Neue Musik / Musikfeature / SoundArt: Die Radio-Woche vom 16.04. bis 22.04.2018

Neue Musik, Musikfeatures und Hörspiele in der Kalenderwoche 16. Schwerpunkte: Eres Holz, Bernd Alois Zimmermann, Karlheinz Stockhausen beim Musikfest Hamburg, His Master´s Choice (28): Gordon Kampe | 8. Hörfest Neue Musik, Singende Superhelden, Ultraschall Berlin, ECLAT 2018, Musikland Türkei, Werkzeuge der neuen Musik | Zither, Wie präpariert man ein Klavier?, Querklang – ein Schulprojekt der MaerzMusik, Juan Allende-Blin erinnert sich an den Pariser Mai ’68, Das deutsche Kinderlied, Solistenensemble Kaleidoskop. Hörspiele von Alvin Curran, Heiner Goebbels, Peter Handke und Velimir Chlebnikov.

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16.04.2018


21:04 bis 22:00 | kulturradio vom rbb
Musik der Gegenwart: Der Komponist Eres Holz

Mit Eckhard Weber. „Ich interessiere mich für Wahrnehmungsprinzipien wie Spannung und Auflösung, Begriffe die aus der Tonalität stammen“, sagt der Komponist Eres Holz, der unermüdlich eine neue Harmonik fernab traditioneller Regeln erkundet. Als leidenschaftlicher Sänger mag er Monteverdi und Gesualdo und überträgt durchdachte Satztechniken in neue Konstellationen – mit verblüffenden instrumentalen Klangresultaten. Eres Holz lebt und arbeitet in Berlin und ist hier u. a. Dozent im Fach algorithmische Komposition an der Hochschule für Musik Hanns Eisler sowie Jurymitglied der INM (Initiative neue Musik Berlin e.V.).

23:03 bis 00:00 | SWR 2
SWR2 JetztMusik: „Erinnerung, Anschauung, Erwartung“ – Bernd Alois Zimmermann 100

Bernd Alois Zimmermanns „Kugelgestalt“ und die Folgen. Von Egbert Hiller. „Die Gegenwart des Vergangenen ist die Erinnerung, die Gegenwart des Gegenwärtigen ist die Anschauung, und die Gegenwart des Zukünftigen ist die Erwartung.“ Maßgeblich inspiriert von diesen Worten des Kirchenlehrers Augustinus, entwarf Bernd Alois Zimmermann seine „Kugelgestalt der Zeit“, mit der er den existenziellen Dimensionen der Zeitwahrnehmung musikalisch Ausdruck verlieh: die Zeit als Kugel, in der alle Zeiten gleich weit entfernt und gleich gegenwärtig sind. Seine davon abgeleitete Collage- und Montagetechnik hat bis heute nichts von ihrer Faszination verloren. Im Jahr seines 100. Geburtstags erscheint Zimmermanns Musik so aktuell wie „zeitlos“ – ganz im Sinne seiner „Kugelgestalt der Zeit“, mit deren Voraussetzungen, Ausprägungen und Folgen sich Autor Egbert Hiller auseinandersetzt.


17.04.2018


00:05 bis 01:00 | Deutschlandfunk Kultur
Neue Musik: Worte hören, Klänge schreiben – Im Grenzbereich von Musik und Literatur

Von Florian Neuner. In der Medienkunst gehen Text und Klang neue Verbindungen ein. Autoren agieren als Performer und arbeiten mit Elektronik.

00:12 bis 02:00 | Bayern 2
Concerto bavarese: Bayerische Komponisten

Peter Jona Korn: Erste Symphonie, op. 3 (Bamberger Symphoniker: Rudolf Alberth); Peter Schöbach: „Traummeere“ (Camilla Ueberschaer, Alt; Andreas Ruppert, Klavier); Dieter Acker: Klarinettentrio (Vit Spilka, Klarinette; Bohumil Smejkal, Viola; Vladimir Holly, Klavier); Wolfgang Jacobi: Suite im alten Stil, op. 10 (Tatjana Blome, Klavier); Russell Smith: Sinfonia concertante (Vladimir Haas, Harfe; Syrinx-Quintett; Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks: Fritz Rieger)

