Auf zu den Musikolympiaden 2018-2026

Auf der Suche nach einem Olympia-Ersatz für Fernsehbefütterung in den nächsten sechs Jahren haben ARD und ZDF schnell Ersatz gefunden. Sie übertragen in voller Länge und auf allen Kanälen die „Darmstädter Ferienkurse für Neue Musik“, deren Hauptveranstaltungen ohnehin schon in einer Sporthalle stattgefunden haben. Aufwand und Dauer halten sich in etwa Waage, sagte der für derartige Entwicklungen zuständige Intendant des Bayerischen Rundfunks, Ulrich Wilhelm. „Wir machen vor allem das, für was man uns benötigt. Kritischen, investigativen Journalismus – ob Sport oder Musik? Unsere Journalisten können alles.“

Die Lizenzverhandlungen mit dem Chef der Darmstädter Veranstaltung, Thomas Schäfer, seien jedenfalls ganz gut angelaufen. Aber klar sei auch, dass die Veranstaltung in Zukunft dann in Hamburg stattfinden werde. In diesem Fall wird um die jetzige Elbphilharmonie eine zweite aufgesattelt (siehe Skizze des Planungsbüros HuPe-kollektiv), um die Besucherströme zu bändigen. Hamburg, das mit seiner Olympiabewerbung bekanntlich durch seinen Bürgerwillen gescheitert war, bekommt so eine zweite Chance.

Unter Verwendung eines Fotos von © Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)

Unter Verwendung eines Fotos von © Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)

Wettbewerbe sind im Sport das Salz und die Suppe. In der Musik, schaut man sich die zahllosen Wettbewerbsveranstaltungen an, ist es nicht viel anders. Nur haben sie gar nicht die Präsenz im Musikleben, die sie im Kulturzirkus andererseits zweifellos besitzen. Zwölftonkampf mit Palestrina-Satz, Stücke für Film, Werbung, Kammer-, Orchester- und Solomusik, Multimedia, Konzept, Oper, Ballett und Soundlogo … und am Ende ein Emoji-Raten mit Arno Lücker als Jörg Pilawa. Von den musikalischen Kunstmessen a la Wittener Jammermusiktage, Donaueschinger sauertöpfische Tage, Münchner Musikbiennaliade, über den Ultraschallkampf oder die Shmaerzmusik bis zur der Darmstädter Musikspartakiade dürfte es nur ein kleiner sinnloser Schritt sein.

Aber auch andere Dinge teilt man sich mit dem Sport: Tondoping, Bestechung, Korruption – Seilschaften (bezeichnenderweise nennt sich eine deutsche Zeitschrift mit Beiträgen zur Musik der Gegenwart „Seiltanz„). Heißa, Das wird ein lustiges Tauziehen um Medaillen in Dinkel, Tofu und Tang.

Statt kostspielige Beratungsinstitute mit dem Ranken von Musikhochschulen zu beauftragen, ergäben sich so wie von selbst. Was leisten denn die Kompositionsklassen der Hochschulen weltweit. Der Austausch von IOC zu IGNM wäre minimal – die Strukturen sind es ja doch sowieso.

Jetzt aber in die Puschen kommen, sonst fällt den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten noch was anderes ein und die Kohle versickert im Musikantinnenstadl oder irgendeinem Song-Contest.

Fotonachweis im Text:

Martin Hufner
Chefmitarbeiter bei |

seit 1997 chefökonom der kritischen masse und netzbabysitter der nmz.

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