Pilotenspiel GEMA (Einige Gedanken über die GEMA, Teil 2)

Liebe Geschäftsmodeller,

Wie ihr seht, richte ich meine Worte heute nicht wie üblich an meine Blog-Leser, sondern an euch. Und zwar deswegen, weil es vielleicht noch niemand versucht hat, direkt mit euch zu sprechen. Bisher kennt ihr die GEMA ja nur über Gerichtsprozesse und Anträge, die versuchen, eurem Treiben Grenzen zu setzen. Vielleicht wollt ihr aber in Wirklichkeit – wie viele, die sich eines Systems bedienen um sich einen Vorteil zu schaffen – einfach nur ernst genommen und lieb gehabt werden? Ich weiß es nicht….Auf jeden Fall möchte ich mehr über euch lernen, ich möchte verstehen, warum ihr so seid wie ihr seid.

Zuerst muss ich einmal allen anderen Lesern erklären, was „Geschäftsmodeller“ eigentlich sind. Der Begriff  „Geschäftsmodell“ hat sich seit einiger Zeit bei der GEMA eingebürgert, da man die Verleumdungsprozesse leid war, die entstehen wenn man sagt was es eigentlich bedeutet.  „Geschäftsmodeller“ klingt nämlich einfach knuffiger und harmloser als „GEMA-Abzocker“, letzteres stimmt, ersteres sagt man, das ist halt so in unserer politisch korrekten Zeit. Und natürlich bezeichnet der Begriff auch, was ihr eigentlich macht, denn im Gegensatz zu einem „künstlerischen Modell“, von dem man eigentlich bei einem Komponisten ausgeht, nämlich dass bei ihm die Kunst zuerst kommt, und erst dann die aus dieser Kunst  resultierenden Einnahmen, ist es bei euch nicht nur andersrum, nein, die Kunst spielt bei euch überhaupt keine Rolle. Um Brecht zu variieren: „Erst das Fressen, dann auch keine Moral“, oder einfach „Nur das Fressen zählt“.

Können die anderen mir folgen? Ich muss hier kurz erklären, was „Geschäftsmodeller“ eigentlich machen. Wie alle anderen Verwertungsgesellschaften hat auch die GEMA ein Regelwerk, das vorsieht, wie aufgeführte Musik von geschützten Autoren von Veranstaltern zu vergüten ist. Das, was die GEMA einnimmt, wird dann an diese Autoren im Sinne des Wahrnehmungsvertrages weitergeleitet. Grundsätzlich gilt hierbei natürlich, dass theoretisch überall wo ein GEMA-pflichtiges Konzert stattfindet auch eine solche Vergütung stattfinden soll. Zusätzlich gibt es bei der GEMA noch weitere Ausschüttungen, die damit zu tun haben, wie oft die eigene Musik über die Jahre aufgeführt wird. Was der Veranstalter zahlt ist dabei nicht exakt gleich dem, was der Autor dann letztlich bekommt. Dies kann ja auch nicht so sein, da die GEMA natürlich auch eigene Betriebskosten hat. Manchmal bekommt der Autor weniger, manchmal mehr als das so genannte „Inkasso“, bei E-Musik ist oft letzteres der Fall, da hier ja Musik gefördert werden soll, die wesentlich seltener zu hören ist als zum Beispiel Pop-Musik, deren kultureller Wert aber vorhanden ist, zumindest der Theorie nach.

Normalerweise – in einer ehrlichen und schönen Welt – würde also eine ganz einfache Formel zählen: Je mehr Aufführungen ich habe, desto bekannter bin ich als Komponist, und desto mehr verdiene ich durch die GEMA. Die Geschäftsmodeller haben aber einen Weg gefunden, diese Formel auszuhebeln. Sie sind vollkommen unbekannt, verdienen aber (wesentlich) mehr als selbst die bekanntesten Komponisten wie zum Beispiel Henze oder Rihm. Ja, ihr habt ganz richtig gehört: Es gibt Großverdiener bei der GEMA, die als Künstler niemandem bekannt sind, über die man im Internet fast nichts findet außer beschönigenden Wikipedia-Einträgen, und deren künstlerische Bedeutung gen Null geht. Die aber durch die GEMA reich geworden sind.

Wie das genau geht ist ein schwieriges Thema, über das die GEMA nicht gerne redet, da sie ja nicht noch mehr Nachahmer kreieren will. Dass die GEMA als System auf diese Weise ausgehebelt werden kann, spricht nicht grundsätzlich gegen die GEMA. Schließlich ist auch Sozialhilfe oder Arbeitslosengeld per se eine sehr gute und wichtige Sache, es gibt aber auch dort mehrere Menschen, die erfolgreich versuchen diese Systeme auszuhebeln und sich selber einen Vorteil zu verschaffen. Zu Lasten derjenigen, die wirklich Sozialhilfe und Arbeitslosengeld brauchen – denn deren Geld wird dadurch reduziert. Nur dass dann z.B. der Millionär, der es sich von illegal bezogener Sozialhilfe auf den Malediven gut gehen lässt, regelmäßig in der Bildzeitung angeprangert und gegeisselt wird, wogegen ihr Geschäftsmodeller euer Treiben vollkommen unbehelligt fortsetzt, ja sogar oft unter dem Deckmantel des scheinbaren Einsatzes für die „Kleinen“ in der GEMA, also die unbekannten Komponisten, Bluesgitarristen und arbeitslosen Rockmusiker, als deren Anwalt ihr euch stets perfide ausgebt. Wenn die GEMA aber öffentlich darlegen würde, wie genau ihr Geschäftsmodeller euer Geld macht, wäre das ungefähr so, wie wenn das Finanzamt Anleitungen zur Steuerhinterziehung druckt.

Man kann es aber so beschreiben: Das Problem bei oben genanntem System liegt im Grunde darin, dass die GEMA erst einmal annehmen muß, dass ein angemeldetes Konzert auch wirklich stattgefunden hat, dass es ein Publikum gab, dass sich freiwillig einfand, dass die Musik auf dem Programm tatsächlich gespielt wurde. Da die GEMA kein Geheimdienst ist, und auch nicht STASI-Agenten in alle Himmelsrichtungen aussenden kann, ist es rein physisch unmöglich, jedes gemeldete Konzert auf seine Lauterkeit zu prüfen. Das war der erste Ansatzpunkt von euch Geschäftsmodellern – ihr habt Konzerte veranstaltet, die meist nur aus einem ausgelegten Programmheft in einer Kirche bestanden, aber gar nicht wirklich stattfanden. Oder ihr nahmt Jobs als Barpianisten an, um stets nur eure eigene Musik zu spielen, quasi als Dauerberieselung. Oder ihr tratet in Altersheimen auf, unter dem Deckmantel eines „Benefizkonzertes“, oder an anderen Orten, oft vor nicht vorhandenem Publikum, was später unglaublich schwer zu widerlegen ist, denn schließlich kann man ja nicht in jedem Gemeindesaal, Altersheim, in jeder Turnhalle eine Überwachungskamera installieren.

Sehr oft profitiertet ihr frühen Geschäftsmodeller von so genannten „GEMA-Pauschalen“, die manche Veranstalter wie Kirchen aufgrund häufig stattfindender Konzerte, deren Einzelabrechnung zu kompliziert ist, zahlen. Hierbei verwandelte sich dann ein geringes bis nicht vorhandenes Inkasso per GEMA-Zauber zu einem ansehnlichen Haufen Geld für euch Geschäftsmodeller. Später gingt ihr dazu über, selbst als Veranstalter aufzutreten. Denn es gibt Fälle, in denen das Inkasso niedriger liegt als die Ausschüttung (siehe oben). So lohnte es sich also, z.B. billige bulgarische Orchester in „Benefizkonzerten“ wochenlang in Deutschland fragwürdige Programme die keiner will spielen zu lassen – das kostete zwar ein bißchen Geld, die Einnahmen durch die plötzliche Hausse an Orchesteraufführungen machten das aber mehr als wett. Ein sichereres Geschäft als an der Börse (wenn auch noch erbärmlicher).

Viele assoziieren euch Geschäftsmodeller mit E-Musik, das ist aber nicht richtig, denn selbstverständlich lassen sich auch in der U-Musik solche Modelle finden. Zum Beispiel beim PRO-Verfahren, bei dem mit statistischen Modellen die unübersichtliche Anzahl von Popmusikaufführungen hochgerechnet wird. Und zwar bis vor kurzem einfach per GEMA-Bezirksdirektion. Es reichte also als Wandermusiker einfach alle Bezirke regelmäßig abzudecken um statistisch hochgerechnet zum Topverdiener zu werden.

Ich könnte hier endlos weiter eure Tricks erläutern, liebe Geschäftsmodeller, aber ehrlich gesagt fehlt mir dazu die Lust. Mich interessiert eigentlich nur eines: Wie fühlt ihr euch dabei? Wie fühlt ihr euch, wenn ihr mit 20 ordentliches Mitglied der GEMA seid, weil euer Vater euch schon als kleines Kind als Komponist angemeldet hat (um dann als Bearbeiter eurer manchmal nur angeblich komponierten Werke noch zusätzliche Einnahmen für die Familie zu erzeugen)? Ist das ein gutes Gefühl? Schliesslich ist die GEMA kein unbegrenzter Topf, aus dem endlos Geld herausgeholt werden kann. Auch bei der GEMA gibt es das Grundprinzip „Nur was hineinkommt, kann auch wieder herauskommen“. Das heißt einfacher gesagt, dass all das, was für eure verlogenen Konzerte ausgeschüttet wird, anderswo fehlt, und zwar den Ehrlichen. Ihr seid der Grund, warum so viele junge Komponisten frustriert von ihren GEMA-Einnahmen sind – gäbe es euch nicht, wären diese nämlich wesentlich höher. Manch einer von euch mag sich wie ein Robin Hood fühlen, der den Reichen das Geld wegnimmt, aber ihr nehmt es auch den Armen. Viele von euch hätten eigentlich auch ohne Abzockerei ein ehrliches Auskommen, warum also wollt ihr noch mehr? Begreift ihr eigentlich, was ihr tut?

Was mich nervt ist, dass ihr nicht nur abzockt, sondern auch noch zunehmend frecher geworden seid. Wogegen es früher ein kleiner Kreis von Leuten war, der dennoch erstaunlichen Schaden anrichten konnte, so seid ihr heute fast heuschreckenartig vermehrt. Und das hat natürlich einen Grund – die GEMA kommt langsam aber sicher darauf, wie man etwas gegen euch tun kann. Gerade in den letzten Jahren hat der Aufsichtsrat doch immer wieder den einen oder anderen Antrag durchgebracht, der eure Einnahmen erfolgreich reduziert. Wie schwer es ist, diese auf das gerechte „Null“ zu reduzieren, zeigt folgendes Beispiel: Wie ich oben erklärt habe, sind viele eurer Konzerte „umsonst“, haben also freien Eintritt. Hiermit gelingt es euch auch, den einen oder anderen in eure Konzerte zu locken, manchmal haben die Bewohner eines Altersheimes z.B. auch gar keine andere Wahl, als sich eure Sachen anzuhören, z.B. weil sie ohne Betreuer gar nicht den Raum verlassen dürfen. Nun könnte man natürlich einfach sagen „War das Konzert umsonst, gibt es auch keine GEMA“, oder einfach „Inkasso = Ausschüttung“. Damit würde man euch zwar gewaltig schaden, aber eben leider auch der wesentlich größeren Zahl an ehrlichen Komponisten, die zum Beipiel Aufführungen bei Hochschulkonzerten, Kirchentagungen, Open Airs haben, denn diese würde man dann auch auf Null reduzieren. Man würde also die Unschuldigen doppelt bestrafen – erst werden ihre Einnahmen durch euch reduziert, dann werden sie ganz vernichtet. Geht also nicht.


Das einzige was man machen kann, ist regulieren. D.h. hie und da Anträge durchbringen, die euch Grenzen setzen. So geschehen bei der diesjährigen GEMA-Versammlung. So kann die GEMA nun zum Beispiel fordern, dass die Existenz fragwürdiger Konzerte in Einzelfällen durch mehr als nur einen Programmzettel bewiesen werden muß. Auch wurde das PRO-Verfahren auf geniale Weise so umstrukturiert, dass es unmöglich ist genau vorherzusehen welche Konzerte man wo spielen muß, um statistische Relevanz zu erreichen. Aber sicherlich werdet ihr auch hier wieder irgendeinen Trick finden.

Dieser begründete Widerstand gefällt euch gar nicht, also habt ihr euch zunehmened organisiert. Schon seit zahllosen GEMA-Sitzungen erscheint ihr mit „Standardbesetzung“, bestimmte Redner die im ganzen Raum verteilt sind und die mit fadenscheinigen Argumenten Stimmung gegen die Anti-Geschäftsmodell-Anträge machen. Jeder, der regelmäßig die GEMA-Versammlungen besucht, weiß genau wen ich meine. Aber da ihr immer mehr werden müsst, um prozentual bei den Abstimmungen Erfolg haben zu können, schreibt ihr zum Beispiel solche Emails (Namen wurden geschwärzt).

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Das sind dann schon sehr perfide Methoden – über 70 Jahre alte „orientierungslose“ Komponisten sollen also für eure Zwecke mißbraucht werden? Echte Demokratie sieht anders aus. Die „Gegenseite“ tut so etwas nicht – und warum ist eigentlich die GEMA euer „Gegner“, wenn sie euch schon seit Jahrzehnten Geld auf eure Konten häuft, zwar unwillig, aber durch ihre eigenen Statuten, die den Ehrlichen dienen sollen, gezwungen?

Bei der diesjährigen Versammlung seid ihr letztlich gescheitert, also ist zu erwarten, dass ihr im nächsten Jahr in noch größerer Zahl erscheinen werdet. Mir kommt das Ganze immer mehr wie ein gigantisches Pilotenspiel vor. An der Spitze der Pyramide sitzt ihr, alle anderen sind allein dafür da, euch zu bereichern. Dazu werden in Zukunft auch die zahllosen Komponisten gehören, die ihr momentan für eure Sache versucht anzuwerben, denn je größer euer Kreis wird, desto besser könnt ihr euch gegenseitig aufführen. Und in der Masse könnt ihr besser Anträge abschmettern. Am Fuße der Pyramide sind wir, die ganz gewöhnlichen GEMA-Mitglieder, die nach wie vor einen großen Teil unserer ehrlichen Einnahmen an euch abführen.

Manchmal frage ich mich, wie ihr euch so fühlt, wenn ihr abends zu Bett geht. Habt ihr manchmal Gewissensbisse, verzweifelt ihr an der Verlogenheit eurer eigenen Existenz, daran dass ihr euch wie Blutegel an der Arbeit anderer bereichert? Schliesslich hattet ihr ja auch irgendwann mal einen Traum, seid irgendwann zur Musik gekommen, vornehmlich mit der Absicht, selber einmal gute Komponisten zu werden. Aber dann ist irgendetwas geschehen – vielleicht ein Gespräch mit verlockenden Aussichten, vielleicht ein zweifelhaftes Angebot. Und plötzlich war euch eure Musik nicht mehr das wichtigste, sondern allein das Geld. Und das war der Moment, in dem etwas in euch gestorben ist.

Vielleicht gibt es für manche von euch noch ein Zurück. Wie gesagt, ihr seid nicht alle notwendigerweise ein unbegabter Haufen. Ich wünschte, ich würde die Worte finden, euch diesen Weg aufzuzeigen. Es ist noch nicht zu spät, ihr könnt noch anständig werden, eure Moral wiederfinden, die ihr unter irgendeinem Kontoauszug vergraben habt.

Musik ist eigentlich etwas Schönes.

Vielleicht sollten wir einfach mehr miteinander reden?

Euer

Bad Boy (Moritz Eggert)

Moritz Eggert

Komponist

147 Antworten

  1. …nun, ein „Verein“, dessen Leitung mit Werten auch jenseits von materiellen derart sorglos umgeht wie die GEMA (siehe MitarbeiterInnen-Behandlung, Kulturverständnis) muss sich nicht wundern, wenn sich seine Mitglieder in Sachen „Moral“ aufführen wie Bangster oder Heuschrecken. Schlechte Vorbilder verderben eben gute Sitten, sagt schon die Binse – und das bei der GEMA seit Jahren und weiterhin absehbar…

  2. Wars nicht Ole Seelenmeyer, der diese taktisch hochkomplexe, raffiniert zusammengeschraubte GEMA-Gebrauchsanweisung im Sinne seiner Deutsch-Rocker in die Musikwelt gepustet hat, lieber Moritz?
    rätselt: Theo Geißler

  3. mehrlicht sagt:

    Im Internet läufts eigentlich ähnlich: Viele Hacker (= Web-Geschäftsmodeller) sind nützlich, weil sie Schwachstellen aufzeigen. Demnach wäre rinem Norwin Linkenhoff sogar eine gewisse Antikörpereigenschaft zu bescheinigen, allerdings gibt es im Verfahren nun den entscheidenden Unterschied: im Web wird nach einem Hacker- bzw. Schadensvorfall sofort das Grundsystem geändert, Updates finden statt, Sicherheit hat oberste Priorität, um seriöse Nutzer zu schützen. Und genau DA fehlts komplett bei der GEMA. Es wird nicht reagiert. Oder die Raktion erfolgt in einer Slow-Mo-Zeitlupe, die noch den letzten B-Movie-Liebhaber aus dem Kino jagen würde. Vermutlich erhalten wir etwa gegen 2016 den ersehnten GEMA-Brief, in dem drinsteht, dass „ein Missbrauch wie 1997 nun nicht mehr vorkommen kann“ – Fairplay will Weile haben.

  4. Johannes K. Hildebrandt sagt:

    lieber moritz,

    zunächst mal vielen dank für deinen beitrag. ich habe aber so meine zweifel, ob sich ein geschäftsmodeller zur kommunikation meldet oder sogar bekehren lässt. ich glaube ein normal denkender mensch, wird sich kaum vorstellen können, was geschäftsmodeller tun und vor allem um welche beträge es hier wirklich geht. ich saß einige jahre im wertungsausschuss und ich konnte es immer wieder selber kaum fassen, was wirklich abgeht.
    deinen text finde ich gut, eigentlich wollte ich mich hier im blog nicht noch mal äußern, aber beim überfliegen der letzten beiträge muss ich doch, denn ich kann den beitrag von herrn hufner vom 4. juli 20.59 uhr nicht unkommentiert lassen. sehr geehrter herr hufner – da setzen sie doch tatsächlich die wahlempfehlung einer gewissen klientel zu antrag 30 rein. ist ihnen der autor nicht bekannt oder wollen sie ihn nicht nennen? dieses papier wurde natürlich auch auf der mitgliederversammlung eifrig verteilt, besonders für die zielgruppe der ahnungslosen und 70+…. was soll eigentlich an dieser wahlempfehlung auch für „nicht-gema-menschen“ wie sie schreiben interessant sein? wissen sie eigentlich, worum es in antrag 30 geht? sie setzen eine wahlempfelung zu einem antrag hier hinein, ohne den inhalt des antrages auch nur ansatzweise zu erläutern. ???? was bezwecken sie eigentlich damit? übrigens wurde der antrag 30 von der mitgliederversammlung recht deutlich angenommen, allerdings mit einer modifizierung, die klar macht, was mit „marktnachfrage“ gemeint ist. hier geht es um veranstaltungen mit kaum vorhandenen zuhörern und kaum vorhandenem eintrittsgeld oder vergütungen. falsch ist in der wahlempfehlung (letzter abschnitt), dass behauptet wird eine „markpolizei“ entscheidet, ob eine werk abgerechnet wird oder nicht – typischer populismus. natürlich wird abgerechnet, es ist nur die frage wie; es geht um die nettoeinzelverrechnung. außerdem wurde der antrag befristet und reklamationen sind auch möglich – da entscheidet dann der programmausschuss. da sitzen unter anderem der moritz und ich drin. und schließlich schreiben sie am ende ihres rätselhaften beitrages „So was wird nach außen natürlich nicht kommuniziert. Warum eigentlich nicht? Weil das alles wahrscheinlich besser nie jemand wüsste?“ ja, und weil sie anscheinend wirklich nicht wissen, worum es geht, braucht es wahrscheinlich doch mal ein klareres beispiel – natürlich frei erfunden. herr hufner – stellen sie sich mal vor – sie sind ein begnadeter komponist und der theo geißler auch. und da kommen sie auf die idee mal gemeinsam ein konzert z.b. in einer kirche zu machen. sie spielen natürlich selber ihre kompositionen, denn sie sind auch hervorragende interpreten – leider gibt’s kein honorar. auf das konzert weist ein in handarbeit hergestelltes plakat an der kirchentür hin. leider hat es niemand gelesen und auch sonst gab es keine werbemaßnahmen für ihre veranstaltung und es kennt sie ja auch keiner, was dazu führt, dass das publikum leider fehlt. egal sie spielen trotzdem. nach einer weile schaut zufällig ein ahnungsloser tourist zur tür herein – na super – da fangen sie gleich noch mal von vorne an, wird das stück eben zweimal gespielt. das konzert findet um 10 uhr statt und weil es ihnen so viel spaß gemacht hat, wiederholen sie es um 13 uhr, 15 uhr, 19 uhr und 22 uhr. das machen sie dann so ein paar wochen lang. als komponisten sind sie natürlich gema-mitglieder und melden alles an und freuen sich auf die ausschüttung im kommenden jahr. die wird wahrscheinlich höher sein, als ihr derzeitiges einkommen. ach ne – antrag 30 wurde ja angenommen – mist. durch solche veranstaltungen gehen jährlich millionen den bach runter. sehr geehrter herr hufner – genau um solche veranstaltungen ging es in antrag 30, dessen ablehnungsempfehlung sie in diesem blog verbreitet haben. das ist nicht nur peinlich für sie, sondern auch für die nmz. wenn ich mich nicht irre, sind sie ja auch noch mitverantwortlich für diesen blog und das, was hier erscheint. ich finde es erschreckend und möchte sie doch bitten, sich in zukunft zu informieren, worum es in texten geht, die sie hier hineinsetzen. ich würde es begrüßen, wenn sie ihren beitrag vom 4. juli aus diesem blog löschen.
    aha – mehrlicht – alias herr keuk ist auch noch dabei. jedes jahr gibt es anträge, in denen auf veränderungen und entwicklungen reagiert wird, auch auf die immer wieder neu gefundenen schlupflöcher der geschäftsmodeller. allerdings ist es zunehmend schwierig alle anträge durchzubekommen, denn die zahl der geschäftsmodeller wächst und weil sie wissen, dass sie etwas zu verlieren haben, kommen sie auch zur mitgliederversammlung, um ihnen entgegen wirkende anträge zu verhindern. ein antrag ist nur dann durch, wenn er eine zwei drittel mehrheit hat und alle drei kurien, also komponisten, texter und verleger zustimmen. leider kommen zu wenig seriös arbeitende komponisten zur versammlung, um den geschäftsmodellen die stirn zu bieten, verstehen nicht worum es geht – schließlich sind geschäftsmodelle teilweise wirklich zu abstrus – oder sie lesen einfach nicht die anträge in der tagesordnung durch. ich kann mich übrigens nicht erinnern, dich – mehrlicht – schon mal auf einer versammlung gesehen zu haben. tja – auch den guten alten gema-brief, den du da erwähnst gibt es seit einiger zeit nicht mehr. da gab es dieses jahr auch einen antrag zu…. nicht gelesen? mehrlicht – mehr licht bringst du leider nicht, du bist nicht informiert – ein typisches beispiel – schade … die gema ist kein wesenloses gebilde und von daher finde ich den internetvergleich nicht gut, sondern die gema sind wir – wir komponisten, kümmern wir uns verdammt noch mal darum!!

    Johannes K. Hildebrandt

  5. Hallo Herr Hildebrandt, vielen Dank für die Bestätigung meiner These. Mehr war nicht nötig. ;-)

  6. mehrlicht sagt:

    Lieber Johannes, mein Internetvergleich hinkt in dem Punkt, dass Hacker zumeist auf etwas Gutes aus sind, also lassen wir das besser, nehm ich zurück. Ansonsten habe ich meine Kritik wohl zu überspitzt formuliert (meine alte Schwäche, ich bitte um Verzeihung). Natürlich weiß ich, dass es den GEMA-Brief nicht mehr gibt. Bei einer GEMA-Versammlung war ich zugegen und werde auch immer wieder hinfahren, wenn Zeit, Geld und Mitwirkungslage (als Außerordentlicher) es erlauben.
    Vielleicht ist die „Meinung des Uninformierten“ nicht ganz unwesentlich, ich bin sicherlich nicht ganz allein damit. Die Antragsfluten lese ich mir auch Jahr für Jahr durch und auch dort wirst Du mir sicher bestätigen, dass die Bürokratie nicht unerheblich ist – das fängt bei simplen Nachverrechnungsaktionen an, die Benjamin bereits geschildert hat. Die Komplexität der Interessenlagen zieht natürlich eine ebensolche der Kriminalität nach sich und ich bin sofort dabei, wenn ich mein Scherflein dazu beitragen kann, diese zu bekämpfen. liebe Grüße!

  7. eggy sagt:

    Ich kann Johannes hier nur Recht geben – dass die GEMA diese Struktur hat, nervt mich auch manchmal, und ebenso wie langsam sie nur auf diese „Geschäftsmodelle“ reagieren kann. Die Alternative wäre aber genau das, was ihr der GEMA immer vorwerft – nämlich ein gnadenlos autoritärer Verein zu sein, der sich um seine Mitglieder nicht schert. Die Langsamkeit hat mit der demokratischen Struktur zu tun, die man denke ich nicht aufgeben kann – oder habt ihr eine bessere Idee? Johannes und ich sagen nichts anderes als: KOMMT zu den Mitgliederversammlungen. BRINGT eure Kritik ein. STIMMT ab.
    Ich engagiere mich in und außerhalb der GEMA durchaus kritisch und plappere auch nicht alles nach – noch nie wurde mir intern ein Stein in den Weg gelegt. Ich finde vieles an der GEMA grottig und ich unterstütze auch nicht alle personellen Entscheidungen. Tatsächlich ist da einiges passiert, das ich genau so wie Theo schlimm finde. Aber sie komplett sich selbst überlassen fände ich NOCH schlimmer.
    Auch bitte ich einen für mich sehr wichtigen Satz in meinem Beitrag zu beachten:

    Schließlich ist auch Sozialhilfe oder Arbeitslosengeld per se eine sehr gute und wichtige Sache, es gibt aber auch dort mehrere Menschen, die erfolgreich versuchen diese Systeme auszuhebeln und sich selber einen Vorteil zu verschaffen.

    Will sagen: Ein System wie die GEMA allein mit der Begründung zu kritisieren, dass es auch mit Betrug ausgenutzt werden kann, funktioniert für mich argumentatorisch nicht. Ist dann Schule sinnlos weil man spicken kann? Krankenhäuser sind sinnlos, weil es auch Hypochonder gibt? Ich glaube doch nicht.
    Urheberrecht ist per se keine falsche Sache, arbeiten wir doch daran mit, dass es kein Urheberhorror wird.

  8. Ahhaaaa sagt:

    Zitat: „das konzert findet um 10 uhr statt und weil es ihnen so viel spaß gemacht hat, wiederholen sie es um 13 uhr, 15 uhr, 19 uhr und 22 uhr. das machen sie dann so ein paar wochen lang. als komponisten sind sie natürlich gema-mitglieder und melden alles an und freuen sich auf die ausschüttung“

    Das ist ein Fall für den Staatsanwalt!

  9. Ich möchte mal eine Idee einbringen:

    Komponisten sollen ein Auftragshonorar bekommen, sie schreiben das Werk, und das gehört dann der Menschheit.

    Das ist gar nicht so radikal – in der Neuen Musik ist’s nämlich schon angelegt (z.B. meine bisherige Erfahrung; durch Aufträge habe ich ungleich mehr verdient als durch die GEMA).
    Kontroverser sind die Details: Woher kommt das Geld, und wer vergibt Aufträge? Bislang sind es Kuratoren von Kunststiftungen, GEZ-gespeiste Rundfunkredakteure und subventionierte Veranstalter. Bis auf das Wort „Subvention“ halte ich das soweit für gut, nur sollte viel freilich viel mehr Geld vorhanden sein. Ich sag mal Kulturflatrate……

    Dann gibt’s natürlich Aufschreien en masse, wenn nur die Kunstelite gefördert wird. Also muss es auch Förderung für Pop geben usw. Gewöhungsbedürftig ist wohl der Gedanke, dass auch Pop gefördert wird, aber so sind die Zeiten heute. Schön daran ist, dass man dann über ästhetischen Wert diskutiert, statt über Markttauglichkeit (das sind natürlich die gleichen Debatten wie über den „Bildungsauftrag“ der öff.r.Rundfunkanstalten; dass wir uns da nicht ausruhen können, ist klar).

    Worüber man sich bei diesem Vorschlag noch die Köpfe heiß reden darf: Früher konnte einer von einem einzigen Hit sein Leben lang profitieren, nach meinem Szenario muss ständig neues komponiert werden, wer ständig davon leben will. Gerecht oder ungerecht, gut oder schlecht? Das weiß ich nicht.

  10. Benjamin Schweitzer sagt:

    Hallo Johannes,

    die Idee hört sich erstmal charmant an, so ähnlich wie die Geschichte mit dem bedingungslosen Grundeinkommen.

    Einige Probleme hast du schon selbst gleich mit genannt – u.a. die Frage, wo das Geld herkommt und wer entscheidet, wer welche Aufträge bekommt. Bei auch nur etwas genauerem Nachdenken kommen aber noch ganz andere und noch viel grundsätzlichere Schwierigkeiten zutage.

    Selbst wenn man der Idee eines prinzipiellen „total buy-out“ zustimmen würde, müßten dann auch die Auftragshonorare erheblich höher sein, denn sie müßten ja für die Nutzungsrechte des Komponisten bis zu seinem Ableben und 70 Jahre danach eine Kompensation enthalten. Eher also so wie Honorare für Top-Ten-Maler oder -Architekten, die mit dem Honorar ihr Werk wirklich materiell komplett aus der Hand geben. Leider sind die meisten Auftragshonorare, die heutzutage gezahlt werden, doch so niedrig, daß man im Grunde nur dann damit/davon leben kann, wenn man das Geld, das das Stück nach der Uraufführung zumindest theoretisch noch einspielen könnte, dazurechnet. Wenn man als Komponist wenigstens den Stundensatz eines ordentlichen Handwerkes bekäme, könnte man über sowas mal anfangen nachzudenken, aber so, wie die Lage derzeit ist: nein.

    Dann ist es so, daß der potenzielle Auftraggeber sich fragen würde, warum er mit dem Honorar, das er aus seinen woher auch immer gespeisten Mitteln bereitstellt, der ganzen Musikwelt die Nutzung des Werkes schenken sollte? Er zahlt dann sagen wir mal 3000 Euro für eine einmalige Nutzung, alle anderen zahlen 0 Euro für beliebig viele Nutzungen des Werkes. Das wäre ja so, als ob man bei einem Schmied ein Gartentor bestellt und bezahlt, und dann darf jeder das Gartentor abmontieren und mitnehmen, nachdem man es ein paar Wochen benutzt hat.

    Das funktioniert nach meinem Verständnis allerhöchstens in einer Gesellschaft, in der alle materiellen Güter absolut gleich verteilt sind und Geld quasi nur eine symbolische Bedeutung hat, und so eine Gesellschaft ist eine Utopie, die mit dem derzeit auf der Welt existierenden Typ Mensch nicht zu verwirklichen ist, wenn man sie denn für erstrebenswert hielte.

    Und schließlich: was tut der Komponist C, der einfach so mal ein Stück schreibt, ganz ohne Honorar, vielleicht für einen tollen Musiker, den er kennt, und der zwar kein Honorar zahlen kann, aber die Nummer dafür häufig spielt und vielleicht auch mal auf CD aufnimmt etc.? Soll dieser Komponist dann das Stück auch komplett freigeben, obwohl er gar keinen „Auftrag“ dafür hatte?

    Ich denke nach wie vor, daß an dem Grundsatz nicht gerüttelt werden sollte, daß die wie auch immer geartete Nutzung eines Musikwerkes, das mit künstlerischem Anspruch, „handwerklichem“ Können und schlichtem Arbeitsaufwand hergestellt wurde, auch vergütet werden muß.

    Das Problem, das ich mit deinem Vorschlag habe, ist aber vorderhand gar nicht nur materiell/rechnerisch, sondern auch künstlerisch. Die Idee bevorzugt nämlich die Massenproduktion von Stücken, die nur eine oder wenige Aufführungen erleben. Wir haben aber doch jetzt schon viel zu viele Uraufführungen, und viel zu wenig davon wird nachgespielt. Natürlich gibt es, wie zu allen Zeiten, eine Menge Musik, die nach der Uraufführung zu Recht wieder in der Schublade verschwindet und am besten gleich da geblieben wäre. Bloß kann man bei der Erteilung des Auftrags (meistens ;-) ja noch nicht sagen, ob da Dutzendware oder ein Meisterwerk bei rauskommt:

    Komponist A schreibt für ein marktübliches Honorar ein marktübliches Stück, das wird einmal gespielt, einmal gesendet und dann vielleicht zu seinem 70. nochmal, und das war’s. Komponist B schreibt für das gleiche Honorar ein hervorragendes Stück, das ein Repertoirewerk wird und jedes Jahr mehrere Aufführungen und Sendungen erlebt: Wir sind uns hoffentlich einig darin, daß Komponist B einen höhern materiellen Ertrag verdient hätte, aber nach deiner Idee nicht bekommt, weil er ja mit dem Honorar das Stück mit Haut und Haaren verkloppt hat.

    Mir scheint die Idee, wenn ich das so offen sagen darf, stark aus deiner derzeitigen und persönlichen Situation heraus geboren, wie du ja auch selbst andeutest. Ich habe auch schon Stücke geschrieben, die mir durch GEMA- und Materialtantiemen mehr Geld eingebracht haben (oder überhaupt erst welches) als durch das ursprüngliche Honorar (wenn denn eins gezahlt wurde), und bin da sicher nicht der einzige. Natürlich hat das auch was mit den musikalischen Gattungen und Bereichen zu tun, in denen man arbeitet, aber das ist ja wieder ein anderes Thema.

    —Im übrigen bin ich der Meinung, daß Administratoren sich in der inhaltlichen Diskussion eines Blogs eher zurückhalten sollten.—

    Mit catonischen Grüßen,

    B.

  11. Hallo Benjamin,

    die Idee hört sich erstmal charmant an, so ähnlich wie die Geschichte mit dem bedingungslosen Grundeinkommen.

    Hat mit der Idee des bedingungslosen Grundeinkommen nichts zu tun, sogar im Gegenteil: in etwa die konkrete Arbeitszeit wird bezahlt.

    Selbst wenn man der Idee eines prinzipiellen “total buy-out” zustimmen würde, müßten dann auch die Auftragshonorare erheblich höher sein, denn sie müßten ja für die Nutzungsrechte des Komponisten bis zu seinem Ableben und 70 Jahre danach eine Kompensation enthalten.

    Dass wir uns von diesem völlig überzogenen, kulturfeindlichen Maßstab verabschieden müssen ist klar. Dass die Honorare aber höher als jetzt sein müssen auch.

    könnte, dazurechnet. Wenn man als Komponist wenigstens den Stundensatz eines ordentlichen Handwerkes bekäme, könnte man über sowas mal anfangen nachzudenken, aber so, wie die Lage derzeit ist: nein.

    Ich sage ja nicht, dass es derzeit so ist, sondern es ist ein Vorschlag, den man versuchen könnte durchzusetzen. Aber die Tendenz ist ja schon da. Mathias Spahlinger erzählte mir mal, dass vor Jahrzehnten in Donaueschingen den Komponisten nur ein symbolisches Honorar gezahlt wurde, denn es war selbstverständlich, dass sie dann von der GEMA das gebührende Geld bekommen. Das hat sich aber schon seit langem immer mehr gewandelt, von der GEMA weniger, vom auftraggebenden Festival mehr. Gut so, das soll weiterentwickelt werden!

    Dann ist es so, daß der potenzielle Auftraggeber sich fragen würde, warum er mit dem Honorar, das er aus seinen woher auch immer gespeisten Mitteln bereitstellt, der ganzen Musikwelt die Nutzung des Werkes schenken sollte?

    Wovon redest Du? Ist das jetzt anders? Das Extremste was ich bislang erlebt habe war dass ein Ensemble das alleinige Spielrecht für zwei Jahre einbehielt, Radiostationen als Auftraggeber haben meist das Erstesenderecht, mehr nicht.

    Er zahlt dann sagen wir mal 3000 Euro für eine einmalige Nutzung, alle anderen zahlen 0 Euro für beliebig viele Nutzungen des Werkes. Das wäre ja so, als ob man bei einem Schmied ein Gartentor bestellt und bezahlt, und dann darf jeder das Gartentor abmontieren und mitnehmen, nachdem man es ein paar Wochen benutzt hat.

    Sorry, aber Du weißt doch dass die Vergleiche mit materiellen Gütern immer hinken.

    Und schließlich: was tut der Komponist C, der einfach so mal ein Stück schreibt, ganz ohne Honorar, vielleicht für einen tollen Musiker, den er kennt, und der zwar kein Honorar zahlen kann, aber die Nummer dafür häufig spielt und vielleicht auch mal auf CD aufnimmt etc.? Soll dieser Komponist dann das Stück auch komplett freigeben, obwohl er gar keinen “Auftrag” dafür hatte?

    Dafür sollte es Stiftungen geben (gibt es auch, z.B. den Hauptstadtkulturfonds), aber das müsste freilich noch wachsen.

    Ich denke nach wie vor, daß an dem Grundsatz nicht gerüttelt werden sollte, daß die wie auch immer geartete Nutzung eines Musikwerkes, das mit künstlerischem Anspruch, “handwerklichem” Können und schlichtem Arbeitsaufwand hergestellt wurde, auch vergütet werden muß.

    Das ist in digitalen Zeiten nun mal nicht mehr haltbar. Musik kann mühelos vervielfältigt werden (und die Leute tun es (außer Dir..), darum ja die Diskussionen; und für die Verbreitung von Kultur ist das ja grundsätzlich erst mal höchst begrüßenswert), also denken wir über neue Möglichkeiten der Vergütung nach.

    Das Problem, das ich mit deinem Vorschlag habe, ist aber vorderhand gar nicht nur materiell/rechnerisch, sondern auch künstlerisch. Die Idee bevorzugt nämlich die Massenproduktion von Stücken, die nur eine oder wenige Aufführungen erleben. Wir haben aber doch jetzt schon viel zu viele Uraufführungen, und viel zu wenig davon wird nachgespielt. Natürlich gibt es, wie zu allen

    Ich würde sagen: schlimmer gehts nimmer. Komponisten komponieren nun mal dauernd, obwohl ein einmaliger „Hit“ (aber den hat halt keiner) das Auskommen eine Weile sichern könnte. Meinem Modell ginge es aber immer noch darum, dass es ja über Aufträge läuft, und es wird eben nicht alles bewilligt. Und eine gewisse qualitative Konstanz hat ein Komponist ja meist, also ganz überraschende Resultate gibt es bei Aufträgen nun doch nicht.

    Komponist A schreibt für ein marktübliches Honorar ein marktübliches Stück, das wird einmal gespielt, einmal gesendet und dann vielleicht zu seinem 70. nochmal, und das war’s. Komponist B schreibt für das gleiche Honorar ein hervorragendes Stück, das ein Repertoirewerk wird und jedes Jahr mehrere Aufführungen und Sendungen erlebt: Wir sind uns hoffentlich einig darin, daß Komponist B einen höhern materiellen Ertrag verdient hätte, aber nach deiner Idee nicht bekommt, weil er ja mit dem Honorar das Stück mit Haut und Haaren verkloppt hat.

    Ist zugegeben ein Problem; moralisch bin ich ja der Ansicht, dass nun mal Arbeitszeit gerecht bezahlt werden soll, das betrifft etwa auch den Lohn eines Lehrers und den eines Managers, beides Akademiker, aber viel zu differente Gehälter.
    Für die Kunst kann es gut oder schlecht sein; wenn nicht der Druck besteht, dass es oft gespielt werden muss, kann das den Mut ebenso fördern wie die Selbstgefälligkeit. Wenn es nun nachher oft gespielt wird, ja, dann wäre das natürlich nett wenn der Komponist dafür mit mehr als Ruhm belohnt würde – andererseits: wie wäre es mit einem neuen Kompositionsauftrag als Belohnung, damit er ein weiteres tolles Stück schreibt?
    Ich weiß, hier wird es schwierig, aber mein Vorschlag kommt (nein, nicht nur aus der persönlichen Situation) weil hier riesige Probleme geschildert werden und nach neuen Ansätzen geradezu schreien. Ich bin nicht restlos überzeugt, aber glaube zumindest daran, dass etwas in die von mir angedeutete Richtung nicht „eine schlechte Praxis durch eine andere ersetzt“.

    Grundsätzlich bin ich ohnehin der Ansicht (die digitale Revolution verdeutlicht das nur), dass das Konzept „Urheber“ äußerst fraglich ist. Ein Musikstück besteht zu 90% aus Übernommenem, selbst ein Beethoven steht noch auf den Schultern von anderen Riesen. Jeder Klavierton ist schon ein Meisterwerk – soll der Klavierbauer auch noch bis 70 Jahre nach seinem Tod für jeden gespielten Ton seinen Anteil bekommen (und für jede kopierte Aufnahme, also auch das immaterielle Sample)? Hätte sich Schönberg die Zwölftontechnik patentieren lassen sollen? (Dann dürften wir alle ab 2021 zwölftönig komponieren, außer wer sich die Lizenzen leisten könnte.) Seien wir so ehrlich, wir nehmen von anderen viel (auch Du, Benjamin!) und sollten es darum auch wieder geben, nachdem wir ein anständiges Honorar für die Arbeitszeit bekommen haben. Dass entwertet das ästhetische Niveau nicht im Geringsten, diese Sprüche taugen wirklich null. Oder ist umgekehrt Bohlens Musik ästhetisch so hochwertig wie ihr monetärer Erlös?

    Viele Grüße
    Johannes

    • eggy sagt:

      Ich weiß, ich weiß, die Administratoren sollen sich zurückhalten, aber dennoch:
      Johannes, ich finde Deine Idee von „alles geistige Eigentum gehört allen“ absolut sympathisch, genauso wie die Idee, dass wir alle kein Geld mehr brauchen und lieb zueinander sind (das meine ich jetzt nicht im geringsten zynisch).
      Aber letztlich ist doch Deine Forderung erfüllt: Kulturelle Leistungen gehören ohnehin von vornherein allen, da sie ja wiederum weitere künstlerische Leistungen evozieren und beeinflussen. Daran hat auch das Urheberrecht nichts geändert, dieses hat nur für ein bißchen mehr Gerechtigkeit gesorgt (da finde ich Benjamins Beispiele schon einsichtig – wie soll ich ein gerechtes Honorar für ein Kunstwerk finden, das sich noch nicht bewährt hat?). Insofern ist das Urheberrecht an sich ein kultureller Fortschritt, genauso wie viele andere Verbesserungen im sozialen Bereich, die unsere Zeit dann doch von früher unterscheiden, wie zum Beispiel Abschaffung von Kinderarbeit, soziale Absicherung, medizinische Fürsorge für alle, etc.. Das Urheberrecht gibt dem Individuum mehr Rechte, das kann so schlecht nicht sein.
      Die Werken sind ja dennoch für alle verfügbar, zu geringsten bis gar keinen Kosten. Noch nie war so viel Kultur und Wissen für so wenig Aufwand einem Großteil der Menschheit verfügbar, egal aus welcher sozialen Schicht sie kommen.
      Ich würde Deinem Modell vom komplett unnötigen Urheberrecht sofort zustimmen, wenn wir nicht in einer Welt leben würden, in der das Gegenteil passiert und das Urheberrecht einfach zunehmend in die Hände von rein kommerziell orientierten Konzernen fällt, also quasi dem Künstler – der damit nichts anderes als sein täglich Brot bezahlen will – weggenommen wird. Und dagegen bin ich ganz dezidiert.
      In der Industrie (der Vergleich mit materiellen Gütern hinkt hier nicht) wird das Urheberrecht – also die Rechte an Erfindungen, Patenten, geistigem Eigentum – mit härtesten Bandagen verteidigt. Und das funktioniert auch ganz gut und hat die wissenschaftliche Entwicklung keineswegs gebremst sondern sogar eher durch die daraus entstehende Konkurrenz beschleunigt.
      Das betrifft übrigens auch künstlerische Produkte – die Filmindustrie ist von unserem Geschäft nicht allzuweit entfernt, denn auch dort geht es um kreative Werte. Gerade haben die Drehbuchautoren in einem beeindruckenden, monatelangen Ringen für mehr Gerechtigkeit im Verteilungsplan der Filmverwertungen gesorgt, da sie vorher jahrzehntelang von den Filmgesellschaften gemolken wurden, warum sollen wir als Komponisten (wir schreiben Noten und keine Worte, das ist der einzige Unterschied unserer Arbeit, da auch wir größtenteils Skripte liefern, die realisiert werden müssen) jetzt plötzlich diesen Kampf untergraben und alle unsere Rechte wegschenken?

      Google und co sind ja nicht für die Auflösung des Urheberrechts – sie wollen ja nur von dem durch die Negation des individuellen Urheberrechts (also durch geistigen Diebstahl entstandenen) Angebot knallhart profitieren, und zwar durch Werbeklicks die letztlich ähnlich funktionieren wie die GEMA: Je mehr Klicks etwas hat, desto mehr Einnahmen generiert es. Je mehr ich eine Webseite anschaue, desto höher kann ich meine Werbeeinnahmen schrauben. Und je mehr (geraubtes) Wissen und Information google anbieten kann, desto mehr Einnahmen bekommt es. All das Gerede vom freien Internet ist für mich wenig glaubwürdig, wenn es von Leuten kommt, die davon profitieren wollen.
      Dasselbe gilt nicht nur für google sondern natürlich auch für youtube. Auch Du, Johannes, beförderst mit Deinen vielgesehenen Videos auf youtube die Einnahmen eines Unternehmens, dem Dein künstlerisches oder kritisches Anliegen komplett wurscht sind. Fändest Du es nicht auch gerecht, wenn Du von diesem Kuchen etwas abhaben könntest? Schliesslich steckt wesentlich mehr Arbeit in Deinen Videos als youtube jemals für Dich investieren wird?

      Wie auch immer – als kreative Künstler sollten wir nicht auf das Urheberrecht verzichten – es ist unsere einzige Waffe gegen Ausbeutung und Vereinnahmung, die eher zu- als abnimmt. Wir müssen aber auch darauf achten, dass dieses Urheberrecht mit der Zeit geht und nicht zu einem Ballast wird, der alles bremst. Es muß plausibel sein und funktionieren – dazu gehört für mich auch z.B. der lockerere Umgang der GEMA mit zum Beispiel Zitaten und Fremdmaterial (wie er übrigens zu Bernd Alois Zimmermanns Zeiten üblich war – für sein Ballet „Pour les soupers du Roi Ubu“, das NUR aus Fremdzitaten besteht, füllte er kein einziges Genehmigungsformular aus – that’s a fact, folks!).

  12. Benjamin Schweitzer sagt:

    Nur ganz kurz:

    @Moritz: mit „Administrator“ meinte ich nicht dich, sondern Herrn Hufner, denn er ist derjenige, der hier rein technisch gesehen die Beiträge überwacht. Das verpflichtet ihn meiner Meinung nach zu inhaltlicher Neutralität.

    @Johannes: einige von deinen Einwänden gegen meine scheinen mir sehr triftig, zu anderen fiele mir doch noch das ein und andere ein – aber das Wetter ist zu schön und die Sauna ruft, daher bitte ich um Verständnis, wenn ich mich dazu im Moment nicht nochmal eingehend äußere.

  13. Hallo Moritz,

    Die Werken sind ja dennoch für alle verfügbar, zu geringsten bis gar keinen Kosten.

    Ähm, was macht denn die GEMA? Warum beschweren sich gerade Kleinveranstalter (ich sehe ja ein, dass deren Rundumschlag so auch nicht gerechtfertigt ist)? Warum klagt die Musikindustrie Einzelpersonen in Grund und Boden? Du hast Recht, sie sind verfügbar, aber nicht alle sind dafür..

    Ehrlich gesagt halte ich bei unserer Musik die Mißbrauchsgefahr für ziemlich gering – wer seine Musik auf einmal als Hintergrund eines Nazi-Werbespots hört, der darf sich auch mal fragen, was er eigentlich für Musik komponiert. Aber gut, es muss nicht einfach der Menschheit naiv überlassen werden, die Idee von Creative Commons finde ich auch zeitgemäß, sehr schade dass die GEMA sich darauf überhaupt nicht einlässt (und ehrlich gesagt, als außerordentliches Mitglied habe ich keine Lust mich da überhaupt zu Wort zu melden, darum habe ich das letztes Jahr anders getan…)

    Wieder allgemeiner gesprochen bin ich aber der Ansicht, dass es bestimmte Güter gibt die einfach frei sein müssen – nicht nur die Zwölftontechnik, sondern bspw. AIDS-Medikamente. Es kann nicht sein, dass so etwas Überlebenswichtiges Patent von einer einzigen Firma ist, die dann die Preise bestimmen kann. Es kann auch nicht sein, dass gegen AIDS nur aus marktwirtschaftlichem Konkurrenzdruck heraus geforscht wird (und Patienten seltenerer Krankheiten haben Pech gehabt) – es geht nicht anders, da muss der Staat / müssen die Staaten ran.

    Ich denke dass fast keiner die Künstler verarmen lassen will – vor 15 Jahren wurden anstandslos CDs gekauft, und in dieser Zeit war das System „Urheberrecht“, so konstruiert es ist, dafür geeignet, dass Musiker eine Vergütung bekommen, da war die GEMA prima (und vielleicht kann sie auch in Zukunft eine nützliche Position einnehmen, ich wünsche es mir!). Jetzt ist das aber technisch überholt (und wirkt sich natürlich auch ästhetisch aus), da wurden eben Fakten geschaffen, also gilt es das Positive daran festzuhalten und dazu neue Vergütungsmodelle zu überlegen. Mein Vorschlag ist nicht nur Utopie, hier ein konkretes Beispiel: „10% mehr Kulturförderung in Linz bei Lizensierung als Creative Commons“ (http://andreame.at/node/195).

    Was Google/YouTube (YouTube gehört Google) betrifft: In der Tat ist hier Vorsicht geboten, gerade was die Monopolstellung betrifft. Bislang bin ich aber der Ansicht, dass der Service, den ich da geboten bekomme, ihr Mitwirtschaften gerechtfertigt. Aber ich beobachte es.

    @Benjamin: Wäre schon gespannt auf Deine Antworten.

    Grüße
    Johannes

  14. Benjamin Schweitzer sagt:

    Geduld, bitte. Ich bin auf dem Lande und habe hier nur notdürftige Internetversorgung… ab August wieder, wenn die Diskussion dann nicht schon weit drüber hinweggegangen ist.

    Schöne Grüße,

    B.

  15. Tach,

    das Herumwerfen mit Begriffen wie „Digitale Revolution“ „Creative Commons“ etc. bringt noch keinen Erkenntnisgewinn – –

    Kreidler gehört eher in die Ecke der Dampfplauderer, wie man sie bei Verkaufsveranstaltungen für Gemüsemesser treffen kann:

    Kostprobe gefällig?

    Früher konnte einer von einem einzigen Hit sein Leben lang profitieren, nach meinem Szenario muss ständig neues komponiert werden, wer ständig davon leben will. Gerecht oder ungerecht, gut oder schlecht? Das weiß ich nicht.

    Und um seine krude Rumpelstielzchen-Theorie irgendwie schmackhaft zu machen, ist beinahe jedes Werbe-Mittel recht.
    Hier ein besonders gelungenes Beispiel dieses „einerseits-andererseits“-Trallala-Blabla:

    Für die Kunst kann es gut oder schlecht sein; wenn nicht der Druck besteht, dass es oft gespielt werden muss, kann das den Mut ebenso fördern wie die Selbstgefälligkeit. Wenn es nun nachher oft gespielt wird, ja, dann wäre das natürlich nett wenn der Komponist dafür mit mehr als Ruhm belohnt würde – andererseits: wie wäre es mit einem neuen Kompositionsauftrag als Belohnung, damit er ein weiteres tolles Stück schreibt?

    Allerdings, nach diesem Statement,

    Ehrlich gesagt halte ich bei unserer Musik die Mißbrauchsgefahr für ziemlich gering – wer seine Musik auf einmal als Hintergrund eines Nazi-Werbespots hört, der darf sich auch mal fragen, was er eigentlich für Musik komponiert.

    sollte Kreidler eine sehr, sehr lange Nachdenkpause einlegen —

    wünscht sich
    wechselstrom

  16. @wechselstrom: wer einfach nur rumstänkert disqualifiziert sich selbst.

  17. @ Kreilder,

    da schreibt mal nach langer Zeit EINER mal Klartext zu
    Ihren Statements (und zitiert nur daraus) und Sie behaupten, dies sei disqualifizierend.

    Sie sollten froh sein, dass hier – ab und an – überhaupt noch Leute rein schauen.

    Einzig und allein u.a. die Empörung über Ihre von Selbst-Widersprüchen überladenen Postings (ich erspare mir hier weitere Zitate, Danke Wechselstrom!)sind noch Motivation dazu.

    Damit Sie nicht glauben, dass widerspruchs- oder kritiklos ein jeder das für die Zukunft (sei es von GEMA oder von Künstlern/Urhebern) hält, was Sie so denken oder sich vor stellen.

  18. @ Herr Kreidler,

    Lesen Sie sich ihre eigenen Kommentare (einerseits – andererseits) mal in Ruhe durch und Sie werden Wechselstrom, mir und vielleicht vielen anderen – still aber schmunzelnden – Lesern vielleicht doch Recht geben:)

    Eine Nachdenk-Pause würde Ihnen wirklich gut tun.

    Anders gesagt: Man kann das Sommerloch sinnvoller
    füllen.

  19. @crowd: Was sagt ihr dazu – Die NeoNazis suchen eine Hintergrundmusik für ihre schwachsinnigen Spots, spazieren auf die GEMA-Seite, da gibt’s den schönen Lizenzshop, da können die NeoNazis shoppen gehen, kriegen alles was sie wollen, auch eure Musik, und was könnt ihr dagegen tun? Aus der GEMA austreten oder so komponieren, dass die Glatzköppe keinen Geschmack an eurer Musik finden.

  20. @ volkstribun:

    GEMA und andere Verwertungsgesellschaften sind keine Lizenzshops, wo sich jeder nach Lust und Laune bedienen kann – so ist auch bspw. bei Vertonungen von Texten grundsätzlich die Einverständniserklärung des/der AutorIn und/oder des Verlages einzuholen.
    Missbräuchliche Verwendungen, besonders solche, die den/die AutorIn in ein schiefes Licht rücken sind nicht nur durch Urheberrecht, sondern auch durch Persönlichkeitsrechte geschützt. (siehe auch die Diskussion über ungewollte Verlinkungen im Internet)
    Verwertungsgesellschaften besitzen hier einen Pool an Rechtskundigen, die im Falle von Auseinandersetzungen auch Rechtsberatung leisten können.
    Bevor man GEMA und Urheberrecht reformieren will, sollte man über die Inhalte, die man reformieren will Bescheid wissen.
    Anders gesagt(kleiner Tipp aus dem Volk): zuerst das Phänomen und dann die Theorie, und nicht zur einer Theorie die Phänomene erfinden – – –

    Also:
    Weiter nachdenken, lieber Volkstribun

    p.s: was die Verwendung von Samples betrifft, so gibt es den Begriff der Erkennbarkeit; wesentlich ist hier auch die Länge des benutzten Fremdmaterials, sowie die verfremdende und damit auch unkenntlich machende Bearbeitung. Sicher ein Rechtsfeld, in dem noch Erfahrungen zu sammeln sind.

    Bei Ihrer 33-Sekunden-Komposition aus zigtausend Samples besteht ihr Kreativanteil in der exzessiven Verwendung eines Timestretching-Tools – – War es Shareware, Freeware oder Bezahlware?
    Dachte immer, das mit der GEMA-Aktion sei ein Medien-Hack – nein, Sie wollen das Urheberrecht wirklich zu einem Selbstbedienungsladen aufweichen/umformen.
    Und dann kommt die Aufforderung bzw. „Schlussfolgerung“, die GEMA entweder zu verlassen oder den Musikstil zu „überdenken“ … weitere Kommentare erübrigen sich.

    Gute Nacht wünscht
    wechselstrom

  21. dritter sagt:

    Wenn ich da mal eingreifen darf:

    http://www.gema.de/lizenzshop/

    GEMA-Mitglieder sind käuflich.

  22. dritter sagt:

    Wenn ich da eingreifen darf:

    http://www.gema.de/lizenzshop/

    GEMA-Mitglieder sind käuflich.

  23. @wechselstrom:
    Ich sehe auf der GEMA-Seite den Lizenzshop und kann Ihnen ansonsten nur Glauben schenken, was den rechtlichen Beistand seitens der GEMA betrifft. Wirksamer als die pauschale Abtretung aller Urheberrechte an die GEMA wäre aber sicher die Creative-Commons-Differenzierung, deren bloßer Name Sie aber offenbar schon verwirrt. Was die ästhetische Eigenverantwortung des Komponisten gegenüber möglichem Mißbrauch betrifft bleibe ich bei meiner Meinung, es sei denn Sie können mich eines Besseren überzeugen (wenn ich damit wirklich ganz alleine wäre würde ich darüber noch lange grübeln, aber ich nenne Ihnen per Email (um hier ein Name-Dropping zu vermeiden) gerne die Namen anerkannter Komponisten, die das selbe denken. Haben Sie sich schon mal gefragt, warum nach DER Mißbrauchserfahrung, dem Nazi-Regime, der Serialismus entstand?).

    Theorie ist in der Tat von Nöten, denn die Klagen sind so groß, dass neue Ansätze her müssen; ich sage ja nicht dass ich die Weisheit gepachtet habe, aber ich versuche Möglichkeiten aus dem Schlamassel zu finden, weil ich, anders als andere, ich mich angesichts der Probleme nicht drum drücke und nur hoffe es wird alles wieder so gut wie früher – dass nach Napster, Kazaa, Emule und Pirate Bay nun einfach keine gemeine Tauschbörse mehr aufmacht und der GEMA die Rechnung versaut, wie uns Moritz mitteilen musste, dass die blöden 106 000 GEMA-Reform-Petenten einfach fortan die Klappe halten, dass die hundsgemeinen GEMA-Betrüger jetzt einfach ihren Schmu bleiben lassen, dass die Musikindustrie endlich wieder ihre guten alten CDs massenhaft absetzen kann etc.
    Darum antworte ich nicht auf Entgegnungen, die nur rumpoltern und nicht Gegenargumente, oder besser noch Gegenvorschläge bringen.

