Bad Blog Of Musick

Institutionen komponieren

Liebe Baddies,

Schon lange, viel zu lange, ruht dieser schöne Gastartikel von Johannes Kreidler in unserer Datenbank – er soll euch nicht vorenthalten bleiben! Er erwähnt einen „Opernwettbewerb“ – für den war zufälligerweise (ohne dass er es wusste)  ich verantwortlich (Premiere der 3 Opern ist übrigens heute abend in München) und es entspann sich im folgenden ein Dialog zwischen Johannes und mir über Sinn und Unsinn von Klavierauszügen, den ich euch noch angehängt habe. Viel Spaß!

Vorschläge für neue Bedingungen der Neuen Musik

Wer als junger Komponist zu den Darmstädter Ferienkursen geht, um in den Wettbewerb für den karrierreträchtigen Kranichsteiner Musikpreis zu treten, ist in etwa diesen Bedingungen unterworfen: Das Stück darf nur wenige Instrumente benötigen, nicht lang sein und muss in sehr kurzer Zeit konzertreif einstudiert werden können. Ein Opernkompositionswettbewerb unlängst stellte die Vorbedingung, dass sich von der zu komponierenden Partitur ein Klavierauszug erstellen lassen müsse; als ob Mikrointervalle und Live-Elektronik noch nicht erfunden worden wären. Wenn ein Festivalkurator Kompositionsaufträge vergibt, will er mit vier bis sechs Aufträgen ein normales Konzert zeitlich ausgefüllt bekommen; zum Glück tummeln sich nicht allzu viele vom Schlage Anton Weberns auf dem Markt.

Boykottiert die Kompositionswettbewerbe, die die Fantasie preiswinkend auf altertümliche Instrumentenbesetzungen eindampfen. Trotzt verlockenden Aussichten, wenn sie ästhetisch nicht gerechtfertigt sind. Selbst wenn es hundert Mal gespielt würde – lehnt Anfragen auf Flötensolostücke ab, wir haben genug davon. Genauso gibt es ja auch noch Tausende ungeschriebene Fugen, die aber keiner schreibt, weil sie irrelevant sind (Gott sei Dank erscheinen jetzt Komponierprogramme, die endgültig demonstrieren, dass Fugenschreiben keine Leistung mehr ist, und hoffentlich bald auch für die etablierten Stile der Neuen Musik). Ohne viel Übertreibung spricht man mittlerweile auch vom „Arditti-Sound“, den jedes (angeblich) neu für dieses stupende Ensemble komponierte Stück Werk ereilt. Wer für Arditti schreibt, schreibt ab. Es hat etwas Oberflächliches an sich, aber trotzdem: Nach den vielen Ensemblegründungen seit den 1980ern und dem daraus entstandenen, sprichwörtlichen “Neue-Musik-Ensembleklang” ist einfach Tapetenwechsel nötig. Schreibt für Flöte und iPod, Keyboard und YouTube-Video. Es scheint gerade ein Zustand zu sein wie wenn viele Leute mit extrem viel Fantasie lauter Melodien in C-Dur komponierten, statt ihre Fantasie mal auf’s Medium zu richten. Der Korrepetitor könnte auf einem Keyboard spielen, das auch Samples verfügbar hat; das wäre etwas mehr Aufwand an Technik, aber dafür eine große Ermunterung zu neuen musikalischen Konzepten. (Überhaupt dürfte man langsam daran denken, einen Studiengang für „Tastenmodule“ einzurichten; das Klavier ist nach dem Cembalo noch nicht der Weisheit letzter Schluss. Enno Poppe setzt bereits häufig statt Klavier ein Keyboard ein.)

Kreativität! Schreiben kann man mittlerweile auch, wie Komponieren, studieren. Jedoch wird am Leipziger Literaturinstitut nicht nur Grammatik gelehrt, sondern geht man zu Studienzwecken auch mal ins Bordell, gleichfalls hat Rosa von Praunheim bis zu seinem Rausschmiss seine Regiestudenten mit der Kamera etwa ins Gefängnis gesteckt, damit sie lernen, selbst in einer kargen Zelle einen spannenden Film zu drehen. Freilich ist nicht jedes Seminar vorbildlich, bei dem Manager mit verbundenen Augen in den Wald zur Selbsterfahrung geschickt werden. Aber ein paar Abwege vom Akademismus wären doch wünschenswert und die sucht man bislang ganz vergeblich. Um Kreativität jedenfalls scheint es in der Ausbildung von Komponisten am wenigsten zu gehen, sondern vor allem darum, wie man eine spielbare Partitur schreibt. Entsprechend sind die Festivalprogramme voll von fortgesetzter Tonsatz-Musik mit anderen Geldmitteln. Und „Originalität“ ist zwar ein philosophisch streitbarer Begriff, aber eine gewisse Unterscheidungslust, wie sie bei Gruppenausstellungen von Bildenden Künstlern selbstverständlich zu beobachten ist, wäre in der Neuen Musik doch allmählich wünschenswert.

Es gibt Elektronische Musik, die nach Weltraum klingt und die, die jeder zu Hause hat und aus der Popmusik, Werbung, Rauschen dringt. Diese Hörerfahrung kann man auch für Neue Musik (dekonstruiert) verwenden! Dann ist die Musik real “verlinkt” und entspricht den Bedingungen der Lebenswelt. Ähnlich ginge es mit Feldaufnahmen. So traurig das sein mag: Eine Oboe spielt im normalen Alltag eben keine Rolle, aber es gäbe (Hör-)Wege, sie damit zu verbinden. Wie gesagt, manche elektronischen Klangerzeuger hat jeder, und dafür wird auch kein Millionenstudio benötigt. Die Neue Musik definiert sich immer noch über klangliche Differenzierung und strukturelle Tiefe, dabei kann Niveau auch durch Inhalte, Zuschreibungen, mediale Erweiterungen und stilistische Kontraste erreicht werden, und dann lässt sich auf einmal auch eine Rockband nutzen, aber bitte ja nicht auf einem gesonderten Festival-Parcours, sondern im Konzertsaal.

A propos Elektronik: Durch die digitale Revolution geht die Musikindustrie den Bach hinunter, weil Musik kostenlos im Internet verbreitet werden kann. Aber was bedeutet das für jene Musik, die ökonomisch eh irrelevant ist, die Neue Musik? Die kann auch kostenlos verbreitet werden! Aufnahmen, Partituren, Texte, Filme – online damit! – ist der absteigendste Ast überhaupt, und wer auf seiner Website nur Hinweise auf Publikationen in Fachzeitschriften von vor zehn Jahren anbringt, braucht nicht zu erwarten, dass sich einer die Mühe macht dem auch noch nachzugehen. Die neuen Medien sind ein Segen für Kunst und Künstler. Damit kann man den oft einmaligen Aufführungen Neuer Musik wirksam Fortsetzung verschaffen. Leider steht da (noch) die Rechte-Frage im Weg; darum gilt es auch altertümliche Handhaben der GEMA zu hinterfragen. Wenn die Tantiemen ohnehin lächerlich gering sind, ist die Möglichkeit einer besseren Verbreitung doch der Monetarisierung vorzuziehen (über Einkommensmöglichkeiten für Musiker müssen wir uns ohnehin neu unterhalten). Und wozu ist ein Verlag gut, wenn er nichts anderes macht als die vom Komponisten vollständig hergestellte Partitur einfach noch auszudrucken (wie Robin Hoffmann geschehen), aber dafür die Verbreitung sehr verteuert? Ich bin für die „Edition Pdf“ statt der „Edition Peters“.

