Mauser in Kuratorien bei Mozartfest Würzburg, ARD-Wettbewerb, Strauss-Gesellschaft, Reger-Institut, Henze-Stiftung – das verbindet!

Das Mozartfest Würzburg, der ARD-Musikwettbewerb, die Richard-Strauss-Gesellschaft, das Max-Reger-Institut und die Hans-Werner-Henze-Stiftung verbindet Ängstlichkeit und dass 80% von ihnen ihren Sitz im Freistaat Bayern haben, bis auf das Reger-Institut in Karlsruhe. In Bayern, wo man nach Antwort der Staatsregierung auf Parlamentsanfrage von Claudia Stamm (s. S. 30, Punkt 37) schon 2012 von Übergriffen Mausers als Hochschulpräsident wusste, wo man sexuelle Belästigungsvorwürfe aus 1995 kannte und löste, wobei man laut Spiegel den betroffenen, U-18-Jungstudenten ohne Eltern und Anwalt Protokolle unterschreiben ließ, wo laut SPD-Fraktions-Hochschulexpertin Isabell Zacharias immer noch Salamitaktik im Offenlegen von Sexualstraftaten bzw. potentiellen Sexualstraftaten seitens des Kunstministeriums angewendet wird.

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Ja, die Stiftungen und Musikfeste: diese führen in hauchdünnen Abstufungen Dr. Siegfried Mauser als Mitglied ihrer Kuratorien, Beiräte und Vorstände. Wer nicht in Bayern wohnt, las letzte Woche nicht in der Süddeutschen Zeitung, dass Mauser mit einer seiner Revisionen aus den beiden Prozessen und Urteilen wegen sexueller Nötigung scheiterte: das Oberlandesgericht schmetterte die Revision als schlichtweg unzulässig ab, die gleichzeitigen Revisionen von Staatsanwaltschaft und Nebenklage, denen es um Strafverschärfung geht, wurden zugelassen. Wenn deren Revisionen durch sind, werden die 9 Monate Haft auf Bewährung höchstwahrscheinlich rechtskräftig.

In der SZ steht nichts dazu: eine Boulevard-Zeitung Münchens berichtet, dass Mausers Anwälte vor das Bundesverfassungsgericht ziehen wollen. Ohne das juristisch einordnen zu können: nachdem die Berufung die zuerst verhängten 15 Monate auf 9 reduzierte und den Fall der Gitarristin nicht verurteilte, war die Justiz sehr vorsichtig, mutmasslich nicht ungleich und willkürlich verfahrend, was Gründe für eine Grundrechtsklage wären. Was der Gang nach Karlsruhe bedeutet: viel Geld für die Anwälte und mächtig PR.

Letztes Jahr warf ich ein paar Blicke in Kuratorien, denen Dr. Mauser damals angehörte, wie z.B. ein Vorsitz im Ausschuss zum Deutschen Musikwettbewerb des Deutschen Musikrats. Da stand nicht einmal „ruhend“ neben dem Amt, obwohl davon gemunkelt wurde. Nun hat den Vorsitz jemand Anderes inne und ich trat aus dem Deutschen Musikrat aus.

Mit dem Präsidenten des Musikrats M.M. Krüger sitzt Mauser immer noch im Vorstand der Richard-Strauss-Gesellschaft, Krüger neben dem Intendanten des Richard-Strauss-Festivals Garmisch-Partenkirchen und 1. Vorsitzenden der Gesellschaft, Alexander Liebreich, als dessen Stellvertreter, auch Brigitte Fassbaender gehört dem Vorstand an und Mauser als Beirat. Übrigens ist auch Reinhold Kreile dort Beirat wie Mauser. Von ruhend keine Spur!

Mit Herrn Kreile und Herrn Peter Ruzicka ist Mauser zudem Beirat im Vorstand der Hans-Werner-Henze-Stiftung. Der ARD-Musikwettbewerb, wo sich im Ehrenkomitee und Patronat ehemalige Bayerische Kunstminister, Nagano und Metha und Janssons, alle ARD-Intendanten und auch Peter Ruzicka als Osterfestspiel-Intendant die Klinke in die Hand geben, führt ihn nach wie vor als Mitglied des Hauptausschusses, bei ruhendem Amt. Wie bei Straussens gehört hier M.M. Krüger dem Ehrenkomitee an und Frau Fassbaender dem Hauptausschuss. Mag das Amt auch ruhen, dem Lesenden fällt der Name dennoch in honorigster Musikfunktionärsrunde auf. Das Amt war früher wohl auch mit der Präsidentschaft der Musikhochschule München verbunden: warum beruft man nicht seinen dortigen Amtsnachfolger?