    Ich habe bei meiner Aktion betont, dass mir es absolut darum geht, dass Künstler vergütet werden. Darum geht es letztendlich. Wenn das Modell des Urheberrechts sich an die neuen Umstände für alle Seiten zufriedenstellend anpassen kann – super, bin ich dabei, und gerne mit der GEMA. Leider sind meine Zweifel ob der Hiobsbotschaften seither aber noch gewachsen, darum denke ich vermehrt über Alternativen nach.

    Zu Ihren anderen Bemerkungen: Ich habe im Zuge meiner Aktion genügend zur Erkennbarkeit verlauten lassen, das können Sie recherchieren.
    Das Musikstück habe ich übrigens mit der frei verfügbaren Open-Source-Software „Pure Data“ programmiert, zu dem ich (@admin: tut mir leid, ich wurde zu der Eigenwerbung provoziert) übrigens ein riesiges Handbuch für Einsteiger und Profis kostenlos abrufbar im Internet veröffentlicht habe – weil ich davor für die Arbeit durch ein Stipendium ordentlich bezahlt wurde. Greifen Sie also zu.

    Grüße

  24. P.S.
    Um meine (Anti-)Utopie noch zu erweitern: Dass auch die elenden Kulturtheoretiker wieder damit aufhören, den Begriff der „Autorschaft“ in Zweifel zu ziehen, und dass die Creative-Commons-Aktivisten einfach wieder von der Bildfläche verschwinden.

    Immerhin sind wir vor der NPD insofern sicher, als es im GEMA-Lizenzshop ja besseres Material gibt, zum Beispiel das Lied „Bomben auf Engelland“ von Herrn Hekers Vorvorgänger Norbert Schultze, in dem es so schön heißt:

    |: Hört ihr die Motoren singen:
    Ran an den Feind!
    Hört ihr’s in den Ohren klingen:
    Ran an den Feind!
    Bomben! Bomben!
    Bomben auf Engelland! :|

    https://mgonline.gema.de/werke/detail.do?title=BOMBEN+AUF+ENGELLAND&dbkey=350833

    Hier der ganze Text und schöne Aussagen dazu von Herrn Schultze:
    http://ingeb.org/Lieder/wirfuhle.html

    Und ja nicht einfach klauen, sonst muss das Urheberrecht das wertvolle geistige Eigentum der Nazi-Erben schützen.

  25. GEMA – Wir sind alle Indianer…. und die GEMA?

    Hallo Allerseits,

    ich bin frisch und neu hier im Forum/Blog angemeldet und für meine große Überraschung erlebe ich eine rege Diskussion über unser (un)beliebtes Thema bzw. „das nötige Böse“ GEMA.

    Zur Sache(straight forward):

    Ich bin seit über 10 Jahre außerordentlicher Mitglieder der GEMA und mein anliegen damals war vor allen um Mitglieder zu werden, meine Rechte der GEMA treuehänderische zu übertragen und zwar im Sinne der Definition eines „Treuhandverhältnisses“:

    „Ein Treuhandverhältnis zwischen zwei Personen liegt dann vor, wenn eine überschießende dingliche Rechtsmacht übertragen wird, die „zu treuen Händen“ von dem Treugeber an den Treunehmer übertragen wird. Im Verhältnis zu Dritten (Außenverhältnis) findet eine vollständige Übertragung des Rechts, etwa des Eigentums an einer Sache, statt. Damit hat der Empfänger und Verwalter der Sache im Außenverhältnis die volle Rechtsstellung des Eigentümers.“

    Aber… des Weiteren :

    „Der Treunehmer ist jedoch durch einen Treuhandvertrag gebunden, die Sache im Sinne des Treugebers zu verwalten und nur vertragsgemäße Verfügungen vorzunehmen. Insofern ist ein Treuhänder ein Inhaber von Rechten, der diese Rechte zwar nur beschränkt ausüben darf – aufgrund einer Abrede mit einem Treugeber – aber trotzdem auch bei Missachtung der Abrede wirksam über diese Rechte verfügen könnte.“

    Genau hier, wenn „Der Treunehmer(GEMA) gemäß dem Treuhandvertrag gebunden, die Sache im Sinne des Treugebers(Musiker/Komponisten) zu verwalten“ sollten, liegt m.E. seitens der GEMA eine Reihe von Mängel vor, die die gesamte Musikbranche (besonders betroffen das kreative Klientel und den Konsumenten) in den letzten Jahren in Deutschland im Atmen hält und warum nicht auch zu sagen inzwischen auf den Sack geht (Sorry für meinen Ausdruck..aber langsam Geduld hat auch Grenze).

    Ich spreche genau hier über „die Sache im Sinne des Treugebers zu verwalten“ und in diesem Sinne, sind durch viele technologische Eregungschaften des Homo Sapiens (Internet, MP3, Klangsynthese, Musikpostproduktion, usw.) eine völlige anderes Szenario entstanden, der das veraltete Modell der GEMA keine Rechnung mehr tragen kann. Statt die Interesse der Musiker und Komponisten zeitgemäß zu vertreten, versucht die GEMA jedes Mal bei jeder jährlichen Mitgliederversammlung eine „Yuma Kavallerie“ gem. einer bekannten Persönlichkeit des politischen Lebens zu bilden und auf die Musikbranche los zu gehen. Leider die erzielten betroffen sind meistens Indianer,und in diesem Fall wir stellen schon fest ohne weitere Diskussionen wer die Indianer sind.

    Es bleibt dann zu diskutieren nun welche Erwartungen haben die Indianer um von der Yuma Kavallerie nicht weiter vernichtet zu werden. Als „einzelner“ Indianer erhebe ich keinen Anspruch über den gesamten Stamm zu sprechen, erwarte ich aber dann eine moderne und dienstleistungsorienterte GEMA und keine beamte finanzamtliche GEMA. Die GEMA sollte sexy werden…wir sind im 21 Jahrhundert und nicht mehr im 19 Jahrhundert…vieles hat sich und wird sich ständig ändern. Ein Win-Win Beziehung soll mit allen Beteiligten erzielt werden und da sind m.E. initiative wie Creative Commons und Unternehmungen wie Youtube, Myspace und weitere Social Networks inzwischen von GEMA Lichtjahre entfernt und sollte von GEMA nicht als Feinde der Musikbranche sondern als Vorbild erachtet werden.

    Fazit: Die GEMA ist eine Art von Spassbremser geworden….hat den Zug der Entwicklung der Menschheit verpasst und stattdessen ihre „Treuehänderischen“ Anspruch versagt. Und diese Tatsache ist keine Theorie sondern pur Praxis.

    An dieser Stelle muss ich leider meine gewöhnliche unparteilichkeit verlassen und meine volle Unterstützung den J. Kreidler anbieten. Man kann alternativerweise schon die Bequemlichkeit des Lebens vorziehen und sich in Sommer verschwinden um weitere Inspirationen für weitere Aktionen erarbeiten.

    Im Moment bleibt nur als Schlussfolgerung und Motto zu genügen:

    „Treuegeber aller Welt, vereinigt Euch !“

  26. @ dritter:

    Von der Käuflichkeit eines Produktes auf die Käuflichkeit der Person zu schließen – – –
    naja —
    buhh, jetzt muss ich mich schon selbst zitieren:
    „ … Lizenzshops, wo sich jeder nach Lust und Laune bedienen kann“
    ist die GEMA nicht.
    Und auf Ihrem Link steht:
    „Hier können Sie online Lizenzen erwerben für: Webradio, Podcasts, Mitglieder-Websites oder Hintergrundmusik in privaten Websites“

    Von Filmvertonungen, Werbespots für Parteien, Wachmittelproduzenten und dergleichen steht da nichts.

    @ kreidler:
    Das Permanente Hervorziehen der nazi-Karte bringt bei der anstehenden Diskussion wenig:
    In der Art, wie Sie es tun, ist es zudem kontraproduktiv.

    Was die ästhetische Eigenverantwortung des Komponisten gegenüber möglichem Mißbrauch betrifft bleibe ich bei meiner Meinung, ….

    Denken Sie einmal darüber nach, welche der „freien“ KomponistInnen (also länger als 70 Jahre tot) sich für bestimmte Zwecke gebrauchen/missbrauchen lassen:
    Beethoven: da ist allzeit vieles möglich. Da-da-da-daaaaaa ist in jedem Zusammenhang gut „verwertbar“.
    Liszt: vielleicht nicht das beste Beispiel, aber trotz seiner Nähe zu Wagner und dem Bayreuther Treiben wäre es ihm sicher unangenehm gewesen, seine Musik als Einleitungsmusik zu Wehrmachtsnachtichten hören zu müssen.

    Um es abzukürzen, bevor Sie nochmals diese komische Form der Opfer-Täter-Umkehrung betreiben: weiter nachdenken, lieber Kreidler!

    @ celio vasconcellos:

    Es gilt zu unterscheiden (das auch an die Adresse von Kreidler) , was man SELBST will und was man will, dass ANDERE tun sollen.
    Wenn Sie also Ihre Werke der Creative Commons- Idee unterstellen wollen, sollte Sie niemand davon abhalten, auch nicht die GEMA – und das ist meiner Ansicht nach das Problem, das es zu lösen gilt.
    Die GEMA verwaltet treuhänderisch Ihre EIGENTUMSINTERESSEN und nicht das BEGEHREN nach Eigentumsanteilen anderer.
    Zum Zeitpunkt der Werkerstellung – gleichgültig, ob das jetzt erfolgreich wird oder nicht – entsteht auf Grund der geistigen Leistung ein Eigentumsrecht, das es zunächst zu schützen gilt. Dieses Eigentumsrecht betrifft übrigens auch die Produktion von Sampelsammlungen / Geräuscharchiven etc.
    Es wäre nicht gut, wie Kreidler das intendiert, per GEMA-Beschluss diese Eigentumsrechte einzuschränken – abgesehen davon, kann das die GEMA auch nicht machen, denn sie würde andernfalls gegen geltendes Recht verstoßen.
    Was vorstellbar ist, und das lässt sich dank Computer in naher Zukunft leicht bewerkstelligen, ist die Markierung bestimmter Werke mit bestimmten Rechtsattributen bzw. erweiterten Rechtseinräumungen. Diese Rechtseinräumungen im Sinne der Creative-Commons-Idee kann aber unmöglich als verbindliche Vorschrift für alle Werke/Produkte gelten (das wäre ein Eingriff in bestehendes Eigentumsrecht, und solche Eingriffe bleiben den Gesetzgeber vorbehalten), sondern muss an die persönliche Willensbekundung des Einzelnen, in diesem Fall des Urhebers gebunden sein.
    (ich gebe hier noch zu bedenken dass solche Rechtseinräumungen im nachhinein nur noch theoretisch rückgängig gemacht werden können)

    Natürlich darf niemand das Buch von Kreidler gewinnbringend drucken und verkaufen – das ist auch im Rahmen der Creative-Commons-Idee NICHT erlaubt.
    Wie steht es aber mit wörtlichen/fast-wörtlichen Zitaten aus dem Buch in einer eigenen (wiederum gewinnbringend vertriebenen) Veröffentlichung ? –
    Besteht die Pflicht den Urheber dieser Zitate zu bennenen (oder Lizentrechte zu erwerben) oder nicht? – Was meinen Sie, Herr Kreidler?

    Einen guten Morgen wünscht
    wechselstrom

  27. @wechselstrom:

    Und auf Ihrem Link steht:
    „Hier können Sie online Lizenzen erwerben für: Webradio, Podcasts, Mitglieder-Websites oder Hintergrundmusik in privaten Websites“

    Das gilt für die Internetlizenzen, und jetzt schauen Sie mal oben drüber, da gibt es Tonträgerlizenzen.
    Wie dem auch sei, ob online oder nicht, die GEMA unterliegt dem Abschlusszwang:

    http://www.gema.de/presse/publikationen/kundenbroschre/rechteundpflichtenbeidesgeh/

    Was Beethoven und Liszt betrifft: Die konnten nun leider wirklich nicht ahnen, was da kommt. Aber wir wissen von der Gefahr, und irgendwie, wenn mich mein Ohr nicht täuscht, ist die Neue Musik auch nicht mehr so eingängig.

    (N.B.: Ich ermuntere Sie ausdrücklich dazu: Nehmen Sie doch Teile aus meinem Buch und veröffentlichen Sie sie gewinnbringend, ich gratuliere Ihnen, wenn Sie die geldträchtige Idee dafür haben.)

    So und das war das letzte Wort. Ich habe Probleme festgestellt und Lösungsansätze genannt. Wer beides besser kann, tu es bitte.

  28. @ kreidler:

    Tonträgerlizenzen sind wieder etwas anderes als Vertonungen, Hintergrundsmusik für Werbefilme politischer Parteien …
    Das Hauptproblem bleibt bestehen:
    ach was, Glückwunsch zu Ihrer Nachdenkpause – nutzen Sie sie!

    befiehlt
    wechselstrom

  29. Wechselstrom, wann kommen Sie mit Gegenvorschlägen?

  30. dritter sagt:

    -An die GEMA verkauft man sich mit Haut und Haaren, das ist doch bekannt.
    -Natürlich verkauft die GEMA auch Hintergrundmusik für Werbespots.

  31. Das Problem in der Diskussion ist das einer Rechtsgüterabwägung – also künstlerische Freiheit versus Eigentumsrecht.
    Die GEMA verfolgt hier einen harten Kurs, der eher den Eigentumsrechten das Wort redet – das ist aber auch ihre, aus den Treuhandverträgen resultierende Aufgabe.
    (Man darf nicht vergessen: Diese Verträge wurden im beiderseitigen Einvernehmen abgeschlossen und bringen vielen KomponistInnen auch weiterhin Vorteile)

    Die DJ-Kultur läuft dagegen Sturm, da sie sich um ihre künstlerische Freiheit betrogen bzw. eingeschränkt fühlt. Und da gilt es eine scharfe Trennlinie zu ermitteln (diese kann sich aber nur über die Praxis vielleicht auch der, einer Rechtsprechung entwickeln) nämlich zwischen künstlerischer Freiheit und künstlerischer Faulheit.
    In Rechtsdeutsch umgemüntzt betrifft das Themen wie „kreative Eigenleistung“ oder auch „geistige Höhe künstlerischen Schaffens“
    So kennt man bspw. aus dem Patentrecht, das ja in Wirklichkeit die Einräumung eines Monopols bedeutet, die Grundlage, dass der Erteilung eines Patentes nicht willkürlich geschehen darf, sondern dass eine gewisse erfinderische Eigenleistung vorangehen muss.

    Diesen Grundsatz zu umgehen ist Ziel vieler Firmen, die bspw. in der Lebensmitteltechnik tätig sind und u.a. Patente auf Gene durchsetzen wollen, bzw. durchgesetzt haben.
    Die Crestive-Commons-Idee setzt zu gerade DIESEN Bestrebungen einen wirkungsvollen und begrüßenswerten gesellschaftspolitischen Kontrapunkt.
    Die Idee darf meiner Einschätzung nach aber nicht dazu missbraucht werden, berechtigte (eben durch kreative Eigenleistung und geistige Höhe begründete) Urheberschaft in Zweifel zu ziehen bzw. auszuhöhlen.

    Gegenvorschläge zu Kreidlers Kind-mit-dem-Bade-Ausschüttungs-Ansätze sind von mir gepostet und angeregt worden.
    Wer in seiner Differinzierungsfähigkeit noch keinen grauen Star besitzt, der lese!

    wechselstrom

    NB:

    (N.B.: Ich ermuntere Sie ausdrücklich dazu: Nehmen Sie doch Teile aus meinem Buch und veröffentlichen Sie sie gewinnbringend, ich gratuliere Ihnen, wenn Sie die geldträchtige Idee dafür haben.)

    Na ja, so super finden Sie ihr Buch wohl selbst nicht.

    Möchten Sie denn gar nicht an den eventuellen Erträgnissen ihres Buches beteiligt sein? Nicht einmal ein wenig?
    Oder doch wenigstens als Ideengeber erwähnt werden… – ähem, kann ich auch das ganze Buch gewinnbringend publizieren?
    Mit dem Geld könnten Sie übrigens viel Gutes bewirken – Ich, das garantiere ich, werde es versaufen.

  32. klagox sagt:

    Ich bin etwas fassungslos von den Dingen die ich hier lesen musste!
    Ich oute mich mal als ein Verfechter der Creative Commons-Lizenzen und als Mitzeichner der Petition.
    Offen gesagt geht mir die Gema gegen den Strich, aber nach dem was ich hier lesen musste, tut mir der Verein auch schon leid.
    Was dringend nötig ist, sind radikale und schmerzhafte Reformen.

    Die Petition wollte auch gar nichts Anderes bewirken, als eine Durchleutung der Abrechnungsmethoden und der Transparenz.
    Das kann man als Chance sehen die sog. Geschäftsmodeller mal gehörig dahin zu treten wohin sie es verdient haben.
    Daher finde ich es gut wenn sich ein paar Aussenstehende mal etwas näher damit beschäftigen.
    Seht das mal eine Gelegenheit den ganzen Apparat mal durchzuschütteln, alte Zöpfe abzuschneiden und kräftig zu entrümpeln.

    Und was ich nicht verstehe ist, daß nur ein kleiner Teil Eurer Mitglieder stimmberechtigt ist. Schafft das ab!!
    Ich denke dadurch konnte sich so ein Filz mit den Geschäftsmodellern erst richtig festfressen!
    Warum verschickt die Gema keine Newsletter und lässt online abstimmen?
    Ist das ein Problem?
    Dann hätten alle Mitglieder eine Stimme und würden sich nicht so übergangen und hilflos fühlen. (Hallo? wir haben doch Internet)

    Es muss auch wieder eine (gestaffelte) Pro Kopfabrechnung möglich sein.
    0-10
    10-20
    20-50
    50-100
    100-200
    200-400
    400-1000
    1000 u.s.w.
    wiederum gestaffelt nach Einrichtung gemeinnützig, kommeziell u.s.w. bei aber auch tatsächlichen stattgefundenen Konzerten. Da gibt es doch sicher wirksame Kontrollmechanismen bei denen man solche Geschäftsmodeller auf Eis legen kann.

    In der Einfachheit liegt die Gerechtigkeit. Aufgeblasene Statuten und komplizierte Vorgänge öffnen dem Betrug Tür und Tor.

    Ich habe es mal schon als Denkanstoss wo anders gepostet:

    Es sollte möglich sein Songs und Liedertexte von der Verwertungspraxis auszuklammern.
    Beispiel: Song A wird bei der Gema für die Verwertung lizensiert und die GEMA übernimmt wie gewohnt Ihre Aufgaben wahr.
    Er bekommt den Zusatz –Verwertungsflichtig–
    Song B wird dort auch gemeldet, bekommt aber den Zusatz [Titel]-[Lizenz]
    Z.B [CC]- für Creative-Commons, [GPL]- für General-Public [OML]- für Open-Musik-Lizense, [EL]- für eigene Lizenzbestimmungen, [KL]- für Keine Lizensbestimmungen u.s.w.
    Ist der Texter nicht damit einverstanden das der Song unter einer freien Lizenz veröffentlicht wird muss auf den Zusatz [Lizenz] verzichtet werden.
    Das Gleiche gilt auch für den Komponisten. Diese Stücke müssen in dem Fall –Verwertungsplichtig– gemeldet werden
    Verträge unter den Schaffenden Mitgliedern, für Werke die unter freien Lizenzen zur Veröffentlichung bestimmt sind, sind der GEMA in Kopie einzureichen.
    Es gelten dann die Bestimmungen der einzelnen Lizenzen!
    Die Schaffenden sind dann für die Vermarktung und Überwachung der Lizenzen dieser Songs selbst verantwortlich!
    Fehlt der Zusatz sind die Tracks automatisch frei und es findet keine Vergütung statt (Selbstverschulden). b.z.w der Gema.

    Das ist auch völlig mit dem Urhebergesetz vereinbar, denn der Urheber darf entscheiden was mit seinen Werken passiert!

    Jedoch, entscheiden muss man sich am Anfang. Danach kann eine andere Lizensierung nicht mehr möglich sein!
    Ein Musikstück, das mit dem Zusatz [Lizenz] versehen ist kann nachträglich nicht mehr für die Verwertung bestimmt werden.
    Ein Musikstück mit dem dem Zusatz –Verwertungspflichtig– kann ebenfalls nachträglich nicht mehr mit dem Zusatz [Lizenz] versehen werden.

    Das kann Rechtssicherheit bei Veranstaltern und Coverbands und Rechteinhabern bringen.
    Somit entfällt auch die sog. GEMA-Vermutung!
    Werden auf Veranstaltungen nur freie Stücke gespielt muss die GEMA nicht im Vorfeld informiert werden.

    Wird auf Veranstaltungen Gemapflichtige Musik gespielt soll wie bisher eine Playlist eingereicht werden und es besteht weiterhin eine Meldepflicht der Veranstaltung.
    Auf dieser Playlist müssen dann aber nur Stücke stehen, die unter einer Verwertungspflicht fallen.
    Stücke, die den Zusatz [Lizenz] tragen brauchen nicht mit auf die Playlist. Ebenso freie Musik von Nichtmitgliedern, oder Musik von Mitgliedern die den Zusatz [Lizenz] trägt ist von der Meldepflicht befreit.
    Das spart Kosten bei der Verwaltungsarbeit und schafft Transparenz auf beiden Seiten!

    Für Tonträger die ausschliesslich mit Titeln verwertungspflichtiger Musik gepresst werden sollen, kann die Praxis so weiterlaufen.
    Sind auf diesen Tonträgern Titel mit dem Zusatz [Lizenz] versehen bekommt der Schaffende keine Vergütung von der GEMA für diese Titel, wenn sie öffentlich gespielt werden.
    (Es besteht dann ja auch keine Meldepflicht seitens der Veranstalter mehr)
    Sollen auf dem Tonträger nur Titel mit dem Zusatz [Lizenz], kann er ohne Freistellung gepresst werden!
    Spielt der Künstler auf Veranstaltungen seine eigene Musik, die mit dem Zusatz [Lizenz] gekennzeichnet ist, muss er diese Titel auch nicht mehr melden.
    Er bekommt dann aber auch keine Vergütung seitens der GEMA.

    Für freie Musiker kann auch eine Öffnung seitens der GEMA bestehen.
    Freie Musiker können sich entscheiden unter welcher Lizenz sie veröffentlichen wollen.
    Sie sollen/müssen dann bei ihren Songs die [Lizenz] oder –Verwertungspflichtig/NMG– (NMG=Nichtmitglied) durch die Gema kennzeichnen. (im Internetzeitalter kriegt das auch jeder Schaffende mit)!

    Gruß Klaus

  33. @ Herr Kreidler und Creative Common-Fans etc.,

    anstatt hier Gerüchte in die Welt zu setzen (von wegen GEMA und Nazis bzw. Nazi-Ausnutzer könnten die GEMA missbrauchen etc.) und gegen die GEMA ständig pauschal zu stänkern und immer wieder mit neuen Sommerloch-Behauptungen bzgl. GEMA zu kommen oder mit Ihren Theorien, wie das Urheberrecht am schnellsten abgewrackt werden kann, mache ich Ihnen einen konstruktiven Vorschlag:

    Treten Sie doch einfach aus der GEMA aus, falls Sie dies
    noch nicht getan haben sollten.

    Die GEMA zwingt niemanden, ihr anzugehören. Gründen Sie eine eigene Verwertungsgesellschaft oder einen „Creative Commons Club“ oder ähnliches. Aber Sie können auch hier nicht alle Komponisten „missionieren“, die bzgl. GEMA und Urheberrechten etc. eine andere Meinung haben als Sie.

    Es kann sich ja selbst urheberrechtlich schützen wer möchte(ohne die GEMA in Anspruch zu nehmen, z.B. für jede Werkaufführung den Preis selbst fest setzen, den Bürokram/Uhrheberrechtsschutz per Privatanwalt selbst in die Hand nehmen wer will) oder es eben bleiben lassen. Oder, wer möchte, der lebe NUR von Aufträgen, wenn er meint damit weit zu kommen. Aber lassen Sie andere Komponisten in Ruhe.

    Jedenfalls ist es ganz schön vermessen, wenn hier behauptet wird, dass Komponisten sich von der GEMA „kaufen“ ließen etc. pepe. Das heißt: es KANN das ruhig behaupten, wer immer sich damit glücklich fühlt. Fragt sich nur,ob das wirklich bei so vielen auf offene Ohren trifft.

    Mir fällt auf, dass hier bei den meisten neu auf die Bühne getretenen doch recht pauschalen GEMA-Kritikern oder Petitions-Fans (z.B. klagox oder vasconcellos)immer wieder sehr allgemein und aus teils eigenen Frustrationen heraus argumentiert wird, wenn es um die angeblich geforderten GEMA-„Reformen“ geht: Man liest so Stammtisch-Sätze, wie man es immer liest, wenn wenig Substanz hinter den vermeintlichen „Argumenten“ steckt, wie z.B.: das mal richtig „aufgeräumt“ solle etc. etc. oder dass „reformiert“ werden müsse oder von „schmerzhaften Reformen“ ist die Rede….

    Aber: für WEN soll es denn dann schmerzhaft werden?
    Etwa für die Komponisten, die Urheber, die sich tagaus tagein um Aufführungen kümmern, die tun und machen, Konzerte organisieren, sich bemühen, die Neue Musik zu vermitteln etc. Oder Komponisten, deren Werke eben wegen ihrer Qualität öfters gespielt werden?

    Und: für wen ist die GEMA dann „Spaßbremse“?
    Etwa für diejenigen, die sich schamlos und ohne dass die Urheber was Angemessenes davon ab bekommen sollen, einfach beliebig überall „bedienen“ wollen?

    Dass es Komponisten gibt, die die GEMA ausnutzen, z.B.
    mit sog. Schein-Konzerten, die nicht statt fanden, das stimmt ja – leider! Aber deswegen das gesamte System so „reformieren“ zu wollen, dass redliche Komponisten der E-Musik (und U) z.B. dann gleich mit Schaden nehmen?
    Kontrollmechanismen in der Hinsicht, zu prüfen, ob Konzerte auch tatsächlich statt fanden, das ist absolut geboten! Wenn die GEMA dafür genug Personal dafür hätte (Personalproblem) da bin ich auch absolut dafür!

    Und noch etwas empfinde ich als eine pauschale Verunglimpfung vieler GEMA Mitglieder: noch längst nicht alle Komponisten, die an derzeitigen Beschlüssen der GEMA fest halten möchten, weil sie sich bewährten, sind „Geschäftsmodeller“ oder ähnliches.
    In der GEMA geht das allermeiste demokratisch zu. Gut, man kann über einzelne Dinge/Anträge reden, aber wieso soll

    M.a.W.: Es kann auch nicht jeder gleich zum Bundeskanzler gewählt werden, sondern der/diejenige muss sich dies durch Vertrauen und durch langjährige Teilhabe an der Gesellschaft VERDIENEN. Bzw. der/diejenige muss
    Bzw.: dann könnte man (ich vergleichs mal damit, auch wenn ich Kinder liebe) direkt eigentlich das Bundestags-Wahlrecht für 5, 6 oder 7-jährige unmündige Grundschulkinder einführen oder per Petition fordern. Dann kann man dazu in der Petition schreiben: „Wir finden es „undemokratisch“, dass 10-Jährige noch nicht wählen dürfen“… Und dann auch so absurd argumentieren, wie „die Politik verstößt gegen das Grundgesetz, man möge dies bitte überprüfen!“…

    Das wäre dann ein ähnlicher Mechanismus, wie z.B. in der Petition und dieser Kampagne gegen die GEMA abging. Das sind typisch postdemokratische und Ratten-fängerische Methoden, die auf Desinformiertheiten und Ahnungslosigkeit setzen. Die Manipulateure (ähnlich (oder tw. vermutlich identisch mit den Leuten, die z.B. auch mit der falschen Pauschalbehauptung, die GEMA wolle die Veranstaltergebühren um 600% erhöhen!) bei ahnungslosen Leuten auf Petitions-„Unterzeichnungsfang“ gingen) wollen erreichen, dass alle möglichen Leute, die gerade ganz frisch in der GEMA sind (oder dann schnell massenhaft eintreten) und die noch kaum was oder nichts über die GEMA wissen, im Zusammenhang mit Anträgen dann bei Abstimmungen „auf Anspupsen unter dem Tisch“ oder auf „Zufuf „jetzt die Hand heben“… wesentliche Anträge ablehnen (oder je nachdem „durch winken“).

    Und: gerade dadurch, dadurch dass immer mehr Anhnungslose unter dem Deckmäntelchen der „Demokratie“
    in der GEMA abstimmen dürften (z.B. etwa alle angeschlossenen, außerordentliche im gleichen Maß wie ordentliche Mitglieder), dadurch
    (was heißt Demokratie, es hat auch mit Reife und Mündigkeit und WISSEN zu tun, worüber man abstimmt!).
    Durch ein solches Modell würden die Geschäftsmodeller und auch andere Interessenverbände, die mit bestimmten Lobbykreisen die GEMA unterwandern oder manipulieren wollen eben nicht geschwächt sondern GESTÄRKT!
    Hier läge z.B. der Vergleich mit Hedgefond-Methoden in der Wirtschaft gar nicht so fern.
    (Mal an Ihre Adresse, Herr „klagox“…? Vielleicht sind sie ja selbst „Geschäftsmodeller“, falls nicht posten Sie doch bitte unter richtigem Namen).

    Und: GEMA-Wahlen per Internet etc., das ist völlig absurd und würde denselben postdemokratischen und manipulativen Zwecken dienen. Ich erinnere daran, wie allein schon in diesem Blog einige die Anonymität im Internet dazu missbrauchten, hier doppelt, unter mehreren „Nicknames“ etc, pepe zu posten und die Nutzungsbedingungen bzw. alle Gepflogenheiten der Fairness zu untergraben…
    Dann also am Ende auch zu Wahlfälschungen oder Manipulationen über Internet? (wenn man einfach „online“ bei der GEMA wählen dürfte).

    Also: ich möchte hier nicht wiederholen, was z.B. Wechselstrom oder andere andere in einzelnen Beiträgen hier differenzierend und konstruktiv zum Thema GEMA gesagt haben und was zur Genüge belegt dass dort nicht ALLES so „schlecht“ oder „ungerecht“ ist, wie es manche GEMA-Pauschalabrechner gerne sehen würden.

    Also: Eine Nachdenkpause würde vielen Petitions-Fans, Creativ-Commons-Leuten und/oder Kreidler und seinem Fanclub hier sicherlich mehr als gut tun.

    Besser fände ich: miteinander „live“ reden an statt hier online immer weiter rum zu stänkern ohne konstruktive Konzepte. GEMA konstruktiv GESTALTEN statt alles nun mit dem Bade aus zu schütten oder zu zerschlagen….
    Das wäre mal was…

    Meint,
    Erik Janson

  34. klagox sagt:

    (Mal an Ihre Adresse, Herr “klagox”…? Vielleicht sind sie ja selbst “Geschäftsmodeller”, falls nicht posten Sie doch bitte unter richtigem Namen).

    Ich gehöre zu den Leuten die ihre Musik verschenken ;-)

    Oben rechts ist der kleine Reiter mit der Aufschrift Visit.
    Bitte mal benutzen ;-)

    Gruß Klaus

  35. klagox sagt:

    Uups, ich sehe gerade das der nur für angemeldete User sichtbar ist.

  36. Klaus Gottschlich sagt:

    @ Erik Janson

    Und: gerade dadurch, dadurch dass immer mehr Anhnungslose unter dem Deckmäntelchen der “Demokratie”
    in der GEMA abstimmen dürften (z.B. etwa alle angeschlossenen, außerordentliche im gleichen Maß wie ordentliche Mitglieder), dadurch
    (was heißt Demokratie, es hat auch mit Reife und Mündigkeit und WISSEN zu tun, worüber man abstimmt!).

    Sie werden mir Recht geben daß das Regelwerk Der Gema ausserordentlich kompliziert ist. Je einfacher es gehalten wird, ja besser können Mitglieder darüber abstimmen!
    Wie ich schon geschrieben habe:

    In der Einfachheit liegt die Gerechtigkeit. Aufgeblasene Statuten und komplizierte Vorgänge öffnen dem Betrug Tür und Tor.

    Durch ein solches Modell würden die Geschäftsmodeller und auch andere Interessenverbände, die mit bestimmten Lobbykreisen die GEMA unterwandern oder manipulieren wollen eben nicht geschwächt sondern GESTÄRKT!
    Hier läge z.B. der Vergleich mit Hedgefond-Methoden in der Wirtschaft gar nicht so fern.
    (Mal an Ihre Adresse, Herr “klagox”…? Vielleicht sind sie ja selbst “Geschäftsmodeller”, falls nicht posten Sie doch bitte unter richtigem Namen).

    Es gibt technische Möglichkeiten so ein Voting fair und ohne Manipulation durchzuführen.
    Nur der Apparat Gema ist steif und unbeweglich, und wie es scheint für einige zum Selbstbedienungsladen geworden.
    Deshalb mein Vorschlag.
    Ein altes Gebäude kann nicht dauernd nur saniert werden indem jemand die Bruchstellen mit Mörtel überzieht.
    Da muss gearbeitet werden!
    Irgendwann muss auch mal die Abrissbirne angesetzt werden.
    Selbst wenn es heute (Schnips) eine gerechte Lösung geben würde wäre in der heutigen Zeit nach 3-4 Jahren warscheinlich schon alles überholt weil die Entwicklung uns wieder eingeholt hat!
    Weil es wieder, da gebe ich ihnen Recht,

    die mit bestimmten Lobbykreisen die GEMA unterwandern oder manipulieren wollen eben nicht geschwächt sondern GESTÄRKT!“zu Manipulationen kommen kann!

    zu Manipulationen kommen kann!
    Was bleibt da anderes über als die Abrissbirne wieder zu nutzen?
    Die Gema steckt in einem Dilemma. Die Petition hat das alles an die Öffentlichkeit gezerrt. Und ich finde es gut.
    Es sind nicht nur die grossen Veranstalter die da jammern. Viele kleine Veranstalter fühlen sich überfordert mit dem Regelwerk, Rückforderungen, Abrechnungen, Bemessensgrundlagen ect. pepe. Und auch über’s Ohr gehauen! Sicher das dort viel Polemik drin steckt, aber auch berechtigte Kritik!

    Die Creative Commons-Lizenzen sind Chancen für alle. Für freischaffende Musiker und auch für Mitglieder der Gema.
    Sie machen unabhängig! Sie sagen nichts weiteres aus als „Ich als Urheber darf das!“
    Das macht die für von Majors geknebelten Gruppen und Künstler unabhängig!
    Und bietet zur Zeit vielen jungen Nachwuchskünstlern die Möglichkeit sich einen Bekanntheitsgrad zu erarbeiten.
    Und auch dabei muss ich sagen das das nach einigen Jahren völlig überholt sein kann und ich dann eine völlig andere Meinung vertreten muss.
    Wieder mal die Abrissbirne.
    Ich hoffe sie verstehen was ich damit meine.

    In diesem Sinne
    K.Gottschlich

  37. Warum wollt ihr immer auf alle Ewigkeit Dumpingangebote machen; das ist doch nur als Einführungsveranstaltung sinnvoll, sozusagen für Newcommer, um eine künstlerische Idee effizienter in den Diskurs zu bringen, wenn man noch keinen Namen hat.
    Allgemein gilt:
    Was nix kostet ist nix wert.

    Warum nicht das Gegenteil versuchen und politisch durchsetzen, dass alle Aufführungen (egal, ob Werke von Bach oder Boulez) GEMA-pflichtig werden. (Ausnahmen im Ausbildungsbereich selbstredend). Genug Geld käme zusammen, um Kulturschaffende über die Armutsgrenze zu heben. Veranstalern wäre das GEMA-Argument, das gegen Neue Musik gerne verwendet wird aus der Hand geschlagen.
    Die Neue Musik könnte in eine faire Konkurrenz zur Alten Musik treten.

    Eine Kino-Karte kostet bald mal das doppelte, verglichen mit einer Kammermusik-Veranstaltung mit Uraufführungen – ich halte es für Quatsch auf dieser (nach meinem Geschmack anbiedernden) Welle weiter zu reiten.

    Schöne Träume
    wüncht
    wechselstrom

  38. Klaus Gottschlich sagt:

    Tschuldigung, da ist was falsch gelaufen!

  39. dritter sagt:

    Sicher übertrieben, aber da Herr Wechselstrom offenbar nur noch in Geldkategorien denken kann:

    „Was einen Preis hat, hat keinen Wert.“ (Nietzsche)

  40. dritter sagt:

    Und, Herr Wechselstrom:
    Die Musik von Mozart dürfte für Sie auch komplett wertlos geworden sein, seit man die Gesamtausgabe kostenlos beim Mozarteum downloaden kann.

    Kurzum: Hören Sie doch mal auf Unsinn zu verzapfen.

  41. Lars Heymann sagt:

    Die GEMA….

    Wer fragt mich als Veranstalter, ob ich mit der GEMA überhaupt etwas zu tun haben möchte?? Sicher, wenn ich von diesem (Sumpf-)Verein vertretene Werke aufführen lasse, dann werde ich dafür bezahlen. ABER ich habe seit 3 Jahren regelmäßig Konzerte veranstaltet, wo junge Bands die Möglichkeit erhielten vor 30-60 Leuten zu probieren, was sie sich in mühsamer Arbeit angeeignet haben (KEINE COVERS!!). Leider war der organisatorische und finanzielle Aufwand die dauernden Forderungen der GEMA abzuwehren für mich so groß, dass ich mich als Veranstalter zurückgezogen habe und diese jungen Künstler bei mir leider keine Plattform mehr haben. Wohl gemerkt, die Organisation der Konzerte ist mein Job gewesen, aber dann eine Rechnung zu bekommen obwohl kein GEMA Material verwendet wurde, Mahnbescheide usw… – das hat mich zu diesem Schritt bewogen.

    Kleine Kostprobe:
    I Eine Band mietet meinen Veranstaltungsraum um eine Record-Release-Party mit Freunden zu feiern – Sie spielen nur eigene Lieder (per Titelliste ordnungsgemäß gemeldet) – Ich erhalte eine Rechnung – Warum konnte mir niemand erklären (auch der Sachbearbeiter der GEMA nicht) – Da ich mich weigere die Lizenzgebühren zu zahlen kam der Mahnbescheid… Ende offen.

    II Zur Buchmesse 2007 in Leipzig habe ich den Bandleader einer lokal bekannten Band eingeladen aus seinem satirischen Buch zu lesen – In der Ankündigung benutzte ich den Namen der Band (machte aber klar, dass es eine Lesung im Rahmen der Buchmesse war) – erhielt eine Rechnung der GEMA da ich keine Titelliste eingereicht hatte zusätzlich noch mit Kontrollzuschlag – auf Nachfrage beim Sachbearbeiter wurde mir mitgeteilt ich solle eine Titelliste einreichen, um zu prüfen ob GEMApflichtiges Material verwendet wurde – ??? – Ich habe inzwischen einen Mahnbescheid und das Ende ist …. offen.

    Wenn diese zwei Beispiele eines darlegen –
    FÜR KLEINSTVERANSTALTER IST DIE GEMA-VERMUTUNG DER GENICKBRUCH UND DIE PETITION IST LÄNGST ÜBERFÄLLIG GEWESEN.

    Mir ist vollkommen egal wie die GEMA das „erpresste“ Geld an ihre Mitglieder verteilt, aber ICH möchte mit der GEMA nichts zu tun haben. Deswegen habe ich die Petition unterzeichnet und werde nach Abschaffung der GEMA-Vermutung wieder als Veranstaltungsort für junge Künstler zur Verfügung stehen.

    Herzliche Grüße aus dem Leipziger Osten

    Lars Heymann
    Kulturcafé Knicklicht

  42. eggy sagt:

    @Lars Heymann:
    Die beiden Fälle die Du beschreibst sind insofern kurios, als dass kein Mensch hier von Dir am Ende GEMA verlangen wird. Daher ist die Aufregung darüber auch sinnlos – wenn Du den Sachverhalt ruhig und sachlich erläuterst, kann man doch beide Fälle leicht klären? Hieraus ein Bild der bösen GEMA zu stricken ist äußerst fragwürdig und taugt nicht als Beispiel.
    Ein Parallelbeispiel: Ich als Freiberufler habe jeden Monat unterschiedliche Einnahmen – wenn ich 3 Monate hintereinander hohe Einnahmen hatte, geht die Steuer automatisch davon aus, dass ich in den nächsten 3 Monaten mindestens genauso viel verdiene, und kassiert kräftig vorher ab, selbst wenn ich in den nächsten 3 Monaten Null verdient habe, bzw. verdienen werde. Wenn ich rechtzeitig nachweise, dass ich nichts verdient habe, kann ich die Steuervorauszahlung canceln, oder ich warte halt, bis ich am Ende des Jahres das Geld zurückbekomme. Kein Mensch regt sich über diesen Sachverhalt, eine „Steuervermutung“ auf.
    Die GEMA geht auch erst einmal davon aus, dass etwas aufgeführt wurde, wenn die Sachverhalte darauf hinweisen, und zwar IM SINNE IHRER MITGLIEDER. Wenn sie das nämlich nie tun würde, wäre es viel schwieriger, nachträglich eine Rechnung zu stellen wenn tatsächlich etwas aufgeführt wird, leichter ist der Vorgang, wenn sie erst einmal annimmt, dass etwas aufgeführt wird.
    Die Steuer „vermutet“ ganz genauso, niemand kritisiert das, aber die böse GEMA wird wieder angeprangert.

    In den beiden Fällen die Du beschreibst ist doch der Sachverhalt ganz simpel:

    Fall 1: wenn es ein „paar“ Freunde waren, also eine private Party, muß keine GEMA gezahlt werden. Wenn es eine richtige „record release“ party mit offizieller Einladung (also auch z.B. an Musikkritiker, Labels, Promotion, etc.) war, muß die Band selber zahlen, denn sie waren mit dem Mieten Deines Veranstaltungsraumes selber die Veranstalter.

    Fall 2: Es war eine Lesung, keine Musik wurde gespielt, also keine GEMA.

    Also simpler könnte die Sachlage doch nicht sein, oder?
    Wenn Du tatsächlich mit widerständigen und schwierigen Sachbearbeitern zu tun hast: Beschwerdebrief schreiben und den Sachverhalt beschreiben, dann kriegen die eins auf den Deckel (es gibt auch ätzende Steuerbeamte, by the way). Dir kann nicht das Geringste passieren, also warum die Aufregung?

  43. eggy sagt:

    Oder um es anders auszudrücken: Willst Du Supermärkte, Lebensmittelgeschäfte, Kaufhäuser abschaffen, nur weil die Dich eventuell auffordern, deine mitgebrachte Tasche an der Kasse zu öffnen und als leer zu zeigen? Auch das eine „Vermutung“ mit der wir recht häufig im täglichen Leben zu tun haben.
    Nun gut, Fahrkartenkontrolleure könnte man vielleicht WIRKLICH abschaffen :-)

  44. Lars Heymann sagt:

    Das von Euch beschriebene Prozedere habe ich auch erwartet. „Die beiden Fälle die Du beschreibst sind insofern kurios, als dass kein Mensch hier von Dir am Ende GEMA verlangen wird“ – das ist leider nicht so. Und ich könnte hier den Blog mit weiteren Unsinnigkeiten der GEMA füllen. Fakt ist, die GEMA-Vermutung ist etwas anderes als die Vermutung etwas „versehentlich“ in die Tasche zu stecken. Denn wenn ich einkaufen gehe, schließe ich einen „Vertrag“ mit dem Kaufhaus. Bei nicht GEMA-pflichtiger Musik schließe ich mit der GEMA KEINEN Vertrag. Selbst wenn irgendwann vor Gericht festgestellt wird, dass keine Gebühren fällig sind, habe ich bis dahin viele Stunden verbracht zu reagieren, viele Briefe verschickt und evtl muss ich auch einen Anwalt konsultieren. Das alles, weil ich Nachwuchskünstlern eine Plattform biete und damit 20€ Gewinn erwirtschafte. Selbst die Beschwerde bei der GEMA brachte meist nichts.
    Die Tatsache, dass ich in den letzten 3 Jahren etwa 60 Konzerte veranstaltet habe und davon insgesamt genau 3 GEMA-pflichtig waren (dafür gab es eine ordnungsgemäße Anmeldung und Bezahlung) erscheint mir der Aufwand unverhältnismäßig groß zu sein für 95% aller Fälle Zeit zu investieren. Bei der Steuer gibt es Möglichkeiten nach Darlegung des Sachverhaltes z.B. eine IST-Versteuerung zu vereinbaren. Alle Anfragen bei der GEMA wurden entweder ignoriert oder mit der Aussage beantwortet: „Das ist eben so, und wir können da nix machen…“
    Auch das beauftragte Anwaltsbüro der GEMA ignoriert fast immer irgendwelche Anfragen. Das alles hat mich dazu bewogen, die Petition zu unterschreiben und hoffe auf Abschaffung der GEMA-Vermutung.

    Herzliche Grüße aus dem Leipziger Osten

    Lars Heymann
    Kulturcafé Knicklicht

  45. klagox sagt:

    Hallo zusammen,
    @ Eggy

    Die beiden Fälle die Du beschreibst sind insofern kurios, als dass kein Mensch hier von Dir am Ende GEMA verlangen wird. Daher ist die Aufregung darüber auch sinnlos – wenn Du den Sachverhalt ruhig und sachlich erläuterst, kann man doch beide Fälle leicht klären?

    Wenn es denn so einfach wäre ;-). Es wäre ja dann auch so weit in Ordnung und zu tolerieren.
    Umständlich wäre es trotz allem.
    Nur gibt es viele Beispiele für Fehlverhalten von Sachbearbeitern. Warum und wieso es dazu kommen kann weiss ich nicht.
    Im Petitionsforum sind einige dieser kuriosen Fälle nachzulesen. Von Einzelfällen kann da keine Rede mehr sein. Und es sind meist keine Grossveranstalter die da klagen, sondern kleine Unternehmen wie das von Lars.

    Mal ehrlich! Ich glaube nicht das so etwas auf Dauer kulturförderlich ist.

    Ich vergleiche das Beispiel der Gemavermutung mal mit einem öffentlichen Parkplatz.
    Und wenn ich überlege kommt der Vergleich sogar weitestgehend hin.

    Beispiel 1: Ich bin Kneipenwirt und zahle brav meine Gemapauschale. Ich habe eine Playlist und eine gewisse Auswahl an Musk für meine Gäste. Das vergleiche ich mal mit einem Anwohnerparkplatz. Ich bezahle eine monatliche Gebühr/Pauschale für ein Recht mein Auto zu parken.

    Beispiel 2: Ich bin Kneipenwirt und habe eine Coverband für einen Abend in meiner Gaststätte. Ich bezahle für die Band an dem Abend die Gemagebühren für die Coverband. So weit ist das ja auch alles O.K. Das kann man dem Beispiel eines Parkautomaten vergleichen. Ich möchte auf einem öffentlichen und Gebührenpflichtigen Parkplatz parken und bezahle dafür halt eine Gebühr.
    Bis dorthin ist ja auch alles so weit korrekt und nachvollziehbar.

    Die Gemaversion: ist etwas abstrus. Ich muss im Vorraus melden das ich mein Auto auf einem nicht gebührenpflichtigem Parkplatz parken möchte. Dann darf ich erst dort parken. So, nun ist die Politesse aber der Meinung, das dort ein Schild gewesen sei, und das der Parkplatz gebührenpflichtig wäre, obwohl er definitiv Entgeldfrei ist. Das bedeutet ich muss den Nachweis erbringen, das die Politesse Unrecht hat und der Parkplatz sogar im Privatbesitz ist.

    Wenn so etwas ständig passiert würdest Du warscheinlich auch sauer reagieren. Du hast ständig Ärger mit Behörden und Du verschwendest Zeit.
    Und dann platzt Dir auch mal mit Sicherheit der Kragen!

    Abhilfe würde eine Schulung Eurer Sachbearbeiter bringen etwas sensibler mit dem Thema Gemapflichtig und Gemafrei umzugehen.
    Das würde einiges an der Brisanz nehmen.
    Es kann nicht immer alles rundlaufen, aber Euer alter Dino ist kompliziert und steif. Zur Zeit läuft alles schleppend und nichts geht voran.

    Musik ist eigentlich etwas Schönes.

    Vielleicht sollten wir einfach mehr miteinander reden?

  46. Lars Heymann sagt:

    Wenn ich das mal noch ergänzen dürfte:

    Die Gemaversion: ist etwas abstrus. Ich muss im Vorraus melden das ich mein Auto auf einem nicht gebührenpflichtigem Parkplatz parken möchte. Dann darf ich erst dort parken. So, nun ist die Politesse aber der Meinung, das dort ein Schild gewesen sei, und das der Parkplatz gebührenpflichtig wäre, obwohl er definitiv Entgeldfrei ist. Das bedeutet ich muss den Nachweis erbringen, das die Politesse Unrecht hat und der Parkplatz sogar im Privatbesitz ist.

    Und im Falle meiner Buchlesung muss ich das sogar machen obwohl ich gar kein Auto besitze (im Bild von Klagox gesprochen) – Also obwohl gar keine Musikveranstaltung stattgefunden hat muss ich ne Titelliste einreichen.

    so far
    Herzliche Grüße aus dem Leipziger Osten

    Lars Heymann
    Kulturcafé Knicklicht

  47. vasconcellos sagt:

    YES WE CAN

    @erik janson, wechselstrommler und alle diejenigen die das Bedurfnis haben, in einer geordeneten und kontrollierten Welt zu (über) leben

    Es ist einfach geil ein GEMA Mitglieger zu sein…warum ?…let us look about:

    Treten Sie doch einfach aus der GEMA aus, falls Sie dies noch nicht getan haben sollten.

    Ich wurde das gerne sofort tun, aber wie bei jedem „Geschäftmodeller Verein“ (ja…richtig so von mir umdefiniert) die Kundigungsklausel meines Vertrgas beträgt 5 Jahren und für meine Überrauschung, obwohl ich mein Vertrag am Dezember 1998 schriftlich abgeschlossen habe, hat die GEMA den Vertrag rückwirkend damals ab 01/1998 gelteend gemacht….also laut mein Rechtsanwalt total BGB rechtswidrig….mal schauen was am Ende des Kampfs im Gerichtssaal mit sich bringt!

    (…)und aus teils eigenen Frustrationen heraus argumentiert wird, wenn es um die angeblich >geforderten GEMA-”Reformen” geht(…). oder dass “reformiert” werden müsse oder von “schmerzhaften Reformen” ist die Rede…. für WEN soll es denn dann schmerzhaft werden?

    Selbsverständlich nur für die GEMA und ihre Geschäftsmodeller selbst !

    Und: für wen ist die GEMA dann “Spaßbremse”?

    Gibt einfach in Google ein: +gema + abzocke(über 20.000 treffer) oder +gema + problem(über 293.000 treffer).
    Im Vergleich zur GEMA: Gibt einfach in Google ein: +ascap + rip-off (über 4.000 treffer) oder +ascap + problem(über 125.000 treffer).

    Gott segnet die Mathematik. Öfter sprechen Zahlen mehr als Wörter.
    Aber für diejenigen die Wörter benötigen, dazu folgende relevante Beispiele:

    http://www.forumromanum.de/member/forum/forum.php?action=std_show&entryid=1065389843&USER=user_70063&threadid=2#

    http://www.sequencer.de/blog/?p=4027

    Aber Sie können auch hier nicht alle Komponisten “missionieren”, die bzgl. GEMA und >Urheberrechten etc. eine andere Meinung haben als Sie (….)immer wieder sehr allgemein
    (…)Das sind typisch postdemokratische und Ratten-fängerische Methoden, die auf >Desinformiertheiten und Ahnungslosigkeit setzen

    Ich glaube dass solche Auseinandersetzugen in diesem und in anderen Forums im Internet leisten einen sehr wichtigen Beitrag auf die Verbreitung von Informationen, Wissen, und Austausch von Ideen. Wir leben in einer modernen und pluralistischen Wissensgeselschaft und da ich davon ausgegangen bin, habe als frischling und neuer Mitgleider in diesem Forum meinen Beitrag geleistet. Oder meinen Sie Herr Janson dass Beiträge nur für einen ausgeerwählten Kreis der Mitglieder dieses Forums das Recht vorbehalten ist? Hier ist nicht wie die GEMA mit ihrem „Cotton Club“ Struktur und wir in diesem Forum sind hier kein ordentlicher, ausserordentlicher oder „X“ordentlicher Mitglieder.

    Last not but least…YES WE CAN.
    Accept diversity… embrace change..
    and dont worry…be happy !

  48. Johannes K. Hildebrandt sagt:

    falls es jemanden interessiert – friedrich goldmann ist gestorben. schade.

  49. @ Beiträge der „GEMA“-Kritiker, bzw. vor allem
    der „Alles für Lau“- Creative Commons etc…

    evtl. nehm ich in ein paar nochmal zum Diskurs hier Stellung aber mir fehlt leider in diesen Tagen die Zeit. Also bitte Geduld.

    Muss gerade ein Stück beenden und Stimmen erstellen
    (wofür ich übrigens keinen Auftrag bekomme, es ist
    für eine Komilitonin, die das Projekt und Aufführungen dafür organisiert).

    Damit mich also keiner missversteht (und sicher manch andere auch nicht): ich schreibe natürlich auch NICHT
    für GELD, sondern weil ich das innere Bedürfnis dazu habe, halt zu komponieren.

    Und dass hier die Kiste so verdreht wird, als wollten die Komponisten, die weiter Wert auf wenigstens symbolische Honorierung ihrer Arbeit legen (Aufführungsrechte/i.f.v. Vergütungen) „nur in Geldkategorien“ denken, dann zeigt doch, wie neoliberal und (selbst-)ausbeuterisch hier einige offenbar denken (Außenstehende oder Betroffene? …). Naja selbst schuld.

    Es geht um Prinzipien bei der Debatte, nämlich dass Musik, dass Kultur auch ihren WERT hat! Komisch: über einen Wiedeking bei Porsche mit seinen 80 Mio. im Jahr
    regt sich hier keiner auf. Der Mann würde nie auf die Idee kommen z.B. auf seine Abschieds-Abfindungen (es ist von 50 Millionen die Rede) zu verzichten.

    Aber wir Komponisten wir schenken noch das letze Hemd her, wo eh schon kaum was zu verdienen ist.

    Und: dass es die GEMA zu Mozarts Zeiten noch nicht gab.
    Sorry: das kann man nicht vergleichen. Der Mann hat also schlichtweg Pech gehabt. Er würde bestimmt nicht auf so was verzichtet haben. Aber von Luft und Liebe hat der Mann nicht auch zu Lebzeiten nicht gelebt.

    Und alle, die gerne für Nüsse komponieren oder gern
    alles nur verschenken: könnt Ihr gerne machen, aber
    dies von ALLEN ANDEREN zu erwarten, das ist schon
    Anmaßung.

    Und (vergleicht mal): in der Bildenden Kunst, Malerei etc. kommt auch kaum einer auf die Idee, seine Werke
    einfach alle zu verschenken.

  50. @ Vasconcellos schon mal,

    Sag ich doch: Sie scheinen mir doch recht frustriert zu sein und breiten hier Ihre private Geschichte aus, die offenbar dazu führte, dass Sie einen ziemlichen Groll auf die GEMA und viele ihrer Mitglieder gleich mit haben. Und dass sie nun der GEMA mal so richtig zeigen wollen „wo der Hammer hängt“…

    Die GEMA pauschal als „Geschäftsmodeller-Verein“ um zu benennen steht Ihnen frei, nur dass dies mit der REALITÄT nichts aber auch gar nichts zu tun hat.

    Und: Sie liefern KEINERLEI Argumente gegen die Zusammenhänge bzgl. der GEMA-„Schnellschießer“ und
    Petitions-Fans und der GEMA-Pauschalverurteiler, deren Teil-Motive ich hier aufgezeigt habe (bzw. die sich selbst entlarvt haben).

    Stattdessen berufen Sie sich vermeintlich auf „Pluralismus“ „demokratische Wissensgesellschaft“ und andere Parolen. So ein Unsinn: Wenn ich wahllos Begriffe im Internet eingebe, klar kommen da immer viele Treffer.
    Googeln Sie mal unter dem Stickwort „Manager“ „Topmanager“ o.ä., da finden Sie genau so Worte wie „Abzocke“ „Gier“ und MASSENHAFT Einträge dazu …
    Nur dass SIE dies nicht interessiert, sondern SIE interessiert halt die GEMA pauschal als Ihr Dorn im Auge.

    THE MEDIA is the message, aber daurch dass Dinge
    massenhaft in den Medien sind, sind sie noch nicht wahr.

    Dadurch dass Sie sich im Internet/in Blogs in Foren
    äußern, werden Ihre Beiträge nicht wahrer.

    Alles leere Floskeln- Klar DÜRFEN Sie hier sagen was Sie wollen, das verbietet niemand, aber Sie müssen damit rechnen, dass, wenn sie so „argumentieren“ (bzw. pauschale Urteile und Floskeln abgeben), dass Ihnen
    das wenig Leute abnehmen werden (vielleicht, wenn´s hoch kommt ihre eigene Freunde).

  51. @ Herr Gottschlich:

    Sie liefern leider keinerlei konstrukive Argumente FÜR
    die Anti-GEMA-Petition sondern nur Allgemeinplätze wie: „die Abrissbirne muss her“ etc. pepe und die unbewiesene Behauptung dass Einfachheit = Transparenz sei. (also typisch: wenn einzelne Dinge zu verbessern sind, nicht GESTALTEN sondern gleich alles kaputt hauen oder in Frage stellen). Man merkt wirklich, dass Sie entweder ein Außenstehender (kein Komponist) sind, oder aber dass Sie sich auch (wie offenbar einige andere „Creative Commons“ sich halt als „Freizeit-„Kreativer betrachten, dem egal ist, ob er).

