Zur Hoban/Gottstein Kontroverse und dem Streit um den Begriff „Zensur“

Mitte August 2018 bewegte die Neue Musik Welt auf social media der Konflikt des Komponisten Wieland Hoban mit dem amtierenden künstlerischen Leiter der Donaueschinger Björn Gottstein. Nach Wielands eigener Darstellung hatte er vor einiger Zeit Herrn Gottstein seine Pläne für ein Orchesterstück unterbreitet. Zuerst habe er klangliche Vorstellungen angesprochen, schließlich seinen inhaltlichen Impetus: es sei der dritte Teil seines Gaza-Zyklus, der sich mit dem dreiwöchigen Krieg des Jahreswechsels 2008/2009 zwischen Israel und der Hamas befasse. Er wolle wie in den beiden ersten Teilen des Zyklus ein Interview eines israelischen Soldaten, das dieser Breaking the Silence gab, als dokumentarisches Audiomaterial einsetzen. Vereinfacht sagt jener Soldat in diesem Interview, dass seine Einheit in jenem kriegerischen Konflikt erst schiessen und dann fragen sollte, also das Gegenteil der Doktrin der israelischen Armee, die dafür bekannt ist, dass sie erst konkret Zivilisten warne, bevor sie zuschlage.

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Mitte Juli antwortete in Wielands Version Gottstein mit seiner Absage. Weil Wieland Hoban 2016 einen Beitrag für die Musiktage gehabt habe, würde er lieber anderen Kolleginnen und Kollegen eine Chance geben. Zudem könne zwar jeder Komponist frei in der Behandlung politischer Themen sein. Inhalte wie diejenigen dieses geplanten Stückes in Form von einseitiger Kritik an Israel würde er nicht beauftragen. Laut Hoban hätte Gottstein diese Haltung zwei Tage später anlässlich einer persönlichen Begegnung bestätigt. Wieland hatte bei Durchsicht dieses Mailverkehrs mit Gottstein dann wohl das Gefühl, dass in Zukunft jedes Werk einer Komponistin oder eines Komponisten, das wie seines Israels Umgang mit den Palästinensern oder hier im konkreten Falle mit dem von der Hamas regierten Gaza massiv angreift, von einer Auftragsvergabe oder Aufführung in Donaueschingen ausgeschlossen sei.

So startete Wieland Hoban eine Unterschriftenaktion für einen offenen Brief, versammelte bis jetzt ca. 200 Unterzeichnende unter diesen Brief, wo er seine persönliche Sicht und Motivation darlegte: er spricht hier von Zensur, zieht Parallelen zur Absage und Wiedereinladung der die BDS-Kampagne (eine Kampagne, die zum wirtschaftlichen, akademischen und kulturellen Boykott Israels aufruft, damit dieses im Sinne der Kampagne seine Palästinenserpolitik ändere, wobei z.B. Künstler oftmals massiv aufgerufen werden, Auftritten fernzubleiben, die von Israel in welcher Form auch immer mitfinanziert werden) unterstützenden schottischen Band „Young Fathers“ durch die Intendantin Stefanie Carp zur diesjährigen Ausgabe der Ruhrtriennale, hält dem Kulturleben Deutschlands vor, Kritik an Israel in seinem Sinne nicht zuzulassen, dass die deutsche Aufarbeitung und Vergangenheitsbewältigung der Verbrechen des Holocausts der Deutschen an den Juden bisher eine Kritik an Israel und seinem Umgang mit den Palästinensern verhindert habe, dass ein durch den öffentlich-rechtlichen Rundfunk finanzierter Leiter der Musiktage nicht in Hobans Sinne Zensur ausüben dürfe, auf freien Gedankenaustausch zu setzen sei.

Wichtig für Hobans offenen Brief: ihn gibt es auch in englischer Sprache, da Hoban in der britischen wie deutschen Neuen Musik Szene aktiv ist. In Deutsch heißt der Text „Zensur in Donaueschingen“, in Englisch „Censorship in Donaueschingen“. Für die Verwendung des Begriffes „Zensur“ wurde er bereits kritisiert, für „Censorship“ weitestgehend unterstützt. Unter Zensur stellt sich ein deutschsprachiger in der Klassik tätiger Musiker vor, wie z.B. Giuseppe Verdi den neapolitanischer und kirchenstaatlichen Behörden seinen „Un ballo di maschera“ vorlegen musste, die Uraufführung in Neapel platzte, in Rom aus dem schwedischen König Gustav in Stockholm ein Graf Riccardo in Boston. Die Oper war natürlich erst am Tage der Uraufführung im Sinne der damaligen Produktion von Opern wirklich vollendet. Dennoch lag der Zensurbehörde ein fertiges Libretto vor, nicht nur Skizzen.

