JUBEG! Der Ernst-von-Siemens-Musikpreis-Jury-Begründungs-Generator

Vor einer Woche ist es bekanntgegeben worden: Die Komponistin Unsuk Chin erhält den Ernst-von-Siemens-Musikpreis 2024. Sie habe »der Neuen Musik neue Wege aufgezeigt, ein breites Publikum begeistert.« Ihre Werke zeichneten sich durch »luzide, traumhafte Klänge und humoristische Leichtigkeit« aus.

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Wir gratulieren!

Aber was ist eigentlich mit den zukünftigen Ernst-von-Siemens-Musikpreisen? Wer soll die denn bitte alle bekommen? Haben wir da genug Leute? Und woher nehmen wir die entsprechenden Jury-Begründungen?

Dafür gibt es jetzt die Lösung!

»JUBEG«– der tolle Ernst-von-Siemens-Musikpreis-Jury-Begründungs-Generator!

Den Ernst-von-Siemens-Musikpreis erhält …

Dein Geburtstag …
01 Peter Ruzicka
02 schon zum zweiten Mal Wolfgang Rihm
03 Matthias Pintscher
04 Jörg Widmann
05 Ludovico Einaudi
06 Max Richter
07 Stefano Gervasoni
08 Hans Zimmer
09 Tan Dun
10 erneut György Kurtág
11 Eric Whitacre
12 John Rutter
13 Philip Glass
14 Nils Frahm
15 Michael Nyman
16 Salvatore Sciarrino
17 nach 2018 erneut Beat Furrer
18 nach 2021 bereits zum zweiten Mal Georges Aperghis
19 bereits zum zweiten Mal Aribert Reimann
20 Jake Heggie
21 Ivan Fedele
22 Manfred Trojahn
23 Johannes Schöllhorn
24 Rolf Riehm
25 Osvaldo Golijov
26 schon zum zweiten Mal nach 2007 Brian Ferneyhough
27 Nikolaus Brass
28 Klaus Lang
29 Yiruma
30 Karl Jenkins
31 Detlev Glanert

Dein Geburtsmonat …
01 für seine klangsinnliche und dennoch radikale Kammermusik,
02 für sein ausdifferenziertes, introvertiertes Klangschaffen,
03 für seine interdisziplinäre Gesamtschau auf Musik, Tanz, Körper und Raum,
04 für sein Komponieren zwischen Verstörung, Aneignung und Abstoßung,
05 für sein kompositorisch sublimes »Eindringen in den Klang«,
06 für sein Musiktheater der kindlichen Groteske,
07 für sein Lebenswerk voller symphonisch wie rudimentär aufscheinender Partituren,
08 für seine schier nie enden wollende Recherche nach dem Innersten der Musik,
09 für seine kompositorische Verortung alles Klingenden qua Partitur,
10 für seine Reflexionen über das singende Individuum als Geworfenes im musiktheatralen Raum,
11 für seine berückende Klangforschung,
12 für seine gestalthafte Vereinbarung von Virtuosität und Uneigentlichkeit,

Dein Vorname beginnt mit …
A seine ganz besondere Kunst, vermeintlich »Hässliches« schön klingen zu lassen
B seine unerschütterliche Hingabe für die »Sache der Avantgarde«
C sein künstlerisch bildhaftes Fahnden nach verlorenen Freiheitsfeldern
D seine Musik gewordene Selbstreflexion, die als Imperativ auf den Klang zurückströmt
E seine Klangkunst zwischen Immersion, Abstraktion und Zersplitterung
F seine international gerühmte Kunst, aus einem einzelnen Ton ganze Tonwelten entstehen zu lassen
G die nie anbiedernde Plastizität seiner Arbeiten für die Bühnen unserer Zeit
H seinen Einsatz für das Fach »Komposition« an den Schulen Afrikas
I sein langjähriges Wirken als Präsident des Deutschen Komponistenverbandes
J sein motivisches Denken in Klang, Gestalt und Fragment
K seine Kunst, gesellschaftlichen Entwicklungen mit Klängen nachzuspüren
L seine immense Fähigkeit, der menschlichen Seele Klänge abzutrotzen
M das Beharren auf die Relevanz Neuer Musik im Alltag aller Menschen
N die errungene Kompetenz, dem Klimawandel musikalisch ganz »ungehörte« Klänge zu entlocken
O das stetige Erweitern utopischer Klangstrukturen
P das Erforschen unmöglicher Möglichkeitsräume
Q seine ganz eigene Erkundung des Innenraums aller Klangkörper
R seine umfangreiche Gabe, gestalthaft und dennoch am Zahn der Zeit zu komponieren
S seine Fähigkeit, auch außerhalb der E-Musik Dialoge zu entspinnen
T sein Ansinnen, Heimat, Fremde, Menschlichkeit und Unmenschlichkeit musikalisch-strukturell zu hinterfragen
U sein kompositorisch zwischen »digital« und »analog« virtuos wechselndes Arbeiten
V seine naturnahen Schilderungen uns innewohnender Denk-Landschaften
W seine, sich selbst gleichsam gefahrvoll ausliefernde, delikat-dialektische Klangsprache
X sein unerreichtes Spektrum an musikalisch auskomponierten Farben
Y das Eintauchen in den Klang des Unerhörten
Z sein unnachgiebiges Plädoyer für das absolutmusikalisch Aufgeladene im Akt des Musizierens