Wer in der schnelllebigen digitalen Welt publiziert, braucht klare Konzepte, wenigstens zum Anlocken. Und das ist gut! So denke man an die häufigen Plattheiten am Anfang von Beethovens Werken. Ich plädiere für Sachlichkeit und gegen Pathos und Mythenmuff. Muss ein Musikstück “Inkubus” heißen? Auch das Schielen nach den alten Griechen sieht verdächtig nach Verklärung aus. “Differenz/Wiederholung” dagegen ist sehr präzise und gewiss nicht flach.

Vorgaben können ja inspirierend sein, aber sie sind bisweilen auch sehr dumm. Manche Musik wird praktisch nicht mehr von Komponisten komponiert, sondern von Institutionen, obwohl sich immer noch die Komponisten als ästhetisch verantwortlich zeigen. Die meisten Einrichtungen der Neuen Musik sind wichtig, aber es gilt einmal ins Auge zu fassen, dass oftgeforderte neue Konzepte gerade bei ihnen verhindert werden. Je weniger sie sich fortbewegen, desto mehr kristallisiert sich heraus, dass sie selbst das Entscheidende komponieren, und sie sind selten gute Komponisten.


Johannes Kreidler

Und hier noch die Klavierauszugdiskussion, man verzeihe die Textunregelmäßigkeiten wegen der verschiedenen Kopierformate aus Outlook und Word in WordPress….:

Johannes: Allerdings kann ich mich nach Deinen Erklärungen nicht wirklich
überzeugt zeigen. Ein menschlicher Spieler ist sicher unerlässlich und
ein Klavier auch sehr vielseitig zur „Imitation“ von allerlei nutzbar,
ebenso wie gute Sänger von den Grenzen des Klaviers wissen. Ich habe
selbst in meiner Jugend viel Klavierbegleitung ausgeübt, ich denke ich  kenne das einigermaßen.
Dennoch finde ich, dass mit gar nicht so viel
mehr Aufwand seitens des Theaters, zum Beispiel dem Klavier noch ein
Keyboard mit abrufbaren Samples beizustellen (Keyboard mit Festplatte
und ordentlichem Lautsprecher gibt’s ab ca. 1000€), eine Menge mehr
geboten würde. Wie Du sagst – eine Kombi aus beidem ist gut. Mir
erscheint bei diesem Beispiel eben auch die Tatsache, dass es sich um
einen Wettbewerb handelt, problematisch – ein erfahrener Komponist (wie
Du) weiß, was er alles einem Korrepetitor / einem Theater zumuten kann,
aber ein junger Kompositionswettbewerbsaspirant, fürchte ich zumindest,
wird durch diese ausdrückliche Ansage ästhetisch eingeschüchtert,
während umgekehrt eine Öffnung von vornherein hin auch zu neuen Medien
eine große Ermunterung darstellen würde.
Ich bin überzeugt (bzw. habe ich kleinere, experimentelle
Musiktheaterprojekte in die Richtung schon durchgeführt, und auf diese
Weise habe ich aber auch vor 2010 mein erstes großes Musiktheaterprojekt
in Gelsenkirchen zu realisieren), dass sich einerseits ein Mehraufwand
sehr lohnen würde und andererseits auch da wieder pragmatische Lösungen
gefunden werden können. Aber es wäre eben auch an den Institutionen,
darüber nachzudenken und dafür Kreativität aufzubringen, statt einfach
die Ansage durchzugeben, KA muss sein, dem Komponisten wird ja immer
noch genug einfallen.

Moritz: Wir können ja gerne mal einen „Probewettbewerb“ veranstalten – wer ist bei einer Probe besser und schneller, Pianist oder Computer? Ich würde nach wie vor auf ersteren tippen, und zwar solange bis es Computerprogramme gibt, die auf den Schlag eines Dirigenten reagieren können (denn das ist ja auch etwas, was ein Korrepetitor können muss – die Proben sind ja auch für den Dirigenten da, und die Sänger sind dringend auf den Dirigenten angewiesen bei szenischen Proben – ein Korrepetitor kann sehr leicht auf einen Dirigenten reagieren, ein Computer überhaupt nicht, das würde Probenarbeit mit Computer also unmöglich machen). Es müsste also ein Interface geben, dass es dem Pianisten ermöglicht, den Klavierauszug zu spielen, und damit gleichzeitig die Geschwindigkeit der MIDI-Wiedergabe zu steuern und alle Effekte richtig auszulösen. Das ist sicherlich technisch möglich, allerdings tatsächlich zu aufwändig für die schnelle Soloprobe mit einem Sänger zwischen 13 und 14 Uhr kurz vor dem Mittagessen. Und wie nimmt man dann all diese Technik ständig mit, wenn man sich Notizen machen will, oder mal schnell in der S-Bahn seinen Gesangspart auswendig lernen will? Soll man dann immer eine riesige A3-Partitur rumschleppen, in der unglaublich viel Informationen drin stehen, die man als Sänger gar nicht braucht?
Im Tanztheater wird inzwischen sehr oft so gearbeitet, wie Du es beschreibst, da hat man aber eben auch keinen Dirigenten, sondern tanzt in 99% aller Fälle zu aufgenommener Musik, die immer exakt gleich klingt. Das sind vollkommen andere Voraussetzungen als in der Oper.
Ich bin genauso zukunftsblickend wie Du, allerdings gibt es viele Dinge, die sich trotz Computer aus gutem Grund auf „altmodische“ Art gehalten haben. So könnte man zum Beispiel beim Film sicherlich mit etwas mehr Aufwand handgezeichnete Storyboards mit Computeranimationen ersetzen, es werden aber nach vie vor selbst für die absoluten High-Tech-Filme mit Bleistift und Papier Storyboards gezeichnet, einfach weil es am schnellsten ist und man Ideen direkt auf dem Papier umsetzen kann. Auch bei Computerspielproduktionen (die ja inzwischen oft teurer sind als Filmproduktionen) beginnen die Graphiker immer erst mal mit ganz simplen Entwürfen mit Stift und Papier, bis sie das 3D-rendering beginnen, auch das ein Beispiel, wie sich „alte“ Arbeitsprozesse zu Recht halten.
Es hat auch was mit Haptik zu tun – Sänger bringen sich ja ihre Stimme auch selber bei, allein zu Hause, ohne Equipment. Müssen die dann immer einen Assistenten mieten dafür`Normalerweise sitzen die dann vorm Klavier, erarbeiten sich alles ganz langsam, Takt für Takt, spielen sich bei Bedarf ein paar Akkorde rein und brauchen dafür dringend einen (simplen) Klavierauszug, sonst können sie gar nichts lernen.
Bei kleineren Musiktheaterproduktionen mit zum Beispiel Live-Elektronik und ohne Dirigenten kann man sicherlich auf KA verzichten, weil es dann ein immer gleiches Probenband gibt, aber bei einer Produktion mit Dirigent, Sänger und Orchester ganz eindeutig nicht. Es fehlt einfach das Interface „Mensch – Mensch“ (Dirigent- Sänger/Korrepetitor)
Also, noch brauchen wir KA’s – und so viel Arbeit, ist das nun heute auch nicht wieder nicht, das zu machen, einfach die wichtigsten Stimmen aus der Partitur zusammenfassen auf 2-3 Zeilen, so schwer ist das doch nicht mit copy und paste? Kein Mensch verlangt heutzutage, dass der KA ein „künstlerisches Produkt“ ist und gut klingt (so wie es noch zu Wagners Zeiten üblich war), es ist reines Gebrauchsprodukt, wie eben auch ein Storyboard, das auch nicht perfekt so aussehen muss, wie später der fertige Film.
Ich weiß nicht, was Du in Gelsenkirchen machen wirst, aber der Schrei nach einem KA wird irgendwann kommen, da bin ich ganz sicher :-) Außer die Musik ist ohnehin volleelektronisch, dann brauchst Du natürlich keinen….

