Social Media sind der neue Volksempfänger

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Social Media sind der neue Volksempfänger

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Bei den internen Konflikten in E über die richtigen Mittel im Kampf gegen die Kulturzerstörungsreform der GEMA zeigt sich immer wieder eine große Angst vor dem Einsatz von sozialen Medien.

Die GEMA hat sehr empfindlich darauf reagiert, dass es 2025 satirische Videos über die Reform auf TikTok, Facebook und Instagram gab, da diese ja den „Ruf“ der GEMA beschädigen könnten (ihren Ruf schädigen tut die GEMA vor allem selbst durch ihre hochkorrupte Führung, aber das ist eine andere Geschichte). Diese Empfindlichkeit rührt vor allem aus der Tatsache, dass diese Mittel sehr erfolgreich eingesetzt wurden, um auf die Thematik Reform aufmerksam zu machen. Das war im ersten Jahr des Kampfes gegen die Reform sehr wichtig, da viele nicht verstanden, wie schwerwiegend die Verwüstungen durch die Reform sein würden.

Ich kann das Misstrauen gegenüber sozialen Medien gut verstehen. Im Tandem mit dem zunehmenden Einsatz von KI stellen sie tatsächlich in den falschen Händen eine massive Bedrohung für unsere Gesellschaft dar. Der zunehmende Erfolg populistischer Parteien und Ideologien in unserer Zeit beruht zu einem Großteil auf der geschickten Anwendung dieser neuen Medien, das geht von KI-Videos mit einer tanzenden Alice Weidel bis hin zu den pädophilen Horrorvisionen von Elon Musks Grok-KI. All diese Möglichkeiten werden gezielt und sehr bewusst von den Demokratiefeinden eingesetzt, und sie erreichen damit Wählerschichten, die bisher für die ultrakonservativen und altbackenen Gedanken der AfD immun waren, nämlich junge Menschen (siehe Rheinland-Pfalz)

Ein kurzer Blick in die Geschichte zeigt aber, dass es nicht das erste Mal ist, dass solche neuen Technologien im Dienste von totalitären Ideen stehen. Ein großer Teil des Erfolgs der Nazis basierte auf der Beherrschung von damals neuen und noch nicht gesellschaftlich abgenutzten Medien – in diesem Fall Wochenschauen oder der „Volksempfänger“ (Radio) – die gezielt angewendet wurden, um Ideologien zu kommunizieren und zu manifestieren. Ich bin sicher, dass anfangs von vielen unterschätzt wurde, wie wirkmächtig diese Medien waren, und viele daher auch nicht ahnten, wie umfassend z.B. die Bilder einer Leni Riefenstahl erfolgreich dazu beitrugen, die Massen zu bewegen und leider auch zu manipulieren.

Meine Großmutter (Jahrgang 1913) erzählte mir einmal, wie ihre eigene Großmutter sich in den 1920er Jahren tapfer gegen die „neumodischen“ Technologien stemmte. Ein Argument für sie kein Radio zu besitzen, war zum Beispiel die Tatsache, dass sie keine „fremde Stimme“ in der Wohnung haben wollte. Sie empfand das als übergriffig und ihre Privatsphäre verletzend. Meine wackere alte Vorfahrin sollte mit ihrem Misstrauen Recht behalten, die technische Entwicklung konnte sie aber damit nicht aufhalten. Vermutlich boykottierten viele Menschen der älteren Generation die damals neuen Medien, so wie es auch heute geschieht. Aber auch der heutige Boykott greift ins Leere, da die Medien nicht mehr verschwinden werden. Sie sind da, um zu bleiben, ob man sie mag oder nicht. Einzig neue Medien werden sie verdrängen können, aber diese werden dann genau dieselben Gefahren beinhalten.

Tausendfach werden Argumente gegen die sozialen Medien vorgebracht (sogar Verbote vorbereitet) und natürlich wissen wir alle, dass diese Medien unser Leben nicht glücklicher und reicher machen, sondern uns hauptsächlich Zeit rauben und nerven. Aber während sie uns Zeit rauben (was die „Volksempfänger“ damals auch taten – ein Großteil von dem, was gesendet wurde, war einfach nur Unterhaltung), manipulieren sie uns auch, formen unsere Gedanken und erzeugen Ängste vor Phantomen.

Nur weil die heutige Social Media-Welt immer noch neu ist – vor allem ihr Zugriff auf die junge Generation – kann sie so wirkmächtig sein. Viele unterschätzen schlicht und einfach die Wirkung eines Memes oder eines guten Videos. Sie selbst werden davon vielleicht nicht erreicht, es wäre aber fatal zu glauben, dass diese Wirkung daher nicht existiert. Und natürlich sind soziale Medien auch Generationenfrage – vermutlich werden ältere Nutzer durch Facebook wesentlich mehr manipuliert und gesteuert als jüngere Nutzer durch z.B. Instagram, aber die älteren Nutzer glauben leider, dass dies nicht geschieht und nur die „neuen“ Medien gefährlich sind. Das ist ein Trugschluss.

Und nochmal ein Blick in die Geschichte: Erst nach dem Beginn des Zweiten Weltkrieges lernten die Alliierten allmählich, die Nazis mit ihren eigenen Waffen zu schlagen. Gegen die dröhnenden Wehrmachtsverkündigungen im Radio wurden Marlene Dietrich, Thomas Mann und Jazz aufgefahren. Diese Interventionen geschahen nicht einfach so, sie waren Teil einer bewussten und gottseidank erfolgreichen Gegenstrategie. Man wurde schlicht und einfach besser darin, die Neuen Medien wirkungsvoll einzusetzen und der Desinformation entgegenzuwirken.

Wenn wir also heute das „Schlachtfeld“ der Social-Media-Kanäle dem Gegner kampflos überlassen, machen wir uns mitschuldig an dessen Erfolg. Überall da, wo Propaganda wirkt, wo Informationen manipuliert werden oder Ungutes beworben wird, muss man genau auf denselben Medien dagegenhalten. Mit Witz, Spott, Intelligenz, Satire und Leidenschaft.

Und je überzeugter man den Spieß umdreht, je raffinierter und witziger man die Lügen und Falschdarstellungen bloßstellt, desto wirkungsvoller kann man zum Beispiel einer corporate-genormten GEMA-Propaganda entgegenwirken. Die dafür angewendeten Mittel kritisch zu sehen, heißt nämlich nicht, sie links liegen lassen zu müssen. Man muss das Schwert nicht lieben, mit dem man sich verteidigt.

Das gilt auch für den Kampf gegen rechts: Noch sind z.B. die Anti-AfD Influencer in der Unterzahl, aber sie werden zunehmend zu einer wichtigeren Waffe im Kampf gegen Desinformation, Hass und Hetze. Das wird zunehmend wichtiger werden im Kampf um die Demokratie und natürlich auch im Kampf gegen die Korruption in der GEMA. Wir wären Narren, wenn wir das ignorierten.

Moritz Eggert

 

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