Damit erfüllte es die klassische Definition von Vorzensur als fast fertiges Kunstwerk. Da Wieland Hobans Orchesterstück momentan weder ein für dieses Jahr erteilter Auftrag war, der auch noch nicht dieses Jahr nach den langjährigen Produktionsvorbereitungen des 21. Jahrhunderts zur Aufführung gekommen wäre, sondern wohl noch in Planung ist, man sich nicht mit einer zuständigen Stelle um konkrete Takte oder Worte des Audiomaterials streiten könnte, fällt die klassische Vorstellung von Zensur hier aus. Wäre das Werk bereits fertig komponiert, gedruckt und erfolgten Eingriffe danach, würde es sich um Nachzensur drehen. Die modernere Definition von Zensur in deutscher Sprache ist die Kontrolle von Information durch den Staat selbst oder eine dem Staate nahestehende Stelle.

Letzteres könnte im Sinne Hobans der Fall sein, wenn man den SWR, der den künstlerischen Leiter der Musiktage in Donaueschingen bezahlt, als eine Art Staatssender auffassen würde. Nur handelt es sich hierbei um eine öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt, die bei aller Vertretung von politischen Parteien im Rundfunkrat per definitionem politisch und wirtschaftlich vom Staat unabhängig ist und somit keine dem Staate nahestehende Stelle ist. Wie gesagt, ein nicht bestehendes Stück kann nicht zensiert werden, hier handelt keine staatliche Stelle, wenn ein künstlerische Leiter einer Idee eine Absage erteilt.

Die Frage ist vielmehr: muss jede Leitung eines Festivals nun mit so harten Worten und Unterschriftenaktionen rechnen, die keinen Auftrag erteilt? Wäre es da nicht besser, schlichtweg ein anderes Projekt im Anschluss vorzuschlagen oder einen anderen Auftraggeber zu suchen oder auch ohne Auftrag das Werk anzufertigen und damit nochmals zu überzeugen versuchen? Oder handelt es sich um unterschiedliche Auffassungen darüber, was Zensur ist. Denn Zensur kann in Deutschland nur gegenüber Privaten durch den Staat erfolgen, aber nicht von Privaten, was im für sie existentiellen Aspekt von politischer und wirtschaftlicher Autonomie gegenüber dem Staat öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten sind, gegenüber Privaten.

Denn die englischsprachige Definition von Zensur als „censorship“ ist tatsächlich weiter gefasst. Die ACLU (American Civil Liberties Union) z.B. sagt: „Censorship, the suppression of words, images, or ideas that are „offensive,“ happens whenever some people succeed in imposing their personal political or moral values on others. Censorship can be carried out by the government as well as private pressure groups. Censorship by the government is unconstitutional. In contrast, when private individuals or groups organize boycotts against stores that sell magazines of which they disapprove, their actions are protected by the First Amendment, although they can become dangerous in the extreme. Private pressure groups, not the government, promulgated and enforced the infamous Hollywood blacklists during the McCarthy period. But these private censorship campaigns are best countered by groups and individuals speaking out and organizing in defense of the threatened expression.“

Auf Deutsch zusammengefasst: im angelsächsischen, hier US-amerikanischen Raum, kann Zensur auch an Ideen, also der Planung von Werken stattfinden. Sie kann neben dem Staat auch durch Private erfolgen, ja, Zensur in Form von Boykotten durch Private ist sogar in gewissen Fällen verfassungsgemäß, ihr wird am Besten durch genauso widersprechende andere Private begegnet, wenn die Meinungsfreiheit gefährdet ist. Nimmt man an, dass jemand wie Wieland Hoban durch seine Kontakte und sein Wirken in der britischen Musikwelt, seine Verbundenheit mit einer sehr angelsächsischen Tradition wie eben diese Art von massiver angelsächsischer Kritik an Israel, vielleicht eher diese Definition von Zensur in sich trägt, kann man seine Reaktion auf die Auftragsabsage gegenüber einem nur in Planung befindlichen Werk, einer „idea“, nachvollziehen.

