Wie alles zusammenfällt. Ein Gedicht für Michael Krüger und Dieter Borchmeyer und Peter Sloterdijk und Hans-Magnus Enzensberger und…

Bevor es in die Bad-Blog-Weihnachtspause geht, möchte ich ein wenig besinnlich werden. Das Fest der Liebe naht, und es fühlt sich richtig an, zu dichten (anstatt zu richten). Michael Krüger hat schon ein viel diskutiertes Gedicht vorgelegt, das folgende Gedicht ist eine Antwort darauf. Man mag zwischen den Zeilen einiges lesen – als Parodie ist es aber nicht gemeint. Dazu ist mir das Thema dann doch zu ernst (und vor allem zu typisch, wenn ich allein an die Bayerische Akademie der Schönen Künste denke).

Ich wünsche allen Bad-Blog-Lesern ein besinnliches und friedliches Weihnachtsfest.

Euer

Bad Boy

Wie alles zusammenfällt

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für Michael Krüger und Dieter Borchmeyer und Peter Sloterdijk und Hans-Magnus Enzensberger und…

In der Akademie im Zentrum der Stadt
sitzen die alten Herren, angeblich Männer
schon lange satt, von Heidschnucken träumend
und doch nur deren Pfründe verwaltend.
Die Hälfte des Lebens
(von der ja schon Hölderlin sprach)
ist für sie eine gut abgehangene Schweinehälfte
in der Speisekammer der eigenen Errungenschaften
mit den vielen Orden behangen
die man sich gegenseitig angesteckt.

Schon lange kennt man sich
und in den Jahren der Freundschaft
hat sich die einst wilde Sehnsucht
in eine unersättliche Gier verwandelt.
Man versichert sich der einst überschrittenen Grenzen
ohne zu merken, dass man sich schon lange
nicht mehr von der Stelle bewegt.

Es ist nicht das Alter, das sie starr macht
Das wäre zu einfach. Nein, es ist die Starrheit
die sie frühzeitig altern lässt.
Mit jeder Festschrift wird die Last der Jahre
größer, und man versucht dem zu begegnen
indem man sich größer macht, als man ist.
Die Wörter dagegen benutzt man
um das klein zu reden, was
man selber nicht wahrhaben will.

Sie haben die Talare schon längst angezogen
die sie einst vom Muff befreien wollten.
Als gelehrige Schüler der alten Wölfe stellen sie fest
dass der Staub haftet, auch wenn sich
immer wieder ein Wind anschickt,
den klirrenden Fahnen zum Trotz.
Unvernünftig, gut eingehüllt und sich
an den Händen haltend, fürchten sie
diesen unzähmbaren Freund der Freiheit
denn sie wollen nur die Freiheit
die die eigene ist.

Schlafend am Wegesrand, trunken von sich selber
loben sie sich selbst, aus Angst vor der Stille
zwischen den Grabsteinen, die sie
ohne Aufforderung gemeißelt haben,
und weben an der Wahrheit, die nur die eigene ist.
Die Wahrheit, der man misstraut ist aber
die Wahrheit, die man als erstes verliert.

Das Fanal eines bengalischen Feuers ist kein
ästhetischer Akt im Dickicht der Missverständnisse.
Aber der höchste Akt der Vernunft
ist die Erkenntnis des eigenen Scheiterns
da aus dieser Erkenntnis die wilde Liebe entspringt
für die einem vergeben werden kann.

Ich habe nicht aufgegeben zu hoffen
dass Freundschaft und Vernunft
bald nicht mehr im Widerspruch stehen.
Denn wäre man wirklich ein Schüler Thomas Manns
dann interessierte einen nicht nur die eigene Überhöhung
sondern auch das Schicksal derer,
die erniedrigt wurden.

Hölderlin brauchte sechs Wochen, um zu Fuss
von Schwaben nach Bordeaux zu kommen.
Vielleicht braucht ihr länger, vielleicht kommt ihr auch nie an,
denn euer Rucksack ist schwer, die Beine
schon etwas müde und träge.
Aber ich werde geduldig sein und warten
auf den Wind, der vom Meer herüberkommt.

Moritz Eggert

Mit Dank an Wendelin Bitzan www.wendelinbitzan.de

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6 Antworten

  1. Thomas Wunsch sagt:

    So viel moralische Selbstgerechtigkeit wie sie Herr Eggert an den Tag legt, habe ich zuletzt bei Hans Pfitzner gesehen.

    • Klar, wenn einem Kritik nicht passt, sagt man einfach schnell „huch, selbstgerecht“, macht einen vollkommen an den Haaren herbeigezogenen Vergleich mit irgendeinem Nazi, und schon kann man die Sache ignorieren.
      Wenn aber Michael Krüger Rechtsprechung und das Recht von Geschädigten ignoriert, ist das natürlich keinesfalls „selbstgerecht“, sondern große Kunst. Es lebe das Patriarchat. Oder lieber doch nicht.

      • Michael H. Gerloff sagt:

        Lieber Herr Eggert, herzlichen Dank für Ihre Beiträge! Es fällt mir immer schwerer, dem selbstgefälligen Kulturbetrieb nicht die sofortige Versenkung in den Orkus zu wünschen (was natürlich Kind mit Bad wäre). Aber es ist doch vieles sehr sehr ekelerregend.
        Daher hoffe ich, daß sich doch noch alles zum Guten wenden möge.

      • Thomas Wunsch sagt:

        Um es zunächst klar zu stellen. Mein Mitleid mit Siegried Mauser hält sich durchaus in Grenzen. Für das, was er getan hat, sitzt er zu Recht im Gefängnis.

        Doch die Diffamierung von Michael Krüger und anderen halte ich für vollkommen unangemessen. Ich habe durchaus Verständnis dafür, dass diese Leute, die ein Leben lang mit Siegfried Mauser befreundet waren, aus freundschaftlicher Loyalität die Sachlage zunächst vielleicht nicht objektiv genug beurteilt haben. Das ist menschlich und kein Grund, sie hämisch an den Pranger zu stellen.

        Ihnen, der Sie keine Frau sind, und als Professor an derselben Musikhochschule auch nicht gänzlich frei von karrieristischen Motiven, würde etwas mehr Zurückhaltung besser zu Gesicht stehen.

        Und es ist leider so, dass Hans Pfitzner nicht davor zurückschreckte, den hetzerischen Zeitgeist unter Diffamierungen anderer, wie etwa Thomas Mann in Zusammenhang mit seinem Wagner Essay, zur eigenen Profilierung zu Nutzen, eben so wie Sie es tun.

        • Michael H. Gerloff sagt:

          „Diffamierung“? Ja, nee, is klaa. Wenn jemand wie Michael Krüger nicht nur gegenüber dem Freunde, sondern in der Öffentlichkeit nicht nur Stellung bezieht, sondern die Rechtsprechung – hier sei es gestattet: diffamiert, dann ist ein Hinweis darauf mitnichten eine Diffamierung.
          Und Moritz Eggert jetzt mit Kindergarten-Dialektik („Selber doof!“) eine öffentliche Positionierung vorzuwerfen, spricht nicht gegen ihn. Aber wie so oft wird halt lieber der Bote erschlagen.

        • Guntram Erbe sagt:

          Welcher Mann weiß denn schon, ob nicht in seiner innersten Seele eine Frau steckt. Der liebe Freud hätte wohl vermutet, die Formulierung „Ihnen, der Sie keine Frau sind“ offenbare, was der heimliche Wunsch dieses Gedankens sei, bester Herr Wunsch.

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