Für UrheberInnen ist die neue EU-Richtlinie der Anfang fairer Lizenzierung!

Ich verstehe die Aufregung um die neue EU-Urheberrechts-Richtlinie nicht! Was ich sehe: die Verfechterinnen und Verfechter eines möglichst regelfreien Internets laufen zur Hochform auf wie zur Zeit der Sperrtafel-Kampagne von Google und Youtube gegen die GEMA, als die GEMA im Rechtsstreit um eine Neuregelung der Lizenzierung an Youtube exemplarisch ein paar Songs tatsächlich auf der Plattform sperren ließ, die massenweise Sperrung für Deutschland allein rein prophylaktisch seitens Youtube erfolgte.

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Damit hatten Google und Youtube ein Druckmittel in der Hand, das die Leute zu Shitstorms, Blockade des Online-Angebots der GEMA und Demonstrationen gegen die GEMA auf die Strasse trieb. Im Februar 2019 sind es nun die Uploadfilter, die zu Kampagnen gegen die Unterstützer der Reform führen, weil mit jenen Filtern angeblich Zensur und das Ende des Uploadwildwuchses eingeläutet werden soll.

Dabei gibt es sie doch schon heute! Wer mutmasslich urheberrechtliche Ansprüche durch einen Upload auf Youtube verletzt, erhält heute bereits eine Warnung. Manchmal ordnet der Filter eine gesprochene Sprachmelodie einem Song zu und sperrt, worauf man mühsam den Nachweis erbringen muss, dass das auktoriales Material des Uploadenden ist.

Manche und mancher schreit: „Ihr Urheber, Ihr habt doch bereits eine Lizenzierung Youtubes durch die GEMA.“ Ja, dem Grunde nach stimmt das. Aber statt das zivilisiert auszuhandeln, zog sich diese Lizenzierung nach einer ersten sehr günstigen für Youtube fast eine Dekade hin. Jetzt liegt ein hochgeheimes Papier vor, nachdem Youtube für besagten Zeitraum nur pauschal eine Summe an die GEMA überwies und keine Angaben zu Klickzahlen und Nutzungsdauer preisgeben muss. In zähen internen Verhandlungen schuf die GEMA ein Analogiesystem zu anderen Nutzungen von Musik, um sich einer mutmasslichen Plattform-Nutzung anzunähern.

Dabei kann jeder Kanalbetreiber für gewissen Zeiträume ganz genau sehen, wie viele Nutzer wie lange ein Musikstück anhörten. Und Youtube sieht bei werbefinanzierten Angeboten, wie lange jemand die Werbeclips aushielt und bietet demnach uploadenden Kanalbetreibern speziell daraus Einnahmen an. Was unterstreicht, dass genau damit Youtube und Google hier ihren Reibach machen. Im weitesten Sinne gilt das mutmasslich auch für Facebook, etcpp.

Progressive Personen werden jetzt vorschlagen, dass jede Audio- und Videodatei im Netz hervorragend mit der Blockchain-Methode zu schützen sei und somit durch diese Art digitales Wasserzeichen jede Nutzung überprüfbar sei. Das stimmt. Allerdings ist es vollkommen o.k., die Profit machenden Plattformen zur gleichen Herausgabe von Daten zu verpflichten, wie es Sendern, Verlegern und Konzertveranstaltern obliegt. Gerade weil Plattformen wie Youtube und Facebook über diese Daten bis ins letzte digitale Jota heute schon verfügen, stellt die neue Verpflichtung durch die EU-Richtlinie für sie kein Problem dar, da sie ja bereits jetzt ihre Formen von Uploadfiltern nutzen.

Im großen Jammertal des Shitstorms und Demonstrierens wird übersehen, dass es abgesehen vom Herausrücken der Nutzungsdaten, Plattformen, also Providern viel einfacher gemacht wird. Statt wie so oft kolportiert mit jedem Urheber extra Verträge abschliessen zu müssen, können sie bequem z.B. mit der GEMA eine pauschale Lizenzierung vereinbaren, wie es jeder Chorverband seit Jahrzehnten kann, um gegen Meldung jeder Nutzung diese ultragünstig, je nach Vertrag für das einzelne Verbandsmitglied sogar kostenlos, zu bezahlen.

Google, Youtube und Facebook sind zwar keine Dachverbände ihrer Kanalbetreiber. Sie fahren aber mit den Inhalten der Kanalbetreiber über Schaltung von Werbung einen hohen Profit ein, der einerseits auch werbefreien Kanalbetreibern die Nutzung kostenfrei ermöglicht – aber auch deren Inhalte tragen zur Werbefinanzierung bei, da von deren Angeboten bei Youtube z.B. in der rechten Spalte mit Filmvorschlägen mir nichts, dir nichts eben auch zu Angeboten mit Werbung geführt wird bzw. jeder Hauptseiten-Aufruf zu solchen Angeboten führt, womit auch die aufgesuchten werbefreien Angebote in der Zielrichtung zum werbefinanzierten Profit durch die entsprechenden Angebote beiträgt.