Blickt man auf die Aufführungen von Werken Hobans, so findet allerdings ein erheblicher Teil dessen in Deutschland statt, ist er in der hiesigen Szene als langjährig in ihr wirkender Übersetzer und Komponist verwurzelt, also eigentlich eine Art Mittler zwischen den Kulturen. Allerdings scheint er in Sachen Israel und deren kriegerischen Konflikte mit den Palästinensern, insbesondere mit dem Hamas-Gaza, weniger vermittelnd, sondern aufgrund seiner persönlichen Meinung und Prägung sehr apodiktisch, was selbst Personen vor den Kopf stößt wie mich, die zum Beispiel sehr wohl die Kriege zwischen diesen beiden Parteien in Nahost von beiden Seiten unmenschlich geführt finden, heutige politische Entwicklungen in Israel wie Gaza und dem Westjordanland mit großer Besorgnis sehen, aber eben auch sehen, wie durch vereinzelte, allerdings mächtige Gruppierungen der Palästinenser und ihre Gewaltausübung wie der hierzulande verbotenen Hamas Menschen in Israel verletzt und getötet werden und das genauso verurteilen wie den Verlust von Freiheit und Menschenleben auf Seiten der Palästinenser durch Israel. Besonderes Unverständnis habe ich z.B. als Homosexueller gegenüber der sozialen und politischen Unfreiheit, ja Gefährdung von Leib und Leben, die LGBTIQ*-Personen in Gaza und im Westjordanland von palästinensischer Seite widerfährt.

D.h., man versucht eine ausgewogene Haltung zum Nahostkonflikt zu finden und befindet sich darin schon im nächsten Problem, wenn diese Haltung jemand nicht passt. Die angelsächsische Linke verfährt da sehr knallhart, siehe das harsche Auftreten der BDS-Kampagne. Das gerät mit der deutschen Haltung dermassen in Konflikt, dass z.B. etliche Kommunen Richtlinien erlassen haben, um zwar kritischen Dialog zu Themen des Verhältnisses Israel/Palästinenser zu ermöglichen, aber geschützt vor den Interventionen der BDS-Kampagne. Ob solche Richtlinien verfassungsgemäß sind, könnte die BDS-Kampagne am ehesten auf dem Rechtsweg erklagen. Was verstört, sind z.B. die Boykottaufrufe gegenüber Festivals an teilnehmende Künstler, wie es zuletzt auf dem Pop-Festival in Berlin passierte.

Angenommen, das würde nun tief in die deutsche Neue Musik Szene hereingetragen, dann könnten Ensembles aus Israel, die z.B. Konzerte in durch den Staat Israel geförderten Sälen veranstalten sowie die von ihnen gespielten Komponisten Ziel von Boykottaufrufen der BDS-Kampagne werden, eine Kampagne, die ja auch gerne von angelsächsischen Kollegen und Kolleginnen unterstützt wird. Solch ein Boykottaufruf würde auch Unterzeichnende des offenen Briefes von Wieland Hoban treffen können. Das nur als worst case Szenario. Allerdings sollte auch ein Blick in die Facebook-Timeline von Komponisten nicht über ihr Wohl und Wehe entscheiden. Solch eine Timeline sei ein Ort der leidenschaftlichen Diskussion unter Kolleginnen und Kollegen und sollte nicht in defrienden oder der Unmöglichkeit des gegenseitigen Respekts enden. Letztlich geht es um die Musik, letztlich muss sich jedes Werk als solches beweisen.

So gibt es einen Ausblick, eine Handlungsmatrix: vor bald 10 Jahren wurde eine Orchesteruraufführung eines bereits bestehenden und gedruckten Werkes in München von Dror Feiler innerhalb der musica viva abgesagt. Das Werk namens Halat Hisar war durchaus auch sehr israelkritischen Inhalts, vielleicht etwas komplexer darin schon als die eher potentiell konfrontative Konstellation bei Hoban: eine Israelin schützt mit ihrer Existenz einen palästinensischen Ex-Kämpfer, der auf wohl auf Tötungslisten eines Geheimdienstes stand. D.h., da geht es um Bedrohung durch Israel, aber auch um Schutz genau dieses bedrohten Lebens durch eine israelische Bürgerin. Das Stück wurde zuerst wegen Missverständnissen um angeblich gesundheitsgefährdende Lautstärkepegel abgesagt, obwohl Feiler schon im Vorfeld Wege gezeigt hatte, wie diese z.T. geforderten Pegelüberschreitungen doch individuell gelöst werden können. Schließlich wurde das Werk zwei Saisonen später doch aufgeführt.

