Preise zum Wegwerfen

Am kommenden Donnerstag, den 22. April findet in Berlin die Verleihung des Deutschen Musikautorenpreises der GEMA statt.

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In den Kommentarspalten dieses Blogs wurde der Vorwurf laut, die GEMA zeige hier, wie verschwenderisch sie mit den Urheberrechtseinnahmen umgeht, ja, diese im Grunde auf diese Weise sogar veruntreut. Ich sehe das ähnlich. Man beachte auch das absolut nutzlose, Urheberrechtseinnahmen fressende GEMA-Magazin „Virtuos“, für das ich eigens eine Art Rohrpostsystem vom Briefkasten in meinen Kamin zwecks Verfeuerung konstruiert habe.

Den GEMA-Autorenpreis kann man genauso vergessen wie den ECHO, bei dem sich die Musikindustrie jedes Jahr selbst lobt, egal, wie armselig die musikalischen Erzeugnisse für das Prekariat waren, egal, wie die Musikindustrie dahinsiecht und sich nur noch verzweifelt grinsend selbst behauptet.

Jedesmal bin ich auch irritiert, wenn ich lese, dass es beim ECHO einen „Kritikerpreis“ gibt. Da keimt ja doch Hoffnung auf: ein Preis für den besten Musikkritiker des Jahres? Leider nein. Dieser Preis wird lediglich von Kritikern verliehen…

Überhaupt Kritik: Wäre es nicht konsequent, wenn ein GEMA-Kritiker einen der GEMA-Autorenpreise ablehnt? Und zwar natürlich schön medienwirksam, mit einer Brandrede, die sich gewaschen hat?

„Wäre det nich wundascheen?“

Gerade in der Kategorie „Nachwuchs“…

Nicht wahr?

;-)

Arno Lücker wurde 1979 in Braunschweig geboren. Seit 2003 lebt er in Berlin. Dort arbeitet er als Moderator und Dramaturg. Er ist Künstlerischer Leiter der Astronomie-Musik-Reihe "Himmlische Partituren" im Zeiss-Großplanetarium Berlin, arbeitete für das Konzerthaus Berlin, das Brucknerhaus Linz und viele andere, schreibt Programmtexte für zahlreiche Orchester (Wiener Philharmoniker, New York Philharmonic), macht Konzerteinführungen in der Elbphilharmonie Hamburg, der Kölner Philharmonie und anderswo. Außerdem ist er Bad-Blog-Autor der ersten Stunde und arbeitet als Kurator für die Musikstreaming-App IDAGIO.

6 Antworten

  1. hufi sagt:

    Find ick jut!

    Doch nur zum Hintergrund: Auf der Jahrespressekonferenz fragte ein Kollege, was denn der Preis die Gema koste. Die Antwort darauf war, dass es da ein Sponsorenkonzept gäbe, so dass die Kosten nicht so sehr ins Gewicht fallen würden. Genaue Angaben konnte man aber nicht machen. Insbesonderne sei aber „Virtuos“ übrigens billiger als die Produkte, die man zuvor lanciert habe.

    Im Rahmen der Aufwendungen der Gema (2009 waren es 128 Millionen Euro bei Erträgen von 841 Millionen Euro) fallen solche Peanuts aber kaum ins Gewicht – und schon gar nicht die 10.000 Euro in der Kategorie Nachwuchs.

    Und zur Ergänzung, weil Flatrate und anderes schon mal Thema waren. Im Bereich Inkasso Online (Download, Streaming, Ruftonmelodien) sind die Erträge mit 10,6 Millionen Euro (Steigerung um 3,3 Mill. Euro gegenüber 2008 [+ 45 %]) derart kläglich im Vergleich zur Gesamtertragssituation und zur wahrscheinlichen Nutzung, dass man auf andere Art und Weise vielleicht doch etwas mehr für die Autoren abzwacken könnte.

  2. Roman sagt:

    Sollte die GEMA den Preis tatsächlich an Kreidler vergeben, wäre das ja der von Lücker gewünschte Preis für den besten Kritiker ;-)

  3. Die Frage ist hier doch: wenn Johannes (Kreidler) ein GEMA-Kritiker und Reformer ist (dass er kein grundsätzlicher Feind der GEMA ist, hat er schon mehrfach gesagt) müsste er eigentlich die Preise unterstützen, denn sie sind eine Gelegenheit zur Diskussion.
    Und wenn die GEMA tatsächlich einen der Preise an ihn vergibt, ist sie dann wirklich so schlimm und so borniert, wie ihr immer behauptet?