Johannes: Ich bin wie Du der Ansicht, dass ein menschlicher Spieler absolut der beste „Computer“ ist, ich würde mir nur wünschen er könnte mehr als nur die chromatischen Töne spielen bzw. es würde die Message an die jungen Komponisten herangebracht werden, dass sie sich nicht auf chromatische Töne beschränken müssten. Darum mein Vorschlag, dass der Korrepetitor noch einen Sampler (via Keyboard) bedient. Es soll auch weiterhin einen Klavierauszug bzw. „Samplerauszug“ geben, also eine Kurzfassung der Partitur, dagegen habe ich gar nichts.
Problem ist dann noch, dass die Samples in sich im Tempo fixiert sind; da könnte man zwar tatsächlich auch etwas flexibles programmieren, ist allerdings in der Tat aufwändiger. Aber ich habe gerade mit dem Ensemble Modern ein Stück für großes Ensemble und Sampler gemacht ohne diese Möglichkeit gemacht und das ging super. Und für mein Stück in Gelsenkirchen werde ich keine Mühe scheuen, auch schwierigste mikrotonale Live-Elektronik-Teile einstudierbar zu machen, das ist mir die Musik einfach wert.

Also – worauf ich zielte war das indirekte Signal in dieser Ausschreibung, dass man nur Musik mit chromatischen Tönen komponieren solle, was ich für eine bedenkliche ästhetische Einschränkung heutzutage halte, und dass ich mir wünsche, dass Institutionen, die ja von dem jungen Komponisten eine junge, frische Partitur haben wollen, auch ihrerseits sich Gedanken machen, was sie dafür beitragen könnten, und das ist eben mehr als nur die Zusage, dass Sie es dann mit ihren Mitteln auf die Bühne bringen wollen.

Moritz: Nirgendwo in unserer Ausschreibung stand, dass man allein mit „chromatischen Tönen“ komponieren soll – wenn Du – wie oben vorgeschlagen – einerseits eine Kurzfassung der Partitur erstellst und diese dann „Samplerauszug“ nennst, ist das ja faktisch ein Klavierauszug, und nichts hätte auch bei unserem Opernwettbewerb im Wege gestanden, einen solchen zu verwenden. Ich stimme Dir vollkommen zu, dass die Entwicklung über kurz oder lang in die von Dir anvisierte Richtung gehen wird, und dass das sicherlich auch eine interessante Bereicherung der Probenarbeit sein kann. Um die „Partiturkurzfassung“ kommt man auch da nicht rum, also wird es immer ein bißchen Extraarbeit für die Komponisten (bzw. die Verlage, wenn es die dann überhaupt noch gibt) geben. Erst wenn wir die Musik telepathisch in die Hirne der Sänger übertragen können, ist ein KA oder SA (Samplerauszug, klingt aber leider nach etwas anderem) nicht mehr nötig….Auf jeden Fall bin ich sehr gespannt auf Deine Erfahrungen in Gelsenkirchen!

28 Kommentare

  1. Falsche Version online!

    Leider hat Moritz versehentlich die erste Fassung eingestellt, die ich mittlerweile noch etwas verbessert habe, zum Beispiel steht da nichts mehr von den „Bamberger Laptonikern“, denn Moritz hat mich aufgeklärt dass die nur einmalig ein Laptop-Noten – Projekt gespielt haben, der dauerhafte Betrieb damit ist eine „Urban Legend“.

    Ich habe Moritz gleich informiert, aber vielleicht ist er jetzt anderweitig beschäftigt. Also hoffentlich steht hier bald das Update, ich bitte um etwas Geduld.

    Johannes

  2. Hallo Johannes,

    da finde ich manches Richtige dabei, und doch scheint mir auch die Gefahr nahezuliegen, eine schlechte Routine durch die andere zu ersetzen.

    Dein Text liest sich so, als wären Stücke für Standardbesetzungen per se langweilig und akademisch und alles umso kreativer, je weiter es von diesen (vermeintlichen) Standards abweicht.

    Das kannst du aber ja eigentlich nicht gemeint haben, und es dürfte dir nicht entgangen sein, daß es in letzter Zeit gerade (bisweilen verkrampft) „außergewöhnliche“ Besetzungen, Instrumente, Locations etc. sind, die inflationär auftauchen. Nach meiner Wahrnehmung gibt es kaum noch gute Flötensoli (ist auch schwer, das!), aber viele mittelmäßige Stücke für Oktobaßschalmei und dergleichen. Die Formel „Streichquartett = öde“, „Streichquartett mit Mülltonne und Laptop = kreativ“ geht nicht auf. Damit soll weder was gegen Mülltonnen noch gegen Laptops gesagt sein, wohl aber was gegen die Vereinfachung in deiner Argumentation, die meines Erachtens zu weit geht.

    Daß manche Institutionen „schlecht komponieren“, da ist was dran. Viele Projekte werden aber auch durch eine bestimmte Förderpolitik generiert, die allerhand Vorgaben macht. Da ist dann halt die Frage: mach ich gar nichts, oder versuch ich daraus was zu machen? Es gibt quasi nirgendwo Förderung ohne Bedingungen.

    Dieser Knoten könnte dadurch zerschlagen werden, daß Veranstalter sich mehr trauen würden, einfach die Komponisten zu fragen, was sie gerne tun würden.

    (Die Angst, daß sich die Komponisten dann aus den Fabrikhallen zurückziehen und wieder nur Streichquartette für säulengeschmückte Konzertsäle schreiben würden, ist unbegründet.)

    Stattdessen fragen die Veranstalter, ob die Komponisten das mitmachen wollen, was sie sich ausgedacht haben. Und da die Veranstalter das Geld bereitstellen, findet dann meistens auch in etwa das statt. Das Ergebnis ist dann eben immer so gut oder schlecht wie die Idee des Veranstalters multipliziert mit der Fähigkeit des Komponisten, damit was (eigenes) zu machen (wobei „minus mal minus“ in dem Fall nicht automatisch „plus“ ergibt). „Carte blanche“ für Komponisten gibt es manchmal, aber meist nur für solche, die über ihren kreativen Zenit schon weit hinaus sind und dann mit ihrer carte blanche das gleiche machen wie sonst halt auch.—

    Was die Wettbewerbe angeht, so würde ich viel eher dafür plädieren, alle jene zahllosen Ausschreibungen zu boykottieren, die dem Komponisten ein Preisgeld wie dem Esel eine Möhre hinhalten, damit er in der vagen Hoffnung darauf neue Stücke für völlig abstruse Besetzungen oder zu den irrsten thematischen Vorgaben verfaßt (Schönes Beispiel:

    http://www.hochdruckliga.de/kompos09.pdf

    ). Das generiert nur Vielschreiberei, und komischerweise findet man wenig anderweitig bekannte und im Konzertleben präsente Komponisten unter den Preisträgern solcher Veranstaltungen.

