen, die mir nicht gefallen haben…

Die Taktik von Moosdorf geht so: Aus den seriösen Medien sucht er sich einseitig diejenigen Meldungen heraus, in denen es um Kriminalität von Flüchtenden oder anderen Menschen mit Migrationshintergrund geht.


Diese Reihe von Postings kombiniert er mit geteilten Beiträgen aus Fake-News-Portalen, wie dem russischen Propaganda-Kanal „RT Deutsch“, über den vor zwei Jahren „Die Zeit“ aufschlussreich berichtete.

Unverzichtbar sind für Moosdorf natürlich ausführliche Kommentare, wie die folgende, messerscharfe Analyse zu einem Artikel, in dem es offensichtlich um eine Straftat von Menschen mit Migrationshintergrund geht…

Aber auch Statistiken liebt Moosdorf sehr…

Dazu sei bemerkt: Die Auswahl dieser Screenshots von Moosdorfs Facebook-Profil ist mehr oder weniger zufällig. Es vergeht üblicherweise kein Tag, an dem Moosdorf keinen Artikel zur „Flüchtlingsproblematik“ postet.

Ein bedauerlicher Fall von Rechtspopulismus.

Arno

Arno Lücker wurde 1979 in Braunschweig geboren. Seit 2003 lebt er in Berlin. Dort arbeitet Arno Lücker als Musiktheater- und Konzert-Dramaturg.

8 Antworten

  1. Jan Eustergerling sagt:

    Ich frage mich da vor allem, warum das Streichquartett seinen Cellisten nicht austauscht, künstlerische Reputation hin oder her.

  2. Pinchad Adt sagt:

    Sehr geehrter Herr Lücker,

    Ich halte es für falsch, diesen Mann an den Pranger zu stellen.
    Mag sein, dass seine Aussagen überspitzt und zynisch sind, aber eine sachliche Auseinandersetzung wäre fairer als der Versuch einem freischaffenden Musiker die Karriere zu zerstören.

    Ich finde es schwach, jemanden nicht einzuladen, weil er andere (politische) Meinungen vertritt und das auf diese Art und Weise zu veröffentlichen.

    Warum ist die klassische Welt -„Gott sei Dank“- kein Hort politischen Denkens?
    Ist das etwas Schlechtes ?

    Außerdem ist diese Aussage,meiner Meinung nach, falsch.
    Die Musiker- und Künstlerszene ist zum größten Teil politisch links einzuordnen.
    Aber gerade in der Musik sollte es doch möglich sein, Gräben zu überbrücken.

    Mit freundlichen Grüßen,
    Pinchas Adt

    • Jan Eustergerling sagt:

      Sie haben mich zwar nicht angesprochen (wie sollten sie auch (-: ), aber ich möchte trotzdem antworten.
      Nicht Arno Lücker stellt jemanden an den Pranger, der betreffende tut es selber.
      Das Aufkommen der neuen Rechten, in einem massiven Maße so, wie ich das nur aus den Erzählungen meiner Grosseltern kenne, zwingt uns alle zu einer Positionierung. Auch damals ging der Graben quer durch die Gesellschaft. Auch Künstler und Intellektuelle haben sich von den Nazis vereinnahmen lassen oder waren von der nationalen Strömung fasziniert.
      Meinungsfreiheit bedeutet auch, die Konsequenzen der eigenen Meinungsäußerung zu tragen.
      Wenn sie sich in den 50ern und 60ern offen zur KPD, dann DKP bekannt haben, hatten sie auch berufliche Nachteile hin zu nehmen.
      Es ist in keinster Weise einzusehen, warum das offene (!!!) Sympathisieren mit einer Rechtsradikalen Partei keine Konsequenzen haben soll. Der Künstler ist hier nicht zu schützen, sondern die Kunst vor ihm.
      Rechtes Gedankengut darf nicht verharmlost oder hingenommen werden.
      Wir reden hier nicht von einer konservativen Haltung, sondern einer offen Rechten.

  3. Max Nyffeler sagt:

    Vielleicht nicht gerade eine Hetzjagd, aber eine subtile Aufforderung zur Existenzvernichtung bei einem Künstler, der missliebige Meinungen äußert. Ich würde mich schämen, so einen Artikel zu veröffentlichen.

  4. Max Nyffeler sagt:

    Seit wann sind wir denn per Du?

    • Arno sagt:

      Max Nyffeler: Ich wusste, dass das kommt. Gähn. Das ist jetzt dieses neue „Internet“, von dem selbst Sie (leider) schon gehört haben. Mit liegt wirklich gar nichts daran, Sie zu duzen. So gesehen – und mit Verlaub: „Sie“.

  5. Jan Eustergerling sagt:

    Rechte Hetze als „missliebige“ Meinung zu verharmlosen … das ist ein häufiges Merkmal von (stillen oder offenen) AfD-Sympathisanten. Hier wird der Täter zum Opfer gemacht. Es gibt leider viel zu viele, die nicht begreifen, in welcher bedrohlichen Situation wir uns gesellschaftlich befinden. Aber das war in den Jahren vor 33 auch so. Verharmlosen, wegschauen, wegducken, relativieren.

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