Die große Auflösung des großen Emoji-Mahler-Sinfonien-Rätsels

Das gestrige große Emoji-Mahler-Sinfonien-Rätsel hat es wieder einmal gezeigt: Die Leser unseres schönen Blogs sind die klügsten von ganze Welt!

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Gewonnen hat Benedikt L. aus Leipzig. Er war der Schnellste mit der richtigen Lösung. Glückwunsch! TUSCH: BA-DA-BA-BAAAAAAAPP!!! SCHRUNK, DISCH!!! Kontakt ist bereits hergestellt. Alles Weitere zu dem gemeinsamen Mahler-Sinfonie-Besuch folgt. Vielleicht sogar mit einer ausführlichen Reportage mit Fotos hier im Bad Blog. Doch hier erst einmal die detaillierte Auflösung des Rätsels.

Mahler-Sinfonie-Quiz-1

Die richtige Lösung von Nummer 1: Mahlers Dritte!

Mahler nannte den ersten Satz zunächst „Pan erwacht (😴, 😫). Der Sommer marschiert ein“. Die anderen Sätze hießen ursprünglich mal „Was mir die Blumen (🌷) auf der Wiese erzählen“, „Was mir die Tiere (🐺 💬) im Walde erzählen“, „Was mir der Mensch erzählt“, Was mir die Engel (👼) erzählen“ und „Was mir die Liebe erzählt“. Im dritten Satz der Sinfonie kommt es dann zu der überirdisch schönen „Posthorn-Episode“ (📯), im fünften Satz zu dem vergnüglich-anarchischen „Bimm Bamm“ mit viel Glockenspielklang (🔔) und Knabenchor. Davor, also im vierten Satz, mahnt (👆) die Gesangssolistin mit den Nietzsche-Worten „O Mensch! Gib Acht!“

Mahler-Sinfonie-Quiz-2

Hinter Nummer 2 steckt: Mahlers Fünfte!

Die Sinfonie beginnt mit einem Trompeten-Solo (🎺) und steht in cis-Moll (#⃣ – okay, eigentlich hätten es vier Kreuze sein müssen, aber hey: egal!). Dieser erste Satz ist mit „Trauermarsch. In gemessenem Schritt. Wie ein Kondukt“ (😭) überschrieben. Die Musik des vierten Satzes (Adagietto) wurde bekanntlich so charismatisch und treffend wie vielleicht nie zuvor in dem – auf der gleichnamigen Novelle (📖) von Thomas Mann beruhenden – Film (🎬) „Tod in Venedig“ des italienischen (🇮🇹) Regisseurs Luchino Visconti 1971 verfilmt: Während Mahlers Musik erklingt, schippert ein Schiff (🚢) in die Morgensonne (🌅). Ein Film – auch über die Gefühle von Männern für Männer (👬)…

Mahler-Sinfonie-Quiz-3

Nummer 3: Ganz klar – Mahlers Achte!

Wer Mahlers „Sinfonie der Tausend“ nicht kennt, der dürfte erst einmal erstaunt (😲) sein, wie viele Busladungen voll von Menschen (🚌 🚌 🚌 🚌 🚌 🚌) es braucht, um diese Sinfonie aufzuführen. Mahler verwendet in seiner Achten unter anderem Teile aus Goethes „Faust“ (👊). In einem der wichtigsten Chor-Teile heißt es immer wieder „Gerettet ist das edle Glied (🍆)“ (Sorry).

Mahler-Sinfonie-Quiz-4

Nummer 4: Nicht ganz leicht, aber unverkennbar: Mahlers Neunte!

Seine letzte vollendete Sinfonie schrieb Mahler in New York (🌃, 🗽) fertig. Die Sinfonie ist gleichsam schon ein Abschied (🙋), in dem auch – ich weiß: nicht schön, aber so isses nu mal: Wir müssen alle sterben! Auch du, Leser dieser Zeilen! – Erinnerungen an seine „Kindertotenlieder“ (👧, 💀, 😢) wachwerden. Die Zeit (⏳) lief Mahler, der seine Herzkrankheitsdiagnose bereits kannte, davon. Das Ende war also nahe (🔜 🏁)…

Mahler-Sinfonie-Quiz-5

Nummer 5: Eigentlich völlig logisch: Mahlers Erste!

Mahlers erste Sinfonie beginnt – laut Spielanweisung – „Wie ein Naturlaut“ (🌲, 🌳) und bald schleicht sich das Gesellen-Lied „Ging (🚶) heut‘ morgen (🌄) über’s Feld“ in die Musik hinein, in dem – völlig strange – ein „Vöglein süß“ (🐦) „Ziküth! Ziküth!“ singt. Hallo? Geht’s noch? „Ziküth!“ – Seriously?!? (Aber gut, das gehört nicht hier her.) Im dritten Satz hält bald eine Musik Einzug, die von einem Volksfest (🍻, 🎡) herüberzutönen scheint, während Mahler später wieder aus seinen eigenen „Liedern eines fahrenden Gesellen“ zitiert – und zwar aus dem schönen weltliebesschmerzigen: „Die zwei blauen Augen von meinem Schatz (👀, 💙).

Mahler-Sinfonie-Quiz-6

Nummer 6: Genau, Mahlers Zehnte!