    Eigentlich sollten alle Wettbewerbe nicht-anonym und ohne irgendwelche Beschränkungen sein (außer natürlich so naheliegenden wie der, daß man für einen Orchesterwettbewerb ein Orchesterstück einreichen muß).—

    Zu dem ganzen Absatz zur kostenlosen Onlinestellung von allem durch alle habe ich eine dezidiert andere Meinung, aber das ist auch eher Geschmackssache. Ich schreibe altmodische Musik auf Papier und lebe davon und mag die Früchte meiner wirklich mühevollen Arbeit nicht herschenken. Außerdem, Achtung Tabubruch!, mag ich meinen Verlag, der mir schon viel Gutes getan hat. Das muß auch mal gesagt werden dürfen.

  3. @Benjamin, Liebe Blogger,

    an Deinem Kommment ist einiges Wahres dran.
    Finde z.B. auch: Laptop NICHt gleich unbedingt Kreativität.
    Und dass außergewöhnliche, seltene Instrumente momentan inflationär sind, stimmt auch tw.
    Aber warum eigentlich nicht?

    Und hab mir das Soundbeispiel von Johannes Kreidler
    angehört. Naja, möchte mich dazu nicht näher äußern, aber
    finde es wenig bis gar nicht originell.

    Und wozu muss man den armen Beethoven bis über die Unkenntlichkeit hinaus verstümmeln, dann aber als „Erläuterung“ für den YOU-Tuber dazu schreiben: „Das war jetzt Beethoven, soundso viele Werke, zerstückelt in
    nur ein paar Millisekunden“ [technisch TOLL gemacht, ne?…] Und ein mülliger Hitler-Fetzen wird dann – im Gegensatz dazu – unendlich gedehnt.

    Also: wenn schon klauen, dann mit Anstand. Bzw. ich erkenn´ das Kritische oder das Sinnpotential darin nicht.
    Das müsste mir mal jemand erklären.

    Gut, man könnte nun mit dem scheinbaren Argument kommen „jeder klaut“ – ja! Aber ich sehe das ein wenig anders: Es kommt – meiner Meinung nach (damit mich hier nicht wieder einer des kollektiven „Wirs“ beschuldigt oder unterstellt) auf die HALTUNG an beim Komponieren, dass man sich vornimmt NICHt zu „klauen“ oder möglichst wenig.

    Und dass man auch nicht sagt: Am besten gleich alles im Internet für paar Cent oder für Nüsse downloadbar verhökern und dies dann flächendeckend für alle E-Komponisten einführen,(sodass bald jeder von jedem, ohne den Urheber zu nennen und ohne zu bezahlen klauen kann). DAS wäre eine Art des Kollektiven Wir, das mir unerträglich wäre.

    Nun hab ich doch wieder kurz gebloggt (Mist!) obwohl ich das nicht mehr will und keine Zeit dafür hab. Ihr „Baddies“ übt eine „magische Anziehung“ auf mich aus. (pardon: habe mir angemaßt, ein Kollektiv-Wort, zu benutzen. Müsste nun differenzieren und das für jeden einzeln explizieren, das (immer Wenigere) was ich interessant finde und das, was mich immer mehr nervt…)

    Gute Nacht,

  4. Herr Janson,

    wir beide waren bisher beim „Sie“, und das war mir auch ganz angenehm und möge einstweilen so bleiben.

    Frohes Schaffen!

    B.S.

  5. Kleiner Nachtrag: heute morgen las ich bei der „Konkurrenz“ (NZfM 3/2009, S. 24) einen Artikel von Martin Büsser mit dem Titel „Blühende Nischen. Wie experimentelle Musik von der Krise profitieren kann“. Insgesamt ein bißchen kursorisch, dieser Artikel; in diesem Zusammenhang hier aber fiel mir der Schlußabsatz auf:

    „Immer mehr Künstler präsentieren ihre Musik im Internet, doch damit steigt nicht automatisch die Zahl der Rezipienten. Die Vernetzung kann also nicht über einen gesteigerten Konkurrenzdruck hinwegtäuschen. Wer die Förderung und Verbreitung nichtkommerzieller Musik ausschließlich dem Internet überlässt, sorgt langfristig für das Gegenteil von Wachstum: Die Quantität derer, die sich selbst ausbeuten, wird nur so lange steigen, bis die kreative Spielwiese aus Mangel an Resourcen in sich zusammenbricht.“

    Bin nicht ganz sicher, ob ich das alles unterschreiben würde, aber wollte es mal zur Diskussion stellen.

  6. Hallo Benjamin,

    ich scheue tatsächlich nicht die Apodiktik:
    Alles, bloß keine Streichquartette, Flötensoli, Klarinette+Violine+Kontrabass – Stücke mehr, das ist 80er und 90er Jahre. Wenn überhaupt, dann sind die Stücke mit erweiterter Klanglichkeit lohnenswert sich anzuhören, und das geht ja nicht nur mir so, sondern die erwähnte Tendenz zu Oktobassschalmei zeigt dass der Überdruss an den akademischen Instrumenten allgemein ist. Problem hierbei ist nur, dass wahrscheinlich wiederum nicht die Komponisten selbst sich die Piccolosopraninotheorbe ausgesucht haben, sondern Veranstalter oder Instrumentalisten das vorgeben.

    Da sind wir beim anderen Punkt, bei dem ich Dir gänzlich zustimme: Die Veranstalter dürften durchaus mal die Komponisten fragen.

    Zu den Wettbewerben: Klar, alles was nicht ästhetisch gerechtfertigt ist, sollte boykottiert werden – und das Bluthochdrucksbeispiel ist ja das allergruseligste, was ich je gesehen habe.

    Zur Urheberrechtssache: Ich pflege alle, die mit dem Argument kommen, sie wollen die harte Arbeit nicht verschenken, zu fragen: Habt ihr nicht eine einzige gebrannte CD im Schrank, nicht ein fragliches Mp3 auf der Festplatte? Brauchst Dir jetzt keine Blöße geben, Benjamin, aber bislang habe ich noch keinen (!) gefunden der das bejahen konnte. Schluss mit der Doppelmoral, von den Kopiermöglichkeiten haben alle was.

    Ich habe in dem Text meine eigene Arbeit ausgenommen, aber jetzt führ ich es halt mal an, nachdem mich unlängst eh schon jemand als goldenes Beispiel hier nannte (und den ich hiermit noch toppe): Anfang des Jahres kam mir die Idee, mit einem gerade erschienenen Popkompositionsprogramm Melodien aus Aktienkursen zu arrangieren. Es entsteht ein starker Widerspruch zwischen der musikalischen Happy-Ästhetik und der Herleitung, nach der jedem Halbton abwärts Milliarden an Euro und entsprechend verlorenen Jobs entsprechen. Das funktioniert audiovisuell dann gut mit den Melodien und der gleichzeitigen Darstellung der Aktienkurse.
    Das Video hätte ich nun auf einem Neue-Musik-Konzert laufen lassen können vor ~50 Zuschauern, hätte ein paar GEMA-Groschen gekriegt, und vielleicht würde es dann noch ein paar Gelegenheiten vor ähnlicher Zuschauerzahl geben. Im besten Fall hätte sich ein Verlag dafür interessiert, der das irgendwie als DVD (wobei drei Minuten allein noch lang nicht dem DVD-Format gemäß sind) herausgebracht hätte, sich vielleicht 200 Mal verkauft hätte. Was finanziell insgesamt herumkäme, könnte man zweifellos noch unter „Selbstausbeutung“ verbuchen.
    So, darum hab ich’s auf YouTube gestellt und wurde da über 450 000 Mal angeschaut. Sorry für die Angeberei.