    Aber (bzgl. Ihres Rufs nach „EINFACHHEIT“): lassen Sie sich sagen: da diese Welt und Gesellschaft KOMPLEX ist (ebenso das Kulturleben, die Veranstalter-Strukturen und die Gruppierungen/Interessenlagen der Kreativen) deswegen braucht es eben auch komplexere Lösungen, um eben Verteilungs-Gerechtigkeiten zu realisieren (oder zu erhalten).

    Oder was meinen Sie mit „EINFACH“? Dass die GEMA einfach Veranstaltern (oder Kleinveranstaltern) die Gebühren erlässt oder alles pauschal so runter schraubt, dass dann kein Komponist mehr von leben kann?

    Informieren Sie sich erst mal, wieviel Rabatte und Sondertarife die GEMA für Veranstalter (auch Kleinveranstalter gerade) an bietet und wie fein da differenziert wird. Und dieses Sonderregelungen sind GUT, denn sie beruhen auf langjährigen Erfahrungen. Dass man hier und da was ändern/bessern kann/muss, das will ich gar nicht abstreiten. Und das haben sich die Mitglieder der GEMA, übrigens im VERBUND mit Außenstehenden/Politik etc. aus gutem Grund so ausgedacht. Warum also nicht: der GEMA und den Mitgliedern vertrauen?

    Nehmen Sie z.B. Reformen im Gesundheitswesen und die Einheitssätze, die JEDER (ob arm oder reich) zahlt.
    An dem Bsp.: Was unter dem Deckmantel von „Vereinfachung“ oder „Reform“ etc. daher kommt, muss nicht immer zu mehr Gerechtigkeit/Verteilungsgerechtigkeit (gemessen an Status und Einkommen z.B.) führen. Das nur mal vergleichsweise an dem Bsp. auf die Schnelle genannt.

    Genau dies wollen Sie, fürchte ich: KEINE Differenzierung und Verteilungsgerechtigkeiten sondern:
    vereinheitlichender Kahlschlag.

    Also, Herr Gottschlich: Ihr GEMA-„Abrissmodell“ sollten wir als aller erstes verschrotten; vielleicht gibts dafür sogar eine Abwrackprämie.

    Nur weil es ein paar Schweine gibt, bestrafen wir am besten gleich alle…
    Nur weil es schwarze Schafe in der Wirtschaft gibt, verhängen wir Pauschalurteile….
    Oder: Wir schaffen schon mal die Verkehrsregeln ab,
    weil vielleicht in 3-4 Jahren sich keiner mehr dran halten wird und sie dann VERMUTLICH „überholt sind…

    Muss ich weiter machen oder sehen Sie ein, wie pauschal und widersprüchlich Ihre Ausführungen oben sind?
    Auf DIE Ideen käme auch niemand: aber mal eben bzgl. GEMA solche Allgemeinplätze in die Welt setzen.

    UNd (@ Vasconcellos) dass Sie hier mit „YES WE CAN“ Obama zitieren, dadurch wird Ihr Beitrag keineswegs aufgewertet. Im Gegenteil: dies zeigt, wie medien-manipuliert Sie sind, dass Sie glauben, mal eben durch solche Solgans Stimmung zu machen.

    „YES WE CAN“?: – nur mal am Rande: Deutschland kämpft mittlerweile nun in Afghanistan (sogar unter Bush gab es das noch nicht); das amerikanische Finanzsystem, Konsumideale etc. mit allen seinen Tücken und Abstürzen haben wir kritiklos übernommen etc. … und alle Pauschal-Parolen die aus dem „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ kommen, die taugen angeblich als Argument.

    What a wonderful world
    NO, We Can NOT – zumindest in vieler Hinsicht nicht…

    @ Herr Heymann: Vielleicht haben Sie nur das falsche Modell gehabt oder Ihre Veranstaltungen falsch organisiert und einfach nicht VORHER mit der GEMA kommuniziert oder halt nicht genug Eintritt genommen o.ä.
    Schade, dass Sie den Bands keine Auftrittsmöglichkeiten mehr bieten wollen. Aber daran ist sicher nicht die GEMA schuld, sondern vermutlich Ihr mangelnder Idealismus und Einsatzbereitschaft oder Durchhaltevermögen. Sehen Sie, es gibt so viele Veranstalter, die weiter machen, trotzdem es in der Kultur schwieriger wird und das Veranstalten halt ARBEIT bedeutet. Davon kann ich selbst ein Lied singen. Und mal ein Gegenbeispiel (ich schließe mich übrigens auch der Replik von Herrn Eggert inhaltlich an):

    Mal angenommen, die GEMA-Vermutung (die KEINESWEGS
    ein „Genickbruch“ für Kleinveranstalter ist!) würde einfach abgeschafft: Dann können – umgekehrt Kleinveranstalter ABER vor allem auch größere einfach GEMA-pflichtige Musik aufführen OHNE dies anzumelden und ohne dafür zu zahlen. Ist DAS gerecht? Die Fernsehmacher (GEZ) bekommen auch ihr Geld über Gebühren (obwohl ich da (aber ich finds O.K.) mich manches mal extrem drüber ärgere, so wie die Medien teilweise uns mit neoliberalem Einheitsbrei überschütten.

    Schaffen wir doch gleich dann auch die GEZ ab oder die sogenannte GEZ-Vermutung (jeder der einen TV, oder PC hat muss zahlen, so ist das halt).
    Schaffen wir doch die Steuern gleich alle ab und damit auch die Kultur und die sozialen Sicherungssysteme etc.
    Und Ihr Vergleich mit dem gebührenfreien Parkplatz ist reichlich unpassend.

    Abstrus Ihre „Argumentationen“, und sie sind einzig aus Ihrer Panik heraus zu erklären und daraus, dass Sie unzureichend informiert sind. Wenn Sie belegen, dass bei Ihnen keine GEMA-pflichtige Musik lief, dann wird die GEMA sicher ihre „Mahnbescheide“ und dgl. zurück nehmen
    und Sie können dann den Bands wieder getrost Auftritte anbieten und diese werden (vermutlich unentgeldlich?) dafür sorgen, dass bei Ihnen im Café was los ist und Sie davon profitieren…).

    Sie werden sehen, dass sich alles in Luft auflöst.
    Ich denke, Ihre Aufregung hätten Sie sich sparen können.

  52. vasconcellos sagt:

    YES, YOU CAN NOT

    @ erik janson

    Sie scheinen mir doch recht frustriert zu sein und breiten hier Ihre private Geschichte aus

    Es geht hier nicht um psychologischen Beurteilungen wie „frustriert zu sein“, ich beziehe mich auf Fakten…Ich will als Kunde von GEMA behandelt werden und nicht wie als Steuerzahler. Übrigens, eigentlich aus kulturellen Gründen fällt einem Brasilianer sehr schwer mit der GEMA frustriert zu leben! Die GEMA ist sowieso kein tolles Fussbalverein um mich frustriert zu machen.

    Die GEMA pauschal als “Geschäftsmodeller-Verein” um zu benennen steht Ihnen frei, nur dass dies mit der REALITÄT nichts aber auch gar nichts zu tun hat.
    Nachdem ich mich ausführlich über die Literatur (Recht und Praxis der GEMA, Kreiler/Becker/Riesenhuber) mit der GEMA ausseinander gesetzt habe, fehlt es mir keine andere Meinung oder… alternativerwiese geben sie mir die Fakten dazu und werde ich meine Meinung ändern…bin sehr offen dafür

    Stattdessen berufen Sie sich vermeintlich auf “Pluralismus” “demokratische Wissensgesellschaft” und andere Parolen.
    Ich bin kein Kulturpessimist und mit dem Kapitalismus komme ich sehr gut klar…

    Wenn ich wahllos Begriffe im Internet eingebe, klar kommen da immer viele Treffer.

    Falsch….Suchemaschinen verfügen über logische operatoren…die eine sehr intelligente Sucheergebnis erlauben…

    Nur dass SIE dies nicht interessiert, sondern SIE interessiert halt die GEMA pauschal als Ihr Dorn im Auge.
    Die GEMA ist nicht mein personlicher Dorn im Auge, sondern ein Dorn im Auge für viele Nachwuchsmusiker & Nachwuchsbands …darum geht es hier…Die Welt besteht nicht nur aus meinen eigenen Meinungen und Wahnvorstellungen…

    THE MEDIA is the message, aber daurch dass Dinge massenhaft in den Medien sind, sind sie noch nicht wahr.
    Es klingt schon jetzt wie Matrix – the movie- was ist überhaupt wahr? Ich bin nicht auf esoterischer Trip aber der Buddhismus behauptet dass unsere (physische) Realität nicht wahr ist. Was ist dann Wahr?

    Dadurch dass Sie sich im Internet/in Blogs in Foren äußern, werden Ihre Beiträge nicht wahrer. Alles leere Floskeln- (…) bzw. pauschale Urteile und Floskeln abgeben, dass Ihnen das wenig Leute abnehmen werden

    Dito…wer will wen hier missionieren ?…Da fühle ich mich für eine solche Aufgabe(missionieren)nicht gewachsen.

    (…) mit “YES WE CAN” Obama zitieren, dadurch wird Ihr Beitrag keineswegs aufgewertet. Im Gegenteil: dies zeigt, wie medien-manipuliert Sie sind, dass Sie glauben, mal eben durch solche Solgans Stimmung zu machen. (…)und alle Pauschal-Parolen die aus dem “Land der unbegrenzten Möglichkeiten” kommen, die taugen angeblich als Argument.
    Wieder Falsch. Sie sollten sich mehr mit der Geschichte der „Civil Rights“ in America der 50er und 60er Jahren vertraut machen, um den Sinn dieses Satzes verstehen zu können.

    Übrigens ich setzte mich gerne mit Fakten und Daten auseinander. Herr Janson, lassen wir uns eine seriöse und erwachsene Diskussion hier in diesem Forum führen. Anmerkungen mit psychologischen Hintergründenangriffe vie „frustriert“ oder das „wenige Leute Urteile und Floskeln abnehmen“ entsprechen nicht das Niveau von gebildeten und rationalen Menschen und bitte ein bisschen Humor tut einem oder dem anderen nicht weh.

    Think global, Act local, Stay in Peace

  53. …falls es noch jemand interessiert: Reinhard Schulz ist tot. Goldmann und Schulz waren sehr unterschiedliche Kultur-Menschen. Das hat sie verbunden. Die GEMA ist eine GEZ.
    Traurig:
    geissler@nmz.de

  54. klagox sagt:

    @ Eric Janson
    Mit der Aussage das ich ein Freizeitkreativer bin haben sie den Nagel auf den Kopf getroffen. Ich gehe sonst einem Beruf nach und muss nicht von meiner Musik leben. Daher ist es mir egal was damit passiert!

    Aber hier gibt ein grosses Verständigungsproblem untereinander! Es geht auch nicht in erster Linie darum das Musik verschenkt wird oder werden soll. Und das Künstler, Komponisten und Musiker für ihre Arbeit enlohnt werden müssen zweifelt hier auch niemand an!

    Ein kleines Beispiel:
    Ich habe Ende Mai ein Konzert von Allison Crowe besucht, einer Kanadierin mit einer tollen Stimme und einem grundsolidem Klavierspiel. (allisoncrowe.com)
    Ich bin über Jamendo auf die Musikerin aufmerksam geworden und ich fand die Musik gut. Ich habe mir die Musik auch legal (also Creative Commons) auf die Festplatte geladen.
    Als ich mitbekam das die Kanadierin nach Deutschland kommen sollte bin ich zum Konzert nach Aachen gefahren und meine Erwartungen wurden weit übertroffen!

    Obwohl ich die Musik schon auf der Platte hatte und auch fürs Autoradio gebrannt hatte, habe ich mir einige CD’s auf dem Konzert gekauft um die Künstlerin nicht nur mit meinem Eintrittsgeld zu unterstützen.
    Ich glaube nicht das ich etwas von dieser Musikerin gehört hätte wenn es nicht die Creative Commons gäbe!

    Also ist der Umsonstgedanke ein Marketinggedanke. Das ist Werbung! Kennt niemand meine Musik kommt auch niemand auf mein Konzert. Und CD’s verkauf ich auch nicht weil mich keiner kennt!
    Bin ich aber bekannt und wenn meine Musik gefällt kommen auch Konzertbesucher!

    Mir persönlich ist es halt egal. Als reiner Hobbymukker kann mir wurscht sein was mit meiner Musik passiert. Ich habe mich halt einfach tierisch gefreut als einer meiner Tracks in einem kleinen Internetradio gespielt wurde.
    Ich kriege auch keinen Applaus auf der Bühne.

    Vor ca. einem Jahr fragte eine Abschlussklasse eines Berufskolleg bei mir an, ob sie einen Song für ein Inforamtionsvideo von mir verwenden dürfen. Ich habe meine Zustimmung gegeben, natürlich ohne Geld zu verlangen!
    Ich habe mich gefreut wie ein Schneekönig ;-) Mein Name im Abspann!
    Die Freude war meine Entlohnung!!
    Ihr könnt jetzt sagen -Manno, ist der doof! Doch ich muss nicht davon leben.

    Aber wenn jemand kommt und mir Geld für einen Song bietet weil er damit ein Projekt machen will, sage ich auch nicht nein.
    Aber es könnte passieren weil meine Musik gehört und auch verbreitet wird.
    Nicht das ich dran glaube, (bin kein Überflieger) aber (wenn auch unwarscheinlich) möglich!

    Nun habt ihr Komponisten das Problem das ihr von Euer Musik leben müsst. Die Problematik ist mir auch bewusst.
    Aber die CC-Lizenzen sind auch eine Chance Musik bekannt zu machen!

    Wenn ich meine Musik bekannt mache, egal über welche Kanäle bekomme ich Konzertbesucher, b.z.w. Abnehmer. So funktioniert halt Werbung!

    Zur Abrissbirne! (Mein Realname ist K. Gottschlich)
    Wenn ein Geschäftsmodell nicht mehr funktioniert, weil es überholt und nicht mehr zeitgemäss ist, ist jeder Geschäftsmann und Selbstständige dazu gezwungen sich etwas neues zu überlegen.
    Das trifft auch für Musiker zu!

    Die Gema macht Sinn, aber was kommt wenn alles nicht mehr funktioniert und die neuen Möglichkeiten der weltweiten Vernetzung Euren Dinosaurier zu Fall bringen?

    Warum denn keine friedliche Co-Existenz?
    Die Creative Commons als Werbung und die Gema als Auskommen!
    (Siehe den obigen Kommentar mit den Lizenzbeispielen))
    Niemand kann erwarten das alles im seinem gemächlichen Trott weitergeht.
    Ich habe mittlerweile fast 50 Lenze auf dem Buckel und weiss wovon ich rede! Ich muss immer damit rechnen das mein Arbeit- und Brötchengeber sagt: „Tut mir leid, aber ich bin Pleite“
    Ich selbst habe mich schon mehrfach umorientieren müssen!
    Umschulung inclusive!!

    So weit zum Thema Abrissbirne!

    Gegebenheiten ändern sich. Und zwar immer!
    Das trifft auf alle Lebensbereiche zu, und auch auf die Kultur!
    Da bleibt einem nichts anderes übrig als flexibel auf die Gegebenheiten zu reagieren.
    Stagnation und Beharren bringt gar nichts. Das behindert nur!

    In diesem Sinne!
    K.Gottschlich

  55. vasconcellos sagt:

    @klagox

    Yes you can….Bravo!!

  56. klagox sagt:

    Nochmal!
    @ Eric Janson

    In Bezug auf ihre Komplexen Struckturen!

    Aber (bzgl. Ihres Rufs nach “EINFACHHEIT”): lassen Sie sich sagen: da diese Welt und Gesellschaft KOMPLEX ist (ebenso das Kulturleben, die Veranstalter-Strukturen und die Gruppierungen/Interessenlagen der Kreativen) deswegen braucht es eben auch komplexere Lösungen, um eben Verteilungs-Gerechtigkeiten zu realisieren (oder zu erhalten).

    Oder was meinen Sie mit “EINFACH”? Dass die GEMA einfach Veranstaltern (oder Kleinveranstaltern) die Gebühren erlässt oder alles pauschal so runter schraubt, dass dann kein Komponist mehr von leben kann?

    Informieren Sie sich erst mal, wieviel Rabatte und Sondertarife die GEMA für Veranstalter (auch Kleinveranstalter gerade) an bietet und wie fein da differenziert wird. Und dieses Sonderregelungen sind GUT, denn sie beruhen auf langjährigen Erfahrungen. Dass man hier und da was ändern/bessern kann/muss, das will ich gar nicht abstreiten. Und das haben sich die Mitglieder der GEMA, übrigens im VERBUND mit Außenstehenden/Politik etc. aus gutem Grund so ausgedacht. Warum also nicht: der GEMA und den Mitgliedern vertrauen?

    Die Welt ist noch viel komplexer als sie sich vorstellen können!

    Darum sind einfache Regeln nötig!
    Je komplizierter Regeln sind, um so warscheinlicher ist das Umgehen von Regeln. Z.B. Steuergesetze u.s.w.
    Auch halt das Beispiel von eggy kann hierfür herangezogen werden.

    Gute Nacht und eine kleine Gedenkpause ;-)

  57. @ Klagox,

    Was mir bei Ihren Kommentaren auffällt: Sie schließen gern alleine von Ihrer Situation (Hobbymusiker, Mensch, der ZU 100% von anderen Dingen als Musikschaffen lebt)
    auf andere bzw, scheinen zu verlangen, dass dann die anderen in diese Situation kommen, nach dem Motto: Wenn ICH von anderem lebe, ja warum gibt es dann Künstler/Komponisten, die von ihrem kreativen Schaffen leben können (oder wollen)?

    Vielleicht fällt Ihnen selber das nicht auf, und eigentlich hab ich keine Zeit das hier eingehend zu analysieren udn drauf ein zu gehen.(Aber: mehrmals las ich in Ihren Comments, dass es Sie nicht vom Musikmachen etc. leben (das wissen ja nun ALLE mittlerweile) und dass es Ihnen daher „egal“ ist, was mit den anderen/dem Thema Vergütungen für Kreativleistungen in Kunst/Kultur geschieht.

    UNd Sie merken gar nicht, dass Sie damit nicht in der Lage sind, die Perspektiven anderer zu übernehmen und Empathien zu empfinden. Und dass sie keine Solidarität mit Menschen haben, die eben einen andren Lebensweg (tw.) für sich wählen. Haben Sie darüber schon mal nachgedacht?

    Meinen Sie etwa, andere Kreative, auch die Komponisten (auch ich) würden NICHT mehreren „Jobs“ nachgehen? Aber mal ehrlich: Meinen Sie, es macht den meisten Leuten Spaß? (heute geheuert, morgen gefeuert, ständige „Job“-Unsicherheiten etc. pepe…).

    Die Frage ist doch: WIE WOLLEN wir leben?
    WOLLEN wir A) NUR nach den Schlagworten leben, die uns Medien oder „Global Player“ etc. tagtäglich einreden („Flexibilität“, Act global“, don´t worry be happy..)
    oder ist nicht auch eine andere Gesellschaft wünschenswert? Und 2.: Wer sagt, dass Möglichkeit A) zu einer rosigen Zukunft führt?

    Da kommen dann die üblichen Sprüche, leider auch von IHnen, wie „Flexibilität ist oberstes Gebot“ aber damit ist zumeist implizit gemeint: anpassen bzw, immer mehr eigene Rechte (aber damit auch Pflichten) beschneiden/beschneiden lassen; immer mehr Werte verabschieden…
    Sie plappern schön das nach, was Ihnen/uns die Medien und die meisten Leute tagaus tagein einreden. Was allen tagtäglich eingeimpft wird. Aber von WEM eigentlich…?

    Das ist doch ziemlich naiv. Alles was Sie schreiben, sind keine ARGUMENTE um den Sinn uneingeschränkter Creative Commons für die Gesamtgesellschaft zu untermauern, sodass ALLE (auch die Kultur SCHAFFENDEN, nicht nur die Konsumenten!) was davon haben.

    Was Sie oben teilweise schreiben (Umsonst ist gut, Werbeefekt bei Creativ Commons etc.) das MAG in der Pop-Branche oder in gewissen Bereichen zu treffen und im Internet-Bereich. Es bestreitet niemand, dass „Werbung“ erst mal kostenlos sein muss, um Leute neugierig zu machen. Und: jeder kann ja ruhig machen was er will mit SEINER Musik.

    Wer hat das denn bestritten? Ich keinesfalls, auch nicht Wechselstrom oder andere hier, die NICHT auf der Creativ-Commons-Seite stehen.

    Aber mich stört die Generalisierung und dass man dieses Creative Commons-Modell auf alles und jeden (auch den Klassik-Bereich, Neue Musik etc.) und auf alle Gruppen übertragen will und einfach erreichen will, dass alle im Gleichschritt sich dem anschließen. Und mich stört dieses: sogenannte „Vereinfachen“, wo nicht dazu gesagt wird, was das für einzelne Gruppen bedeutet und für negative Konsequenzen nach sich zieht.

    Die Neue Musik oder – ich nenn es mal „abgedrehtere Bereiche / Randgruppen für Musik/Musikstile, die ohnehin es IMMER schwer haben werden bzgl. Massenpublikum (und damit späterer Wahrnehmung in der Gesellschaft und Rentabilität, die uns eh kaum wichtig ist), falls Sie mir folgen können,was ich meine. Diese Musikrichtung (z.B. Neue Musik oder auch Freejazz oder ä…)wird z.B. nicht allein dadurch bekannter oder beliebter, dass sie ihre Musik massenhaft (wenn auch zu Werbezwecken) verschenkt oder dass es nix (oder minimal wenig) kostet. Sie erreicht dadurch eben NICHT (wie die Popszene vielfach) automatisch mehr Publikum (und eben die Popszene z.B. kann dann hinterher durch Massenverkauf eben trotzdem um Vielfaches mehr zum Lebensunterhalt verdient werden, und DORT eben weit darüber hinaus (Bsp. Michael Jackson).

    Viele Leute haben für Neue Musik nun mal von vorne herein keine „Antenne“, unter anderen GERADE weil sie eben mit dem ANDEREN kostenlosen Material tw. zu gemüllt sind (und das will ich auch keinem, erst Recht keinem Jugendlichen vorwerfen). Dazu bedarf es der VERMITTLUNG: aber: Vermittlung heißt für mich: Öffnung der Wahrnehmungskanäle, Wege suchen, dass die Leute sich auch für Musikstile, die nicht so „gängig“ sind öffnen, Dialog zwischen Komponist und Publikum etc. aber es heißt NICHT: Ausverkauf oder „Ich-mach-mich zum Deppen“ oder Hobby-Neue Musik-Komponisten nach dem Motto: wenn ich alles umsonst anbiete, dann hören es schon mehr Leute“.

    Die meisten, die die Petition unterschrieben ´haben oder
    die GEMA gar als „Geld)erpresserverein“ deffamieren(so als wäre es die Mafia höchstpersönlich), die wissen gar nicht, WEN sie damit alles treffen. Sie diffammieren damit AUCH die Komponisten mit (wie aus Moritz`Comments ja auch tw. hervor geht)viele GEMA-Mitglieder und Komponisten, die an der GEMA eh kaum was verdienen und die nur aus dem großen GEMA-Topf (eher symbolisch!) nur das bekommen, was sie verdient und sich hart kreativ erarbeitet haben! (Dazu gehör auch ICH, ich verdiene auch mindestens 4/5 meines kargen Lebensunterhaltes durch Unterrichten!!)

    Wie gesagt: wie man „Geschäftsmodellern“ (also Komponisten, die keiner kennt, die aber trotzdem durch Schein-Konzerte die GEMA abzocken) das Handwerk legen kann? Gewiss NICHT durch Abschaffung der GEMA-Vermutung sondern durch Verschärfungen und Kontrollen im Einzelnen.
    Und durch einzelne, gezielte Verschärfungen (z.B. Verschärfung der Nachweispflicht bei Abrechnungen im Zweifelsfall etc.). Dazu gibt es ja nun gute Ansätze.

    Nochmal @ Thema: „Musik Verschenken“
    Natürlich „verschenke“ ich auch CDs von meiner Musik,
    aber zu DEMO-Zwecken und nur gezielt an Veranstalter
    oder Leute aus der Szene, von denen ich mir erhoffe, dass sie dann auch meine Musik SPIELEN, verbreiten, aufführen, weiter sagen etc. pepe. Also praktiziere ich für mich doch schon zur Genüge das „creative commons“-Modell. Und das reicht mir völlig aus.

    Aber es ist wie bei einer Art Hydra hier: schon wieder wird einem das Wort im Mund verdreht und/oder kommen scheinbare Gegenargumente im Stil „nein, wir können es DOCH so machen, dass wir unser Modell allen anderen auf drücken…“ etc. ohne dass PRO-Agrumente und Fakten genannt werden.

    Die Frage ist doch: WER hatte mit Pauschal-Infragestellungen der GEMA angefangen? WER hatte die Petitionen verbreitet (oder unterschrieben etc.), in denen tw. Verleumderisches und übelste Verdrehungen über die GEMA stehen und in denen das Pauschalbild von einer „bösen“ „undemokratischen“ oder „Grundgesetz-feindlichen GEMA“ an die Wand gepinselt wird? ICH war es definitiv nicht und verwehre mich weiterhin gegen so etwas.

    (@ Vasconcellos): es wäre wünschenswert, wenn Sie vielleicht ab und an mal Ihre Rosarot-Brille abnehmen könnten, was Themen wie „Global-Kapitalismus“ „Amerika“, angloamerikanische Denkmodelle und Lifestyle o.ä. angeht. Denn es gibt gewiss viele Menschen, die das etwas anders und differnezierter sehen in der derzeitigen globalen Krisis… Es sein denn, Sie sind reiner Zyniker. Aber Sie können ruhig Ihre Meinung behalten.

    UND (@ Klagox): das Bsp. mit der Gesundheitsreform, das ich nannte zeigt doch sehr wohl, dass Vereinheitlichungen nicht mit Gerechtigkeit zu tun haben, ganz im Gegenteil. Der Einheitssatz übervorteilt Besserverdienende, indem die WENIGER zahlen und benachteiligt gerade die unteren Einkommen, die im Verhältnis dazu MEHR zahlen z.B.!

    Und schon wieder (@Klagox)der schiefe Vergleich mit dem STEUERSYSTEM. Sie scheinen noch nicht zu verstehen, was gemeint war im argumentativen Kontext. Darum erläutere ich was ausführlicher:

    Die Steuerhinterzieher und z.B. oder z.B. einzelne Superreiche, die das komplizierte Steuersystem gezielt ausnutzen bzw. die sogen. „Schlupflöcher“ finden,
    z.B. mit Hilfe von Rechtsanwälten/ entspr. Steuerberatern ihre Millionen am Fiskus vorbei schaffen. Meinen Sie vielleicht allen Ernstes, diese Leute würden das nicht tun, wenn das Steuersystem VEREINFACHT würde? Im Gegenteil: die freuen sich dann höchstens, dass sie auch noch ihre Steuerberater sparen und machen noch schlimmer weiter als bisher. Das ist schon eine ziemlich naive Weltsicht, wie ich finde, die Meinung, dass Vereinfachungen etc. mal eben die Gesellschaft gerechter machen und/oder eine Umverteilung von unten nach oben verhindern würden (im Gegenteil, derzeit).

    Letztens sah ich z.B. eine Sendung (glaube ZDF), wo ein
    Immobilienmakler mit einer einfachen Mittelstandsfamilie verglichen wurde. Eher noch ist es doch so: für Besserverdienende und Top-Verdienende ist das Steuersystem EINFACH, bzw. gibt es viele Absetzungsmöglichkeiten/ Schlupflöcher, „Tricks“ etc. Für die Geringverdiener/Familien/Selbstständige an der unteren Einkommensgrenze wird es dagegen immer mehr verkompliziert und diese werden zur Kasse gebeten.

    Es muss sich – auch wenn ich mich hier unbeliebt mache – die MORAL und das soziale Verantwortungsbewusstsein wieder ändern, und zwar bei ALLEN (nicht nur den Superreichen sondern quer durch die Gesellschaft!). Die Leute müssen sich an die GESETZE halten; und es ich NICHT so, dass man einfach durch Vereinfachung von Gesetzen etc. mehr soziale Gerechtigkeiten und weniger Bürokratie schafft. SCHÖN WÄRE es, aber wir Menschen und die Gesamtgesellschaft sind nicht so simpel strukturiert,
    und dazu noch alle von Natur zu einer nicht unwesentlichen Portion „Egoisten“…

    Man nehme nur mal als Beispiel (im vgl. zu „Heuschrecken“, „Geschäftsmodellern“ etc.) einen VIRUS:
    Einem komplexen, schädlichen Virus mit komplexer Struktur, der ständig mutiert, dem kommt man auch nicht „mal eben“ mit einem Antikörper bei, der eine EINFACHE oder simpel strukturierte Oberfläche hat. Der kann nämlich den „ausgefuchsten“ Virus dann keineswegs uinschädlich machen, er prallt daran ab oder aber er wird schlimmstenfalls von den Stacheln des schädlichen Virus zerstochen. Und somit kollabiert/stirbt das System.

    So ähnlich ist das auch bzgl. Thema: GESETZE/STEUERN/
    GEMA_Strukturen und Moral / bzw. Unterwanderung von Moral
    durch den „Virus“ des „Profitmachen ist GEIL“ und die Denke: „Wie es anderen geht ist mir egal, mich betriffts nicht…“

    Nein: Gesellschaft/ Sozialsysteme sind nun mal sehr komplex, und noch komplexer wird es, wenn man weiß dass
    jeder
    Und ich empfehle Ihnen mal „Postdemokratie“ von Colin Crouch zu lesen. Meine These ist: GESETZE etc könnten erst dann EINFACHR werden (oder im gleichen Schritt damit) wenn sich auch wieder Moral und Verantwortung und Solidaritäten jedes einzelnen Menschen und in der Gesamtgesellschaft ändern. Und wenn eben JEDER akzeptiert (auch die „kleinen Leute“ oder AUCH Bildzeitungs-Leser…) dass eben nicht alles so „einfach“ ist… Dass es zum Überleben Intelligenz und eben Anpassung an Komplexitäten und Differenzierungen braucht und eben nicht nur Versimplifizierungen.

    Also: Ihre Rechnungen gehen also nicht auf.

    Mit anderen Worten (bsp. Steuergesetze): wer GEZIELT ein Steuersystem (oder die GEMA, wie die Geschäftsmodeller z.B.) NUR ZU SEINEM VORTEIL und aus Gier etc. AUSNUTZEN will, sich über Gebühr nur seinen Vorteil verschaffen will. Derjenige macht (und schafft dies), z.B. bei fehlenden Kontrollmechanismen, UNABHÄNGIG von der Komplexität der Regelungen bzw. Gesetzen, die ihn im Sinne des Allgemeinwohls daran hindern sollen.

    Also: WAS muss sich dann wohl ÄNDERN: die Gesetze oder nicht erst mal die MORAL und die Verantwortung und Teamfähigkeit/Solidarität jedes EINZELNEN?

    Nein: Wenn Schlagworte wie „Vereinfachung“ geht, dann sind damit zumeist leider Umverteilungen, meist leider von unten nach oben und zu Lasten von Kultur und Bildung verbunden bzw. gemeint. Und dem öffnen z.B. die Petitenten und GEMA-Pauschalverurteiler (ob gezielt oder ungewollt) leider nun Tür und Tor. Wo ohnehin schon die CDU/SPD jüngst es (gegen Stimmen von FDP und LINKE übrigens, die unterschiedlicher nicht sein könnten) es leider ablehnten die Kulturförderung im Grundgesetz endlich zu verankern.

    Wer ist denn die GEMA?: sie ist doch im Kern nur Treuhänder für ihre MITGLIEDER und das sind immer noch in der größten Mehrheit reine KULTURSCHAFFENDE, die einen WERT in und FÜR die Gesellschaft leisten (mal ausgenommen die „Geschäftsmodeller“, über die Moritz (DANKE!) hier ausführlichst geschrieben hat, da sind wir uns ja hoffentlich alle einig).

    @ Peace/ Solidarität/ have fun, make love not war… etc.: Dazu wollte zum Schluss sagen, dass ich selbst Rock/ Jazz etc., alle Arten von GUT GEMACHTER bzw. „anspruchsvoller“ (was auch immer damit gemeint ist) von sogenannter „Unterhaltungsmusik“ LIEBE.
    Ja sogar, dass diese nicht selten eine wichtige Quelle meiner Inspiration und meiner tägl. Arbeit als Komponist ist! Hab sogar selbst damals Rock/Pop/Jazz/Impro etc., auch mit Laien „für Lau“ auf Feten etc. (auch erste Kompositionen, jahrelang umsonst!) und „just for fun“.
    Unterrichte im Alltag tagtäglich AUCH Pop, Charts Schlagzeug etc. Also, nur mal by the way: das mögliche „Gegenargument“ dass hier ein verbiesterter und um seinen Vorteil bedachten „Neue Musik“-Komponist oder „Elfenbeinturmler“ schreibt, der sich nicht auch in andere hinein versetzen kann, das sollte damit endgültig hinfällig sein.

    Bzgl. Ihres „flotten Spruches“ (Herr Vasconcellos) möchte ich den mal umdrehen, wie er RICHTIG lauten müsste, damit wir auch weiterhin in einer lebenswerten Welt verbleiben (auch unsere KINDER!):

    KEEP ON THINKING LOCAL (jeder behält seine Identität), AND ACT global.

    Denn wenn mehr so gedacht und gehandelt worden WÄRE, dann gäbe es z.B. nicht eine Finanz- und Ökokrise solch globalen Ausmaßes, wie wir sie derzeit erleben. Eben dadurch, dass gewisse DENKMODELLE und Ideologien (Neoliberalismus, Finanzkapitalismus, Nachlaufem dem angloamerikanischen Modell, Lebensstilen/Wertesystemen) vereinheitlichend ÜBERALL auf der Welt durchgesetzt werden sollen/ oder alleinigen Gültigkeitsanspruch erheben/erhoben. Eben darum sind wir da, wo wir nun sind. Dass nämlich an einigen „Locals“ gar nicht mehr gehandelt werden kann, weil es zu spät ist und Menschen kaputt gehen.

  58. Lars Heymann sagt:

    @
    @erik janson

    Herr Heymann: Vielleicht haben Sie nur das falsche Modell gehabt oder Ihre Veranstaltungen falsch organisiert und einfach nicht VORHER mit der GEMA kommuniziert oder halt nicht genug Eintritt genommen o.ä.
    Schade, dass Sie den Bands keine Auftrittsmöglichkeiten mehr bieten wollen. Aber daran ist sicher nicht die GEMA schuld, sondern vermutlich Ihr mangelnder Idealismus und Einsatzbereitschaft oder Durchhaltevermögen. Sehen Sie, es gibt so viele Veranstalter, die weiter machen, trotzdem es in der Kultur schwieriger wird und das Veranstalten halt ARBEIT bedeutet.

    Wieso sollte ich mit der GEMA kommunizieren, wenn die GEMA das Konzert nix angeht? Wer zahlt mir den Bürokratismus, wenn ich ein Konzert anmelden muss? Genau das ist ja das Problem. Ihr „Künstler“ seht nur eure Kohle. Deine besch…. Partituren lieber Erik gehen mich nix an. Die Bands die bei mir gespielt haben spielten ausschließlich eigenes Material. Dein Inkassobüro wollte trotzdem für DEINE Partituren Kohle von mir!!!!! Du sollst sogar Geld für eine Lesung bekommen. Da IHR „Künstler“ ohnehin nur von eurem Verlust sprecht ziehe ich mich aus diesem Forum zurück und wünsche gesegneten Untergang der Kultur.

    Lars Heymann
    Kulturcafé Knicklicht

    Wer von Idealismus spricht sollte wissen was MORAL bedeutet.

  59. klagox sagt:

    Nein: Gesellschaft/ Sozialsysteme sind nun mal sehr komplex, und noch komplexer wird es, wenn man weiß dass
    jeder
    Und ich empfehle Ihnen mal “Postdemokratie” von Colin Crouch zu lesen. Meine These ist: GESETZE etc könnten erst dann EINFACHR werden (oder im gleichen Schritt damit) wenn sich auch wieder Moral und Verantwortung und Solidaritäten jedes einzelnen Menschen und in der Gesamtgesellschaft ändern. Und wenn eben JEDER akzeptiert (auch die “kleinen Leute” oder AUCH Bildzeitungs-Leser…) dass eben nicht alles so “einfach” ist… Dass es zum Überleben Intelligenz und eben Anpassung an Komplexitäten und Differenzierungen braucht und eben nicht nur Versimplifizierungen.

    Danke ;-)
    Reduzieren sie mich als einfach gestrickten Menschen und Bildleser!
    Da gehe ich sogar noch einen Schritt weiter.
    Ich bin ein einfaches Säugetier.
    Fressen und gefressen werden! Ganz einfache Regel! In unserer heutigen Zeit auch immer noch gültig (Heuschreckenmentalität)!

    Unsere Welt hat sich zum grossen Teil aus Religionen entwickelt. Und nun haben wir ein komplexes Gebilde Gesellschaft, in der jeder seinen persönlichen Freiraum sucht! Aber es gibt auch die sog. Heuschrecken die im Namen Gottes Kriege führen und das Elend dieser Welt in Händen halten!
    Wie sie sehen hat sich nichts geändert.
    Fressen und gefressen werden.

    Die Steuerhinterzieher und z.B. oder z.B. einzelne Superreiche, die das komplizierte Steuersystem gezielt ausnutzen bzw. die sogen. “Schlupflöcher” finden,
    z.B. mit Hilfe von Rechtsanwälten/ entspr. Steuerberatern ihre Millionen am Fiskus vorbei schaffen. Meinen Sie vielleicht allen Ernstes, diese Leute würden das nicht tun, wenn das Steuersystem VEREINFACHT würde? Im Gegenteil: die freuen sich dann höchstens, dass sie auch noch ihre Steuerberater sparen und machen noch schlimmer weiter als bisher

    Da stimme ich ihnen zu!
    Da haben sie auch soweit Recht!
    Nun stellen sie sich ein vereinfachtes Steuerrecht vor, das nicht ganze Regalwände füllt, sondern aus wenigen bedruckten Seiten besteht.
    Gültig für alle! Eine Tabelle, fein differenziert nach Einkommen. Ohne Möglichkeit irgendwas an Kapital hin und herzuschieben und schönzurechnen. Ohne die Möglichkeit sich an anderen zu bereichern! -völliger Blödsinn und reine Utopie-richtig!
    Dafür hat es aber eine ganz einfache Kontrollfunktion. Einfache Regeln, einfache Kontrolle
    -völliger Blödsinn und reine Utopie-richtig?

    Die Bibel besteht auch nicht nur aus den 10 Geboten! Und jeder legt sie aus wie es ihm grade passt. Resultat sind Kriege, Elend, Bereicherung und Heuschreckenmentalität.
    Fressen und gefressen werden.
    Diese Regel gilt unter Menschen immer noch. Leider!

    Wir haben unseren entwicklungsgeschichtlichen Ballast noch nicht abgelegt. Unsere Wertvorstellungen verkommen nicht immer mehr und sind von Geiz ist Geilmentalität geprägt. Sonderm wir schleppen unser verdammtes, genetisches Erbe immer noch mit uns rum.

    Es muss sich – auch wenn ich mich hier unbeliebt mache – die MORAL und das soziale Verantwortungsbewusstsein wieder ändern, und zwar bei ALLEN (nicht nur den Superreichen sondern quer durch die Gesellschaft!). Die Leute müssen sich an die GESETZE halten; und es ich NICHT so, dass man einfach durch Vereinfachung von Gesetzen etc. mehr soziale Gerechtigkeiten und weniger Bürokratie schafft. SCHÖN WÄRE es, aber wir Menschen und die Gesamtgesellschaft sind nicht so simpel strukturiert,
    und dazu noch alle von Natur zu einer nicht unwesentlichen Portion “Egoisten”…

    Absolute Zustimmung!! Ich gebe Ihnen Recht.
    Das Elend dieser Welt beruht auf mangender Fairniss, Egoismus und Geldsucht. Einer gehörigen Portion Narzissmus.
    Dem natürlichen Selbsterhaltungstrieb und vielen weiteren Dingen die die Evolution an der Bibel mit ihren 10 Geboten vorbeigeschummelt hat!

    Mit freundlichen Grüssen!
    Klaus

  60. klagox sagt:

    Wieso sollte ich mit der GEMA kommunizieren, wenn die GEMA das Konzert nix angeht? Wer zahlt mir den Bürokratismus, wenn ich ein Konzert anmelden muss? Genau das ist ja das Problem. Ihr “Künstler” seht nur eure Kohle. Deine besch…. Partituren lieber Erik gehen mich nix an. Die Bands die bei mir gespielt haben spielten ausschließlich eigenes Material. Dein Inkassobüro wollte trotzdem für DEINE Partituren Kohle von mir!!!!! Du sollst sogar Geld für eine Lesung bekommen. Da IHR “Künstler” ohnehin nur von eurem Verlust sprecht ziehe ich mich aus diesem Forum zurück und wünsche gesegneten Untergang der Kultur.

    Sehr emotional.

    Ich stelle mir einfach ein friedlichen und fairen Umgang miteinander vor. Für beide Seiten!
    Nochmals: Warum keine friedliche Koexistenz beider Systeme.
    Mit Gema und Creative Commons!

    Beides hat Vor- und Nachteile!
    Für sie scheinen eben die Nachteile zu überwiegen. Aber hätten sie nicht auch dann Vorteile z.B. Werbung?

    Wenn sie das nicht so sehen lassen sie es einfach!
    Aber einige Mitglieder würden es evtl. doch gerne machen.
    Seien sie denen gegnüber tolerant und lassen sie so etwas zu!
    Wäre das nicht auch fair?

    Warum nicht?

    So ein kleiner Vorschlag von einem Spinner ;-)

    Gute Nacht.
    Ich gehe jetzt in ein Kulturzentrum mit Gemapflichtiger Musik und sorge für ihr Auskommen!

    So, denn man Prost und gute Nacht ;-)
    Klaus

  61. @ Herr Lars Heymann,

    „Deine besch.. Partituren, Erik gehen mich nichts an (…) DEIN Inkassobüro wollte trotzdem für DEINE Partituren Kohle von mir …“ (ZiTAT Ende):

    1. Verbitte ich mir derartige Äußerungen, wo Sie weder mich noch meine Musik überhaupt kennen.

    2. liegt hier eine Verwechslung vor, denn ich habe NIEMALS bei Ihnen gespielt. Und ich bin weder Rocker noch Nachwuchsmusiker o.ä. noch hatte ich bisher mit Lesungen etc. zu tun. Noch verdiene ich irgendeinen Cent an Ihrem komischen Café, wo anscheinend alle für Lau spielen, denn sonst würden Sie vermutlich erst gar keinen spielen lassen. Also unterlassen Sie bitte diesen UNSINN hier, mich da in IHREN persönlichen Ärger hinein zu ziehen. Ebenso ist mir neu, dass wir per „DU“ sind.

    Auch falls Sie mit dem „DU“ mich nicht persönlich meinen bzw. nur stellvertretend nur weil ich GEMA-Mitglied bin meinen, ist dies ebenso ziemlich lächerlich. Ich denke, Sie sollten erst mal sich beruhigen und sich über die GEMA informieren und nicht JEDEN Komponisten oder Künstler, der in der GEMA ist nun als „Feind“ sehen.

    3. Denke ich, dass auch die Nachwuchsmusiker bzw. die Bands die – wie Sie sagen – ihr „eigenes“ (GEMA-freies -?
    rätselt…) Material spielen, IRGENDWANN sicher auch mal gerne – nur symbolisch als Anerkennung –

    „Ihr Künstler denkt nur an Eure Kohle“…
    UNFASSBAR Ihre Äußerung!

    Das entlarvt und disqualifiziert Sie als einen „Veranstalter“, der leider keinerlei Differenzierungsvermögen hat, geschweige denn Solidarität mit Künstlern und Kulturschaffenden, sodass man genauso sagen könnte, dass SIE nur an IHRE Kohle denken: Sie möchten, dass in Ihremm Kafé was läuft, dass dort Leute spielen, Kultur statt findet, und dass dann vermutlich auch dadurch mehr Leute in Ihr Café kommen, dass mehr los ist und vermutlich auch mehr umgesetzt wird (Getränke etc.). Und dann sprechen sie DERART über die Künstler (seien es nun junge Nachwuchsbands o.ä.), die in Ihrem Café spielten (die ich nicht kenne).

    Gott sei dank denken die allermeisten Veranstalter anders. Veranstalten ist halt mit Aufwand verbunden, dies wird gemeinhin akzeptiert von denen, die sich darauf einlassen und die Kultur machen und befördern möchten; was Sie aber als „unzumutbare GEMA-Bürokratie hin stellen.

    Dies ist mir schlichtweg unbegreiflich, Ihre pauschal-emotionale Äußerung „Ihr Künstler denkt nur an Eure Kohle“. Selbst WENN sie nochmal veranstalten, dann sollten die Bands eigentlich mal ihr Café dafür boykottieren. Das ist mein letztes Wort in dieser Sache
    bzw. zu Ihnen und Ihren Statements hier.

    @ Klaus (Klagox) erster Comment:
    Schön, dass Sie mir in den paar Punkten oben Recht geben.
    Aber ganz so pessimistische „fressen und gefressen werden“ sehe ich die Welt überhaupt nicht. Wir sind auch nicht mehr Steinzeitmenschen, sondern die Zivilisation hat sich weiter entwickelt und uns mit so Dingen wie VERNUNFT, auch VernunftGEBRAUCH, Mündigkeit und Humanität beschenkt u.v.a.m.(nicht nur die 10 Gebote z.B. die ich gar nicht erwähnt hatte, da ich kein religiös begründeter Moralist bin).

    Auch hier (finde ich) sind die Probleme also komplexer: Das Menschheitserbe (evolutionsgeschichtlich usw. der „Fressen-und-Gefressen-Werden-Trieb usw.) das kollidiert
    halt mit Werten unserer Zivilisation.

    Aber das heißt ja hoffentlich nicht, dass wir zur Steinzeit und zum „Fressen und gefressen werden“ zurück sollten oder resignieren sollten und sagen: Gesetze etc. haben dann im Grunde doch keinen Zweck…
    Ohne das nun im Einzelnen auszuführen.
    Ich bleibe dabei, dass EINFACHERE Steuerrechte z.B. nicht automatisch die Kontrolle erleichtern etc.

    Denn: 1. es müssen erst mal genug Leute da sein, die prüfen können, ob und wo „geschummelt“ wird. Aber GERADE DARAN hapert es ja. Die Finanzämter etc, kommen gar nicht hinterher, und das liegt nicht nur oder in erster Linie an komplizierten Steuerrechten sondern am PERSONALABBAU bei den Finanzämtern (bzw. überall im öff. Dienst) z.B.

    VEREINFACHUNG findet ja leider angesichts dieses Mangels
    (notgedrungen oder GEWOLLT..?) statt: Ich hab letztens eine Sendung gesehen, dass z.B. in Hessen von den Millionären nur ein kleiner Bruchteil Steuerprüfungen bekommt (im ggy. zu Mittelstand u.a. und Selbstständigen, die regelmäßig und flächendeckend geprüft werden). Und neulich kam in den Nachrichten, dass in Hessen „übereifrige Steuerfahnder“ sogar per „Gutachten“ (gegen den Nervenarzt wird ermittelt) für „psychotisch“ erklärt und kurzerhand vom Dienst suspendiert wurden, weil sie wo prüften, wo sie (von „Oben“ angeordnet) anscheinend nicht prüfen sollten…

    Das ist kein Witz!
    Haben Sie davon nicht auch gehört? Was sagen Sie nun DAZU? VEREINFACHUNG JA, aber nur für die oberen 10.000 und nur da wo es den Lobbyinteressen und dem Filz (in) der Politik nützlich ist…?

    @ Klagox (2. Comment): Wenn irgendwann eine völlig harmonische Koexistenz von Pro-GEMA, GEMA-Mitgliedern und Creacive Commons sich entwickelt, warum nicht?

    Wie gesagt: Creative Commons existieren ja ohne hin schon und werden eh immer mehr.Leben und leben lassen,
    sollte die Devise sein…

    Warum nicht? Denkpause…
    Ich weiß nur nicht auf wen Sie Ihren Satz „ich gehe nun in ein gemapflichtiges Kulturzentrum und sorge für Ihr Auskommen“ beziehen. Auf mich doch wohl nicht.

    Auf Herrn Lars Heymann? (da sie sich ja in dem Comment kritisch auf DESSEN Zitat beziehen).

  62. Tach Leute,

    es gibt ja Autobastler, wahre Experten, die sind so was von enthusiastisch, engagiert und leidenschaftlich bei der Sache und: CREATIV (!) … aber jedes Mal, wenn ich nur eine Zündkerze zu wechseln habe, frage ich mich: wo bleibt die Creative Commons im Autobau ????
    Einmal Motrorhaube auf und zu : 35,– Euro zuzgl.. MEHRWERT (!) – Steuer.
    (ohne K-Teile)

    Neulich hatte ich ein Problem mit der Gastherme – Eine Service (!) war notwendig –
    Kenn mich selbst nicht aus – Creativer Rat war gefragt — >>> 37,– Euro, allein für die Anfahrtszeit auf der Rechnung – Creative Commons – hmmm ?

    Gestern war ich im Cafehaus und bestellte einen Tee (Materialpreis: max. 30 Cent)
    Im Creativ gestylten Ambiente dieser Location zahlte ich 2,20 Euro (ohne Trinkgeld).

    Und immer dann, wenn es um geistiges Eigentum in der Kunst geht, vereinigen sich alle Trottel dieser Erde und verlangen von den KünstlerInnen Engagement, Enthusiasmus und UNEIGENNÜTZIGKEIT – Ha! –

    Und damit nicht genug, da kommen auch noch Geschäftstreibende daher und stimmen ein GEMA-Klagelied an .

    Die GEMA ist eine Gebühreneinzugszentrale, das hat, glaube ich Theo Geißler, schon richtig festgestellt – und das ist GUT SO!
    Wie soll der einzelne Komponist sich sonst gegen die Übermacht der Cafehausbesitzer wehren? Manche nennen sich KULTUR-Cafe, nur weil sie irgendwas aus dem Radio dudeln oder junge Bands „fördern“ (ausnutzen). – Den Bands wird oft irgend eine „Stromrechnung“ vorgelegt, weil sie E-Gitarre spielen oder es wird Ihnen eine „Gerätemiete“ abgepresst, weil sie die hauseigene Verstärkeranlage benutzen…

    Ich vermute, dass ein Großteil der Unterschriften der GEMA-Petition von Leuten kommt, die nicht einsehen wollen, dass geistige Leistungen einen Eigentumsanspruch rechtfertigen.
    Also von Hoteliers, Veranstaltern, Geschäftsmodeller von den Rundfunkhäusern sind auch dabei (!) Cafehausbetreiber, Internet-Rundfunkdudlern, Tauschbörsenbetreibern.
    Und alle finden CREATIVE COMMONS jetzt so super-duper – ich lach mich kaputt.
    Hier wird eine positiv besetzte Idee schamlos ausgenutzt.
    Und das schlimmste ist: Es gibt „Komponisten“, die merken das nicht und sind auch noch stolz darauf, dass so viele Unterschriften zusammengekommen sind.

    Blöd gelaufen
    findet
    wechselstrom

    @ Knicklicht (Culturcafe – aka Lars Heymann)

    Wieso sollte ich mit der GEMA kommunizieren, wenn die GEMA das Konzert nix angeht? Wer zahlt mir den Bürokratismus, wenn ich ein Konzert anmelden muss? Genau das ist ja das Problem. Ihr “Künstler” seht nur eure Kohle.

    Wenn Ihre Kaffee-Plörre genau so ungenießbar ist wie Ihre Argumente, dann würg, kotz… …
    Oder wollen sie für diesen übelriechenden Gedankenauswurf auch noch Trinkgeld?

  63. Ihr Internet-Statement vom 13.07.2009

    Sehr geehrter Herr Geißler!

    Ich habe mehrfach in den verschiedensten Artikeln seit 1998 die GEMA massiv kritisiert und nicht wie Sie im Internet veröffentlicht haben, „eine taktische hochkomplexe raffiniert zusammenbeschraubte GEMA-Gebrauchsanweisung in Sinne meiner Deutscher-Rocker in die Musikwelt gepustet“!

    1. Obwohl der Bundesgerichtshof in seinem Urteil vom 19.05.2005 (IZR 299/02) die GEMA massiv aufforderte, über das zuvor ohne Mitglieder-abstimmung eingeführte „Pro-Verfahren“ die Mitgliederversammlung nachträglich abstimmen zu lassen, ist die GEMA diesem Urteil dieses höchsten bundesdeutschen Gerichtes bis heute (2009) nicht gefolgt!

    2. Meine kritischen Berichterstattungen gegen die GEMA waren Anklagen! und keine „Gebrauchsanweisungen“ für irgendwelche Missbräuchler des Pro-Verfahrens.

    3. Die Geschäftsgrundlage der Geschäftsmodeller ist das Pro-Verfahren, das ich in seinen mathematischen Auswirkungen im MUSIKER-Magazin genau beschrieben habe.
    Die Erfinder dieses unmoralischen Verteilungssystems saßen/sitzen im GEMA-Aufsichtsrat und GEMA-Vorstand. Die Mitgliederversammlung der GEMA hat nie eine Chance erhalten, darüber abzustimmen!

    4. Mit Hilfe dieses seit 1998/1999 eingeführten Pro-Verfahrens übervorteilt die GEMA jährlich Zehntausende von selbstaufführenden Musik-urhebern (zumeist junge komponierende und textende Rock-, Pop-, Folk- und Bluesmusiker).

    Wenn diese Musikgruppen und Einzelinterpreten in ihren Konzerten ihre eigenen Songs an einem Konzertabend aufführen (und Mitglied in der GEMA sind), dann kommt es in zahlreichen Fällen vor, dass die GEMA
    die Veranstalterlizenzen zwar einkassiert, aber nach Abzug der 15 % Verwaltungsgebühr nicht an die betroffenen Komponisten, Texter ausbezahlt – auch dann nicht, wenn die Rock-, Pop-, Folk- und Bluesmusikgruppen die Konzerte für ihre selbstkomponierten Werke selber veranstalten! (Beispiel: Barbara Clear – Landgericht München 1, 10 Juni, AZ: 7 O 18297/08)

    Die kassierten Millionenbeträge schüttet die GEMA mit Hilfe des Pro-Verfahrens (mathematisch errechnet!) an die Urheber aus, die nie! an diesen Konzertauftritten teilgenommen haben oder deren Werke dort nie! gespielt wurden (z. B. Gassenhauer-Komponisten mit höchsten MKZ-Zahlen).

    Es ist die GEMA, die hier auf der Anklagebank sitzt und nicht die hundert- bis zweihunderttausend selbstaufführenden und selbstkomponierenden Rock-, Pop-, Folk- und Bluesmusiker! Diese haben mit den wenigen (!) sog. „Geschäftsmodellen“ nicht das Geringste zu tun.

    Im Übrigen gibt es diese „Missbräuchler“ des GEMA-Verteilungsplanes, die in ihren Musikfolgebögen Konzerte aufführen, die nie stattfanden, auch im Bereich der E-Musik. Bis heute ist noch niemand auf die Idee gekommen, deshalb die gesamte Ernste Musik zu diskreditieren/zu stigmatisieren.

    Und zum anderen: Wenn es Musikurhebern in der klassischen Musik erlaubt ist, ihre Werke auszutauschen und untereinander zu spielen, dann muss dies auch den Musikurhebern im Bereich der sog. U-Musik, d.h. im Bereich der Popularmusik gestattet sein (s. Rechtsgutachten zur rechtlichen Zulässigkeit eines vertraglichen Werkaustauschverfahrens unter Musikurhebern/Prof. Dr. P. W. Hertin, Berlin).

  64. eggy sagt:

    Lieber Ole,
    Du magst es ja vielleicht gut meinen mit Deiner Kritik an der GEMA, aber grenze Dich doch bitte deutlicher von den Geschäftsmodellern ab mit Deinen Forderungen – sehr oft unterstützt Du nämlich bei den Versammlungen genau deren Argumentationen.
    Das Perfide an der Rhetorik der Geschäftsmodeller ist ja genau diese scheinbare Verbrüderung mit den „kleinen“ Rock-,Folk-und Bluesmusikern – die aber in Wirklichkeit unter dem Fehlen des von den Geschäftsmodellern abgezockten Geldes viel mehr leiden als unter den Auswirkungen des PRO-Verfahrens. Ich erkläre mich sofort solidarisch mit Deinen Anliegen wenn wir alle erst einmal gemeinsam solidarisch gegen die Geschäftsmodeller sind.
    Oder zeige doch zumindest konstruktiv Wege auf, wie man das PRO-Verfahren gerecht reformieren kann, anstatt endlos über schon längst abgelaufene Züge zu lamentieren (PRO-Verfahren ja oder nein? Der Käs ist meiner Ansicht nach schon lange gegessen, da hilft auch kein Schimpfen mehr). Denn dass die GEMA irgendeine Art von statistischem Mittel braucht, um die endlose Menge von gespielter U-Musik irgendwie zu überblicken, scheint mir klar, nur wie es geschieht, darüber kann man selbstverständlich reden.
    Also, mach doch Vorschläge, wie ein statistisches Verfahren gerechter für die Kleinen sein könnte (z.B. einen bestimmten Grundbetrag garantiert) und dennoch den Geschäftsmodellern keine Möglichkeit für Ausnutzung gibt. Dafür hättest Du sofort meine Stimme!
    Mit kollegialem Gruß,
    Dein
    Moritz

  65. Benjamin Schweitzer sagt:

    johanneskreidler
    Juli 14th, 2009 at 19:23

    Lieber Johannes,

    nun also mit halbjährlicher Verspätung nochmal ein paar Gegenpositionen zu deiner Antwort auf meine Antwort auf deinen Beitrag, gleichsam angelehnt an die Form des sokratischen Dialogs. Um Mißverständnisse zu vermeiden: ich bin nicht grundsätzlich und gänzlich gegen alles, was du vorbringst, und weit davon entfernt, das bestehende Modell in allen Punkten für toll und verteidigenswert zu halten. Je mehr ich darüber nachdenke, umso mehr fällt mir jedoch ein, was dagegen spricht, wenn man sich dein Modell nicht als Ideal vorstellt, sondern vor dem Hintergrund der aktuellen kulturellen Situation in allen Ausprägungen. Einige von diesen Gegenargumenen habe ich mal, ohne Anspruch auf Perfektion, zusammengetragen. Für Redundanz und kleine polemische Seitenhiebe bitte ich schon mal vorab um Verständnis. Ist auch ziemlich lang geworden (etwa 2,5 Janson) und geht im Grunde auch nur nochmal auf jenen Teilaspekt des Kulturflatrate-Komplexes ein, über den wir im Juli diskutiert haben. Aber da immerhin 2 Leute in diesem Blog ein konkretes Interesse an meinem Senf dazu geäußert haben: hier.