Dein Nachname beginnt mit …

A und für sein fortwährendes Beschreiten der Grenze zwischen »E und U«.
B und für seinen ganz eigenen Formsinn, der von einer tiefnachdenklichen Beobachtungsgabe kündet.
C und für seine Pioniertaten in Sachen »nicht-narratives Musiktheaterexperiment«.
D und für seinen Einsatz um die E-Musik-Avantgarde im Alltagsleben von Menschen mit niedrigem Bildungsstand.
E und für sein komponiertes Ausloten von Körpern im Zeichen niedrigschwelligen Komponierens für Schüler*innen.
F und für sein sich in seinen Partituren ausdrückendes Balancieren zwischen Klang, Nicht-Klang und unterdrücktem Schrei.
G und für seine zahlreichen Werke, die die institutionelle Musikvermittlung im Wesentlichen geprägt haben.
H und für sein Opus Summum, das Buch »Der Klang und ich«.
I und für die quasi politische Befragung des Intrumentalkörpers nach Wahrheit und Wahrhaftigkeit.
J und für seine immer politische Haltung, die quer zu allen Strömungen steht.
K und für seine Meriten als international gefeierter Nestor der »Musique concrète«.
L und für seine Partituren als Anklage gesellschaftlicher Missstände.
M und für sein kompositorisches Schaffen im Zeichen des Friedens in der Ukraine.
N und seine berührende Förderung junger Komponistinnen.
O und sein Bemühen um eine völkerverständige Kunst als Klang.
P und seine kompositorisch wache Beobachtung relevanter Entwicklungen ohne deren unmittelbare und kulturrelativistische Wertung.
Q und für sein unermüdliches Streiten im Ansinnen, Musik verstehbar zu machen.
R und posthum für seine reichhaltiges, Partitur-Gewordenes Oeuvre, das alle Grenzen überschreitet.
S und für die kompositorisch frappierende Verarbeitung seiner Zeit im Gefängnis.
T und für das Herausarbeiten Partitur gewordener Potentiale im Kampf gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit.
U und seine beim Publikum äußerst beliebte Art von »Moderne«, die sich gleichsam nie hohl anbiedert.
V und für sein Klang-Werden-Lassen multikultureller Friedensdimensionen.
W und für sein fast schon draufgängerisches Grenzgängertum zwischen Club, Philharmonie und Straße.
X und für seinen unübertroffen reichhaltiges Oeuvre für Chor und Orchester.
Y und für die Musik.
Z und für die Geworfenheit seiner Partituren als Anklage gegen die Unterdrückung indigener Völker.

Arno Lücker wuchs in der Nähe von Hannover auf, studierte Musikwissenschaft und Philosophie in Hannover, Freiburg - und Berlin, wo er seit 2003 lebt. Er arbeitet als Autor (2020 erschien sein Buch »op. 111 – Beethovens letzte Klaviersonate Takt für Takt«, 2023 sein Buch »250 Komponistinnen«), Moderator, Dramaturg, Pianist, Komponist und Musik-Satiriker. Seit 2004 erscheinen regelmäßig Beiträge von ihm in der TITANIC. Arno Lücker ist Bad-Blog-Autor der ersten Stunde, Fan von Hannover 96 und den Toronto Blue Jays.

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