Schadensersatz und Vertragsstrafen für aufgrund von sexuellen Lehrpersonal-Übergriffen gescheiterte Musikstudien!

Liebe Studierende, liebe Unterrichtende an Musikhochschulen. Jetzt wird’s bitterböse. Und teuer. Wäret Ihr Angehörige angelsächsischer universitärer Musikfakultäten könnte im Vertrag der Unterrichtenden geregelt sein, das sexuelle Beziehungen zu Studierenden untersagt sind. Hierzulande steht so etwas noch nicht in den Verträgen, hoffentlich aber bald überall in den Verhaltensregeln. Momentan ist meistens die unterrichtende Person aufgefordert, das Verhältnis im Falle von Prüfungssituationen offenzulegen und sich als Prüferin oder Prüfer zu neutralisieren und vielerorts ist man bereits zuvor angehalten einen Lehrendenwechsel einzuleiten. Wie kompliziert! Ich wäre für ein radikales Beziehungsverbot.

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Denn was interessieren den Lernenden die sexuellen Gefühle des Lehrenden, wenn man jenseits von damit betrügerisch erhofften Karriereverbesserungen das eben auf die Lebenskarriere extrapoliert. Scheitert die Beziehung, das Unterrichtsverhältnis, wird mindestens ein Studienjahr durch sehr oft hierbei stattfindenden kompletten Hochschulwechsel vergeudet oder sogar viel zu oft nicht aufgrund von Unfähigkeit des Studierenden, sondern wegen des zerstörten Unterrichtsverhältnisses, das Studium abgebrochen. Um das zu rechtfertigen, wird oft „Unfähigkeit“ durch den Lehrenden stigmatisierend ausgerufen oder schreibt sich das studierende Opfer dies selbst zu.

Gerade wenn Musikhochschulen ihre Lehrenden nicht entsprechend schulen, wie man eigene Schwierigkeiten, wie sexuelle Beziehungen zu Studierenden es in der Relation sein können, oder Probleme der Studierenden bewältigt, kann man das Gerede von „Unfähigkeit“ als üble Nachrede mit eventuellem akademischen Siegel abhaken. Und was interessieren amouröse Unkontrolliertheit des Unterrichtspersonals jenseits von TV und Roman die Allgemeinheit!

Jeder und jede unterrichtende Person, die eine sexuelle Beziehung mit Studierenden eingeht und an deren Ende das Studium bei ihm scheitert, sollte von der Amtshaftung ausgenommen werden und dem Staat die verschleuderten Ausgaben für die Studienzeit rückerstatten müssen. Dazu sollte der oder die Lehrende privatrechtlich von den Studierenden bzw. ihren Finanziers haftbar gemacht werden können.

Jedes wegen der sexuellen Beziehung gescheiterte Studienjahr könnte man je nach Studienort mit 15000 bis 30000 Euro ansetzen. Dazu sollte man die Kosten aufschlagen, die vor dem Studium für zum Studium qualifizierenden Unterricht ausgegeben worden sind. Veranschlagt man da humane Kosten von 100 Euro pro z.B. instrumentaler Hauptfachstunde, 50 für ein Nebeninstrument wie Klavier und 50 für Theoriestunden, sind das wöchentlich 200 Euro a 38 Schulwochen, im Jahr 7600 Euro: Mit Meisterkursen, Orchesterteilnahmen und sonstigen Kosten für Instrument und Reisen, kann man jährlich ca. 9000 Euro für hochschulvorbereitenden Unterricht ansetzen, den Eltern im Schnitt drei bis vier Jahre jährlich pro Kind aufwenden, womit wir bei 40000 Euro wären.

Also, verehrte Liebhaber und Liebhaberinnen auf akademischen Sesseln, die Ihr Euch als Frischfleischzulage Studierende ins Regal stellt, stellen wollt oder je gestellt habt: so Euer Verhalten zum Lehrerwechsel, Ortswechsel oder Studienabbruch führte, das kostetet unter Umständen mindestens 70000 Euro den Staat und die Eltern Eures Subjekts Eurer Begierde, die Ihr in den Sand gesetzt habt, was in etwa, so Ihr Professoren und Professorinnen in Vollzeit seid, 1,5 Jahre Eures Solds betrifft.

