Wirklich noch Chorgesang Mitte November 2021, im Herbst der höchsten Corona-Zahlen?

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Die Inzidenzen jagen rauf, die Intentsivstationen laufen voll. Deutschland im Corona-Herbst 2021. Und die Laienchöre diskutieren sich wund, ob man proben und auftreten sollte. Oder sind stur und proben und treten auf ohne Diskussion. Sofern man sich unter den 2G-Regeln noch treffen darf, wenn nicht ein Drittel des Chores seit Sommer stur blieb und sich renitent dem Impfen verweigerte. Und so zum Totengräber des Chorlebens im Chor und außerhalb des Chores wurde.

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Eigentlich kann man sich all das Diskutieren momentan sowieso sparen, sei es als Chormitglied, Vorstand oder Verband. Denn auch ohne gesetzliche Regelungen ist ganz klar: wenn die Inzidenzen hoch sind und die Intentsivstationen voll, empfiehlt allein bereits die Handlungsmatrix des RKI („Control Covid Strategie“) das Singen in geschlossenen Räumen sein zu lassen.

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Auf den letzten beiden Seiten des RKI-Papiers sind die Parameter abzulesen. Nehmen wir dazu München als Beispiel. Seit vielen Tagen hinkt in der Landeshauptstadt die Inzidenzmessung der Realität hinterher. Mit einer Inzidenz nun weit über 300 ist man seit mehr als drei Tagen über der Inzidenz 100. Damit erfüllt der Tatbestand nach dem Papier die Stufe 2.

Inzidenzen München Mitte November 2021

Die Intensivstationsbetten der Krankenhäuser sind so mit Covid-Patienten belegt, dass Patienten über das Wochenende sogar nach Meran und Bozen geflogen werden mussten. Die bayernweite Krankenhausampel steht auf rot. Laut Tagesbericht S. 1 des RKI vom 15.11.21 sind über 13% der belegbaren ITS-Betten mit Covid 19 Patienten belegt, liegt man über der 12% der Handlungsmatrix („%Covid-ITS-Fälle an ITS-Kapazität“). Lokal sieht es noch heftiger aus: in München sind z.B. 50% der Beatmungsplätze mit Covid 19 Patienten belegt, im Nachbarlandkreis Freising müssen Patienten, s.o., nach Südtirol ins Ausland verlegt werden trotz ausgerufenem Katastrophenfall.

Anteil der Covid 19 Belegung an Gesamtzahl der betreibaren Intensivbetten am 15.11.21 laut RKI Tagesbericht zur Situation

Damit sind von drei Punkten zwei der Stufe 2 erfüllt und diese Stufe maßgeblich. Die Handlungsmatrix empfiehlt unter Bars, Clubs, etc. Singen in Innenräumen nun 2G mit Schutzkonzepten, Reduzierung der Personenzahl und zu guter Letzt auch die Schliessung. Nachdem bereits Stufe 1 hier 2G mit Schutzkonzepten, Reduzierung der Personenzahl vorsieht, kann man bei solch hohen Zahlen davon ausgehen, dass Gesang in Innenräumen jetzt, am 15.11.2021, am besten seitens der Laienchöre nicht mehr erfolgt.

Betten mit Covid-Patienten Mitte Nov 2021 in München

Fazit: wenn die Situation so ist wie sie nun ist, bitte das Proben und Auftreten von Laienchöre in Innenräumen einstellen. Vielleicht lässt sich mit hochprofessionellen Lüftungensanlagen und Reduzierung der Besetzung noch der eine oder andere philharmonische oder geistliche Chor retten. Für das Gros in selbst etwas größeren, aber nur handfest zu lüftenden Räumen geht die Saison allerdings eigentlich unmittelbar zu Ende. Gerade weil neben schöner Musik die Aerosolproduktion in Zeiten von Corona das Hauptmerkmal von Chören ist, sollte man jetzt hochvorsichtig sein.

Natürlich liegt vieles auch an der Politik des Zauderns, das uns die jetzige Situation beschert. Sieht man allerdings, wie hoch die Impfquoten in der Deutschen Lieblingsurlaubsländer Spanien, Portugal und selbst Italien und Frankreich ist, wie wir hinterherstolpern, dann kann sich jede und jeder auch selbst an der Nase fassen, warum man nicht zum Impfen ging. Da packt man dann wieder Dr. Youtube und Dr. Telegram aus, verheddert sich in hochkomplexen Selbstrechtfertigungen und Ungerechtigkeitsgefühlen, ohne ein handfestes Attest für seine Haltung je vorweisen zu können, unterschreibt Manifeste wie Musik in Freiheit, um die Feigheit vor der Nadel zu legitimieren.

Alles nette Materialien für lange, fruchtlose Diskussionen. Denn am Ende steht eben der Nicht-Auftritt und das Nicht-Proben allein schon durch 2G. Und nun aufgrund der allgemeinen, unerfreulichen Situation, so man sich überhaupt noch an Handlungsempfehlungen hält. Denn wie wir wissen, sind Laien leider manchmal einfach zu überambitioniert oder auch ihre musikalischen Leitungen und werden nun ihr Tun und Unterlassen fortsetzen, da der gesetzliche Holzhammer fehlt. Man kann nur appellieren: nehmt die Handlungsempfehlungen ernst und zeigt endlich mal gesundheitliche Verantwortung und nicht falsche künstlerische Renitenz.

Komponist*in

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Eine Antwort

  1. Musikunrat sagt:

    Martin Kriegel – @KriegelMartin · 15. Nov. auf Twitter:

    „Ich muss schon wieder lesen, dass in Innenräume Singen erlaubt ist und darüber hinaus noch ohne Maske, wenn 2 m Abstand gehalten wird. NEIN! Jetzt bitte KEINE besonders Aerosol-produzierenden Tätigkeiten, egal ob 2G + Test oder sonstwas!!! #SARSCoV2 #DELTAisAirborne“

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