20:04 bis 22:00 | WDR 3
WDR 3 Konzert: 8. Hörfest Neue Musik – Bekenntnisse

Jean-Luc Darbellay: … bei einem Engel irgend … für Flöte, Klarinette, Harfe, Schlagzeug und Streichtrio, Uraufführung | Max E. Keller: Holzschnitte für 7 Spieler, Uraufführung | Valerio Sannicandro: hermeneutics für Bassflöte, Bassklarinette, Horn, Posaune, Harfe, Schlagzeug, Viola und Violoncello, Uraufführung | Christian Henking: Zeichen für Klarinette, Violine, Violoncello und Klavier, Uraufführung | Jörg-Peter Mittmann: … dem All-Einen, szenische Kammermusik für Sopran und Ensemble | Younghi Pagh-Paan: … noch … für Stimme und Viola

Dante Montoya, Flöte; Azusa Katayama, Klarinette; Mareike Neumann, Violine; Maria Pache, Viola; Martina Styppa, Violoncello; Helene Schütz, Harfe; Jens Brülls, Schlagzeug; Oboe und Leitung: Jörg-Peter Mittmann. Aufnahme aus dem Hangar 21, Detmold http://www1.wdr.de/radio/wdr3/programm/sendungen/wdr3-konzert/uebersicht-konzert-102.html

20:10 bis 21:00 | Deutschlandfunk
Hörspiel: Hörspiel – Von Peter Handke

Regie: Heinz von Cramer. Mit Franz Kutschera, Peter Striebeck, Rudi Schmidt, Heiner Schmidt, Gisela Trowe, Ina Peters, Horst Michael Neutze. Produktion: WDR/HR 1968. Länge: ca. 47′

„Man warf mir den Mantel über den Kopf und band ihn am Hals mit einer Schnur zusammen … Zuerst habe ich die Finsternis im Zimmer für die Nacht gehalten … Wenn man mich getreten hat, habe ich versucht, die Marke an der Schuhsohle zu lesen.“ Das ist die äußere Situation in Peter Handkes erstem Hörspiel ,Hörspiel‘: Ein Mann ist überwältigt worden, die Gewalttäter unterwerfen ihn einem brutalen Verhör, bei dem Sprache selbst in Folterung umschlägt. Auf der Suche nach neuen Möglichkeiten für das Hörspiel formuliert Handke Scheindialoge, die zu keiner Verständigung führen. Wie alle seine frühen dramatischen Arbeiten ist auch ,Hörspiel‘ ein Lehrstück von der Sprache.

21:00 bis 22:00 | NDR Kultur
neue musik: UTOPIE – Musik von Karlheinz Stockhausen beim Musikfest Hamburg

Von Margarete Zander. STIMMUNG, DONNERSTAG AUS LICHT, HYMNEN, KLANG und STERNFOLGEN gehören zum Programm des Musikfestes (27.4. – 30.5.). Seine Musik präzise aufführen – das war für Karlheinz Stockhausen so selbstverständlich wie der Lauf der Sonne und des Mondes, sagt er im Interview. Und er richtet noch mehr rätselhafte, eindringliche Worte an uns. DER MANN, DER VOM SIRIUS KAM.


18.04.2018


00:12 bis 02:00 | Bayern 2
Concerto bavarese: Fränkische Komponisten

Zsolt Gárdonyi: Divertimento über Tanzweisen aus Siebenbürgen (Elisabeth Fuchs, Flöte; Angelika Ruhland, Oboe; Iwan Linnenbank, Klarinette; Sabine Müller, Fagott; Stefan Würger, Horn); Günter Thim: „Jahrtag“ (Christian Adler, Klarinette; Peter Sauermann, Klavier); Hermann Seidl: Suite (Michael Eckerle, Orgel); Lorenz Schmidt: „genaugenommen. warum rosen. und Impromptus“ (Lorenz Schmidt, Gitarre; Ingo Pfeiffer, Sprechstimme); Hans Ludwig Schilling: „Triade/Tiraden“ (Trio Pan); Waldram Hollfelder: Klarinettensonate B-Dur (Duo Estro Armonico); Gerhard Deutschmann: Streichquartett Nr. 1 (Sinnhoffer-Quartett)

20:04 bis 21:00 | hr2-kultur
Kaisers Klänge: Mal kurz die Welt retten – Singende Superhelden

80 Jahre ist es her, dass Superman als Prototyp des Superhelden sich zum ersten Mal anschickte, die Welt zu retten. Aber er war keinesfalls ein Pionier.

