op. 111 – Eine Analyse in 335 Teilen – Takt 9

Seien wir ehrlich: Diese immer länger werdenden Einleitungen mit der Aufzählung aller bisherigen Artikel zur Analyse jedes einzelnen Taktes von Beethovens letzter Klaviersonate c-Moll op. 111 gehen gar nicht! Aber unten bei „Verwandte Artikel“ (Robert Schumann: „Ich scrolle nicht!“) erscheinen halt immer nur fünf andere Folgen dieser Serie. Und über die Zahl „fünf“ (pah!) sind wir ja längst hinaus. Denn heute kommt schließlich die Folge 9, was nach den Folgen 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7 und 8 nicht unbedingt überraschen dürfte. Zugegeben.

Beethoven op. 111 - 1. Satz - Takt 9

In Takt 9 erfahren wir, dass es mit den wilden Oktav-Sprüngen wie in den Auftakten der Takte 1, 3 und 5 vorläufig noch vorbei ist. Der Sprung der letzten 32stel von Takt 8 (linke Hand) – weg von der mittleren, geradezu verdächtig verengten Lage des Klaviers hin in tiefere Gefilde – stellt sich als wesentlich undramatischer heraus als erwartet – ist also keineswegs Vorbote einer erneuten gar wilden Springerei! Die Oktave auf dem Kontra-D erklingt zu Beginn des neunten Taktes zunächst noch einmal, wieder als Bass des verminderten Septakkordes. Auf der 32stel-Punktierung vor der zweiten Zählzeit wird mittels der schon allseits bekannten Mittel- und Unterstimmenverschiebungstaktik innerhalb eines Akkordes ein As-Dur erreicht.

Takt 9 ist insofern besonders, als dass hier ein Akkord quantitativ – rückblickend auf die zusammengehörigen Takte 6 bis 8 – erstmals deutlich dominiert, nämlich der besagte As-Dur-Quartsextakkord. Das könnte bedeuten, dass die Modulation hier nun bald ein vorübergehendes Ende findet. Wobei ein weiterer verminderter Septakkord auf der allerletzten Punktierung unseres heutigen Taktes die „Hoffnung“ (die ich – ich weiß nicht, warum, ich fühle mich ein wenig leer – in Anführungszeichen setze, obwohl beziehungsweise weil es inhaltlich ziemlicher Quatsch ist und die Inhaltslosigkeit, über deren „s“ zwischen „Inhalt“ und „losigkeit“ ich mir jetzt auch noch Gedanken muss, zu übertünchen gedenkt) scheinbar erst einmal im Winde merkwürdig kühler Sommerabende verwehen lässt…

Arno

Arno Lücker wurde 1979 in Braunschweig geboren. Seit 2003 lebt er in Berlin. Dort arbeitet Arno Lücker als Musiktheater- und Konzert-Dramaturg.

1 Reaktion

  1. Hanna sagt:

    Wenn ich für eine Hausarbeit mal richtig zeit hätte, würde ich trotz mangelnder Kompetenz gerne jeden Takt genauso (vor allem sprachlich so locker!) analysieren und dann – mit zeitlicher und inhaltlicher (vielleicht auch emotionaler) Distanz das Wichtigste zu einem präzisen, lebendigen Text zusammenfassen.
    Danke für die gut lesbaren Episoden!

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