    Johannes

  7. Kreidler, ich mag Streichquartette.

    Zum Thema Netz und Büsser: Da hast du aber auch gut den Braten gerochen und vorgearbeitet, Johannes. Ich habe natürlich weniger intelligente Sachen gemacht, auf YouTube gestellt und die Sachen wurden 80 Mal angeschaut. Sowas kommt ja nicht von nirgends. Darüber hinaus lief dein Stück aber doch auch in zig Stationen über den Globus. Ist das auch alles für nüscht? Oder muss man das der GEMA melden?

    Büsser hat Recht, aber auch Menger (Kunst und Brot): Das Internet macht die Zugangsschranke im Ganze niedriger. Wer die Technologie und den Zugang zu ihr hat, kann „machen“. Man muss nicht durch die Institutionen durch. Aber die Spitze, also diejenigen, die genügend Aufmerksamkeit erzeugen, bleibt schmal. Genau wie vorher auch. Da ist dann das Netz nicht anders als DSDS.

    Dass freilich die potentielle Sichtbarkeit steigt, ist aber auch nicht zu verachten.

  8. Q Blogger, Q „Herr Schweitzer“

    So solidarisch war ich mit Ihren Beiträgen nun auch wieder nicht, dass Sie mich an das „Sie“ erinnern müssten
    (aber gut, sorry, dass ich Sie gedutzt habe):

    Wenn ich mir hier manches substanzloses Gequake und Selbstbeweihräuchernde, pseudo-intellektuelle und Zeit raubende Beiträge so überfliege…
    Dann bin ich auch froh, wenn ich mit den meisten hier per „Sie“ bleibe…

    Also, machts gut, apodiktisch, neo- oder sonstwie … aber nicht zu oft, denn davon wird man impotent….

    E.Janson

  9. Q „Herr“ Kreidler,

    Sie erinnern mich mit Ihrem letzen Kommentar tw. an was, kleine Anekdote:

    Wissen Sie, so eine Idee „Melodien nach Aktienkursen“ machen, Popmusikelemente (angeblich „kritisch“ dann oder um Aufmerksamkeit zu erregen) zu komponieren. Die hat wirklich mir mal ein spießiger junger (aber wenig erfolgreicher) Börsenmakler gemacht(der bei einer Firma gekündigt hat (oder wurde?, wen interessierts) und der dann 200.000 Euro einklagte und von dem Geld mit Termingeschäftemn rund um die Uhr mit Profi-Börsenprogrammen in seiner Wohnung rum zockte.

    Der Mann war ein Nervenbündel und intolerantes Ekelpacket, genauso wie seine Idee…
    Aber vermutlich nicht allein darum würde ich nicht gerne
    Musiken nach Aktienkursen oder DAX-Kurven komponieren.

    Aber Seien Sie vorsichtig: dieser Maklertyp hatte Spaß daran sich über alle Welt aufzuregen und gegen alles und jeden zu klagen. Wenn ich dem das Petze, dass Sie nun seine Idee „geklaut“ haben mit dem Komponieren nach/bzw. für die tolle Welt der Börse… (denn sie ist damit nicht originell von Ihnen) dann können Sie sich auf was gefasst machen. Denn der Mensch klagt wirklich gegen alles und jeden (kleiner Scherz und keine Angst, Herr Kreidler – ich petze nicht, bin ja froh, dass ich zu dem Mann keinen Kontakt mehr habe seit
    8 Jahren und nicht mehr mit ihm unter einem Dach wohne).

    Der hörte nachts seinen eigenen PC surren, weil er vergessen hatte ihn aus zu schalten und schellte dann nachts um 2 Uhr bei den Nachbarn, die sollten bitte das „Summen“ abstellen… (das dann von seinem eigenen PC kam).

    Wirklich kein Scherz! Das ist wirklich aus meinem Leben gegriffen udn wirklich so passiert!

    Und @ Youtube-Klickes und Ökonomie der Aufmerksamkeit(en): ich bin ganz froh, dass ich kein aktiver You-Tuber bin bzw. da wenigstens nicht geil auf so viele „Klicks“. Denn Klick ist nicht gleich „kick“ (oder Kik? – nicht zu verwechseln mit dem Texttildiskont) bzw.: was sagt das schon, wenn einer im Netz mal schnell wo drauf klickt, wenn was „reißerisch“ klingt, um Aufmerksamkeit zu erregen.

    Alles eine zweifelhafte Form der Aufmerksamkeits-Erheischung und des künstlerischen Kommunikation.
    Die Globalisierung des NIchts und GROBALISIERUNG (vgl.
    George Ritzer) können ja einige Leute mittlerweile prächtig, um den Selbstausverkauf der Kunst zu beschleunigen.

    Na dann macht mal schön weiter damit, geht mir ziemlich am …. vorbei.

    Dass mein BISS IV (auch „rockiger als ich dachte“) andernorts (bei myspace, glaub ich, hats mein „Haus-Schlagzeuger“ rein gesetz „NUR“ 1000 mal bisher angeklickt wurde, damit kann ich dann gut leben. Und möchte damit zeigen, dass ich auch angeben könnte,
    mir das aber fern liegt.

    Also, adieu: denke nun ist wirklich Zeit für mich
    zu gehen und hier nicht wieder zu kommen und meine
    Zeit sinnvoller zu nutzen.

  10. Richtige Version online! Danke, Moritz, war einfach ein Mißverständnis.

    @Hufi: Ja, das Stück kam dann auch in vielen Radiostationen, aber eben weil es im Netz die Runde gemacht hat. Ich wüsste nicht, wie ich sonst mit dem Stück an die Sender hätte kommen können.
    Gewisse Monopole bleiben leider und neue gibt es auch wieder im Netz, ganz so rosig ist’s in der Tat leider doch nicht, und jetzt kommt noch die Zensursula..

    Findest Du wirklich auch noch die aktuellste Streichquartett-Produktion hörenswert? Ich hab ja gar nichts gegen den späten Beethoven („Späthoven“) usw. aber jetzt erscheint’s mir einfach ausgelaugt und geradezu verzweifelt, was da noch rausgepresst wird.

    Auf den Janson-Quatsch geh ich nicht ein, ich hoffe Ihr habt Verständnis.

  11. Pingback: KULTURTECHNO » Institutionen komponieren

  12. Johannes, da ist was dran. Leider bin ich selten beim Hören von solcher Musik zu erwischen. Daher auch kaum Streichquartette. Das letzte, das mich gerührt hatte, war von Michael Gielen und dann gab es noch eines von einem Österreicher namens Haas. Neulich dagegen einige Ausschnitte von Ruzicka-Quartetten gehört im DLF. Kommentare dazu waren immer von tiefer Breite und die Musik danach ging an mir vorbei. Das Nono-Quartett mochte ich auch nie so richtig und Gran Torso war ein Erlebnis, so umgehaun hat es mich beim ersten Hören.