Daher ist es recht und billig, sie in die Pflicht zu nehmen und ihre Werbe-Einnahmen, die eine Plattform in erster Linie zu generieren hat, zur für sie nach wie vor günstigen, nun pauschal möglichen Lizenzierung anzusetzen. Wenn die Lizenzierung, wie im Fall Youtubes gegen die Mitglieder der GEMA, verweigert wird, dann sind eben Uploadfilter die harte ultima ratio, um nicht nur nach Gutdünken der Plattform, wie im Sperrtafel-Streit Youtube/GEMA, zu verfahren, sondern den Urheberinnen und Urhebern und denen von ihnen beauftragten Verwertungsgesellschaften, deren Mitglieder sind, deren Aufsichtsrat sie wählen und deren Vorstand sie über diesen bestimmen, das volle Recht an der Nutzung ihrer Werke einzuräumen, was dann auch zu Nutzungsuntersagungen führen kann. Durch die Lizenzierung wird dieser harte Fall allerdings in der Regel unterbleiben, ausgeräumt – so wird es für die Plattformen letztlich einfacher.

In berechtigten Fällen muss dies auch bei einer pauschalen Lizenzierung möglich sein: bisher umständlich nachzuweisen, ist eine Sperrung z.B. der Nutzung von Musik durch einen Alt-Right-Kanal dem Urheber nicht richtig möglich, wenn die Gemeinschaftsstandards einer Plattform diese Nutzung als zulässig deklariert. Dies wird nun endlich möglich sein, ja, da die Plattformen sowieso schon ihre Uploadfilter einsetzen. Und für Newcomer-Plattformen? Ich denke, dass Google & Co. oder findige Programmierer schon längst Tools dafür zur Verfügung stellen – Blogbetreiber stehen solche annähernd heute schon zur Verfügung-

Ja, und eben all die „Kleinen“, die besagte Blogs betreiben, Memes erzeugen oder Parodien online stellen? Sie werden geschützter denn bisher sein und sind von Uploadfiltern und teurer Lizenzierung in der Regel ausgenommen.

Und unsere Blockchain-Technologie-Freunde? Das mag Alles heute schon möglich sein. Und ich denke, wenn es aktuell noch keine Rolle spielt, wird es in Zukunft eine Rolle spielen. Ob sie die jetzt anvisierte Datenermittlung ersetzen wird? Wie wir Alle wissen, ergänzt jedes neue Technologieangebot den Markt – ältere Technologien sind bisher nicht verdrängt worden, vielleicht im ersten Hype marginalisiert. Dennoch gibt es nach wie vor Bücher, Kassetten, Radios und Langspielplatten.

Für uns Urheberinnen und Urheber ist der jetzt eingeschlagene Weg erst einmal der Richtige!

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1 Antwort

  1. „Dabei gibt es sie doch schon heute! Wer mutmasslich urheberrechtliche Ansprüche durch einen Upload auf Youtube verletzt, erhält heute bereits eine Warnung. Manchmal ordnet der Filter eine gesprochene Sprachmelodie einem Song zu und sperrt, worauf man mühsam den Nachweis erbringen muss, dass das auktoriales Material des Uploadenden ist.“

    Korrekt.

    Auch Korrekt:
    – YouTubes Content ID System ist schrott
    – hat sehr viel Geld gekostet
    – lässt immernoch manche geschützte Inhalte durch während andere falsch markiert werden
    – dreht zunehmend den Content-Schöpfenden (!) auf YT den Geldhahn zu
    – falsche Ergebnisse anzufechten ist extrem mühsam und Zeitaufwendig (wie erwähnt)
    – wird regelmäßig Missbraucht von Medienunternehmen, die versuchen Kritik oder Parodien die z.B. in den USA unter „Fair Use“ fallen würden zu unterbinden, oder einfach „Internet Trollen“ die einer Meinung in einem Video widersprechen

    Und das soll dann ALLEN Online Plattformen aufgezwungen werden, im Zweifelsfalle spätestens nach einer Schonfrist von drei Jahren.

    Na gute Nacht.

    Vielleicht mal ein bisschen mehr über die praktische Umsetzung und Machbarkeit nachdenken.

    Und darüber, das das Internet nicht allein aus Youtube und Facebook besteht (letztere die im übrigen schon Lobbyarbeit FÜR die Urheberrechtsreform betreiben. Hausaufgabe ist jetzt mal scharf nachzudenken warum das so ist.)

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