    Hallo Benjamin,

    BS: die Idee hört sich erstmal charmant an, so ähnlich wie die Geschichte mit dem bedingungslosen Grundeinkommen.

    JK: Hat mit der Idee des bedingungslosen Grundeinkommen nichts zu tun, sogar im Gegenteil: in etwa die konkrete Arbeitszeit wird bezahlt.

    BS: Was ich damit meinte, ist, daß es sich – ähnlich wie die Grundeinkommen-Idee – zunächst mal nach einer verblüffend einfachen Lösung anhört, die erst bei genauerm Durchdenken ihre Hinkefüße offenbart.
    Selbst wenn man der Idee eines prinzipiellen “total buy-out” zustimmen würde, müßten dann auch die Auftragshonorare erheblich höher sein, denn sie müßten ja für die Nutzungsrechte des Komponisten bis zu seinem Ableben und 70 Jahre danach eine Kompensation enthalten.

    JK: Dass wir uns von diesem völlig überzogenen, kulturfeindlichen Maßstab verabschieden müssen ist klar. Dass die Honorare aber höher als jetzt sein müssen auch.

    BS: Hm. Warum soll es kulturfeindlich und überzogen sein, daß ein Kunstwerk ein Schutzfrist genießt, die über den Tod des Künstlers hinausgeht? Das ist doch im Gegenteil sehr kultiviert gedacht: es wird etwas geschützt, obwohl es sich um ein nicht-materielles Gut handelt. Das ist als solches ja empfindlicher, u.a. weil der Nachweis der Besitzstörung viel schwieriger zu führen ist (wenn ich dir dein Auto klaue, mußt du nicht erst nachweisen, daß das Auto wirklich geklaut wurde. Wenn ich dir eins von deinen 70.000 Samples klaue, gibt es eventuell einen komplizierten Urheberrechtsprozeß, der so oder so ausgehen kann, je nachdem welchen Gutachtern der Richter folgt).
    Natürlich hat der Künstler selbst nix mehr davon, wenn er unter der Erde liegt, wohl aber seine Witwen und Waisen, und, ich gebs zu, natürlich auch sein Verlag und viele andere Künstler, die mittelbar von den GEMA-Tantiemen erfolgreicher Repertoirewerke profitieren. Sieh es doch mal so: viele junge unbekannte und materiell nicht sehr gut gestellte Komponisten haben wenigstens was davon, daß der Musikbetrieb vom geschützten Repertoire vor allem die klassische Moderne spielt. Das ist jedenfalls eine Art Entschädigung dafür, daß lieber zum x-ten Mal Carmina Burana gemacht wird als dein neues Oratorium (verzeih die Gegenüberstellung). Das ist ziemlich materialistisch und pragmatisch gedacht, aber es ist umgekehrt völlig naiv zu glauben, daß kürzere Schutzfristen und ein schwächeres Urheberrecht in der Folge den richtigen Leuten zugute kommen würden. Der Musikbetrieb würde weiter Strauss und Orff spielen und dafür nicht mal mehr GEMA bezahlen, aber das dort gesparte Geld würde sicher nicht in höhere Honorare für unsereinen fließen, ja überhaupt sicher nicht in Kompositionsaufträge.

    Wenn man als Komponist wenigstens den Stundensatz eines ordentlichen Handwerkes bekäme, könnte man über sowas mal anfangen nachzudenken, aber so, wie die Lage derzeit ist: nein.

    JK: Ich sage ja nicht, dass es derzeit so ist, sondern es ist ein Vorschlag, den man versuchen könnte durchzusetzen. Aber die Tendenz ist ja schon da. Mathias Spahlinger erzählte mir mal, dass vor Jahrzehnten in Donaueschingen den Komponisten nur ein symbolisches Honorar gezahlt wurde, denn es war selbstverständlich, dass sie dann von der GEMA das gebührende Geld bekommen. Das hat sich aber schon seit langem immer mehr gewandelt, von der GEMA weniger, vom auftraggebenden Festival mehr. Gut so, das soll weiterentwickelt werden!

    BS: Also, ich hatte leider noch nie einen Donaueschingen-Auftrag, aber ich kenne die GEMA-Punktwerte zumindest der letzten 20 Jahre. Die sind zwar zwischenzeitlich (v.a. wegen der Machenschaften der sogenannten „Geschäftsmodeller“) schon gesunken, zuletzt stiegen sie wieder, aber die Schwankungen waren jedenfalls nie so groß, daß sie erhebliche Honorarunterschiede ausgeglichen hätten. Für ein Orchesterwerk im Donaueschingen-Format gab und gibt es von der GEMA immer so eine Größenordnung von 500 Euro/1000 Mark plus Rundfunk, und die Änderungen in der GEMA-Berechnungsgrundlage haben darauf Einflüsse höchstens im niedrigen zweistelligen Prozentbereich. Ich habe von Leuten gehört, die schon die aktuellen Auftragshonorare aus Donaueschingen als symbolisch bezeichnen (wie mag es dann früher gewesen sein?), aber da ich keine Zahlen kenne, kann ich mich nicht dazu äußern, wie angemessen das ist. Aber Herr Spahlinger ist natürlich ein Kollege, der schon in D. gespielt wurde, als ich noch in den Kindergarten ging und hat sicherlich hier wie auch sonst den tieferen Einblick in die Dinge. Die Wachteln übrigens waren nach meinem Dafürhalten sehr preisgünstig und dabei hervorragend, also vielleicht gleicht sich das mit den niedrigeren GEMA-Tantiemen eher durch Sozialpreise im Catering aus? 2008 gab es auch schon gigantisch guten Kuchen für 1 Euro das Stück.—

    BS: Dann ist es so, daß der potenzielle Auftraggeber sich fragen würde, warum er mit dem Honorar, das er aus seinen woher auch immer gespeisten Mitteln bereitstellt, der ganzen Musikwelt die Nutzung des Werkes schenken sollte?

    JK: Wovon redest Du? Ist das jetzt anders? Das Extremste was ich bislang erlebt habe war dass ein Ensemble das alleinige Spielrecht für zwei Jahre einbehielt, Radiostationen als Auftraggeber haben meist das Erstesenderecht, mehr nicht.

    BS: Ja, eben – es ist jetzt anders. Der Auftraggeber zahlt meist relativ wenig auf der Basis der Annahme, daß er die Arbeit des Komponisten eher symbolisch honoriert und daß der Komponist sich die Differenz zum eigentlich „verdienten“ Honorar im Lauf der Jahre und Jahrzehnte durch Nachverwertungen des Werkes einspielt, weil er von jeder weiteren Nutzung Tantiemen erhält. (Notabene muß auch der Auftraggeber die Rechte für UA und Erstsendung extra über die GEMA erwerben und berappen, und das ist auch gut so. Was der Auftraggeber lediglich erhält, ist das Recht, daß der Komponist das Werk nicht vor der Uraufführung jemand anderem zur Aufführung überlassen darf und eine eventuelle Exklusivität für einen Zeitraum oder eine Anzahl von Aufführungen. Das muß man fein auseinanderhalten).

    Gehen wir mal davon aus, daß es andersherum wäre, also von deinem Buy-Out-Modell: Der Komponist bekommt seine tatsächliche Arbeitszeit angemessen entlohnt und gibt damit das Produkt seiner Arbeit dem Auftraggeber zur völlig freien Nutzung auf unbestimmte Zeit. Sagen wir, ein Komponist ist ein Spezialist mit einem Fachhochschulabschluß (das ist ja eine Musikhochschule) und gönnen wir ihm ein Monatseinkommen von 3000 Euro brutto mit allen sozialen Tarifen, wie sie im normalen Arbeitsleben existieren (Durchbezahlung, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, Urlaubs- und Weihnachtsgeld), also was zwischen 35 und 40000 Euro im Jahr. Soviel verdient, glaube ich, etwa ein C2-Prof (Einsteiger) an einer Fachhochschule o. dgl. (oder ein Berliner Busfahrer, sofern er noch einen Altvertrag hat – wenn ich mich recht erinnere). Ist natürlich immer schwer, das mit Kunst zu vergleichen, aber es soll ja nur ein Szenario sein.

    Gehen wir des weiteren davon aus, daß dieser Komponist an einem Kammermusikwerk 2 Monate Vollzeit arbeitet (also wie ein Arbeitnehmer: 40-45 Wochenstunden, wobei ich jetzt einberechne, daß der Komponist i. allg. keinen unbezahlten Arbeitsweg hat), das ist ein angenommener Durchschnittswert. Er müßte dann also dafür ein Honorar von ca. 6000 Euro bekommen. Für ein Ensemblestück (4 Monate) wären das 12000, für ein Donaueschingen-Orchesterwerk (1 Jahr) 36000 Euro. Es gibt möglicherweise Komponisten, die solche Honorare erhalten, aber das dürften definitiv Ausnahmefälle sein. (Der Ungerechtigkeitsfaktor, der darin besteht, daß manche Komponisten auch nur 2 Wochen und andere vier Monate an einem Quintett o. dgl. arbeiten, läßt sich mit keinem Modell ausgleichen).
    Mit anderen Worten und so leid es mir tut: das Konzept ist in der Realität nicht durchzusetzen – bzw. wenn es das gäbe, z.B. über eine Gebührenordnung für Komponisten, die solche Mindestsätze verbindlich vorschreibt, würde es nur dazu führen, daß noch weniger Aufträge vergeben würden, und wenn, dann sicher nur an solche Komponisten, wo der Auftraggeber sich aber ganz sicher sein kann, daß er damit ein volles Haus bekommt und internationale Presse. Welche Komponisten also davon profitieren würden, kann man sich ausdenken.—

    BS: Und schließlich: was tut der Komponist C, der einfach so mal ein Stück schreibt, ganz ohne Honorar, vielleicht für einen tollen Musiker, den er kennt, und der zwar kein Honorar zahlen kann, aber die Nummer dafür häufig spielt und vielleicht auch mal auf CD aufnimmt etc.? Soll dieser Komponist dann das Stück auch komplett freigeben, obwohl er gar keinen “Auftrag” dafür hatte?

    JK: Dafür sollte es Stiftungen geben (gibt es auch, z.B. den Hauptstadtkulturfonds), aber das müsste freilich noch wachsen.

    BS: Der Ruf nach irgendwelchen Stiftungen, die was regeln sollen, verhallt meist ungehört und ist auch ein wenig wohlfeil. Das Mäzenatentum ist hierzulande eher eine Ergänzung zur staatlichen Kulturförderung (was weder das eine noch das andere in irgendeiner Weise ab- oder aufwerten soll). Die meisten Stiftungen fördern gerade solche Szenarien nicht (der HKF ist das schlechteste Beispiel, denn der ist „nur“ für richtig große Projekte da). Für ein 10-Minuten-Solo, das im BKA uraufgeführt wird, braucht man bei den meisten einschlägigen Stiftungen gar keinen Antrag zu stellen, das ist nicht groß und sexy genug.
    Wenn man mal davon ausgeht, daß man als nicht so berühmter Komponist für so ein Solostück einen knappen Tausender verlangen könnte (wenn er denn ein Honorar bekäme), hätte man den Gegenwert dieses Honorars nach aktuellen GEMA-Sätzen mit ca. 30-50 Aufführungen irgendwann eingespielt (wohlgemerkt über die gesamte verbleibende Lebenszeit) – das ist nicht so unrealistisch. Nach deinem Modell könnten es sich nur noch Leute leisten, auch mal was ohne Honorar zu machen, die a) mit Stipendien überhäuft werden und/oder b) reiche Erben sind und/oder c) von was anderem leben und in der Freizeit komponieren und/oder d) so brillant vernetzt sind, daß sie für jedes Stück, daß sie schreiben, irgendwoher auf Knopfdruck Geld bekommen. Der Lebensentwurf des freischaffenden Komponisten im emphatischen Sinn wäre in deinem System noch erheblich schwieriger umzusetzen als ohnehin schon, zumal bei solchen Leuten, die zwar älter sind, als es die meisten nicht projektgebundenen Fördermodelle (Stipendien, Preise) erlauben, aber trotzdem keine Lust haben, jetzt den frustrierten Tonsatzlehrer zu machen.—

    BS: Ich denke nach wie vor, daß an dem Grundsatz nicht gerüttelt werden sollte, daß die wie auch immer geartete Nutzung eines Musikwerkes, das mit künstlerischem Anspruch, “handwerklichem” Können und schlichtem Arbeitsaufwand hergestellt wurde, auch vergütet werden muß.

    JK: Das ist in digitalen Zeiten nun mal nicht mehr haltbar. Musik kann mühelos vervielfältigt werden (und die Leute tun es (außer Dir..), darum ja die Diskussionen; und für die Verbreitung von Kultur ist das ja grundsätzlich erst mal höchst begrüßenswert), also denken wir über neue Möglichkeiten der Vergütung nach.

    BS: Das Argument – etwas soll getan werden (dürfen), nur weil es technisch möglich ist – scheint mir nachgerade inhuman. Da fallen mir ein paar fiese polemische Überzeichnungen ein („Genmais geht, also pflanzen wir ihn“ ist noch die harmloseste), mit denen man das leicht entkräften könnte. Ich würde eher sagen: gerade deshalb, weil die Vervielfältigung so mühelos ist, muß man umso genauer aufpassen, wie man das gute Recht des einen, mit dem Material arbeiten zu wollen, mit dem ebenso guten Recht des anderen, nämlich sein eigenes Material vor unbegrenztem und ungewolltem Gebrauch durch andere zu schützen, zum Ausgleich bringt. Nach meiner bescheidenen Kenntnis der Philosophie, auf der unser Rechtsdenken beruht, ist in solchen Fällen das Rechtsgut des „Angegriffenen“ tendenziell eher vor dem „Angreifer“ (dem Nutzen-Woller) zu schützen. Das gilt umso mehr, als es ja jedem zu Gebote steht, sich mit den verfügbaren technischen Mitteln selbst was zu bauen. Wenn ich aber die „Zugkraft“ (wie es so schön heißt) eines fremden Werkes nutzen will, ist es auch legitim, daß ich dafür was abdrücke – oder zumindest eine Genehmigung einhole.

    —Das Problem, das ich mit deinem Vorschlag habe, ist aber vorderhand gar nicht nur materiell/rechnerisch, sondern auch künstlerisch. Die Idee bevorzugt nämlich die Massenproduktion von Stücken, die nur eine oder wenige Aufführungen erleben. Wir haben aber doch jetzt schon viel zu viele Uraufführungen, und viel zu wenig davon wird nachgespielt. Natürlich gibt es, wie zu allen

    JK: Ich würde sagen: schlimmer gehts nimmer. Komponisten komponieren nun mal dauernd, obwohl ein einmaliger “Hit” (aber den hat halt keiner) das Auskommen eine Weile sichern könnte. Meinem Modell ginge es aber immer noch darum, dass es ja über Aufträge läuft, und es wird eben nicht alles bewilligt. Und eine gewisse qualitative Konstanz hat ein Komponist ja meist, also ganz überraschende Resultate gibt es bei Aufträgen nun doch nicht.

    BS: Ja, aber du weißt wohl, daß es schon jetzt im Grunde zu wenig Gelder für Aufträge gibt. Davon abgesehen wird ja auch oft die Vermutung geäußert, daß – auch wenn es viele großartige und lobenswerten Auftraggeber und Stiftungen gibt, die sich immens Gedanken um ihre Fördermaßnahmen machen — Aufträge und Förderungen bisweilen auch nach Kriterien vergeben werden, die nicht immer den höchsten Ansprüchen an Qualität des Projekts und Transparenz des Verfahrens genügen. Sodann ist nicht von der Hand zu weisen, daß ein gut dotierter Auftrag niemals automatisch auch ein gutes Stück generiert.
    Demgegenüber würde ich mal ganz forsch behaupten, daß zwar auch manch schlechteres Stück häufiger gespielt wird, als es einem lieb sein kann, daß aber die meisten echten Repertoirewerke der klassischen Moderne wie auch der Avantgarde (wo ein Stück ja leider meist mit der zweiten Aufführung schon fast zum Repertoire zählt) auch wirklich gut sind. Die Interpreten zeitgenössischer Musik sind so intelligent und geschmackssicher, daß sie letztlich, wann immer sie Einfluß auf die Programmgestaltung haben, gute Stücke häufiger spielen. Wenn mancher Veranstalter sich konsequenter nach den Vorstellungen der Interpreten richten würde, hätten wir eventuell noch viel mehr gute Konzerte.—

    BS: Komponist A schreibt für ein marktübliches Honorar ein marktübliches Stück, das wird einmal gespielt, einmal gesendet und dann vielleicht zu seinem 70. nochmal, und das war’s. Komponist B schreibt für das gleiche Honorar ein hervorragendes Stück, das ein Repertoirewerk wird und jedes Jahr mehrere Aufführungen und Sendungen erlebt: Wir sind uns hoffentlich einig darin, daß Komponist B einen höhern materiellen Ertrag verdient hätte, aber nach deiner Idee nicht bekommt, weil er ja mit dem Honorar das Stück mit Haut und Haaren verkloppt hat.

    JK: Ist zugegeben ein Problem; moralisch bin ich ja der Ansicht, dass nun mal Arbeitszeit gerecht bezahlt werden soll, das betrifft etwa auch den Lohn eines Lehrers und den eines Managers, beides Akademiker, aber viel zu differente Gehälter.
    Für die Kunst kann es gut oder schlecht sein; wenn nicht der Druck besteht, dass es oft gespielt werden muss, kann das den Mut ebenso fördern wie die Selbstgefälligkeit. Wenn es nun nachher oft gespielt wird, ja, dann wäre das natürlich nett wenn der Komponist dafür mit mehr als Ruhm belohnt würde – andererseits: wie wäre es mit einem neuen Kompositionsauftrag als Belohnung, damit er ein weiteres tolles Stück schreibt?

    BS: Schließt denn das eine das andere aus? Oft passiert es ja auch nach dem Peter-Prinzip: ein Komponist, der einige gute Stücke geschrieben hat, bekommt so viele Aufträge, bis er mit dem Liefern in der gewohnten Qualität nicht mehr nachkommt. Diese Tendenz würde in deinem „System“ noch verstärkt: die Auftraggeber müssen viel höhere Honorare zahlen – sie verlassen sich auf das Bewährte – ein Komponist, die bestimmte Vorstellungen bedient und wenig ästhetisches Risiko eingeht, bekommt die meisten der wenigen Aufträge, die noch vergeben werden – dieser Komponist liefert zu viel in zu kurzer Zeit, so daß die Qualität leidet, oder er macht zumindest immer wieder das Gleiche – die Kritik merkt es auch irgendwann und es wird immer mehr darüber gemeckert – man sucht nach einem neuen Komponisten, der die gleichen Kriterien erfüllt, aber noch mehr Zeit hat und „unverbraucht“ ist – die Nummer geht von vorne los.

    Versteh mich nicht falsch: Aufträge sind was Tolles, man fühlt sich als Komponist erwünscht und unterstützt und kann oft trotz der damit verbundenen Vorgaben Herzensprojekte damit realisieren. Aber eine Mischfinanzierung aus Honoraren bzw. Stipendien/Projektförderung und Tantiemen ist einfach viel sinniger als der Zwang, seine Stücke möglichst teuer an einen Auftraggeber verkaufen zu müssen und hinterher nichts mehr von den Einspielergebnissen zu haben, zumal keine dieser Säulen alleine eine echte Existenzgrundlage ist.

    JK: Ich weiß, hier wird es schwierig, aber mein Vorschlag kommt (nein, nicht nur aus der persönlichen Situation) weil hier riesige Probleme geschildert werden und nach neuen Ansätzen geradezu schreien. Ich bin nicht restlos überzeugt, aber glaube zumindest daran, dass etwas in die von mir angedeutete Richtung nicht “eine schlechte Praxis durch eine andere ersetzt”.

    BS: Tja, es wird aus meinen Argumenten jedenfalls klar geworden sein, daß ich genau das befürchte. „Don’t try to fix anything unless it is really broken“ – aus deiner Sicht ist die Lage so, daß man auch mit den abstrusesten Reparaturversuchen nichts mehr verschlimmern kann. Aus meiner Sicht ist das Prinzip tragfähig und bedarf eher der Korrekturen im Detail.

    JK: Grundsätzlich bin ich ohnehin der Ansicht (die digitale Revolution verdeutlicht das nur), dass das Konzept “Urheber” äußerst fraglich ist. Ein Musikstück besteht zu 90% aus Übernommenem, selbst ein Beethoven steht noch auf den Schultern von anderen Riesen. Jeder Klavierton ist schon ein Meisterwerk – soll der Klavierbauer auch noch bis 70 Jahre nach seinem Tod für jeden gespielten Ton seinen Anteil bekommen (und für jede kopierte Aufnahme, also auch das immaterielle Sample)? Hätte sich Schönberg die Zwölftontechnik patentieren lassen sollen? (Dann dürften wir alle ab 2021 zwölftönig komponieren, außer wer sich die Lizenzen leisten könnte.) Seien wir so ehrlich, wir nehmen von anderen viel (auch Du, Benjamin!) und sollten es darum auch wieder geben, nachdem wir ein anständiges Honorar für die Arbeitszeit bekommen haben. Dass entwertet das ästhetische Niveau nicht im Geringsten, diese Sprüche taugen wirklich null. Oder ist umgekehrt Bohlens Musik ästhetisch so hochwertig wie ihr monetärer Erlös?

    BS: Ja, mit dem Übernommenen hast du natürlich recht, das gilt immer und überall, aber das ist in der Praxis so allgemein, daß es wenig hilfreich erscheint. Jeder profitiert davon, daß mal jemand das Rad erfunden hat. Trotzdem ist es korrekt, daß jemand, der aus zwei von den Teilen und noch ein paar Stangen, die er sich selbst ausgedacht hat, ein Fahrrad baut, dann von der Erfindung des Fahrrades profitiert (der wo das Auto erfunden hat gehört IMHO in eine Schüssel mit Haferschleim getunkt, aber das ist eine andere Story). Ich bin der letzte, der behaupten würde, daß ich ein Originalgenie sei, der alles selbst ausgedacht hat, im Gegenteil. Und genau deshalb bin ich auch der Meinung, daß zumindest diejenigen Kollegen, die seit der Erfindung des Urheberrechtes komponiert haben, davon was haben sollen. Ich habe übrigens mal die Korrespondenz zwischen Beethoven und seinen Verlegern gelesen – der hat wie ein Roßtäuscher getrickst und verhandelt, um seine Stücke so teuer wie möglich zu verkloppen, weil er wußte: wenn sie erst einmal gedruckt sind, sieht er keinen Heller mehr davon und der Verleger streicht alles ein. Da haben wir es heute schon besser, und wir müssen unsere Stücke auch nicht irgendwelchen Fürsten widmen, weil die uns mal einen Monat lang ausgehalten haben. Im Grunde könnte man deine Vorschläge, so gesehen, fast zu einem Plädoyer für den Rückfall in einen kulturellen Feudalismus weiterdenken – das hast du aber ganz gewiß nicht so gemeint.

    Was Bohlen angeht: Ich bin (mit dir?) der Ansicht, daß da Qualität und Erlös in einem krassen Mißverhältnis stehen. Aber wenn man über über Kunst als Wirtschaftsgut redet, muß man auch klar sehen, daß ein Teil des Erlöses darüber gesteuert wird, wie viele Leute den Krempel kaufen und hören wollen. Da ein Song von Modern Talking hunderttausendemale so oft gespielt wird wie ein Klavierstück von Lachenmann, verdient der Bohlen daran natürlich mehr. ABER – durch das GEMA-Abrechnungsprinzip bekommt Bohlen für die jeweils einzelne Aufführung nur einen Pfennigbetrag und Lachenmann x-mal soviel. Das ist meines Erachtens gar nicht so doof gedacht. Die Ungerechtigkeit besteht also weniger zwischen Bohlen und Lachenmann, sondern vielmehr zwischen Bohlen und einem hundsbegabten Independent-Songwriter, dessen Stücke kaum häufiger im Radio kommen als deine und meine und der trotzdem nur ein paar Cent dafür kriegt, weil seine Musik als „U“ eingestuft wird, während ich schon von einer Rundfunksendung eines Kammermusikstückes meine Liebste mal zum Essen einladen kann (jedenfalls in Berlin(aber nicht nur zu Konnopke)).

    Würde man die Trennung zwischen U und E aufheben, wäre die Ungerechtigkeit zwischen Bohlen und Lachenmann noch größer, weil der Lachenmann dann auch nur noch ein paar Krümel für seine Klavierstücke bekäme – ohne daß die Ungerechtigkeit zwischen Bohlen und dem unbekannten Songwriter auch nur ein Stückchen geringer würde. Beide Ungerechtigkeiten hat nicht die GEMA geschaffen und nicht das Urheberrecht, sondern die Menschheit im ganzen in ihrer Gleichzeitigkeit von Größe und atemberaubender Dummheit.

    Viele Grüße
    Johannes

    Ebenso,
    B.

  66. Pèter Köszeghy sagt:

    @Benjamin: nicht schlecht. Nicht schlecht. Pèter

  67. Lieber Benjamin,
    danke für die ausführlichen Entgegnungen. Ich möchte darauf noch mal eingehen. Damit es jetzt wenigstens nur 6,5 Janson werden (unsere Debatte ist zumindest insofern bereits fruchtbar als wir die definitive Messeinheit für die Größe von Blogkommentaren gefunden haben >8)) versuche ich, nur die Kernsätze von Dir zu zitieren. Sollte dabei doch ein wichtiger Aspekt übergangen worden sein bitte ich um freundliche Anmahnung. Einen Schuss Polemik sei im Folgenden auch mir zugestanden.

    Vielleicht erst grundsätzlich: Unsere Statements verfehlen einander etwas. Weil Du zwar den „Hintergrund der aktuellen kulturellen Situation“ geltend machen möchtest, aber eben die jetzigen Probleme, an die mein „idealer“ Vorschlag gerichtet ist, konsequent ausklammerst. Ich rufe nur kurz ins Gedächtnis:

    -nahezu komplettes Wegbrechen des Tonträgermarktes durch das Internet und Konkurrenz fürs angestammte Radio durch Podcasts
    -Kneipen und Sender steigen auf CC-Musik um, auch immer mehr Stipendien geben CC zur Bedingung
    -allgemeines Unbehagen an der GEMA (Petition)
    -das notorische „Geschäftsmodeller“-Problem
    -und dann noch die allgemein wachsende Sensibilität für die Fragwürdigkeit des „Originals“ und Zunahme der Remix-Kultur

    Wie leider öfter hier werden nur die Lösungsvorschläge laut kritisiert, der alternativen Vorschläge enthält man sich dagegen stillschweigend. So liest sich aus Deinen Entgegnungen auch nur ein Einigeln ins Irgendwie-weiter ähnlich der Musikindustrie, und wie es der nun ergeht ist bekannt.
    Der grundsätzliche Unterschied liegt dabei in diesem Satz von Dir:

    Aus meiner Sicht ist das Prinzip tragfähig und bedarf eher der Korrekturen im Detail.

    Da, glaube ich, unterschätzt Du die Problemlage massiv. Ich habe schon von GEMA-Leuten den Satz gehört: „Uns gibt’s in fünfzehn Jahren eh nicht mehr“. Nun, auch wenn es Deiner Ansicht nach nur um ein paar kleine Umjustierungen geht: Nenne Sie doch bitte (oder Pèter, et al.), angesichts der genannten Probleme.

    Der andere grundsätzliche Unterschied ist die defensive Haltung. Man liest bei Dir die Stimmung heraus „alles-Neue-kann-nur-schlechter-als-das-Bestehende-sein“. Das betrifft das häufig ins Feld geführte „Aufträge werden eh schon schlecht bezahlt“/“warum sollten Auftraggeber mehr bezahlen“/“Ruf nach Stiftungen verhallt“ o.ä. Du verkennst meinen vertretenen Ansatz. Würde man eine Kulturflatrate erheben, gäbe es einen riesigen Geldbatzen! Und den wird man nicht nach angeblichen Downloadzahlen verteilen können, diese Digitalüberwachung samt Manipulationsklicks wird unmöglich sein. Stattdessen wird man sich Gedanken darüber machen, was wirklich Kultur ist! –Dazu am Ende wieder– Warum sollte alles schlechter werden? Ich möchte meinen, dass wir das Schicksal in der Hand haben. Alles wird nur schlechter, wenn nichts getan wird! Wir sollten nach wie vor ‚Avantgarde‘ sein.

    BS: Hm. Warum soll es kulturfeindlich und überzogen sein, daß ein Kunstwerk ein Schutzfrist genießt, die über den Tod des Künstlers hinausgeht? Das ist doch im Gegenteil

    Wenn aber, und die Tendenz ist schwer zu leugnen, die Remix-Kultur immer mehr zunimmt? Das Internet mit den a) riesigen Archiven der Menschheit und den b) freien Programmen zum künstlerischen Umgestalten fördert diese Kultur extrem (und mir ist es eine Freude, was da rauskommt). Das ist die andere Seite, und von da betrachtet ist Schutz-bis-70-Jahre-nach-Tod-Regelung zwar nicht hinfällig, aber doch sehr eingeschränkt als kulturfördernd zu sehen. Ich würde ja noch verschärft sagen: Wir können heutzutage kaum noch anders als remixen (vom Selbstzitat noch zu schweigen). Und Du selber sagst:

    sehr kultiviert gedacht: es wird etwas geschützt, obwohl es sich um ein nicht-materielles Gut handelt. Das ist als solches ja empfindlicher, u.a. weil der Nachweis der Besitzstörung viel schwieriger zu führen ist (wenn ich dir dein Auto klaue, mußt du nicht erst nachweisen, daß das Auto wirklich geklaut wurde. Wenn ich dir eins von deinen 70.000 Samples klaue, gibt es eventuell einen komplizierten Urheberrechtsprozeß, der so oder so ausgehen kann, je nachdem welchen Gutachtern der Richter folgt).

    Ja, man wird sensibler für die Fragwürdigkeit des „Originals“ und der singulären Autorschaft. Der jetzige Zustand ist dem nicht mehr gewachsen, so wenig wie die nicht mehr enden wollenden Abmahnwellen der Musikindustrie der Lage Herr werden.

    Sieh es doch mal so: viele junge unbekannte und materiell nicht sehr gut gestellte Komponisten haben wenigstens was davon, daß der Musikbetrieb vom geschützten Repertoire vor allem die klassische Moderne spielt. Das ist

    Vielleicht verstehe ich da was nicht, aber wenn dann profitieren die E-Musiker doch noch von den U-Granden wie Elvis, oder? Jedenfalls hast Du mit der generösen E-U-Umverteilung natürlich Recht und so gesehen ist auch die lange Verwertungszeit hilfreich, außer dass ich das Unbehagen nicht loswerde, wenn ich um jede verkaufte Bohlenplatte froh sein muss weil mir seine Gnaden Fürst Dieter was davon abtritt.

    BS: Und schließlich: was tut der Komponist C, der einfach so mal ein Stück schreibt, ganz ohne Honorar, vielleicht für einen tollen Musiker, den er kennt, und der zwar kein Honorar zahlen kann, aber die Nummer dafür häufig spielt und vielleicht auch mal auf CD aufnimmt etc.? Soll dieser Komponist dann das Stück auch komplett freigeben, obwohl er gar keinen “Auftrag” dafür hatte?

    Gegenfrage: Was, wenn einer ein Stück elektronische Musik einfach so komponieren und ins Netz stellen will, wie nützt ihm da der Status Quo? Er muss selber noch der GEMA dafür zahlen, dass er sein eigenes Stück publiziert. Nach meinem Vorschlag hätte er die Chance einer Projektförderung. Aber zu Deinem Beispiel: Wenn es also ein nicht so berühmter, vielleicht ein junger Komponist ist, der das Solostück aus freien Stücken schreiben will – was nutzt ihm für sein Stück der Tausender, den er über sein ganzes Leben verteilt bekommt? Nach meinem Modell hat er den Tausi gleich.

    Der Lebensentwurf des freischaffenden Komponisten im emphatischen Sinn wäre in deinem System noch erheblich schwieriger umzusetzen als ohnehin schon, zumal bei solchen Leuten, die zwar älter sind, als es die meisten nicht projektgebundenen Fördermodelle (Stipendien, Preise) erlauben, aber trotzdem keine Lust haben, jetzt den frustrierten Tonsatzlehrer zu machen.—

    Nur nebenbei: Kunst machen und Wissen darüber vermitteln ist sehr sinnvoll und ehrenwert; wen das frustriert ist selber schuld. Außerdem ist der, der nebenher noch ein festes Gehalt für eine „normale“ Berufstätigkeit erhält, letztlich der freiere Künstler, da seine Kunst ökonomisch unabhängiger ist (Extrembeispiel: Der ungemein radikale Charles Ives).

    BS: Das Argument – etwas soll getan werden (dürfen), nur weil es technisch möglich ist – scheint mir nachgerade inhuman. Da fallen mir ein paar fiese polemische Überzeichnungen ein („Genmais geht, also pflanzen wir ihn“ ist noch die harmloseste), mit denen man das leicht entkräften könnte.

    Du machst es Dir leicht, wenn Du das Argument verfälschst. Nicht die technische Machbarkeit allein zählt, sondern dass sie nicht in der Hand von ein paar Kriminellen liegt; stattdessen praktizieren sie Millionen! So was nennt man einen demokratischen Prozess. Millionen kann man nicht, außer bei völkerrechtlichen Verstößen, in einer Demokratie kriminalisieren (Gott sei Dank!). Und so kommt es: Eine große Partei, die auch schon in unserer Regierung saß, hat die Kulturflatrate mittlerweile im Programm.

    —Das Problem, das ich mit deinem Vorschlag habe, ist aber vorderhand gar nicht nur materiell/rechnerisch, sondern auch künstlerisch. Die Idee bevorzugt nämlich die Massenproduktion von Stücken, die nur eine oder wenige Aufführungen erleben. Wir haben aber doch jetzt schon

    Bitte mal Hand aufs Herz: Welcher Komponist, außer den paar Altmeistern (die eh Pensionäre sind) kann sich auf den monetären Lorbeeren seiner Tantiemen ausruhen? Und selbst wenn es so sein sollte – wer legt denn schon mal eine längere Schaffenspause ein (von eingestandenen Schaffenskrisen zu schweigen)? Wer verzichtet ob des jetzt bestehenden UA-Wahns freiwillig aufs Neuproduzieren? In Gottes Namen: Der Busfahrer kann auch nur wenn er spart mehr als Urlaub machen. Und man kann auch sagen: Wer sich nicht auf den Tantiemen ausruhen kann, muss weiter gute Musik schreiben; künstlerisch kann ich das begrüßen!

    Demgegenüber würde ich mal ganz forsch behaupten, daß zwar auch manch schlechteres Stück häufiger gespielt wird, als es einem lieb sein kann, daß aber die meisten echten Repertoirewerke der klassischen Moderne wie auch der Avantgarde (wo ein Stück ja leider meist mit der zweiten Aufführung schon fast zum Repertoire zählt) auch wirklich gut sind. Die Interpreten zeitgenössischer Musik sind so intelligent und geschmackssicher, daß sie letztlich, wann immer sie Einfluß auf die Programmgestaltung haben, gute Stücke häufiger spielen.

    Die Fälle gibt es fraglos, leider aber auch sehr oft das Gegenteil. Arnos Aufsatz hat da Manches beleuchtet, Stichwort leichte Spielbarkeit z.B.. Demgegenüber wurde Lachenmanns Meisterwerk „Kontrakadenz“ erst rund 30 Jahren nach der UA ein zweites Mal gespielt, die ‚unspielbaren‘ Komplexisten jammern ständig etc.

    Oft passiert es ja auch nach dem Peter-Prinzip: ein Komponist, der einige gute Stücke geschrieben hat, bekommt so viele Aufträge, bis er mit dem Liefern in der gewohnten Qualität nicht mehr nachkommt. Diese Tendenz würde in deinem „System“ noch verstärkt: die Auftraggeber müssen viel höhere Honorare zahlen – sie verlassen sich auf das Bewährte – ein Komponist, die bestimmte Vorstellungen bedient und wenig ästhetisches Risiko eingeht, bekommt die meisten der wenigen Aufträge, die noch vergeben werden – dieser Komponist liefert zu viel in zu kurzer Zeit, so daß die Qualität leidet, oder er macht zumindest immer wieder das Gleiche – die Kritik merkt es auch irgendwann und es wird immer mehr darüber gemeckert – man sucht nach einem neuen Komponisten, der die gleichen Kriterien erfüllt, aber noch mehr Zeit hat und „unverbraucht“ ist – die Nummer geht von vorne los.

    Das ist eine zu negative Sicht der Dinge. Freilich gibt es Probleme mit dem Auftragswesen, aber letztlich ist es doch fast immer Qualitätsselektion; wenn nicht beim Festivalmacher, dann bei den Musikern.

    BS: Ja, mit dem Übernommenen hast du natürlich recht, das gilt immer und überall, aber das ist in der Praxis so allgemein, daß es wenig hilfreich erscheint.

    stimmt, für die gegenwärtige Praxis ist es sogar mehr noch als nicht hilfreich; es ist destruktiv:

    Ich bin der letzte, der behaupten würde, daß ich ein Originalgenie sei, der alles selbst ausgedacht hat, im Gegenteil. Und genau deshalb bin ich auch der Meinung, daß zumindest diejenigen Kollegen, die seit der Erfindung des Urheberrechtes komponiert haben, davon was haben sollen.

    Man soll also der gestiegenen Sensibilität für die differenzierte Autorschaft gemäß abrechnen? Dem Lachenmann für alle Geräuschenergetik, den Schönbergerben für alle emanzipierten Dissonanzen, den Instrumentenbauern (bislang: „total-buyout“-Loser) für ihre schönen Klänge? (usw.)

    übrigens mal die Korrespondenz zwischen Beethoven und seinen Verlegern gelesen – der hat wie ein Roßtäuscher getrickst und verhandelt, um seine Stücke so teuer wie möglich zu verkloppen, weil er wußte: wenn sie erst einmal gedruckt sind, sieht er keinen Heller mehr davon und der Verleger streicht alles ein. Da haben wir es heute schon besser, und wir müssen unsere Stücke auch

    Naja, die Verteilungskämpfe sind nur verlagert. Ich habe Darmstadt zuletzt gemieden wegen der dortigen Ellenbogenmentalität. Da mache ich mir keine Illusionen.

    nicht irgendwelchen Fürsten widmen, weil die uns mal einen Monat lang ausgehalten haben. Im Grunde könnte man deine Vorschläge, so gesehen, fast zu einem Plädoyer für den Rückfall in einen kulturellen Feudalismus weiterdenken – das hast du aber ganz gewiß nicht so gemeint.

    Dann müsstest Du den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, dem wir alle das meiste verdanken, auch einen solchen Rückfall nennen.

    Man kann es auch so sehen: Bislang haben wir ein ökonomisch reguliertes System, bei dem nur dank E-U-Umverteilung die „Guten“ gnädigerweise was Einträgliches abkriegen und immer in Abhängigkeit bleiben (pointiert gesagt: Jedes bei der GEMA angemeldete E-Stück ist „Fürst Dieter“ gewidmet). Nun kommt aber, technologisch angestoßen, ein Systemvorschlag in die allgemeine Diskussion, der die „Kultur“ schon im Namen trägt! Wen man soweit mal idealisieren darf: Bislang ist Privatfernsehen, das den Alexander Kluge zur nächtlichen Stunde auch mal zähneknirschend ranlässt, die Zukunft könnte öffentlich-rechtlicher Rundfunk sein! Natürlich gibt’s da tausend Probleme, aber eines ist absolut: die Öffentlich-rechtlichen sind tausend mal besser als die Privaten.
    Die Zukunft muss nicht schlechter sein, und mit Moritz sage ich auch, dass die Komponisten selber dafür große Verantwortung tragen, vor allem ästhetisch. Reden wir darüber, was „Kultur“ ausmacht, wenn dafür Gelder gesammelt werden. (Wer die Kulturflat ja am meisten verteufelt ist die Musikindustrie, denn die weiß genau dass sie nur zu sehr kleinem Teil einen wirklichen Kulturauftrag erfüllt.) Die GEMA kann oder soll hier gerne als schon vorhandene Infrastruktur dienen; übrigens stehe ich mittlerweile auch in konstruktivem Kontakt mit der GEMA. Letzte Gerechtigkeit gibt’s natürlich nicht, aber Verbesserungsmöglichkeiten sehr wohl.
    Die Kulturflatrate ist ja partiell schon Praxis, bei der Leermedienabgabe, nur dass hier noch falsch, nämlich etwa gemäß normaler CD-Käufe, verteilt wird. Aber da zeigt sich schon, dass anders als mit Pauschalabgaben den neuen Medien nicht beizukommen ist. Oder es gibt in diesem Land eine Filmförderung, obwohl nur jeder 10. Film den kommerziellen Break-Even schafft. Ohnehin, es sind einfach zu wenige die von der GEMA was Nennenswertes kriegen, die allermeisten hangeln sich doch ihr halbes Leben durch Stipendien, so sie nicht unterrichten. Jetzt wird die Zeit Reif für grundlegendere Reformen.

    Herzlich
    Johannes

  68. Benjamin Schweitzer sagt:

    Hallo Johannes,

    ich würde vorschlagen, die Diskussion an diesem Punkt dann nicht noch weiter zu verästeln. Es sind genug Argumente ausgetauscht worden, aus denen kann sich jeder was Meinungsbildendes raussuchen, und es ging uns ja nicht ums „Gewinnen“.

    Ich will nur – nicht, um das letzte Wort zu haben, sondern weil ich das gerne ausdrücklich klarstellen möchte – kurz noch ein paar Dinge auflisten:

    – Ich habe weder Angst vor der Zukunft noch lehne ich Neuerungen grundsätzlich ab noch kann man mich als Apologeten eines wurstelnden „Weiter-so“ bezeichnen.
    Die „defensive“ Haltung meines Beitrags hat sich eher ziemlich natürlich daraus ergeben, daß er eine Antwort auf deinen „offensiven“ war. Wie beim Schach: wenn der eine Weiß hat, kann der andere nur Schwarz nehmen.

    Aber du hast insofern recht, als ich mich tatsächlich vor allem daran abgearbeitet habe, deinen Argumenten etwas entgegenzusetzen. Da hab ich ja jetzt eine Hausaufgabe für den nächsten freien Nachmittag, vielleicht gelingt es mir tatsächlich, mal ein paar Dinge konstruktiv zusammenzufassen.

    – Im Hinblick auf den Bereich von digitaler Nutzung ist das „Flatrate“-Modell möglicherweise eine tragfähige Lösung. Einige deiner Argumente scheinen mir sehr stichhaltig, aber ich traue mir nicht so richtig zu, das zu beurteilen, weil mir in dem Bereich Insider- und Detailkenntnisse fehlen. In diesem Beitrag ging es ja darum, ob man auch die Tantiemenvergütung von Live-Aufführungen im E-Musik-Bereich ersetzen kann, z.B. durch höhere Auftragshonorare. Dem habe ich wortreich widersprochen, aber auch nur dem.

    – Es gibt in der GEMA durchaus eine signifikante Umverteilung von „groß“ zu „klein“ innerhalb des E-Bereiches. Wir stehen also nicht nur auf Dieters Bohlen (5 Euro ins Kalauerschweinchen).
    Selbst wenn dem so wäre, würde sich daran ideell gesehen im Kulturflatrate-Modell nichts ändern, denn 99,99% der Leute würden ihre Flatrate ja auch bezahlen, um eher massengeschmacktaugliche Inhalte zu laden und zu nutzen, und aus diesen Einnahmen würde dann für die Nischenbereiche in U und E was abgezweigt werden.

    (Übrigens: ich bin der Ansicht, daß Internetzugang überall kostenlos sein sollte. Ich war neulich nach langer Zeit mal wieder in Tallinn, und da ist, wie wohl in ganz Estland, überall kostenloses WLAN für alle. Super-Idee. Wenn das so wäre, zahlte ich gerne 5 Euro Kulturflatrate stattdessen.)

    – Mich erstaunt, daß der Autor des Beitrags „Institutionen komponieren“ hier die Praxis der Auftragsvergabe so geradeheraus als Qualitätsselektion bezeichnet. Aber das ist ein schwieriges und heikles Thema, weil es keine „Nicht-Betroffenen“ gibt. Wer Aufträge bekommt (und wer sie vergibt), wird davon ausgehen, daß sie an den Richtigen gehen; wer nicht, wird denken, daß immer nur die anderen was davon haben.

    – Ich wollte das Unterrichten als solches nicht herabsetzen und auch niemanden diskriminieren, der solches tut. Ich habe selbst gerne unterrichtet und freue mich immer riesig, wenn ich Einladungen als Dozent zu Kursen oder für einen Vortrag oder eine Konzertmoderation bekomme.

    Was mich daran frustriert hat, war nicht die Tätigkeit als solche, sondern das geistige und konzeptionelle Umfeld, in der sie gezwungenermaßen zum Teil stattfand (Stichwort: Stellenwert von Musiktheorie, v.a. als Pflichtfach, an [manchen] deutschen Musikhochschulen). Das ist in meiner verkürzten Formulierung nicht so richtig rübergekommen, Verzeihung.

    Richtig unabhängig allerdings wäre man wirklich nur mit dem Modell Charles Ives, also mit einem Beruf außerhalb der ganzen Musikszene. Allerdings hat Ives ja dann auch recht bald einen Herzinfarkt gekriegt, weil er sich so überarbeitet hatte und nur nachts zum Komponieren kam, oder?

    Soviel dazu mit herzlichen Grüßen,

    B.

  69. @ all, @ Benjamin Schweitzer und Johannes Kreidler,

    Schweitzer:

    Ist auch ziemlich lang geworden (etwa 2,5 Janson)

    Kreidler:

    Damit es jetzt wenigstens nur 6,5 Janson werden (unsere Debatte ist zumindest insofern bereits fruchtbar als wir die definitive Messeinheit für die Größe von Blogkommentaren gefunden haben >8))

    Danke zunächst mal für Euer nettes Kompliment, dass ihr nach meinen Texten nun die ultimative „Bad Blog“-Blogging Maßeinheit eingeführt habt.
    Wenn es jedoch um Substanz und Potentiale für einen konstruktiven und dabei kritischen Diskurs über Neue Musik und den Erhalt von Unabhängigkeit der Kunstmusik geht, dann müsst Ihr beide noch etwas üben, bzw. vor allem Johannes Kreidler, um hier mit anderen mit halten zu können.

    Drum möchte ich auch hier gar nicht viel Text verwenden
    (also heute vielleicht 2 Janson, das reicht schon um Kreidlers 8 Janson qualitativ zu übertreffen):

    Benjamins Argumentationen sind mir durchweg schlüssiger und sympathischer, weil sie mehr vom Ist-Zustand ausgehen
    und sich nicht zu sorglos mit dem „Was wäre wenn?“ umgehen. Dazu vielleicht später nochmal mehr.

    Bei Kreidler wieder der Unterton (nichts Neues), der für vorauseilende Selbst-Schwächung der GEMA und insbesondere der Belange und Rechte der E.-Komponisten (insbes. Neue Musik) plädiert mit den immergleichen Scheinargumenten:
    -Die Remix-Kultur nehme sowieso zu also am besten direkt sich dem beugen und das Phänomen als gegeben und unabänderlich betrachten (er schließt von seinem Ideal auf die Allgemeinheit)
    -Alles steige sowieso auf Creative Commons um
    – Tantiemen runter/Angleichung E.- und U. gepaart mit der Naivität dass, wenn einmal die Hochkultur ausverkauft bzw. der Schutz des Weniger-Aufgeführten minimiert ist, dass dann rettende Stiftungen zu „Hilfe“ eilen und dann E.-Komponisten von Aufträgen wieder besser (und gerechter) leben könnten, natürlich nur die Komponisten, die dann kulturpolitisch en vogue sind.
    (Was natürlich die Abhängigkeit des einzelnen Komponisten noch massiv erhöht, Ideologie- oder politisch unabhängiges Schaffen noch unmöglicher macht als jetzt ohnehin schon).

    Die Erwartung(naive Hoffnung) dass mehr Stiftungen anstatt GEMA-Tantiemen für Komponisten (Auftragshonorare) eintreten würden hinkt m.E.insofern als man folgendes bedenken muss: Wenn einmal Mainstream und reine Unterhaltungskultur bzw. die zunehmende reine Funktionalisierung der Musik alleinbeherrschend geworden sind (sie sind es fast schon), dann finden sich innerhalb der Gesellschaft (auch bei den Reichen z.B., den gebildeten Schichte (oder Resten davon) auch immer weniger Leute, denen Kunstmusik überhaupt noch bekannt ist, geschweige denn etwas bedeutet. Und Bildung (im Sinne von geistiger Bildung, Menschenbildung, ästhetischer Bildung, Sensibilisierung) wird gerade bei den oberen Schichten, den Reichen immer mehr hinter andere „Ideale“ zurück treten (

    Ergo wird es auch immer weniger Stiftungen geben in Zukunft, die für Klassische Musik, nicht zu sprechen von Neuer Musik, etwas übrig haben – es gibt ja jetzt schon viel zu wenige!). Es sei denn, es würden staatliche Stifttungen einspringen. Aber: unwahrscheinlich bei der Tendenz der Privatisierung, die wir gerade im Kulturbereich noch immer weiter erleben.

    Die staatlichen Stiftungen, die z.B. von Lotterieeinnahmen gespeist werden, die fungieren jetzt schon immer mehr, um das BESTEHENDE, Großevents im Bereich der Klassik, große Häuser etc. zu retten, um Löcher auszugleichen von andererseits gekürzten ehem. staatl. Kultur-Subventionen. Dies wird sich noch verstärken. Da bliebe nichts übrig für einen Kulturflat-Ausgleichsfonds oder ähnliches.

    Schließlich wieder zum nicht neuen Kulturflatrate-Pro-Argument Kreidlers (gegenüber Schweitzer):

    Du verkennst meinen vertretenen Ansatz. Würde man eine Kulturflatrate erheben, gäbe es einen riesigen Geldbatzen! Und den wird man nicht nach angeblichen Downloadzahlen verteilen können, diese Digitalüberwachung samt Manipulationsklicks wird unmöglich sein. Stattdessen wird man sich Gedanken darüber machen, was wirklich Kultur ist!

    Geldbatzen vielleicht. Aber für WEN?
    Ich fürchte, Herr Kreidler, da unterschätzen Sie doch massiv die Möglichkeiten der Technisierung und vor allem die finanziellen Möglihchkeiten für Überwachung durch diejenigen Kommerziellen und Profiteure, welche diese Möglichkeiten für sich nutzen und ausschöpfen werden. Sicherlich wird man dann die Kulturflat nach Klicks, Downloadraten etc. berechnen, und man wird Manipulationsklicks, die einige übervorteilen (bzw. Betrug) auch nicht so einfach durch Ausgleichsfonds gerecht ausgleichen können. Denn: WEM soll das Zugute kommen? Jeder wird doch dann schreien (ob E. oder U.): Von dem Ausgleich für Manipulationsclicks von Medienkonzert XY wollen WIR aber den größten Batzen haben…

    Es wird eben KEINEN gerechten Kulturflat-Topf geben, aus dem dann z.B. Schwächere gleichermaßen mit profitieren können, bzw. diejenigen, die dies forderten, wären in einer hoffnungslosen Minderheit. Und gerade ist die westliche Kultur ja dabei, die kulturelle Vielfalt und Unabhängigkeit von Minderheiten immer mehr zu fordern
    bzw. vor Bedrohungen bzw. Marginalisierungen der Massenkultur zu schützen.

    Ich habe ja an anderer Stelle die UNESCO-Konvention erwähnt und an anderer Stelle den Link rein gebloggt, wo es auch um den erhalt des Urheberreches neben dem Bewahren von Vielfalt und Minderheitenkulturen gegenüber der Massenkultur, im Zeitalter der Massenmedien geht.
    Problem nur, dass gerade die Amerikaner beispielsweise diese Werte der UNESCO 2005 nicht unterzeichnet haben.

    Und genau dort sitzen auch die meisten und einflussreichsten Provider und diejenigen, die von der Kultur als Massenware, der Yuotubisierung, Googlization und Mc Donaldisierung von Kultur wie sie jetzt IST (und noch immer weiter expandiert, bis auch im abgelegensten Südsee-Atoll ein Mc Donalds steht, in dem dann 2030 als Hintergrundmusik Remixes aus den Boxen dröhnen) am meisten profitieren. Und das Argument, dass man sich – gäbe es erstmal eine „Kulturflat“, sich dann die Leute „automatisch“ wieder Gedanken machen würden, was KUltur ist, was z.B. schützenswert oder erhaltenswert ist, das ist im Zshg. mit diesen Hintergründen und der Bedrohung der abendländisch-europäischen Hochkultur und deren teilweisem Selbst-Ausverkauf (momentan zumindest) höchst unrealistisch und ebenso unkritisch gedacht.

    Daher kann es, so sorglos wie Sie sich dies vorstellen (einfach mal „probieren“, den Urheberrechtsschutz massiv lockern, mehr CC., alles im Bereich Tantiemen auf den Prüfstand stellen) und dann wird schon wieder „Vernunft“ einkehren) so nicht funktionieren.

  70. @ Benjamin Schweitzer und Johannes Kreidler,

    Schweitzer:

    Ist auch ziemlich lang geworden (etwa 2,5 Janson)

    Kreidler:

    Damit es jetzt wenigstens nur 6,5 Janson werden (unsere Debatte ist zumindest insofern bereits fruchtbar als wir die definitive Messeinheit für die Größe von Blogkommentaren gefunden haben >8))

    Danke zunächst mal für Euer nettes Kompliment, dass ihr nach meinen Texten nun die ultimative „Bad Blog“-Blogging Maßeinheit eingeführt habt.
    Wenn es jedoch um Substanz und Potentiale für einen konstruktiven und dabei kritischen Diskurs über Neue Musik und den Erhalt von Unabhängigkeit der Kunstmusik geht, dann müsst Ihr beide noch etwas üben, bzw. vor allem Johannes Kreidler, um hier mit anderen mit halten zu können.

    Drum möchte ich auch hier gar nicht viel Text verwenden
    (also heute vielleicht 2 Janson, das reicht schon um Kreidlers 8 Janson qualitativ zu übertreffen):

    Benjamins Argumentationen sind mir durchweg schlüssiger und sympathischer, weil sie mehr vom Ist-Zustand ausgehen
    und sich nicht zu sorglos mit dem „Was wäre wenn?“ umgehen. Dazu vielleicht später nochmal mehr.

    Bei Kreidler wieder der Unterton (nichts Neues), der für vorauseilende Selbst-Schwächung der GEMA und insbesondere der Belange und Rechte der E.-Komponisten (insbes. Neue Musik) plädiert mit den immergleichen Scheinargumenten:
    -Die Remix-Kultur nehme sowieso zu also am besten direkt sich dem beugen und das Phänomen als gegeben und unabänderlich betrachten (er schließt von seinem Ideal auf die Allgemeinheit)
    -Alles steige sowieso auf Creative Commons um
    – Tantiemen runter/Angleichung E.- und U. gepaart mit der Naivität dass, wenn einmal die Hochkultur ausverkauft bzw. der Schutz des Weniger-Aufgeführten minimiert ist, dass dann rettende Stiftungen zu „Hilfe“ eilen und dann E.-Komponisten von Aufträgen wieder besser (und gerechter) leben könnten, natürlich nur die Komponisten, die dann kulturpolitisch en vogue sind.
    (Was natürlich die Abhängigkeit des einzelnen Komponisten noch massiv erhöht, Ideologie- oder politisch unabhängiges Schaffen noch unmöglicher macht als jetzt ohnehin schon).

    Die Erwartung(naive Hoffnung) dass mehr Stiftungen anstatt GEMA-Tantiemen für Komponisten (Auftragshonorare) eintreten würden hinkt m.E.insofern als man folgendes bedenken muss: Wenn einmal Mainstream und reine Unterhaltungskultur bzw. die zunehmende reine Funktionalisierung der Musik alleinbeherrschend geworden sind (sie sind es fast schon), dann finden sich innerhalb der Gesellschaft (auch bei den Reichen z.B., den gebildeten Schichte (oder Resten davon) auch immer weniger Leute, denen Kunstmusik überhaupt noch bekannt ist, geschweige denn etwas bedeutet. Und Bildung (im Sinne von geistiger Bildung, Menschenbildung, ästhetischer Bildung, Sensibilisierung) wird gerade bei den oberen Schichten, den Reichen immer mehr hinter andere „Ideale“ zurück treten (

    Ergo wird es auch immer weniger Stiftungen geben in Zukunft, die für Klassische Musik, nicht zu sprechen von Neuer Musik, etwas übrig haben – es gibt ja jetzt schon viel zu wenige!). Es sei denn, es würden staatliche Stifttungen einspringen. Aber: unwahrscheinlich bei der Tendenz der Privatisierung, die wir gerade im Kulturbereich noch immer weiter erleben.

    Die staatlichen Stiftungen, die z.B. von Lotterieeinnahmen gespeist werden, die fungieren jetzt schon immer mehr, um das BESTEHENDE, Großevents im Bereich der Klassik, große Häuser etc. zu retten, um Löcher auszugleichen von andererseits gekürzten ehem. staatl. Kultur-Subventionen. Dies wird sich noch verstärken. Da bliebe nichts übrig für einen Kulturflat-Ausgleichsfonds oder ähnliches.

    Schließlich wieder zum nicht neuen Kulturflatrate-Pro-Argument Kreidlers (gegenüber Schweitzer):

    Du verkennst meinen vertretenen Ansatz. Würde man eine Kulturflatrate erheben, gäbe es einen riesigen Geldbatzen! Und den wird man nicht nach angeblichen Downloadzahlen verteilen können, diese Digitalüberwachung samt Manipulationsklicks wird unmöglich sein. Stattdessen wird man sich Gedanken darüber machen, was wirklich Kultur ist!