Ich erlebte, wie teilweise jährlich bei diversen Professoren Studierende nach gescheiterter Beziehung im Nachgang zu „Unfähigen“ deklariert worden sind. D.h., in den sechs Jahren an der Musikhochschule setzte ein Professor jährlich öffentliche und private Gelder von eben vielleicht 70000 Euro, mal sechs Jahre, gleich 420000 Euro in den Sand. Mal mehr, mal weniger.
Am Ende des Textes bin ich nun dafür, dass sexuelle Beziehungen zu Studierenden harsch verboten werden und im Falle des Verstosses die lehrende Person für das bei ihr gescheiterte Studium 70000 Schadensersatz und 30000 Euro Strafe zu leisten hat. Das sind Kosten des Abenteuers. Kann man ja auch in Urlaub oder Ärzte investieren, bevor man sich nicht im Griff hat! Warum die Schärfe? Ich hatte die Tage viel Zeit nachzudenken und mich bis in meine Zeit als Oberstufenschüler zu erinnern, an Musiklehrer, die mit Schülerinnen was anfingen, an Hochschuldozierende mit Studierenden beiderlei Geschlechts. Und wie oft eben diese Studien scheiterten.

Da kann man lange über menschliches Versagen reden und Mitleid äußern. Nein, wie der Gouverneur von Daressalam Schwule ausrotten möchte, so muss man sexuelle Lehrer-Schüler-Beziehungen in unserer geldgeilen Gesellschaft brutalst finanziell für Staatskasse und Opfer ahnden. Wie gesagt, die sexuellen Probleme und Wünsche von Lehrenden sind entweder was für den Arzt, die Kündigung und die öffentlichen wie privaten Staatssäckel.

Widmung: Für meinen Vater, der vor 2 Jahren ging. Und der wie meine Mutter v.a. eines tat: an mich glauben. Und dafür wendeten beide ungeheuer viel Energie und auch Geld auf. Wie es auch die Eltern tun, tun werden und taten, deren Kinder als Studierende aufgrund von Übergriffen des Lehrpersonals das teuer und mit viel Anstrengung erreichte Musikstudium aufgaben, obwohl sie zwar zart besaitet waren, aber dennoch bei weiterer Anstrengung statt Lehrenden-Abenteuer hätten musikalische Kunstschaffende werden können!

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Alexander Strauch

KomponistIn

6 Antworten

  1. Danke lieber Alexander für die harten, zutreffenden Worte!

  2. Sebastian Gabler sagt:

    In der Welt in der ich leben möchte können erwachsene Menschen Beziehungen eingehen, wie sie es möchten. Dabei haben sie die Freiheit, Fehler zu machen. Toxische Arbeits- und Lernverhältnisse, mangelnde Professionalität, und fehlende Verantwortung bei Leitungsorganen und hierarchie-zentrische Organisations- und Führungsmuster sind wohl an Musikhochschulen besonders stark verbreitet. Ich selber habe in meiner Ausbildung eher gute Erfahrungen gemacht, aber auch die andere Seite kennen gelernt. Verbote halte ich hier nicht für den richtigen Weg, und schon gar nicht taugen Politiker mit Moralvorstellungen aus dem Pleistozän als nominelle Vorbilder zu so einem Vorgehen, da sie um nichts besser sind als die Verhältnisse, die Du kritisierst.
    Ein abgebrochenes Musikstudium lässt sich nicht auf einen materiellen Schaden reduzieren. Selbst wenn Machtmissbrauch dazu geführt hat, wird hier dem Lehrenden ein Einfluss zugesprochen, der weit über die Wirklichkeit hinausgeht. Genauso wenig hilfreich ist es, den Opfern ein quasi verpfuschtes Leben vorher zu sagen. Diese holzschnittartige Betrachtungsweise blendet aus, dass wir alle ein mehr oder weniger großes Potential an Entscheidungs- und Entfaltungsmöglichkeiten haben. Wenn wir uns unserer eigenen Potentiale bewusst werden, wird aus dem vermeintlichen Dozentenmonster sehr schnell ein lächerlicher Popanz.
    Last but not least, Machtmissbrauch ist der Ausdruck fehlender sozialer, persönlicher und fachlicher Kompetenz.