    Aber sicher, Besetzungen wie bei Ustwolskaja sind schon ziemlich großartig, so wie die Musik. Vermutlich kennt da jeder Beispiele und Gegenbeispiele.

    Aber interessehalber zurück: Ist Chart-Music Gema-pflichtg?

  13. @Hufi: Haas 2. Strqrt fand ich in der Tat auch toll (und gerade weil mit Flageoletts auf umgestimmten Saiten eine ganz eigene Klanglichkeit angestrebt wurde).
    Zu Deiner Frage: Ich bin Mitglied der GEMA, also muss ich jedes Stück melden, folglich auch dieses. Mit Reichtümern ist dabei nicht zu rechnen.

  14. Hallo Johannes,

    ich habe nachgeschaut: es finden sich 6 (sechs) selbstgebrannte CDs in meinem Schrank, die ich jeweils geschonken gekrochen habe von Leuten, die das Original besitzen. Ich glaub, das ist sogar legal, aber die meisten dieser Scheiben werde ich mir auch nochmal richtig selber kaufen.

    Auf meinem Rechner habe ich nur meine eigenen Sachen sowie einige Kopien von CDs aus meiner Sammlung, die ich mir mal zum Hören im Urlaub oder so darauf gespeichert habe.

    Einen iPod besitze ich nicht, und ich habe mir auch noch nie Musik oder Filme aus dem Internet heruntergeladen.

    Kannst vorbeikommen und nachschauen.

    Jetzt wirst du mich wahrscheinlich für nicht satisfaktionsfähig erklären ;-) aber jedenfalls mußt du zugeben, daß mein Reden und mein Handeln in dem Zusammenhang doch recht kohärent sind.—

    Ich hoffe, daß ich in meinen Beiträgen klargemacht habe, daß ich deine Argumentation und auch deine Vorgehensweise, das Internet zur Verbreitung deiner Musik zu nutzen, nicht in Bausch & Bogen verdamme, aber mit deiner Apodiktik tu ich mich nach wie vor schwer.

    Sehe ich das falsch, oder ist das Beispiel, das du anführst mit den 450.000 Klicks nicht der Beweis dafür, daß dich niemand daran hindert, deine Sachen so zu verbreiten, wie du es für richtig hältst? Dann mach es doch so und laß einem alten Onkel wie mir seine GEMA-pflichtigen Flötensoli in gebundenen Druckausgaben, und wir können es beide im Rahmen des Möglichen zufrieden sein.

    Oder hab ich da was nicht verstanden oder übersehen?

  15. Hallo Benjamin,

    ich glaube es gibt Medien und Formen, die sich einfach mit der Zeit erschöpfen: C-Dur, Cembalo, Fuge, Symphonie (Ausnahmen bestätigen). Und ich schließe aus der jetzigen Situation (Oktobassschalmei & Co), dass dieses Schicksal allmählich die Konvention gewordenen Besetzungen ereilt.

    Ist ja völlig klar, dass Ideen hinzukommen müssen, Mülltonnenspieler und YouTube garantieren noch nichts – ermöglichen allerdings viel.

    Ich nehme den scharfen Ton zurück – den habe ich angeschlagen, weil in diesem Blog so viel lamentiert wird und wenig konkrete Auswege genannt werden.
    Die selbsterklärte Altmodischkeit lasse ich Dir freilich – aber ich bin überzeugt dass die Zukunft woanders hingeht und finde es deshalb etwas schade!

    Johannes

    P.S. Wirst ab sofort mein goldenes Gegenbeispiel sein in Sachen kopierte Musik :)

  16. Hallo Johannes,

    das Lamento verschwindet ja nun langsam von diesen Seiten, und was du geschrieben hast, ist in der Tat immer noch wohltuend konkret genug, wenn man die Polemik wegläßt.

    Über die Frage mit der Abnutzung/Erschöpfung bestimmter Formen könnte man noch ein Weilchen diskutieren. Was die Symphonie/Sonate im engen Sinne angeht, geb ich dir vielleicht noch recht. Wenn es um Besetzungen oder bestimmte Instrumente geht, finde ich im Prinzip alles gleich abnutzungsgefährdet. Ich glaube nicht, daß es da höhere und niedrigere Abrasionsfaktoren gibt wie etwa bei Sofabezügen.

    (Cembalo ist eigentlich gerade toll, nicht zuletzt diese Monsterteile, die man in der Nachkriegszeit gebaut hat und die aussehen und klingen wie Gelsenkirchener Barock. Aber erst recht natürlich ein richtig gutes kleines Einmanualiges in irgendeiner alten Stimmung – ich mag den Klang, und auch die kompositorische Herausforderung, mit diesem scheinbar beschränkten Gerät was Vernünftiges anzufangen. Exkurs Ende.)

    Mit dem Altmodischen, das ist natürlich auch eher (selbst)ironisch gewesen – mich interessiert es nunmal sehr, da auf Entdeckungsreise zu gehen, wo alle meinen, es sei schon alles abgegrast und kartographiert.

    Das bedeutet keinesfalls, Sachen auszugrenzen, die irgendwie ’neu‘ oder ‚ungewöhnlich‘ erscheinen, und ich finde nicht alles automatisch gut, was irgendwie oll daherkommt. Man darf das auch nicht mit dem seltsamen unspezifischen Ruf nach ‚Qualität‘ verwechseln, der hier bisweilen erscholl, und schon gar nicht mit der komischen Ansicht, daß Digitalisierung, Youtube und MySpace den Untergang des Abendlands bedeuten und überhaupt alles verroht und den Bach runter undsoweiter.

    Aber mein Spieltrieb geht in eine andere Richtung, und das Lustige an der Zukunft ist ja, daß sie nicht an einen bestimmten Ort geht, sondern immer überall gleichzeitig ist – ich werde also auch was von ihr abkriegen.

  17. Hallo Blogger, @ Lieber Herr Kreidler,

    „Auf den Janson-Quatsch geh ich nicht ein, ich hoffe Ihr habt Verständnis.“ (Zitat Johannes Kreidler, Ende)

    Beruhigen Sie sich. Ich habe Verständnis für Sie, Herr Kreidler, auch wenn Sie leider dazu neigen, schnell pauschal und unfair werden, wenn mal jemand hier (in dem Fall ich) Ihre Art der Haltung zur Kunst und Ihre künstlerischer Selbst-Präsentation in der Öffentlichkeit nicht als das Non plus Ultra empfindet und eine andere Meinung dazu hat (und diese hier auch kund tut).

    UNd: Es muss hier keiner auf nichts eingehen. Aber ein wenig Respekt in dem Sinne, dass man nicht PAUSCHAL die Meinungen eines anderen (der hier auch viel Nachdenkenswertes hinein schrieb, dem hier viele Blogger bei pflichteten, die alle nicht mehr da sind…warum wohl?) als „Quatsch“ beschimpft, würde ich mir schon als kl. Nachruf gewünscht haben. Aber ist nun auch egal.

    Vielen scheint hier ohnehin egal (oder gar gewollt), dass hier zunehmend dieselben (wenigen) Leute aktiv bloggen und sich gegenseitig auf die Schultern klopfen, weiter verdeckt Eigenwerbungen betreiben (guck mal soundo viele Klicks hatte ich und deswegen auch auf soundso vielen Radiostationen). War da nicht was? @Nutzungsbedingungen: keine Eigenwerbung (auch keine versteckte)etc.?

