Giselher Klebe Opernkompositionswettbewerb in neuem Gewande

Die erste Ausschreibung des Giselher Klebe Opernkompositionswettbewerb wogte hier im Badblog hin und her. Zur Erinnerung: eine komplette Oper, anonym einzureichen, von mind. 75 Minuten für max. 9 Sänger und ein Standardopernorchester hätte im Ergebnis ein Preisgeld von 15000 Euro für die Musik und 5000 Euro für das Libretto für den Gewinner bedeutet samt einer Produktion des Werks am Landestheater Detmold – angesichts des einzig geplanten Preisträgers ein immens hoher Einsatz an Energie und Lebenszeit, ein Risiko für das Haus, ob überhaupt Personen dies auf sich nehmen und eine grössere Auswahl bestünde. Das Ergebnis der ersten Ausgabe: nicht einmal fünfzehn Einreichungen, kein Gewinnerstück. Somit auf allen Seiten nur Verlierer. In den Kommentaren zu dem damaligen Blogbeitrag wurde auf mehrstufige Wettbewerbe hingewiesen wie z.B. teatro minimo, der Neuköllner Opernpreis, Wettbewerbe des teatro lirico in Spoleto, die Rheinsberger Opernwerkstatt, etc. Gemeinsam ist diesen eine Zwischenstufe mit mehreren Ausgewählten, die damit für vorab komponierte Szenen belohnt werden, aus denen dann ein oder wenig mehr zu vermittelnde bzw. zu beauftragende Gewinner gekürt werden. Die erneute Auflage des Giselher Klebe Opernkompositionswettbewerbs hat aus ihrer ersten Ausgabe und den anderen Vorbildern jetzt ihre Lehren gezogen. Es bleibt bei der Literaturoper und der Besetzung. Das Preisgeld wurde leicht modifiziert auf 16000 Euro für Musik und 4000 für Text. Jetzt ist erst eine Szene in der gewählten Maximalbesetzung zu komponieren und ein weiteres Werk für Stimme und Ensemble/Orchester vorzulegen. Leider können sich mehrere hieraus Gekürte nicht mit ihrem Zwischenergebnis live, zumindest konzertant oder sogar nur mit einer Klavierreduktion oder anderen Reduktion präsentieren. Es wird wieder nur ein Gewinner gesucht. Immerhin hält sich nun Aufwand und Risiko die Waage. Das Finalstück ermöglicht der komponierenden Person dann zudem eine gegenfinanzierte Zeit als composer-in-residence in Detmold. Fazit: man hat dazugelernt, will am Ball bleiben. Ob es eine Präsentation der Zwischenergebnisse gibt, mag Geschmackssache sein. Der Einsatz an Lebenszeit, die Auswahlmöglichkeiten sind für das Haus verbessert. Statt einer satten, fertigen Oper können Haus und Gewinner gemeinsam die Arbeit daran fortsetzen, vorausgesetzt, dass nicht Regie und Dramaturgie wie musikalische Beschränkungen das Salz in der Suppe verwässern. Das wird nämlich der eigentliche Gottesbeweis sein, ob dieser Opernkompositionswettbewerb sich etablieren wird oder einer von vielen sein wird. Im Prinzip muss er sich am NRW Fonds Neues Musiktheater messen lassen können. Eines noch: in der letzten Jury sollen v.a. Vertreter der Kompositionslehrenden der dortigen Hochschule und mit Manfred Trojahn ein Kompositionslehrender der Hochschule Düsseldorf gesessen haben. Das lässt natürlich spekulativ erahnen, dass diese ggf. ihre Studierenden zur Teilnahme ermunterten oder jene sich dadurch bessere Chancen versprachen. Man kann nur hoffen, dass in Aussicht auf nur einen Preis sich die Professoren gegenseitig blockierten – ich nehme an, dass ich damit noch mehr in Spekulationsuntiefen abdrifte. Wie wäre es einmal mit einer Jury aus nicht an Hochschulen Lehrenden oder gelehrt Habenden? Das rein Künstlerische wurde damit gewaltig befördert, die Gefahr von Provinz- und Provenienzpfründen wäre minimiert. Bleibt zuletzt zu hoffen, dass die Ausschreibung endlich im Netz auffindbar gemacht wird. Links zur Ausschreibung: Hniweise der Musikhochschule Detmold und die vollständige Ausschreibung des Landestheaters. (aktualisierte Links, 4.6.13)

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3 Antworten

  1. Aufschlussreicher Artikel Alexander,

    Na, ich fand eben erste Details zur Deadline bisher erst bei Facebook, man klickt dann bei den Links dort aber immer noch ins Leere. Liebe Detmolder: Ein wenig tickt nun schon die Uhr und zucken schon die Finger am Griffel oder an der Tastatur der diesmal sicher hunderten weltweiten Teilnehmer für 2016. Naja, ein bisserl Zeit ist ja noch… Aber dafür, dass man mit der ersten Szene schon Anfang Februar 2014 fertig sein soll, lassen die sich aber ganz schön Zeit mit den genauen Details in Infos.