Eine Chance wäre also, wenn vielleicht eine anfangs abgelehnte Werkskizze doch ausgearbeitet würde, die Handlung vielseitiger wird, der Komponist oder die Komponistin in technischen Sachen sich kommunikativ zeigt. Denn Gottstein scheint sich offener zu zeigen, wenn nicht nur Israel allein alle Schuld zugeschrieben wird. Dem stehen natürlich im Falle Hobans seine Auslassungen zu dessen Facebook-Timeline im Widerspruch: diese Timeline mag tatsächlich manchen in Rage versetzen oder zumindest Fragezeichen aufwerfen. Ich kenne sie schon länger nicht mehr. Allerdings ist sie zuerst die freie Meinungsäusserung eines freien Bürgers. Solange sie nichts Justiziables enthält, was auch ein Gericht entscheiden müsste, kann sie ein Teil der Meinungsbildung eines Intendanten sein. Den Ausschlag über das Schicksal eines Werkes sollte zuerst dieses selbst geben.

Sollte tatsächlich ein massiver Extremismus welcher Art auch immer auf der Timeline vorliegen, ist das Werk nur ideell im deutschen Rechtsbereich vorhanden, nicht das fertige Stadium erkennbar, ist solch eine Timeline natürlich ein praktisches Hilfsmittel, wenn man vielleicht sogar die bereits bestehenden Werke des betreffenden Zyklus als künstlerisch für sich nicht relevant einordnen würde. Ein abschliessendes Urteil lässt sich nur fällen, wenn das Orchesterwerk sogar ohne Beauftragung vorliegen würde. Heute gäbe es dafür sogar das Crowdfunding, um als Einzelkämpfer ohne Auftragszusage die Finanzierung abzusichern, so man wirklich darauf angewiesen ist – die Musiktage bezahlen selbst Orchesteraufträge eher am unteren Level, so dass von vornherein an diese Finanzierungsweise manche/r Kollege/in denken dürfte. Wenn es eine Herzensangelegenheit ist, ein opus magnum summum, dann kann ein Komponierender da durchaus in Vorleistung gehen, wie es z.B. Richard Wagner so oft musste, bis er seine manchmal leider sehr fraglichen Ziele erreichte. Aber er hat sie erreicht!

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Alexander Strauch

KomponistIn

4 Antworten

  1. Ich finde, dass diese Ausführungen zwar informativ sind, weil mehr oder weniger gründlich recherchiert und die Sachverhalte umfassend darstellend, allerdings ganz schön um den heißen Brei herum wabern (inhaltlich … verbal). Es wird Neutralität vorgegaukelt in einer wahrlich schwierigen Frage für das Gegenwartsdeutschland („Wie stehen wir zu Israel?“). V. a. die Vorschläge für ein im Sinne des Autors „kluges“ Verhalten, indem man sich im Vorfeld schon seine Idee weichspült, finde ich – gelinde gesagt – skandalös und einer Ideologie der Mitte“ folgend, die unhaltbar bis unerträglich ist in einer künstlerischen Sphäre. Dieses Zerlegen des Zensurbegriffs hier und anderswo erinnert mich an den Richter des Saarländischen Landgerichts gestern, der sich über die in der Verhandlung relevante „Freiheit der Kunst“ vs. „grober Unfug“ auszulassen hatte … im Gegensatz zu den Ausführungen hier allerdings live argumentierte und dabei auch noch schnell und brillant war. Genau das fehlt dem Artikel … grundsätzlich. Peinlich … peinlich.

    • Dann schreiben’s doch selbst was dazu. Ja, das Nahost-Thema ist ein schwerer Brocken, dazu positioniere ich mich durchaus, Ihnen ggf. zu wenig radikal, zu rustikal. Sei’s drum. Wichtiger ist mir, Wege aufzuzeigen, Kurator & Künstler wieder zusammenzubekommen. Oder ein Vorgehen zu skizzieren, falls Andere Werkideen zum Komplex Israel/Palästina bei den Musiktagen vorschlagen wollen. Wenn Mitte Konsenssuche bedeutet, die auch umstrittene Komplexe aus Randbereichen und in deren Sichtweise für diese Mitte künstlerisch erschliessbar macht, dann stehe ich voll dazu. Ich meine sehr wohl, dass eine fast fertige Partitur eine zuvor nur als Werkidee durchaus in ein anderes Licht rücken kann und stärker künstlerische Durchdringung und Dringlichkeit offenbart als eben eine nur verbal, schriftlich formulierte Idee. Wenn Sie das nicht teilen, mir egal! Dann vertonen’s halt Ihren saarländischen LG-Richter.