Die klassische Musik kennt den Superhero schon lange. Meistens hat er seine Auftritte in großen Opern. Von Siegfried über König Arthus bis zu Jeanne d’Arc und Robin Hood tummeln sich die singenden Superhelden an der Rampe. Auch, wenn die meisten von ihnen dann doch ein unrühmliches Ende finden.

21:00 bis 22:30 | hr2-kultur
Hörspiel: Die Befreiung des Prometheus | Von Heiner Goebbels

Als Heiner Müller, der international wohl renommierteste deutsche Dramatiker seit Bertolt Brecht, am 30. Dezember 1995 im Alter von 66 Jahren starb, endete ein Stück deutsch-deutscher Nackriegsgeschichte auf dem Schauplatz Literatur.

Müller, im Westen wie im Osten mit den bedeutendsten Literaturpreisen ausgezeichnet (1985 Büchner-Preis wie DDR-Nationalpreis), diente der Gegensatz beider Systeme als Stoff, aber auch die deutsche Geschichte von Krieg und Vernichtung, die zur Gründung der DDR führte.

Heiner Müller im Radio – lautet der Beitrag des hr-Hörspiels zum Radio-Kultursommer ’96. Vorgestellt werden nicht nur Müllers Originalhörspiele für den DDR-Rundfunk oder bedeutende Hörspielfassungen seiner Theater- und Prosatexte, sondern auch die durch Müller-Texte angeregten Hörstücke des 1952 in Neustadt/Weinstraße geboren und in Frankfurt am Main lebenden Musikers und Komponisten Heiner Goebbels.

„Die Befreiung des Prometheus“ ist ein Prosatext, den Heiner Müller wie einen erratischen Block in sein Theaterstück ZEMENT von 1973 hineingesetzt hat. Heiner Goebbels versucht, sich diesem Text mit selbständigen musikalischen Mitteln zu nähern, die gleichberechtigt neben dem Text rangieren (Songformen, Collagen, Schnitte, Rückblenden). Dazu assoziierte Goebbels Texte aus anderen Stücken Müllers. Herausgearbeitet wir dabei der Doppelcharakter des Prometheus: Feuerräuber und Helfer der Menschen zugleich aber privilegierter Gast am Tisch der Götter.

Goebbels‘ vielfach ausgezeichnete Produktion ist mittlerweile zum „modernen Hörspielklassiker“ geworden (Hörspielpreis der Kriegsblinden 1985; Prix Italia 1986). Mit Otto Sander, Heiner Müller, Walter Raffeiner u. a. Komposition, Realisation und Regie: Heiner Goebbels

21:00 bis 21:25 | NDR Kultur
Chormusik: Neue Musik

21:04 bis 22:00 | kulturradio vom rbb
Musik der Gegenwart: Ultraschall Berlin – Festival für neue Musik 2018: Caleb Salgado

Mit Ulrike Klobes. Der amerikanische Kontrabassist Caleb Salgado hat bei seinem Solo-Recital im Rahmen von Ultraschall Berlin eine Reise ins Innenleben der Klänge unternommen, u. a. mit einem großdimensionierten Werk von Pierluigi Billone, das sich mit Klangmomenten auseinandersetzt, die beim Anreißen einer Saite entstehen und nur schwer kontrollierbar sind. Aufnahme vom 20. Januar 2018 im Radialsystem V.

21:25 bis 22:00 | NDR Kultur
Chormusik

Werke von Per Nørgård, Bent Sørensen und Niels Wilhelm Gade. NDR Chor / Ltg.: Philipp Ahmann. Aufzeichnung vom 22. September 2017 in der Hauptkirche St. Nikolai in Hamburg

23:03 bis 00:00 | SWR 2
SWR2 JetztMusik: ECLAT 2018 – Neue Vocalsolisten, Calefax Reed Quintet

Steffen Krebber: „mediated mixes“ für 5 Stimmen und 5 Rohrblatt-Instrumente (2017) (Uraufführung) | Fabio Nieder: „Eine alpenländische Volksweise von Krieg und Tod“ für 5 Stimmen und 5 Rohrblatt-Instrumente (2017) (Uraufführung) | José-María Sánchez-Verdú: „Terrains vagues“ für 5 Stimmen und fünf Rohrblatt-Instrumente (2017) (Uraufführung) | Brigitta Muntendorf: „durchhören“ für Rohrblattquintett (2011). (Konzert vom 3. Februar im Theaterhaus Stuttgart).