    Geldbatzen vielleicht. Aber für WEN?
    Ich fürchte, Herr Kreidler, da unterschätzen Sie doch massiv die Möglichkeiten der Technisierung und vor allem die finanziellen Möglihchkeiten für Überwachung durch diejenigen Kommerziellen und Profiteure, welche diese Möglichkeiten für sich nutzen und ausschöpfen werden. Sicherlich wird man dann die Kulturflat nach Klicks, Downloadraten etc. berechnen, und man wird Manipulationsklicks, die einige übervorteilen (bzw. Betrug) auch nicht so einfach durch Ausgleichsfonds gerecht ausgleichen können. Denn: WEM soll das Zugute kommen? Jeder wird doch dann schreien (ob E. oder U.): Von dem Ausgleich für Manipulationsclicks von Medienkonzert XY wollen WIR aber den größten Batzen haben…

    Es wird eben KEINEN gerechten Kulturflat-Topf geben, aus dem dann z.B. Schwächere gleichermaßen mit profitieren können, bzw. diejenigen, die dies forderten, wären in einer hoffnungslosen Minderheit. Und gerade ist die westliche Kultur ja dabei, die kulturelle Vielfalt und Unabhängigkeit von Minderheiten immer mehr zu fordern
    bzw. vor Bedrohungen bzw. Marginalisierungen der Massenkultur zu schützen.

    Ich habe ja an anderer Stelle die UNESCO-Konvention erwähnt und an anderer Stelle den Link rein gebloggt, wo es auch um den erhalt des Urheberreches neben dem Bewahren von Vielfalt und Minderheitenkulturen gegenüber der Massenkultur, im Zeitalter der Massenmedien geht.
    Problem nur, dass gerade die Amerikaner beispielsweise diese Werte der UNESCO 2005 nicht unterzeichnet haben.

    Und genau dort sitzen auch die meisten und einflussreichsten Provider und diejenigen, die von der Kultur als Massenware, der Yuotubisierung, Googlization und Mc Donaldisierung von Kultur wie sie jetzt IST (und noch immer weiter expandiert, bis auch im abgelegensten Südsee-Atoll ein Mc Donalds steht, in dem dann 2030 als Hintergrundmusik Remixes aus den Boxen dröhnen) am meisten profitieren. Und das Argument, dass man sich – gäbe es erstmal eine „Kulturflat“, sich dann die Leute „automatisch“ wieder Gedanken machen würden, was KUltur ist, was z.B. schützenswert oder erhaltenswert ist, das ist im Zshg. mit diesen Hintergründen und der Bedrohung der abendländisch-europäischen Hochkultur und deren teilweisem Selbst-Ausverkauf (momentan zumindest) höchst unrealistisch und ebenso unkritisch gedacht.

    Daher kann es, so sorglos wie Sie sich dies vorstellen (einfach mal „probieren“, den Urheberrechtsschutz massiv lockern, mehr CC., alles im Bereich Tantiemen auf den Prüfstand stellen) und dann wird schon wieder „Vernunft“ einkehren) so nicht funktionieren.

  71. Pirmin sagt:

    Es ist schon eine problematische Diskussion deshalb, weil Kreidler teilweise mit einer ungewissen Zukunft argumentiert und Schweitzer mit einer problematischen Gegenwart. Vielleicht sind die Probleme ja auf das Internet begrenzt, aber ich glaube es zeichnet sich doch ab dass das Internet in immer mehr Lebensbereiche hineingreift, wie immer man das auch findet. Daher stehen die Künstler oder die Gema eben wirklich unter Druck und es müssen eben Ideen her. Wahrscheinlich geht es nämlich doch um das „große Ganze“. Benjamin Schweitzer hat ja schon angekündigt, auch konstruktive Vorschläge für die existierenden Probleme zu nennen (übrigens ist Kreidlers Liste noch hinzuzufügen, dass auch den Verlagen noch die Digitalisierung blüht). Ich wäre aber auch neugierig, was Peter Köszeghy, der ja offenbar Schweitzers Position teilt, als Lösungen vorzuschlagen hat. Kritisiert ist wirklich leicht.

  72. querstand sagt:

    Ich versuch’s kurz:
    1.) In der Bildenden Kunst scheint man sich seitens der Urheberrechtsprobleme von Musik und Literatur im Internet noch erhaben zu fühlen. In der aktuellen Kunstmonatsschrift „Monopol“ (02/2010)ist die Rede von Sicherungssystemen, die die Werke von Künstlern gegenüber denen von Komponisten und Autoren viel „gesicherter“ gegen Urheberrechtsverletzungen erscheinen lassen, ausgenommen der Bereich der „Internetkunst“. Ein Dali oder ein Warhol in einer Tauschbörse? Vielleicht in einer Onlineauktion. Ob man dort aber wirklich vor Mißbrauch gefeit ist?

    2.) In Zusammenarbeit mit anderen Künsten, z.B. Theater/Tanz/Performance gibt es immer einen grossen Katzenjammer, wenn man auf seine GEMA-Mitgliedschaft verweist. Wenn man also kein Werk des Grossen Rechts, das der individuellen Urheberrechtsverhandlung mit dem Auftraggeber unterliegt, dort deklariert, ist man bei manchen Theatermachern von der Teilnahme ausgeschlossen. Ärgerlich ist nur, daß diese anstandslos ihre KSK-Beiträge, ihre Veranstalterhaftpflichversicherung, etc. berappen. Beim Thema GEMA-Gebühren schalten die aber auf stur. An der vermeintlichen Höhe der GEMA-Koste nallein kann es nicht liegen. Oft habe ich den Eindruck, daß diese Leute im Prinzip neidisch sind, daß es für sie KEINE Verwertungsgesellschaft gibt. Und deshalb wird das Thema GEMA gegenüber anderen Zahlungsverpflichtungen immer hochgekocht. Statt einem Komponisten engagieren sie dann lieber jemanden, der für sie ein DJ ist, aber eigentlich doch ein Komponist Elektronischer Musik, in der Meinung für diese Musik oder den DJ als Musiker nur ein Honorar zahlen zu müssen. Merkwürd’ger Fall…

    3.) Also liegt doch der Rückschluß nahe, den Johannes Hildebrandt viel weiter oben schon benannte: die GEMA, daß sind wir, die Komponisten. D.h., daß uns die GEMA eigentlich stärken sollte, sei es im Umgang mit den Theaterleuten, mit normalen Konzertaufführungen, mit Problemen im Internet. Irgendwie reagiert aber unsere Mehrheit nur so: entweder wir verdrängen das Thema GEMA oder wir schimpfen auf sie. Dabei übersehen wir, daß sie doch für uns viel leistet, daß überhaupt Einnahmen für die Urheberrechte aus Aufführungen eingetrieben werden. Fehlte sie uns, würden wir immer noch die gleichen Kämpfe mit Auftraggebern oder später Aufführenden ausfechten, die o.g. bei B. Schweitzer Beethoven austragen mußte. Oder eben ein ohne Auftrag komponiertes Stück, das dann doch eine Art Erfolg haben sollte, würde uns keinen Ertrag bescheren. Nur der spielende Musiker, der das Erfolgsstück anbietet, würde entlohnt. Ehrlich gesagt sind solche Erfolgsstücke bei jedem eher rar. Beim Gros der Komponisten überwiegt aber die Anzahl der Stücke, die umsonst geschrieben worden sind und wenigstens via GEMA etwas einbringen, und sei es nur das Geld für einen Nebensaisonurlaub in Tunesien, als eine Art 13. Monatsgehalt. Auch das ist ja eine soziale Errungenschaft, die man den Arbeitnehmern nehmen will. Wir Komponisten haben dafür dann sogar direkt unsere Arbeit geleistet. Darum sollte man auch den minimalen sozialen Nutzen der GEMA nicht unterschätzen, und wenn man statt der Sonne in Tunesien die eigen Gasrechnung zumindest stressfrei damit begleichen kann.

    4.) Das System der höheren Auftragshonorare, dass Hr. Kreidler vorschlägt, bei ihm natürlich im Verbund mit einer fundamentalen Urheberrechtsänderung, kann man auch davon losgelöst einfordern. Ich kann nur aus meiner Erfahrung bestätigen, daß es bei oft nur durch die öffentliche Hand finanzierten Projekten immer öfters aufgrund der Förderstatuten ausgeschlossen ist, dem Komponisten überhaupt ein Gehalt zu zahlen. Musiker, GEMA-Kosten, etc., alles kein Problem. Aber die Ursache des Projekts, ein extra komponiertes Stück, ist nicht bezahlbar. Da wird auf Mäzene verwiesen. Die springen aber erst ein, wenn man mindestens eine Oper – und nicht mal da – oder ein Festival mit mehr als zehn Uraufführungen veranstaltet. Das sollte sich ändern. Der Komponist sollte aus den öffentlichen Fördermitteln mindestens soviel erhalten dürfen, wie zwei Musiker anständig bezahlt kosten. Also überhaupt erstmal eine Verankerung der Förderung der Schöpfer und nicht nur der Interpreten. Und dazu in einer angemessenen Höhe. Und aber auch die GEMA-Ausschüttungen aus diesem Stück, wie umverteilt sie sein mögen. Es gehört aber beides zusammen. Die einzige Ausnahme, die da denkbar wäre: wenn das Uraufführungs-Honorar eine gewisse Höhe überschreitet, könnte man über einen Ausfall der GEMA-Ausschüttung für den Komponisten nachdenken. Aber da liegt schon ein Denkfehler. Zwar ersetzt de facto die GEMA-Ausschüttung für den Autoren das Honorar. Die GEMA-Ausschüttung ist aber kein Honorar. Sie gilt immer für das Aufführungsrecht, unabhängig, ob es eine Ur- oder Folgeaufführung ist. Einfach zusammengefasst: es sollte und muß also bei einer aufführungsrechtlichen Vergütung bleiben. Sie ist auf alle Fälle eine soziale Errungenschaft, auf die nicht verzichtet werden sollte.

    5.) Warum stellen sich eigentlich alle vor, daß durch das Internet das Leben einfacher wird? Es wird einfacher, in dem man gewisse Wege spart, die man früher in Kauf nehmen mußte. Durch die kürzeren Wege ändert sich aber nicht das Recht, daß jemand für seine Arbeit und die Folgen dieser Arbeit (Urheberrechte) bezahlt werden soll. Ich denke, daß es im Gegenteil immer komplizierter durch das Internet wird. Es ersetzt das reale Leben ja nicht vollkommen, das schon komplex verrechtlicht ist. Das Internet tritt einfach als Erweiterung dazu. Und die Folge ist eine noch grössere Verkomplizierung.

    Allerdings bietet das Internet oder die Datenverarbeitung an sich Mittel an, diese Komplexe einfacher zu bewältigen. D.h., daß auch eine noch grössere Disversifizierung der Urheberrechte eigentlich kontrollierbar und abrechnungsfähig erscheint. So wiederhole ich aus einem anderen Posting hier nochmals meinen Vorschlag: parallel zu den heutigen bestehenden Abrechnungs- und Urheberrechtsteilungsmodellen (für weitere BEnutzung, etc.) ein Onlineverfahren, wo alle, die ihre Werke frei bearbeiten lassen wollen und alle, die bearbeiten wollen freigeschaltet werden und entweder generell ihre Werke zur Bearbeitung freigeben oder eben gewisse Teile oder eben nur gewissen genehmen Leuten. Mit etlichen Abstufungen liesse sich da eine grosse Verfahrensvereinfachung erreichen und es stünden von Kleinstregelung bis Generalklausel viele Wege offen. Dazu sollten noch Vereinfachungen für die Eigenverwertung von Werken im Internet treten und generell die Bearbeitung von einigen Takten oder Wahrnehmungspixlen erlaubt werden. Diese müssen dann aber eben auch korrekt verrechnet werden. Oder anders: wer mit dem ganzen Repertoire der Menschheit unbedingt ein Werk schaffen muß, der kann und muß auch zumindest die Werke der noch lebenden Kollegen korrekt angeben und verrechnen. Dies geschieht ja auch in jedem Film, wo endlose Ketten an Songs genannt werden und die auch alle irgendwie bezahlt werden. Dies würde allgemein auch die finanzielle Situation von unterprivilegierten Kollegen verbessern, ohne dass sie sich vollkommen preisgeben müssen. Dafür erhalten die Bearbeiter ja ein paar Takte umsonst oder eben durch die Onlineverfahrensweise sogar noch mehr mit gegenseitigen Nutzen für beide. Irgendwie nicht ganz so einfach. Aber komplizierte Sachverhalte sind eben nicht pauschal sondern kompliziert mit Zufriedenheit für Alle zu lösen.

    Gruß,

    Alexander Strauch

    P.S.: was soll all das Gerede von mir. Ich muß mich eben mal einer GEMA-Sitzung stellen. Seufz!

  73. Benjamin Schweitzer sagt:

    Lieber Herr Strauch,

    ein durchdachter Beitrag, finde ich, und stimme dem zu. Damit haben Sie das Thema auf die nächste Ebene gehoben, nämlich die Frage, ob und wie Veränderungen an der GEMA nötig und möglich wären, und sind mir auch zuvorgekommen, während ich noch an meinem Beitrag gebastelt habe. Daher gibt es in den folgenden Zeilen ein paar Dopplungen zu Ihrer Argumentation.

    Ich habe mir in der Zwischenzeit das Vergnügen gemacht, das Rechtsgutachten zur Kulturflatrate zu lesen (jedenfalls den ersten, grundsätzlichen und auf Deutschland bezogenen Teil):

    https://kobra.bibliothek.uni-kassel.de/bitstream/urn:nbn:de:hebis:34-2009051227379/3/EMR_Gutachten_Kulturflatrate.pdf

    Der Text hat zwar eine Länge von mehreren Dutzend Janson, aber ist sehr erhellend formuliert, in jener gründlichen und nüchternen Sprache des Juristen (eine Diktion, die man hier auch bisweilen lieber läse als das, was stattdessen so abgesondert wird).

    Das Gutachten kommt zu dem Schluß, daß eine solche Flatrate erforderlich, angemessen, sinnvoll und rechtlich möglich ist, wobei teilweise deutsches und europäisches Recht dafür geändert werden müßte. Mich hat der Text sehr überzeugt.

    Der Begriff des Urhebers an sich (und das durch den Eigentumsschutz des Grundgesetzes geschützte Urheberrecht) wird – anders als in Johannes Kreidlers Auffassung – in dem Gutachten keinesfalls angetastet.

    Ich zitiere daraus einige für die aktuelle Diskussion m.E. besonders relevanten Passagen:

    „Beabsichtigt ist daher die Legitimierung der nichtkommerziellen Weitergabe und Vervielfältigung von digitalen, urheberrechtlich geschützten Werken mittels des Internet durch Privatpersonen [durch eine Kulturflatrate]“.

    Damit ist die Art der Nutzung, die durch die Kulturflatrate abgegolten werden soll, klar umrissen. Gleichzeitig wird damit deutlich, daß die kommerzielle und die „offline“-Nutzung, also insbesondere die Live-Aufführung von Musik, von dem Konzept nicht berührt wird.

    Das heißt übrigens auch, daß die ganze Kulturflatrate-Diskussion z.B. für die Arbeit von Komponisten, die z.B. mit Samples geschützter Werke neue Werke erstellen, irrelevant wäre, da es sich hier nicht um Privatkopien, sondern um kommerzielle Nutzung handelt.

    Das Gutachten führt allerdings aus:

    „Die Tatsache, dass zumindest das vermögenswerte Ergebnis der schöpferischen Leistung den
    grundrechtlichen Schutz des Art. 14 Abs. 1 GG genießt, zieht die Frage nach dem Schutzumfang nach sich.(…)
    Die Tatsache, dass Urheberrechte einen eigentumsrechtlichen Schutz genießen, bedeutet aber nicht, dass ein bestimmtes Verwertungsmodell aus verfassungsrechtlichen Gründen unabänderlich vorgegeben wäre. Die Musikindustrie verfolgt Geschäftsmodelle, die auf der Bezahlung der Nutzung eines jeden Werks beruhen. (…)
    Verwertungsmodelle sind Geschäftsmodelle und unterliegen als solche den Regeln des Marktes. Erweist sich ein Geschäftsmodell als nicht mehr aktuell und aufgrund veränderter technischer oder sozialer Umstände als veraltet, wäre es sogar unzulässig, dieses Geschäfts- und Verwertungsmodell durch massive gesetzgeberische Intervention zu protegieren und künstlich am Leben zu halten. (…)
    Dies bedeutet aber nicht, dass Rechteinhaber gegenüber rechtswidrigen Eingriffen in ihre
    Rechtspositionen schutzlos gestellt werden dürfen. Art. 14 Abs. 1 GG gebietet die grundsätzliche Zuordnung von vermögenswerten Ergebnissen des Werks an den Urheber. Der Urheber oder die Rechteinhaber müssen daher die Entscheidungsfreiheit haben, die urheberrechtlich relevante Nutzung der geschützten Werke vom Erhalt einer Vergütung abhängig zu machen.“

    Das bezieht sich hier auf kostenpflichtige Downloadportale, läßt sich aber sinngemäß auch auf die Musiknutzung durch Live-Aufführungen übertragen.

    Jetzt hat Johannes nach meiner Lesart die Auffassung vorgetragen, daß (1) das Konzept des Urhebers als solches und (2) die Arbeit und Funktion der GEMA grundsätzlich fragwürdig sind und geht damit gleich mehrere Schritte über diesen Debattenhorizont hinaus. Nach seiner Auffassung müßte auch das Grundgesetz dahingehend geändert werden, daß es keinen Schutz des Urhebers und seiner Rechte mehr gäbe. Die GEMA würde dann in der bisherigen Form mit allen anderen Verwertungsgesellschaften obsolet bzw. könnte in eine Art GEZ für den Einzug und die Verwaltung der Kulturflatrate-Gelder überführt werden (denn das muß ja jemand machen).

    Die Aufführung und Verwendung musikalischer Werke wäre (nachdem aus Urheberrecht aus Art 14 Abs 1 GG bzw. den sich daraus ergebenden Gesetzen entfernt wurde) grundsätzlich gebührenfrei und jeder könnte auf dieser Basis mit jedem Werk machen, was er wollte.

    Also: ich bin bereit, mir im Interesse einer breiten Debatte viele abweichende Sichtweisen anzueignen, um Argumente für das Für und Wider zu suchen, aber das übersteigt meine Vorstellungskraft, und damit bin ich wohl nicht allein. Ich würde der Auffassung von Alexander Strauch zustimmen, daß Johannes Kreidler die praktischen und ideellen Auswirkungen der durch das Internet ausgelösten Veränderungen – zumal auf dem Gebiet der zeitgenössischen Konzertmusik – hier deutlich überschätzt und möchte diesen Teil der Diskussion abtrennen.

    Gehen wir stattdessen mal davon aus, daß die Auffassung des obigen Rechtsgutachtens sinnvoll ist: es gibt eine Kulturflatrate für private Downloads und Kopien (aber der Rechtsschutz des Urhebers bleibt erhalten), und es gibt daneben einen „Premium“-Sektor, der kostenpflichtige Downloads, kommerzielle Nutzung und Live-Aufführung umfaßt

    Das Thema kostenpflichtiger Portale müssen wir hier nicht diskutieren; die werden sich tragen oder nicht, je nachdem, wie gut oder auf bestimmte Nischen zugeschnitten das Angebot ist. Jemand wie ich würde sicher einen ordentlichen Preis dafür zahlen, sich einen entlegenen Film legal, virenfrei und schnell herunterzuladen, der auf DVD oder über P2P nicht erhältlich ist oder nur mit langen Liefer/ladezeiten und hohen Versandkosten.

    Die Frage kommerzieller Weiterverwendung digitaler Inhalte ist ungeklärt bzw. wird ausgeklammert. Hier geht es ja doch um was anderes als nur ums unveränderte Downloaden und Weitergeben, sondern um Eingriffe in ein „Werk“, zu denen der Urheber seine Zustimmung nicht nur unter rein wirtschaftlichen, sondern auch unter inhaltlichen Gesichtspunkten geben muß. Da sehe ich grundsätzlich zur Praxis der Genehmigungspflicht keine Alternative, und mir fällt dazu auch keine befriedigende Lösungsidee ein – wie wärs mit einer „Zitat-Remix-Samplingflatrate“? A. Strauch hat schon angedeutet, daß eine differenzierte Regelung hier ziemlich komplex wäre.

    E-Komponisten wären hier wie bei der Kulturflatrate marginalisiert – es sei denn, es wird Mode, Hintergrundmusik aus Ferneyhough-Samples zu bauen (das find ich gar nicht so abwegig, übrigens. Bei vielen NeueMusik-Konzerten geht es mir so, daß das, was ich da höre, mich zwar nicht so fesselt, daß ich es mit ungeteilter Aufmerksamkeit anhören möchte, aber daß ich mir gut vorstellen könnte, das im Café im Hintergrund zu hören anstatt dessen, was dort sonst so gespielt wird – so lange ich nur dabei mich unterhalten, was trinken und was lesen darf).

    In beiden Bereichen gibt es in der Praxis das Problem der internationalen Vernetzung und der Vielzahl der Rechteinhaber (Komponist, Interpret, Textdichter, Instrumentenbauer ;-), Tonträgerhersteller). Wenn man deren Rechte nicht alle aushebeln will, hat man ganz schön Aufwand. Aber den hat man jetzt ja auch. Außerdem wird sich das aus der GEMA bekannte „Geschäftsmodeller“-Problem auch dahin verlagern. Dazu nochmal das Gutachten:

    „Bei einem Erfassen der Dateikopien im Internet und einer Verteilung der Einnahmen nach
    diesen Statistiken besteht ein Problem in der Möglichkeit, die Statistiken zu manipulieren, um
    höhere Erträge zu bekommen oder einzelne Lieder oder Alben populärer erscheinen zu lassen
    als sie es tatsächlich sind.“

    Das geschieht ja heute schon zum Teil (Plattenfirmen kaufen ihre eigenen Scheiben auf, um höhere Chartpositionen zu erreichen etc.). Johannes: wenn das aus deiner Sicht ein Problem ist, das grundsätzlich gegen die GEMA spricht, mußt du zugeben, daß es im selben Maße auch gegen die Kulturflatrate spricht. Es ist ja technisch ziemlich unaufwendig, Downloadzahlen durch massenhafte automatisierte Zugriffe zu manipulieren.

    Kommen wir zum anderen Aspekt des „Premium“-Bereiches: der Live-Aufführung und ihrer Abgeltung. Hier ist es m.E. angemessen, ohne inhaltliche Wertung, von „Premium“ zu sprechen, einfach aufgrund des hohen Aufwands (bei Produzenten und Nutzern) und des relativen Seltenheitswerts im Vergleich zur digitalen Nutzung.

    Wir können nicht in die Zukunft schauen, aber gehen wir mal davon aus, daß sich dieser Seltenheitswert nicht grundsätzlich ändern wird. Ich kann mir zwar durchaus vorstellen, daß es irgendwann einen stärkeren „run“ auf Live-Konzerte geben wird, weil viele Leute der digitalen Massenbeschallung überdrüssig werden, aber das Konzert wird den Download nicht mehr einholen.

    Im Grunde kann man diese Nutzungsart also ähnlich behandeln wie den kostenpflichtigen Download: es wird weiterhin für die individuelle Nutzung des Werkes bezahlt, d.h. es bezahlt nur der, der etwas nutzt, und nur genau diese Nutzung. Aufgrund der relativen Exklusivität der Nutzungsart ist der vergleichsweise hohe Preis angemessen, zumal er im Vergleich mit den sonstigen Kosten des Veranstalters (Saalmiete, Interpretenhonorare etc.) immer noch ein kleiner Posten ist.
    Die Anzahl der Nutzungen ist im Vergleich so exklusiv und überschaubar, daß das sinnvoll ist, und es gibt mit dem Modell der Verwertungsgesellschaft ein international eingeführtes Verfahren.

    Lesen Sie bald in Teil 2: Probleme der Verwertungsgesellschaft und vielleicht auch ein paar Lösungsansätze.

  74. Peter Köszeghy sagt:

    Diese sogenanntes Rechtsgutachten wurde von irgendwelchen Medienleuten im Auftrag gegeben. Da müsste man mal hinter die Zeilen schauen. Und nicht alles durch die Rosa Brille sehen…

  75. Peter Köszeghy sagt:

    ich hatte letztes Jahr einen Bekannten, der in der Berliner Hackerszene (Linux Ubuntu etc. schwachsinn)sehr tief drinsteckte, da konnte ich bei einigen „hackerveranstaltungen“ spionieren: diese Leute unterstützen auch den Kulturflatrate, und witterten permanent gegen der urheberrecht und die GEMA, dass man GEMA abschaffen soll etc etc. Ich weiss sogar, dass die GEMAPetition letztem Jahr von diesen Leuten sogar ausging!!! (in diesen Gruppen waren auch Rechtsanwälte und Juristen vertreten!!!) Das sind alle eigentlich Wölfe im Schafspelz. Also Benjamin, Du muss dich erstmal fragen, woher diese Rechtsgutachten kommt und nicht alles gleich glauben!

  76. Peter Köszeghy sagt:

    fussnote: alle diese Hacker waren entweder GRÜNE oder irgendwelche „ultralinken“ oder anarchisten, die nur ständig nach sachen suchten, wo man was durcheinander bringen kann…..

  77. Peter Köszeghy sagt:

    Nochmal kurz recherchiert was die Auftraggeber sind (SEHR HACKERTAUGLICH!)
    Dr. Christoph Schnabel, LL.M.:
    Seit Juli 2009 Mitarbeiter beim Hamburgischen Beauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit.
    Januar 2006 – Juli 2008 Mitarbeiter am Projekt „SPICE – Service Platform for Innovative Communication Environment“.
    September 2007 – März 2008 Mitarbeiter am Projekt „Elektronischer Personalausweis“.

    2005 Zweites Juristisches Staatsexamen. Masterarbeit zum Thema „Sperrungsverfügungen gegen Access-Provider“.

  78. Benjamin Schweitzer sagt:

    Peter,

    vielleicht liest du dir einmal etwas, was jemand anderes geschrieben hat, wenigstens in Ruhe bis zu Ende durch und denkst auch kurz darüber nach, was da steht. Eventuell dann nochmal langsam bis zehn zählen und einige Male tief ein- und ausatmen.

    Weder habe ich mir die Position dieses Gutachtens komplett zu eigen gemacht – ich habe nur geschrieben, daß mich diese Erörterung zur Kulturflatrate überzeugt hat. Noch steht da irgendwas von GEMA abschaffen etc. – im Gegenteil wird dort ausdrücklich ausgeführt, daß Urheber ein Recht auf Vergütung und Schutz ihres geistigen Eigentums haben und daß die Verwertungsgesellschaften ein taugliches Instrument sind, diese Rechte wahrzunehmen. Lies es mal, auch wenn das Juristendeutsch schwer zu kauen ist.

    Im Übrigen grenzt es an Beleidigung, mir zu unterstellen, daß ich so doof wäre und nicht wüßte, daß ein Rechtsgutachten gerne auch mal die (angenommene) Position des Auftraggebers stärkt. In dem Text wird aber das Für und Wider des Gegenstands sehr ausführlich diskutiert, das ist m.E. kein reines Gefälligkeitsgutachten. Aber es ist nun mal der Sinn eines Rechtsgutachtens, daß es am Ende zu einem Ergebnis kommt und nicht nur bedenklich den Kopf wiegt und sagt, daß man alles so, aber auch ganz anders sehen kann.

    Noch eine persönliche Anmerkung: Es nervt mich (und sicher auch viele andere) ganz außerordentlich, wie du hier nach dem Motto „erst schießen, dann fragen“ ständig in alle Richtungen herumstänkerst. Das ist im Ton nicht sehr zivilisiert und oft auch in der Sache völlig unangebracht. Ich kann mich an keinen Beitrag von dir hier erinnern, der eine sachliche Debatte auch nur einen winzigen Schritt weitergebracht hätte. Wenn du Beleidigungen und Verschwörungstheorien verbreiten willst, mach dir ein eigenes Blog auf. Darf und kann jeder.

    B.

  79. Peter Köszeghy sagt:

    Lieber Benjamin, im Ernst, statt damit ein wenig zu beschäftigen, vielleicht reicht es auch das kurz und objektiv durch dem Kopf gehen lassen, was ich in meiner 10Zeiler schrieb, ziehst du hier alles wieder ins persönliche. (Übrigens gerade Dein Beitrag hier oben ist voller persönlicher Beleidigungen, womit Du wieder von der Sache nur ablenkst). Ich habe Dir nichts unterstellt. Ich schrieb nur, dass „man“ (nicht „DU“) nicht durch Rosa Brille diese Rechtsguthaben anschauen und „bejubeln“ soll. Mit Verschwörungstheorien hat das ganze sehr wenig zu tun. (Dein Antwort ist, tut mir leid, voll mit Beleidigungen – geht es denn bei Dir nicht anders??)
    Über „Gema abschaffen“ habe ich – wenn Du das nicht bemerkt hättest im Zusammenhang von den „Hackern“ geschrieben. Da muss man eigentlich nicht allzu intelligent sein das zu merken.
    Ja, in dem TExt wird wirklich ausführlich diskutiert – allerdings, wie ich schon schrieb: Du solltest mal Hinterfragen, WARUM da KEIN Komponist vertreten ist bei soeinen „tollen“ Rechtsgutachten? Warum machen das gerade Medienleute? Das ist im Grundegenommen mein grösstes Problem mit dem Schreiben.
    ((Ich bitte Dich, unterlasse doch mal den „AUA AUA“ persönlichen zurückschiessen gegen der Wand…was ich schrieb, sollte mal zum Nachdenken bringen und nicht, dass jede der doch eine andere Meinung hat, in die Hose macht….) In diesem Sinne, LG, Pèter

  80. Peter Köszeghy sagt:

    …und übrigens, eine ernste Frage Benjamin: bei wem willst du denn Punkten wieder? LG, Pèter

  81. Peter Köszeghy sagt:

    ein beitrag, das ich aus der sogenannte „ubuntu-community“ auskopiert habe (ihr findet da noch viel mehr heftigere sachen. unter ubuntuusers.de einfach euch registrieren lassen, dann bei der suche Gema angeben…viel spass…:

    @Der.Werner:
    Supi, danke für die Recherche soweit. War grad etwas irritiert, dass die das an der Anzahl der Hörer festmachen. Nicht so praktisch.

    Wenn GEMA so teuer ist, kann man ja komplett auf freie oder gar selbstgemachte Musik zurückspringen (siehe Schülerbands z.B.).
    Ist ja auch primär kein Musiksender. Sonst brauchen wir kein GEMA-Zeugs, wenn wir alles selbst machen.
    Z.B. http://www.tuxradio.de/. Den können wa mal ne Mail schreiben, wie die das regeln. Die brauchen bestimmt kein GEMA zahlen. GEMA tritt ja auch nur für bestimmte Urheber und registrierte Künstler ein und müsste abgeschafft werden. Ist ja quasi eine Interessensgemeinschaft. Wenn wir niemanden aus dieser spielen, kann es uns egal sein und denen.“

  82. @ Schweitzers Zitat:

    Aber es ist nun mal der Sinn eines Rechtsgutachtens, daß es am Ende zu einem Ergebnis kommt und nicht nur bedenklich den Kopf wiegt und sagt, daß man alles so, aber auch ganz anders sehen kann.

    Nein, eben nicht, Herr Schweitzer: Glaubwürdig und objektiv WÄRE ein Rechtsgutachten, wenn es objektiv das Pro und Contra der Kulturflatrate aus ALLEN PERSPEKTIVEN (auch mehr der Komponisten, Urheber) abwägen würde und eben nicht zu einem abschließenden „Ergebnis“ kommt (denn das kommen Urteile in einer Legislative nie, das Recht ist immer hinterfragbar). Ein objektives Rechtsgutachten zur Kulturflat wäre eines, nicht nur von einer bestimmten politische Richtung (GRÜNE bzw. insbes. links stehendere Gruppierungen) in Auftrag gegeben unter Vorgabe des Einsatzes für „Datenschutz“, der vermeintlichen „Informationsfreiheit“ oder aus Sichtweise der „User“.
    Und es wäre eines, welches objektiver, kritischer sich mit der praktischen Umsetzbarkeit auseinandersetzen würde.

    Und es ist bekannt, wenn man sich mal die Programme der Parteien zur Kulturpolitik/insbes. Kulturflat ansieht, dass weite Teile der Parteienlandschaft (CDU/CSU, FDP, SPD mit Einschränkung) der Kulturflat skeptisch bis ablehnend gegenüber stehen.

    Es sind vor allem die Grünen und die neu gegründete sogenannte „Piratenpartei“, welche die Kulturflat ausgerechnet am meisten befürworten. Normalerweise halte ich mich politisch neutral und bin es auch, aber in DIESEM Fall wollte ich es mal erwähnen, was aus welcher politischen Richtung kommt. Es kann sich ja jeder dann selbst ein Urteil bilden und die Programme genauer lesen. Ich habe es vor den Bundestagswahlen ausführlich gemacht.

    Sie greifen hier, Herr Schweitzer, wieder ungewöhnlich scharf Herrn Koeszeghy an. Das kann ich gar nicht verstehen, denn wir sollten doch froh sein, dass Herr Koeszeghy hier wieder mit bloggt und etwas zu sagen hat. Was mich ebenso stört, Herr Schweitzer ist, dass Sie anderen immer Voreingenommenheit unterstellen und dabei Ihre eigene Gutgläubigkeit geflissentlich übersehen.

    Natürlich setzen wir uns mit dem Gutachten auseinander und werden es lesen. Eher ist zu vermuten, dass Sie dieses Kulturflat-Gutachten ohne es genauer zu lesen und sich über die Hintergründe und dessen Verfasser auf zu klären, hier hinein bloggten.

    @folgendes Wort:

    Wenn du Beleidigungen und Verschwörungstheorien verbreiten willst, mach dir ein eigenes Blog auf. Darf und kann jeder.

    Also lieber Benjamin Schweitzer, So kommen wir ja leider nicht weiter. Immer wenn hier Leute gelegentlich die Naivität kritisieren mit der hier Dinge (wie das Urheberrecht)von E.-Komponisten selbst hinterfragt wird bzw. „Lösungen“ zu dessen Lockerung diskutiert werden, die nicht ausgereift sind (schon gar nicht bzgl. ihrer Praxistauglichkeit hinterfragt und absehbar), dann ertönt sogleich von Ihnen/der Gegenseite das Wort diese Kritiken seien „Verschwörungstheorien“ und die Kritiker sollten ihr eigenes Blog auf machen. Dies zeugt doch, finde ich von einem recht seltsamen Diskurs- und Demokratieverständnis. [Zumal HAT Herr Koeszeghy auch ein eigenes Blog, was nicht ausschließt, dass er sich auch hier äußern kann]. Dann könnte man dies Ihnen genauso sagen: Herr Kreidler hat ja schon sein eigenes Blog „KulturTechno“, dann machen Sie doch auch noch ein eigenes Blog auf.

    FAZIT: Weder wollten Pèter noch ich hier irgendwelche „Verschwörungstheorien“ auf stellen. Das, was Pèter hier hinein bloggte beruht einfach auf konkret gemachten Erfahrungen und Tatsachen. Sie sollten sich doch wirklich nur mal KRITISCH fragen (und auch die anderen Kollegen) woher diese Pro-Kulturflat-Gutachten vielfach kommen. Allein dass dieses erwähnte Gutachten von den GRÜNEN unterstützt wird und von keiner anderen Partei, macht es schon nicht unanfechtbar bzgl. seiner Konsenztauglichkeit.

    Rein formal und bzgl. des Effekts für Kultur/Musik in der Gesellschaft bleibe ich noch wie vor bei meiner wie folgte begrünteten Ablehnung einer „Kulturflatrate“:

    1.Kultur/Musik wird durch die Kulturflat nicht nur allverfügbar (das IST sie schon de facto); die Allverfügbarkeit wird dadurch weitestgehend, endgültig und unumkehrbar legitimiert. Dadurch wird Musik weiter entwertet, nicht nur ihre Nutzung sondern vor allem ihre geistige Tiefe nimmt ab durch die Schnellebigkeit und Kurzzeitigkeit des Massenmediums (Internet), welches dann eine Art Vertriebsmonopol faktisch legitimiert bekäme und durch nichts mehr auf zu halten wäre.

    2.es wird dem Moment Vorschub geleistet, dass vor allem für junge Leute, für das Publikum von Morgen öffentliche Konzerte/Konzertbesuche obsolet werden. BZw. dies ISt de facto schon so, es würde aber durch eine Kulturflat legitimiert und unumkehrbar gemacht. Nur noch das „Event“ oder die „Party“ würden dann als sogenannte „Kulturformen“ des Massenkonsums noch übrig bleiben.

    3. Einer zunehmenden Privatisierung von öffentlicher Kultur von intellektuellem Diskurs (nun auch der Hochkultur) in den Privatraum würde noch mehr Vorschub geleistet als sich ohnehin schon abzeichnet.

    4. Es wird davon ausgegangen (querstand wies ja im letzten Beitrag auch darauf hin), dass die Technisierung, Internet etc. primär Vorteile hätten (angebliche Effizienzsteigerungen (Erreichbarkeit von immer mehr Menschen zu immer niedrigeren Kosten), Zeitgewinne.

    Dabei weiß doch jeder von uns (wenn wir ehrlich sind) auch die Schattenseiten und Nachteile. Jeder weiß doch an seinem eigenen Internetverhalten, dass man sich tendenziell immer länger aber auch bzgl. der Aufmerksamkeitsspannen- und -zyklen immer schneller und oberflächlicher im Internet bewegt. Die Oberflächlichkeit, mit der wir (ich behaupte, wir alle, nehme mich selbst keineswegs aus!)täglich mailen, „youtuben“, bloggen, Facebook nutzen etc. nimmt immer mehr zu. Dabei merkt man auch zugleich, wie Zeit killend

    Es geht mir also vor allem auch um das Aufhalten dieser unkritischen und unter 1-4 beschriebenen negativen geistigen Haltungen beim NEIN zur Kulturflat:

    Es ist somit auch ein NEIN zu einer Haltung des Ausverkaufs per Allverfügbarkeit, zur Billig- und Geiz-Mentalität (Musik immer überall und fast kostenlos/bzw. kostenlos zu haben, konsumierbar und „abrufbar“). Es geht auch um ein Nein gegenüber den negativen Effekten in Lebenswelt und Alltag, die damit verbunden sind: noch mehr Oberflächlichkeit in der Rezeption, noch immer mehr Unreflektiertes, immer mehr Massenkonsum, Verbreitung von immer mehr „Trash“, von immer mehr in Wahrheit Unbrauchbarem.

  83. Peter Köszeghy sagt:

    @ querstand: Sie haben alles ausgesprochen, was ich überhaupt nicht so gut formulieren gekonnt hätte. Sehr gut, ihr beitrag. Sie treffen den Nagel am Kopf! Bravo.
    LG, Pèter

  84. Ich kann nur aus meiner Erfahrung bestätigen, daß es bei oft nur durch die öffentliche Hand finanzierten Projekten immer öfters aufgrund der Förderstatuten ausgeschlossen ist, dem Komponisten überhaupt ein Gehalt zu zahlen. Musiker, GEMA-Kosten, etc., alles kein Problem. Aber die Ursache des Projekts, ein extra komponiertes Stück, ist nicht bezahlbar. Da wird auf Mäzene verwiesen. Die springen aber erst ein, wenn man mindestens eine Oper – und nicht mal da – oder ein Festival mit mehr als zehn Uraufführungen veranstaltet. Das sollte sich ändern. Der Komponist sollte aus den öffentlichen Fördermitteln mindestens soviel erhalten dürfen, wie zwei Musiker anständig bezahlt kosten.

    Bravo Alexander, genau das ist oft der Punkt, dass z.B. oft regionale Kulturämter oder auch viele Stiftungen bei Projekten nur Musikerhonorare fördern und dass für die Komponisten meist nichts vorgesehen ist. Wenn man dann Kompositionshonorare dennoch kalkuliert/beantragt, wird i.d.R. die Förderung so zusammen gekürzt, dass dann für Aufträge und die Würdigung von Uraufführungen doch wieder nichts übrig bleibt bzw. man de facto wohl oder übel gezwungen ist, dies „einzusparen“. So steht man dann oft vor der Frage: Projekt dennoch durch ziehen oder radikal absagen?

    So oder so hat man schon Arbeit (Organisation und Komponieren) investiert und will dann natürlich wenigstens die Aufführung retten. Man stelle sich nun vor, die GEMA würde nun auch noch weg fallen oder auch nur stark gekürzt/“reformiert“. Ein Schlag ins Gesicht vieler Komponisten, die zugleich als Projektmotoren, -veranstalter und somit Muliplikatoren von Kultur sich einsetzen.

    Den vielen engagierten Interpreten würde ich niemals absprechen, dass sie enormes leisten, viel proben, sich für Uraufführungen und Wiederaufführungen einsetzen etc. und dafür weiterhin angemessen/ja besser bezahlt werden müssen. Aber wir scheinen zunehmend in ein Kulturverständnis hinein zu geraten, in der (kreative) REPRODUKTION als grundsätzlich wertvoller gilt als das Schaffen neuer Werke bzw. die Arbeit der Komponisten. Dies wird oft vorschnell mit der Ausrede begründet, eigentlich sei eine Komposition sowieso in ihrem Wert nach unbezahlbar bzw. der „wahre“ Wert zeige sich sowieso erst im Laufe der Geschichte. Aber dies lenkt letzlich etwas vom Thema ab, dass eine Würdigung gar nicht statt findet.

    Auch in diesem Umfeld ist die GEMA für viele von uns – Herr Schweitzer Sie werden es auch noch merken – überlebenswichtig und auch einer der wenigen Garanten der öffentlichen Anerkennung unserer Kulturleistungen. Und seltsam, ja unsäglich meiner Meinung nach, dass Schriftsteller, bildende Künstler und sogar die amerikanischen Drehbuchautoren da oft mehr Selbstbewusstsein für ihr schaffen entwickeln als einige von uns Komponisten, E.-Komponisten. Also das ewige „Ihr seid sowieso überflüssig“? was man uns zuweilen (implizit oder explizit) einredet. Zeigt es langsam Wirkung?

  85. querstand sagt:

    @ Schweitzer
    Habe das o.g. Rechtsgutacnten mal so überflogen. Grds. stosse ich mich innerhalb dieses Textes, daß tendenziell das Recht auf informatielle Selbstbestimmung sowie das Fernmelderecht (alles Art. 1 i.V.m. Art. 2 GG und Art. 10 GG) über das Recht auf Eigentum aus Art. 14 Abs. 1 GG gestellt werden sollen. D.h., Grundrechte, die ein Individuum vor dem Eingriff des Staats in seine datenschutzrechtlichen Rechte bewahren sollen, werden zu einem Recht der Allgemeinheit gemacht, so ein wenig nach dem Prinzip, viele Nutzer, ein Urheber. Das Urheberrecht als Eigentunsgrundrecht kann ja eingeschränkt werden, wenn es im Interesse der Öffentlichkeit liegt.

    Wenn man die momentanen Schranken des Eigentumsgrundrechts nach §§ 44a ff. UrhG ansieht, sind dies v.a. Möglichkeiten für Gerichte, Schulen, Presse, Wissenschaft, kirchliche Aufführungen, für alle Beteiligten honorar- und eintrittsfreie Aufführungen, etc. D.h., daß hier tatsächlich eine Allgemeinheit vorliegt, die diese Schranke berechtigt. Innerhalb der Tauschbörsen, um die geht es ja bei der o.g. Kulturflatrate, gestaltet sich Allgemeinheit aber viel undefinierbarer, geht es letztlich um nichtgemeinschaftliche Nutzungen im Gegensatz zu den gemeischaftlichen Handlungen im Sinne der o.g. §§ des aktuellen UrhG. Also steht da keine Allgemeinheit, sondern eine Person Nutzer der Person Urheber gegenüber.

    Zu fragen ist also, ob nicht vielmehr neben dem Eigentumsrecht des Urhebers auch dessen persönliche Handlungsfreiheit, ggf. sogar seine Berufsfreiheit durch die Kulturflatrate eingeschränkt würden. Das Gutachten stützt sich dann letztlich auf eine Verhältnismässigkeitabwägung.

    Ich denke allerdings angesichts der dortigen Abwägung an die grds. Rechtmässigkeit von Tauschbörsen und glaube, daß diese letztlich nicht legalisiert werden müssen. Schon gar nicht als einfache Kapitulation vor ihnen. Es geht ja eigentlich um die Privatkopie. Darunter stellt man sich letztlich doch vor, daß sich irgendwie wie auch immer sich kennende Menschen gegenseitig ihre Aufnahmen austauschen. In den Tauschbörsen nun sind aber alle sich gegenüber unbekannt.

    Fast witzig ist im Gutachten wie dabei der nicht messbare Privatkopienaustausch über Email marginalisiert wird:“Auch wird zum Beispiel nicht der Tausch urheberrechtlich geschützter Werke bei der Versendung von MP3s im Anhang von E-Mails erfasst.“ Beim Emailaustausch ist ja doch im positiven Sinne von einer Art Bekanntschaft auszugehen, natürlich viel flüchtiger als im „echten Leben“, aber doch persönlicher als innerhalb einer Tauschbörse. Also, was halbwegs grau legales ist nicht meßbar, das illegale ist aber genau meßbar:“Dennoch ist es möglich, Anzahl, Umfang von Tauschvorgängen und die betroffenen Werke zumindest grob zu ermitteln. Dies zeigt das Beispiel des Marktforschungsunternehmens BigChampagne, welches Tauschbörsen untersucht und auswertet.78 Auch die Musikindustrie nutzt diese Daten.“ Das spricht zwar für eine gewisse Genauigkeit einer Bemessung der geplanten Kulturflatrate.

    Das ist aber dann in etwa so, als ob man Geschwindigkeitsüberschreiter messen kann, aber nicht zur Rechenschaft zieht, sondern einfach die KFZ-Steuer erhöhen würde oder gar eine neue Abgabe einführen würde. Meine Meinung: erlauben der Privatkopien via Email, vielleicht eine Abgabe für Emailadressenprovider, wie für CD-Rohlinge, etc. Und weiteres verfolgen des illegalen und v.a. anonymen mp3-Datentauschs.

    Wenn man z.B. an Rapidshare denkt, was keine Tauschbörse ist, aber dennoch letztlich ein anonymes Forum. Dort würde über die Kulturflatrate der Austausch legalisiert, der Urheber mehr oder weniger pauschal abgespeist. Dennoch würde Rapidshare für schnelleren Datenfluß eine Nutzergebühr erheben, die mir aber als Urheber verwehrt bliebe. D.h., ich muß den Grundrechtseingriff hinnehmen, werde pauschal – wohl eher gering – bezahlt, und mit dem Interesse eines gewissen Kreises an Nutzern macht er aber dann noch einen Extrareibach.

    Da kann ich dann für einen geringen, aber dann in der Kaufmasse einträglichen Preis mein Werk doch auch selbst anbieten oder mit entspr. Beteiligung von einem normalen geschäftsmässigen Vertrieb anbieten lassen, ggf. sogar die ersten x-Downloads kostenlos, wenn das die Werbetrommel rührt. Im extremsten Fall könnte dies doch sogar von Seiten der GEMA direkt erfolgen! Warum eigentlich nicht? Ein Ausbau der GEMA zu einem Stiftungssystem, wie es z.B. in den Niederlanden gibt und dort im speziellen der Donemus-Verlag, der die Werke der finanzierten Komponisten vertreibt, so könnte es doch auch unsere – UNSERE – GEMA machen. Da läge vieles in einer Hand und wäre mit den von mir bereits o.g. modernen Beteiligungsmechanismen einfachst durchzuführen.

    Und der Nutzen läge auf Seiten der Nutzer wie Urherb, vielleicht würde dies sogar die Akzeptanz der GEMA in der Öffentlichkeit erhöhen, auch wenn jene donemusartige Institution nicht direkt die GEMA, sd. eine Art weitestgehend unabhängige Tochter wäre.

    Dies zum Überschlafen,
    Euer Alexander Strauch

  86. querstand sagt:

    Nachtrag zum Rechtsgutachten:
    1.) Im Rechtsgutachten zur Kulturflatrate wird ja auch auf den europäischen Kontext verwiesen, einmal das sekundäre EU-Recht, einmal Urheberrechtssituationen in anderen Ländern. Für uns juristische Laien, sprich durchaus mal hier und da sogar mit den Grünen sympathisierenden potentiellen Wählern, wird in dem Gutachten die europäische Drohkulisse vorgeführt. Grundsätzlich ist das EU-Recht kein Recht, das gegenüber unserem nationalen Recht Geltungsvorrang besitzt. Es herrscht nur ein Anwendungsvorrang. D.h., solange das EU-Recht mit der Menschenrechtserklärung des Europarats in Einklang steht, wird ihm positiv unterstellt, nicht mit dem Grundgesetz zu kollidieren. Sobald sich aber für das Bundesverfassungsgericht erweisen sollte, daß das EU-Recht damit nicht in Einklang steht, kann es diesen Anwendungsvorrang suspendieren.

    Als Zweites ist die Rede von Richtlinien der EU. Dies besagt nur, daß gewisse europäische Rahmenvorgaben in nationales Recht umgesetzt werden müssen. Das kann natürlich sich von Land zu Land durchaus unterscheiden und steht dann doch mit der Richtlinie im Einklang – man denke da einfach nur mal an die unterschiedlichen Kulturgesetze, z.B. die Verankerung des Staatszieles Kultur in einigen Länderverfassungen und in anderen wieder nicht, beides steht mit dem GG in Einklang, entfaltet aber innerhalb Deutschlands jeweils ganz andere Wirkungen.

    Auf europäischer Ebene gelten ja durchaus auch gewisse gemeinsame Grundfreiheiten, wie die Niederlassungs- und Freizügigkeitsfreiheit und jeweils der freie Personen-, Waren- und Kapitalverkehr. Diese Grundrechte können aber auch beinhalten, daß für den jeweiligen ausländischen EU-Bürger im anderen Staat auch die Beschränkungen gelten, die für die Bürger dieses Staates gelten, bzw. kann aufgrund der öffentlichen Sicherheit und Ordnung eine dieser europäischen Grundfreiheiten auch eingeschränkt werden. Und im Bereich illegaler Tauschbörsen ist da ja durchaus ein öffentliches Sicherheits- und Ordnungsinteresse für einen Staat gegeben, das Eigentumsrecht seiner Bürger zu schützen oder die Handlungsfreiheit der Nutzer. Eben je nach seiner Tradition.

    Man denke auch aktuell daran, wie derzeit die einzelnen Staaten bedacht sind, durchaus ihre Eigenständigkeit gegenüber der EU zu wahren, gerade auch in so besonderen Bereichen wie der Kulturpolitik. Fazit: eine europäische Einordnung ist durchaus sinnvoll, um sich mit anderen Staaten zu vergleichen. Dies präjudiziert aber noch lange keine Vorgabe, daß Gesetze bei uns unbedingt genauso aussehen müssen, wie z.B. im uns nahestehenden Österreich. Und dies eben selbst auf Basis EU-weit umzusetzenden Rechts.

    2.) Noch zwei kleine Ideen: ist denn unbedingt das rechtlich graue Verhalten einer Anwendungsmehrheit im Internet positiv zu sanktionieren, wenn sich die Bevölkerungsmehrheit insgesamt und auch ein erheblicher Teil derselben im Internet rechtskonform verhalten? Auch wenn man bedenkt, daß ja die „Musikindustrie“ ihr Angebot an preiswerten Downloads immer mehr erhöht und eben durchaus Mechanismen denkbar sind, für Urheber wie Nutzer sinnvoll und sehr kostengünstig, freiwillig sogar kostenlos, Musik im Netz für fast jeden zugänglich zu machen bzw. es auch rechtlich in Erweiterung und nicht totaler Änderung des Rechts zu ermöglichen? Das Recht auf Privatkopien wurde ja besonders wegen der „Musikindustrie“ hektisch eingeschränkt. Man könnte es durchaus sinnvoll wieder im alten Sinne des von mir propagierten persönlicheren Emailtauschs verändern. Und als zweite Idee: irgendwie erinnert mich das Internet immer an den Verkehr – blöder Begriff Datenautobahn. Als die ersten Autos aufkamen wurde auch sukzessiv das bereits geltende Wegerecht verändert und angepasst, mit der Zunahme des Verkehrs. Und wo zuerst Wildwuchs und anarchische Freiheit herrschte, ordnete dann schließlich der Staat. So ergeht es eben auch dem Internet und seiner ursprünglichen Wildwestmentalität. Je mehr es in den Allgemeingebrauch gerät, um so mehr muß es sich schließlich diesem einordnen, wie es letztlich ja zu Beginn des letzten Jahrhunderts auch der Strassenverkehr musste. Heute diskutieren wir ja sogar dessen massive Einschränkung. Und so wahnsinnig viel schneller sich das Internet entwickelt, um so schneller stehen wir hier vor ähnlichen Einschränkungsnotwendigkeiten, um den Einzelnen vor der Allgemeinheit zu schützen.

    3.) Ich klinge ja jetzt wie ein Law- and Order-Vertreter. In dem Sinne, daß meine Rechte geschützt werden, bis zu einem gewissen Grad: ja, aber eben mit Diskussionsvorschlägen, die das Netz und seine Möglichkeiten durchaus genauso positiv sieht, wie die Gegenseite. Ich bin ja durchaus auch eine Freund von „creative commons licenses“. Selber habe ich bereits einig Werke in einem Verlag online gestellt, mit der ausdrücklichen Aufforderung, diese Werke zu kopieren. Also stehen diese Stücke der Allgemeinheit frei zur Verfügung. Und das über einen alten Verlagsvertrag mit copy-us, ohne dafür werben zu wollen. Ein Manko sehe ich dort z.B., daß quasi jeder seine Sachen veröffentlichen kann und nicht eine marktförderliche Scheinexklusivität herrscht wie bei Schott und Konsorten. Dafür ist es aber dann auch wieder viel freier und nicht der Verlag, sondern ich entscheide über Alles, was dort rauskommen kann, es sei denn, der Verlag hat da doch mal, wenn auch eigentlich nie, Bedenken. Dann gibt es auch die Möglichkeit, das Stück auf meine eigene Homepage zu stellen. Also: freie Zugänglichkeit, kostenloses Verbreiten der Noten. Dennoch behalte ich mir die Einnahmen aus Aufführungen vor. Wenn es mir nun partiell helfen würde, könnte ich mir auch mal vorstellen, gewisse Stücke unter einer CC-Lizenz auch Aufführungsrechte freizustellen. Wobei: ich denke, daß ich das aufgrund meines Vertrages mit der GEMA nur eingeschränkt oder sogar gar nicht tun darf. Da wäre natürlich ggf. tatsächlich ein kleiner Reformbedarf gegeben. Aber letztlich sollte das nicht generell so geregelt sein, sondern mir in einer komplexeren Welt einfach komplexere, verschiedenartigere Möglichkeiten eröffnet werden. Wieder zum Verkehr: trotz all der PKW’s kann ich heute ja trotzdem noch zu Fuß gehen oder gar neuere, aber doch älter als das Auto seiende Bahn verwenden. Man diskutiert ja auch hier gerne einen sinnvollen Vorrang der Schiene vor dem Auto.

    Und zuletzt: so kurz es das Internet erst gibt und so weitgehend es jetzt schon unser Leben verändert hat. Bereits jetzt sind ja viele gemeinfreie, ältere Werke für die Allgemeinheit zugänglich. Das wird über kurz oder lang auch mit unseren Sachen passieren, wenn wir schon längst Asche sind. Solange ich aber noch pulsiere, möchte ich auch ganz klar der Herr meiner Auswürfe sein bzw. nicht nur finanziell sondern auch rechtlich einen Vorteil daraus ziehen und je nach Lage frei entscheiden können, welchem ich den Vorrang gebe, es jetzt schon zu Teilen oder ganz Allen widme. Dies erfordert aber keine Abschaffung von Errungenschaften, sondern deren Erweiterung und verfeinerte Abstufung – so abgestuft kompliziert eben wie Datenströme auch sein können. Einfachheit ist schön in der Musik, aber im Leben verbaut das Verlangen nach ihr oft den Blick auf eine immer mehr disversifizierte, pluralere Welt. Sogesehen hat der Ruf nach Einfachheit oft auch was fundamentalistisches. Er müsste aber nach mehr Freiheit in Komplexität rufen, damit nicht wieder Uniformität durch eine Kulturflatrate herrscht. Nein, das Bewußtsein für Rechte des jweieligen Gegenübers muß geschärft werden, dann herrscht für alle ein Vorteil zum richtigen Preis für jeden.

  87. @ querstand,

    zwei brilliante Beiträge zur Kulturflat bzw. zu dem von Herrn Schweitzer hier hinein gebloggten Rechtsgutachten. Ich bin gerade auch dabei es zu lesen und werde ggf. noch was ergänzen, falls mir noch was auffällt, was noch nicht kritisch dazu angesprochen wurde. Man fragt sich, ob Herr Schweitzer, sich auch zuvor (selbst-)kritische dazu Gedanken machte, bevor er solch unreflektierte Pauschalsequenzen hier hinein bloggte oder ob es ihm nur um Aufmerksamkeit ging:

    Zitat Schweitzer:

    Der Text hat zwar eine Länge von mehreren Dutzend Janson, aber ist sehr erhellend formuliert, in jener gründlichen und nüchternen Sprache des Juristen (eine Diktion, die man hier auch bisweilen lieber läse als das, was stattdessen so abgesondert wird).

    Das Gutachten kommt zu dem Schluß, daß eine solche Flatrate erforderlich, angemessen, sinnvoll und rechtlich möglich ist, wobei teilweise deutsches und europäisches Recht dafür geändert werden müßte. Mich hat der Text sehr überzeugt.

    @ EU-Recht, EU von mir eine Ergänzung:
    Ich sehe eine allgemeine Gefahr und Tendenz, dass die Rechte und Interessen von Nationalstaaten und darin wiederum die schützenswerten Interessen von kulturellen Minderheiten innerhalb einer Gemeinschaft immer leichter angreifbar werden oder zumindest unterhöhlt werden können. Global agierende Medienkonzerne und Lobbyisten, die letztlich am meisten von einer Kulturflat profitieren würden (nicht die Urheber selbst)bekommen so immer leichteres Spiel. Man braucht so die schleichende Legalisierung, zum Nulltarif Kulturgüter im Sinne eigener Profite/Dienste zu verbreiten, bald nicht mehr in jedem einzelnen Staat durch zu setzen sondern wendet/beruft sich einfach auf die Autorität der EU.