  2. Lieber Alexander Strauch, teilweilse brilliant geschrieben Dein Kommentar. Dennoch muss ich in Teilen Herrn Ulrich Ludat Recht geben.: Es ging bei der Aktion von Wieland Hoban primär auch um die Tatsache des No Go von Zensur generell. Es geht m.E. nicht nur um das Thema Israelkritik! Zudem: Ich habe viele Repliken nun zu der Unterschrifenaktion (offener Brief) an den ich selbst auch mit unterzeichnet habe, durch gelesen. Die meisten reden den Aspekt, dass das (selbst (erst) „private“ NEIN) eines Fetstivalleiters zu Israel-kritischen Werken [das sich ja damit nicht nur auf Hobans Werke bezieht] de facto sehr wohl „Zensur-„Eigenschaften hat, klein. Zum Beispiel: Was hindert Björn Gottstein daran (wenn er z.B. argumentiert, es sei ein falsches Signal. wenn in Donaueschingen NUR Israel kritisiert werde, sollte er ein Israelkritischsches Werk von Hoban auswählen) – auch andere Werke zu zu lassen oder in Auftrag zu geben von Komponisten, die z.B. die HAMAS, den Terror auf Israel oder Putin oder sonst wen kritisieren? Es gibt doch viele kritische Werke – nehmen wir nur z.B, DEINE kritischen Werke, die auf Putins homophobe Politik (nach Deiner Meinung) anspielen… Also, zusammenfassend finde ich: Die Diskussion die Wieland Hoban angestoßen hat, dass es KEINE vorgefertigten Meinungen bzgl. Tabus geben dürfe, das ist was m.E. uneingeschränkt Gutes. 2. Viele Verbindungen oder thematische Exkurse in Deinem Artikel, lieber Alexander, kann ich nicht so recht nachvollzieren: Es ging und geht Wieland Hoben und der ganzen Aktion z.B. bestimmt nicht um uneingeschränkte Unterstützung der BDS-Kampagne noch um Themen wie „Homophobie“ oder Anti-Haltungen gegenüber Homosexuellen, die in Teilen der Pro-Palestina-Bewegung eine Rolle spielen mögen (ich kenne mich da nicht recht aus). Aber dies dann einfach – durch Kontextualisierungen – implizit dem Initiator oder auch den Unterzeichnern des Briefes zu „unterstellen“, das finde ich recht absurd.

    • Danke für Deinen Kommentar. Nur eines: das Beispiel zur Gefährlichkeit für bzw. Unmöglichkeit eines offenen LGBTI*-Lebens in palästinensisch verwalteten führte ich als einen der Gründe an, um meine Haltung zu Teilen des Nahostkonflikts zu schildern. Homophobie Wieland & den Unterzeichnenden zu unterstellen käme mir im Traume nicht. BDS riss ich an, weil das Beispiel Ruhrtriennale in Wielands offenen Brief auftaucht, weil aktuell das Pop Kultur Festival Berlin mit Boykottaufrufen seitens BDS-Aktivisten zu tun hat. Es wäre schade, wenn in die Neue Musik Szene Ähnliches Einzug halten würde & Komponistinnen & Komponisten, Ensembles, Musiker*innen davon betroffen wären, wenn sie konkret für ihre Reisen hierher o. für wichtige Phasen ihrer Arbeit durch israelische Stellen direkt o. indirekt (z.B. durch Räume) unterstützt werden. Nikel z.B. veranstaltet ein Festival dort, das in einem vom Staat geförderten Zentrum stattfindet, was ihre Arbeit co-fördert. Ganz konkret spielen sie einige Unterzeichnende, oft allerdings eher im Ausland als dort. Und es wäre fatal, wenn da BDS-Boykotte Einzug hielten. Ein hervorragendes Ensemble, weltoffen, avanciert, mutmasslich links orientiert: es ist super, dass sie so global unterwegs sind und die Künstler & Zuhörer zusammenbringen, so eine musikalische Widerständigkeit des Künstlerischen & Denkerischen & vllt. mehr erzeugen. Und das würde Alles in Gefahr geraten, wenn hier in unserer Szene angelsächsische Pop-Kultur-Festival Usancen Einzug halten würden.

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