  3. Danke, Sebastian. Wir Alle wünschen uns verantwortungsvollen, schönen zwischenmenschlichen Umgang. Gerade wenn es unprofessionell an Musikhochschulen zugeht, ja, Fälle verschleiert werden, dann geht es v.a. um Eines: um das gesichtwahrende Fortkommen eher der unprofessionell handelnden Dozenten & Verantwortlichen. Im Zweifelsfall nimmt deren Karriere keine Delle oder man wechselt den Lehrstuhl, am Besten besser als vorher besoldet. Das ist die Realität. Der Appell an starke Studierende ist schön. Wenn im Konkreten sie niemand bestärkt, ja, sie sich unfähig fühlen, gar als unfähig deklariert werden, ist dieser Appell hochschulpolitischer und genderistischer Schönsprech. Wenn Du in der Falle des Missbrauchs sitzt, dann sitzt Du da drin, egal wie man sich ggf. wider besseres Wissens sogar selbst hineinziehen ließ, da man zuerst begeistert, geehrt, hervorgehoben, sich besonders wertgeschätzt vorkommt, wenn der Lehrer eine Beziehung startet oder nicht abwehrt. Wenn die Beziehung samt Studium klappt, dann haben Beide sie verschleiert, ohne Selbstanzeige im Prüfungsfall bestehende Regeln als wertlos ausgehebelt. Die Gleichheit der Studierenden wurde so schon massiv unterminiert. Geht die Beziehung schief, ist sie Zwang geschuldet, dann haben wir einen Scherbenhaufen vor uns, rein zu Lasten der Studierenden, derweil der Prof fein rauskommt. Selbst wenn die Beziehung von Studierenden ausgeht, muss der Lehrer hier durch und durch Profi sein. Muss ihn allerdings dazu die Hochschule auch befähigen, fortbilden. Und sie muss es kontrollieren, meinetwegen durch finanzielle Repression. Mir ist nach meinen Erfahrungen der finanzielle Aspekt der Studierenden und ihrer Finanziers total unterbewertet, auch daher finanzielle Repression. Du sagst es selbst, dass das kaum bemessbar. Wenn dem so ist, so muss es erforscht werden und mit in die Schadensbemessung einfliessen. Und hier bin ich inzwischen total nulltolerant in Sachen „alle sind für sich verantwortlich“: so faselte auch immer einer meiner Profs, der keine sexuelle Gelegenheit ausließ, so faselten seine Kollegen. Sie behielten Geld und Reputation derweil die damit befaselten und den Avancen ausgesetzten Studierenden verschwanden. Das Verschwinden kann natürlich in Relation dazu stehen, dass es eher Schwächere waren, die sich die Lehrer als Objekt ihrer Begierden aussuchten. Nur eben denen konnte keiner Schutz gewähren, keine Stelle, kein Haus, kein Lehrer. Es ging mind. 1 Jahr oder das ganze Studium samt der extrem kostspieligen Vorbereitung auf’s Studium flöten. Was schert mich seine Geige, sagt Beethoven! Was schert mich Unprofessionalität von Lehrenden in Sachen sexuelle Beziehungen zu Studierenden: nichts! Was mich interessiert: ihr Geld, das den Geschädigten zukommen soll oder das den Lehrern genommen werden soll. Steuersünder verlieren die Fahrerlaubnis, im Falle z.B. von Avital Ronell verlor sie gerade ihr ganzes Jahresgehalt und die Lehrerlaubnis für 2018/19, vollkommen zurecht.

  4. Sebastian Gabler sagt:

    Also, in den hinreichend durch die Presse gegangenen Fällen auf die Du Dich offenkundig beziehst, wird man kaum davon sprechen können, dass irgend ein Beteiligter ohne Schaden herausgekommen wäre. Auf der 9-stufigen, Glasl’schen Eskalationsskala waren diese Fälle mindestens eine 8.
    Deine Beobachtung, dass eine Künstlerkarriere ein erhebliches finanzielles Investment ist finde ich vollkommen zutreffend. Auch ist es klar, dass dies eine besondere Verantwortung mit sich bringt. Was aber, wenn da etwas schief geht?
    Von den finanziellen Einbußen des Übeltäters hat das Opfer nur dann etwas, wenn es dieses Geld auch bekommt.
    Der Sex zwischen Lehrenden und Studierenden erregt leicht Aufmerksamkeit, weil er für viele amoralisch ist. Wenn noch Drogen im Spiel sind – hurra! Schlagzeile. Das eigentliche Problem sind die toxischen Arbeitsbedingungen durch Hierarchien und Druck. Daran ändern puritanische Regeln genauso wenig, wie Pönalen, oder das laute Schreien nach beidem.
    Meiner Meinung nach sollten die Verantwortlichen erkennen, dass sie mit Kontrollen und Strafe nicht weiter kommen, sondern nur mit einem kulturellen Wandel in ihren Einrichtungen.