Hauptausschuss, Ehrenkomitee und Patronat des ARD-Musikwettbewerbs 2018, s. auchhttps://www.br.de/ard-musikwettbewerb/teilnahmebedingungen/ausschreibung-2018-100.html

Bei der Henze-Stiftung mag das alles egal sein: sie ist eine rein private Angelegenheit. Wobei man sich fragt, warum man nicht von der Münchner Biennale zumindest einen der Doppelspitze Ott/Tsangaris als Mitglied beruft.

In Hinsicht Richard-Strauss-Gesellschaft darf man strenger sein! Auch diese ist privat, richtet aber z.B. einen Gesangswettbewerb aus, der in den Räumen der staatlichen Musikhochschule München stattfindet. Das Preisträgerkonzert findet im Rahmen des Richard-Strauss-Festivals statt, das durch die Person Liebreich wie Jahre zuvor die Person Fassbaender in Personalunion mit der Gesellschaft geführt wird. Das Konzert fand 2018 im Klinikum der staatlich-kommunalen Körperschaft Landkreis Garmisch-P. statt, das Festival hat öffentliche Partner wie den Freistaat Bayern oder den Bezirk Oberbayern. So sei mutig gefragt: ist es Sinn und Zweck einer solchen öffentlich-privaten Partnerschaft potentielle Ko-Entscheidungen eines mutmasslichen Sexualstraftäters, dessen Revision gerade scheiterte, in einem öffentlich ko-finanzierten Festival dem steuer- und kartenzahlenden Souverän, dem Volk, zu präsentieren?

Die ARD-Intendanten müssen sich fragen lassen, ob es Sinn macht, dass der Name eines mutmasslichen Sexualstraftäters unter ihren Namen und etlichen Granden geführt wird? Geht das nur mit „ruhend“? Hat die ARD keine gewieften Justiziare? Gibt man für solch ein Impressum tatsächlich auch einen Nanobetrag meines Rundfunkbeitrags aus? Herr Intendant Wilhelm, Herr künstlerischer Leiter Beaujean: ich überlege mir ernsthaft, meinen Beitrag auf ein Treuhandkonto zu transferieren, solange Sie einen mutmasslichen Sexualstraftäter in den Reihen Ihrer Honoratioren führen. Wie gut, dass Levine schon sehr lange München verlassen hat.

Das Max-Reger-Institut, mit dessen Leiterin Frau Popp Mauser ein Gesprächskonzert auf dem Beethovenfest 2018 hätte geben sollen, führt ihn auch als ruhend in ihrem Kuratorium.

Interessanter ist zuletzt das Mozartfest Würzburg, dessen Kuratorium Ulrich Konrad vorsitzt und dem Mauser auch angehört. Die Stadt Würzburg, die bayerische Schlösserverwaltung des bayerischen Finanzministeriums und das Kunstministerium des Freistaats Bayern fördern das Mozartfest und somit auch viel direkter als in Garmisch-P. potentielle Ko-Entscheidungen eines mutmasslichen Sexualstraftäters, dessen Revision gerade scheiterte.

Das kann doch Alles nicht wahr sein! Traut sich denn keiner seiner näher bekannten Poly-Vorstands-Kollegen Krüger oder Ruzicka, Mauser nahezulegen, die Segel solange deutlich und konsequent zu streichen, wie es die vielgeschmähten Parlamentarier heute doch mehrheitlich tun, wenn ihnen ähnlich schlimme Sachen vorgeworfen werden? Oder sind die Klassik-Funktionäre so gordisch verklebt, dass der Makedonier Alexander, nicht ich, dreinfahren müsste?

Es ist vollkommen unverständlich, wie gerade die mit Mauser verbandelten Funktionäre den Laden „Klassik“ verkommen lassen. Eigentlich ist es höchste Eisenbahn, dass die schweigenden Freunde die Segel streichen und von ihren Ämtern ablassen. Selbst ein FC Bayern entband Hoeneß aller Ämter vor dessen Haft. Nach Ablauf von Bewährung oder auch Haft könnte man an eine Wiederauferstehung denken.

Jetzt werden Mauser-Freunde wieder sagen, hier würde Berufsverbot verlangt. Nein, es wird nur verlangt, die Kuratoren-KSK an Sitzungsgeldern zu beenden. Klavier spielen, schreiben, forschen – dagegen hat ja keiner etwas, wenn nicht damit die gordisch verklebte Klassikszene exemplifziert wird, wie es im Falle des Beethovenfests gewesen wäre.