    Letztmals @ Thema You-Tube, Myspace etc.:
    Ich wollte niemals generell diese Möglichkeiten der Präsebtation von Kunst „verteufeln“,wie es mir hier z.B. Kreidler unterstellt. Aber ich sag(t)e nur (und meine weiterhin), dass – gerade bei der Musik, aber auch in anderen Kunstformen – diese Art der Präsentation manchmal recht oberflächlich ist und wenig tief gehende, auratische Erfahrung und Wahrnehmung ermöglicht. Und: was sagen Infos über Klicks etc. letztlich aus? Kann man da erahnen bzw. wissen, wie viele Leute nach paar Sekunden oder Minuten wieder weg klicken?

    Das nur mal am Rande, auch auf den Verdacht hin, dass mich noch so viele Leute hier für altmodisch, bescheuert
    oder sonst was halten (damit lebe ich dann GERNE!): Es geht nichts über den „normalen“ Konzertbetrieb bzw. die Formen der nicht-virtuellen Aufführung, Verbreitung und Rezeption von Musik, wo Komponist! Und genau deswegen – unter anderem – gehören Präsentationen von E.- wie sog. U-Musik in Konzerten auch weiterhin angemessen (gegenüber Internetpräsentation/ Nutzungen) über die GEMA entlohnt und nicht alles tendenziell „reformiert“
    oder in einen Topf geworfen.

    Warum werden denn Kommunikationsformen und allgemein das Kommunikationsverhalten von Menschen immer oberflächlicher, immer „zappiger“, werden Erfahrungen (auch in der Kunst) immer weniger intensiv? Zumindest empfinde ich es so (es muss mir hier keiner bei pflichten!).

    Ein letztes: Block Notifications – ja den Button habe ich gesucht und eben drauf geklickt und bekomm nun hoffentlich keine Benachrichtigungen mehr von der Blog Administration, wenn hier wer was Pauschaliserendes, Verdrehendes oder gar unter der Gürtellinie (nun sind alle Varianten durch) @ Janson oder sonst wen schreibt oder mit noch so komischen, dubiosen Mitteln mich provozieren will, dass ich im Blog doch dabei bleibe…

    Ist mir nämlich von jetzt an egal.
    Auf nimmer wieder-schreiben und nimmer-Durchlesen hier.

  18. Vielleicht mal Zeit für eine kleine Auswertung. Insgesamt gibt es zur Zeit 485 Kommentare. Dabei entfallen auf fünf Kommentatoren knapp die Hälfte, nämlich 241:

    (83) Janson
    (47) wechselstrom
    (47) Peter Köszeghy
    (44) Der Russe
    (40) Kunstgorilla

    Die restlichen 244 Kommentare verteilen sich auf den Rest der über 40 Kommentatoren. Bloggen tun im Kern nur drei Leute, wie jeder wissen dürfte: Patrick, Moritz und Arno. Hinzu kommen Gastbeiträge von drei weiteren Autoren.

    @ Johannes. Ja, es war dieses zweite Quartett von Haas (und ich habe mir einen Mitschnitt im Rundfunk davon gebrannt. Ist ja noch kein Verbrechen.) Aber generell ist auch bei mir eher eine Ermüdung zu bemerken, aus dem Netz Sachen zu ziehen. a) Das Gesetz ist da vor und b) scheint es mir in Richtung temporärer Besitzt zu gehen. Man nimmt da mal Sachen mit und gut ists. Aber vielleicht werde ich in Zukunft wieder mehr Rundfunksachen mitnehmen. YouTube ist eine ganz prima Sache. Allein von Rebonds II von Xenakis gibt es da äußerst faszinierende Aufnahmen.

  19. Zu dem Text in der „Neuen Zeitschrift für Musik“ muss man wissen, dass selbige vom Schott Verlag herauskommt und Meinung im Sinne des Verlags macht (außerdem vor allem Komponisten die bei Schott verlegt werden porträtiert). Dass der Text also nicht wirklich den neuen Medien aufgeschlossen ist, hat nicht unbedingt sachliche Gründe.

  20. Das stimmt. Die NZfM kommt bei Schott heraus. Ob man nun aber Martin Büsser als „schottkonformen“ Autor bezeichnen wollte, wage ich sehr zu bezweifeln. Martin Büsser trat vor allem mit der hervorragenden Reihe „testcard“ hervor, deren Mitherausgeber er ist. Das aktuelle Editorial ist durchaus bedenkenswert. Man kann die Einschätzung von Martin Büsser auch teilen, wenn man sie außerhalb des Schottiversums liest.

  21. Als Musikjournalist darf ich hinzufügen, dass es mir bei der Arbeit als allerletztes einfallen würde, ob ich „schottkonform“ bin, wenn ich dort über ein Thema schreiben soll.
    Ich glaube auch, die Aufgeschlossenheit gegenüber den neuen Medien braucht nicht mehr in Frage gestellt zu werden, es sind eher die Theorien über Nutzen, Effektivität und Zukunftschancen. Keiner von uns würde sich zu einem „So und nicht anders wirds“ hinreißen lassen. Wir haben aber immerhin auch schon (jeder von uns mehr oder weniger) über ein Jahrzehnt Internet hinter uns. Interessant wäre daher ein Entwicklungs- bzw. Bedeutungsvergleich verschiedener kultureller Genres (Musik/Kunst) im Internet. Ich fände es spannend, dies z.B. mit der Entwicklung von Kommunikation im Web zu vergleichen. Schließlich gab es auch schon vor 10 Jahren Musik(-projekte / -ideen) im Internet, aber erinnert sich jemand an diese…?

  22. @ hufner:…Zahlen sind auch hier nicht alles. Aber für die Wortfindung „Schottiversum“ darf ich Sie – bei aller gebotenen Distanz – kurz mal knutschen, das ist fast so poetisch wie Richard Strauss´“Die Geier warten am Weihergarten.“ Nur trifft all dies Schöne nicht mehr zu. Die GEMA hat seit gestern einen „neuen“ Aufsichtsrat. Was das „Neue“ betrifft, sind die sparsamen Schotten immer noch dabei – aber die Macht hat UNIVERSAL – oder wir. Und/oder?
    Herzlich: Ihr Geissler

  23. Wenn man mal einen Blick auf das Heftarchiv der NZfM wirft, läßt sich die Behauptung

    (außerdem vor allem Komponisten die bei Schott verlegt werden porträtiert)

    nicht so recht damit belegen:

    http://www.musikderzeit.de/de_DE/journal/issues/index.html

    Da finden sich zuletzt eine Titelstory über Wolfgang Rihm (UE), ein Porträt über Hilda Paredes, eine Analyse zu Rebecca Saunders (Edition Peters), ein Artikel über Willam Engelen, ein Nachruf auf Stockhausen (Stockhausen Verlag), eine Analyse zu Isabel Mundry (Breitkopf), ein Porträt Markus Hechtle etc. etc.

    Vielleicht sollte man sich ja doch der Mühe einer halbwegs differenzierten Sichtweise unterziehen, bevor man mit solchen „Meinungsmache“-Theorien anrückt.

  24. Hallo auch,

    wir sind ja schon recht weit vom ursprünglichen Thema abgewichen, da will ich die Gelegenheit nutzen, ein paar Dinge zu klären, die mir schon länger auf der Zunge brennen.