    Über solche Aspekte scheinen sich – leider – gerade Parteien wie die Grünen – viel zu wenig kritische Gedanken zu machen, wo sie doch so ansonsten sehr und in anderen Gebieten verdient machten wie z.B. Rechte von Homosexuellen u.a. Minderheiten.

    Die viel berufene „Freiheit“ ist ohne gleichzeitige soziale Gerechtigkeit (und das heißt auch ohne Tantiemengerechtigkeit und Wahrung der Rechte, was mit den eigenen Werken geschehen darf für die Künstler/die Schaffenden) schlichtweg unmöglich.

  88. eggy sagt:

    @alle
    Ihr habt euch hier viele sehr gute Gedanken gemacht, danke!
    @Erik: Es ist vollkommen richtig, dass die Finanzierung von Kompositionsaufträgen im Bereich der Kamermusik eine der großen Leerstellen im Bereich der Kulturförderung in D ist. Ich kenne das Problem von beiden Seiten: Ensembles wenden sich an einen und fragen „wo können wir uns um Dein Auftragsgeld bewerben“ und man muß sie an die immer gleichen 2 Institutionen verweisen: 1) die GEMA-Stiftung, die nur mit winzigen Beträgen operieren kann, oder 2) die Siemens-Stiftung, die zunehmend zum Feuerlöscher für Ensemble Modern, Donaueschingen etc. werden muß, und daher einzelne Kompositionaufträge immer seltener fördert.
    Als Veranstalter muß ich mich ebenfalls an die beiden obengenannten Institutionen wenden, mache mir also eventuell sogar noch selber Konkurrenz.
    Dagegen kennt Holland das von Dir richtig angesprochene direkte Förderungssystem durch die Stichting Scheppende Tonkunst, Finnland hat ohnehin eine starke staatliche Förderung, Österreich hat dutzende von regionalen Fonds für Tiroler Komponisten, Komponisten aus der Steiermark, etc. und Frankreich schliesslich hat durch die SACEM (die französische GEMA) schlicht und einfach das vielfache der GEMA-Summen zur Verfügung. Dies liegt nicht etwa daran, dass die SACEM mehr Geld einnimmt (die GEMA ist tatsächlich größer), aber durch die Statuten der SACEM werden mehr Gelder für Kulturförderung beiseitegelegt als in der GEMA (dafür ist der Unterschied zwischen E und U innerhalb der SACEM geringer).

    @Alexander:
    Deinen Vergleich mit den Autos finde ich eigentlich ziemlich gut und einleuchtend – genau wie Du bin ich der Meinung, dass es zwangsläufig auf mehr Kontrolle im Internet hinausläuft, ob man das will oder nicht. Dabei ist ja Musikdownload nur eine der vielen Baustellen, denkt nur an Kinderpornographie im Internet oder Terrorismus – dass es ersteres gibt sowie der zweite Rekrutierungsseiten für Al Qaida und Bombenbastelanleitungen ins Netz stellt halte ich ehrlich gesagt für ebenso problematisch, wenn nicht problematischer als Musikdownload.
    Meine Vermutung ist, dass es irgendwann auf den Verlust der Anonymität im Internet herausläuft (das ist ja ohnehin schon so – wer sich nicht bewußt über zwischengeschaltete Seiten „maskiert“ ist ziemlich sichtbar, und durch neue Dienste wie googles „buzz“ stellen manche sogar freiwillig ihre privaten Mailkontakte zur öffentlichen Überprüfung ins Netz.
    Ich gehöre auch zur Generation derer, die im Internet einen großen Freiraum sehen, der ja auch Vorteile hat (zum Beispiel in Diktaturen wie im Iran), aber realistisch betrachtet wird die stärkste Interessenlage gewinnen.

    Generell stellt sich die Frage, inwieweit Verlage etc. wirklich unnötig werden, da jeder ja selber etwas ins Netz stellen kann. Ich denke es wird in Zukunft darauf hinauslaufen, dass die „richtige Platzierung“ im Netz eine Rolle spielt, dass es also bestimmte „Prestige“-Seiten gibt, die viele konsultieren, und auf denen man dann platziert sein muß. Die schlauen Verlage werden also zunehmend Portale nutzen oder selbst aufbauen. Im gigantischen Wust der eigenen Webseiten und youtubevideos geht eigentlich so ziemlich jeder im Moment unter, oder?

  89. querstand sagt:

    @ geissler, eggy, alle

    1.)Lieber Moritz, ich denke, daß ich der mit dem holländ. Modell war… Wie gesagt, höhere Honorare, generell überhaupt gefördert durch die öffentliche Hand und auch ein stärkeres Stiftungswesen, durchaus im Sinne Kreidlers, aber jenseits der Kulturflatrate, wäre auch für mich sehr gut vorstellbar. Die Frage ist tatsächlich, wie man so etwas finanzieren könnte. Natürlich wäre ein Obolus aus der Kulturflatrate ein Weg. Genauso wäre es aber auch denkbar aus den bestehenden Abgaben eine Möglichkeit zu kreieren: aus der GEZ, aus den bestehenden GEMA-Einnahmen, aus bestehenden Förderungen der öffentlichen Hand.

    Da kommt mir in den Sinn: in München war letzthin die Idee einer Kulturtaxe im Gespräch, zu zahlen von Allen 10 Mio. Touristen. Das ergäbe dann immerhin 20 Mio. Euro, soviel wie z.B. die städtischen Kammerspiele kosten würden. Letztlich wäre das aber ein Tropfen auf den heissen Stein, da der Ertrag mind. 10 mal so hoch sein müßte. Davon abgesehen gibt es nach bayerischen Recht gar nicht die Möglichkeit für solch eine Taxe, es ginge nur eine Fremdenverkehrsabgabe, in etwa auch in Höhe von 20 Mio. Euro.

    Man sieht also, wie schwer man sich tut. Davon abgesehen sind aber neue Abgaben und Flatrates auch schwer Allen zu vermitteln, wo es überall drückt und zwickt. Letztlich müsste man bestehende Systeme relativ verwaltungskostenneutral umlenken. Vielleicht doch eine Umverteilung innerhalb der Systeme GEMA und GEZ? Ggf. sogar weniger pauschale Ausschüttungen, doch eher qualitativ gesteuerte Ausgaben, zumindest in grösseren Teilen als jetzt für Honorare? Und eben auch auf kommunaler Ebene die Möglichkeit nicht nur Musiker, sondern relativ gleichrangig auch den Komponisten zu finanzieren, ohne daß er dirigieren muß oder Kartenabreisser spielt?

    2.) Zu den Verlagen: es ist ihnen zu wünschen, daß sie vermehrt das Netz nutzen. Nur: da könnten wir tatsächlich auch selbst mithilfe der GEMA einen deutschen DONEMUS-Verlag gründen, der generell alle Geförderten unterstützen würde, so ähnlich wie auch die Musicedition in der Schweiz. Das müsste natürlich via Internet viel lebendiger und noch offener, dennoch auf Qualität bedacht. Und das haben wir selbst in der Hand, können es zumindest zum Ansatz durch unsere dann aufgeteilten GEMA-Einnahmen finanzieren, besser als einen starren Verlag und können auch selbst Materialkosten, also Leihgebühren, zum allgemeinen Nutzen und Zwecke dieser Einrichtung einsetzen, ggf. auch solidarisch ausschütten, wenn es die Einnahmen erlauben. Da liegt wirklich Revolutionspotential… Oder: wie wäre ein BADBLOG-Verlag auf den Seiten der NMZ?!? CD’s vertreibt Ihr ja schon, da wäre doch ein qualitatives Notenonlineportal zeitgenössischer Musik eine tolle Sache…

    3.) Anonymität: man sieht ja auch hier, wie schwer es ist anonym zu bleiben. Die meisten Anonymen sind irgendwie suspekt oder halten sich ewig bedeckt, bis sie mal wieder auftauchen… ach, die traute Traute…

  90. Q moritz,

    sehr gut, dass hier mal konkret von Dir angesprochen wurde, dass es in anderen Ländern ja Stiftungen und mehr staatliche Förderung für Komponisten gibt, die zumindest für ein gewisses Grundauskommen derselben sorgen und für mehr Möglichkeiten, bezahlte Aufträge zu erhalten (und zwar ZUSÄTZLICH nicht anstatt der angemessenen, berechtigten Verwertungstantiemen!).

    In Deutschland dagegen sehe ich die bedauerliche Tendenz, auch in der Kulturpolitik/im Kunstsystem selbst:

    Zunächst einmal (gegenüber der Kulturindustrie, den Kulturnutzern) eigene Rechte und berechtigete Forderungen (z.B. auf ein angemessenes Auskommen für das Verbringen mit Zeit mit Komponieren, zusätzlich für kulturelles Engagement etc.)in vorauseilendem „Gehorsam“ bereitwillig selbst zu beschneiden, ohne irgendwelche konkrete Forderungen/Konzepte damit zu verbinden, wie man denn in Zukunft als Komponist – wenigstens ansatzweise – ein Auskommen/eine Würdigung für das Komponieren erhalten solle.

    Stattdessen wird nun anscheinend von einigen der nachfolgenden Generation diffus als Allererstes auf ein dann aufkommendes Mäzenatentum seitens der Privatwirtschaft gehofft oder vertraut (welches aber m.E. in dem erforderlichen Maße ausbleiben wird, würde die Kulturflatrate kommen; gerade für uns E.-Komponisten, für Hochkultur, für Neue Musik). Denn die Wirtschaft, gerade Großkonzerne werden doch nur das fördern, was nur in der Breite werbewirksam und zugleich massenmedial erfolgreich und leicht vermittelbar/konsumierbar ist und damit für die INvestition des Kultursponsoring wieder an Geld herein kommt, so ist das nun mal in einem – momentan leider immer noch mehr marktradikal denkenden Wirtschaftssytem. Denn die Privatwirtschaft fördert ja nicht aus reinem Gutmenschentum oder Altruismus Kultur, auch wenn ich nicht in Abrede stellen will, dass solche Werte da auch eine Rolle spielen. Und angesichts der sicher noch lang andauernden Wirtschaftskrise könnten auch mittelgroße oder kleinere Firmen/Unternehmen den Mangel an Förderung nicht ausgleichen, wo es ja durchaus welche von gibt, die mal ab und zu ein Herz für moderne Musik, für Innovatives haben).

    Und auch ich sehe die winkenden Vorteile des Internets ja und verteufele es keineswegs. Aber wir sollten endlich eine kritischere Haltung einnehmen. Nicht immer dieser ewige, blinde Zukunfts- und Technologie- oder Globalisierungs-positivismus irgendwie diffus gepaart mit auf der anderen Seite zynischer Weltuntergangsstimmung und das „Wir werden ja eh geschluckt“/gehen ja sowieso unter“…

    Das hilft uns allen doch nicht weiter, egal welchem Stil/Ästhetik man sich persönlich nah fühlt: ob eher komplexistisch-expressionistisch (Schönberg Erbe) oder neoromantisch, ob nun „Hardcore“-Neue Musik (böse gesagt) oder Crossover-Tendenzen:

    Das Erwachen aus dem unkritischen Schlaf der Unmündigkeit, kritisch-aufklärendes Denken sind notwendig und jetzt gefragt: Diese Werte müssen wieder zu einer gehaltsästhetischen Wende, zu einer WAHREN zweiten Moderne (nicht Pseudo- zweite Moderne als ewig verlängerte oder variierte Postmoderne) führen.

  91. querstand sagt:

    @ erik
    Ich denke, daß meine Postings gar nicht so „negativ“ gedacht sind. Mit der Flatrate gehe ich ja aus diversen Gründen hart ins Gericht. Dennoch gibt es Vorschläge, das Bestehende zu erweitern/ergänzen, samt eben dann doch positiver Sicht auf das Netz, Do-it-yourself im starken Verbund, sogar mit der GEMA oder ähnlichem im Hintergrund, ggf. sogar eben stärkerer Anspruch an Qualität im Gegensatz zu den Kraut und Rüben Möglichkeiten für jeden. Aber auch diese Kraut und Rüben Möglichkeiten bieten natürlich jetzt schon Möglichkeiten der Vielfalt.

    Ob man aber stilistisch was ändert? Das eher nicht. Oder: wenn das Netz ein so breites und geschwindes Verbreitungsmedium gerade auch für unsere Musik sein kann, das mit der Qualität vielleicht etwas besser gehandhabt wird, wird ein breiteres Spektrum herrschen, als man das immer so lieb hat. Aber irgendwem irgendwas verbieten sollten wir auch nicht. Auch wir müssen mehrere individuelle Schreibarten nebeneinander ertragen. Das ist nicht postmodern, das ist eben gerade zeitgenössisch. Dies ist natürlich kritisch zu beleuchten auf gute und schlechte Stücke. Aber so eng und einfach wie vor 30 Jahren wird es nie wieder sein!! Da hat sich Gott sei Dank vieles geändert. Und: warum nicht ein Neue-Wiener-Schule verwurzeltes neues Stück, ein Ars-Nova-verwurzeltes neues Stück, ein popverwurzeltes neues Stück nebeneinander? Das gibt es doch schon heute, wenn man Bernhard Lang mit Mahnkopf mit einem Spektralisten in einem Konzert kreuzt: da können eben sehr verschiedene, doch sehr gute drei Stücke erklingen. Warum nicht noch ein wirklich guter Song dazu? Wenn die Qualität all dieser Sachen stimmt, stimmt auch das Konzert. Ansonsten wirkte mal wieder einer von vielen kritiklosen Kuratoren, was natürlich echt blöd wäre.

    Aber das Spektrum wird eben breiter sein. Wenn es dann mal wirklich wieder schmaler wird, weint man garantiert selbst der heutigen bösen Zeit Tränen nach… So schlimm ist Alles heute auch nicht wieder. Und ich bin froh, den grössten Teil meines Lebens nach Ligeti, nach Grisey, nach Schnittke, nach Stockhausen aller Voraussicht verbringen zu dürfen und nicht Bestandteil der damaligen Probleme zu sein! Hier stehe ich und kann nicht anders!!! Also lass es uns geniessen und diese Freude Allen mitteilen.

    Mahlzeit, Alexander Strauch

  92. Sehr gespannt und erfreut über die Qualität der Argumentationen, lieber Querstand, liebe Baddies, verfolge ich das Gespräch hier. Innerhalb der nmz-Redaktion gibt es harte Fronten zum Thema: In der kommenden Ausgabe drucken wir einen gerade entstehenden Disput zwischen Martin Hufner und Barbara Haack in Sachen Kultur-Flatrate. Auf der Frankfurter Musikmesse (vom 24. bis 27. März) werden Monika Bestle, Harald Heker, Jörg Evers, Bettina Müller – ferner FDP-Otto, GRÜNEN-Krumwiede, ev. SPD-Cypries – aber auch Vertreter der Hardware-Industrie (ganz zu schweigen von Moritz samt Hämmerklavier live) auf unserer Info-Bühne (Halle 3.1) Rede und Antwort stehen. Wenn jemand aus dem Bad-Block Lust hat, sich auch zu beteiligen: Bitte eine kurze Mail an mich. (Wie wärs, Johannes Kreidler???)

    Was mich betrifft finde ich mich in der Frage grob schizo wieder: Einerseits finde ich die angemessene Entlohnung kreativen Schaffens (jaja, GEMA-Jargon) unter dem Druck technischer Innovation als gesellschaftspolitisches Zentral-Thema. Und da böte die Flatrate angesichts der Tatsache, dass die „Schöpfer“ derzeit hinter den Struktur- und Hardwareanbietern herhecheln wie der Hase hinter dem Igel einen auf den ersten Blick pragmatischen Problemlösungsansatz. Andererseits sträubt sich in mir alles bei der Vorstellung, dass der „Wert“ von Kompositionen beispielsweise einem quantitativen und somit zwangsläufig materialistischen Kriterienkatalog unterworfen würde – von der aufwändigen und womöglich rasenmähermäßigen Verteilungsproblematik einmal ganz abgesehen.
    Wer im letzten SPIEGEL den undifferenzierten GEMA-Verriss gelesen hat, mag mit mir vermuten, dass hier eine Kampagne gestartet wurde, an der unsere liebe Verwertungsgesellschaft dank grober Strukturfehler natürlich selbst mit schuld ist. (Und jetzt beruft man auch noch eine außerordentliche Mitgliederversammlung wegen Verteilungs-Ungereimtheiten ein, bei der die „angeschlossenen und außerordentlichen“ Mitglieder gar nicht eingeladen werden – wie dämlich!).
    Bei aller Insuffizienz und Intransparenz scheint die GEMA derzeit dennoch die einzige politisch restpotente Bastion (siehe PC-Abgabenregelung) gegen das totale Schreddern des Urheberrechts im Sinne anglo-amerikanischer Super-Content-Profiteure. Die GEMA radikal erneuern – das konnte bislang nicht der Vorstand, und eigentlich können es auch nur die Mitglieder. Allerdings hat sich im Aufsichtsrat offensichtlich ein Besitzstands-Wahrungs-Denken durchgesetzt, das jede Reform verhindern wird. Aber, wie Harald Heker soeben selbst freundlich vorschlug: Niemand hindert jemand, eine neue (europäische?) Verwertungsgesellschaft zu gründen…
    Soviel zwischendurch – und Dank für die vielen Denkanstöße
    geissler@nmz.de

  93. Benjamin Schweitzer sagt:

    @Alexander Strauch:

    Das sind sehr genau ausgeführte und bedenkenswerte Dinge, die im übrigen nicht so weit von meiner Position entfernt sind. Wir sind uns darin einig, daß der Schutz des Urheberrechts sowie die Vergütung und Genehmigungspflicht von Live-Aufführungen und kommerzieller Verwendung geschützter Werke und Inhalte grundsätzlich weiterbestehen müssen (und so lese ich auch dieses Gutachten).

    Die ganze Auseinandersetzung entzündet sich nur an der Haltung zum „Kulturflatrate“-Konzept als Legitimierung und pauschale Abgeltung von Privatkopien und P2P-Austausch/Download.

    (Ich frage mich ein bißchen, warum sich hier manche so sehr dagegen positionieren, wo es sich dabei doch um Inhalte und Verbreitungswege handelt, mit denen E-Komponisten so gut wie gar nichts zu tun haben – aber gut, es geht scheint’s ums Prinzip.)

    Dieses Gutachten führt aus, daß im Moment zwar theoretisch jeder Urheber jeden illegalen nichtkommerziellen Download rechtlich verfolgen und unterbinden kann, aber faktisch in die Röhre schaut, weil das in der Masse gar nicht möglich ist und die Strafverfolgungsbehörden viele Fälle als Bagatellen behandeln und dem nicht weiter nachgehen. Deshalb wird dort argumentiert, daß es besser wäre, alle bekämen via Flatrate eine materielle Entschädigung. Das ist eher pragmatisch als ideell gedacht.

    Sie haben ja selbst mit dem Verweis auf „copy us“ den Hinweis geliefert, daß Urheber unter bestimmten Bedingungen ein Interesse daran haben können, auf einen Teil ihrer Rechte/Vergütungen (Vervielfältigung und Verkauf von Noten) zu verzichten, um dafür die Chance wahrzunehmen, an anderer Stelle höhere oder überhaupt erst Erträge zu generieren (Hoffnung auf mehr Aufführungen und weitere Verbreitung, da jeder die Noten kostenlos erhalten kann).

    Das kann man zwar nicht 1:1 vergleichen, aber der Grundgedanke ist ähnlich. Natürlich haben Sie da immer noch in der Hand, welche Stücke Sie freigeben und welche nicht. Technisch kann jedoch heute auch jeder eine Ausgabe eines zeitgenössischen Werkes kaufen, scannen und als PDF zum Download anbieten oder einfach kopieren und an seine Freunde verschenken, aber macht sich damit strafbar. Bei Büchern ist es ebenso, nur ist es in beiden Fällen aufwendiger und mühevoller und die Zielgruppe wohl auch an solchen Vorgehensweisen nicht so massenhaft beteiligt.
    (Ich fände es allerdings schon interessant zu hören, ob Sie den Eindruck haben, daß Ihre copy-us-Stücke häufiger gespielt werden, weil man sich die Noten nicht kaufen muß.)

    Ich sehe ein, daß das Argument „es machen doch alle, also legalisiert es“ alleine nicht stichhaltig ist (das habe ich ja an anderer Stelle auch gesagt). Aber die „normative Kraft des Faktischen“ kann man auch nicht völlig von der Hand weisen: die technischen Möglichkeiten sind da und werden massenhaft genutzt, und die Rechtslage muß sich dem in irgendeiner Weise anpassen, weil die Urheber derzeit ihre Rechte zwar noch innehaben, aber faktisch nicht wahrnehmen können.

    @Janson: ich weiß ziemlich genau, wie wichtig die GEMA (für mich und andere) ist. Unter anderem deshalb fahre ich jedes Jahr unverdrossen zu den Mitgliederversammlungen, wo ich Ihrer werten Person bis dato aber noch nicht wissentlich begegnet bin. Aber vielleicht haben Sie sich gut versteckt (Moritz weiß, hinter wem das möglich wäre ;-).

    @Moritz: es würde mich wundern, wenn du alle deine Aufträge immer abwechselnd von Siemens und der GEMA-Stiftung und sonst von niemandem finanziert bekommen hättest. Leider stimmt es, daß viele Interpreten es den Komponisten aus Unkenntnis der Möglichkeiten überlassen, sich ihre Honorare selbst zusammenzusuchen, und es ist auch richtig, daß es noch viel mehr Fördermöglichkeiten für Aufträge gerade für „kleinformatige“ Projekte geben müßte.
    Aber es gibt eine Menge Gegenbeispiele, gerade bei jüngeren und/oder solchen Musikern, die nicht aus dem institutionellen Bereich kommen, sondern gewöhnt sind, auch ihre Konzerte auf dem Antragsweg oder über Mäzene gefördert zu bekommen.

  94. querstand sagt:

    @ Benjamin Schweitzer

    Nun, mit copy-us erwischen Sie mich kalt ;-) An dem Modell finde ich v.a. interessant, daß man als Komponist unabhängig von etablierten Verlagen eigenständig seine Sachen ins Internet stellen kann. Und das auf Basis eines normalen Verlagvertrags – dito o.g. Das Problem ist letztlich die Verbreitung. Das Modell copy-us ist sehr neutral gedacht, es bietet einfach die Möglichkeit der Veröffentlichnung und ist bis zu einem gewissen Grad mit ähnlichen Plattformen international vernetzt. Das kann zur automatischen Verbreitung eines Werks beitragen, ist aber letztlich fast aleatorisch. Das Problem ergibt sich aus der unterschiedlichen Qualität der Werke, die ein unterschiedliches Zielpublikum anspricht. Alles, was dort an tonalen Sachen angeboten wird, könnte Chöre, engagierte Laien, etc. ansprechen. Alles, was ich einfach nur mal spielschwerer nenne, braucht eigentlich flankierende Maßnahmen der Eigenwerbung.

    Ein Problem, was man aber auch bei etablierten traditionellen Verlagen immer wieder findet, die sich letztlich auf das Ausdrucken der Finale- oder Sibeliusdateien beschränken. Dort muß der Komponist eigentlich auch eine eigene Agentur beschäftigen. Wobei man dies auch nicht als so schlimm empfinden muß. Wenn der Verlag schlank sein will, kann er eben z.T. nur die technische Verbreitung vornehmen. Für den Rest sucht man sich dann wieder spezifische Dienstleister. Das wird allerdings prekär, wenn man immer irgendwie noch am Anfang steht und es sich schlicht finanziell nicht leisten kann.

    Für Deutschland ist copy-us durchaus eine Innovation. Es könnte aber auch qualitativ forcierter zugehen oder einfach nur etwas spezialisierter, so Richtung des bösen Wortes Neue-Musik z.B.. Dies ist natürlich dann weniger neutral ausgerichtet als copy-us. Das könnte aber auch wieder zur Bündelung von engagierten KomponistInnen beitragen und so auch einen gewissen Werbeeffekt mit sich bringen.

    Ich sprach ja auch z.B. von der schweizer Musicedition. Da wird durchaus eine Vorauswahl getroffen und die Werke werden ganz traditionell gelagert und auf Anfrage hin postalisch versendet. Weitestgehend ist dies ein Zusammenschluß von Komponisten, auch so eine Art nationale Musiksammelstelle – und das neben der gewaltigen Sacher-Stiftung, die ja aber international ausgerichtet ist! Ähnlich der niederländische DONEMUS-Verlag, der aber v.a. die Leute verlegt, deren Werke Auftragswerke des holländischen Stiftungssystems sind. Aber auch eher traditionell ausgerichtet.

    Nun, copy-us hat nicht unbedingt zu gehäuften Aufführungen bei mir geführt. Allerdings wurde Material schon öfters gesichtet als nur durch Eigenwerbung. Aber es könnte noch intensiver zugehen. Immerhin erwogen schon einige Schlagzeuger mein für das Jugendorchester von Jobst Liebrecht komponierte Marimbakonzert nachzuspielen, es mangelte nur immer am Orchester… Letztlich versuchte ich anhand meiner Dresdner Opern-UA letzten Herbst in Kontakt mit Verlagen zu kommen, was aber bis auf 2 knappe Interessensbekundungen eher bizarr ausfiel. Auch war ich da immer etwas nachlässig, so daß ich da Nachholbedarf habe. Andererseits finde ich meine Stücke in Händen traditioneller Verlage irgendwie unsexy, eigentlich würde es nur als bessere Visitenkarte für unsere ewigen Musikauftraggeber taugen.

    So wäre mir ein unabhängigeres Modell lieber, solange halte ich copy-us die Treue, bis sich was reizvolleres böte oder copy-us im Gegenzug etwas exklusiver würde. Sollte nun eine Neugründung eines komponistenselbstverwalteten Verlags erfolgen, der im Ansatz die Offenheit von copy-us hätte, die Auswahl durch unterschiedliche doch ernsthafte Kollegen wie bei der Musicedition und das Honorarpotential wie Donemus in Kombination mit einem überregionalen Auftragswesen – also hier z.B. in Verbindung mit den deutschen Haupststiftungen wie Landesstiftungen, Bundeskulturstiftung, Siemens und GEMA, mit einem generationsübergreifenden, qualitativ hochstehenden und stilistisch vielfältigen Auswahlgremium und dann der freien Möglichkeit der Online-Publikation, was immer man schreibt und einer ggf. vorhandenen kräftigen Werbung ausgesuchter Stücke, da wäre ich sofort dabei, das wäre eben sexy, modern, aber doch irgendwie zielgerichteter als die bisherigen Innovationen im Lande. Daß dies durch GEMA-Nähe gut über Ausschüttungen, wie sie zwischen Verlag und Komponist üblich sind und die anderen alten Modelle einerseits finanzierbar wäre und dann durch neuartiges Rechtemanagement, wäre dann fast schon wieder kreidlernah.

    Zur Kulturflatrate auf ein Neues: nach nochmaligen Nachdenken bleibt meine Skepsis dennoch bestehen. Ich möchte einfach nicht das bisherige System total geopfert sehen, aber doch mit mehr Freiräumen im Sinne der alten Privatkopie und der weitergehenden Erlaubnis für schöpferisches Zitieren inklusive genauer Abgeltung des Zitierten. Andererseits ist schon klar, daß nicht x-tausend Leute kriminalisiert werden sollten für illegale Downloads.

    Nur: selbst wenn die Flatrate käme, wird es trotzdem illegale Versuche geben, die Flatrate zu umgehen oder auch das Zählsystem auszunutzen. Bei einer Verfolgung dieser Sachen wird es doch irgendwie bleiben müssen. Und letztlic wird ja die Masse der Downloads das Geschäft bestimmen. Seltener Heruntergeladenes bleibt auf der Strecke. Auch würde letztlich bei der Verteilung der Flatrateeinnahmen selbst das beste Jurysystem zu Ungerechtigkeiten führen. Und der kommerzielle Markt würde seine Juries durchsetzen oder eben statt mit Juries nur durch Quantität arbeiten. Da es für uns mehr oder minder doch Neue-Musik-Schreiber auch niemals so wahnsinnige Erträge brächte, kann es das klassische System eigentlich nur ergänzen, nicht ersetzen. Vielleicht wäre ein Lösungsansatz, Internetverbreitung und tatsächliche Aufführung wirklich nur getrennt zu betrachten: wie die Leer-CD- und Gerätepauschale ein Obulus von wenigen Euro auf jeden Internetanschluß als Ergänzung und eine ähnliche Abrechnung wie die Klassiker. Sendungen im Netz wie Sendungen im Radio und TV vergüten. Und das Hauptaugenmerk auf Aufführungen. Notenmaterial im Netz zum kostenlosen Download. Denn, wer kompositorisch unbedingt was kopieren möchte, der leiht sich die Werke eben in der Staatsbibliothek aus und plagiiert dann auch. Aber dem Weltwissen stehen die reinen Druckerzeugnisse zur Verfügung, ob nun nach Ablauf der Aufführungsvorbehalte der Auftraggeber oder eben ohne Auftrag geschrieben. Oder man stellt sie eben vorerst selbst noch nicht online zur Verfügung. Und das Hauptaugenmerk auf die Aufführung und die akustische Verbeitung, wenn es um Ausschüttungen des Urheberrechts geht.

    Ich gebe zu, daß ich mich da durchwinde. Ich habe aber so meine rechtlichen Probleme mit dem Grundrechtseingriff des Rechtsgutachtens der Grünen oder dem totalen Wegfegen des jetzigen Systems. Organische Weiterentwicklung ist allemal sozialer als ein Totalumbau. Lustigerweise würden sich jene Befürworter mit der FDP wieder an dem Punkt treffen, auch wenn diese Flatrate=Sozialismus gellt, daß z.B. das Steuer- oder Gesundheitskostenmodell total abzureissen und zu erneuern sei. So wäre auch mancher Grüner eher liberal als sich selbst grün. Also die alten Pflänzchen hegen und neue zum Mitwachsen bewegen. Dies als Abendgebet,

    Euer Alexander Strauch

  95. @ Schweitzer:

    Ich sehe ein, daß das Argument “es machen doch alle, also legalisiert es” alleine nicht stichhaltig ist (das habe ich ja an anderer Stelle auch gesagt). Aber die “normative Kraft des Faktischen” kann man auch nicht völlig von der Hand weisen: die technischen Möglichkeiten sind da und werden massenhaft genutzt, und die Rechtslage muß sich dem in irgendeiner Weise anpassen, weil die Urheber derzeit ihre Rechte zwar noch innehaben, aber faktisch nicht wahrnehmen können.

    Das ist pure Augenwischerei, Herr Schweitzer; ob Sie nun „normative Kraft des Faktischen“ sagen oder “ es machen doch alle [das kostenlose downloaden, tauschen, Kopieren], also legalisiert es“, wenn Sie damit eine Kulturflat „rechtfertigen“ wollen. Meiner Ansicht nach müssen dann gerade schärfere Gesetze her die Urheber in der Internetsphäre zu schützen und die dann eine gerechte Verteilung bewirken. Aber seit wann ist das, was gerade Status Quo ist gleich die NORM für gesellschaftliches Recht und Handeln? Das ist mir völlig neu. Dies gilt für Sie vielleicht oder für Neoliberalisten, die vollendete „Tatsachen“ schaffen wollen. Man kann Marginalisierung und Unrecht nicht dadurch weg schaffen indem man es einfach legalisiert oder sich den Gegebenheiten anpasst.

    Ich schließe mich zudem querstands Hinweis auf die Erfassungs- und Abrechnungsproblematik bei Downloads
    im Falle der Kulturflat) an, um hier nur ein Beispiel zu nennen.

    Ich erinnere zudem nochmal an meine anderen Bedenken gegen die negativen Nebenaspekte einer Kulturflat, die von mir genannten 4 Punkte von meinem Blogbeitrag oben (vom 16.2., 19:39 Uhr).

    @ Herr Geißler:
    Wozu eine neue, gesamteuropäische Verwertungsgesellschaft?
    Der Austausch der Verwertungsgesellschaften funktionierte bislang relativ gut.
    Und bereits jetzt wird ja andererseits von vielen wie auch von Ihnen und anderen hier manches zu
    Dann noch eine Europäische RIESEN-GEMA?! Also ein noch größerer Verwaltungsapparat?

    ZUdem: dem Aufsichtsrat oder Vorstand der GEMA „Besitzstandswahren“ zu unterstellen ist recht einfach; stattdessen sollten Sie selbst mal konstruktive Vorschläge machen, wie denn Tantiemen und eine Verteilungsgerechtigkeit für Komponisten im Falle einer Kulturflat in der PRAXIS gesichert werden könnten. Darauf gibt hier keiner Antworten, ebensowenig auf meine Einwände/Skepsis, wo denn die Mittel her kommen sollen für evtl. nötige Ausgleichsfonds o.ä.

    Oder würden SIE freiwillig die NMZ auflösen?

    @ Moritz (Klammerberufung v. Benjamin) bzw. Herr Schweitzer: ich weiß nicht, was die unverschämte Bemerkung mit den GEMA-Mitgliederversammlungen soll; Sie lenken damit nur davon ab, dass Sie substantiell nichts neues pro Kulturflat sagen konnten – im Gegenteil (s. Zitat oben, das es sich noch einfacher macht), und dass Sie hier Gegenargumente nicht mal ansatzweise entkräften konnten. Das ist alles:

    1. war ich bei zahlreichen GEMA-Versammlungen, konnte leider nur letztes Mal wegen unumgänglicher anderer Termine nicht dabei sein; bin halt
    leider erst außerordentliches Mitglied, da erst seit 1995 dabei, und daher bin ich in der anderen Sitzung, der Außerordentlichen; daher haben wir uns vielleicht nicht gesehen. Bei den kommenden Sitzungen werde ich mit Sicherheit da sein.

    2. verstecke ich mich in der GEMA hinter niemandem; zu jedem dort verhandelten Punkt habe ich meine eigene Meinung und bilde sie mir stets vorher; ich finde eher, Herr Schweitzer, dass Sie sich vielleicht in einigen Punkten hinter Leuten verstecken (wo Ihnen nun z.B. hier im Blog nun Herr Geißler zu Hilfe kommt…) bzw. sich bei bestimmten Leuten mit Ihrer Pro-Kulturflat-Position beliebt machen wollen. Aber dann unterlassen Sie doch bitte diese Projektionen anderen gegenüber.

  96. Pèter Köszeghy sagt:

    Es ist überaus interessant den Ablauf dieser Blogseite zu betrachten. Diese ganze Bad Blog – nicht nur diese Teil, sondern alle anderen – ist eigentlich nur ein Forum für den Herren Eggert, Schweitzer, Kreidler, Lücker (den Herren Hahn lasse ich weg, da er doch sehr vernünftige Sachen schreibt), die sich überlegt haben, plötzlich einen „Revolutzer“ zu werden – weil sie bestimmte Positionen erhoffen (wo auch immer). Dann noch der „lieber“ Herr Geißler, der immer dann plötzlich auftaucht, wenn einer von seiner „Jünger“ bedrengt wird und aber überhaupt nichts substanzielles sagt, sondern auch noch einiges „deformiert“ (BRAVO , Herr Geißler! – ich würde Ihnen eigentlich auch empfehlen, ihren tollen NMZ aufzulösen). Also, wisst ihr, es hat sich hier nicht viel verändert. Damit verabschiede ich von hier, und wünsche Allen noch weitere tolle geistige Ergüsse. PK.

  97. eggy sagt:

    @Peter
    Wir wollten doch mal mit den gegenseitigen Unterstellungen aufhören. Vielleicht geht da nicht jeder mit gutem Beispiel voran, aber ich denke es wäre schon der beste Weg, wenn wir diese immer wieder mal in die Runde geworfenen NMZ-Verschwörungstheorien lassen würden. Diese Diskussion ist intensiv, aber von allen Seiten (damit meine ich auch Deine) gehaltvoll. Allein dies sollte man schon mal respektieren.

    @ Erik:
    Was genau meinst Du hiermit:

    @Moritz(Klammerberufung v. Benjamin) bzw. Herr Schweitzer: ich weiß nicht, was die unverschämte Bemerkung mit den GEMA-Mitgliederversammlungen soll;

    Ich kann mich nicht erinnern, eine unverschämte Bemerkung Dir gegenüber gemacht zu haben???

    @Benjamin:
    Selbstverständlich habe ich nicht alle meine Aufträge über Siemens bzw. GEMA-Stiftung finanziert. Ich meinte damit nur, dass dies die einzigen beiden Stellen sind, bei denen sich ein Komponist individuell und unabhängig von Ensembles, Festivals und Rundfunksendern um Aufträge bewerben (also selber vorschlagen) kann. Eine solche Anlaufstelle sollte es m.A. der Vielfalt halber geben, viele andere Länder haben so etwas in wesentlich erweiterter Form als hier, und in Deutschland können diese beiden Institutionen das nicht mehr wirklich leisten.

  98. @ All,

    der oben stehenden Kritik und Feststellungen von Pèter Koeszeghy kann ich mich nur anschließen. Ich habe hier ja von Anfang an mit gebloggt, bin vorübergehend ausgestiegen, kam schnell wieder. Wurde auch wieder privat animiert, sogar von Leuten wie Moritz und Gastblogger querstand weiter zu bloggen(Danke, gerne sprechen wir privat weiter).

    Aber es ist doch sehr auffällig und übersteigt nun auch endgültig mein Maß an Toleranz, was hier abläuft: immer wenn einem Herrn Schweitzer (verlegt bei Schott, der auch dieses nmz-„Badblog“ betreibende Redaktion und die nmz angehört) auf der Sachebene die Argumente aus gehen und er sich (andere pauschal abqualifizierend) mit seinen Bloggings im Kreis dreht, dann kommt die Hauptredaktion dieses Blogs und von Schweitzers Verlag (Herr Geißler)zu Hilfe.

    Auf dieser Basis macht es wirklich keinen Sinn mehr,
    irgendwie konstruktiv weiter aktiv mit zu diskutieren, wenn sowieso klar ist, wer hier wann, warum und zu welchem Zwecke im Diskurs hier bestimmte Positionen einnimmt und welche Ergebnisse am Ende des Diskurses heraus kommen sollen (kritikloses Pro Kulturflat und diffuse Pauschalkritik der „reformunfähigen GEMA“ und substanzloser Ruf nach „Reformen“ (was am Ende meist Einschnitte für die Komponisten bedeutet und auf eine Schwächung der GEMA hinaus läuft).

    Zitat Herr Geißler:

    Die GEMA radikal erneuern – das konnte bislang nicht der Vorstand, und eigentlich können es auch nur die Mitglieder. Allerdings hat sich im Aufsichtsrat offensichtlich ein Besitzstands-Wahrungs-Denken durchgesetzt, das jede Reform verhindern wird. Aber, wie Harald Heker soeben selbst freundlich vorschlug: Niemand hindert jemand, eine neue (europäische?) Verwertungsgesellschaft zu gründen…

    Ich werde weiter mitlesend beobachten, wie selbstgefällig und selbst-protegierend hier im engen Zirkel – nur um des Kritisierens z.B. der GEMA-Organe willen und um die Solidargemeinschaft der Komponisten
    zu schwächen oder zu spalten – immer dieselben Leute sich selbst beklatschen und wie (s. im obiges Zitat von Herrn Geißler, offenbar Mitglieder gegen die GEMA diffus aufgebracht werden).

    Sich darüber gar nicht mehr wundern, das tun sicher schon mittlerweile viele andere aus der Neue Musik-Szene, die die Zusammenhänge und Motive sicher viel besser kennen als ich.

    Ausnehmen möchte ich von meiner massiven Enttäushung/Kritik tw. Moritz wegen seiner Offenheit auch anderen Positionen gegenüber, vor allem Arno Lücker und Patrick Hahn wegen anderer spannender, vor allem ästhetischer und hinterfragender Beiträge.

    Klug war, wer von vorne herein nicht auf dieses Theater hier herein fiel und nur schmunzelnd mit gelesen hat.

    Man kann darüber, was hier abläuft nur noch den Kopf schütteln und sich über die viele verschwendete Zeit ärgern.

    Noch viel Erfolg wünscht,
    Erik Janson

  99. @ Moritz, wegen Deiner Nachfrage noch:

    @ Erik:
    Was genau meinst Du hiermit:

    @Moritz(Klammerberufung v. Benjamin) bzw. Herr Schweitzer: ich weiß nicht, was die unverschämte Bemerkung mit den GEMA-Mitgliederversammlungen soll;

    Ich kann mich nicht erinnern, eine unverschämte Bemerkung Dir gegenüber gemacht zu haben???

    Ich meinte nicht, Moritz, DICH von wegen „unverschämte Bemerkung“ bzgl. GEMA-Versammlungsbesuch (bzw. Nicht-Besuch, da ich, wie erläutert auf den letzten Sitzungen wegen anderer unverschiebbarer Termine leider nicht konnte und gar nicht da war (zudem nur außerordentliches Mitglied und mich deswegen nicht in einem Blog von Schweitzer anmachen lassen muss).

    Meine Empörung bezog sich auf Benjamin Schweitzers Blogging vom 17.2. (gestern) um 13:14 Uhr. Mit dem Klammertext hatte er dich (mit Smiley am Ende!) ins seine Unterstellungen mir gegenüber (ich würde mich angeblich hinter Leuten verstecken) implizit mit einbezogen, hier nochmal das ganze Zitat von Schweitzer, kannst Du/können alle gerne oben auch nochmal selbst nachlesen:

    @Janson: ich weiß ziemlich genau, wie wichtig die GEMA (für mich und andere) ist. Unter anderem deshalb fahre ich jedes Jahr unverdrossen zu den Mitgliederversammlungen, wo ich Ihrer werten Person bis dato aber noch nicht wissentlich begegnet bin. Aber vielleicht haben Sie sich gut versteckt (Moritz weiß, hinter wem das möglich wäre ;-).

    Schönen Tag noch,
    Erik Janson

  100. phahn sagt:

    @ herr janson: ich glaub, da fliegt was durcheinander: zum schott-verlag, mainz, gehört die „neue zeitschrift für musik“. die „neue musik zeitung“ (nmz) wird von con brio, regensburg, verlegt. so weit ich weiß, ist es nicht so, dass con brio zum verlagseigentum von schott gehört. eine verbindung zwischen schott und con brio besteht lediglich durch – sie haben es geahnt – jörg widmann, der ein stück namens „con brio“ geschrieben hat. aber das haben die mitschreibenden schottkomponisten an dieser stelle bestimmt ganz bewusst und absichtlich extra verschwiegen. so was aber auch!

  101. eggy sagt:

    Danke für diese Klarstellung, Patrick. Wenn die NMZ Schott gehören würde, würde ich diesen Blog hier ganz gewiß nicht machen!

    Benjamin ist weder mit der NMZ in irgendeiner Form verbandelt, noch geniesst er irgendeine Protektion von Theo Geißler (und auch nicht umgekehrt – Benjamin hat sich hier sehr oft kritisch geäußert, auch gegenüber unseren Blogeinträgen, das ist sein und auch euer Recht).

    Zu einer offenen Diskussion gehört Zustimmung wie Differenz. Wenn einer einem anderen zustimmt, sollte man nicht unterstellen, dass es hier um geheime Verbandelungen geht, den Spieß könnte man leicht umdrehen (hier kennen sich auch einige andere Kommentierende ziemlich gut untereinander, glaube ich), aber diesen Weg will ich nicht gehen, weil ich im Sinne einer fruchtbaren Diskussion davon ausgehe, dass wir alle Individuen mit eigenen Ansichten sind. Es ist also für die Diskussion am produktivsten, wenn wir uns alle als solche respektvoll behandeln.

    Ich finde es sehr schade, dass es immer wieder Beleidigtheiten und auch verletzende Kommentare (von wem auch immer, sicherlich sind wir da alle mal schuldig gewesen) gibt – vielleicht ist das nicht absolut zu vermeiden. Aber es tut uns allen gut, immer wieder mal tief durchzuatmen und einen Gang zurückzuschalten – es gibt immer einen nächsten Tag und jeder kann auf den anderen zugehen.

  102. querstand sagt:

    @ all Guten Morgen! Was ist denn jetzt schon wieder kaputt?

    Jetzt schlafe ich mal lange aus und sofort schickt mich eggy wieder in Bett (s. dein letzter Satz) ;-)

    @ erik
    Ich gebe ja zu, mit einer meiner letzten @ddereien den Herrn Geissler angefunkt zu haben („querstand an geissler, querstand an geissler – bitte kommen!“). A bissl provozieren wollte ich mit meinem BADBLOG-Verlag für Online-Publikationen von jetzt schreibenden Kompostern non vulgo Komponisten und Komponistinnen (warum ist meine geliebte Karola Obermüller nur in den USA – seufz, …). Und prompt verlinkt uns Herr Geissler zwar nicht in der von mir intendierten Art, verweist aber auf seine „2 Flatrateseelen ach in seiner Brust“ und lädt zur Talkrunde ein… a weng Eigenwerbung, aber das betreibt ja jeder unterschwellig hier, wenn er von seinen Don Quijotterien berichtet… dat janze hier is ja ’ne Don Quijotterie, wie wir so tapfer gegen die Windmühlen der Musikszene anrennen und uns dabei anrempeln… Jetzt dachte ich, daß wir hier einen Neuen-Musik-Pogo hätten, mit lustigen Schrammen für Alle…

    @ erik, peter und sonstige Aussteiger:

    Nun mal Tacheles und ganz unnett und nicht nur eine Laus auf der Leber sondern „23“ grosse Verschwörungstaranteln: unabhängig von Moritz Feststellungen, daß hier doch vielmehr Leute mitlesen, als wir wenigen Kommentatoren denken, kann ich das inzwischen auch bestätigen. Wir werden hier gelesen. Sogar von Vertretern von Institutionen „def Mufiklebenf“. Wir schreiben hier also „Gefchichte“… oder eben Geschichtchen…

    Hier wird durchaus ernsthaft gebloggt, mal fundierter, mal mit MG, mal leicht beschwipst -hick, ich spür noch die gestrigen 3 doppelten Averna… pur!! Was aber total nervt, und ich kann schon gar nicht mehr darüber lachen, ist dieses ewige Drehtürgedöhns: mal rein, mal raus, dann doch wieder rein, doch noch draussen… Das ist ein wenig so wie beim Adventsausverkauf oder am Faschingsdienstag zwischen Implerstrasse und Münch(e)ner Freiheit: Aussteigen lassen – haltens die Linie frei – ja, Du Hund, laß eana doch erscht amoi aussteign – automatische Ansage(hochdaitsch!!): Bitte verteilen Sie sich über den ganzen Zug – ja solche Deppen, jetzt drängelts ned a so – zrückbloam, zrrruCKbloam sog i – und wieder: aussteigen, einsteigen, aussteigen… Wenn man dies einfach nur so beobachtet, also, wie wenn man hier unseren Blog nur so von aussen beobachtet, dann ist das ganz amüsant in seiner Peinlichkeit. Darob vergisst man irgendwie aber das durchaus Lesenswerte hier. Wenn dann wieder geschinpft wird, wer hier jetzt wann schreibt oder wer was gesagt hat, wenn dann Moritz wieder Tränen abwischen muß, wenn wieder querstand zu queerstand wird, wenn wieder von Körpergrössen die Rede ist… Gut, da muß man sich wehren, sei es selbst oder via Administrator – und:…

    @ ewige stichler:… daß ist auch wirklich nicht nett… wenn Euch irgendwie die Lust ausgeht, auf ellenlange Postings zu antworten, dann kommt mancher von Euch mit diesen Grössen- und Längen-Schmarren…

    @ Mitleser: …das macht Euch dann irgendwie Spaß, und manchmal haut Ihr Superanonymen mal in die Richtung ein superspassiges Kommentärchen in die gleiche Kerbe…

    @ all: … Dass ist doch wie auf dem Schulhof, wo man auf die Exoten eindrischt. Und dabei sind wir Neue-Musik-Freaks doch ALLE Exoten. Aber der Dschungel der Neuen-Musik ist eben KEIN Paradies, wie immer wieder mancher behauptet. Nein, da muß ich wechselstrom recht geben, es mangelt uns Kompostern immer wieder an Umgangsformen.

    @ Komponisten hier; Und das ist wirklich ein Problem: wir halten eine Ästhetik hoch, die vollkommen antiquiert ist mit ihren Abstraktionsgedöhns. Kunst und Literatur und Film haben das doch Alles schon längst in grossen Teilen hinter sich gelassen – wohl auch ein Teil deren Erfolge jenseits von allem Mainstramschmarren dort. Wir halten also unseren Dinosaurier hoch, als ob es die größte Errungenschaft nach dem Grundgesetz sei – dieses ist WIRKLICH eine 60 Jahre Errungenschaft, die KEIN Dino ist, auch wenn alle von Politfrust jammern. Nun, wir verteidigen da was mit Hauen und Stechen ohne jeglichen Pogowitz, wir verdienen quasi nix damit und machen uns gegenseitig das Leben zur Hölle und lachen dann auch noch die Exoten unter uns Exoten aus: eigentlich witzeln wir doch alle wie Messiaen mal fast die Treppe runter fiel, wie Kurtag zu Arvo Arno sagt, wie dummesoterisch Stocki sei, wie verdattert so mancher älterer Kollege sei, wie lustig doch unsere behinderten parkinsonkranken Kollegen in unpassenden Momenten buhen oder applaudieren, wie dick Rihm ist, wie groß die Münchern Schwulenmafia in den 90ern gewesen sei – ja, daß flüstern wir uns an den Stammtischen nach den Konzerten auch zu!! Peinlich, peinlich, dummdreist!!!!!!!!!!

    @ all: und damit verbauen wir uns hier jegliche Diskussion oder Weiterentwicklung. Mit Benjamin Schweitzer wurde es gerade richtig schön heiß, auch wenn ich mich ggf. etwas verschwurbelte. Und dann schiessen Alle wieder mit Körpergrössen um sich oder sonstigen Verschwörungen oder posten irgendwas ständig doppelt (dabei ist das ausschließlich mein Privileg, als die Großtunte!! Denn es heißt nicht Komponisten und Technik, sondern Tunten und Technik)… So, und diese eben geübte Selbstironie, die solltet Ihr mal lieber an den Tag legen, das ist witziger denn als Exot den Exoten zu dissen, das wäre mal Abgrund…

    Und was folgt: jeder postet wieder seine Statements, diskutiert kaum weiter, wiederholt sich, und spielt dann wieder die Bettlerdiva (auch an Kreidler gerichtet und Janson gleichzeitig sowie alle „Ich verschwende hier meine Zeit“ – Ihr verschwendet Euer Verhalten, aber Eure Diskussionsfähigkeit wäre mal gefordert – an Euch: Teamfähigkeit gleich 6, setzen!!), denn wir sind doch echt Bettler im Vergleich zu unseren Kunst- und Buch- wie Filmfürsten, selbst Henze ist ein Bettlerkönig im Vergleich zu Film-Herzögen… Atmet durch, und dann haltet mal auch die Luft an und verbreitet mehr Äther als Giftgas!

    Wir lehnen uns hier wirklich weit aus dem Fenster, da sollten wir untereinander auch gut kämpfen, fair fighten und was weiterentwickeln.

    Jetzt habe ich von Euch Allen zuvor Lob kassiert, nun, dann drischt mal los – aber ich mußte mich mal da gegen Jeden hier auskotzen! Man sollte halt doch am Aschermittwoch lieber Fisch essen als Alkohol trinken.

  103. Benjamin Schweitzer sagt:

    Herr Janson –

    ich bin da unsachlich geworden, das tut mir leid. Ich hatte den Eindruck, daß Sie mir ständig das Wort im Mund (nun ja, also im übertragenen Sinne) herumdrehen, meine Beiträge gar nicht lesen, sondern gleich blind drauf eindreschen, und Sie müssen zugeben, daß Sie bisweilen ziemlich provozierende und unüberlegte Sachen geschrieben haben (auf den jüngsten Irrtum (NMZ) hat Sie ja schon Patrick Hahn hingewiesen).
    Das hat mich doch in der Summe so mürbe gemacht, daß ich mal zurücksticheln mußte um meines Seelenfriedens willen. Hätte ich mir vielleicht verkneifen sollen, ich weiß.

  104. Benjamin Schweitzer sagt:

    Hallo Moritz,

    das finde ich jetzt nochmal vertiefenswert. Vielleicht hat es ja auch durchlüftende Wirkung, über was anderes zu diskutieren und das rote Tuch Kulturflatrate beiseite zu legen.

    Selbstverständlich habe ich nicht alle meine Aufträge über Siemens bzw. GEMA-Stiftung finanziert. Ich meinte damit nur, dass dies die einzigen beiden Stellen sind, bei denen sich ein Komponist individuell und unabhängig von Ensembles, Festivals und Rundfunksendern um Aufträge bewerben (also selber vorschlagen) kann. Eine solche Anlaufstelle sollte es m.A. der Vielfalt halber geben, viele andere Länder haben so etwas in wesentlich erweiterter Form als hier, und in Deutschland können diese beiden Institutionen das nicht mehr wirklich leisten.

    Grundsätzlich finde ich das Konzept, daß sich Ensemble + Komponist (ggf. zusammen mit einem Veranstalter) gemeinsam um einen Auftrag bzw. eine Projektfinanzierung bemühen und eine Aufführung des Stückes Bestandteil dieses Projekts ist, doch sehr sinnig.

    Andernfalls geht das dann doch sehr in Richtung Musik für die Schublade – es ist ja oft ungleich schwerer, ein schon geschriebenes Stück an die Öffentlichkeit zu kriegen, als ein ungeschriebenes. Das wäre eher der Beritt von Arbeits- und Aufenthaltsstipendien, für die man sich ohne ein ganz fest umrissenes Projekt bewerben kann, um mal was ohne Deadline und Besetzungsbeschränkungen zu schreiben. In der Hinsicht haben wir in Deutschland vielen Ländern einiges voraus – viele ‚residencies‘, die anderswo ausgeschrieben werden, sind oft reine Wohn/Atelieraufenthalte ohne finanzielle Unterstützung oder sogar noch mit Miete und Betriebskosten verbunden. Auf http://www.resartis.org kriegt man einen guten Überblick über die Konditionen.

    Faktisch sind die meisten Projekte, die in anderen Ländern über staatliche Geldgeber oder Verbände staatlicher und privater Stiftungen gefördert werden, doch auch immer Förderungen für eine konkrete Zusammenarbeit von Komponisten mit Musikern (und Veranstaltern). Ich bin mit dem System in Finnland sehr vertraut, und da ist es genau so – zudem haben die wenigen Neue-Musik-Festivals, selbst die Biennale (musica nova) in Helsinki nur sehr geringe eigene Etats und müssen viele Konzerte und Aufträge über Stiftungen finanzieren (ok, dem nähern wir uns ja auch leider an).
    Da die meisten dieser Stiftungen ihre Förderungen streng an der Nationalität ausrichten, führt das dann dazu, daß meistens finnische Stiftungen finnischen Ensembles Geld geben, um finnischen Komponisten Aufträge für finnische Veranstalter zu erteilen. Die Lage läßt sich, soweit ich das erkennen kann, in den Niederlanden, Frankreich, Schweden etc. ähnlich beobachten. Viele meiner finnischen Kollegen sind darüber ziemlich genervt, weil diese Praxis es sehr schwer macht, internationale zeitgenössische Musik live im Land gespielt zu kriegen (mit Ausnahme anderer Skandinavier zuweilen).
    Da haben wir es in Deutschland mit unserer Vielfalt ganz gut; man sollte also nicht zu neidisch über die Grenze schauen – das viele Fördergeld allein macht nicht alles besser. Es muß ja auch einen Grund dafür geben, warum so viele Komponisten aus anderen Ländern hier studieren und danach versuchen, hier eine Existenz aufzubauen, obwohl sie daheim vielleicht weniger Konkurrenz zu fürchten hätten und leichter an Fördergelder kämen. Völlig katastrophal kann die Situation also nicht sein. Reserven nach oben sind natürlich trotzdem.—

    @Alexander Strauch: SME, Donemus, die nordeuropäischen Musikinformationszentren – das sind alles Konzepte in kleinen, vorwiegend zentralistischen Ländern mit einer stark national geprägten Kultur- und Förderpolitik und oft ohne ein großes Musikverlagswesen.

    Nochmal ein konkretes Beispiel aus dem Norden, weil ich mich da am besten auskenne: In Helsinki gibt es ein häßliches dreistöckiges Flachdachgebäude, so groß wie ein kleines Mehrfamilienhaus, in dem TEOSTO (die finnische GEMA), der Komponistenverband und das finnische Musikinformationszentrum residiert, in dem faktisch jede je von einem Finnen komponierte Note archiviert ist, E und U (!). Außerdem ist da u.a. noch Platz für die Stiftung zur Förderung der schaffenden und der ausübenden Tonkunst und ein Restaurant im Erdgeschoß.

    Wenn man das alles bezogen auf Deutschland in einem Gebäude unterbringen wollte, hätte man wohl eine ausfüllende Verwendung für den ehemaligen Tempelhofer Flughafen.

    Das Musikinformationszentrum fungiert gleichzeitig als Verlag (skandinavisches Modell) und wird über TEOSTO getragen. Für ein kommerzielles Verlagswesen ist das natürlich eine starke Konkurrenz. Der einzige größere finnische Musikverlag (Fazer) war bis in die frühen 90er eigenständig (immerhin), wurde dann von WarnerChappell geschluckt, bald wieder ausgespien und gehört heute zur schwedischen Gehrman-Gruppe. Dieser Verlag bemüht sich, kommerziell erfolgreiche Komponisten unter Vertrag zu kriegen, aber spätestens sobald sie richtig Asche machen, wandern die oft zu den internationalen Majors ab. Die jüngeren versuchen, beim Musikinformationszentrum unter Vertrag zu kommen, das zudem (ähnlich vielleicht wie DONEMUS) einen Etat für Dokumentationen hat und jährlich mehrere Bücher auf Englisch über finnische Komponisten veröffentlicht, die explizit dazu dienen sollen, deren Werke international zu promoten (Finnish Opera, Finnish Piano Music, etc. etc.). Die Etats, die für die Förderung der Auslandskulturarbeit zur Verfügung stehen, sind im Verhältnis natürlich auch viel umfangreicher als in Deutschland. Das kleine Land unterhält z.B. im Verhältnis zur Bevölkerung fast doppelt so viele Auslandsinstitute (es müßte glaube ich ca. 275 Goethe-Institute geben, um daran heranzureichen).