Ein Zufall führte zu diesem Projekt: In einem Vortrag über unterschiedliche Tierdarstellungen in der Musikgeschichte spielte Steffen Krebber versehentlich zwei Werke von Clément Janequin und Carola Bauckholt gleichzeitig ab, entdeckte verblüffende Koinzidenzen und Durchhörbarkeit – und bekam Lust, daran weiter zu forschen. Calefax und Neue Vocalsolisten, zwei gleichermaßen experimentierfreudige Klangkörper, sind gerne auf seine Projektidee eingestiegen und luden drei weitere KomponistInnen zu diesem Abenteuer ein.


19.04.2018


00:05 bis 01:00 | Deutschlandfunk Kultur
Neue Musik: inside / out – Solistenensemble Kaleidoskop

Dieter Schnebel: „Blendwerk (zu Re-Visionen 1,5: Schubert – Phantasie)“, Version für 12 Streicher (Uraufführung) | Walter Zimmermann: „Schatten der Ideen 5: Fear of Symmetry“, Version für zwölf Streicher (Uraufführung) | Ernstalbrecht Stiebler: „Ortung“ für 12 Streicher (Uraufführung)

00:12 bis 02:00 | Bayern 2
Concerto bavarese: Fränkische Komponisten

Uwe Strübing: „Der Traum von den fünf großen H“, op. 38 (Jörg Krämer, Flöte; Lilo Kraus, Harfe; Peter Selwyn, Klavier); Stefan Hippe: „Eine Nacht in Castle Hill“ (Nürnberger Akkordeonorchester Willi Münch e.V.: Irene Kauper-Meyer); Herbert Hechtel: „A new morning“, op. 48 (Peter Sauermann, Klavier); Klaus Hashagen: „Race II“ (Percussion Art Quartett); Heinrich Hartl: „Wandlungen“, op. 115 (Moravian Philharmonic Orchestra of Olomouc: Toshiyuki Shimada); Werner Heider: „Panorama“ für einen Jazz-Klarinettisten und sechs Kammermusiker (Norbert Nagel, Klarinette; ars nova ensemble nürnberg: Werner Heider); Volker Blumenthaler: „Glasnacht“ (Ensemble L’art pour l’art: Stefan Schäfer)

20:04 bis 22:30 | SR2 KulturRadio
Mouvement: Stimmen

Vokalwerke der Gegenwart von Salvatore Sciarrino, Klaus Huber, György Kurtág, Morton Feldman, Arvo Pärt, Brett Dean, George Benjamin, Jonathan Harvey, Hans Zender und Alfred Schnittke

20:05 bis 21:00 | BR-KLASSIK
contrapunkt – Dialog der Kulturen: Musikland Türkei

Mystische Sufi-Klänge und uralte osmanische Musiktraditionen, archaische Volksmusik und europäische Einflüsse: Die Türkei ist ein Land großer Kontraste und einer reichen Musiktradition. Es existiert auch eine aufregende „Underground-Szene“ zwischen elektronisch-experimentell und Jazz, etwa in den Kellerbars von Istanbul. Dass diese Szene es zur Zeit nicht gerade leicht hat, ist für die Sendung „Contrapunkt“ Grund genug, darüber zu berichten. Mit den Gesprächsgästen Tuncay Acar, einem Kenner der Istanbuler wie der Münchner Kulturszene, Cem Mansur, der als Dirigent des Nationalen Türkischen Jugendorchesters Istanbul viel unterwegs ist, und mit Aylin Aykan, Pianistin in München und Initiatorin von szene- und länderübergreifenden Kulturprojekten. Musikalischer Gast ist NIHAYLARD mit Nihan Devecioðlu (Gesang), Aylin Aykan (Klavier), und Ardhi Engl (Traditionelle und experimentelle Instrumente). Der weite stilistische Bogen des Trios reicht von alevitischen Liedern über Sufi-Mystik und aserbeidschanische Weisen bis hin zu osmanischer Musik, ohne dabei die enge Bindung an die klassisch-europäische Musiktradition zu verlieren. Moderation: Kathrin Hasselbeck