Im Wendland, im Bayerischen Wald, bei Freunden in Bayreuth und Karlsruhe – da lässt sich doch gut konzertieren und zumindest ein Mindesthonorar, mit dem man Wohnung und Üben finanzieren könnte, redlich verdienen wie es das Gros der Musikerinnen und Musiker jahrein, jahraus vollbringt, von einigen Tausend Euro keine großen Sprünge machen kann, sehr hart arbeitet, auch nach der Altersgrenze zur Rente und anständig ihr Leben verbringen. Nur wer SGB XII im Alter beantragen muss, der hat Grund zu klagen.

Der Rest ist der Luxus der gordisch verklebten Klassik-Funktionäre, die nicht die Traute haben, ihren Freund, einen mutmasslichen Sexualstraftätern, dessen Revision gerade scheiterte, zur Vernunft zu bringen oder die Webseiten ihrer Kuratorien zu bereinigen, ehrlich zu machen.

Alle Links am 26.9.18 abgerufen.

Alexander Strauch.
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1 Antwort

  1. k. sagt:

    Ich fürchte, die Komponistengesellschaften und Kulturstiftungen sind ein Baustein für sich, wenn es um Macht und Machtmissbrauch geht. An einer Hochschule geht es um Machtmissbrauch durch Musiker/Musikwissenschaftler in Autoritätspositionen auf Kosten der jüngeren Nachwuchskollegen. In Gesellschaften sind nicht nur musikalische Fachleute beteiligt sondern auch Funktionäre, Mäzenen, alteingessene Großbürger, Erben. Damit möchte ich nicht die positiven Verdienste der Akteure klein reden, zumal viele Konzerte und musikwissenschaftliche Forschungen ohne die finanziellen Förderungen und Netzwerk dieser Gesellschaften und Stiftungen gar nicht möglich wären. Die negative Kehrseite ist aber, dass es dort gerade deshalb zu Vetternwirtschaft und Klüngel kommt. Neue müssen einen Riecher für solche Strukturen haben und mitmachen, um „einer von uns“ akzeptiert zu werden. Fachqualifikation ist egal.

    Gerade in der Klassik kommt es dadurch zu einer Mischung, die bisweilen ziemlich ungesund werden kann: Sinn für die Tradition und Machtbestreben.

    Ich war eine Zeit lang bei einem Komponistenmuseum ehrenamtlich tätig, welches von mehreren Komponistengesellschaften und Stiftungen getragen wird. Eigentlich ein nettes Projekt, es geht darum, die Lebensläufe der Komponisten im Kontext der Stadtgeschichte zu zeigen. Jetzt wo das Museum fertig ist, es also um Konsolidierung der Machtstruktur geht, passieren aber unglaubliche Dinge. Museale Musik ist eine Sache, musealer Führungsstil eine andere. Ich habe da aufgehört, nachdem mir explizit gesagt wurde, dass die Anweisungen der Geschäftsstelle widerspruchlos und bedingungslos zu befolgen seien. Kritik, auch berechtigte, dürfe nicht geäußert werden. Ein Austausch untereinander über Probleme sei verboten. In welchem Jahrhundert leben wir denn?

    Überhaupt:

    Natürlich zeigt man in so einem Museum, was für tolle Menschen diese Komponisten waren. Denn, ohne Sympathie ist eine Einlassung nicht möglich. Muss man aber alles gutheißen oder gar glorifizieren, nur weil die Musik genial ist?

    Mir ist klar, dass es zu anderen Zeiten andere Sitten gab. Mir geht es auch nicht darum, Musikwerke aus heutiger Sicht moralisch zu beurteilen. Auch die Beschäftigung mit den Sitten und Werten von „anno dazumal“ gehört zur Bildung. Wenn man aber z.B. den Museumsbesuchern das Handlungsschema einer Barockoper erklären soll, sollte man sich aber nicht gleichzeitig bewußt machen, dass das Schema in der heutigen Welt eigentlich gar nicht geht? (… und wie es heute aussieht bzw. aussehen könntet? Interessant ist, dass die meisten Leute denken, dass „moderne Oper“ Rigoletto mit Sängern im Müllsack wäre, und dass der Müllsack die schöne heile Oper verschandeln würde…) Und warum werden die Leute plötzlich lebhaft, wenn die Frage auftaucht, wo Mahler sich mit von Mildenburg heimlich getroffen hätte und was da wohl passierte?

    Die Frage ist für die Problematik sexuelle Gewalt und Machtmissbrauch in der Klassik auch deshalb relevant, weil in diesem Metier (etwas plakativ ausgedrückt) Musiker in der Gegenwart sich mit Werken aus der Vergangenheit beschäftigen. Notentreue, Stilgerechtigkeit, usw. sind alles wichtig. Aber leben wir noch im 18./19. Jahrhundert mit Sitten von damals?

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