    Ließe sich so ein Modell auf Deutschland übertragen? Lassen wir mal die Frage beiseite, wie das zu finanzieren wäre – ich möchte nicht wissen, was für ein Aufschrei durch das deutsche Musikleben ginge, wenn die GEMA (oder der Komponistenverband oder der Musikrat) zugleich einen Verlag betreiben würde. Sozialismus! Nepotismus!! Spätrömische Dekadenz!!! Man stelle sich mal vor, der Musikrat hätte eine Kommission, die (so ähnlich wie bei der CD-Edition) entscheidet, welche Komponisten bei der „Edition Deutscher Musik“ (oder wie die dann hieße) verlegt werden (und welche nicht)…
    Die Verlage würden sich auch bedanken, wenn es so eine Edition gäbe, die zu Promotionzwecken Noten deutscher Komponisten verschenkt, Aufführungsmaterial oft kostenlos herausgibt und auch noch die Portokosten für den internationalen Versand trägt. „Harhar, geschieht ihnen recht“, denkt jetzt mancher geneigte Leser hier. Aber da würden die Kleinen als erste über die Wupper gehen, denn die Großen haben ja viel einträgliches internationales Repertoire und moderne Klassik, die davon nicht tangiert würde.

    Sowas funktioniert also wohl besser (oder überhaupt nur) in kleinen, expliziten Wohlfahrts- und Konsensgesellschaften, in denen Förderung (noch) deutlicher dem Gedanken von Gleichverteilung folgt und das Bewußtsein einer nationalen kulturellen Identität und ihrer Promotion stärker ist als kulturelle Konflikte und Verteilungskämpfe. Der „Flickenteppich“ Bundesrepublik Deutschland ist meines Erachtens kein Land, auf das diese Beschreibung so zuträfe. Sicher gibt es unter der Mitternachtssonne, am Fuß der Alpen und zwischen Grachten und Tulpenfeldern auch Neid und Konkurrenzdenken, aber aus meiner Beobachtung habe ich das Gefühl, daß man da insgesamt etwas großzügiger tickt – wohl auch im Bewußtsein dessen, daß es halbwegs für alle reicht. Das ist entspannter, aber bisweilen auch ein bißchen langweilig.

  105. querstand sagt:

    @ Benjamin Schweitzer
    Guten Abend! Und danke der ausführlichen Replik. Zusammengefasst meinen Sie also, daß unser Land, unsere liebe Bundesrepublik, zu groß für ein Projekt wie einen Onlineverlag „Edition Neue Musik“ oder BADBLOG-Verlag oder wie dgl. auch immer genannt sein will. Ich denke, daß unser Land dazu eher zu zersplissen ist!

    Als sie im Zusammenhang von TEOSTO über die Komponistenporträts sprachen, klickte es sofort in meinem Hirn. Hier in Bayern gibt es ja nicht den Deutschen Tonkünstlerverband, sondern den Bayerischen. Nun, das ist ja nicht wirklich ungewöhnlich. Dieser unterhält immerhin eine Reihe namens Komponisten in Bayern. Nun, sie wird von Fachleuten, süddeutschen gelesen, wird sogar reszensiert, hier in der NMZ. Ist dennoch lokal begrenzt. Auch erregt natürlich nicht jeder Komponist, dem dort ein Band gewidmet worden ist, überregionale Aufmerksamkeit. Solche Reihen wird es hoffentlich auch bei anderen Landesverbänden geben. Dennoch ein Zeichen, wie kantonal eigentlich unser 16 Länder umfassender Staat ist, natürlich politisch korrekter föderal.

    Nun, ich Grundgesetz-Fetischist, muß eigentlich ein Verfechter des Föderalen sein. Das bin ich auch. Und ich muß als Eigentumsverfechter im Sinne des GG natürlich auch dem einen höheren Stellenwert vor anderen Dingen geben. So zum Beispiel verstehe ich Ihre Sorge um die kleinen Verlage und sympathisiere damit. Auch mein copy-us Verlag ist ja einer der Kleinen. Wobei selbst die Grossen irgendwie klein sind, zumindest Spielbälle höherer Mächte. Man sah es an Ricordi, der nach der Bertelsmannübernahme, aus welchen Gründen dann auch immer, etliche bisher verlegten Kollegen nicht mehr neuverlegte. Fusionen und Übernahmen werden auch weiterhin eine Gefahr für die Grossen bleiben. Alle Werke, die nun jenseits der Schutzfristen des Urheberrechts liegen, rutschen über die Jahre allmählich in das Internet (z.B. die Petrucci-Bibliothek), sogar Staatsbibliotheken (z.B. hier die Bayerische).

    Die Folge wird sein, daß man seine Klavierbücher, Lieder für das Lagerfeuer, etc, immer mehr im Internet holen kann, selbst die grossen klassischen Komponisten kann man sich hier holen. Mit Klavierauszügen und Partituren dieser wird man aufgrund der vielen hundert Seiten und Großformaten noch auf die Verlage zurückgreifen, aber auch da bemühen wir Profis doch um Leihmaterial aus Bibliotheken oder kaufen antiquarisch. Und mit dem USB-Stick schnell das PDF zum nächsten Kopierladen getragen und ausgedruckt sowie gebunden: das kostet immer noch weniger als sogar im Antiquariat! Ein Horror für jeden Verleger.

    Urtexteditionen entstehen ja auch immer mehr im Verbund von speziellen Stiftungen und Forschungsinstituten, die dann, wenn auch kostenpflichtig, online gehen bzw. durch die Digitalsierung selbst Faksimile auf DVD anbieten können, samt interessanten Animationen, wie der Einspielung des Materials. Das bietet nicht nur Laien sondern auch Wissenschaftlern eine grosse Hilfe. Das sieht man z.B. jetzt schon an dem Experiment der Digitalisierung auf jenen Werke der Stiftung Mozarteum. Das macht die Verlage einerseits vielleicht überflüssig, andererseits eröffnet es ihnen ein neues Spektrum. Aber selbst da könnten sie einfach in den Projekten aufgehen.

    D.h., sie können eigentlich nur auf Exzellenz setzen, auch nur im Gebiet der lebenden Komponisten wird es so sein, sie beschrieben es ja auch anhand Finnlands. Das verkleinert aber auch wieder das Spektrum, denn soviel können sie für die wenigen verbleibenden Veröffentlichten auch nicht verlangen und auch nicht tun. Wenn es sich dann auf Ausdrucken und Verschicken beschränkt, ehrlich gesagt: das kann auch der Komponist selbst leisten und entsprechende Mittel beim Auftraggeber einfordern. Vorausgesetzt, er hat taktisches Verhandlungsgeschick und ist schon in jüngstem Karriereanfang mit dem wichtigsten Wissen ausgestattet. Das kann aber auch nicht jeder. So bleibt die Verlagsfrage wichtig.

    Verlage hatten früher auch Agenturfunktionen. Diese sind heute aber weitgehend eingeschränkter bzw. fokussieren sich diese auf einige Highlights. D.h., daß Verlage nur Leute mit gewissen Protege nehmen können oder einige, die sich schon einen Namen machten. Dies ist sogar verständlich, denn angesichts der steigenden Risiken ist solch eine Konzentration erforderlich. Natürlich werden dann v.a. jüngere Kollegen gefördert aufgrund des berühmten „Jugendbonus“. Vor 30 bis 40 Jahren war es durchaus üblich, auch noch nicht im Betrieb verankerte Anfänger ins Programm zu nehmen und sie rein notentechnisch wie agenturartig zu fördern. Es gab da sogar Exklusivverträge mit großzügigen Vorschußregelungen. So entnahm ich das Gesprächen mit älteren Kollegen.

    Heute ist das nun wie zuvor umrissen enger, schwieriger für beide Seiten und das „Rundumsorglospaket“ viel reduzierter, seltener üblich. Da wird es für Leute, die nicht unbedingt unbegabt, aber unterprotegiert sind, vielleicht erst später wirklich interessant werden jenseits der immer öfters üblichen Altersgrenzen oder schlichtweg ungeschickt im Umgang mit Institutionen, denen man plötzlich seine Stücke nicht mit Vevre nur vorstellen kann, sondern förmlich anpreisen und verkaufen muß, ohne zu aufdringlich zu sein, sehr schwierig. Man kann hoffe, daß sich da auch Exzellenz durchsetzen würde. Dies ist aber kein wirklicher Garant für Veröffentlichungen durch einen Verlag. In der Vielfalt dieser mag man schon mal auch einen kleineren finden oder eben ein reines Ausdruckunternehmen. Stärker wäre da aber ein Zusammengehen mit mehreren Kollegen, ohne aber unbedingt einen dritten Neben- oder Hauptjob als Verleger annehmen zu müssen. Gut wäre in dem Zusammengehen aber auch, sich dennoch eine Unabhängigkeit jenseits einer Gruppierung zu bewahren. Und hierzu wäre eben ein Verlagsmodell von Vorteil, daß durchaus auswählt, aber aufgrund geringeren Profil- und Verkaufzwangs breitere Kreise guter Komponisten fördern kann, natürlich immer mit der Gefahr, daß die Erfolgreicheren durch andere Verlage abgefischt werden. Schön bei der Schweizer Musicedition ist z.B., daß jene Kollegen immerhin im Katalog verbleiben können, ohne daß aber ihre Werke direkt angeboten werden. Da wird eben auf den grossen Verlag verwiesen. Oder, wenn jemand doch nicht dort verlegt sein will, auf das Manuskript beim Schöpfer. Das sollte natürlich bei einem deutschen Modell Ausnahme bleiben.

    Warum eigentlich nicht dennoch dieses Projekt bei der GEMA ansiedeln? Sie verwaltet einerseits die Urheberrechte. Sie führt ja schon eine Art Werkabrufsystem, ohne daß dieses aber direkt zu erhalten wäre. Die GEMA-Stiftung wiederum fördert Aufträge. Wenn man nun den von Ihnen erwähnten Musikrat, die föderalen wie zentralen Kulturstiftungen, den DTKV und DKV mit im Boot hätte, dann wäre eine Tochter all dieser doch denkbar. Ein breitgefächertes Auswahlforum aus Komponisten verschiedenster Sparten. Vielleicht sollte man über den Rand der klassischen Musik hinaus auch die Sparten Film (eher im Sinne von „Stil“) und U in so ein System einladen können. Wobei eben im Sinne auch einer hier vonnöten seienden Konzentration die einzelnen Richtungen unabhängig voneinander agieren sollten.

    Und da vielleicht eine Bundesorganisation wirklich etwas schwerfällig wäre, könnte man das ja den entsprechenden Landesverbänden analog gestalten. Reinlassen könnte man sogar jeden. Die Frage ist dann, wer wird besonders gefeatured. Einerseits vielleicht wirklich durch eine Honorar- und Auftragssystemoffensive, die im Falle von Verlagslosigkeit da einspringen könnte. Andererseits eben auch interessante Leute, die sich bewerben.

    Den Verlagslosen wäre geholfen, daß sie bei Auftragsverhandlungen gleichmäßig gerechte Konditionen wie die anderen Kollegen erhielten, daß die Materialien einfach zu erhalten sind und durch Aufführungs- wie Stiftungseinnahmen eine Kostendeckung und Transparenz dieser herrschen würde.

    Das klingt natürlich für liberale Ohren nach „Sozialismus“. Es wäre zumindest auf alle Fälle sozial und würde breit für gutes bis sehr gutes Niveau sorgen, daß dann nicht in Schubladen bleibt, sondern jetzt zu Lebzeiten auf den Markt kommt. Und die finanzielle Situation und die Möglichkeit der Aufführbarkeit, ohne daß ein privatverlag sogar hinderlich im Weg steht, wird für die Kollegen erheblich verbessert. Allgemein auch ein Anschub für die klassisch-zeitgenössische Musik, da sie so auf alle Fälle bekannter wird und Potentiale gebündelt werden.

    Jetzt veröffentlicht der Verlagslose gar nicht, manches allein auf seiner Homepage oder einzelne Stücke doch mal hier und da. Oder ein jetzt Verlegter kann auch schnell mal heute seinen Verlag verlieren (s. Ricordi). Da würde ein ernsthaftes Forum den Einzelnen in der Gemeinschaft stärken und sogar vielleicht für alte, längst verlegte interessant werden lassen. Vielleicht läßt sich daß ja auch viel privater lösen, daß gerade mittlere und kleinere Verlage mit in dieses System integriert werden, auf regionaler und lokaler Ebene die Betroffenen der Gegend mit Unterstützung der Hauptorganisation verwalten und betreuen und dafür entsprechend mitentschädigt werden, wie das dann auch immer aussehen mag. Ggf. bekommt der Komponist dann nur ein Drittel der GEMA-Ausschüttung (1/3 Dachorganisation, 1/3 lokale Ebene, 1/3 Komponist). Dafür besteht ja eine bessere Verbreitungsmöglichkeit für sein Werk und hoffentlich eben auch bessere oder überhaupt einmal Honorare (s. kommunale Nur-Musiker-Förderung und der dortige Reform- und Umdenkbedarf!).

    Die Verlage wird das Internet so oder so auf allen Geschäftsebenen herausfordern. Da ist dann die Konkurrenz durch einen Komponistenverlag vielleicht doch eher belebend. Die Auswahlgremien könnten wie die Werkausschüsse der GEMA besetzt sein oder werden durch die Komponisten selbst und direkt alle 2 Jahre neu gewählt, jenseits von den Mitgliederabstufungen der GEMA. Es muß v.a. für immer wieder frischen Wind gesorgt werden, nicht daß es so ewige Verkrustungen und Ämteraussitzungen gibt, wie es jetzt der Fall ist. Ich kann mir sogar vorstellen, daß mehr Komponisten in solchen kuratorischen Gremien für einen Umbruch im Redakteurswesen selbst der Rundfunkanstalten beitragen würde, so daß dieses von mir diffus umrissene System die Szene auf vielen Ebenen beleben würde.

    Darum wäre mir ein BADBLOG-Verlag am liebsten. Wie wir nun Alle nun wissen, handelt es sich dabei nicht um eine Schotttochter. Vielmehr wäre es das Forum der Verbände, die jetzt schon bei der NMZ verlinkt sind: DTKV, Musikrat, Lehrverbände, Gewerkschaft (oder liege ich da falsch), etc. Und diese sind ja der beste Anker für solch ein Projekt, daß viele Musiker da fleissig nach neuen Stücken stöbern, junge Studenten viele Anregungen erhalten und einfach das Weberknechtgestöhne wieder zum Hummelbrummeln werde, wie all die Schnecken, Frösche und Marienkäferlein am Ende der Gurrelieder im Melodram des Sprechers:“Ach, war das licht und hell!“ – also werde es mal wieder Licht, na das haben wir. Also werde es einfach mal wieder heller.

    P.S.: Ob Sie es glauben oder nicht, Herr Schweitzer. Mit Freuden erzählte mir bereits seit 1993 Carl Christian Bettendorf von Ihnen, aus Weikersheimer Tagen… Vielleicht hätte ich schon längst vor meinen letztjährigen Dresdenerfahrungen mal dort studieren sollen. Mit Berlin und Kyburz hatte es Gott sei Dank nicht geklappt! Mich verschlug es dann nach Frankfurt… So bin ich Schnecke Ihnen bisher eigentlich nur hier begegnet… Keine Angst, das ist jetzt kein Antrag! Aber ich wollte das mal gesagt haben, nachdem wir die Kommunikation hier mit Verlagsstreit vor ein, zwei Wochen starteten….

    Gruß, Alexander Strauch

  106. Johannes K. Hildebrandt sagt:

    nun, dem hier möchte ich nichts weiter hinzufügen. wozu auch? dass die gema ständigen veränderungen unterliegen wird und muss, ist völlig unstrittig. aber zu dem, was hier dazu so abgelassen wird, will ich mich gar nicht äußern.

    nur eins.
    zitat geissler:
    „Wer im letzten SPIEGEL den undifferenzierten GEMA-Verriss gelesen hat, mag mit mir vermuten, dass hier eine Kampagne gestartet wurde, an der unsere liebe Verwertungsgesellschaft dank grober Strukturfehler natürlich selbst mit schuld ist. (Und jetzt beruft man auch noch eine außerordentliche Mitgliederversammlung wegen Verteilungs-Ungereimtheiten ein, bei der die „angeschlossenen und außerordentlichen“ Mitglieder gar nicht eingeladen werden – wie dämlich!).“
    ja. eine kampagne. was ist eine kampagne? wenn z.b. gerüchte, halbwahrheiten, lügen, einfach dummes gelaber verbreitet werden, um wie hier die gema zu beschädigen, einzureißen im interesse anderer, die möglichst ungenannt bleiben möchten.
    das ungeheuerliche in dem sauberem beitrag ist der inhalt der klammer.
    dazu gibt es folgendes zu sagen:
    1. auf der außerordentlichen mitgliederversammlung gibt es einen antrag auf der tagesordnung. dieser befasst sich nicht wie herr geissler behauptet mit dem verteilungsplan oder keine ahnung was er eigentlich meint, sondern es geht um eine änderung des berechtigungsvertrages.
    herr geissler vermittelt also dem leser den eindruck, dass da bei der verteilung der gema-millionen anscheinend etwas nicht ganz sauber läuft. aha.
    2. herr geissler behauptet, dass die angeschlossenen und außerordentlichen mitglieder gar nicht eingeladen werden und vermittelt dem leser damit, dass ein teil der mitglieder von den entscheidungen ausgeschlossen und überhaupt ungerecht behandelt werden. richtig ist hingegen, dass die angeschlossenen und außerordentlichen mitglieder delegierte für die mitgliederversammlungen wählen. und genau diese werden auch für die ausserordentliche mitgliederversammlung eingeladen.
    herr geissler scheint den spiegel artikel des herrn müller gut gelesen zu haben und scheint gleich einige seiner informationen daraus zu beziehen. engagieren sie ihn doch mal als autor für die nmz.
    nun gibt es zwei möglichkeiten. entweder herr geissler ist ein miserabler journalist – peinlich, peinlich, wenn er so schlecht recherchiert, bzw. informiert – oder er macht selber eine kampagne. aber wer hat was davon? also ich nicht. ist mir auch egal. und weil ich ja als komponist ein teil der gema bin und auch noch die annahme des antrags empfehle und herr geissler seine klammer mit „wie dämlich“ enden lässt, reicht es jetzt. danke herr geissler. fragt sich, wer hier dämlich ist. für mich endet der blog hier. auf wiedersehn. wo? herr geissler, wenn sie in frankfurt mit herrn kreidler plaudern wollen, dann fragen sie ihn doch direkt.

    Geissler: „Wenn jemand aus dem Bad-Block Lust hat, sich auch zu beteiligen: Bitte eine kurze Mail an mich. (Wie wärs, Johannes Kreidler???)“
    hä. was soll das denn jetzt? wer ist jemand? alle? nur kreidler? nun ich heiße auch johannes, aber nicht kreidler, dafür hildebrandt. hört sich irgendwie auch schöner an und ich komme außerdem optisch viel besser rüber. wie wärs herr geissler? bitte eine kurze mail an mich. ich werde in frankfurt sein – auch ohne mail.

    tschüss blog
    Johannes K. Hildebrandt

  107. Johannes K. Hildebrandt sagt:

    nachtrag. zur information und richtigstellung, offener brief von jörg evers

    Offener Brief zum Artikel „Melodien für Millionen“ im DER SPIEGEL 7/2010

    Bisher glaubte ich, DER SPIEGEL würde sich durch sorgfältig und ausgewogen recherchierte Beiträge angenehm aus der Menge oberflächlicher Berichterstatter abheben.
    Durch den Artikel des SPIEGEL-Autoren Martin U.Müller muss ich diese Annahme leider revidieren.
    Munter wird sich darin dem allzu sorg- und gedankenlosen Modesports des „GEMA-Bashings“ verschrieben und damit allerdings auch zweifelhaften Interessengruppen in der öffentlichen und politischen Wahrnehmung zugearbeitet, die sich nur wenig – und das müsste selbst dem Urheber Martin U.Müller zu denken geben – um das Wohl und die Rechte von Urhebern ( siehe Google-Books-Settlement ) scheren.

    Zunächst ist festzuhalten, dass die GEMA eine demokratische Selbsthilfeorganisation der Komponisten, Textdichter und Musikverleger in Form eines wirtschaftlichen Vereins ( kraft staatlicher Verleihung) ist. Der Zweck dieses Vereins ist der Schutz des Urhebers und die Wahrnehmung seiner Rechte im Rahmen seiner Satzung. Die GEMA ist der Treuhänder der ihr von den Mitgliedern übertragenen Rechte und wird von seinen Mitgliedern selber und im Rahmen des Urheberrechtswahrnehmungsgesetzes (UrhWG) vom Deutschen Patent- und Markenamt kontrolliert. Aus dieser Treuhänder-Eigenschaft ergibt sich eine besondere Sorgfaltspflicht der GEMA gegenüber der Rechtewahrnehmung am Geistigen Eigentum ihrer
    Mitglieder.
    Alle Änderungen der Satzung, des Berechtigungsvertrags und des Verteilungsplans bedürfen einer 2/3 Mehrheit in der ordentlichen Mitgliederversammlung. Die GEMA-Mitglieder bestimmen also über ihre berufsspezifischen existentiellen Belange basis-demokratisch selber Die GEMA-Verwaltung setzt die Mitgliederbeschlüsse und ihre sonstigen Verpflichtungen in enger Abstimmung mit dem wiederum von den Mitgliedern gewählten Aufsichtsrat in der alltäglichen Arbeit um. Den Mitgliedern steht es frei, Anträge zu den Mitgliederversammlungen zu stellen und ihre Vertrauenspersonen in die entsprechenden Gremien zu wählen bzw. diese abzuberufen.

    Auf Wunsch der Mitglieder ist der Verteilungsplan der GEMA im Laufe der Zeit angesichts der immer komplexer werdenden Nutzungsstrukturen sehr ausdifferenziert worden. Die ehemals einfachen Strukturen zu Zeiten des Gründers Richard Strauss mussten hinsichtlich der zusätzlichen technologischen Auswertungs- und Aufführungsbereiche ( z.B. Downloads, Streaming, TV-Sendung, Werbenutzungen ) ständig erweitert werden, um der wachsenden kulturellen Vielfalt der Musiklandschaft und deren Anforderungen gerecht zu werden. Wenn also „Komponisten, Texter, Musikverlage“ über die angebliche Intransparenz,
    Ineffizienz und Benachteiligung stöhnen so gilt diese Klage eigentlich der zwangsläufig wachsenden Komplexität der Verwertungsvorgänge und den von ihnen , den Mitgliedern, dazu beschlossenen, nötig erachteten Verfahrensweisen. Ein dadurch zwischenzeitlich entstandener Reformbedarf z.B. hinsichtlich möglicher Vereinfachungen im GEMA-Verteilungsplan lässt sich nicht leugnen. Doch selbst diese – derzeit vom Aufsichtsrat geplanten – Änderungen müssen wiederum zur Umsetzung das Mehrheits-Votum der Mitglieder finden.

    Die besondere Treuhandstellung der GEMA gegenüber ihren Mitgliedern erfordert natürlich überdies , dass die GEMA allen Hinweisen auf unangemeldete Nutzungen der von ihr verwalteten Werke nachgehen muss, notfalls auch durch entsprechende Kontrollen. Das ist keine Schikane oder Spionage , sondern gesetzmäßiger, verantwortungsvoller Umgang mit anvertrautem Eigentum.

    Die Verwaltung der über 1,6 Millionen Titel geschieht derzeit unter Einsatz der modernsten, ständig weiterentwickelten EDV-Systeme, um den GEMA-Mitgliedern den bestmöglichen Service zu gewährleisten. Angesichts dieser unvermindert ständig wachsenden Administrationsaufgaben zum Wohle der Urheber abwertend von einem Moloch und einem bürokratischen Kraken zu sprechen, ist einfach nur anachronistisch.

    Was außerdem bei den im SPIEGEL-Artikel angeführten Klagen der Künstler, Veranstalter, Schützenvereine, Schuldirektoren, Gaststätten, Diskotheken etc.völlig übersehen wird, ist,
    dass nicht die GEMA einseitig einen schier unüberschaubaren Tarifkatalog erarbeitet hat,
    sondern dass die entsprechenden Tarifvereinbarungen gemeinsam und einvernehmlich mit den Gesamtvertragspartnern, nämlich z.B. mit der „Bundesvereinigung des Musikveranstalter“, den Tanzschulverbänden, den Kirchen etc. entwickelt wurden. Die beklagte Ineffizienz und Intransparenz wurde also mit den meisten Nutzerverbänden
    in dieser Form so beschlossen , wie z.B. die Bemessungsgrundlagen bei Veranstaltungen nach Eintrittspreisen und Raumgrößen etc.

    Dass nun aber – wie Herr Müller schreibt – die GEMA sich in das „Gegenteil ihrer Gründungsidee“ ( nämlich ursprünglich dem Wohle der Urheber zu dienen ) verwandelt habe, ist schlicht Unsinn. Warum sollten die Urheber ihren eigenen Verein zu ihrem eigenen Unwohl gestalten wollen ?
    Man kann sich darüber streiten, ob das – von den Mitgliedern derzeit noch gewollte – kollektive Verrechnungsverfahren, nachdem die Rechteinhaber eine Ausschüttung pro Werk-Aufführung nach einem einheitlichen Punktwert erhalten , die unabhängig vom jeweiligen Inkasso für die entsprechende Veranstaltung ist, gerecht ist oder nicht. Auf alle Fälle profitieren jene davon, die dadurch mehr von der GEMA für ihre Werkaufführungen ausgeschüttet erhalten, als die GEMA für entsprechende Veranstaltungen inkassiert hat.
    Das war aber auch schon zu Richard Strauss’ Zeiten so, und hat als Hintergrund den Solidargedanken, wobei Aufführungen mit hohem Inkasso Nischenaufführungen mit niedrigem Inkasso in gewisser Weise sponsern. Ebenso unterstützt die GEMA via Wertungsverfahren insbesondere die zeitgenössische E-Musik und den Jazz, die ohne diese kulturell so bedeutsame Existenzsicherungsmaßnahme kaum überlebensfähig wären.
    Wenn bei der Petition also behauptet wird: Die GEMA wird vom Kultur-Schützer zum Kultur-Vernichter , so ist das vielleicht aus dem Blickwinkel eines Veranstalters zu verstehen, der sich grundsätzlich weigert, die Musikurheber angemessen zu entlohnen ( z.B. durch Entrichtung der Mindestvergütung i.H.v. € 17,28 netto bei Veranstaltungen mit einem Eintrittsgeld von bis zu € 1,– in Veranstaltungsräumen bis zu 100 qm unter Berücksichtigung des Gesamtvertragsnachlasses von 20% ), aus Sicht jener aber, die um die kulturell so bedeutsam fördernde, Urheber-Existenz-sichernde Funktion der GEMA wissen, ist diese Behauptung völlig abwegig.

    Die Aufgabe der GEMA ist es u.a., für eine angemessene Vergütung für die Nutzung der Werke ihrer Mitglieder zu sorgen. Es ist nicht ihre Aufgabe, den Konsumenten bzw. Anbieterplattformen gratis einen ungehinderten Zugang zum Weltrepertoire zu verschaffen , indem die Rechte der Urheber verschleudert werden.. Es mögen auch noch so viele Aktivisten erbost sein, weil sie sich nicht zum Nulltarif mit dem geistigen Eigentum der Urheber eindecken können. Es ist hingegen der GEMA hoch anzurechnen, dass sie für eine gerechte Entlohnung der Urheber in der Tarifauseinandersetzung mit dem Internetgiganten Google /You Tube kämpft und hier keinem Streit aus dem Weg geht.
    Die Darstellung im SPIEGEL suggeriert jedoch, dass allein die GEMA es verschuldet habe, dass mit YouTube skandalöserweise kein weiterer Vertragsabschluss erreicht werden konnte.
    Man kann bloß hoffen, dass der Autor Müller nicht irgendwann einmal die solidarische Hilfe
    seiner Urheberkollegen aus dem Musikbereich zur Durchsetzung gemeinsamer Interessen gegenüber Google benötigt.

    Wenn es Politikern/innen zunehmend lästig ist, dass sich veranstaltende Institutionen bei ihnen ständig darüber beschweren, dass sie an die GEMA Gebühren für die Werknutzungen der Urheber zahlen müssen, so haben solche Politiker/innen eigentlich sträflicherweise die Chance zur Überzeugungsarbeit vertan , nachdrücklich klarzustellen, dass diese Gebühren für die Urheber oft die einzigen Existenz sichernden Einnahmequellen für deren Schaffen darstellen und somit die Musikkultur am Leben erhalten. Die sich über die GEMA beschwerenden Veranstalter kämen andrerseits ja auch nicht auf die Idee, Zahlungen an die Lieferanten von Strom, Wasser, Verpflegung , Transportleistungen etc. zu verweigern.
    Stattdessen wird eifrig auf die GEMA eingedroschen, ohne zu erkennen, dass hinter der GEMA schöpferische Menschen einen immer härteren Überlebenskampf ausfechten müssen, angesichts eines immer mehr um sich greifenden Ausverkaufs der Würdigung schöpferischer Leistungen. Herr Martin U.Müller hat sich mit seinem Beitrag für diesen Ausverkauf ebenfalls verdient gemacht.

    Der im SPIEGEL-Artikel am Schluss angeführte hanebüchene Vergleich
    bzgl. der Mitbestimmungsrechte der 60.000 angeschlossenen und außerordentlichen Mitglieder ( wobei 30.000 Mitglieder im Jahr 2007 Aufkommen von unter € 25.56 haben ) gegenüber den 3.200 ordentlichen Mitgliedern ( die 2007 ein Durchschnittsaufkommen von € 69.000,– hatten ) geht vollends an der Realität vorbei:
    Dies wäre wie ein Land, in dem 60.000 Menschen Steuer zahlen, aber nur für 3.200 Straßen und Schulen gebaut werden.

    Der tatsächliche Sachverhalt ist genau umgekehrt: nämlich, dass die 3.200 ordentlichen Mitglieder 2007 allein 64,71 % des Gesamtaufkommens der GEMA erwirtschaftet haben, und somit durch ihre GEMA-Kommissions-Abzüge und die 10%igen Abzüge für kulturelle und soziale Zwecke den größten Teil zum Bau der Straßen und Schulen beigetragen haben, die von den 60.000 ausgiebig mitgenutzt werden.

    Jörg Evers

    Komponist

    Präsident
    Deutscher Komponistenverband e.V.

  108. eggy sagt:

    Das mit der außerordentlichen GEMA-Versammlung musste wirklich klar gestellt werden, danke Johannes (H.)! Es geht hier vor allem um Verwendung von Musik in Werbung, ohnehin ein Thema, das eher U angeht. Ich habe die Einladung erst gestern erhalten – was meinst Du, Johannes, werden das die U-Leute auch ohne uns hinkriegen? Für einen einzigen Tagespunkt nach Berlin zu reisen ist wirklich ein bißchen ätzend.
    Aus dieser Sitzung ist definitiv kein grundsätzlicher Zusammenbruch der GEMA abzuleiten, Evers hat das schon richtig geschrieben.

    In den letzten Kommentaren wurden einige interessante Ideen in den Raum geworfen.
    Benjamin hat grundsätzlich richtig beschrieben, dass eine regionale Förderung wie in Holland oder Finnland auch nicht das Gelbe vom Ei ist und in dieser Form in Deutschland auch nicht funktionieren würde (dazu ist unser Land schlicht und einfach zu groß).
    Dennoch ist mein Herz mit querstand, ich kann mich sehr gut in die Situation von jungen Komponisten ohne Verlag heute hineinversetzen, auch wenn ich dem „alten“ Verlagswesen gegenüber kritisch bin.
    Ich glaube, dass Visionen von riesigen Lagerhallen mit Partituren schon ein bißchen anachronistisch sind angesichts einer Zeit der digitalen Medien (auch die Partituren des Finnish Music Information Centre haben ja etwas sehr altmodisches). Ich bekomme als ausübender Musiker inzwischen 95% der zu spielenden Stücke als .pdf. Wenn ich mich über junge Komponisten informieren will, konsultiere ich ebenso lieber .pdf-Files als physisch gesendete Partituren, die ich dann irgendwann womöglich aus Platzmangel wegschmeissen muss (mit schlechtem Gewissen natürlich). Und natürlich sind Audio-Files im Internet, youtube Videos etc. immer wichtiger, das kriegt heute jeder hin, auch ohne Verlag.

    Aus den Anregungen hier würde ich mal den Versuch machen, zwei positive Zukunftsvisionen zu formulieren (eure Ideen dabei zusammenfassend):

    1) was es bräuchte ist eine Art Online-archiv nicht verlegter deutscher Komponisten – kein Staatsverlag, kein Profitgeschäft, aber einfach eine programmiertechnisch gut aufgebaute Seite mit einem kleinen instandhaltenden Team, die Inhalte von jungen Komponisten in einer Form aufbereitet, die weniger der manchmal peinlich unbeholfenen Selbstdarstellung (wie bei der DKV – Seite) dienen, sondern wirklich der Recherche nach Material, Partituren, Stimmen, etc. zuträglich sind. Diese .pdf-Partituren könnten eine Art „Wasserzeichen“ bekommen und in einer Art Verlagsvertrag existieren, der aber einen viel kleineren Teil als sonst üblich GEMA von den Einnahmen abzieht (vielleicht zum Beispiel nur 5%) um die Kosten zu decken. Das MIZ hat ja im Moment eher einen Wildwuchs an Links zu einzelnen Webseiten, aber ich könnte mir das schon als staatlich gefördertes Projekt innerhalb deren Seiten vorstellen, eine Art digitales „Deutsches Komponistenarchiv“. Mit der GEMA könnte ausgehandelt werden, dass hier zu Werbezwecken auch Audio- und Videofiles umsonst gestreamt werden. Hinzu sollte eine Internetplattform kommen, in der Aktivitäten des Deutschen Musiklebens mit Schwerpunkt auf „verlagsunabhängigen“ Komponisten aktuell dargestellt werden, so aktuell wie es ja die NMZ schon vorbildlich tut. Dass die Verlagsunabhängigkeit nicht gleich Bedeutungslosigkeit ist, zeigt eindringlich das Beispiel Stockhausen.

    2) es sollte einen Fond geben, der es Komponisten wie Enesmbles ermöglicht, vollkommen unabhängig von Festivals gemeinsame Projekte einzureichen -solche Fonds gibt es auch in einem der kulturfeindlichsten Länder der Welt, den USA, und zwar zuhauf! „Netzwerk Neue Musik“ hätte dieser Fond sein können, ist es aber definitiv nicht m.A. nach. Dass es aber eben genanntes überhaupt gibt zeigt, dass auch ein solcher Fond möglich wäre. Das muß auch nicht unbedingt eine „national“ orientierte Sache wie „Scheppende Toonkunst“ sein, ich stimme Benjamin zu, dass die grosse Qualität des Deutschen Kulturlebens die nationalitätenunabhängige Förderung ist, also eben auch für Köszeghys und Chins und 50.000 koreanische Kompositionsstudenten zugänglich ist. Aber ein solcher Fond (mit wechselnden Jurys natürlich) wäre schon eine tolle Sache und würde guten Festivals wie Johannes‘ via nova in Weimar doch ganz neue Perspektiven eröffnen und der „freien“ Szene mehr Möglichkeiten bieten.

    Jetzt die Frage an den vielfach zu Unrecht gescholtenen Theo: wie kriegen wir das kulturpolitisch hin?

  109. Benjamin Schweitzer sagt:

    Guten Morgen, ihr Frühaufsteher,

    Dank an Johannes (H.!), mit der „Watschn“ für Herrn Geißler bist du mir zuvorgekommen, und die hat er, Moritz, IMHO ganz und gar nicht zu Unrecht bekommen für seinen spiegelblinden Beitrag.—

    @Alexander Strauch: Ja, wärn Sie mal nach Dresden gekommen! Da konnte man damals in ofenbeheizten Neustadtkneipen große Biere zu 1,50 (Mark der BRD) trinken und alle naselang kamen Werbemädels von Zigarettenfirmen rein und haben die Kippen schachtelweis verschenkt, bis das irgendwann verboten wurde. Als Wessi mußte man allerdings zuweilen aber auch ein dickes Fell haben, und leider hat die Stadt sich kulturell und politisch viele großartige Perspektiven selbst verbaut. Ich habe ja noch ab und zu dort zu tun, und jedesmal weiß ich dann zwar einerseits wieder, warum ich es da ein Jahrzehnt lang ausgehalten habe, aber auch, warum ich irgendwann unbedingt weg mußte.—

    Zu dem Verlags/Dokumentationszentrums-Thema noch ein paar Gedanken:

    Vielleicht wäre es tatsächlich denkbar, das MIZ des DMR in Richtung einer Online-Bibliothek auszubauen, aber den Aufwand sollte man nicht unterschätzen. Ob die Komponisten sich selbst damit nicht auch einen Bärendienst erweisen würden, wenn das ganze den Nutzer ob der schieren Masse einfach überfordert und er sich dann doch ermüdet wieder den irgendwie (durch eigene Bekanntschaft, PR oder was auch immer) „vorsortierten“ Angeboten zuwendet?

    Was die regionalen Förderstrukturen angeht, so bin ich der Ansicht, daß das genauso problematisch ist wie die Kulturförderung auf der nationalen Schiene, die wir aus anderen Ländern kennen. Natürlich liegt, gerade in einem von Geschichte, Tradition und regionalen Eigenheiten geprägtem Land wie unserem, ein gewisser Sinn darin, die Arbeit von Künstlern vor dem Hintergrund ihrer Herkunft zu dokumentieren und zu fördern. Aber das darf niemals das alleinige oder auch nur ein dominantes Kriterium für irgendeine Auswahl oder Präsentation sein, das geht nach hinten los. Konzerte mit dem Titel „Komponisten aus der Hasenheide“ (o.ä.) locken im allgemeinen die aufgeführten Komponisten in den Saal und noch zwei drei unglückliche Unbeteilige, die von diesen auf der Straße angesprochen wurden und keine Ausrede parat hatten.
    (Natürlich gibt es im Musikbetrieb auch die von ebensolcher Hilflosigkeit zeugende Tendenz, Komponisten auszuwählen, weil man sich von deren besonders exotischem Hintergrund gesteigerte Aufmerksamkeit erhofft. Das ist m.E. das gleiche in Grün, kommt nur glanzvoller rüber.)—

    Von Verlagen erwarten/erhoffen Sie nach meinem Eindruck – sozusagen als von außen am Gittertor Rüttelnder – sehr viel, ja, fast meint man aus Ihren Zeilen die Ansicht herauszulesen, daß das Wohl und Wehe eines Komponisten (in wirtschaftlicher Hinsicht) sich überwiegend daran entscheidet, ob es mit einem großen Verlag zum Lebensbunde kommt oder nicht.
    Ich ganz persönlich schätze mich glücklich, daß das bei mir geklappt hat (übrigens ohne massive Protektion usw., aber das glaubt mir hier eh keiner) und will das nicht kleinreden, aber weder ist ein Verlagsvertrag alles noch ist ohne einen solchen alles nichts. Es ist ein Ansporn und in vielem äußerst hilfreich, eine solche Zusammenarbeit kann ein Quell der Freude sein. Aber schauen Sie mal, wie viele Komponisten auch ohne Verlagslabel erfolgreich arbeiten und hervorragend zurecht kommen, und dann schauen Sie auch nochmal, wieviele verlegte Komponisten es gibt, von denen man weniger hört als von manchem „Ungedruckten“, und Sie werden feststellen, daß Sie das Thema beruhigt ein klitzekleines bißchen tiefer hängen können.

    Herzliche Grüße,

    BS.

  110. Kulturpolitik und GEMA – bin grade fern vom Thema – nämlich in Dänemark, aber nicht bei Hamlet. Ein Gutes an diesem Gespräch ist doch, dass hier jeder die ihm gerade zur Verfügung stehenden Informationen einspeist – und unmittelbare „Richtigstellungen“ möglich sind – und dann auch wieder die Gegenrede. Ob das mit Watschn oder im Hildebrandtschen Sprachduktus geschehen muss, lass ich mal dahingestellt. Schließlich bezeichne ich Herrn Hildebrandt auch nicht von Haus aus als eigeninteressen-gesteuerten Schmalspur-Verbandsfunktionär. Vielmehr haben wir in vielen Angelegenheiten schon an einem Strang gezogen. Auch sind Sie – Herr Hildebrandt – in Frankfurt als Gesprächspartner herzlich willkommen. Details ab Dienstag direkt. Ernsthaft auf den Geist gehen mir die dauernden paranoiden Verschwörungstheorien a la Köszegy und Janson. „Wenn mancher Mann wüsste wer mancher Mann wär, gäb mancher Mann manchem Mann manchmal mehr Ehr…“ lautet ein lieber Kindervers, den ich diesen Herren mal zu bedenken gebe. Es wäre so einfach, sich im Netz über wirtschaftliche Zusammenhänge in Sachen ConBrio und nmz, auch über die kultur- und gesellschaftspolitische Haltung des selbstredend gewinnoptimierungssüchtigen Inhabers Geißler zu informieren – aber bitte gründlich, und das könnt Ihr mir dann gern um die Ohren hauen.
    So, Eggys Vorschlag, sich um eine verbands- und kulturpolitische Initiative gemeinsam zu kümmern, finde ich sehr konstruktiv. Vielleicht lässt sich ja auf der Frankfurter Messe ein Treffen möglichst vieler an einer solchen Plattform interessierten Menschen organisieren, da bitte ich um Vorschläge. Bin ab Dienstag wieder im „Dienst“ – und herzlich: geissler@nmz.de

  111. Das große, kostenlose Kulturflat- nmz- und Schottkomponisten-Ablenkungsmanöver-Lachkabinett FOLGE 1:
    Der Komponist Benjamin Schweitzer:

    I.1

    Dank an Johannes (H.!), mit der “Watschn” für Herrn Geißler bist du mir zuvorgekommen, und die hat er, Moritz, IMHO ganz und gar nicht zu Unrecht bekommen für seinen spiegelblinden Beitrag.—

    —————–44444444444 87x Zp ratzerüb.
    LINK to: http://www.wers-glaubt-wird-selig.com

    II.1:

    @Alexander Strauch: Ja, wärn Sie mal nach Dresden gekommen! Da konnte man damals in ofenbeheizten Neustadtkneipen große Biere zu 1,50 (Mark der BRD) trinken und alle naselang kamen Werbemädels von Zigarettenfirmen rein und haben die Kippen schachtelweis verschenkt, bis das irgendwann verboten wurde. Als Wessi mußte man allerdings zuweilen aber auch ein dickes Fell haben, und leider hat die Stadt sich kulturell und politisch viele großartige Perspektiven selbst verbaut. Ich habe ja noch ab und zu dort zu tun, und jedesmal weiß ich dann zwar einerseits wieder, warum ich es da ein Jahrzehnt lang ausgehalten habe, aber auch, warum ich irgendwann unbedingt weg mußte.—

    TOLL !!!

    III.1

    Von Verlagen erwarten/erhoffen Sie nach meinem Eindruck – sozusagen als von außen am Gittertor Rüttelnder – sehr viel, ja, fast meint man aus Ihren Zeilen die Ansicht herauszulesen, daß das Wohl und Wehe eines Komponisten (in wirtschaftlicher Hinsicht) sich überwiegend daran entscheidet, ob es mit einem großen Verlag zum Lebensbunde kommt oder nicht.
    Ich ganz persönlich schätze mich glücklich, daß das bei mir geklappt hat (übrigens ohne massive Protektion usw., aber das glaubt mir hier eh keiner)

    -downloadable Song dazu bei: http://www.kulturflat-trash.de

  112. trippundtrapp sagt:

    auch für manche hier passend

    http://www.get-a-life.com

  113. Lieber Herr Geißler,

    zu Ihrer Anregung:

    Es wäre so einfach, sich im Netz über wirtschaftliche Zusammenhänge in Sachen ConBrio und nmz, auch über die kultur- und gesellschaftspolitische Haltung des selbstredend gewinnoptimierungssüchtigen Inhabers Geißler zu informieren – aber bitte gründlich, und das könnt Ihr mir dann gern um die Ohren hauen.

    Eine solche Internet-Recherche (wobei vom persönlichen Vorwurf der persönlichen „Gewinnoptimierungssucht“ dabei nicht die Rede war)hatte hier im Badblog doch (ziemlich zu Anfang, Sommer 09!) an anderer Stelle schon der „unflätige“ Wechselstrom getätigt. Was Sie ja seinerzeit „schwer beeindruckt“ hat, da Sie ihm sogar noch entgegen bloggten, er habe noch übersehen zu recherchieren, wo Sie noch überall drin sitzen und wo Sie selbst ein paar Dinge dazu nannten.
    Stichwort: „Gregorianischer Choral“ – erinnern Sie sich noch dunkel? :-) Oder singt man in Dänemark keinen Choral? Aber ich sänge immer noch weiter… (kleines Späßchen) bzw. unbeeindruckt Ihres weisen Kinderverses:

    “Wenn mancher Mann wüsste wer mancher Mann wär, gäb mancher Mann manchem Mann manchmal mehr Ehr…”

    Was wollen uns diese weisen Worte sagen…?

    @ Windmühlen-Recherchiererei und Don Quichotterien:
    Warum also soll ich mir also nochmals diese vergebliche Arbeit machen? (Oder z.B. mal zu analysieren, zu recherchieren: wieviele von Schott verlegte Komponisten werden in der nmz positiv rezensiert/bzw. bekommen überhaupt erst Aufmkersamkeit etc. und wie viele Komponisten (vergleichsweise), verlegt bei anderen Verlagen, geschweige aber, die OHNE VERLAG sind: sagen wir mal: im Zeitraum der letzten 5-10 Jahre oder so.
    Bühne frei für kritische Musiksoziologen – wo sind sie?)

    Denn: eine solche Recherche sollte man kritischen Musikwissenschaftlern- bzw. -soziologen/ Medienwissenschaftlern überlassen bzw. das wäre deren Aufgabe. Ich Denke, das hatte ich auch an anderer Stelle schon mal geschrieben. Ich hab auch noch zu komponieren.

    Wissen Sie, das macht sonst nur schlechte Laune. Warum soll ich hier sinnlos „Cherif“ spielen? Zumal, wenn dann sogar noch signalisiert wird: Das haben Sie toll heraus gefunden – ja, na und…? [Blacklist registration follows…]

    @Ihrem Vorschlag:

    Vielleicht lässt sich ja auf der Frankfurter Messe ein Treffen möglichst vieler an einer solchen Plattform interessierten Menschen organisieren, da bitte ich um Vorschläge. Bin ab Dienstag wieder im “Dienst” – und herzlich:

    Das klingt wirklich sehr gut mit der Diskussionsplattform, kommt aber bzgl. meiner querulantischen Wenigkeit was zu spät: habe nun schon heute die Zugkarten für Berlin für die Zeit der Musikmesse gebucht. Besuche zur besagten Zeit noch ein paar Veranstaltungen der Märzmusik.

    Es grüßt Sie herzlich
    Ihr „paranoider Verschwörungstheoretiker“,
    Komponist Erik Janson

  114. Johannes K. Hildebrandt sagt:

    na gott sei dank bin ich wenigstens kein verschwörungstheoretiker, sondern nur verbandsfunktionär. ok – ich werde damit leben. manchmal hab ich den eindruck, dass der ein oder andere – auch hier – selber mal so richtig gerne ein echt wichtiger funktionär wäre und es nicht erträgt irgendwo nicht mit dabei zu sein und sich zu allem äußern muss, auch wenn man von verdrängter ahnungslosigkeit gezeichnet ist.
    zwei dinge.
    1. der antrag der außerordentlichen gema-versammlung betrifft nur sehr wenige u-kollegen und man hört selbst von den sonst größten kritikern zustimmung. eine ablehnung hätte schlechte folgen – und zwar für alle. wir können also hoffnungsvoll sein, dass der antrag angenommen wird.
    2. es wird hier über einen neuen fond gesprochen. was kommt nach dem netzwerk? sehr interessante fragen. aber da dürfte schon einiges an der startlinie sein …. gar nicht so schlecht deine idee moritz. sollte schon etwas durchgesickert sein? ich habe übrigens gerüchte gehört, dass pro klassik neu belebt werden soll.

    der eigeninteressen-gesteuerte Schmalspur-Verbandsfunktionär

  115. Pèter Köszeghy sagt:

    Lieber Herr Geißler, dass Sie hier noch nötig haben, mit Pauschalbeleidigungen und Pauschalunterstellungen den Faden an sich zu reissen und sich zu behaupten, bezeugt alles über diesen tollen blog hier bzw. bezeugt, das ein gewisse kleine Nerv ja doch getroffen wurde. Ich frage mich nur wirklich, wo waren Sie denn, als die Diskusiion noch Substanz hatte? Alles was Sie hier hineingetragen haben ist entweder Fehldarstellung oder Beleidigung. (Ich habe heute gedacht, vielleicht warten Sie nur, durch Ihre Provokation auf ein „tollen“ Schlagzeile für das NMZ. Wie alle neoliberaler Journalisten das tun.)

    Ich möchte Ihenen eine ganz alte Sache hier präsentieren: Kunstgriff 8. aus Schopenhauers „Die Kunst Recht zu behalten“: „Den Gegner zum Zorn reizen: denn im Zorn ist er außer Stand richtig zu urtheilen und seinen Vortheil wahrzunehmen. Man bringt ihn in Zorn dadurch daß man unverhohlen ihm Unrecht thut und schikanirt und überhaupt unverschämt ist“ BRAVO Lieber Herr Geißler. Haben Sie sich denn erkannt??

    Noch etwas kann ich mir leider nicht vergreiffen:
    Zitat Benjamin Schweitzer:
    „Ich ganz persönlich schätze mich glücklich, daß das bei mir geklappt hat (übrigens ohne massive Protektion usw., aber das glaubt mir hier eh keiner)…“
    Lieber Herr Schweitzer, das ist für mich was ganz neues! Was heisst „massive Protektion“??? Gibt es auch nicht massive Protektion? Einfach Protektion, Nicht massive Protektion und massive Protektion? Das müssen Sie mir doch bitte mal erklären. Ich möchte gerne die Unterschiede merken.

    Allen ein schönen Abend noch.

    PK

  116. Pèter Köszeghy sagt:

    ach, ich vergass: habe meine Frau heute gesagt, wenn Sie demnächst den NMZ nicht kündigt, ist das für mich `n Scheidungsgrund….und dat meehne ick wirklich ernst meehne damen und herren.

  117. Pèter Köszeghy sagt:

    …verdammt! Warum bin ich immer so unüberlegt!
    Ich Grüsse auch selbstverständlich ALLE:
    “der ungarische paranoider Verschwörungstheoretiker”,
    Pèter Köszeghy

  118. Allfällige Kündigungen und Ankündigungen: Lieber Peter Köszeghy, bitte vergessen Sie nicht, die nmz (oder nzfm, was machts) auch bei SCHOTT zu kündigen. Sonst bleibt für Sie vielleicht was übrig, was Sie gar nicht wollen. Was den ConBrio-Verlag betrifft, hab ich Ihre Kündigung bereits weitergeleitet. Sie werden also von uns nicht länger belästigt, falls Sie oder Ihre (hoffentlich gleichnamige, rein verwaltungstechnisch gesehen) Frau auch wirklich zahlende Abonnenten waren. Ansonsten viel Freude mit den ja auch aus Ihrer Sicht teils qualitätvollen kostenlosen (cc)- Beiträgen in diesem Blog wünscht: Ihr geissler@nmz.de

  119. querstand sagt:

    @ eggy
    Sehr gut zusammengefaßt, was mir da zwecks Onlinemusikzentrum durch den Kopf sauste und gut auf den Punkt gebracht. Es ist natürlich noch auszudiskutieren, wie breit das dann doch oder doch lieber nicht sein wird. Als ergänzende Maßnahme zur jetzigen im Wandel begriffenen Verlagsszene, die dennoch als Ergänzung bündelnde Kraft entgegen all der schönen einzelnen Komponistenhomepages entfalten könnte, ein guter Ansatz. Vielleicht können dann auch die anderen Verlage gut damit leben. Es könnte sich ja fast zu einem heimlichen Entdeckungspool entwickeln, der dann nur noch geerntet werden muß. Wenn dies schon ein Erfolg wäre, würde sich das System für ungeschicktere oder einfach nur unverlegte und begabte Einzelkämpfer richtig lohnen, um neben Aufführungen auf sich aufmerksam machen zu können. Auf die Idee in diese Kerbe zu dreschen bracht mich Dein Beitrag über die Frage der Positionierung der Verlage und die Bemerkung über eben unsere wunderbare youtuberei, unser mygespace, etc., womit wir nach eben aber doch irgendwie in den Info-Fluten unterzugehen drohen. Mal sehen was daraus werden kann.

    @ Schweitzer
    Ich gebe zu, daß ich das ganze Thema etwas hochpusche und förmlich ein Tenebroso um die Glückseligkeit von Verlag haben oder nicht haben anstimme! Natürlich hat ein funktionierendes Selbstverlegen auch grosse Vorteile: man handelt autonom, behält die ganze Summe, zehrt von Rundfunkstimmmateriallizenzen bei Nachsendungen, etc. Es steckt aber bei Verhandlungen gerade für grössere Formate eine Hausmacht dahinter, die auch sehr gut helfen kann. Natürlich gäbe es da auch wieder Gegenbeispiele, wenn Verlage Opernstoffe für unverkäuflich befinden, bis zur GP das Grosse Recht noch nicht durchgefochten ist, usf. Es ist letztlich immer eine Typfrage, was dem Komponisten mehr hilft. Ich fuhr mit meinem copy-us eigentlich bisher ganz gut, verlegte den Rest selbst. Wobei man dann eben das ganze Risiko für verspätete Stimmmaterialien trägt oder dgl. Andererseits kann man bei eigenen Verzögerungen diese auch wieder direkter ausbügeln, ohne daß neben einem Theater auch noch der Verlag im Nacken sitzt. Hin und Her… Wie zu Moritz gesagt: als Ergänzung garantiert nicht schlecht. Dennoch halte ich unser Land nicht wirklich für so zu groß, als das ein modfiziertes Verfahren auch kleinerer Länder hier denkbar wäre. Die haben tatsächlich auch so ihre Nachteile und wie Sie sagten auch eine gewisse Langeweile macht sich breit. Nur müssen wir eine Grösse eben zwischen gesamt und föderal/kommunal finden. Aber gerade diese Balancesuche ist das Spannende am deutschen Kulturleben. Ausserdem: ich denke nicht, daß wirklich ein Autor sein ganzes Leben an einem Verlag gebunden sein muß. Das alte Vorschußsystem aber hatte doch auch was für sich. Und da komme ich zu:

    @ eggy2&Sschweitzer2
    Zu der o.g. Ergänzung ein neu justiertes oder neu erfundenes System der Auftragsförderung durch einen Zusammenschluß der wichtigsten privaten und öffentlichen Träger, wunderbar! Aber vergesst die Kommunen nicht, die ja gerade für kleinere Projekte der lokalen Vielfalt verantwortlich sind, daß in den Veranstalterkalkulationen auch und gerade durch die Kommunen und Länder selbst gefördert werden, nicht daß dann nur wieder auf die neue Stiftung als Drittmittelgeber verwiesen wird. Das Thema Auftragshonorare geht so richtig durch die gesamte Subsidiarität hindurch.

    @ Thema Kulturflatrate
    Ich möchte nochmals klarstellen, daß ich mich v.a. an den Enteignungsgedanken und der Verhältnismässigkeitsprüfung des Grünen-Gutachtens stosse. Verhältnismässigkeit in Rechtsgutachten heißt immer die Aufzählung aller geeigneten Mittel, die Prüfung der Erforderlichkeit und zuletzt die Frage der Angemessenheit. So betrachtet wäre eigentlich Alles geeignet um entweder die Tauschbörsen mit aller Schärfe zu verfolgen, sie zu bagatellisieren oder legalisieren bzw. die Rechte der Urheber mit der Waffe durchzusetzen bis hin vor den Gegebenheiten des Massendownloads zu kapitulieren. Im Grünen Gutachten ist letztlich die Masse und die Kapitulation davor der Maßstab zu ungunsten der Urheber, die dann dies hinnehmen müssen, um die Tauschenden zu schützen.

    Ich denke, daß man da aber vielleicht einen Gang runterschalten sollte. Die Zeiten der netten schönen Privatkopie im Freundeskreis ist wohl einfach dahin. Wobei bei den Privatkopien eben die qualitative LP meist auf sich ausleiernde Kassetten übertragen wurde. Jetzt wird direkt das mp3 weitergegeben, daß ggf. mal legal runtergeladen worden ist oder selbst von wav/aif auf mp3/ogg transformiert eigentlich immer noch qualitativ weniger abnehmen als LP zu ausgeleierter Kassette. Es entsteht also kein wirklicher Qualitätsverlust, selbst diese mp3’s wären noch einigermassen rundfunksendefähig. Das ist vorbei, wie die Verlagsvorschüsse!

    Also, wenn wir das Thema massenhafte Downloads von Millionen Usern genauer sehen: wollen wir die potentiellen Fans Alle wirklich an die Wand stellen? Wir wollen aber genausowenig auf unser Urheberrecht verzichten! Und: wenn eine Tauschbörse trockengelegt ist, folgt die Nächste. Jetzt gibt es zwei Wege:
    entweder den der Kulturflatrate, wo man beim Provider des WLAN-Anschlusses ein paar Euro einbehält und versucht, unter den Urhebern wie auch immer gerecht zu verteilen. Wobei da die Höhe der Flat nicht gewaltig hoch sein können wird, so daß auch nicht viel zu verteilen sein wird. Wer gar nicht downgeloadet wird, kriegt nichts. Letztlich wird da wohl eine Pauschalierung stattfinden, ohne ständig Alle online zu messen bzw. zu überwachen. So erhielten auch die nicht Heruntergeladenen etwas…

    Ein anderer Weg wäre, die massenhaften Anbieter weiter konsequent zu verfolgen, die „Jugend“ und User mehr für das Thema „Was ist illegal im Netz“ zu schulen. Sowie Angebote wie itunes massenhaft zu erweitern, vielleicht direkt Downloads von Urheberseiten zu günstigen Konditionen ermöglichen, etc. Das ist allerdings echt ein Windmühlenkampf!