21:30 bis 22:30 | hr2-kultur
Werkzeuge der neuen Musik | Zither

Von Jim Igor Kallenberg. Schon die Alten wussten, Musik ist erst Musik, wenn sie klingt. Das ist in der zeitgenössischen Musik nicht anders als in der davor komponierten. Zwar hat sie vereinzelt auch Konzepte einer nur denkbaren oder einer bloß sichtbaren Musik hervorgebracht, doch nach wie vor sind die allermeisten Partituren des 20./21. Jahrhunderts emphatisch dem Klang verpflichtet. Dazu bedarf es wie eh und je spezieller Werkzeuge. Neben den Stimmen von Frau, Mann und Kind sind das die klassischen Orchester-Instrumente, zudem viele andere: Wiederentdeckungen aus Renaissance und Barock, etwa Blockflöte und Cembalo, Erfindungen wie das Präparierte Klavier, die Doppeltrichter-Trompete, den Synthesizer oder die Glissando-Flöte, Neuentdeckungen wie die japanische Sho, zahlloses Schlagwerk aus aller Welt und aus dem Alltag sowie endlich in die ernste Kunst integrierte Instrumente aus der eigenen Volksmusik, darunter Akkordeon, Mandoline und Zither. In einer mehrteiligen Sendereihe begeben sich viele hr2-Autorinnen und -Autoren auf Spurensuche, sprechen mit exzellenten Interpreten über ihr Klangwerkzeug, mit Instrumentenbauern über neue Anforderungen, mit Komponisten über das Wie und Warum der erweiterten Spielmöglichkeiten und präsentieren die wichtigsten Werke, teils höchst außergewöhnliche Musikstücke.

22:05 bis 23:00 | BR-KLASSIK
Horizonte: Wie präpariert man ein Klavier? Reportage mit der Pianistin Sabine Liebner

Muss ein Klavier wie ein Klavier klingen? Nach angeschlagenem und verklingendem Ton? Schon um 1920 versuchte der Amerikaner Henry Cowell das Klavier zu präparieren. Aber erst sein zeitweiliger Schüler John Cage brachte später mit äußerster Akribie einen Klang zustande, der den perkussiven Charakter des Klaviers nicht nur betonte, sondern in vielen Varianten fortführte. Mit Keilen, Bolzen aus Metall, mit Schrauben oder Filzstreifen hatte er die Saiten bestückt. Die Sendung von Tilman Urbach ist eine Radioreportage, in der der Zuhörer erleben kann, wie Sabine Liebner – als Pianistin eine ausgewiesene Cage-Spezialistin – ein Klavier live präpariert und von den Entwicklungen, Möglichkeiten und Zugängen erzählt, die die Neue Musik beider Komponisten dem Klavierinterpreten bietet.


20.04.2018


00:05 bis 01:00 | Deutschlandfunk Kultur
Klangkunst: The Irrawaddy Blues – Von Alvin Curran

Produktion: documenta 14 / Deutschlandfunk Kultur 2017. Länge: 47’30. (Wdh. v. 19.05.2017). Klangporträt des Irrawaddy, der wichtigsten Wasserstraße Myanmars.

‚The Irrawaddy Blues‘ ist eine minimalistische Symphonie atmosphärischer Klänge und Geräusche, aufgenommen in den Jahren 2014 bis 2016 in Myanmar. Alvin Curran reiste als Tourist mit seiner Frau von den Seen im Norden nach Bagan und Mandalay, den Irrawaddy hinab nach Yangon und danach zu den abgelegenen Inseln in der Andamanensee. Curran fand überall besondere und unverwechselbare Klänge. Die Komposition des Radiostücks ist ein sehr persönliches Hörporträt Myanmars, das den Ton einfach für sich sprechen lässt.

Herzlichen Dank an Susan Levenstein für ihre Aufnahmen von korallenfressenden Fischen und an Angelo-Maria Farro für das wunderbare Audio-Mastering.

‚The Irrawaddy Blues‘ war Teil der gemeinsamen Radiokunst-Ausstellung ‚Every Time A Ear di Soun‘. Während der documenta 14 präsentierten das Festival und Deutschlandfunk Kultur 30 neue Hörstücke von internationalen Künstlerinnen und Künstlern. Diese Klänge wurden von neun Rundfunksendern auf der ganzen Welt ausgestrahlt. Der Titel der Ausstellung ist einem Song des jamaikanischen Dub-Poeten Mutabaruka entlehnt. Er bedeutet „Immer wenn ich den Klang höre“

Alvin Curran, geboren 1938 in den USA, stilprägender Komponist der live-elektronischen Musik. Mitbegründer der Gruppe „Musica Elettronica Viva“. Zahlreiche Preise, Auszeichnungen und Stipendien, darunter Ars Electronica (2004), Phonurgia Nova (2005) und Elson lectureship der Universität Harvard (2012). Zuletzt für Deutschlandradio Kultur: „Living Room Music“ (2009).

