Wie ich einmal ungefragt zehn Tickets für ein Konzert von Snoop Dogg zugeschickt bekam (ständige Updates)

Vor einer halben Stunde brachte der Briefträger einen Umschlag der Firma „eventim“. Normalerweise bestelle ich dort nie meine Tickets, also hielt ich es für Werbung. Drauf stand allerdings: „Einschreiben“. Und drin befanden sich: zehn Tickets für ein Konzert von Snoop Dogg in Berlin. An meine Adresse – und offenbar schon bezahlt (?). Gut 70 Euro das Stück. Mit zehn „Mann“ da rein. Ich weiß nicht. Nein, zu teuer! Und außerdem mag ich diesen hinter vermeintlicher Ironie versteckten Sexismus-Mist nicht.

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Wer hat mir das geschickt? Ich habe bis zu diesem Zeitpunkt nicht die geringste Ahnung. Vorsichtshalber habe ich mal eine Hip-Hop-affine Freundin angeschrieben. Die ist für (sonst immer treffende) Überraschungen durchaus zu haben. Aber die hat noch nicht geantwortet. Ob sie zu viel Geld hat: kein Kommentar. Aber warum sollte sie alle zehn Tickets an meine Adresse schicken lassen?

Der erste Gedanke war natürlich: Betrug! Da hat jemand etwas an meine Anschrift schicken lassen, um sich die Post selber durch den Briefkasten zu angeln. Doch vergeblich! Denn ich bin immer Zuhause, haha!

Aber: Die Tickets scheinen schon bezahlt zu sein …

Ich rufe jetzt (quasi live) noch einmal bei eventim an … Zum dritten Male …

„Herzlich willkommen bei der eventim-Bestell-Hotline …“

(…)

„Aufgrund der hohen Zahl von Anfragen können wir leider …“

Mmh. Das ist aber nicht ideal.

Ich warte ab. Oder doch gleich Internet-Anzeige bei der örtlichen Polizei?

Ständige Updates folgen.

(…)

Anzeige gestellt. Gut, dass die Polizei inzwischen auch digital so gut ausgerüstet ist, dass so etwas schnell geht. Danach die besagte Freundin angerufen. Sie kochte gerade – und wusste von nichts. Außerdem mag sie Snoop Dogg ebenfalls nicht. Würde aber, haha, mitgehen im September.

(…)

Immer noch kein Durchkommen bei der eventim-Hotline. Ich schicke die Karten jetzt per Einschreiben zurück. Anbei einen „saftigen“ Brief an eventim. (Na, eigentlich können die ja nichts dafür. Außer, dass sie Konzerttickets von sexistischen Künstlern verkaufen. Nun gut/schlecht.)

(…)

So, die 4,50 Euro für das Einschreiben sind ausgegeben. „Klassisches Einschreiben“ heißt „mit Unterschrift“. Wieder etwas gelernt am Postschalter des Grauens (normale Wartezeit mit durchaus zweifelhaftem – passiv-aggressiven – Publikum: mindestens 15 Minuten). Ein einfacher Briefumschlag mit einem Inhalt, der mehr als 700 Euro wert ist. Habe ich auch noch nie zuvor verschickt in dieser Form. Wollen wir mal sehen, was eventim dazu sagt.

Arno Lücker wurde in Braunschweig geboren, studierte in Hannover, Freiburg - und Berlin, wo er seit 2003 lebt und als "Opernwelt"-Redakteur, Moderator, Dramaturg, Pianist, Komponist und Musik-Satiriker arbeitet. Seit 2004 erscheinen regelmäßig Beiträge von ihm in der TITANIC. Arno Lücker ist Bad-Blog-Autor der ersten Stunde, Fan von Hannover 96 und den Toronto Blue Jays (Baseball).

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