Qualitätssteigerung durch Einsparung

Warum diese Studienberater bei google image search alle so fröhlich sind? Siehe unten...

4-5 Millionen Euro (je nach Quelle) sollen also bei den Musikhochschulen in Mannheim und Trossingen eingespart werden. Dies beschreibt die grüne baden-württembergische Ministerin Theresia Bauer in ihren „Eckpunkten zur Weiterentwicklung der Musikhochschulen“.

Ministerin Bauer: „Unsere Musikhochschulen haben international einen exzellenten Ruf. Grundgedanke jeder Weiterentwicklung muss der Erhalt und die Verbesserung ihrer herausragenden Qualität sein.“ Strukturreformen dürften nicht ausschließlich anhand von Kostengesichtspunkten entschieden werden: „Der Rasenmäher löst keine Probleme. Es geht stattdessen um eine Weiterentwicklung der Musikhochschullandschaft im Ganzen, bei der auch ein Beitrag zur Konsolidierung entsteht.“

Das ist schon eine interessante Argumentation – einerseits soll „weiterentwickelt“ werden, andererseits eingespart. Und die Einsparung ist keinesfalls so eine ganz, ganz böse Einsparung „mit dem Rasenmäher“, sondern eine ganz, ganz liebe Einsparung mit dem Zweck der „Qualitätsverbesserung“.

Tja, schon hart für die Musikchochschulen Mannheim und Trossingen – 500 Studienplätze abbauen, ganze Studienrichtungen eindampfen, Professuren vernichten – aber es wird ja letztlich alles besser, oder nicht? Und wenn ihr anfangt zu meckern, fallen euch eure Kollegen von den anderen Hochschulen (z.B. Hartmut Höll) noch in den Rücken und beschimpfen euch als „unsolidarisch“. Die wollen halt auch nicht in den Genuss einer Qualitätsverbesserung kommen, scheint es. Kann man ja verstehen.

Aber kennt ihr eigentlich den Grund für die „Konsolidierung“ (=Rasenmäher) durch Frau Bauer, liebe Musikhochschule Mannheim und Trossingen? Tja, die 4 Millionen (oder vielmehr fünf) wurden nämlich schon Ende letzten Jahres an viel wichtigerer Stelle ausgegeben, nämlich hierfür

Mit insgesamt fünf Millionen Euro unterstützt das Land die Studienberatung an den baden-württembergischen Hochschulen. Dies gab Theresia Bauer (Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst) vor Kurzem bekannt. Die Mittel werden in der Förderlinie „Zentren für Beratung“ im Rahmen des Innovations- und Qualitätsfonds für den Ausbau und die Professionalisierung der Studienberatungen an den Hochschulen des Landes bereitgestellt.

Und das sollte euch dann doch beruhigen, nicht wahr? Was sind schon ein paar Musikhochschulen, ein paar Studiengänge, ein paar Standorte gegen z.B:, haltet euch fest…..DIE VERBESSERUNG DER FUCKING STUDIENBERATUNG AN DER PÄDAGOGISCHEN HOCHSCHULE HEIDELBERG!!!!!

Also, sagt euren Kindern, sie sollen nicht Ärzte, Piloten oder Steuerberater werden. Nein, Studienberater.

Es ist ein Beruf mit Zukunft. Und was geschieht noch mit den 5 Millionen?

Mit den Mitteln werden hauptsächlich neue Stellen finanziert, die insbesondere die Studien- und Lehrqualität sichern und stetig weiterentwickeln sollen. So wurde zum Beispiel Anfang Juni die neue Telefonhotline der PH Heidelberg eingeweiht. Diese soll die Studienberatung unterstützen sowie die Erreichbarkeit des Student Service Centers erhöhen.

Irgendwie ein tröstlicher Gedanke: wenn es in 50 Jahren keine Orchester, keine Musikhochschulen und keine Theater und Opernhäuser in Deutschland mehr gibt, eines wird noch funktionieren: die Service-Hotline der Pädagogischen Hochschule Heidelberg.

Dank sei Dir, Theresia Bauer!

Moritz Eggert

Moritz Eggert

Komponist

13 Antworten

  1. Janosch Korell sagt:

    Zu dem Gehirnriese Bauer kann ich nur folgendes sagen:

  2. Ha! Super,
    Georg Kreisler hat Klavier und Musiktheorie studiert – was ihm wohl die Studienberatung geraten hätte …?

  3. Janosch Korell sagt:

    Die werden gesagt haben, dass er schnell fertig muss, da sonst die HfM dicht macht.

  4. In Österreich gibt es jetzt einen neuen Fruchtsaft, der heißt „innocent“ ; er wird in Flaschen abgefüllt. Passend zum laufenden Wahljahr kleben die Plakate, mit der Aufschrift „Unser Spitzenkandidat ist:“ Darunter das Abbild der Flasche.
    „Innocent“ ist jetzt eine geschützte Marke, die kein Politiker mehr missbräuchlich verwenden darf.

  5. Janosch Korell sagt:

    HRHRH Das Bezieht sich aber nicht auf „innocent“ sondern auf die Flasche, oder? HHAHA

    Sonst müsste es ja incompetent heißen.

  6. Kulturpolitiker leiden ja auch oft an sprachlicher Inkontinenz.
    Was dabei als praktische Politik herauskommt, hat Moritz ganz gut beschrieben.
    Wir sollten die freiwerdenden Mittel also nicht in die Studienberatung stecken, sondern den Politikern eine Inkontinenz-Selbsthilfegruppe finanzieren.

  7. Christian Elsner sagt:

    Ich kann leider nicht soviel saufen wie ich kotzen könnte…

  8. Janosch Korell sagt:

    Die Krankheit befällt ja alle Politiker. Da muss ein komisches Virus rumgehen in deren Bürogebäuden.
    Wahrscheinlich brauchen die die 5 Mio. für ihren Drogenkonsum. Die Auswirkungen dessen kann man ja anhand der Darstellung von Moritz Eggert betrachten.

  9. Janosch Korell sagt:

    Man darf es der Bauer auch nicht zu übel nehmen. Letztendes sind so Verhaltensweisen ja Mode und und die Wirtschaftsreligion lebt ja alles vor, da darf man ja nicht denken, man muss es nur glauben.
    Das Experiment „Qualitätssteigerung durch Einsparung“ wird ja insbesondere bei den Arbeitern und Leiharbeitern (die kleinsten Männer unter dem kleinen Mann) durchgeführt.
    Mal gespannt, wie das Experiment ausgehen wird.

  1. 20. September 2013

    […] mal, dass die grüne baden-württembergische Ministerin Theresia Bauer ein paar Musikschulen zum Systemabsturz bringt, um das gewonnene Geld dann in irgendeine Studienberatung zu stecken. Vergessen wir mal, […]

  2. 8. September 2014

    […] der telefonischen Studienberatung in Baden-Württemberg ein wenig Einhalt zu gebieten (der Bad Blog berichtete) und die klassische Musikausbildung in zumindest Mannheim zu […]

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