00:12 bis 02:00 | Bayern 2
Concerto bavarese: Fränkische Komponisten

Hermann Müllich: „Dualismen“ (Bayerisches Landesjugendorchester: Werner Andreas Albert); „Sinnsprüche“ (Via Nova-Chor München: Kurt Suttner); „Drei Kontroversen“ (Peter Hollfelder, Klavier); Edgar Bredow: „Dialogus Marianus“ (Hans Ammon, Bassetthorn; Elza van der Ven, Cembalo; Kammerorchester des Fränkischen Landesorchesters: Edgar Bredow); Erwin Walther: Neun Stücke (Ib Hausmann, Klarinette; Frank Gutschmidt, Klavier); Bertold Hummel: „Saxophonia“, op. 103 a (Süddeutsches Saxophonorchester: Linda Bangs); Hermann Dechant: Concertante (Hermann Dechant, Altflöte; Otto Winter, Oboe; Viktor Lukas-Consort)

Im Concerto bavarese erinnert Studio Franken an den 1996 verstorbenen Bamberger Komponisten Hermann Müllich, der am 18. April 75 Jahre alt geworden wäre.

Müllich wurde 1943 in Bamberg geboren. Er studierte an der Musikhochschule in München Komposition, Dirigieren und Schulmusik. Sein Kompositionslehrer war Harald Genzmer. Anschließend nahm er an der Universität Erlangen-Nürnberg ein Studium der Musikwissenschaft, Pädagogik und Psychologie auf. 1983 wurde er zum Professor und Leiter des Fachgebietes Musikpädagogik an der Universität Erlangen-Nürnberg ernannt. In den 70er Jahren produzierte der Bayerische Rundfunk einige Werke Müllichs, darunter die „Dualismen“ für Streicher mit dem Bayerischen Landesjugendorchester unter der Leitung von Werner Andreas Albert und die „Drei Kontroversen“ mit dem Pianisten Peter Hollfelder.

19:05 bis 20:00 | BR-KLASSIK
Das Musik-Feature: „Silberner Klang trägt den Gesang“ – Liedbegleitung – die subtile Kunst am Klavier

Von Florian Heurich. Einst haben Franz Schubert oder Richard Strauss ihre Lieder selbst begleitet und sich dabei bisweilen große Freiheiten erlaubt, zur Zeit der Salon- und Hausmusik setzte man sich oft mehr mit Hingabe als mit Talent ans Klavier, und noch bis weit ins 20. Jahrhundert hinein stand bei Liederabenden der Klavierbegleiter häufig im Schatten des Sängers und hielt sich dezent im Hintergrund. Mit dem Pianisten Gerald Moore, seinerzeit Partner von Dietrich Fischer-Dieskau oder Elisabeth Schwarzkopf, wurde die Kunst der Liedbegleitung jedoch auf ein neues Level gehoben. Mittlerweile sind Sänger und Pianist längst gleichwertige künstlerische Partner und verschmelzen oft zu kongenialen Lied-Duos.

Wie genau funktioniert aber die Zusammenarbeit zwischen zwei Künstlerpersönlichkeiten bei der Vorbereitung und Probenarbeit für einen Liederabend? Welche Impulse gehen dabei vom Begleiter aus? Worauf wird bei Studium und Ausbildung von Liedpianisten Wert gelegt? Welches besondere Gespür braucht man für diesen Beruf?

Solchen Fragen geht Florian Heurich nach und hat sich unter anderem mit den Pianisten Helmut Deutsch, Wolfram Rieger, Donald Sulzen und Gerold Huber sowie den Sängern Jonas Kaufmann, Bo Skovhus und Christian Gerhaher über die subtile Kunst der Liedbegleitung unterhalten.

21:05 bis 22:30 | Bayern 2
hör!spiel!art.mix: Velimir Chlebnikov: Das Radio der Zukunft

Aus dem Russischen von Martin Zeyn. Mit Valeri Scherstjanoi und Holger Czukay. Bearbeitung: Ernst Horn/Martin Zeyn/Bernhard Jugel. Komposition: Ernst Horn. Realisation: Martin Zeyn/Bernhard Jugel

Die Medienkunst der russischen Avantgarde. Von Ania Mauruschat. Mit Boris Belge, Andrea Hacker, Sylvia Sasse und Siegfried Zielinski. Realisation: Ania Mauruschat.