    Das könnte ja den Verdacht nahe legen, dass – wie so oft – …
    Ich hör schon auf, kann´s mir aber nicht verkneifen mich immer wieder zu wundern bzw. mich zu fragen wie oft und vor allem WARUM wohl so einige Wettbewerbe (oft gerade jene, für die Aufwändiges, groß besetztes zu schreiben ist) erst relativ kurz (viel zu kurz) vor der bereits fälligen Deadline ausgeschrieben werden bzw. mit Besetzungsdetails ect. raus rücken …

    Gut, man könnte dann vielleicht seitens des Veranstalters antworten, dass die Finanzierung für die Sache vielleicht noch nicht stand o.ä. Aber ist das wirklich immer der einzige Grund…?

    Auch wieder fragwürdig finde ich, warum diesmal wieder keine Jury-Namen veröffentlicht wurden/werden(?) Das könnte doch die erneute Vorsicht bei Komponisten, die schon immer eine Literaturoper schreiben wollten und diesmal gerne teilnehmen würden, bzw. die es beim letzten Mal taten und es nochmal versuchen wollen, etwas zerstreuen. Es wäre ein Beweis, dass man was gelernt hat. Denn dann weiß man, für den Fall das beim nächsten Mal wieder keiner als „würdig“ für einen Preis erachtet werden sollte wenigstens, wer zu jenen gehörte, die dann einvernehmlich dieses Urteil vertraten.

    Ganz zu schweigen davon, dass es zwar eine Vorauswahl gibt, aber wieder dort nur EINER dabei ist und die Szenen wieder nicht mal live in einem Konzert präsentiert und gehört/ gewürdigt werden sollen.

    Warum dann nicht mal der Mut, wenigstens bei der Vorauswahl Febr. 2014 MEHREREN Teilnehmern (wenigstens 3, wünschenswert mehr) die Chance zu geben und dafür zu sorgen dass diese Werkproben auch erklingen? Ich verstehe es nicht.

    Und vor allem, wenn man Wettbewerbe ausschreibt, frag ich mich generell:
    WARUM holen sich die Ausrichter (egal wer es ist) nicht mal öfters vor der Ausschreibung KOMPONISTEN als Berater dazu, die ihnen sagen können 1. wie langwierig das Komponieren dafür ist (ich setze dabei voraus, dass man was Vernünftiges, Wohlüberlegtes abliefern will bzw. dass nicht mal eben Komponisten z.B. Schubladenwerke aus Studium oder Jugend für so was aus dem Ärmel schütteln können), 2. warum bedenkt man so wenig, wieviel Aufwand es für alle Wettbewerbsteilnehmer ist?

    Mein Fazit: Bezüglich des Anreizes… (1000 Euronen mehr Preisgeld, das aber dafür beim Librettisten/Liberettistin abgezogen wird – nicht wirklich prickelnd, für einen Bankmanager ist das aber wenigstens eine Flasche Jahrgangsschampus – [Euer rheinischer „Anti“-Neoliberalist kann´s eben nicht lassen] ;-) ).
    Aber immerhin Composer in Residence in Detmold, und in Aussicht gestellte Folgeaufführungen nach der Premiere, da HAT man dazu gelernt!

    Für mich persönlich aber (wegen des noch stark verbesserungswürdigen MODUS, Wettbewerbsbedingungen, Deadline) immer noch nicht allzu prickelnd, dieser Wettbewerb, um es diplomatisch auszudrücken.

    Was wohl der Namensträger des Wettbewerbes dazu sagen würde?

    Schönen Tag @ all.
    Euer verstrauchter Mr. „e.“ Streichelpfau, ohne Hahnenfeder… ;-)

  2. Na, ich denke jetzt mal: Ball flach halten. Klar, eine Jurybesetzung zu wissen, wäre schon hübsch. Wichtiger fände ich die Positionen klar zu benennen: ob eben auch Regie, Bühnenbild, etc., andere wichtige Gewerke dort vertreten sind. Manchmal würde es genügen, zwei sehr unterschiedliche Komponisten wären Juroren, warum nicht z.B. ein/e Literaturopernvertreterin und ein/e Vertreter/in offenerer Formen. Es würde sogar ausreichen, sie hätten nur gutachterliche Funktionen! In vielen Wettbewerben, gerade mit Komponisten als Hauptentscheider besetzt, führt es nicht zum prickelndsten Ergebnissen. Oper ist mehr als nur Musik, auch wenn der Musik-Beitrag zu solch einem Wettbewerb der Wichtigste sein mag. Ganz ausschliessen sollte man die Schreibenden aber auch nicht aus einer Jury…

    Eine Präsentation der Zw.-Ergebnisse: ganz simpel als ausgearbeitete Korrpetitionsleseprobe zu gestalten… Das könnte erst mal genügen. Dazu dürfen die Komponierenden was sagen, ihre TexterInnen, die Jury, das Haus. Und aus!

  3. „schreibt das Landestheater Detmold zusammen mit der Hochschule für Musik „Detmold für das Jahr 2016 den „2. Internationalen Giselher-Klebe-Kompositionswettbewerb“ für Oper aus“
    So die Info aus der verlinkten Seite.:

    o.k. auf der Bühne des Landestheater Detmold wird die Oper gespielt werden, aber welche Rolle spielt hier die Hochschule für Musik Detmold?
    Stellen die die Musiker, die Sänger, den Bühnenbildner, den Regieassistenten, die Jury oder den Gewinnerkomponisten?

    Leute, lasst die Finger davon und macht einen Urlaub in Wien oder in der Toscana, trinkt dort einen guten Wein – das wird euch mehr inspirieren und künstlerischen Anschub geben, als diese Detmolder Veranstaltung. Hand aufs Herz
    der wechselstrom