    Dieses ständige GEMA-bashing nervt schon ein bißchen, Freunde – man kann ja vieles kritisieren, aber in den letzten 10 Jahren hat sich doch sehr viel Positives innerhalb der GEMA getan, wesentlich mehr als in den 10 Jahren zuvor.
    Die GEMA ist lernfähig. Sicherlich stellt die GEMA noch nicht die bis ins letzte Detail perfekte Umsetzung des Urheberrechtsgedankens dar, aber solange es kein besseres Modell gibt (und das gibt es bisher eindeutig nicht), ist die GEMA das BESTE Modell, das es zur Zeit gibt. Und daher sollten wie sie – in unser aller Interesse – unterstützen. Nicht ohne kritisch zu sein, natürlich, aber konstruktive Kritik ist hundert mal besser als hämische, denn es ließe sich bei der GEMA noch viel verändern und verbessern. Möglich ist das, man muss nur zu den Sitzungen kommen und mitarbeiten wollen, so einfach ist das. Diese Gelegenheit gibt es für jeden, ob angeschlossenes, außerordentliches oder ordentliches Mitglied.

    Und Arno, meinst Du das wirklich ernst, dass Du die alten, doch eher trocken zu lesenden „GEMA-Nachrichten“ LIEBER mochtest als das jetzige (übrigens auch wesentlich seltener erscheinende) „Virtuos“-Magazin? Das kann ich wohl kaum glauben…

    Moritz Eggert

  4. Lieber Moritz,

    und ich kann das Wort „Reformen“ einfach nicht mehr hören.
    Natürlich weiss ich, dass wir heute auch nicht mehr das Jahr 1911 haben (die Gründungszeit der GEMA, genaues Datum habe ich jetzt nicht mehr parat), aber eine Scheibe können wir uns denn doch von den damaligen Akteuren der ersten Stunde (wie Richard Strauss u.Co., ob wir seine Musik nun mögen oder nicht) abschneiden: Sie haben es niemals gewagt, sich auf so schamlose Weise selbst zu bedienen und zu bereichern wie die heutigen Protagonisten. Die GEMA ist dazu da, Tantiemen zu verteilen, fertig aus-alles, was darüber hinaus geht, ist Showbiz und damit entbehrlich. Es wird dann bestimmt die nächste Wirtschaftskrise kommen, da man sich in der GEMA wieder auf diese Kernkompetenz besinnen wird, wenn diese Zeit nicht recht bald kommen wird. Die GEMA ist nicht dazu da, auf dem Parkett der glamourösen Selbstdarsteller und hollywoodesken Laufstegexzentriker (mit aufwendigen Bällen) und Bambipreisverleihungen mitspielen zu wollen (dazu fehlt uns ein Reich-Ranicki), der gesellschaftlich-politische Einfluss der GEMA kann genauso gut durch eine leise Hintergrundarbeit erfolgreich bewerkstelligt werden. Und dass J. Kreidler durch seine Medienaktionen nicht die GEMA attackieren wollte, sondern nur sich selbst darzustellen, um selber möglichst schnell zur Creme dazuzugehören, war mir persönlich von Anfang an klar. Aber ich möchte gar nicht zu diesen schnellen Mediengehypten dazugehören, denn diese werden ebenso schnell auch wieder von den grellen Scheinwerferleuchtern fallen gelassen. Mir ist es lieber, schlicht und einfach durch meine ehrliche Arbeit und meinen kompositorischen Ansatz aufzufallen als durch einen fragwürdigen Cyber-Ruhm.

  5. Überdies gäbe es dringende Fragen, die von der GEMA sofort veränderungsbedürftig wären (andere nennen es „reformbedürftig“)und angegangen werden müssten, wie z.B. die z.T. absurde Bezahlsituation bei den kleineren Veranstaltern, die oft dazu führt, dass diese ihre oft ehrenvolle Tätigkeit wegen der Praktiken der GEMA nicht weiter führen (können). Aber hier geschieht bekanntlich seit Jahren nichts.

  6. Mir ist es lieber, schlicht und einfach durch meine ehrliche Arbeit und meinen kompositorischen Ansatz aufzufallen als durch einen fragwürdigen Cyber-Ruhm.

    es gibt in der Kunst keine Moral, und damit auch keine ehrliche Arbeit.
    – es gibt dort immer nur eine Doppelmoral –

    – wechselstrom –