1921 entwirft Chlebnikov – Futurist, Utopist, Schwarmgeist, Wortzertrümmerer und Wortschöpfer – einen Essay über die Zukunft des Radios. Alles konnte damals noch vom Radio gewollt, erwünscht und erträumt werden, als dieses am Tag kaum eine Stunde krächzend und rauschend sendete. Alle Naturgewalten werden von Chlebnikov herangezogen, um den Eindruck des Mediums zu schildern: Unermesslich, gewaltig, ungeheuer kostbar erscheint das Radio. Da ist die Nützlichkeit des Radios für die Volksaufklärung, die Chlebnikov zu einem Pfingstereignis verklärt. Fernheilung und unerhörte Arbeitssteigerungen. Das Radio sollte überall zur selben Zeit hörbar sein und das Ende der babylonischen Sprachverwirrung bedeuten. Wo es spricht, könnten die Menschen den winterlichen Geruch von Linden gemischt mit Schnee riechen. Das Radio der Zukunft fängt den Sound des frühen Radios ein und ist ein utopisches Fragment, das Nachricht gibt, wohin sich das Radio hätte entwickeln können. Die Musik des Komponisten Ernst Horn basiert auf einer 15-minütigen Aufnahme, die beim Drehen an der Kurzwellenskala entstand und mit Computer und Sampler digital bearbeitet wurde.

Velimir Chlebnikov, eigentlich Viktor Wladimirovic Chlebnikov (1885−1922). Dichter des russischen Futurismus. Werke u.a. „Bobeobi“ (1908/09), „Kolokol Uma“ (1913) „Zangezi“ (1922), „Das Radio der Zukunft“ (1927 erstmals veröffentlicht).

Die Medienkunst der russischen Avantgarde – Von Ania Mauruschat: Hunderte Fabriksirenen, Dampflokomotiven und Nebelhörner: Arsenij Avraamovs Symphonie der Sirenen war das lautstärkste Experiment, mit dem die russische Avantgarde die Oktoberrevolution von 1917 in die Kunst trug – aber sie war bei weitem nicht das einzige. Ob die Zaum-Sprache (1908/09) des Dichters Velimir Chlebnikov und seine Vision eines Radios der Zukunft (1921), ob die futuristische Oper Sieg über die Sonne (1913) von Michail Matiuschin, Alexei Kurtschonich und Kasimir Malewitsch oder Dsiga Wertows Forschungen zu „Radio-Ohr“ und „Kamera-Auge“: Experimente mit den neuesten Medien waren Programm.

All diese Versuche, nicht nur die Arbeiter, sondern auch die Künste zu befreien, fanden jedoch ein jähes Ende, als die stalinistische Doktrin des sozialistischen Realismus ausgerufen wurde. Die Parteifunktionäre verdammten, was sie nicht verstanden, als „dekadente bourgeoise Kunst“ und beschimpften die Avantgardisten als „Formalisten“. Rund 100 Jahre später ist die Sowjetunion Geschichte. Die Medienkunst der russischen Avantgarde hingegen lebt fort – um immer wieder neu entdeckt zu werden.

Ania Mauruschat, geb. 1976, Autorin und Medienwissenschaftlerin. Zahlreiche Hörfunkproduktionen u.a. „Bis in die Materie selbst hinein ist das WORT handelnd. Valère Novarina im Portrait“ (BR 2011), „Von Aliens, UFOs und Erdlingen. Zur Kulturgeschichte der Außerirdischen“ (SRF 2015).

22:00 bis 22:30 | Deutschlandfunk Kultur
Einstand: Komponieren kann jeder! Querklang – ein Schulprojekt der MaerzMusik

Von Cornelia de Reese. Muss ich ein Instrument spielen können, um selbst Musik komponieren zu können? Nein! Das beweist das Schulprojekt Querklang, das gemeinsam mit Komponisten und jungen Kompositionsstudierenden Berliner Klassen besucht. Im Unterricht erfahren Schüler in Experimenten, wo überall der Klang stecken kann: im bloßen Anschlagen von Heizungskörpern und auch beim Antippen der Gitarrensaiten, die mit Büroklammern präpariert sind. Wenn verschiedene Klangmomente gefunden sind, wird mit ihnen experimentiert, es wird arrangiert und schließlich komponiert – bis ein eigenes Werk entstanden ist.