    An den ästhetischen Debatten (und nicht nur dort) stört es mich, dass folgende Dinge meistens nicht klar genug beleuchtet werden:

    – Die isolierte Darstellung ihrer wirklichen Ziele („Es gibt zu wenige Stücke für Hammer, PC-Mainboard und Mülltonne“ ist doch eher eine codierte bzw. ungenau formulierte Klage anhand eines Beispiels über das mangelnde Interesse seitens der Komponisten für diese Instrumente und/oder die zu unrecht konstruierten Selbstbeschränkungen („sowas kann man doch nicht komponieren!“). Oder etwa nicht? Das ist mir unklar).

    – Die Begründung der no-goes („ok, herkömmliche Streichquartette werden langweilig. Ich find sie aber manchmal interessant, warum gönnt man mir das nicht?“). Das Beispiel mit der Hochdruckliga fand ich eher witzig und anregend als abschreckend. Wahrscheinlich gerade weil es irgendwo „gruselig“ ist. Warum sollte ich es also nicht mögen?

    – die konkreten Zielgruppen, die angesprochen werden. („Ist mein Streichquartett jetzt interessant oder nicht? Ich finde es toll, zweifelsohne. Aber wie sehen ‚die‘ das? Kurzum: Meinen die mich?“). Schön wäre es, an konkreten Beispielen zu arbeiten, wie es etwa bereits ein Autor mit der Verlinkung der Ausschreibung für die Hochdruckliga getan hat.

    Diese Unklarheit führt dazu, dass ich mich als junger Komponist manchmal irgendwo beschränkt fühle, als ob mir diese erfahrenen Leute, die ja sicherlich ihre Gründe für ihr Handeln haben, einen Riegel vorsetzen würden. Wie soll ich mich verhalten? Ein paar Meinungen dazu würden mir wirklich sehr helfen.

    Viele Grüße,
    Philipp

  25. Hallo Philipp,

    um es kurz klarzustellen: das wirklich Schlimme an dieser Hochdruck-Ausschreibung ist nicht das Thema. Zwar hat das auch etwas von schlechtem Mäzenatentum („Wir kaufen uns einen Komponisten zu Marketingzwecken für unseren Club und sonnen uns noch im Bewußtsein unserer Kulturförderung“), aber letzlich hast du recht damit, daß es natürlich subjektiv ist, ob man sowas ansprechend oder abschreckend findet.

    Im Grunde ist der Unterschied zwischen der Vorgabe „Schreiben Sie irgendwas über Bluthochdruck“ und „Schreiben Sie irgendwas, aber nicht über 15 Minuten“ unter (un)künstlerischem Gesichtspunkt nicht so groß. Es bleibt jedem selbst überlassen, ob und auf welche Vorgaben man sich einläßt.

    Wirklich schlimm ist folgender Passus aus den Teilnahmebedingungen

    Nimmt die Gewinnerin / der Gewinner den Preis an, so räumt sie / er der Deutschen Hochdruckliga e.V. DHL® – Deutschen Hypertonie Gesellschaft bereits hiermit das zeitlich, räumlich und inhaltlich unbeschränkte Recht ein, das Musikwerk für Werbe- und sonstige Zwecke zu nutzen, insbesondere es zu verbreiten, Vervielfältigungsstücke des Tonträgers zu erstellen, das Musikwerk öffentlich aufzuführen, das Musikwerk durch TV und Funk der Öffentlichkeit zugänglich zu machen und das Musikwerk durch Tonträger oder auf den Internetseiten öffentlich wahrnehmbar machen zu lassen. Es bestehen keine Vergütungsansprüche der Urheberin / des Urhebers für die vorstehend genannten Übertragungen der Nutzungsrechte. Weitergehende Vergütungsansprüche bestehen nicht.

    Das heißt, das Stück geht quasi in „Leibeigenschaft“ dieser Hochdruckliga über, und sowas muß man boykottieren.—

    (…)dass ich mich als junger Komponist manchmal irgendwo beschränkt fühle, als ob mir diese erfahrenen Leute, die ja sicherlich ihre Gründe für ihr Handeln haben, einen Riegel vorsetzen würden. Wie soll ich mich verhalten?

    Laß dir nix vorschreiben, würde ich sagen.

  26. Hallo Philipp,

    mir ging es nicht um Selbstbeschränkung, sondern um Einschränkungen seitens der Institutionen. Ich sage jetzt erst mal grob: Wenn ein Komponist die Idee hat, ein Stück über Bluthochdruck zu schreiben: gut. Wenn die Bluthochdruckliga die Idee hat, es könnte mal ein Stück für ihr Anliegen gemacht werden, und winken dafür mit Geld: schlecht. Wenn sich die zwei finden: perfekt. Außer, wie Benjamin sagt, die Liga auch gleich noch alle Rechte daran haben will: großer Bullshit.

    Konkret zu deinen Fragen:

    – Welche Ziele? Die Schreiber dieses Blogs, zumindest Moritz und ich als sich dem anschließender Gast, fordern ästhetische Relevanz, was sich auch tatsächlich in Publikumszahlen ausdrückt. Dazu gehört die Frage nach dem Medium. Flöte solo oder Drummachine? Wenn man mich so fragen würde: Drummachine, aber etwas intelligenter als im Pop angewendet.

    – Begründung für No goes. Tabus sind leider schwer zu begründen, sie sind selbst Tabu. Ich sage: Flöte solo ist out. Weil unzählige FLötensoli geschrieben wurden, die zwangsläufig alle sehr ähnlich klingen und ich schlichtweg davon gesättigt bin. Außerdem gibt es ein Meisterwerk von Sciarrino, an dem die anderen kaum vorbeikommen, weil er eben auch die komplette Klanglichkeit der Flöte, die nunmal begrenzt ist, ausgeschöpft hat. Die Aussage, man fände da immer noch Spielraum, und dafür gäbe es immer noch Hör-Interessenten ist allerdings nicht widerlegbar, und wenn es nur 5 Hörer sind – dann sei das eben die Neue-Musik-Minderheit. Trotzdem halte ich dann dagegen: 5 sind einfach zu wenig.

    – Zielgruppen: Sollte man sich keine Gedanken darüber machen. Musik soll so anspruchsvoll wie möglich sein und so viele Menschen wie möglich erreichen. Es gibt nur verschiedene Medien, die unterschiedliche Reichweite haben. Die Frage ist, ob eine Collage aus Popmusik, die intelligente Spannungszustände herstellt, ein ähnliches Niveau hat wie die Septolen-Kratzgeräuschfragmente. Da gehen die Meinungen sehr auseinander.

  27. Hallo,

    danke für die Antworten. Zusammen mit „Wie ich lernte sorglos zu sein und auf Stil zu pfeifen“ von Moritz (http://www.moritzeggert.de/index.php?reqNav=work&genre=&subGenre=38) ist mir denke ich einiges klarer geworden.

    Viele Grüße,
    Philipp

  28. Schlagen wir doch mal die aktuelle „Neue Zeitschrift für Musik“ auf.

    Besprochen werden da mit Partiturbeispielen:

    Heinz Holliger, Benjamin Schweitzer (beide Schott)

    Des weiteren:

    Klaus Huber (teilweise Schott), Franz Martin Olbrisch (teilweise Schott), Toshio Hosokawa (Schott).

    Das sind ca. die Hälfte der überhaupt in größerem Umfang besprochenen Komponisten in dieser Ausgabe. Nachtigall.

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