  5. Was soll ich hier mit Eskalationsstufen? Das Problem ist doch, dass strenge Regeln ein Miteinander und eine offene Stimmung nicht ausschliessen. Der Unterricht, das Vertrauensverhältnis, etc. wird ja nicht infrage gestellt. Denn das sensible Ansprechen und Lösen von pädagog.-künstler. Problemen ist und bleibt Sinn und und Zweck eines Musik-/Kunststudiums. Wenn es zu sexuell konotierten Situationen kommt, wenn es zu sexuellen Lehrer-Schüler-Beziehungen kommt, zu sexuell übergriffigen Situationen, dann ist v.a. das sensible Unterrichtsverhältnis Lehrer-Schüler gestört. Wie gesagt, selbst wenn es einvernehmlich abläuft, ist dessen prüfungsbedingte Offenlegung nicht garantiert. Es entsteht Benachteiligung-/Bevorzugung. Kunst und Pädagogik sind da in höchster Gefahr, als einzige Massstäbe kraftvoll zu gelten. Bei aller Stärkung des Individuums, weichen Massnahmen, etc., bleibt eben immer auch der Rest des Schwächeren. Den gilt es zu stärken. Zu Prävention gehört immer Repression. Ein unangenehmes Wort, aber Sinn und Zweck von Rechtsfolgen oder vertraglichen Konsequenzen auf widerrechtliche Tatbestände. Der kulturelle Wandel garantiert letztlich nicht Schutz, sondern nur eine Bewusstseinsänderung bei Vielen, nicht zwangsläufig bei den Betroffenen. Im Gegenteil: bei all der „persönlichen Prävention“ mag zwar ein größerer Anteil als ohne dies gestärkt werden. Es gilt aber die Sache aus der Sicht der Schwachen zu betrachten. An Hochschulen gelte die Freiheit der Kunst und Lehre. Die Freiheit zur Entfaltung der künstlerischen Persönlichkeit. Die Freiheit zur Entfaltung der sexuellen Persönlichkeit in Verbindung mit Macht – Notenvergabe, erste Aufträge, etc. – hat hier nichts mehr zu suchen. Z.B. geht das Gerücht um, dass an der Kunstakademie ein Gros der Profs regelmäßig studentische Geliebte haben. Was ist daran so schlimm, damit aufzuräumen, das zu beenden, das zu verbieten? Im besten Fall werden die Geliebten im Studium gegenüber anderen Studierenden widerrechtlich bevorzugt, im schlimmsten Falle v.a. zum Gewinn des Profs ausgenutzt. Und nur weil diese Lehrer-Schüler-Beziehungen so gerne verklärt sind, hier und da epidemisch und daher nur schwer bewältigbar erscheinen, wird man mit Appellen und weichen Massnahmen allein nicht weiterkommen. Jetzt blicken z.B. alle natürlich auf die Musikhochschulen. Da traut sich niemand was Illegales. Was aber, wenn der Hype wieder vorbei ist? Sensibilisierung, Offenheit im Umgang, persönliche Stärkung, aber eben auch mehr Repression.

  6. Sebastian Gabler sagt:

    Ich denke schon, dass ein Grundverständnis der Konflikttheorie in der Debatte um die Vorgänge an der Musikhochschule hilfreich wäre. Eine kurze Einführung findet man auf Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Konflikteskalation_nach_Friedrich_Glasl
    Repression und hierarchische Machtverhältnisse gehören für mich zusammen. Das ist altes Denken. Wenn man dies überwindet lösen sich eine Menge der toxischen Verhältnisse von alleine. Für mich stellt sich die Frage wie lange noch kaputte Existenzen geschaffen werden sollen. Um das zu beenden, muss man an die Ursache des Problems. Es wird nicht reichen, die Symptome zu unterdrücken.
    Die einen nutzen den fortgesetzten Machtmissbrauch um abgelegt Liebschaften aus dem Weg zu schaffen, die anderen rufen nach der Sintflut.

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