Der Friedhof der Kuschelkultur (Update: Jetzt mit Gera/Altenburg!)

Vielleicht ist es inzwischen auch den größten Optimisten aufgefallen, dass die Bedrohung von Orchestern und Opernhäusern exponentiell zugenommen hat in den letzten Jahren. Um den Überblick über die momentane Situation zu behalten, habe ich eine kleine Deutschlandkarte mit Links zu den aktuellen Krisenherden hergestellt. Auf dieser Karte sind nur die bedrohten Orchester/Kulturinstitutionen zu finden, die gerade aktuell Aktionen bzw. Onlinepetitionen gestartet haben. Mir ist bewusst, dass die Zahl der durch Kürzungen bedrohten Orchester und Institutionen wesentlich höher ist, vor allem im Osten der Republik.

Da meine Grafikkenntnisse zugegebenermaßen bescheiden und meine Informationen sicherlich unvollständig sind, bitte ich um Hilfe und Vervollständigung. Vielleicht ist auch möglich eine wirklich interaktive, stets upgedatete Karte zu erstellen, wenn jemand sich dazu berufen fühlt!

Schließlich soll jeder deutsche Bürger in den „Genuss“ kommen, eine Onlinepetition gegen Kulturkürzung in seiner Nähe unterschreiben zu können!

Und wenn man sich jemals jemand dabei langweilen sollte: die holländische Grenze ist nah – dort ist die Karte übersät mit Kreuzen….

Moritz Eggert

Hier die Karte in klein, wer den Link oben klickt, bekommt eine größere Version.

Moritz Eggert

Komponist

2 Antworten

  1. Franz Scheiner sagt:

    Sehr geehrter Herr Eggert,

    ich möchte nur aus Südwest noch einige Infos zur Orchester-Situation anfügen.

    1. Das Land Rheinland-Pfalz hat dem Kurpfälzischen Kammerorchester die Unterstützung gekündigt. Ob die beiden anderen Träger, Mannheim und Baden-Württemberg da einspringen werden, steht in den Sternen. Die Gehälter sind seit 10 Jahren nicht erhöht worden, vier der 16 Planstellen weiterhin gesperrt.

    2. Die drei Staatsorchester in Rheinland-Pfalz (Koblenz-Mainz-Ludwigshafen) haben nach der Orchesterstrukturreform jeweils 10 Planstellen verloren. Sie sind zur „inneren Kooperation“ verpflichtet. Was früher als „Mugge“ privat vergütet wurde, koordiniert nun
    ein Manager unter den Orchestern als Dienst. Enorme Einsparung – aber die Kolleginnen und Kollegen sind rund 700 Mal in der vergangen Spielzeit zwischen den drei Standorten zur Aushilfe – Verstärkung hin und hergedüst.

    3. Das Rundfunksinfonieorchester Saarbrücken und das Rundfunkorchester Kaiserslautern sind verschwunden – samt ihren Eigenheiten – was beim RSO Saarbrücken über Jahrzehnte ein ganz, ganz besonderer Schwerpunkt im Bereich der Neuen Musik war. (Ära Zender) – Übrig geblieben sind von insgesamt 156 Planstellen beider Orchester ein „Klangkörper“ mit 89 Planstellen – der sich auf dem stets kleiner werdenden freien Konzertmarkt irgendwie als Radiophilharmonie behaupten soll. Klappen tut das nicht – in der Ecke ist das Orchester aus Luxembourg der Platzhirsch. Nun hat man die Kernmarke Neue Musik verloren und dümpelt als Repertoire-Kahn durch die Gegend.

    Bei alledem: genaue Zahlen sind für Außenstehende nie und nimmer zu erhalten. Da wird getrickst ohne Ende. Aus sicherer Quelle ist verlautet worden, dass der Saarländische Rundfunk mittlerweile höhere Pensionslasten trägt als er für sein aktuelles Programm (aller Wellen) aufwenden kann. Da ist so eine Orchester-Rasur nur ein Mittel, um weiterhin liquide zu bleiben.

    Vorhersage: Im Moment werden beim Saarländischen Staatsorchester in Saarbrücken ja anlässlich des 100jährigen die Tassen gehoben – sobald der Festschmuck abgehängt ist – wird dort die nächste Sparrunde eingeläutet.
    Da bin ich mir absolut sicher.

  2. Vielen Dank für diese Zusatzinfos – ich werde bald noch einen Artikel zur Thematik schreiben…

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