    Also doch eine Kulturflaterate? Das klingt zumindest gerechter als eine Medienabgabe(npauschale) für Jedermann, wie die FDP vorschlug. Letztlich wäre das eine Kopfpauschale, wie Gesundheitspauschale, wie ein Steuersystem mit nur 3 Stufen. Alles eben undynamisch! Es muß dann auch der zahlen, der gar kein Internet nutzt. Vielleicht müßte man das auch bei einer Flatrate berücksichtigen: vielleicht gibt es doch auch eine Menge Tauschbörsenvermeider. Also doch lieber ein genaues Abrechnungssystem mit günstigen Verkaufsangeboten? Das wäre natürlich am Fairsten für uns Urheber. Man ist eigentlich immer mehr hin- und hergerissen bei dem Thema! Und man fühlt sich irgendwie jetzt schon als Verlierer, egal was passiert. Das dürfte wohl das ganze Unbehagen auf den Punkt bringen, daß man irgendwie überrollt worden ist und noch weiter wird.

    Aber wie es lösen? Also nochmals ein Gang nüchterner: eine pauschale, nette kleine Vergütung aus einer Flatrate kommt als Ergänzung (die tun es mir gerade an) eigentlich gar nicht so ungelegen – immer noch besser beim Provider direkt geholt, denn eine neue Steuer oder GEZartige Sache. Einfach so kühl betrachtet, wie die Leer-CD-pauschale.

    Dagegen aber das Hauptaugenmerk auf live gespielte Musik! Vielleicht bringt uns das wirklich Einbussen, wenn man es einfach vom Verteilungsplan sogar abkoppeln würde. Es würde allerdings den Weg zwischen real gespieltem Stück vor wenig oder halbwegs gutem Saal in ein direktes Verhältnis zum finanziellen Ergebnis setzen, also transparenter denn je, aber auch mit Einbussen verbunden. Dagegen eben ein aufgewertetes Auftragswesen. Dies würde aber etliche ärmer stehen lassen, die aufgrund der Punktewertung doch eben von vornherein einen gewissen Sockelbetrag erhalten. Die direkten Einnahmen, durch den Verteilungsplan von U nach E erhöht, wären geringer. Und die Kulturflatrate schüfe auch nur einen geringen Ausgleich. Letztlich würde eben das Leistungsprinzip deutliche Urständ feiern: wer exorbitant viel gespielt wird, bekommt exorbitant viel, wer wenig schreibt und veröffentlicht, wird sowieso selten gespielt und erhält für seine ggf. jahrlange mühsame Arbeit nichts…

    So kann man eigentlich nur schlußfolgern:
    – wenn es eine Kulturflatrate geben würde, dann muß da trotzdem ein Verteilungsplan durchgehalten werden. Und ggf. wird das Netz dann doch für Alle teurer als wir dies uns in unserer „Geiz-ist-geil“-Mentalität vorstellen. Vielleicht ist das aber gar nicht so schlimm, weil sowieso immer mehr alltagsorganisierendes in das Netz wandert. Da es uns vieles vereinfacht, wird es auch mal so teuer sein wie Strom- und Gas, wobei vielleicht der Strom darin aufgehen könnte. wenn man an das Stromnetz als Leiter statt dem Telefonnetz denkt… So käme dann doch wieder eine stattliche Summe herein
    – Honorare müssen besser werden. Oder wir landen doch mal bei einem Grundeinkommen, so daß Komponieren eine ehrenhafte gemeinnützige Tätigkeit sein wird, was es ja sowieso bei den meisten von Nebenjobs abhängigen jetzt schon ist. Und Honorare bessern das Leben in dem Bereich einfach auf.
    – Die Werke aller werden besser zugänglich und so hoffentlich öfters gespielt, so daß sich Neue Musik oder deren Nachfolger auch wieder lohnt, zwar nicht reich macht, aber doch einen Alleinstehenden mit 1200 bis 1500 Euro monatlich gut davon leben läßt.
    – Die Musik selbst verändert sich und wir Komponisten gewinnen verlorene Nischen zurück, so daß sich auch da ein finanzieller Zugewinn einstellt. Dann könnten mehr von uns vom Bettler zum Bettlerkönig werden.

    Die Hauptsache wird bleiben, daß wir in den Köpfen der Menschen wieder präsenter werden und wieder mehr Opern und Musiktheater aus uns rauslassen, die die Leute berühren, die Opernhäuser berechtigen und dadurch selbst berechtigt ein besseres Leben führen können, indem durch moderne Kommunikationsmittel mehr Menschen denn je an uns teilhaben können. Wenn man an all die neugierigen Chinesen denkt, die plötzlich durch einen Internetverlag aus Deutschland Verlegte hiesige No-Names anklicken, die dann durch die Kulturflatrate sogar richtig hinzuverdienen können… Dies ist aber schon so märchenhaft, daß man gar nicht daran denken mag. Aber gibt ja schon heute Europäer, die in Japan Musik- und Filmstars als Europäer sind, die hier niemand zur Kenntnis nimmt.

    Wenn natürlich wir von so einer Flatrate nichts hätten, weil sonst Alles bleibt, wie es ist, dann werden wir die Verlierer sein und die Ängste, die irgendwie auch zurecht hier sehr drastisch formuliert worden sind, würden bewahrheitet werden. Da bleibt uns nur die Offensive. Und ob man nun von Verlagsvorschüssen oder einer Zweiten Moderne im Sinne der Ersten träumt: wir sind schon längst überflutet worden und müssen nun reagieren, um zu retten, was zu retten ist und vielleicht doch vorsichtig positiv vom Internet zu profitieren. Das wäre so richtig sexy, wie ich das ja schon mal ähnlich anders sagte. Vielleicht sollte man zudem ein Gutachten in Auftrag geben, was weniger eigentumsfeindlich argumentiert und vielleicht umfassender gestaltet ist. Das Gutachten der Grünen zielt eben auf junge Wähler ab, die der Piratenpartei anheimfallen könnten. Der Zerfall der linken Parteien macht da jeden Wähler im Kleinen wichtig, so daß grosse Zusammenhänge jenseits von Verschwörungstheorien aus dem Blickfeld geraten. Die Situation der Musik im Lande gehört weiter gefaßt, so daß nicht nur eine diffuse Musikindustrielobby dominiert oder ein Angstgetöse vor der GEMA. Es muß zwischen allen Interessen vorsichtig abgewogen werden. Wenn allerdings so aufeinander geschossen wird, wie es hier schon geschieht, kann es nur wenige Gewinner und sehr viele Verlierer geben.
    Im Prinzip sind es eben die Ängste: die vor Veränderung, die vor dem Neuen. So drischt man wie seit Jahrzehnten schon auf die GEMA ein, nivelliert den Wert von klassischer Musik an sich, etc. Jörg Evers hat wunderbar recht mit dem Satz, daß man anstandslos seine Versicherungen und sonstigen Verpflichtungen zahlt. Bei den Sätzen für die Urheber wird es aber ideologisch. Vielleicht müßte man mal eine Kampagne starten, wo nicht die Sachbearbeiter oder Kontrolleure der GEMA in der Öffentlichkeit das Bild bestimmen, sondern eben ein „Wir sind GEMA“ an den Litfaßsäulen mit dem Konterfei Strauss, Lennons und Rihms oder dgl. prangt. Dann kapieren vielleicht mal mehr Menschen, wie sie mit ihrem derzeitigen Internet- und Veranstaltergehabe ihre so geliebten Musiker und Schöpfer hintergehen. Genauso muß sie aber für uns flexibler werden. Und da ja opensource wirklich was Schönes ist (arbeitet die GEMA auch hier und da mit Linux?), muß sie uns dahingehend noch vielmehr Freiraum geben. Oder erstmal von uns erhalten.

  120. eggy sagt:

    @Johannes: Ich habe tatsächlich von bisher nichts gehört, es würde mich aber interessieren, was da in der „pipeline“ ist. Irgendwie liegt diese Idee ja in der Luft und es gibt wohl einen echten Bedarf dafür.

    @Alexander/querstand: das mit dem „wir sind GEMA“ versucht ja die GEMA im Moment sehr bewußt mit dem neuen GEMA-Marketing (das hier schon teilweise gescholtene neue „Virtuos“-Magazin, immerhin aber eine Riesenverbesserung gegenüber der öden Postille vorher) und solchen Initiativen wie dem GEMA-Autorenpreis (ich darf ja als Jurymitglied wenig sagen, aber die Entscheidungen werden hier sicherlich diskutiert werden!). Und ja, es wird für jeden Scheiss klaglos Geld gezahlt, Kultur soll aber immer möglichst umsonst sein und wenig Ärger machen.
    Das Problem ist immer, dass es ohne eine Verbindung mehr Erfolg = mehr Tantiemen einfach nicht geht. Es ist zwar ein altruistischer Gedanke, dass möglichst alle Arten von Komponisten viel Geld bekommen sollten, auch wenn sie wenig Aufführungen haben, aber dann würde die GEMA noch mehr ein Selbstbedienungsladen werden, als sie es für die verschissenen Geschäftsmodeller ohnehin schon ist. Und Dein Nachbar und sein Hund würden sich dann auch als „verkannte“ Komponisten anmelden und auf eine Mindestbeteiligung pochen, eigentlich eine schreckliche Vorstellung.
    Ob die Ausschüttungsunterschiede so groß sein müssen wie im Moment ist sicherlich diskussionswürdig. Mir liegen keine genauen Zahlen vor, aber ich denke mal, dass ein durchschnittlich verdienender E-Komponist von der GEMA schon einen wichtigen Jahresbeitrag bekommt, wenn man Wertung und Tantiemen addiert. So schlecht kann das nicht sein, wenn auch sehr viele ausländische Komponisten in die GEMA drängen, weil in ihren Ländern wesentlich weniger ausgeschüttet wird.
    Wie aber nun bei einer Flatrate Erfolg und Ausschüttung kombinieren, so dass wirklich gewährleistet wird, dass der „Bekanntere“ und „Mehr Gespielte“ bzw. „Angeklickte“ auch mehr bekommt (was ich grundsätzlich gerecht finde, auch wenn es uns allen mal hart vorkommt)
    Da kommt dann wieder 1984 ins Spiel (siehe auch den heutigen hochinteressanten FAZ-Artikel darüber, wieviel sich schon allein aus unseren Telefonanrufen und der jeweiligen Lokalisierung auf einer Landkarte unglaublich viel über unser intimstes Privatleben öffentlich wird) -das total überwachte Netz, in dem nichts mehr anonym ist. Für viele ein Schreckensbild, für viele ein Wunschtraum. Interessant ist, dass sich manche frühen Internetfreiheitfreaks wie zum Beispiel Lanier immer mehr auf letzteres zubewegen…
    Moritz Eggert

  121. @ all,

    nach dem, was hier (und wie) gestern abend im Blog ablief (Ihr wisst wovon ich spreche) – wollte erst heute morgen in Ruhe auf Herrn Geißler antworten, nun ist der besagte Beitrag weggelöscht -:

    Erübrigt sich für mich jeder weitere Kommentar
    und Teilnahme hier.

    nmz-„Baddys“, Ihr habt es geschafft, herzlichen Glückwunsch und alles Gute (wünsch ich aber nicht mehr JEDEM hier, aber denen, die noch ein Stück weit fair geblieben sind und natürlich allen aufmerksamen Mitlesern).

  122. querstand sagt:

    @ eggy
    Daß mein Nachbar und sein Hund auch plötzlich Komponisten wären – grausig. Der Hund bellt schon so nervig oft… Andererseits: wenn dieses Gebelle ihm den Umzug in eine Villa ermöglichte, dann würde es wieder ruhiger.

    Im Ernst: ich sehe ja gerade ein Problem darin, daß häufiger Angeklickte plötzlich exorbitant mehr bekämen als wir die höchstwahrscheinlich seltener in Tauschbörsen Gehandelten. Deshalb müsste da auch ein Verteilungsplan greifen. Aber warum eigentlich soll es immer so weitergehen. Darum wäre eine allgemein transparentere oder besser gesagt direktere Verteilung innerhalb des Systems auch nicht schlecht, wenn sie nicht so katastrophale Folgen für die meisten haben würde. Es träfe ja auch die seltener Gespielten U-Leute. Unter „seltener gespielt“ verstehe ich allgemein nichts schlechtes, wie gesagt, manche „besseren“ Stücke benötigen längere Arbeit und werden leider seltener gespielt und bringen trotz der realen höheren Arbeitszeit weniger Geld. Aber Komponisten mit Stempeluhren? Funktioniert auch nicht wirklich.

    Die GEMA scheint also angewandte „Soziale Umverteilungsmarktwirtschaft“ zu sein. Und das mit unglaublichen Mechanismen des Ausbalancierens, ähnlich den komplexen Verhältnissen zwischen Mehrheits- und Verhältniswahlrecht (man erinnere sich der Überhangmandate, die irgendwie ungerecht wirken, aber wieder gerecht für den direkten Sitzgewinner sein können, aber doch neu ausgehandelt werden müssen). Ausgleich macht es also immer komplexer. Und das macht blind, wie die Ängste vor Neuem aber auch erblinden lassen.

    Aber Ausgleich ist vonnöten, um soziale Strukturen zu sichern, die mehr als nur Überleben ermöglichen. Eine einfache Lösung einer Flatrateverteilung wäre natürlich die direkt bei den Providern abgeschüpfte Gebühr einfach durch alle Mitglieder der GEMA zu teilen und dann so in gleicher Höhe an alle auszuschütten. Der Nachteil: unter Umständen verletzt man damit Gebote, die eben eine genaue Abrechnung nach Menge einerseits erfordern und dann nach einem sozialen Schlüssel das wieder umverteilen. Man könnte diese Revolution natürlich auch auf die derzeitige Praxis übertragen: sämtliche Einnahmen der GEMA werden einfach durch die Mitgliederzahlen geteilt.

    Dann wird aber jeder Wellensittich zum Urheber werden wollen. Wer ist dann eigentlich wirklich Urheber? Auf dieser Ebene würde sich dann ein noch kompliziteres System entwickeln als wir es jetzt schon mit Angeschlossen, Ausserordentlich und Ordentlich haben.

    Im Bezug auf die Flatrate allein hätte das einfache Systemn natürlich den Vorteil, daß nur auf – wie jetzt schon üblich – bekannte Anschlüsse Gebühren erhoben würden. Obwohl da ja schon jede Bewegung gespeichert werden muß. Es würde aber eine weitere Traffic-Kontrolle erübrigen. Das hiesse dann aber für die Urheber, daß nicht nach Zahlen des Internets diese Flatrate verteilt würde, sondern nach den Zahlen realer Aufführungen, natürlich auch von solchen von Streams, wo man nur die Anklickzahlen des Streampostenden kontrollieren müsste, ggf. sogar als freiwillige Meldung – ich denke, das geschieht heute schon so ähnlich? Aber das weiß ich wirklich nicht genau… bitte aufklären!

    Abgesehen davon würde es eben die Aufführungen im „echten Leben“ noch stärker gewichten und wäre trotzdem kontrollfreier für die User, so daß der Orwellaspekt zu händeln wäre (1984 als Händeloper!). Und ein Krieg gegen die Geschäftsmodeller ist zwar ätzend und aufreibend. Es ist aber immer noch einfacher Plakate von Pfarrsälen mit Wiederholungsankündigungen abzureissen oder in diesen Konzerten einfach einen Flashmob zu veranstalten, der dann plötzlich Nono oder Hundegebell dort aufführt, so daß man nicht das Angekündigte aufführt sondern das böse Spontane. Oder man haut solchen blöden Konzerten noch mehr Hürden in den Verteilungsplan. Das macht es aber kontrollierbarer, als sich dem Netz und dortigen Undurchsichtigkeiten auszuliefern und dort Kontrollen noch mehr zu erhöhen. Wobei das so oder so auch ohne Kulturflatrate passieren würde. Es bliebe also bei einer rein ergänzenden Wirkung dieser Flatrate. So wäre sie kühl, unemotional denkbar. Einen Aufschrei der User würde es sowieso geben.

    Und ich bleibe bei meinem Ruf nach einem anderen Gutachten dafür als dem der Grünen! Generell könnte ich mich mit einem Flatrateabrechnungssystem anfreunden, das einfach auf das heutige andockt und das heutige eben weiter etwas komplexer würde und weiter allmählich reformiert wird.

    Es ist ja nicht so, daß das Urheberrecht nicht immer schon kein Aktionsmodell sondern ein Reaktionsmodell gewesen ist. Allein der Zusammenschluß von Komponisten entstand nicht vor dem Problem von unbezahlten Weiterverwertungen, sondern eben erst danach und auch erst dann, als es schmerzhaft wurde bzw. die Staatsstruktur Deutschlands eine Zentrale in Berlin hatte und nicht überall Duodezfürsten herrschten, was sie bedingt ja dann noch bis 1918 taten. Und nun wird es echt unheimlich: Moritz sprach ja von all den aussereuropäischen Kollegen, die in die GEMA strömen. Und das sich einigende Europa ist Realität, auch wenn man gerne gegen dessen Bürokratie schimpft. Und die neuen demokratischeren Mitwirkmöglichkeiten für Parlamente und Bürger übersieht, die ja jetzt seit kurzem gibt. Wenn man nun dies auch als einen tiefgreifenden Wandel versteht, wird es wohl wirklich Zeit, eine EU-GEMA zu schaffen, ggf. sogar eine Welt-GEMA. Und zwar bevor die Millionen chinesischen Komponisten in die jetzige GEMA eintreten, was diese wahrlich überfordern würde, wenn Geschäftsmodeller in den Vororten von Chongqing
    (die inzwischen heimlich weltgrösste Stadt!!) wirken würden. Eine solche Welt-GEMA, was die jetzige ja bald zu sein scheint und dann irgendwann umkippt wie ein Erdbeben-Hochhaus in China, wäre dann mal ein Aktionsmodell denn Nur-Reagieren.

    Oder man schaut dies auch ein wenig cooler an, als manche es mit der Flatrate – egal ob für oder wider – tun: ob uns nun Plagiateure oder ungerechtfertigte Weiterverwerter der letzten Jahrhunderte das Leben schwer machten, oder plötzlich die LP, die U-Musik den Rang abliefen, die Kassetten die Privatkopie so unberechenbar machten oder eben jetzt das Netz: man kann einfach nur hinterherlaufen und dann reagieren. Und globalisierte Massenprobleme sind mit Kleinkleinlösungen nicht in den Griff zu bekommen. Dennoch muß man das Bewährte nicht über den Jordan gehen lassen (eher den Yangstekijang). Es pachtworked weiter, es wird komplexer und wenn es sozial bleiben soll, ohne wirklich zu benachteiligen, wird es erst recht verrückter.

    Man sieht ja gerade im Sozialwesen, was mit dem letzten Vereinfachungsversuch vulgo Hartz 4, wo man alles pauschalisierte und zwei Hilfesysteme zusammenlegte: es muß nun doch wieder genauer, individueller bemessen werden, dennoch bleiben pauschale Regelsätze. Und die Struktur der neuen Behörden, so verhasst diese Argen auch sind, ersparen den Leuten doch Pendeleien zwischen zwei Behörden. Und diese Vereinfachung ist verfassungswidrig. Und wird ggf. doch bald durch GG-Änderung legalisiert werden, wenn die beiden grossen Parteien sich zusammenraufen.

    Vielleicht ist das ja mit der Flatrate ähnlich, und wäre eigentlich soviel einfacher und ggf. ohne GG-Eingriffe möglich…

  123. querstand sagt:

    @ drehtürdiven
    Liebe Leute,
    ich stöberte nochmals im letzten Jahr (eine Welt ohne GEMA, etc.). Vieles, was die letzten Tage hier nochmals gesagt worden ist, wurde damals schon gesagt oder zumindest angerissen. Z.B. wie sich klagox an dem Grünen-Gutachten stieß, es mit der Menschenrechtserklärung zu konfrontieren versuchte. Alles wunderbar…

    Leider kündigte dort Peter schon sein Ausscheiden an, tauchte ja nun wieder auf. Genauso verschwand und kam kamen Erik und Wechselstrom immer wieder. Also verzeiht mir den Begriff „Drehtürdiven“… aber da ist was dran. Und Gott sei Dank, trautet Ihr Euch ja immer wieder herein.

    Nun gewann letzte Woche die schon damals angerissene GEMA-Diskussion neue Fahrt. Leider gab es dann allerseits wieder die üblichen Schnellschüsse, wurde es superpersönlich, ätzten sich Geissler, Hildebrandt, Peter und Erik an, auf unsäglich niedrigen Niveau. Nun, man hätte nicht schon wieder mit Absprung drohen müssen, der nun auch in andere Kündigungen ausartete, man hätte ggf. die GEMA-Abstimmungsmechanismen deutlicher bzw. als Herausgeber richtig darstellen sollen. Man hätte aber selbst den urlaubenden Geissler auch nicht so säurehaltig anfetzen müssen. Immerhin gab er ja Talk-Vorschläge… daß er Johannes Kreidler direkt anging: nun, wie wir alle Komponisten, ist er ja auch ein Träumer, verspricht sich vieles Neues von einer Flatrate, eine Umkremplung des ganzen Neue Musik Wesens. Wer wünscht sich das nicht? In gewisser Weise stehen sich da im Träumen, natürlich sehr unterschiedliche REM-Phasen, selbst Erik und Kreidler nahe: der ältere will, sehnsuchtsvoll in die heroische Zeit nach dem Krieg blickend eine 2. Moderne, der jüngere möchte mit den heutigen Mitteln eine andere Moderne. Beide beziehen sich letztlich auf dieselbe Tradition der Neuen Musik. Eigentlich, wenn man beide aneinanderbinden würde – ich würde es gerne tun – , ergäben sie den Benjaminschen Angelus Novus. Was für Energien könnten solche Menschen, wie Ihr Beide zusammen, freisetzen und die Zukunft ermöglichen… Ihr müßt es ja nicht sein, aber so eine Paarung von nach vorne mit Blick nach hinten strebend… seufz! Und sei es nur in einer gemeinsamen Talkrunde mal aller Badblogger… aber das ist Moritz Feld!

    Jetzt bloggen Kreidler – der nicht ganz unbemerkt – , Erik Janson und Peter Koeszeghy für sich allein weiter. Da wird zumindest Moritz in Bezug auf die beiden Letzteren Recht behalten: so bloggt, homepaget, mysapcet und youtubet man für sich allein dahin und geht leicht unter… So verhaßt Euch die NMZ auch sein mag: die höhere Publizität bietet sie eben jetzt schon, deshalb bleibe ich auch lieber hier. Selbst ein Hr. Theiler verläßt ja ab und an sein „Musiklabor“ (wo liegt es eigentlich? Ich sehe ihn eher als Galeristen und Bildenden Künstler) und schreibt mal einigermassen Beitragendes und manchmal eher Abträgliches.

    Besonders schade finde ich die Linkaktion Eriks hier weiteroben. Das holt dann wieder den Blondinen-Push-Up-Fetischisten trippundtrapp herbei, der nichts Besseres zu tun hat, als ausgerechnet dann zu posten. Also meine Drehtürler, Ihr fühlt Euch missverstanden und ungerecht von Hr. Geissler behandelt – das mit dem Blondinen-Horst-Janson hätte auch nicht sein müssen. Wie Ihr hier aber jetzt verschwunden seid, habt Ihr förmlich Leute wie den Russen, Kunstgorilla und trippundtrapp wieder aus der Hölle, aus dem Phytoplankton herausfahren lassen. Bin gespannt, wann die nun wieder auftauchen.

    Ich werde auf alle Fälle hier dran bleiben! Wenn Ihr nun wiederkommen solltet, was ich mir durchaus wünschen könnte, kommt diesmal durch den Künstlereingang ohne Drehtür und seid etwas cooler.

    Andererseits: wie Benjamin Schweitzer zurecht schimpfte, daß eine Zeit lang sich nur ich und Erik hier mehr oder minder ergossen. Nun ist mehr Platz, wo bleiben die jüngeren? Oder werden die von ihren Professoren vor diesem Blog gewarnt? Wie Ihr Youngster an Benjamin Schweitzer sehen könnt: wenn Ihr selbständig genug komponieren könnt, braucht Ihr nicht Eure Profs, um „unterzukommen“. Wenn die also Euch hiervor warnen sollten… die sich daran halten, die wird man mal kurz irgendwo hören und wieder vergessen. Ihr anderen mit mehr Mut, Ihr seht ja wie man doch abseits überleben kann, sich vielleicht sogar erst entfaltet. Das hat ja gerade der von mir geschundene Peter Köszeghy seit seinem Donaueschingen-Antiaufruf Anfang des Jahrhunderts gut bewiesen. Also herein mit Euch!! Und seid so nett, wenn Ihr Erik und Peter vor der Tür seht, nehmt sie hier mit herein. Man kann hier – so denke ich – wohl auch ohne NMZ-Abo mitmachen…

    So, jetzt laßt uns bis Dienstag warten und sehen, was für konkrete Vorschläge Geissler hat und ob er sich traut, ausser Kreidler und Hildebrandt noch andere nach FFM einzuladen, ggf. weniger auf dem Podium, sondern mal zur tete-a-tete Sondierung, was hier schon erreicht worden ist, was weiterzuentwickeln, neu einzubringen ist.

    Aber nach soviel GEMA hier werde ich nun mal Patrick Hahns wunderbaren Beat Furrer Artikel kommentieren und um aktuelles aus Münchner Luxusoperntempeln erweitern.

    @ Kreilder – falls Sie es hier soweit unten noch lesen:
    Ich habe mich auch mal mit Luhmann versucht, vielleicht sogar etwas falsch angewendet, wollte großartig damit ein eigenes Magazin begründen… Es ging um die Frage, warum sich Text und Musik im Musiktheater immer mehr trennen, es immer unkonkreter auf der Bühne wird, eine Flucht vor der Realität, die Musik der Szene alles überläßt, ggf. so mitunter das Regietheater mitermöglichte, also wieder so ein Feld, was die Neue Musik und ihre Komponisten verliessen, nachdem das Gesamtkunstwerk diese erst erobert hatte oder es eben zu hypertroph wurde, wie bei Nono und B.A. Zimmermann, letztlich – warum nicht mehr Oper, sondern nur noch Musik mit Bildern – alles schön, aber ohne Wirkung, obwohl ja Mahnkopf den Tropfen erahnen möchte, der das Faß der Musik sprengt und uns wieder ins Bewusstsein der Gesellschaft bringt.

  124. querstand sagt:

    @ Kreidler – ich schrieb Sie am Ende leider falsch. Ich bitte um Verzeihung!

  125. trippundtrapp sagt:

    lieber querstand,
    obwohl manche hier mehr abschiedskonzerte als tina turner gaben, kamen die (leider) immer wieder zurück. und sie sollten ein bisschen mehr respekt für phytoplanktone und ähnliches haben-wir tragen was der photosynthese (nicht mit photoptosis zu verwechseln, obwohl, auch egal) bei, und davon haben alle was. auch ganz ohne gema. als ich neulich einen witzigen jungen kollegen fragte wieso er nicht was hier reinschreibt, kam die verblüffende antwort dass er seine zeit für neurosen hübsche männer sparrt- dann haben beide was davon.

  126. @ querstand

    Selbst ein Hr. Theiler verläßt ja ab und an sein “Musiklabor” (wo liegt es eigentlich? Ich sehe ihn eher als Galeristen und Bildenden Künstler)

    Die Bildenden Künstler versuchen ja so etwas ähnliches wie die KomponistInnen durchzubringen – jene leiden ja an der oft beschriebenen Tatsache, dass Ihre Kunstwerke, in frühen Jahren preisgünstig angekauft, später gelegentlich sehr hohe Preise erzielen, wovon der Urheber dann nichts hat.
    Hier gibt es Ansätze für sog. Nachfolgerecht, also dass der Maler an der Preissteigerung seines Werkes mitbeteiligt wird.

    Ebenso sind Veröffentlichungen von Fotos von Kunstwerken, inzwischen sehr eingeschränkt –

    Auch Architekten hebeln schon an den Abbildungen Ihrer Gebäude und denken Beteiligungen an, z.B. bei Abbildungen in Reiseführern etc.etc.
    All diese Entwicklungen sind oft in Anlehnung an das Musikurheberrecht in Verbindung mit dem Patentrecht geschehen.Ich denke, man sollte daran weiterarbeiten, anstatt das Kind mit dem Bade auszuschütten.

    Die Freigabe der Musikurheberrechte an alle, sozusagen zum Wohle der Menschheit, führt doch nur dazu, dass Google eine Software drum herum baut, diese dann weltweit als Patent anmeldet und damit sich auch die Musik einverleibt – und dann zahlen wir alle an Google und warten darauf, dass die Komponisten ein paar Krümel abbekommen.

    An einer weiteren GEMA-Diskussion will ich mich jetzt nicht mehr beteiligen – ich glaube alle Argumente sind gesagt.
    Johannes Hildebrand konnte ja auch einiges an Missverständnissen aufklären.

    Ach ja: meine nächste UA: 25. April 2010 – es ist übrigens eine Oper. – Weiteres in Kürze – hab nur noch 4 Wochen Zeit (von insgesamt 3 Monaten) – ich muss fertig werden…

    beste Grüße aus dem Labor

    – wechselstrom –

    p.s: Erik und Peter,denke ich, werden sich auch den Partituren zuwenden – vielleicht gibts ja zu Jahresende einen CD-Austausch auf inoffizieller Ebene – oder wie auch immer …

  127. querstand sagt:

    @ wechselstrom
    Daß die Musikurheber beneidet werden durch Architekten, Theatermacher, Bildende Künstler – letzte sehen sich vor Problemen im Netz ausserhalb der Netzkunst eher unberührt -, habe ich ja auch so oder so schon mal gesagt. Weiter sage ich dazu auch nicht mehr. Daß das Gefühl in mir aufkeimt, doch was mit oder gegen die Tauschbörsen zu machen, es ggf. als Ergänzung zum jetzt bestehenden Recht mit aufzunehmen, aber das umfassender rechtlich zu bewerten, habe ich auch schon gesagt! Daß es ein emotionales Hin und Her ist ebenfalls, genauso. Leider überlesen Sie, daß mir eigentlich nur daran gelegen wäre, Noten öffentlicher machen zu können. Das hat dann Eggy zusammengefaßt. Und genau das soll ja die Aufführungsrechte stärken, Aufführungen ggf. sogar breiter ermöglichen. Da wäre eben eine grössere Organisation besser, als es allein zu machen, es vielleicht in Foren zu stellen, die auf Google-Ebene Online-Veröffentlichungen ermöglichen, um es gerade so nicht zu haben. Wie Sie selbst sehen, ist Vieles gesagt. Nur: jetzt sollte man sich um die Krümel kümmern, damit sie vielleicht sogar Brocken werden. Oder wir verlassen uns auf das reaktive Urheberrechtssystem. Die Frage ist dann nur, wie Sie und Erik oder ähnliche Menschen reagieren, wenn es wirklich soweit sein wird, daß nicht mal Krümel bleiben. Dann ist es wohl zu spät, ausser dem üblichen „daß habe ich schon immer gesagt“. Ja, höchstwahrscheinlich habt Ihr sogar Recht, daß es „schlimmer“ wird. Zur Stärkung des Systems trägt das aber nichts bei.

    @ Hildebrand: Und Herrn Hildebrand sei für seine Klarstellungen gedankt.

    @ trippundtrapp
    Ich weiß zwar, daß Sie mich für nicht ganz helle halten: Photosynthese kann ich durchaus von Photoptosis unterscheiden, keine Sorge. Aber was meinten Sie damit.“dass er seine zeit für neurosen hübsche männer sparrt“? Aus der Grammatik bzw. Schreibweise werde ich nicht ganz schlau. Soll es heissen „neurosen hübscher(!) männer spart“ oder meinten Sie irgendein ein Sparring? Ach, und grüssen Sie den jungen Kollegen mal recht herzlich. Als Student dachte ich auch immer, daß Alle anderen blöd, neurotisch oder dgl. wären und man sich in seinen Kosmos einschließt und auf das grosse Entdecktwerden hofft, am Besten über Protektion, die man Anderen aber nicht gönnt. Sich ein wenig Gedanken über seine Existenz ausserhalb des stillen Kämmerleins zu machen hat zwar was brutales, könnte dem jungen Manne aber gut zu Gesicht stehen. Oder meinten Sie, daß Sie und jener Mann mich nicht nur unterbelichtet sondern auch häßlich fanden? Mein Gott, jetzt haben wir das Internet und andere schauen nicht mal selbst in den Spiegel… oder nur in den „Spiegel“, die Postille. Ausser push-up-Links und Dingen am Rande der Pöbelei haben Sie bisher ja nichts lesenswertes beigetragen. Also wie wäre es mal mit mehr Substanz?
    Ach, und wer sind Sie nun? Der Leopold Hurt werden Sie wohl nicht sein. Ich siedele Sie mal in meiner Nähe an: sind Sie ggf. Gabor Mezei oder sonst einer aus dem Dunstkreis der Musikhochschule? Oder heissen Sie Seloujanow oder Dolezel? Oder nennen Sie sich Smutny? Tja, auch ich bin paranoid Herr Geissler. Aber irgendwie, lieber Trippundtrapp wäre es mal an der Zeit, konstruktiver und maskenfreier zu werden…

  128. Pèter Köszeghy sagt:

    @querstand: Sie mein Herr liegen ziemlich falsch mit Ihren Befürchtungen :-) Ich lese das hier alle mit argus augen…

  129. @ querstand,

    auch ich „paranoide Drehtürdiva“ (mit dem Vorurteil/Ruf, verpasst vom allwissend-klugen und rhetorisch eloquenten querstand und geißler leb ich nun gerne!) lese hier nun lieber nur noch erheitert (ab und zu) weiter mit oder verwandele mich nun lieber in eine anonyme, schmunzelnd mit lesende – vielleicht Tripp- und Trappeline? – schaun wir mal.

    Ihre Mutmaßungen jedenfalls, wer Trippundtrapp sein könnte, querstand, die klingen erheiternd ob der „Substanz“ die diese(r) Anonymerix(e) hier bisher rein bloggte und wie „ernst“ er/oder sie, Sie und andere hier nahm.

    Mit meinem Nachnamenssvetter, dem lieben Horst, werde ich Kontakt aufnehmen [noch passender für diesen Blog und Ihre letzten Hölzchen-auf-Stöckchen-Beiträge wäre allerdings Horst Schlämmer – Da wisster Bescheid!].

    Was er zu Themen wie Bedingungsloses Grundeinkommen (vielleicht als Ausgleich für dann im Jahr 2020 Flatrateversprechen-betrogene und am Ende in die Röhre schauende Komponisten mit Rechte-loser GEMA) zu sagen hat, das hat doch eine gewisse Ähnlichkeit mit den hier geäußerten Vorstellungen einer „rosigen Komponistenzukunft“, wäre erst mal die „lästige“ GEMA und das Urheberrecht, die an unser aller Unbekanntheit und Armut ja schuld sind … (Q querstand) abgeschaft bzw. geschwächt/ oder auf Neudeutsch: „zukunftsträchtig und selbstkritisch reformiert“. Also, der Horst sagt Euch, wie unser Einkommen dann finanziert wird:

    Keine Angst: ich werde den anderen Horst informieren, dass Theo Geißler ein netter, idealistischer Mensch ist, der alles nicht so meint, wie er zunächst schreibt..egal was… Stimmt Moritz, darum hat er sich auch persönlich bei mir entschuldigt.

    Also, vielleicht kommt der Horst dann statt mir nach Frankfurt zur Musikmesse. Dann wäre auch vermutlich wieder ein neuer Anhänger für die zeitgenössische Musik gewonnen, das wäre ja auch schonmal was.

  130. @ querstand, @ all,

    mir fällt noch ein: wäre ich Kreidler oder Schweitzer,
    dann würde ich zu Alexander Strauchs (Q querstands) letztem Beitrag sagen: er verwendet im letzten Text „1/2 querstand“ [die neu ausgerufene Mengegangabe] dafür, um heraus zu finden, wer wohl „trippundtrapp“ ist.

    So aber sage ich nur: es war verschwendete Tippzeit, Alexander.

  131. querstand sagt:

    @ janson/köszeghy
    Nun, nachdem es hier nun richtig peinlich weitergeht, ist kein halten mehr. Dann kann man es ja nun öffentlich weiter treiben. Heute morgen wurde ich noch über „facebook“ kontaktiert, jetzt wurde ich kommentarlos dort rausgeworfen. Gut – macht nix. Aber jetzt langt es mir richtig. Hiermit kündige ich Dir Erik die virtuelle Freundschaft. Wenn Du nicht mal in der Lage bist, wenigstens dort einen letzten Kommentar abzulassen, der Deinen Schritt ankündigt, hole ich dies hier nun coram publico nach, geht ja auch so. Und nachdem Du nun mit dem siezen weiter oben begonnen hast, folgt nun hier auch das Sie. Also Herr Janson, ich versuchte hier den Ausgleich, sah auch durchaus Ihre Positionen ein, ringe selber vielleicht ähnlich und natürlich auch ganz anders. Wenn Sie das nicht ertragen können, dann muß dies halt so sein. Und übrigens: bevor Sie jetzt hier mit querstand-Längen beginnen, Ihren Namen dafür zu mißbrauchen, prangerte ich auch schon an. Aber was soll es. Nachdem diese Freundschaft hier und dort (facebook) eben eine rein virtuelle gewesen ist, können Sie ja noch gar nicht wissen, daß mein Kosmos schon längst nicht nach Querständen, sondern nach Strauchminuten und Strauchäonen vermessen wird. Aber dieses Unwissen sei Ihnen nachgelassen. Und wann schmeissen Sie Lücker und Eggert sang- und klanglos aus Ihren Listen?

    @ köszeghy
    Ich sage nur, s. Janson. SIE hatten mich ja letzthin angefacebookt. Und nun klammheimlich rausbefördert, tolle Leistung! Sonst: es bleibt beim Sie.

    Ich bin mir der Peinlichkeit bewußt, aber Jungs, wie im Kindergarten nun das blödeste Argument – Ihr habt angefangen! Also: get out!!!!!

  132. Pèter Köszeghy sagt:

    @querstand: Sie mein lieber Herr kommen mir ziemlich neurotisch vor :-)

  133. @ Alexander Strauch,

    Es war letztlich u.a. dieser Satz, der mich aufregte, wo
    mich stört, dass Du noch (nach den jüngsten bekannten Entwicklungen seit Fr. abend. Stichw.: Herr Geißler, dann riesige Textmengenbloggings zu diversen Themen, als ob nichts geschehen wäre)schreibst und noch drüber aufregst, dass sich Leute dann hier abwenden.

    Zitat:

    Jetzt bloggen Kreidler – der nicht ganz unbemerkt – , Erik Janson und Peter Koeszeghy für sich allein weiter. Da wird zumindest Moritz in Bezug auf die beiden Letzteren Recht behalten: so bloggt, homepaget, mysapcet und youtubet man für sich allein dahin und geht leicht unter… So verhaßt Euch die NMZ auch sein mag: die höhere Publizität bietet sie eben jetzt schon, deshalb bleibe ich auch lieber hier. Selbst ein Hr. Theiler verläßt ja ab und an sein “Musiklabor” (wo liegt es eigentlich?

    Nun zum Thema Facebook-Freundschaften etc.: es ist doch
    1. jedermanns PRIVATSACHE, wer da wen als Freund anklickt und auch behält oder bestätigt/wieder bestätitgt etc. oder wer, wie, was auch immer. So was gehört hier nicht im Badblog debattiert.
    Ich hab übrigens auch schon Leute bei Facebook wieder weg geklickt, wenn ich merkte, dass sie Kommentar-mäßig nicht auf meiner Wellenlänge waren.

    2. Ist Facebook eher ein Forum, wo es lockerer zu geht,
    Ich verstehe also nicht, warum dies so überbewertet wird,
    wer dort mit wem „befreundet“ ist. Die Tiefe/Substanz von Freundschaften kann und muss sich ohnehin im LEBEN, der Praxis und ohnehin in der Nicht-Virtualität erweisen, finde ich.

    Zum Thema: Virtualität/Realität:
    Von wem ich aber z.B. virtuell oder hier als „paranoider Verschwörungstheoretiker“ oder „Drehtürdiva“ oder wie auch immer bezeichnet werde. Ja mit demjenigen werde ich mich auch schwer tun, ihm zu glauben, dass er mich, wenn er mir dann live beim Bier gegenübersitzt, dann ernst nimmt oder mich dann besser versteht.

    Ich kann es nicht ausstehen, wenn man quasi gedanklich
    zwei Welten errichtet nach dem Motto: im „Badblog“ (allgem. egal welchem Internetforum)kann man jemanden ab tun, relativieren, peschen, oder in eine bestimmte gedankliche „Ecke“ schieben (z.B. „Janson Quatsch“ (Kreidler)

    Wir scheinen schon so deformiert oder Internet-positivistisch (bzw. naiv) zu sein, dass wir glauben, man kann jemanden im Internet (obwohl man ihn gar nicht kennt)erst mal ignorant oder auch arogant o.ä. begegen.
    Und dieses Gegenüber (ich mache mir tw. selbst den Vorwurf bzgl. Kreidler und Schweitzer, sofern ich persönlicher/heftiger wurde!) würde einem das dann im richtigen Leben nachsehen, bzw. einfach so vergessen.

    Ist auch klar, was bei der Internet-Kommunikation fehlt: denn (mal eine neurologische vielleicht hier populistische Klingende Erklärung dafür): Die Spiegelneuronen sind deaktiviert.

    Zudem störte mich diese Passage, querstand:

    Und genau das soll ja die Aufführungsrechte stärken, Aufführungen ggf. sogar breiter ermöglichen. Da wäre eben eine grössere Organisation besser, als es allein zu machen, es vielleicht in Foren zu stellen, die auf Google-Ebene Online-Veröffentlichungen ermöglichen, um es gerade so nicht zu haben. Wie Sie selbst sehen, ist Vieles gesagt. Nur: jetzt sollte man sich um die Krümel kümmern, damit sie vielleicht sogar Brocken werden.

    So als ob, querstand (Dein oder Ihr) „Königsweg“ sei [nachdem hier oben Wechselstrom vor möglichen Konsequenzen eines Einknickens vor der Internetwelt/ Providerbanche (wohlfeiles Verschleudern von Urheberrechten/Prinzipien etc.) ausdrücklich nochmal warnte!] immer Gebetsmühlen-artig die Skeptiker bzw. Gegner gegenüber Kulturflat und Googelisierung dann dafür „verantwortlich“ zu machen, wenn dann in x Jahren
    mal wir „über den Tisch gezogen“ würden.
    So als ob schon ausgemacht wäre (oder Du „querstand“ wüsstest), dass bei einer Anpassung und bei einem „freiwilligen Zugehen“ auf Medienriesen, dann WIR es mehr in der Hand hätten, was dann mit uns geschieht oder dass wir dann noch „Brocken“ statt nur „Krümel“ bekommen würden. Dann noch gepaart mit dem impliziten Glauben, man könne so etwas wie Neue Musik ebenso einfach massenmedial über Internet mehr verbreiten bzw. genauso gut wie andere Musikrichtiungen (wie z.B. Pop).

    Wir täuschen uns, glaube ich, momentan darüber hinweg, weil im Moment eine Internet-Euphorie in unserer Szene herrscht (auch gerade dank Facebook, Netzwerke, die sich in der NM-Szene bilden usw.), dass die zeitgenössische Musik – TROTZ Entwicklungen kommunikativer Möglihckeiten – dennoch dabei ist, unter zu gehen.

    UNd vergessen wir nicht: unsere SZene IST UND BLEIBT, auch global eine kulturpolitisch SCHWACHE Minderheit (bzw. wird es bleiben) gegenüber den Abermillionen Web-Usern, und in den Rechten und Überlebensschancen einer immer monopolistischeren Internet-Wirtschaft, die sich nicht die Bohne für „kompliziertere“ oder „hinterfragende“ oder „nicht leicht konsumierbare“ Musik (sag ich mal platt, aber ist doch so!) interessieren noch jemals interessieren werden (gerade DURCH die Schnellebigkeit und Oberflächlichkeit des MEDIUMS SELBST sind da zudem doch auch extreme Schranken gegeben!).
    Wieviel Menschen klicken unsere Musik direkt wieder weg?

    DAS ist eben der naiv-futuristische Irrlgaube aus meiner Sicht, dem nicht nur „querstand“ [wo ist da zudem der NAME passend? ein echter „querstand“ wäre mehr KRITIKER/ SKEPTIKER] auf zu sitzen scheint; und nicht nur in dem Punkt werden wir uns weiter unterscheiden, fürchte ich…

    Also: locker bleiben.

  134. querstand sagt:

    WIe Hr. Theiker sagte, ist Alles gesagt. Einziger Zusatz: bisher versuchte ich zurückhaltend, zumindest einigermassen zu den meisten Bloggern. Man wird da garantiert auch die eine oder andere Ausnahme finden. Sei’s drum. Nur: wie Sie mich hier in eine Ecke schoben, wie Sie letzthin hier Töne anschlugen, Angriffe fuhren, die dann auch anderer Leute hier zu Gegenangriffen führten, dann die Linkaktion, und eben dieses ewige Ein- und Austreten, da konnte ich mich leider auch nicht zurückhalten. Leider lesen Sie zudem gerne Alles einseitig, sehen nicht die Nuancen – im Prinzip schon bei meinem Begriff der „Verschubertisierung“ für Tendenzen des Marktes, auch heute sich am Typus des syphillitischen Nickelbrillenkleinmeisterklischee aufzugeilen, in der Bewertung von Tragik, etc. und dabei die großmeisterlichen Leistungen des Hr. Schubert übersehen. Im Prinzip unterstellten Sie mir, gerade von dem, was Schubert über viele herausragen läßt, keine Ahnung zu haben. Also, Sie lasen nur zur Hälfte, fokussierten mich auf eine Ecke, in der Sie mich unbedingt sehen wollten. Aber nun lasse ich gerne diese Sicht und widme mich meinerseits meinen sozialen Pflichten. Adieu!

  135. @ querstand,

    Warum liegt ihnen JETZT NOCH – nach Monaten – auf einmal der „Schubert“ im Magen? Da hatte ich auch zudem verstanden, dass Sie Schuberts Größe (auch bzgl. Form(en) nicht prinzipiell angreifen wollten. Zu Schubert hatten Sie sich damals derart verworren ausgedrückt, damals bei dem langen Blogging; und Sie formulier(t)en in vielen Ihrer anderen Beiträge oft so rhapsodisch oder abrupt von Thema zu Thema springend, dabei auf semantisch UND syntaktischer Ebene geradezu komplexistisch [dabei aber im negativen Sinne komplexistisch, ohne Freisetzen von authentischer Expressivität wie z.B. eines Ferneyhough]. Dann verwendeten Sie wieder gezielt Doppeldeutigkeiten, mal als Selbstironie etc. gedachte teils Neologismen oder formulierten/fabulierten zuweilen im Insider-Jargon (den nur bestimmte Leute kennen/entschlüsseln konnten, die Sie kennen (z.B. Eggy vielleicht oder Herr Geißler). Sodass es zusammenfassend sicher auch nicht leicht war/ist, Sie immer in dem zu verstehen in dem, was sie eigentlich im Kern meinen oder sagen wollen oder wie Sie sich dann „verstanden“ wissen möchten.

    Man sollte zumal doch auch berücksichtigen (da schließe ich mich auch selbstkritisch mit ein, in dem was und wie ich phasenweise bloggte!), dass hier auch andere NICHT- Neue Musik-Insider bzw. Komponisten und Leute, die Sie und Ihre musikästhetische Innensicht und die Ihrer Freunde hier im Blog NICHT kennen, Ihnen auch gerne folgen und gerne aktiv mit diskutieren würden (also auch mal Leute außer Benjamin Schweitzer, Moritz Eggert, Theo Geißler, Johannes Kreidler o.ä.).

    Das ist/war zumeist leider nicht der Fall. Der einzige, der dann noch – auch in ästhetischen Dingen und außer den genannten Personen – aktiv mit Ihnen bloggte und auf Sie konkret reagierte (Sie keinesfalls immer nur „abwaatschend“) das war doch ich – und phasenweise Wechselstrom (alias Herr TheiLer); also Leute, die Sie nun gerade massiv angreifen, nur weil sie Ihren letzten Gedankengängen (@ Flatrate) nicht folgen wollten.
    Und dass ich Sie NUR in die Ecke geschoben hätte, ist mir neu. Sei´s drum.

    Zur Link-Aktion: denke, dem ging auch eine gehörige Portion Aroganz meines Gegenübers mir gegenüber zuvor voraus (@ neu kreierte „Mengenangabe des „Janson“ gegenüber Kreidler, was ja die ignorante Beleidigung impliziert, dass man anscheinend – egal WAS ich auch schreibe – es als QUANTITÄT nur sieht].

    Mir gefällt/ gefiel ebenso (schon immer) nicht an Ihren Bloggings, querstand, wie Sie sich hier zuweilen zum „Anwalt“ anderer machen oder zu einer Art „guter Seele des Badblogs“, immer auftauchten, wenn es mal kontrovers wurde, oft beklatscht mit Rückendeckung von Theo Geißler sich positionierten: Immer wieder mit ellenlangen, dabei aber alles selbst wieder relativierende (man kann es so oder so sehen – meist ohne Ergebnis/Festlegung), dabei selbstreflexiv klingende, andere kommentierende und analysierende Beiträge, die mir zuweilen altklug klangen, dann wieder musikhistorische Ergüsse, in denen Sie zeigen wollen, wieviel sie „wissen“. Beiträge aber hinter denen so richtig das kritische Potential und Ihre eigene Meinung kaum ersichtlich oder mal mutig geäußert wurde, bzw. wenn dann nur selten. Sprich – bewusst ein wenig einfach/platt nun formuliert – ein Herumlavieren um eigene Positionen, ein Verwischen und Verwaschen ihrer eigenen Positionen und vor allem derer von anderen (durch allzu Themen-springende, assoziative Beiträge oder den immer latent mit laufenden moderierenden Unterton: einerseits-andererseits…):
    Um hier everybodys darling zu sein?
    Nicht an zu ecken? oder…?
    Keine Ahnung was Ihre Motive sind.

    Nun haben wir uns wohl alles um die Ohren gebraten, was uns (trotz gemeinsamer Studienvergangenheit, bzw. es waren nur ein paar gemeinsame Kompositionsstunden/Gruppenstunden bei Zender und Wartezeiten am Bahnhof auf Zug nach München bzw. Düsseldorf, aber richtig ästhetisch/kompositorisch ausgetauscht/kennen gelernt haben wir uns ja gar nicht) wohl voneinander trennt bzw. uns gegenseitig hier störte.

    Also, dann adieu,
    Indem ich mich nun zurück ziehe [aber das glaubt mir eh hier keiner mehr :-)] gebe ich nun „gnadenhalber“ anderen, auch den tausenden passiven Mitlesern die Möglichkeit, sich zu „trauen“ sich zu äußern, weil das ja ohne meine ungehobelte Anwesenheit überhaupt erst möglicht wird. Denn ich weiß: ich bin schrecklich, unausstehlich, nur unsachlich und überhaupt, ich greife nur grundlos andere an, sehe alles schwarz oder (wie Sie mir unterstellen, querstand: hänge an einem „veralteten“ 2. Moderne-Begriff und Kreidler/Schweitzer oder Sie führen uns in eine wahre Zeitgeist-„Moderne“, in der wir rosigen Zeiten entgegen gehen werden…). Ich weiß: ich schiebe andere nur in die Ecke, obwohl ich hier immer und von allen und von Anfang bis Ende „fair“ behandelt und ja niemals in Schubladen gesteckt wurde – haha! …. :-(

    Ich hoffe, dass dieser gegenseitige Sandkastenstreit [den aber meist Neoliberalisten zuerst anzetteln [s. Schopenhauer-Aphorismus, zit. v. Koeszeghy), wenn sie merken, dass ihre Weltbild nicht bestätigt wird und dass die Kritiker in ihren Argumenten nicht nachgeben oder ihnen folgen wollen] hiermit nun beendet ist und dass ich nun endgültig mich dem Komponieren widmen kann: ohne weitere, dauernde Rede – Gegenrede … Mir langt es nun wirklich.

  136. trippundtrapp sagt:

    nu wird dieser janson türklapp ganze 24 stunden dauern wie der letzte, vorletzte, vorvorletzte…do i need to go on? letztendlich janson wirft dem juten knudellbärchen des badblogs ( dat meene ick ganz lieb) dass er rapsodisch und von thema zu thema springend schreibt, ah noch besser-> negativ-komplexistisch. wie soll das noch jemand überhaupt ernst nehmen. ah, tut ja keiner:-)

  137. querstand sagt:

    So sprach der Knuddelbär zum Pooh:
    1.) Ich liebe das Ausgleichende.
    2.) Das ewige einerseits/andererseits-so ginge es dann-aber es geht auch anders-geht es überhaupt ist so, wie das Getapse eines Junggrizzleys nach Lachenmanns Lachsen mit Lachen in Blutlachen. Die Welt ist eben schwer, es bewgt sich tapsig leicht darauf der Bär.
    3.) Es war bei Mundry, Zender hatte Urlaub in Rom (Villa Massimo Ehrengast).
    4.) Verachtet mir Bahnhöfe nicht. Gerade wenn es zugig (Wind wie Bahn) wird, fliegen die Gedanken.
    5.) Meine Bettdecke hat keine Rosen, kenne aber einen Dramaturgen, der eigenhändig seine Wohnung mit Rosen bemalte. Und auf Rosen gebettet sind wir sowieso nicht. Sie vergaßen mein „grausiges“ Angelus Novus Bild. Der nach 1950 Schauende und der sich auf 2050 Freuende.
    6.) Meine Waldhonigironie im Drehtürenabsatz war ätzend, sollte aber eben auch zeigen, wo Chancen liegen könnten. Im bekriegen liegen sie nicht!
    7.) Daß meine Meinung nicht 100% mit der Kreidlers oder Schweitzers übereinstimmt, ist ja dargelegt. Eine Annäherung ist dennoch möglich. Ich halte die Forderungen nach höheren Honoraren, ein Online-Verlag (es geht da noch nicht um die Aufführung!!) und selbst eine ko-finanzierende Flatrate, bevor es eben gar keine Abrechnung gibt, für veritable gute Ideen, zumindest muß da weiterdiskutiert werden.
    8.) Auch wenn dem Knuddelbären Honig aus dem Nordzipfel des Gäuboden und dem Geissentheo ab und an um den Mund geschmiert wird, bin ich nicht ganz von ihm abhängig. Allerdings mag ich seine Blogbärenhöhle. Und: auch Sie schmierten mir Honig um den Mund… Mein Gott, bin ich ein Honigbegehrer! Bevorzuge aber leider Nutella… (sponsern die nur Poldi? €-Blick!)
    9.) Aber Bären fürchten sich nicht vor Bienen, Wespen und Hornissen. Ich habe aber Angst vor Hummeln. Also verlangte ich therapeutisches Hummelnbrummeln vom Geissentheo, was nur führte zum Unglück hier, oh je oh!
    10.) Ich möchte von Allen geliebt werden, ja!!

    Aber das muß nun wirklich keiner Ernst nehmen…

  138. Willi Vogl sagt:

    Liebe Komponistenkollegen,
    soeben erfuhr ich von einem Geschäftsmodeller, der mit einem erstaunlich geringen Aufwand zu Einnahmen kommt, die wohl sogar die dreistesten Kirchenmugger mit ihren selbstgespielten Programmen in leeren Kirchen als Kleinverdiener erscheinen lässt. Sein Name oder besser sein Pseudonym ist „DJ ANONYMUS“. Der in Amerika lebende bekannte Unbekannte ist bei der Gema als Autor eines deutschen Originaltextes des 47. Psalms registriert. Wenngleich dieser Text in zahllosen Übersetzungsvarianten eines ursprünglichen Textes aus dem zweiten Buch der Psalmen existiert und somit frei ist, wurde ich vom Musikdienst der Gema aufgefordert, die Bearbeitungs- bzw. Vertonungsrechte für meine eigene Vertonung einer Textvariante dieses Psalms zu erwerben. Die statistische Erfassung des Computerprogramms der Gema führte zu diesem erstaunlichen Vorgang.
    Bedenkt man, wieviele Texte keinem Autor mehr zuzuordnen sind und dass Komponistenkollegen in diesen Fällen im Werkanmeldebogen „Anonymus“ angeben, kann man sich leicht vorstellen, wie hoch das Aufkommen des unbekannten Kreativverwerters „DJ ANONYMUS“ ist.
    Mir ist zwar bekannt, dass Diskjockeys spätestens seit dem mp3-Zeitalter nicht mehr physisch, also in ureigenster Person auf den Plattentellern reiten, aber dass sich ihre Tätigkeit inzwischen hauptsächlich in den virtuellen Welten der Witschaftsarithmetik abspielt, ist mir neu. Wenn das mal kein Fall für die reale Justiz ist…

  139. Willi Vogl sagt:

    Liebe Komponistenkollegen,
    soeben erfuhr ich von einem Geschäftsmodeller, der mit einem erstaunlich geringen Aufwand zu Einnahmen kommt, die wohl sogar die dreistesten Kirchenmugger mit ihren selbstgespielten Programmen in leeren Kirchen als Kleinverdiener erscheinen lässt. Sein Name oder besser sein Pseudonym ist „DJ ANONYMUS“. Der in Amerika lebende bekannte Unbekannte ist bei der Gema als Autor eines deutschen Originaltextes des 47. Psalms registriert. Wenngleich dieser Text in zahllosen Übersetzungsvarianten eines ursprünglichen Textes aus dem zweiten Buch der Psalmen existiert und somit frei ist, wurde ich vom Musikdienst der Gema aufgefordert, die Bearbeitungs- bzw. Vertonungsrechte für meine eigene Vertonung einer Textvariante dieses Psalms zu erwerben. Die statistische Erfassung des Computerprogramms der Gema führte zu diesem erstaunlichen Vorgang.
    Bedenkt man, wie viele Texte keinem Autor mehr zuzuordnen sind und dass Komponistenkollegen in diesen Fällen im Werkanmeldebogen „Anonymus“ angeben, kann man sich leicht vorstellen, wie hoch das Aufkommen des unbekannten Kreativverwerters „DJ ANONYMUS“ ist.
    Mir ist zwar bekannt, dass Diskjockeys spätestens seit dem mp3-Zeitalter nicht mehr physisch, also in ureigenster Person auf den Plattentellern reiten, aber dass sich ihre Tätigkeit inzwischen hauptsächlich in den virtuellen Welten der Wirtschaftsarithmetik abspielt, ist mir neu. Wenn das mal kein Fall für die reale Justiz ist…

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