21.04.2018


14:05 bis 15:00 | BR-KLASSIK
Das Musik-Feature: „Silberner Klang trägt den Gesang“ (Wiederholung vom Freitag, 19.05 Uhr)

22:05 bis 22:50 | Deutschlandfunk
Atelier neuer Musik: Von der Jugendrevolte politisiert – Der Komponist Juan Allende-Blin erinnert sich an den Pariser Mai ’68

Von Georg Beck. Juan Allende-Blin, 1951 aus Chile in die junge Adenauerrepublik emigriert, engagiert sich bis heute für die Wiederaufführung NS-verfolgter Komponisten. Im Mai 1968 war der Komponist und Exilforscher mit dabei in Paris. Der Aufruhr der französischen Jugend politisierte fortan sein eigenes Tun. Als Exilforscher rieb er sich in Deutschland vor allem am Schweigen über die NS-Vergangenheit. 1928 in Chile geboren, ist der heute 90-jährige Allende-Blin in der deutschen Musikwelt eine singuläre Erscheinung geblieben. In seiner Wahlheimat hat er sich zeitlebens für die Wiederentdeckung der Werke verfolgter Komponisten eingesetzt. Speziell die nordrhein-westfälische Erinnerungskultur verdankt ihm viel.


22.04.2018


17:04 bis 18:00 | hr2-kultur
Kaisers Klänge: Bi-Ba-Butzemann und Baggerführer Willibald – Das deutsche Kinderlied

Das Kinderlied erblickte das Licht der Welt, nachdem die Aufklärung die Kindheit als eigenes Lebenszeitalter des Menschen entdeckt hatte.

Seitdem versuchen Erwachsene mit Musik auf Kinder einzuwirken. Je nachdem, was die jeweilige Epoche unter Kindheit versteht, offenbaren die Lieder Wertvorstellungen, mit denen Kinder in die Erwachsenenwelt eingeführt werden sollen. Vom Bi-Ba-Butzemann bis zum Baggerführer Willibald, von Ri-Ra-Rutsch bis zu Anne Kaffeekanne.

22:00 bis 22:30 | Deutschlandfunk Kultur
Musikfeuilleton: Tränenreicher Totentanz – Benjamin Brittens „Sinfonia da Requiem“

Von Katalin Fischer. Der 26-jährige Komponist war bereits eine Berühmtheit, als er den Auftrag für die ‚Sinfonia da Requiem‘ erhielt. 1939 hatte sich der britische Konsul an Britten gewandt und ihm den Auftrag erteilt, für eine nicht näher benannte Großmacht ein Musikstück zu einem festlichen Anlass zu komponieren. Britten komponierte. Und wurde abgelehnt. Denn er konnte nicht wissen, dass der Auftrag von der japanischen Regierung stammte und die bestellte Festmusik zu Ehren des 2600-jährigen Bestehens des Kaiserhauses aufgeführt werden sollte. Die Sinfonia wurde schließlich 1941 in der Carnegie Hall in New York uraufgeführt. Sie gilt als der Höhepunkt seiner jugendlichen Schaffensperiode, als Meisterwerk, das sich zwischen Extremen bewegt.

23:04 bis 00:00 | WDR 3
WDR 3 Studio Neue Musik: His Master´s Choice (28): Gordon Kampe

Mit Ausschnitten aus folgenden Werken: Erin Gee: Mouthpiece IX, Part 1 für verstärkte Frauenstimme und Orchester; Erin Gee; Radiosinfonieorchester Wien, Leitung: Martin Brabbins | Niels Ronsholdt: Sérénade, aus „Me Quitte“ für 2 Sänger und Ensemble; Anna Katrin Egilstrod und Niels Ronsholdt, Gesang; Scenatet | Leopold Hurt: Erratischer Block für Violine, Saxofon, Klavier, Schlagzeug, mikrotonale Altzither und Zuspielung; Ensemble Mosaik, Altzither und Leitung: Leopold Hurt | Lisa Streich: Papirosn für Ensemble; Ensemble Aksiom | Andrej Koroliov: Like My Domination für Ensemble; Decoder | Karin Rehnqvist: Davids Nimm für 3 Stimmen; Agnete Christensen, Lena Willemark und Susanne Rosenberg

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seit 1997 chefökonom der kritischen masse und netzbabysitter der nmz.

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Martin Hufner

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