Den zentralen dritten Satz von Mahlers Zehnter überschrieb der Komponist mit „Purgatorio“, also: „Fegefeuer!“ (👹, 🔥) und den vierten Satz gar mit „Der Teufel tanzt [es] mit mir“ (😈, 💃). Teile der Sinfonie sind tonartlich fast nicht mehr definierbar, also fast frei-tonal (🆓). Bekanntlich handelt es sich bei Mahlers letzter Sinfonie um ein Fragment, um eine Art „Sinfonie-Baustelle“ (👷), die viele Fragen (❓) offen lässt und über die sich schon einige Rekonstrukteure Gedanken (💭) gemacht haben…

Mahler-Sinfonie-Quiz-7

Nummer 7: Sehr leicht: Mahlers Siebte!

In Mahlers Sinfonie Nr. 7 werden verschiedene ländliche Szenen (⛺, 🍃, 🌳) geschildert. Mandoline und Gitarre (🎸) erklingen, ebenso wie Kuhglocken (🐄 🔔). Irgendwann ist der Hörer ganz benommen (💫), irgendwas scheint sich im letzten Satz „zu Tode (💀) zu feiern“. Gleichsam lässt sich das Finale aber auch als eine großartige, sehr sehr witzige Parodie (😜) auf Wagners Meistersinger-Vorspiel hören…

Mahler-Sinfonie-Quiz-8

Nummer 8: Hier bissen sich einige Rätsel-Freunde die Zähne aus: Mahlers Vierte!

Mahlers vierte Sinfonie steckt voller vermeintlicher Kinderlieder (👶, 🚸). So hören manche gleich zu Beginn der Sinfonie die Klarinetten das Lied vom tanzenden (💃) „Bi-Ba-Butzemann“ spielen… Im Scherzo ertönt die Solo-Violine (🎻), die, damit sie umso fieser klingt, einen Halbton nach oben (🆙) gestimmt werden muss. Eine teils schön gespenstische (👻) Sinfonie, aber im Grunde auch die fröhlichste (😄). Am Ende zitiert Mahler wieder sich selbst – und zwar sein eigenes Wunderhorn-Lied „Das himmlische (😇) Leben“, in dem unter anderem „Johannes das Lämmlein (🐑) auslasset!“

Mahler-Sinfonie-Quiz-9

Nummer 9: Ganz schön fischig: Mahlers Zweite!

In einem frühen Stadium der Sinfonie hatte Mahler sich als Titel für den ersten Satz „Totenfeier“ (⛪, 💀) ausgedacht. Der dritte Satz basiert auf Mahlers Wunderhorn-Lied „Des Antonius von Padua Fischpredigt“. Und wer sich den Original-Text einmal zu Gemüte führt, der weiß, das dort viele, viele Fische (🐠, 🐟, 🐬, 🐳) vorkommen… Als Beinamen trägt die Sinfonie – keine Idee des Komponisten selbst! – den Titel „Auferstehungssinfonie“ (♻, 💤, 🐣), denn im letzten Satz singt ein Chor (nach den Worten Klopstocks): „Was entstanden ist, das muss vergehen! Was vergangen, auferstehen.“

Mahler-Sinfonie-Quiz-10

Nummer 10: „Du bist Hammer!“: Mahlers Sechste!

Nu Kinder, ditt wa aber wirklich leicht! Mit Nummer 10 war natürlich Mahlers sechste Sinfonie gemeint, in der immer wieder stampfende (👣) Rhythmen Einzug halten. Eine ganz schöne – aber grandios komponierte – Kraftmeierei (💪), voller herrlicher sinfonischer Kollisionen (💥) und vermeintlicher Triumph(😤)-Märsch. Ein Gigant (🗻) unter allen jemals geschriebenen Sinfonien, eine instrumentale Explosion (💣), ein komponiertes, tragisches Ausrufezeichen (❗) an deren Ende tatsächlich ein stupider Holz-Hammer – nämlich der so genannte „Mahler-Hammer“ – auf eine große Holzkiste gehauen (◼ 🔨) wird. Je nach Version übrigens zwei oder drei Mal.

Vielen Dank für eure Teilnahme. Ich hoffe, ihr hattet Spaß!

Arno Lücker wurde 1979 in Braunschweig geboren. Seit 2003 lebt er in Berlin. Dort arbeitet er als Moderator und Dramaturg. Er ist Künstlerischer Leiter der Astronomie-Musik-Reihe "Himmlische Partituren" im Zeiss-Großplanetarium Berlin, arbeitete für das Konzerthaus Berlin, das Brucknerhaus Linz und viele andere, schreibt Programmtexte für zahlreiche Orchester (Wiener Philharmoniker, New York Philharmonic), macht Konzerteinführungen in der Elbphilharmonie Hamburg, der Kölner Philharmonie und anderswo. Außerdem ist er Bad-Blog-Autor der ersten Stunde und arbeitet als Kurator für die Musikstreaming-App IDAGIO.

2 Antworten

  1. Vielen Dank – hat Spass gemacht! Bei 8. hätte ich auf die 2. Sinf. geschworen: Das „UP“ war für mich „Auferstehen“, die Violine stand für die wundervolle Stelle mit Solo – Violine, der Heiligenschein und das Schaf für Paradies mit zahmen Schäfchen… So kann man irren. Wie wärs mal mit den Strauss Opern als Rätsel?

  2. Simon Albrecht sagt:

    Und ich war so überzeugt, dass sich die ‚Kindertotenlieder‘-Anspielung in #4 auf die Sechste bezieht – gleiches Entstehungsjahr, gleicher Kontext… na ja.